Am 27. März 2026 hat der Deutsche Bundestag ein Gesetz beschlossen, das die private Altersvorsorge in Deutschland nach über zwei Jahrzehnten grundlegend verändert: das Altersvorsorgereformgesetz. Herzstück ist das neue Altersvorsorgedepot — ein staatlich geförderter ETF-Sparplan, der ab dem 1. Januar 2027 die bisherige Riester-Rente als wichtigstes Förderinstrument ablösen soll. Rund 50 Millionen Menschen sind potenziell förderberechtigt. Was das konkret für Ihr Depot bedeutet, rechnen wir in diesem Artikel durch — inklusive eines eigenen Förderrechners weiter unten.
Was ist das Altersvorsorgedepot überhaupt?
Das Altersvorsorgedepot ist kein neues Konto bei Ihrer Bank, sondern ein spezieller Depotvertrag, den Sie bei einem zertifizierten Anbieter abschließen. Innerhalb dieses Rahmens investieren Sie in ETFs, Fonds und bestimmte Anleihen — und der Staat schießt über Zulagen und Steuervorteile Geld dazu. Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Riester-Rente: Es gibt keine Beitragsgarantie mehr. Das klingt zunächst nach mehr Risiko, bedeutet aber in der Praxis vor allem eines: mehr Renditechancen.
Während klassische Riester-Produkte einen Großteil Ihrer Beiträge in festverzinsliche Anlagen stecken mussten, um die Garantie zu erfüllen, können Anbieter beim Altersvorsorgedepot vollständig auf Aktien-ETFs setzen. Wir halten das für einen strukturellen Fortschritt — zumal der Zeithorizont bei der Altersvorsorge meist 20 bis 40 Jahre beträgt, in dem selbst starke Kurseinbrüche historisch betrachtet immer wieder aufgeholt wurden.
Wer hat Anspruch auf die staatliche Förderung?
Die Förderberechtigten sind im Gesetz weit gefasst. Grundsätzlich haben alle Personen Anspruch auf staatliche Zulagen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind oder freiwillig Beiträge leisten. Das schließt ein:
| Personengruppe | Förderberechtigt? |
|---|---|
| Arbeitnehmer und Auszubildende | Ja |
| Beamte, Richter, Soldaten | Ja |
| Selbstständige (erstmals!) | Ja — neu ab 2027 |
| Riester-Sparer mit Bestandsvertrag | Bestandsschutz + Wechseloption |
| Nicht-Pflichtversicherte ohne freiwillige Beiträge | Nein |
Besonders bemerkenswert: Selbstständige sind erstmals in den Förderkreis aufgenommen. Bisher war die staatlich geförderte Altersvorsorge für viele Freiberufler und Gewerbetreibende faktisch nicht zugänglich.
Wie hoch ist die staatliche Zulage konkret?
Die Förderstruktur hat der Bundestag kurz vor der finalen Abstimmung noch einmal geändert — von einer festen Zulage hin zu einem prozentualen Modell. Die neue Systematik funktioniert so:
- Auf die ersten 360 € Eigenbeitrag pro Jahr zahlt der Staat 50 % dazu, also maximal 180 €.
- Auf Beiträge von 361 € bis 1.800 € gibt es 25 % staatliche Zulage, also maximal weitere 360 €.
- Maximale Grundzulage pro Jahr: 540 €.
- Für Kinder gilt: Die volle Kinderzulage von 300 € pro Kind wird bereits ab einem Eigenbeitrag von 25 € pro Monat (300 €/Jahr) erreicht — ein deutlicher Vorteil gegenüber Riester, vor allem für Familien mit geringem Einkommen.
Das ist erheblich mehr als bei der alten Riester-Grundzulage von 175 € und deutlich transparenter berechnet. Ein Rechenbeispiel: Wer monatlich 100 € einzahlt (1.200 € im Jahr), erhält 180 € (50 % auf die ersten 360 €) plus 210 € (25 % auf die restlichen 840 €) = 390 € staatliche Zulage oben drauf — ohne steuerliche Betrachtung.
