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Folge 12 – Was ist eine Anleihe (Anleihen 1)

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Anleihen galten über ein Jahrzehnt als wenig spannend — die Niedrigzinsphase hatte die Renditen auf ein Niveau gedrückt, bei dem sich der Aufwand nicht lohnte. Seit der EZB-Zinswende zwischen Juli 2022 und September 2023 hat sich das grundlegend geändert. Heute werfen zehnjährige Bundesanleihen wieder rund 2,95 Prozent ab. Was ist eine Anleihe überhaupt?

Anleihe ist nicht gleich Aktie

Eine Aktie macht Sie zum Miteigentümer. Eine Anleihe ist ein Forderungspapier: Sie leihen Geld und bekommen Zinsen plus Rückzahlung. Als Gläubiger stehen Sie im Insolvenzfall vor den Aktionären — weniger Risiko, niedrigere erwartete Rendite.

Die vier wichtigsten Begriffe

Nominale — der Rückzahlungsbetrag. Bundesanleihen ab 0,01 Euro, Unternehmensanleihen meist ab 100.000 Euro. Mehr in Folge 13.

Laufzeit — drei bis zehn Jahre bei Unternehmen, bis 30 bei Staaten. Je länger, desto größer das Zinsänderungsrisiko.

Kupon — der jährliche Zinssatz auf die Nominale.

Tilgung — Rückzahlung in einer Summe am Fälligkeitstag.

Die drei großen Risiken

Ausfallrisiko: Emittent pleite → Geld weg. Bei Bundesländern hoher Bonität vernachlässigbar.

Zinsänderungsrisiko: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Konkret: Die 2019 emittierte Bundesanleihe mit Nullkupon und Laufzeit 2050 wurde zu rund 107 Prozent ausgegeben. April 2026: Kurs bei etwa 43,5 Prozent. Kursverlust rund 60 Prozent. Details in Folge 15.

Inflationsrisiko: Nominal bekommen Sie das Versprochene, die Kaufkraft kann gelitten haben.

Warum Anleihen 2026 wieder lohnen

Die EZB hob den Einlagenzins zwischen Juli 2022 und September 2023 in zehn Schritten von null auf 4,00 Prozent. Seitdem schrittweise Senkungen auf aktuell 2,00 Prozent (April 2026). Zehnjährige Bundesanleihen liefern rund 2,95 Prozent, Investment-Grade-Unternehmensanleihen 3,5 bis 3,8 Prozent. Anleihen sind erstmals seit einem Jahrzehnt wieder ein ernsthafter Portfoliobaustein.

Häufige Fragen

Unterschied Anleihe vs. Aktie?
Aktie = Miteigentum mit vollem Risiko. Anleihe = Gläubigerposition mit festen Zinsen, vorrangig im Insolvenzfall.

Sind Staatsanleihen immer sicher?
Große Industriestaaten ja, aber Griechenland 2012 zeigte: auch Staaten können Gläubiger verlustig machen.

Ab welchem Betrag?
Bundesanleihen ab 0,01 Euro. Corporate Bonds meist 100.000 Euro Mindeststückelung. Für Kleinanleger sind Anleihen-ETFs der einfachste Weg.

Können Anleihen fallen?
Ja, deutlich. Die Bundesanleihe 2050 verlor rund 60 Prozent seit Emission.

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