Quo vadis, Mobilität?

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Unfälle passieren schnell. Das Auto sollte deshalb mit Kfz-Haftpflicht und Kasko versichert sein.

Unfälle passieren schnell. Das Auto sollte deshalb mit Kfz-Haftpflicht und Kasko versichert sein.

Einige sehen schon die Zeichen am Horizont: Die klassische Automobilindustrie mit ihrem Verbrennungsmotor ist vielleicht doch nicht mehr zu retten. Bei der Luftfahrt gilt eher: Eigentlich sollten wir ja nicht mehr – oder deutlich weniger. Dazwischen tummeln sich halb ausgegorene Ideen von selbstfahrenden Autos, wasserstoffbetankten LKWs und vor der Skyline hin- und herschwirrenden Lufttaxis. Kühne, wirre Träume, zumeist ohne jegliche technische oder überhaupt irgendeine Bodenhaftung. Das wirft natürlich einige drängende Fragen aus Anlegersicht auf: Worauf setzen die denn jetzt dann eigentlich? Und worin lohnt es sich überhaupt, demnächst zu investieren?

Eine Bestandsaufnahme

Die Idee eines traditionell sehr lautstark und männlich auftretenden Regierungsorgans, namentlich eines Ministerpräsidenten aus dem Süden, es einem amerikanischen Bundesstaat gleichzutun und auch in Deutschland in sehr naher Zukunft (in 15 Jahren) den Verbrenner komplett verbieten zu wollen, verhallte zunächst einmal mit eher wenig Echo. Kurz darauf sind schon wieder Abwrackprämien im Gespräch, auch für LKW. Und ein paar Finanzspritzen für die angeschlagene Automobilwirtschaft, der ja schon wieder einmal komplett das Geld und zudem auch der Absatzmarkt fehlt. Die Begriffe „gesättigte Märkte“ und „Veränderung“ schienen in den Management-Lehrbüchern der Automobil-Vorstände irgendwie gefehlt zu haben. Vermutlich hat jemand die betreffende Seite herausgerissen.
Oder man probiert es nach dem bewährten Grundsatz „Wenn der Schraubenzieher versagt, versuch’s halt einfach mal mit dem Vorschlaghammer“. Will heißen: Wenn man keinen Absatz hat, muss man ihn halt eben erzwingen. Am besten mit staatlicher Hilfe. Die sind ja nicht nur für deutsche Bürger zuständig, sondern auch für deutsche Autos – und denen geht’s gerade schlecht (beiden, wohlgemerkt).

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Einzig VW scheint es erkannt zu haben und hat kürzlich angekündigt, 150 Milliarden Euro in Strukturwandel und R&D investieren zu wollen (ziemlich viel für ein Unternehmen, das praktisch dauernd jammert). Will in diesem Fall heißen: Wir bauen halt, wenn’s sein muss, dann ein paar Elektroautos mehr, die Regierung sorgt dann mit ausreichend hohen Kaufprämien dafür, dass der Preis auch von irgendjemandem mit normalem Einkommen bezahlt werden will. Und natürlich darf der Staat dann gleich für die Ladeinfrastruktur sorgen, dafür ist er ja zuständig.

Wobei letzteres auch schon wieder im Fiasko zu enden droht. Die Regierung hat sich einen intelligenten Weg gesucht, um sich vor dem Schaffen einer bundesweiten Ladeinfrastruktur zu drücken. Sie fördert jetzt stattdessen den Einbau von Wallboxen zum schnellen Laden in Privathäusern und Wohnanlagen. Der Gedanke ist gut – sollen die Leute doch einfach zuhause aufladen, dann sparen wir uns die Ladeinfrastruktur. Leider hat sich herausgestellt, dass 60 – 80 % der Gebäude gar nicht über die nötige elektrische Ausstattung verfügen, um ein 11 kW starkes Ladegerätchen an der Wand anschließen zu können. Auch zuleitungsmäßig könnte das für die Energieversorger dann noch zum Kapazitätsproblem werden, wenn das plötzlich viele wollen. Ist aber glücklicherweise nicht der Fall.