Was können Sie im Altersvorsorgedepot anlegen?
Das Gesetz definiert eine sogenannte Positivliste zulässiger Anlageklassen. Erlaubt sind UCITS-regulierte ETFs und Fonds (Aktien-, Renten- und Mischfonds) sowie Anleihen von EU-Staaten und deutschen Ländern oder Gemeinden. Ausgeschlossen bleiben Einzelaktien, Zertifikate, Kryptowährungen und andere komplexe Produkte. Für die meisten Kleinanleger ist das kein Nachteil — ein breit gestreuter MSCI-World-ETF oder ein ACWI-ETF fällt problemlos in die zulässige Kategorie.
Hätten Sie es gewusst? Beim Altersvorsorgedepot ist das Umschichten zwischen Fonds steuerfrei. Wer etwa zehn Jahre vor der Rente schrittweise in einen schwankungsärmeren Geldmarktfonds wechselt, zahlt dabei — anders als im normalen Depot — keine Abgeltungsteuer auf die realisierten Gewinne.
Altersvorsorgedepot vs. normales ETF-Depot: Was rechnet sich mehr?
Die Frage stellen sich viele, die bereits eigenständig in ETFs investieren. Die ehrliche Antwort: Es kommt auf die individuelle Situation an. Wir haben die wesentlichen Unterschiede gegenübergestellt:
| Merkmal | Altersvorsorgedepot | Normales ETF-Depot |
|---|---|---|
| Staatliche Zulage | bis 540 €/Jahr | keine |
| Erträge in Ansparphase | Steuerfrei | Vorabpauschale, Abgeltungsteuer |
| Umschichtungen | Steuerfrei | Steuerpflichtig |
| Besteuerung im Alter | Voller Grenzsteuersatz | 25 % Abgeltungsteuer + 30 % Teilfreistellung |
| Flexibilität | Gebunden bis zum 65. Lebensjahr | Jederzeit verfügbar |
| Anlageauswahl | Positivliste (ETFs, Fonds, Staatsanleihen) | Unbeschränkt |
| Kosten | Standarddepot gedeckelt bei 1,0 % Effektivkosten/Jahr | Je nach Anbieter |
Die Tabelle zeigt: Das Altersvorsorgedepot lohnt sich besonders für Anleger mit mittleren Einkommen und langem Zeithorizont, bei denen die Zulagen einen spürbaren Hebel entfalten. Wer im Alter dagegen einen hohen Grenzsteuersatz haben wird, sollte die nachgelagerte Besteuerung genau durchrechnen — in bestimmten Konstellationen kann ein normales ETF-Depot am Ende mehr nach Steuern einbringen.
Wir haben in der Redaktion einen einfachen Rechner gebaut, mit dem Sie Ihre persönliche Förderung und das projizierte Endkapital abschätzen können:
Altersvorsorgedepot-Rechner
Was passiert mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?
Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, muss nicht sofort handeln — und sollte es in vielen Fällen auch nicht. Das Gesetz sieht Bestandsschutz vor: Bestehende Riester-Verträge laufen mit der bisherigen Förderung weiter. Ab 2027 gibt es drei Optionen:
- Vertrag unverändert behalten — weiter mit alter Systematik und alter Zulage.
- Nur die Förderlogik wechseln — Produktstruktur bleibt, aber neue Zulage gilt.
- Förderunschädlich ins Altersvorsorgedepot übertragen — Guthaben wandert ohne Rückzahlungspflicht für erhaltene Zulagen in das neue Depot.
Vorsicht gilt bei einer Kündigung des alten Vertrags: Wer kündigt statt zu wechseln, muss alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Riester-Neuverträge sind nach aktuellem Stand noch bis zum 31. Dezember 2026 möglich — aber kaum noch sinnvoll abzuschließen, wenn das neue System 2027 an den Start geht.
