Zuletzt aktualisiert: April 2026
Bankanleihen zählen zu den festverzinslichen Wertpapieren und sind auch unter dem Begriff Bond bekannt. Konkret handelt es sich dabei um von Banken emittierte Schuldverschreibungen mit einem festen Zins und einer festen Laufzeit. Anders als bei Aktien kaufen Anleger damit keine Firmenanteile, sondern gewähren der ausgebenden Bank einen Kredit. Banken nutzen Anleihen zusätzlich zu Interbankengeschäften und Zentralbankkrediten, um ihre Liquidität zu sichern. Je nach Typus zählen sie zum Fremdkapital, Ergänzungskapital oder Kernkapital einer Bank.
Rendite und Kupon bei Bankanleihen
Es gibt zwei Wege, mit Bankanleihen einen Ertrag zu erzielen: über den Kupon und über die Kursrendite.
Der Kupon ist der vertraglich festgelegte Zinssatz einer Anleihe, ausgedrückt als Prozentsatz des Nennwerts. Bei einer klassischen Bankanleihe fließt dieser Betrag jährlich oder halbjährlich auf das Konto des Anleihegäubigers — unabhängig davon, ob die Bank eine Dividende ausschüttet oder Gewinne erwirtschaftet. Da Bankanleihen festverzinsliche Wertpapiere sind, bleibt der Kupon über die gesamte Laufzeit konstant.
Die Rendite hingegen schwankt mit dem Marktpreis der Anleihe. Sie wird beeinflusst von:
- der verbleibenden Laufzeit
- der Finanzkraft der Bank (Bonität, Rating)
- dem allgemeinen Marktzinsniveau
Für die Rendite gilt: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen — und umgekehrt. Geringere Renditen finden sich bei systemrelevanten Großbanken mit breitem Geschäftsmodell, deren Bonds als vergleichsweise sicher gelten. Wer ein höheres Risiko in Kauf nimmt und Anleihen kleinerer Institute oder Banken in strukturell schwächeren Märkten erwirbt, wird in der Regel mit höheren Renditen entschädigt.
Welche Typen von Bankanleihen gibt es?
Die wichtigste Unterscheidung bei Bankanleihen betrifft den Rang in der Gläubigerrangordnung: Was passiert im Insolvenzfall? Je nachrangiger eine Anleihe, desto später werden Gläubiger bedient — und desto höher muss der Zins als Risikoprämie ausfallen.
| Typ | Rang | Risiko | Typische Rendite |
|---|---|---|---|
| Senior Secured | Höchster | Sehr gering | Niedrig |
| Senior Unsecured | Vorrangig | Gering | Moderat |
| Tier 2 (T2) | Nachrangig | Mittel | Erhöht |
| AT1 / CoCo-Bonds | Tief nachrangig | Hoch | Hoch |
AT1-Anleihen (Additional Tier 1, auch CoCo-Bonds) verdienen besondere Aufmerksamkeit: Diese Papiere wurden nach der Finanzkrise 2008 eingeführt, um Banken im Krisenfall mit zusätzlichem Eigenkapital zu versorgen — ohne staatliche Rettung. Unterschreitet das Kapital der Bank einen definierten Schwellenwert (den sogenannten „Viability Event“), können AT1-Anleihen in Aktien umgewandelt oder vollständig abgeschrieben werden. Anleger tragen damit ein Verlustrisiko, das strukturell dem von Eigenkapital ähnelt — erhalten dafür aber deutlich höhere Kupons als bei vorrangigen Anleihen.
Was der Fall Credit Suisse über AT1-Anleihen lehrt
Der spektakulärste AT1-Fall der jüngeren Finanzgeschichte ereignete sich im März 2023: Im Zuge der Notübernahme der Credit Suisse durch die UBS ordnete die Schweizer Finanzaufsicht FINMA die vollständige Abschreibung aller CS-AT1-Anleihen an — mit einem Nominalwert von rund 16,5 Milliarden Franken. Für die Inhaber bedeutete das einen Totalverlust. Besonders brisant: Die Aktionäre der Credit Suisse, die in der Gläubigerrangordnung eigentlich hinter den Anleihehaltern stehen, erhielten im Rahmen der Übernahme UBS-Aktien — die AT1-Investoren gingen leer aus.
Im Oktober 2025 erklärte das Schweizer Bundesverwaltungsgericht die Abschreibung für rechtswidrig: Weder eine vertragliche noch eine gesetzliche Grundlage habe zum Zeitpunkt der Abschreibung bestanden, da kein „Viability Event“ eingetreten war. Die Credit Suisse habe die regulatorischen Kapitalanforderungen zu dem Zeitpunkt noch erfüllt. Die FINMA hat das Urteil angefochten — das Verfahren beim Bundesgericht ist noch nicht abgeschlossen.