Die Elektroauto-Kaufprämie wird derweil vor allem für Hybridfahrzeuge angefordert. Sprich: für einen klassischen Benziner, der gelegentlich auch mal so 30 – 50 km elektrisch rollt. Wenn man nicht vergessen hatte, ihn zuvor aufzuladen. In Sachen Klimaschutz und CO2-Neutralität vielleicht nicht so ganz das bewährte Lösungsmodell. Vielleicht aber auch besser so, denn um die Masse mit „echten“ rein batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen auszurüsten, müssten wir zuvor eh noch so ein bis zweiHUNDERT kleine Probleme lösen.

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An selbstfahrenden Autos, von deren echter Serienreife und Einsatztauglichkeit wir noch Jahrzehnte entfernt sind, haben anscheinend alle irgendwie das Interesse verloren. Scheint schwieriger als wir gedacht haben, och Menno. Von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen gibt es noch nicht einmal einen wenigstens einigermaßen in der Nähe der Alltagstauglichkeit befindlichen Prototypen. Überdies kann man immer noch relativ selten irgendwo Wasserstoff kaufen. Auch bei Lufttaxis sieht’s eher mau aus, wenn es um tatsächlich einsetzbare Modelle geht. Ganz abgesehen davon, dass man dafür praktisch das ganze internationale Luftverkehrsrecht entsprechend umarbeiten und anpassen müsste – was beim Grad der Einigkeit zwischen den Staaten aktuell wohl eher als Jahrhundertaufgabe zu sehen sein dürfte.

Dann wäre da noch die gute alte Bahn. Mit immerhin ganz neuen Uniformen, dafür immer noch mit dem alten Kohlestrom, der völligen Unzuverlässigkeit, den vielen nicht mehr existierenden Bahnstrecken (reduziert um fast 20 % aus Kostengründen), den ständig bis zum Dach überfüllten Waggons, gleichmäßig nicht funktionierenden Klimaanlagen und den halbverfallenen Bahnhöfen. Und einem Management, das – nun ja. Überhaupt: Wenn die Zukunft tatsächlich lauten sollte, dass wir nun alle Bahn fahren (müssen), mit dieser Bahn, dann bleibt wohl nur noch, aus voller Kehle laut „Nein!“ zu schreien und mit voller Kraft wegzulaufen (zu Fuß, denn das ist immer noch erfolgversprechender als mit der Bahn – man kommt zumindest irgendwann an).

Bleibt noch das gute alte Fahrrad und sein behäbiger Kumpel, das Lastenrad. Wenn es um die tatsächliche Funktionalität geht, lautet unsere Zukunft tatsächlich derzeit „Fahrrad“. Alles andere funktioniert nämlich nicht. Ausgenommen natürlich, wir lassen alles beim Alten, verkaufen 20 % mehr Diesel-SUVs mit kostenlos integrierter Betrugssoftware und serienmäßiger Feinstaub-Tarnkappe und tun das, was wir schon immer getan haben.

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Aber in dieses müde und dreckbeladene Szenario (im buchstäblichen und im übertragenen Sinn) will nun wohl wirklich niemand investieren.

Die Moral von der Geschicht‘

ist schlicht: wir wissen’s nicht. Wir wissen im Moment gar nichts. Und es ist auch im Moment überhaupt nicht abzuschätzen, auf welche Technologien man am Ende setzen wird – und was irgendwann mal jemand auch tatsächlich auf die Reihe kriegt (die Bilanz vergangener durchschlagender Veränderungserfolge ist da ja eher schlecht, wenn man sich die Energiewende und den Artenschutz anschaut).

Solange sich das so verhält, ist es natürlich auch völlig sinnfrei, irgendwelche zukunftszugewandten Anlageentscheidungen treffen zu wollen. Erst recht nicht, wenn man gar nicht weiß, ob die „Zukunft“ überhaupt schon in den nächsten Jahrzehnten beginnt, hierzulande. Oder erst in den kommenden Jahrhunderten.

Wer genug hat von den deprimierenden Stagnationen und Veränderungsfehlschlägen und den ewiggestrigen Lösungsansätzen, kann sich ja mal die Ottobahn ansehen. Das ist ein Konzept, das zur Abwechslung wenigstens mal  Sinn macht im trüben und trübsinnigen Mobilitätsalltag unserer Tage. Wenigstens beim darüber nachdenken.

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