Wann lohnt sich das Altersvorsorgedepot — und wann nicht?
Wir haben uns in der Redaktion die Zahlen genau angesehen und kommen zu einem differenzierten Befund:
Gut geeignet für: Arbeitnehmer mit mittlerem Einkommen, die staatliche Zulagen voll ausschöpfen können und einen Anlagehorizont von mindestens 15 Jahren haben. Auch für Familien mit Kindern, bei denen die Kinderzulage deutlich ins Gewicht fällt. Und erstmals: Selbstständige ohne bisherigen Förderungszugang.
Weniger eindeutig für: Besserverdiener mit hohem Grenzsteuersatz im Alter. Die nachgelagerte Besteuerung kann die Vorteile der steuerfreien Ansparphase in bestimmten Konstellationen aufzehren. Wer im Ruhestand absehbar noch 40 oder 45 % Grenzsteuersatz zahlt, sollte einen Steuerberater hinzuziehen.
Weniger geeignet für: Anleger, die Flexibilität brauchen. Das Kapital ist bis zum 65. Lebensjahr gebunden — wer es früher entnimmt, muss alle erhaltenen Förderungen zurückzahlen.
Hätten Sie es gewusst? Wer monatlich 100 € über 30 Jahre einzahlt, erhält durch Zulagen und steuerfreien Zinseszins in der Ansparphase nach unserer Modellrechnung rund 32.500 € mehr als ohne Förderung — allein durch die staatliche Zulage von 390 € pro Jahr bei 6 % Rendite p.a.
Welche Anbieter werden das Altersvorsorgedepot anbieten?
Die konkreten Angebote werden im Laufe des Jahres 2026 ausgerollt. Trade Republic hat bereits eine Vorregistrierung gestartet und positioniert sich als einer der günstigsten Anbieter. Auch Scalable Capital, finanzen.net Zero und Bitpanda haben Interesse signalisiert. Daneben plant die Bundesregierung ein staatliches Standardprodukt als Basisangebot.
Worauf Sie bei der Anbieterwahl achten sollten:
- ETF-Auswahl: Wie viele der zugelassenen ETFs werden angeboten?
- Effektivkosten: Das Gesetz deckelt das Standarddepot bei 1,0 % — für selbst gewählte ETFs liegen die Kosten typischerweise bei 0,1–0,2 %. Günstigere Eigenauswahl lohnt sich langfristig erheblich.
- Übertragungsoption: Kann ein bestehender Riester-Vertrag förderunschädlich übertragen werden?
- Standarddepot: Gibt es eine simple Voreinstellung ohne eigene Anlageentscheidungen, die sich für Einsteiger eignet?
Einen aktuellen Vergleich der Neobroker und ihrer Kostenstrukturen finden Sie in unserem Neobroker-Vergleich 2026.
Welche Rolle spielen ETFs im Altersvorsorgedepot?
ETFs sind das Kernprodukt des neuen Systems — kein Zufall. Breit gestreute Indexfonds verbinden niedrige Kosten mit globaler Diversifikation, was bei einem Anlagezeitraum von 20 bis 40 Jahren deutliche Renditevorteile gegenüber aktiv gemanagten Fonds zeigt. Empfehlenswert für das Standarddepot sind ETFs auf den MSCI All Country World Index (ACWI) oder den MSCI World — beide fallen in die zugelassenen UCITS-Fondskategorien.
Zur Auswahl des richtigen ETF-Sparplans und zu den wichtigsten Kaufstrategien empfehlen wir unseren Artikel Kaufstrategien für Privatanleger.
Mit welchem Depot können Sie jetzt schon starten — bevor das Altersvorsorgedepot 2027 kommt?
Das Altersvorsorgedepot startet frühestens am 1. Januar 2027. Wer heute beginnen will aufzuholen, kann mit einem klassischen ETF-Sparplan bereits dieselbe Anlagestrategie umsetzen — ohne Steuervorteile, aber mit sofortiger Verfügbarkeit und voller Anlagefreiheit. Im Depotkonto-Vergleichsrechner finden Sie eine aktuelle Übersicht der günstigsten Anbieter.
