Kryptowährungen unter der Lupe 

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Kryptowährungen unter der Lupe 

Mit dem Euro kriselt es gewaltig, und das schon seit Jahren. Auch in anderen Ländern rasseln die Währungen schon einmal in kürzester Zeit in den tiefsten Keller, wie jüngst die türkische Lira, und reißen damit ganze Volkswirtschaften beinahe mit in den Abgrund. Das System, das den Wert der Währungen gegeneinander regelt ist enorm kompliziert und eigentlich nur wirklich für Fachleute zu durchschauen – und oft noch nicht einmal von denen. Alles das ist nicht gerade dazu angetan, das Vertrauen in das Geld, das wir so lieben und in die eigene Währung zu stärken. Daneben hat in den letzten Jahren noch eine ganz neue Art von Währungen die Welt zu erobern begonnen: Kryptowährungen. Von den einen gehyped, von den anderen als “Spielgeld” ohne wahren Wert verunglimpft, haben es gerade die Bitcoins zu einem geradezu gigantischen Wertzuwachs in den letzten Jahren gebracht – und sind plötzlich in aller Munde. 

Grund genug für uns, uns einmal etwas näher mit den Cyberwährungen zu beschäftigen, die mittlerweile sogar manchen Staaten als interessante Alternative zu erscheinen beginnen.

Das werden wir in einer kleinen Serie tun, in der wir in einzelnen Beiträgen die wichtigsten und interessantesten Cyberwährungen beleuchten und auf ihre Eignung als Anlage-Objekte überprüfen. Zunächst wollen wir uns einmal genauer ansehen, was Kryptowährungen sind und wie sie funktionieren. 

Virtuelles Geld 

Vor virtuellem Geld brauchen wir eigentlich keine Angst zu haben – das gibt es schon lange in unserem Alltag. Wenn wir auf unserem Gehaltskonto unseren Lohn vom aktuellen Monat gutgeschrieben bekommen, ist das ebenfalls virtuelles Geld. Banken schicken schon seit vielen Jahrzehnten keine Geldscheine mehr hin und her – sondern nur noch Daten. Und wenn wir mit Kreditkarte bezahlen, ist das noch viel virtueller – weil wir eigentlich gar nicht richtig mit vorhandenem Geld bezahlen, sondern den Betrag eigentlich erst mit der Bezahlung unserer Kreditkartenrechnung am Monat begleichen. Der Händler, bei dem wir bezahlt haben, kann aber fast sofort nach unserem Bezahlvorgang über das Geld verfügen. Zauberei… 

Angst vor virtuellem Geld brauchen wir also ganz sicher nicht zu haben – das gibt es schon lange. Auch bei Kryptowährungensteht ein virtuelles Bankkonto bereit unser Vermögen aufzunehmen – so wie auch unser Gehaltskonto “virtuell” ist – wir können es nicht mit uns herumtragen, sondern es existiert ebenfalls nur als ein Satz von Daten im Computersystem der Bank. Wir bekommen lediglich – damit wir uns nicht so unwohl fühlen – ein kleines Kärtchen, das uns als Besitzer des Kontos ausweist und Datensätze gespeichert hat, mit denen wir uns gegenüber dem Bankautomaten als Kontobesitzer legitimieren können. Da es physisch ist, kann man es aber verlieren oder es kann gestohlen werden – und dann fangen die Probleme an. Bei einem völlig virtuellen Konto, für das wir nur ein Passwort brauchen, kann das gar nicht passieren. 

So viel also zu den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von virtuellem Geld und virtuellem Geld. Wir benutzen schon jetzt viel mehr virtuelles Geld, als uns eigentlich bewusst ist. 

Bei Kryptowährungen steht eine ganze digitale Technologie-Welt dahinter, die vielen schwer fällt zu verstehen: die sogenannte Blockchain. Sie soll die digitalen Währungen völlig sicher machen und verhindern, dass Betrüger sich Zugang zu mehr Geld verschaffen, als ihnen eigentlich gehört. 

Das Prinzip der Blockchain ist eigentlich ganz einfach zu verstehen: Stellen Sie sich vor, es gibt eine neue Währung in Deutschland, den Bayern-Dollar (die Süddeutschen wollen ja ohnehin immer etwas völlig eigenes). Die bayerische Regierung, die das Geld in Umlauf bringt, teilt nun jedem Bayern 100 Bayern-Dollar zu und trägt den Besitzer und den Betrag in eine Datei ein. Die Datei schreibt automatisch immer mit, wenn auch nur ein einzelner Bayern-Dollar den Besitzer wechselt. Herr Ahorn überweist seiner Frau fünf Bayern-Dollar Haushaltsgeld – die Datei vermerkt es. Frau Ahorn bezahlt mit 3 Bayern-Dollarim Supermarkt. Die Datei vermerkt es. 

