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CapTrader im Test 2026 – Lohnt sich der Broker für Privatanleger?

CapTrader ist im deutschsprachigen Raum einer der bekanntesten Online-Broker für aktive Anleger und Trader. Der Anbieter mit Sitz in Düsseldorf agiert seit 2011 als Introducing Broker für Interactive Brokers (IBKR) – einen der größten US-Broker weltweit. Anleger erhalten dadurch Zugang zu rund 1,2 Millionen Wertpapieren an über 150 Börsen in mehr als 30 Ländern: Aktien, ETFs, Anleihen, Futures, Optionen, CFDs, Devisen und Rohstoffe. Im Gegenzug verzichtet CapTrader auf klassisches Banking – keine Girokonten, keine Kreditkarten, kein Tagesgeld. Wer nur einen ETF-Sparplan einrichten will, ist hier nicht richtig.

Wer steckt hinter CapTrader?

CapTrader ist aus der 1997 gegründeten deutschen Vermögensverwaltung Heyder Krüger & Kollegen hervorgegangen und wird von der BaFin in Deutschland reguliert. Die eigentliche Kontoführung und Orderausführung liegen jedoch bei Interactive Brokers in Großbritannien – einem an der NASDAQ börsennotierten US-Unternehmen mit über 40 Jahren Markterfahrung. Diese Konstruktion ist typisch für Introducing Broker: CapTrader stellt den deutschsprachigen Kundenservice, die Vertragsbeziehung und das lokale Marketing, Interactive Brokers die technische Infrastruktur. In der Praxis bedeutet das: Sie profitieren von den extrem günstigen Handelskonditionen von IBKR, haben aber einen deutschsprachigen Ansprechpartner mit Sitz in Deutschland.

Konditionen auf einen Blick

Depotführungkostenlos
Mindesteinlage2.000 €
Order Xetra0,10 % vom Volumen, mind. ca. 2 €
Order USAab 2 USD pro Trade
Futures / Optionenab 2 € pro Kontrakt
Sparplänenicht direkt – nur über Partner (ebase)
Steuerabwicklungnicht steuereinfach, Eigenerklärung nötig
RegulierungBaFin (DE), FCA (UK)
PlattformTrader Workstation (TWS), CapTrader Easy App

Gebührenmodell im Detail

CapTrader verzichtet auf Depotführungsgebühren, verlangt im Gegenzug aber eine Mindesteinlage von 2.000 € oder 2.000 USD. Das Gebührenmodell ist volumenbasiert und nicht pauschal: An deutschen Börsen wie Xetra zahlen Sie 0,10 Prozent vom Ordervolumen, mindestens jedoch rund 2 Euro (je nach Handelsplatz zwischen 2 und 5,90 Euro). Für eine Order über 5.000 Euro bedeutet das eine Gebühr von 5 Euro – günstiger als die meisten Direktbanken, aber teurer als Neobroker wie Trade Republic mit ihrer 1-Euro-Pauschale.

Besonders stark ist CapTrader bei internationalen Orders: US-Aktien handeln Sie ab 2 USD pro Order (beziehungsweise 1 Cent pro Aktie), Futures und Optionen kosten ab 2 Euro pro Kontrakt. Wer häufig an US-Börsen oder mit Derivaten handelt, spart im Vergleich zu klassischen Direktbanken teils dreistellige Beträge pro Jahr. Limitänderungen oder Order-Löschungen berechnet CapTrader allerdings mit 0,50 Euro – bei vielen Konkurrenten sind diese kostenfrei. Auch für Echtzeit-Kurse fallen je nach Marktdaten-Paket zusätzliche Gebühren an.

Handelsangebot und Plattformen

Der größte Vorteil von CapTrader ist die Produktbreite. Über die Plattform handeln Sie Aktien und ETFs, Anleihen, Optionen, Futures, CFDs, Devisen, Krypto-ETPs und sogar Edelmetalle direkt an der Quellbörse. Als Handelsplattformen stehen die Trader Workstation (TWS) von Interactive Brokers und die schlankere CapTrader Easy App zur Verfügung. Die TWS gilt als eine der leistungsfähigsten Retail-Plattformen am Markt: über 100 Ordertypen, umfangreiches Risikomanagement, programmierbare Alerts und professionelle Charting-Tools. Einsteiger werden von der Funktionsfülle anfangs erschlagen, für aktive Trader ist sie aber ein echter Gewinn. Seit Januar 2026 kooperiert CapTrader zudem mit TradingView – Orders lassen sich direkt aus den Charts platzieren, ohne die Plattform zu wechseln.