Anbieter für Ihren ETF-Sparplan im Vergleich
Bis das Altersvorsorgedepot 2027 startet, können Sie mit einem kostengünstigen ETF-Sparplan denselben Aufbau beginnen. Für Einsteiger mit Sparplan-Fokus empfehlen wir derzeit zwei Anbieter:
| Anbieter | Sparplan ab | Besonderheit |
|---|---|---|
| Trade Republic* | 1 €/Monat | Vorregistrierung Altersvorsorgedepot seit März 2026 geöffnet; 4 % Zinsen auf Verrechnungskonto |
| Scalable Capital* | 1 €/Monat | Große ETF-Auswahl, Prime-Broker-Erfahrung, auch für aktive Anleger geeignet |
Zu Trade Republic | Zu Scalable Capital
* Affiliate-Link. Wenn Sie über diesen Link ein Depot eröffnen, erhalten wir eine Provision — für Sie entstehen keine Mehrkosten. Unsere redaktionellen Einschätzungen sind davon unabhängig.
Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot
Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot abschließen?
Der offizielle Start ist für den 1. Januar 2027 geplant. Das Gesetz hat der Bundestag am 27. März 2026 beschlossen; die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus (nächster regulärer Sitzungstermin: 24. April 2026). Einige Anbieter wie Trade Republic ermöglichen bereits eine Vorregistrierung.
Was passiert, wenn ich Geld vorzeitig aus dem Altersvorsorgedepot entnehme?
Eine Entnahme vor dem 65. Lebensjahr gilt als förderschädliche Verwendung. Sie müssen dann alle erhaltenen Zulagen und steuerlichen Vorteile zurückzahlen. Das Kapital selbst bleibt Ihnen erhalten.
Kann ich mehrere Altersvorsorgedepots bei verschiedenen Anbietern eröffnen?
Pro Person sind bis zu zwei Altersvorsorgedepot-Verträge möglich. Förderfähig sind jedoch insgesamt maximal 1.800 € Eigenbeitrag pro Jahr — unabhängig davon, auf wie viele Verträge sich die Einzahlungen verteilen. Ein Anbieterwechsel mit Guthabenübertragung ist jederzeit möglich.
Ist das Altersvorsorgedepot im Insolvenzfall geschützt?
Das Depot soll mit Pfändungsschutz und Verwertungsausschluss ausgestattet sein — ähnlich wie Riester-Guthaben. Die genaue Ausgestaltung wird durch nachgelagerte Rechtsverordnungen geregelt.
Lohnt sich ein Riester-Neuvertrag noch bis Ende 2026?
In den meisten Fällen nein. Wer 2027 ins neue System wechseln möchte, zahlt für einen kurzen Riester-Zeitraum Abschlusskosten, die kaum zurückzuverdienen sind. Ausnahme: Wer die alten Riester-Zulagen noch für 2026 sichern will und keine laufenden Kosten hat.
Wird das Altersvorsorgedepot die Vorabpauschale ersetzen?
In der Ansparphase des Altersvorsorgedepots fällt keine Vorabpauschale an — das ist einer der zentralen Steuervorteile. Im normalen ETF-Depot bleibt die Vorabpauschale weiterhin relevant.
Was ist das staatliche Standarddepot?
Neben privaten Anbietern plant die Bundesregierung ein öffentlich organisiertes Standardangebot mit voraussichtlich noch günstigeren Konditionen als der gesetzliche Kostendeckel von 1,0 %. Details dazu sollen bis Ende 2026 konkretisiert werden. Es richtet sich vor allem an Menschen ohne Kapitalmarkterfahrung, die keine eigenen Anlageentscheidungen treffen möchten.
Den Vergleich aktueller Depotangebote finden Sie in unserem Depotkonto-Vergleichsrechner.