Da die Datei immer ALLES mitschreibt, ist sie immer auf dem aktuellen Stand, wer gerade wie viel Bayern-Dollar in seinem Besitz hat. 

Und nun kommt die schlaue Erfindung bei der Blockchain: Wenn jemand eine “Überweisung” tätigt (virtuelles Geld kann man ja nicht aushändigen), übergibt er dem anderen immer automatisch damit die neueste Version der GESAMTEN Datei. Die Veränderung wird in die Datei eingetragen, und es entsteht sofort eine neue GESAMTDATEI mit den neuen Besitzverhältnissen, die dann ALLEN Nutzern sofort zur Verfügung steht. Das passiert automatisch mit jeder Transaktion. Gleichzeitig wird auch die Transaktion selbst in der “Historie” der Datei gespeichert, jede Transaktion bleibt also immer nachvollziehbar – vom Anbeginn der Zeiten an. 

Wenn der Sender einer Zahlung seine Transaktion beginnt, schickt er damit dem Empfänger gleichzeitig die neueste Version der Datei mit – die alle jemals bisher getätigten Zahlungen zwischen allen Kontobesitzern enthält. 

Daher auch der Name der Technologie Blockchain: Eine immer länger werdende Kette (Chain) von hinten angehängten gespeicherten Transaktionen, die immer in ihrer Gesamtheit, als Block, weitergegeben wird. 

Damit wird verhindert, dass jemand mit dem selben virtuellen Bayern-Dollar zeitgleich zweimal bezahlt, oder der Empfänger eine einzelne Transaktion ein zweites Mal veranlasst und doppelt kassiert. Dazu kann verhindert werden, dass sich die Geldmenge vergrößert: wenn alle Transaktionen gespeichert sind, kann vom gesamten (virtuellen) Geldbestand nichts dazukommen oder verschwinden. Auch das ist wichtig. 

Bei einer Banküberweisung passiert im Grunde genommen auch etwas Ähnliches: das Geld wird dem Sender SOFORT vom Kontostand abgezogen und dem Empfänger SOFORT gutgeschrieben. Die SEPA-Zeiträume sind nur deshalb notwendig, weil die Bankcomputer die Information nicht so schnell verarbeiten können, sondern immer stapelweise eine Zahl von eingehenden Buchungen auf die Konten auf einmal verarbeiten. Die Computersysteme der Kryptowährungen können das aber – sie arbeiten blitzschnell und können auch riesige Datenmengen in Bruchteilen von Sekunden verarbeiten. 

Ein kleines Problem stellen die riesigen Datenmengen dar, die mit jeder Transaktion fließen müssen: die Datei, die alle jemals gemachten Transaktionen enthält, ist schon ganz schön groß – bereits im Gigabyte-Bereich bei manchen Kryptowährungen – und sie wächst zunehmend. Mittlerweile gibt es aber technische Lösungen, die den Umfang der Datei beim Senden verkleinern und das ganze Unterfangen etwas handhabbarer machen. In den meisten Fällen funktioniert das recht gut. 

Was steht eigentlich hinter einer Währung?

Alle Länder haben eine eigene – oder im Falle von Europa – eine gemeinsame Währung. Hier der Euro, dort die schwedische Krone oder das britische Pfund. 

Eine Währung muss natürlich einen gewissen Wert widerspiegeln – ansonsten ist sie nichts wert. Wenn es darum geht, welchen Wert Währungen tatsächlich haben, wird es allerdings kompliziert. 

Sieht man sich den Wert einer beliebigen Währung genauer an, sieht man, dass dieser Wert vor allem gegenüber anderen Währungen gemessen wird und ständig schwankt. Zwar kann man für einen Euro heute Brot kaufen und konnte das auch vor einem Jahr – gegenüber dem US-Dollar, dem britischen Pfund oder dem japanischen Yen hat der Euro aber einen ständig wechselnden Wert. Mal ist er höher, mal ist er niedriger, eines ist aber in jedem Fall sicher: er schwankt ständig. 

Zu durchschauen, warum das so ist, und wie dieses ganze Spiel funktioniert, ist gar nicht so einfach. 

