Finanzielle Lebensentwürfe: warum sie wichtig sind

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Finanzielle Lebensentwürfe: warum sie wichtig sind

Viele machen sich umfassend Gedanken über ihre Lebens- und Karriereplanung, über Aufstiegsmöglichkeiten, Weiterbildung und berufliche Chancen. Die eigene finanzielle Situation wird dagegen seltsam so akribisch bedacht: außer dem dräuenden Gefühl, „dass man eigentlich etwas fürs Alter zurücklegen müsste“ ohne genau zu wissen, was und wie viel das eigentlich ist, wird darüber kaum nachgedacht. Dabei ist Lebensplanung auch (und vor allem) Finanzplanung – und zwar über das gesamte Leben oder den gesamten Lebensentwurf hinweg. Es braucht für ein erfolgreiches Leben auch einen „finanziellen Lebensentwurf“. In unserem Beitrag finden sich deshalb einige Punkte, über die man nachdenken sollte – in jedem Alter.

„Die Alten haben was die Jungen brauchen“ und andere Binsenweisheiten

Noch vor gut 30 Jahren lautete eine Weisheit, die man allerorts zu hören bekam: „In der Jugend, wo man es brauchen würde, bekommt man nichts, den Alten wird es dann hinterhergeworfen“. Völlig müßig zu sagen, dass das schon damals nicht stimmte – und sich auch vor 30 Jahren wohl kein Rentner und kein Angestellter am Ende seiner Lebensarbeitszeit über „hinterhergeworfenes“ Geld freuen konnte. Dafür war es dann doch zu wenig.

Mehr als diese Weisheit bekam man übrigens nicht zu hören – über eine Art von finanzieller Lebensplanung sprach damals überhaupt niemand, auch die Bankberater und Bausparvertrags-Verkäufer handelten das Thema in der Hauptsache eher sehr kurz und nebensächlich ab.

Heute stehen wir vor einer völlig anderen Situation: Viele, die in den letzten Jahren in Rente gingen, sind heute von massiver Altersarmut betroffen, haben nicht selten mit über 80 noch Nebenjobs, damit es überhaupt reicht. Viele von denen, bei denen die Rente noch in weiter Ferne liegt, sind sehr unsicher, ob das, was dann später einmal herauskommen wird, überhaupt noch in irgendeiner Form zum Leben reicht. Etwa jeder Zehnte in Deutschland ist überschuldet, bei den über 70-Jährigen sind es 16 %. Weit mehr als 4 Millionen Menschen sehen kaum mehr eine Chance für sich am Arbeitsmarkt, viele davon führen Hartz4 bereits als zweiten Vornamen, mit allen Einschränkungen, die das mit sich bringt.

Woher kommt das alles? Warum ist das so schlimm und wird laufend schlimmer? Ist nur der ungezügelte Über-Konsum der Menschen daran schuld?

Die Hauptursache, warum das so aussieht (in einem der immerhin reichsten Länder der Welt) ist ganz einfach die Tatsache, dass niemand sein Leben finanziell plant. Man plant alles andere, die Karriere, die Kinder, das Eigenheim – und wenn es um das Geld hofft man eben, dass es sich „schon irgendwie ausgehen“ wird, solange man ein Gehalt bekommt und später die Rente. In sehr vielen Fällen tut es das dann aber eben nicht.

Meilensteine im Leben – und die Kosten

Für eine gut geplante Karriere kommt man am besten aus einem Elternhaus mit stabilen Verhältnissen, strengt sich in der Schule an, studiert, bekommt einen guten Job mit hohem und ständig steigendem Gehalt und am Ende eine gute Rente. Dazwischen heiratet man irgendwann, bekommt die statistisch ausgewiesenen 1,6 Kinder und baut ein Haus. Am Ende hat man dann mehr als am Anfang und vererbt seinen Kindern ein ansehnliches Vermögen und ein wertvolles Haus. Soweit die Illusion.

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Die Realität sieht leider in den allermeisten Fällen ganz anders aus – und selbst wenn man sich anstrengt, bekommt man es nur in Ausnahmefällen so hin. Und die Freude, dass man am Ende tatsächlich mehr hinterlässt, als man am Anfang hatte, ist wohl noch weniger Menschen vergönnt.

Was in diesem Tagtraum fehlt, ist die Unsicherheit von Jobs (auch für Akademiker), das Geld, das man in seinen Studentenjahren benötigt, teure Scheidungen und noch teurerer Unterhalt, mit Verlust verkaufte Häuser, Krankheiten, Arbeitsunfähigkeiten oder schlicht mangelnde Jobangebote ab 40, massiv steigende Krankenkassenbeiträge bei ständig sinkender Leistung und am Ende eine wahnsinnig teurer Pflege, die nicht nur das Haus kostet sondern noch den kleinsten Rest der Altersvorsorge, die wir noch hatten. All die Dinge eben, die heute die meisten im Alltag plagen – und dazu führen, dass der finanziell steil nach oben weisende Tagtraum an irgendeiner Stelle steil nach unten abknickt. Und dann beginnt die Abwärtsspirale zu laufen – oft genug.

