Zuletzt aktualisiert: April 2026
Wer in eine Aktie investiert, will am Ende eines wissen: Was ist tatsächlich übrig geblieben? Die Rendite einer Aktie ist die Antwort darauf — und sie setzt sich, anders als beim Sparbuch, aus zwei Komponenten zusammen, die getrennt betrachtet werden müssen.
Die zwei Bausteine der Aktienrendite
Die Gesamtrendite einer Aktie speist sich aus:
- Kursgewinn — die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs (siehe Folge 21 — Der Kurs einer Aktie)
- Dividende — die laufende Gewinnausschüttung der Aktiengesellschaft an ihre Aktionäre (siehe Folge 22 — Die Dividende)
Beide Bausteine müssen vor dem Vergleich mit anderen Anlageformen um drei Posten bereinigt werden: Kauf- und Verkaufsspesen, Steuern und gegebenenfalls Depotgebühren. Erst danach steht die Zahl, die wirklich aussagekräftig ist — die Nettorendite.
Steuern auf Aktienrenditen — der aktuelle Stand
In Deutschland greift bei Kursgewinnen und Dividenden die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 %, zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Effektiv liegt die Belastung damit bei rund 26,375 %. Jeder Anleger verfügt allerdings über einen Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr (bei Verheirateten 2.000 €), bis zu dieser Grenze bleiben Erträge steuerfrei — vorausgesetzt, ein Freistellungsauftrag wurde beim Broker erteilt.
Wichtig zu wissen: In Österreich liegt die Kapitalertragsteuer auf Kursgewinne und Dividenden bei 27,5 %, einen Sparerpauschbetrag wie in Deutschland gibt es dort nicht. Wer also als österreichischer Anleger rechnet, muss diese Sätze in unserem Excel-Tool entsprechend einsetzen.
Das Aktienrendite-Excel-Tool zum Download
Damit Sie die Rendite einer konkreten Position nicht im Kopf rechnen müssen, haben wir vor einigen Jahren einen kleinen Aktienrenditerechner gebaut, der seither immer wieder nachgefragt wird:
Aktienrenditerechner — Download starten
Das Tool berücksichtigt Spesen, Steuersätze, Haltedauer und Dividende. Es liefert Ihnen drei Kennzahlen: die reine Kursrendite, die Dividendenrendite und die Gesamtrendite p.a. Letztere ist die einzig faire Kennzahl, wenn Sie das Aktieninvestment mit einem Tagesgeld- oder Festgeldkonto vergleichen wollen — alles andere unterschlägt den Zinseszinseffekt der unterschiedlichen Laufzeiten.
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir an, Sie kaufen 50 Aktien eines DAX-Konzerns zum Kurs von 200 € und verkaufen sie drei Jahre später zu 260 €. Während der Haltedauer haben Sie pro Jahr eine Dividende von 8 € je Aktie erhalten. Spesen: 10 € pro Order.
Brutto:
- Kursgewinn: 50 × (260 € − 200 €) = 3.000 €
- Dividenden über drei Jahre: 50 × 24 € = 1.200 €
- Bruttogewinn vor Spesen: 4.200 €
- Abzüglich 20 € Spesen: 4.180 €
Netto (Deutschland, ohne Sparerpauschbetrag, ohne Kirchensteuer):
- Steuerlast: 4.180 € × 26,375 % ≈ 1.102 €
- Nettogewinn: rund 3.078 €
Bei einem Einsatz von 10.010 € entspricht das einer Nettorendite von rund 30,7 % auf drei Jahre, oder umgerechnet etwa 9,3 % pro Jahr. Das wäre ein für ein Aktieninvestment plausibles, aber keinesfalls garantiertes Ergebnis — die langjährige Durchschnittsrendite des DAX inklusive Dividenden liegt historisch bei rund 7 % p.a.
Welcher Broker — und worauf es bei den Kosten ankommt
Spesen sind der einzige Renditekiller, den Sie selbst direkt steuern können. Bei einem Einmalinvestment fallen 10 € Orderkosten kaum ins Gewicht, bei einem monatlichen Sparplan über zehn Jahre dagegen sehr wohl — die gleiche Größenordnung kann am Ende einen vierstelligen Betrag ausmachen.
Wer heute mit dem Aktienkauf beginnt, fährt mit einem Neobroker in den allermeisten Fällen am günstigsten. Trade Republic etwa berechnet 1 € pro Order und bietet kostenlose ETF-Sparpläne — für die typische Buy-and-Hold-Strategie eines Privatanlegers ist das kaum zu unterbieten. Eine vollständige Übersicht aller relevanten Anbieter mit Kosten, Sparplan-Auswahl und Handelsplätzen finden Sie in unserem Depotkonto-Vergleichsrechner.
Häufige Fragen
Wie berechnet man die Rendite einer Aktie?
Aus dem Kursgewinn (Verkaufskurs minus Kaufkurs) zuzüglich aller erhaltenen Dividenden, abzüglich Spesen und Steuern. Geteilt durch den ursprünglichen Kapitaleinsatz und annualisiert auf die Haltedauer ergibt sich die Nettorendite pro Jahr.
Was ist der Unterschied zwischen Dividendenrendite und Gesamtrendite?
Die Dividendenrendite betrachtet ausschließlich die Ausschüttung im Verhältnis zum aktuellen Kurs. Die Gesamtrendite umfasst zusätzlich den Kursgewinn oder -verlust und ist damit die einzige Kennzahl, die ein vollständiges Bild liefert.
Welche Steuern fallen auf Aktiengewinne in Deutschland an?
25 % Abgeltungsteuer, 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf und gegebenenfalls Kirchensteuer. Bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags von 1.000 € pro Jahr bleiben Erträge steuerfrei. Die depotführende Bank führt die Steuer in der Regel automatisch ab.
Ist die historische Durchschnittsrendite von Aktien auch in Zukunft realistisch?
Die langjährige Durchschnittsrendite des DAX inklusive Dividenden liegt bei rund 7 % pro Jahr. Diese Zahl gilt aber nur über lange Zeiträume von 15 Jahren und mehr — in einzelnen Jahren sind sowohl deutlich höhere Gewinne als auch Verluste möglich.
Lohnt sich der Aktienkauf überhaupt noch bei höheren Tagesgeldzinsen?
Aktien und Tagesgeld erfüllen unterschiedliche Funktionen im Portfolio. Tagesgeld sichert kurzfristige Liquidität, Aktien sind Vermögensaufbau über Jahrzehnte. Selbst bei 3 % Tagesgeldzinsen schlägt eine breit gestreute Aktienanlage langfristig in der Regel jede risikoarme Sparform.
Weitere Folgen aus der Aktien-Serie
Diese Folge ist Teil der vollständigen Aktien-Serie. Den Überblick liefert der Hub-Beitrag Folge 34 — Die ultimative Aktien-Zusammenfassung. Die direkt anschließende Folge ist Folge 24 — Wann Sie Aktien kaufen sollen. Wer das Pendant für Anleihen sucht, wird in Folge 17 — Die Rendite einer Anleihe fündig. Hintergrund zur Steuerseite liefert Folge 10 — Steuern und Kapitalanlage.