Was bedeutet das für Anleger? AT1-Anleihen sind kein Ersatz für Tagesgeld oder sichere Staatsanleihen. Sie eignen sich allenfalls als kleine Beimischung für erfahrene Investoren, die die Struktur und die Risiken dieser Papiere verstehen.
Bankanleihen kaufen — worauf Sie achten sollten
Bankanleihen können als Einzelanleihe oder über Fonds erworben werden. Für den Direktkauf empfehlen sich ausschließlich Anleihen sehr großer, breit aufgestellter Banken aus stabilen Märkten, deren Ausfallrisiko als sehr gering einzustufen ist. Dabei gilt es folgendes zu beachten:
Handelbarkeit: Für Anleihen, die in geringem Umfang emittiert werden, kann es schwierig sein, später einen Käufer zu finden. Große Emissionen namhafter Institute sind deutlich liquider.
Währungsrisiko: Lautet eine Bankanleihe auf Euro, entfällt das Fremdwährungsrisiko für Anleger aus dem Euroraum. Bei Anleihen in US-Dollar, Pfund oder anderen Währungen kommt ein zusätzliches Wechselkursrisiko hinzu.
Stückzins (Marchzins): Wer eine Anleihe nicht zum Emissionsdatum, sondern im laufenden Handel kauft, muss dem Vorbesitzer den anteiligen Kupon seit dem letzten Zinstermin vergüten. Dieser sogenannte Stückzins erhöht den effektiven Kaufpreis und sollte in der Renditeberechnung berücksichtigt werden.
Fonds als Alternative: Wer nicht einzelne Anleihen auswählen möchte, kann über Anleihenfonds oder ETFs breit streuen. Das Fondsvolumen sollte dabei nicht unter 50 Mio. Euro liegen; zudem fallen Verwaltungsgebühren an, die die Nettorendite mindern.
Bankanleihen und Anleihenfonds sind an Börsen handelbar und können über einen Online-Broker erworben werden. Wer gezielt einzelne Anleihen — inklusive Tier-2- oder AT1-Papiere größerer Institute — handeln möchte, findet bei CapTrader Zugang zu einem breiten Anleihenuniversum inklusive internationaler Banktitel.
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Häufige Fragen zu Bankanleihen
Was ist eine Bankanleihe?
Eine Bankanleihe ist ein festverzinsliches Wertpapier, das von einer Bank ausgegeben wird. Anleger leihen der Bank Geld und erhalten dafür regelmäßige Zinszahlungen (Kupons) sowie am Laufzeitende die Rückzahlung des Nennwerts.
Was ist der Unterschied zwischen vorrangigen und nachrangigen Bankanleihen?
Vorrangige (Senior) Anleihen werden im Insolvenzfall zuerst bedient, nachrangige (Subordinated) erst danach. Je nachrangiger die Anleihe, desto höher das Ausfallrisiko — und desto höher üblicherweise der Kupon als Risikoprämie.
Was sind AT1-Anleihen und CoCo-Bonds?
AT1-Anleihen (Additional Tier 1) sind besonders nachrangige Bankanleihen, die nach der Finanzkrise 2008 eingeführt wurden. Im Krisenfall können sie in Aktien umgewandelt oder vollständig abgeschrieben werden. Der Fall Credit Suisse 2023 hat gezeigt, welche Verlustrisiken diese Papiere tragen.
Sind Bankanleihen sicher?
Bankanleihen sind keine sicheren Einlagen wie Tagesgeld oder Festgeld — sie unterliegen keiner gesetzlichen Einlagensicherung. Das Risiko hängt stark vom Typ (vorrangig/nachrangig) und der Bonität der ausgebenden Bank ab. Für Privatanleger gilt: Nur gut einschätzbare, vorrangige Anleihen namhafter Institute.
Was ist der Stückzins bei Anleihen?
Wer eine Anleihe zwischen zwei Zinsterminen kauft, zahlt dem Vorbesitzer den anteiligen Zinsbetrag für den Zeitraum, in dem dieser die Anleihe gehalten hat. Dieser Betrag heißt Stückzins (oder Marchzins in Österreich). Er erhöht den Kaufpreis, wird aber beim nächsten Kupontermin vollständig ausbezahlt.
Lohnen sich Bankanleihen für Privatanleger?
Vorrangige Anleihen großer, gut gerateter Banken können eine sinnvolle Depotbeimischung sein — besonders zur Diversifikation gegenüber Aktien. Nachrangige Anleihen und AT1-Papiere sind jedoch komplex und nur für erfahrene Anleger mit klarem Risikoverstehen geeignet.
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