Die weitaus meisten der 160 weltweit verwendeten Währungen sind frei gehandelt – das heißt ihr Wert bestimmt sich aus Angebot und Nachfrage auf dem Devisenmarkt. Nur wenige Währungen sind mit einer der beiden wichtigen Leitwährungen, Euro und Dollar verknüpft – das bringt zwar Vorteile für die im Land ansässigen international tätigen Unternehmen (unter anderem Wechselkurssicherheit), ist aber für das Land selbst wirtschaftlich eher weniger vorteilhaft. 

Der Wert der frei gehandelten Währung schwankt also ständig, je nachdem wie Angebot und Nachfrage liegen. Das können wir auch bei den Cyberwährungen beobachten: ihr Wert steigt mit der Nachfrage, verlieren die Menschen das Vertrauen in die Währung, sinkt er wieder. Das kann, wie man beim Aufstieg des Bitcoin beobachten konnte, auch enorme Maße annehmen. 

Nun kommt bei traditionellen Währungen noch eine weitere Instanz ins Spiel: die Notenbank. Sie ist als Zentralbank für das jeweilige Land nicht nur der Emittent, also die ausgebende Stelle für das Geld, sondern sie betreibt auch Währungspolitik. 

Mit verschiedenen währungspolitischen Instrumenten erfüllt sie die Aufgabe, einerseits für ein außenwirtschaftlichesGleichgewicht (ausgeglichene Leistungsbilanz) zu sorgen, andererseits auch Preisstabilität im Land zu sorgen und wirtschaftliche Ziele des Landes zu erreichen, wie eine höhere Kaufkraft im Inland oder eine gesteigerte Exportquote. 

Durch Erhöhung oder Verringerung der im Umlauf befindlichen Geldmenge, durch gezielte Devisenaufkäufe auf dem Markt aber auch durch gezielte Auf- oder Abwertung der Währung kann die Notenbank die angestrebten Ziele erreichen. Dazu kommen auch geldpolitische Maßnahmen, wie etwa die Erhöhung oder die Senkung der Zinsparität (Leitzinsen). 

Hier liegt der Unterschied zwischen den traditionellen Währungen und den Cyberwährungen: hinter einer Cyberwährungsteht keine Notenbank, die Geldpolitik und Währungspolitik betreibt und damit das freie Spiel des Marktes im Interesse der Geldnutzer beschränkt. Zwar werden in geringem Umfang auch bei Cyberwährungen teilweise Beschränkungen und Erhöhungen der Geldmenge vorgenommen – mit der Arbeit von Notenbanken ist das aber nicht zu vergleichen. Hinter einer Kryptowährung steht auch keine real existierende Volkswirtschaft mit ihrer Leistung. Jede Kryptowährung regelt sich allein durch Angebot und Nachfrage und das ungebremst. Wenn die Menschen der Währung mehr vertrauen und sie als wertvoller ansehen, steigt ihr Preis, umgekehrt fällt er. 

Sind Cyberwährungen als Anlageobjekte für Kleinanleger geeignet?

Wir würden sie eher als “Spekulationsobjekte” einordnen – auch wenn viele Kleinanleger sehr schnell auf den Bitcoin-Zug aufgesprungen sind. Da sich die Kursbewegungen bei Cyberwährungen ausschließlich nach Angebot und Nachfrage richten und der Markt sehr volatil ist, muss man mit starken Schwankungen – und damit gelegentlich auch mit hohen Verlusten – rechnen. Das kann sich etwas ändern, wenn in Zukunft Cyberwährungen der Zugang zur realen Wirtschaft gelingt und sie als Zahlungsmittel mehr akzeptiert werden – sicher ist das aber nicht. 

Staatlich gelenktes, virtuelles Geld wie etwa der von Estland geplante “Estcoin” mag vielleicht etwas weniger in seinem Wert schwanken, aber auch das ist lediglich eine Annahme – und bisher blieb es auch in Estland nur bei Ankündigungen. 

Cyberwährungen KÖNNEN die Welt erobern, in diesem Fall würde man bei ihrem Siegeszug eine gute Anlagemöglichkeit vorfinden – das ist aber kaum verlässlich vorherzusagen, ebenso wenig, wie welche Währungen sich letztendlich durchsetzen werden. 

Im ersten Beitrag unserer Serie werden wir uns dann gleich einmal die bekannteste aller Cyberwährungen (und die erfolgreichste) ansehen: den Bitcoin.

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