Wirklich sicher fühlen und dem Leben mit ruhiger Zuversicht entgegenblicken können wir tatsächlich nur dann, wenn wir für alles gerüstet sind, was da kommt – wenn wir allem trotzen können, was uns Steine in den Weg zu werfen droht. Wenn wir wissen, wir können es noch meistern und finanziell noch stemmen. Dafür ist aber eine völlig andere Art von finanzieller Planung notwendig, als wir sie gemeinhin an den Tag legen. Tagträume eignen sich dafür nicht.

Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich sollen sie nicht alle möglichen Schicksalsschläge in ihrem Leben erwarten – manchmal geht auch mal etwas gut und wir haben Glück. Sehr oft tut es das aber eben nicht und wir sollten einfach gerüstet sein.

Welche Kosten muss man erwarten?

Eine solide Finanzplanung beginnt schon sehr früh, idealerweise übernehmen das die Eltern in den ersten Jahren. Es reicht, nur einen kleinen Teil des Kindergelds zur Seite zu legen und in eine vernünftige Anlage zu investieren. Schon 50 Euro monatlich summieren über 18 Jahre hinweg zu einer beträchtlichen Summe – und einem beruhigenden Startkapital, auf das man schon einmal aufbauen kann. Ein wenig Geld aus Ferienjobs, das man übriglässt und ein kleiner Teil der Geldgeschenke der Verwandten – und man steht schon einmal auf soliden Füßen.

Mit dem Beginn des Erwachsenenlebens kommen auch die ersten Kosten auf einen zu – der Führerschein will gemacht werden, die ersten Reisen, die man allein unternimmt, die Studentenwohnung, das erste eigene Auto, wenn man eines möchte. Zählt man all das zusammen, muss man schon aufpassen, dass das Startkapital nicht in einem Rutsch ausgegeben wird. Das wäre allerdings sehr unklug: die zielführende Weisheit lautet nicht „endlich erwachsen und schon pleite“.

Es ist dann auch Zeit für die ersten Versicherungen:

eine Haftpflichtversicherung, eine Unfallversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung. In so jungen Jahren sind die Prämien noch niedrig – verschwendetes Geld ist das aber trotzdem nicht. Und mit einer vernünftigen Rücklage im Rücken kann man sich das auch in diesem Alter leisten.

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Irgendwann in den darauf folgenden Jahren kommt der Wunsch nach einer dauerhaften Partnerschaft, irgendwann in diesem Jahrzehnt heiratet man und bekommt Kinder. Vielleicht ist es direkt nach der Uni auch schwer, einen passenden Job zu finden, man muss vielleicht eine kurze Durststrecke überwinden, bevor man beruflich tatsächlich Fuß fassen kann. Zwischenzeitliche Jobs bringen nicht viel ein, dennoch möchte man ein halbwegs ordentliches Leben führen können.

Sind die Kosten dafür auch tatsächlich gedeckt? Reichen das Startkapital und die Rücklagen, um das zu finanzieren? Und die Familienplanung und die Partnerschaft: eine Hochzeit kostet in Deutschland im Durchschnitt meist über 10.000 Euro: woher kommt dieses Geld, ohne gleich alle Reserven aufzubrauchen?

Danach kommen die Kinder: nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamts in Deutschland kostet ein Kind 130.000 Euro bis zur Volljährigkeit – zwei Kinder dann das Doppelte. Schon in den ersten sechs Lebensjahren sind es pro Jahr 7.000 Euro, die das Statistikamt veranschlagt. Diese Zahlen dürften – da es sich immerhin um eine offizielle Stelle handelt, die reale Daten auswertet – nicht ganz aus der Luft gegriffen sein. Nicht berücksichtigt ist hier, wenn Kinder einen besonderen Bedarf haben – oder einfach nur besondere Ansprüche. Und etwas zurücklegen für ihre Volljährigkeit sollte man ja auch noch.

Immerhin mehr als jede dritte Ehe in Deutschland (37,6 %) wird geschieden – die durchschnittliche Ehedauer beträgt dabei immerhin rund 15 Jahre, im Ernstfall kann das aber auch viel kürzer sein. Sind die Mittel vorhanden, damit jeder Partner danach auch für sich getrennt einen neuen Start ohne Existenzängste anfangen kann?

