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Was ist ein tilgungsfreier Kredit? Vor- und Nachteile

Beim tilgungsfreien Kredit handelt es sich um eine besondere Variante eines Kredits, die beispielsweise für eine Zwischenfinanzierung oder eine Überbrückung genutzt werden kann. Das besondere Merkmal ist die Tatsache, dass die Monatsraten keinerlei Rückzahlungskomponente enthalten: Der Kreditnehmer bezahlt lediglich die anfallenden Zinsen, so dass sich keinerlei Änderung des ausstehenden Kreditbetrags während der Laufzeit ergibt.

Hauptvorteil: Der tilgungsfreie Kredit erweitert den finanziellen Spielraum

Mit dem tilgungsfreien Kredit kann sich der Kreditnehmer einen höheren Betrag auszahlen lassen, als wenn er mit seiner Monatsrate zusätzlich eine 1 oder 2%-ige Tilgung mit bedienen müsste. Damit können Projekte realisiert werden, die bei einer schnellen Rückzahlung und einer begrenzten Laufzeit nicht realisierbar wären. Zudem kann der tilgungsfreie Kredit langfristig vereinbart und festgelegt werden, weshalb er ein großes Maß an Planungssicherheit bietet. Um vor unliebsamen Überraschungen geschützt zu sein, sollte der tilgungsfreie Kredit aber immer mit einer Festzinsvereinbarung abgeschlossen werden.

Unbegrenzte Laufzeit als Kehrseite dieser Finanzierungsvariante

Die andere Seite der Medaille geringer Monatsraten ist allerdings die fehlende Rückzahlung: Egal ob der Kreditnehmer sich den Saldo des Kreditkontos nach einem Monat, nach einem Jahr oder zwei Jahren ansieht: Die Gesamtsumme bleibt unverändert. Damit kann die Motivation zur Rückzahlung sinken, das Gefühl “auf der Stelle zu stehen” kann blockierend wirken und auf das Gemüt schlagen. Deshalb sollte der tilgungsfreie Kredit am besten nur zu einer Brückenfinanzierung (sh. unten) genutzt werden oder es sollte zumindest eine kleine Tilgung vereinbart werden. Dann wird das “Vorankommen” auch mit jedem Quartals- oder Jahreskontoauszug sichtbar.

Häufige Verwendungsmöglichkeiten des tilgungsfreien Kredits

Erstaunlicherweise ist der tilgungsfreie Kredit eine überraschend häufig genutzte Variante, obwohl er nicht wirklich im Licht der öffentlichen Betrachtung oder der Wirtschaftspresse steht. Privatleute und institutionelle Investoren nutzen tilgungsfreie Kredite als sich immer wieder erneuernde Kreditlinien und hebeln damit ihre Investments. Der Hauptgedanke gerade in der Niedrigzinsphase ist dabei, dass der mit Geldanlagen zu erzielende Ertrag die Kosten des Kredits übersteigt. Und nach Beendigung der Investition bzw. dem Verkauf aller Wertpapiere dieser tilgungsfreie Wertpapier- oder Rahmenkredit getilgt werden kann und ein Mehrertrag übrig bleibt.

Der tilgungsfreie Kredit wird auch sehr gerne als eine Brückenfinanzierung genutzt, wenn ein Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung erst in einigen Jahren fällig wird. Dann kann das Geld jetzt schon ausgegeben werden, die Monatsraten verhindern das Anwachsen der Kreditsumme und das Auslösen eines Zins-Zinseszinseffektes.

Eine vergleichsweise neue Verwendung ist das sog. Rückwärtsdarlehen: Immobilienbesitzer möchten schon vor dem Ruhestand das Leben genießen und vielleicht nicht die ganze, schuldenfreie Immobilie an die Nachkommen vererben. Dann belasten sie die Immobilie mit einem Teilbetrag und nutzen die aus der Immobilie freigesetzte Kaufkraft dazu, sich etwas zu gönnen. Bleiben aber dennoch Eigentümer und können unverändert in den eigenen vier Wänden wohnen und müssen keine Mietbelastung tragen. Als Kostenbelastung pro Monat entsteht lediglich die Abgeltung der anfallenden Zinsbelastung.

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