Kontomodelle und Mindesteinlage

CapTrader bietet verschiedene Kontoformen an: Einzelkonten, Gemeinschaftskonten, Familienkonten und Managed Accounts. Bei Privatdepots können Sie zwischen einem Cash-Konto (ab 18 Jahren, reiner Wertpapierhandel ohne Hebel) und einem Margin-Konto (ab 21 Jahren, mit Zugang zu Futures, Optionen, CFDs und Leerverkäufen) wählen. Für beide Varianten gilt die Mindesteinlage von 2.000 Euro. Einzahlungen laufen nicht über eine eigene IBAN, sondern über ein Sammelkonto mit Verwendungszweck – das ist etwas umständlicher als bei klassischen Banken, funktioniert in der Praxis aber zuverlässig.

Steuern – der größte Stolperstein

Der wichtigste Punkt für deutsche und österreichische Anleger: CapTrader ist nicht steuereinfach. Das bedeutet, dass die Kapitalertragsteuer nicht automatisch ans Finanzamt abgeführt wird. Sie müssen Gewinne, Dividenden und Zinsen jedes Jahr selbst in der Steuererklärung angeben (Anlage KAP in Deutschland, E1kv in Österreich). Das bringt Zusatzaufwand, hat aber auch einen Vorteil: Da die Steuer erst im Folgejahr fällig wird, steht Ihnen das gesamte Jahr über mehr Kapital zur Wiederanlage zur Verfügung – ein Effekt, den man als Steuerstundung kennt. Auch der deutsche Sparerpauschbetrag bzw. der österreichische Verlustausgleich funktionieren über die Steuererklärung, allerdings ohne den Komfort eines automatischen Freistellungsauftrags. Wer einen Steuerberater hat oder Tools wie WISO Steuer nutzt, kann damit gut leben. Für alle anderen ist das ein echter Nachteil.

Sicherheit und Regulierung

Weil die Konten bei Interactive Brokers (UK) Limited geführt werden, greift im Insolvenzfall das britische Einlagensicherungssystem FSCS mit bis zu 85.000 GBP auf Cash-Bestände. Wertpapiere gelten ohnehin als Sondervermögen und sind damit vom Broker-Vermögen getrennt – sie werden im Ernstfall direkt an die Eigentümer herausgegeben. Interactive Brokers ist an der NASDAQ börsennotiert, jährlich testiert und gilt als eines der finanziell solidesten Brokerage-Häuser weltweit. Das Risiko eines Totalverlusts durch Broker-Insolvenz ist damit sehr gering.

Stärken und Schwächen

Die Stärken von CapTrader liegen klar im internationalen Marktzugang, den günstigen Gebühren für US-Aktien, Optionen und Futures sowie der professionellen Trader Workstation. Auch die seriöse Regulierung, die deutschsprachige Kundenbetreuung und die finanzielle Solidität von Interactive Brokers sind Pluspunkte. Auf der Schwächenseite stehen die hohe Mindesteinlage von 2.000 Euro, die fehlende automatische Steuerabführung, die nicht vorhandenen eigenen ETF-Sparpläne (nur über den Partner ebase verfügbar) und die für Einsteiger steile Lernkurve der TWS. Auch der Zugang zu Echtzeit-Kursen ist kostenpflichtig, was bei Neobrokern meist inkludiert ist. Für deutsche Xetra-Orders ist CapTrader zudem nicht der günstigste Broker am Markt – hier haben Neobroker die Nase vorn.

Für wen eignet sich CapTrader?

Für reine ETF-Sparplan-Anleger ist CapTrader die falsche Wahl. Hier sind klassische Neobroker oder eine Direktbank deutlich einfacher und bequemer. Interessant wird CapTrader für drei Zielgruppen: erstens aktive Anleger, die gezielt an internationalen Börsen handeln und Wert auf direkten Marktzugang legen; zweitens Optionshändler und Futures-Trader, die die TWS-Plattform und die günstigen Derivate-Konditionen nutzen wollen; und drittens vermögende Privatanleger, die ein größeres Portfolio international diversifizieren und dabei von der Steuerstundung profitieren möchten. Wer bislang noch kein Wertpapierdepot besitzt, findet in unserem Beitrag Was ist ein Aktien-Depot? die Grundlagen.

Fazit

CapTrader ist kein Broker für Einsteiger – aber für alle, die über ein Basisdepot hinausdenken, gehört er zu den interessantesten Angeboten im deutschsprachigen Raum. Die Kombination aus Interactive-Brokers-Infrastruktur, deutscher Regulierung und transparenten (wenn auch komplexen) Gebühren ist einzigartig. Wer bereit ist, sich in die Trader Workstation einzuarbeiten und die Steuererklärung selbst zu machen, bekommt Zugang zu praktisch jedem liquiden Markt der Welt – zu Konditionen, die Privatanleger sonst kaum erhalten.

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