Die Kosten für die Kinder haben sich damit natürlich nicht erledigt – irgendjemand muss sie auch bezahlen, bis zur Volljährigkeit, in tatsächlichen Leistungen und in Unterhaltsleistungen. Sieht man sich die Zahlen beim Unterhaltsvorschuss an, können sich das sehr viele Väter nicht leisten. Beim gezahlten Unterhaltsvorschuss fließen deutschlandweit gerade einmal 13 % der ausgezahlten Summen an die Ämter zurück.

Vom Hausbau und seinen Kosten, den nach einigen Jahrzehnten anfallenden Renovierungskosten für das Haus (in Summe immerhin mehr als das Haus gekostet hat, nach den gesetzlich geltenden Berechnungen) einmal gar nicht eingerechnet, wollen wir gar nicht reden. Das ist schon ein sehr umfangreiches Kapitel für sich. Dazu kommt ein möglicher Wertverlust, ein Verlust beim notwendigen Verkauf wegen einer Scheidung und zusätzliche Kosten, die Haus und Grund noch so mit sich bringen.

Dazu kommen dann mit steigendem Lebensalter vielleicht Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden – oder zumindest eine ausreichend gut bezahlte Stelle, um seinen Lebensstandard halten zu können. Vielleicht wird man schon mit 40 berufsunfähig oder so krank, dass man kaum mehr arbeiten kann. Auch das ist in Deutschland vielfach Realität – zuvor geglaubt hätte das kaum einer der Betroffenen. Wie viel Geld benötigt man, um trotz Einschränkungen einen einigermaßen akzeptablen Lebensstandard vielleicht über mehrere Jahre halten zu können?

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Und am Ende kommen Krankheiten, die teuer werden können, es kommt das Alter und unter Umständen die Pflegebedürftigkeit. Das Vermögen schmilzt dann plötzlich rasend schnell dahin, wenn man auch nur einigermaßen versorgt sein möchte. Wenn es schlimmer wird, fallen schnell Kosten von 2.000 Euro oder 3.000 Euro pro Monat an, je nach Krankheit und Zustand oft noch viel mehr. Niemand möchte, dass dafür die eigenen Kinder aufkommen müssen. Fünf Jahre können dann schon einmal eine weitere Viertelmillion kosten und viele sind noch viel länger pflegebedürftig, haben als besonders Kranke einen hohen Bedarf an Pflege notwendig und müssen über zehn oder zwanzig Jahre betreut werden.

Die Weisheit lautet: Zeit

Angesichts all dieser Kosten kann einem schon schwindlig werden – und viele mögen sich fragen, woher all das Geld kommen soll – zusammengerechnet liegt das weit im sechsstelligen Bereich. Und im schlimmsten Fall braucht man das alles schon vor dem 35. Lebensjahr. Im Alter kommt dann noch einmal der gleiche Bedarf dazu. Jedenfalls, wenn man wirklich gerüstet sein will für allen Unbill, den das Leben so mit sich bringen kann.

Natürlich sagt niemand, dass alle diese Härtefälle eintreten – das wäre schon ausgesprochenes Pech im Leben. Allerdings besteht für jeden dieser angesprochenen Punkte auch eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, sie jeweils zu erleiden. Demenz, Krebs, Jobverlust, Scheidungen, Kinder: für all diese Dinge gibt es eine durchaus hohe Wahrscheinlichkeit.

Der wichtigste Faktor, um gut gerüstet zu sein ist – neben sorgsamer Überlegung und dem Abstellen von Tagträumen und unbegründetem Optimismus – der wichtigste Faktor ist Zeit. Je früher man anfängt, etwas zur Seite zu legen, desto mehr wird es am Ende. Das bedeutet: Frühzeitig anfangen und mehr Geld zur Seite zu legen, als andere das tun – auch wenn das vielleicht manchmal heißt, etwas kleinere Brötchen zu backen.

Die Kosten, die widrigstenfalls auf jeden von uns zukommen könnten, können einen tatsächlich von den Beinen holen. Wenn wir es schaffen, zumindest einen Teil davon abwettern zu können, haben wir schon fast gewonnen. Und können uns weitaus beruhigter zurücklehnen.

Und wenn sie keine achtzehn mehr sind und vielleicht selbst schon Kinder haben: Verwenden Sie die Zeit, die Sie bis zur Volljährigkeit Ihrer Kinder haben, für die Vorsorge, legen Sie zurück was Sie können – und bringen Sie Ihren Kindern bei, dass es ohne finanzielle Lebensplanung nicht geht. Das ist das Wichtigste, das Sie ihnen mitgegeben können, für ein glückliches und vor allem sicheres Leben. Und lächeln Sie die Tagträume einfach weg. Sie sind keine Planungsgrundlage, egal wie gut Sie es meinen und wie toll Ihre Kinder sind.

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