Windkraft: Unsicher wie ein Fähnlein im Winde

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Windkraft: Unsicher wie ein Fähnlein im Winde

Wirft man einen Blick auf den Bereich der erneuerbaren Energien, scheint die Nutzung der Windkraft der klare Sieger im Felde zu sein. Alles scheint sich auf Windkraftwerke zu fokussieren, wenn es um die großen Anlagen geht – Solaranlagen oder gar Geothermie bleiben bei der großen Nutzung weit zurück. So sehr man allerdings allerorts die Nutzung der Windkraft zu forcieren scheint, bei der tatsächlichen Umsetzung in Europa stockt es allerdings gewaltig. Wenn es um Investments in Windenergie geht, gibt es also gute und schlechte Nachrichten. Wir haben uns beide einmal genau angesehen.

Deutschland: Ausbau-Ziele krachend verfehlt, zahlreiche Abschaltungen drohen zusätzlich

Deutschland gehört zu den Ländern in Europa, in denen Windenergie-Anlagen sehr schnell und rasch ausgebaut wurden – auch dank enorm hoher Subventionen. Die fielen zum Teil so hoch aus, dass die Betreiber von Windparks ihren Investoren zusätzlich einiges an Geld zurückgegeben haben – aus Anstand und schlechtem Gewissen wegen des enormen Überschusses, den sie dank der großzügigen Subventionen Jahr für Jahr erwirtschafteten.

Andere Windpark-Projekte gingen finanziell überhaupt nicht auf – und haben vielen Kleinanlegern mit ihrer Pleite einen Totalverlust beschert. Das war dann durchaus dramatisch, da viele der Anleger ganz bewusst in diesen Bereich investieren wollten, um mit ihren Investments auch die Energiewende voranbringen und für eine sauberere Zukunft sorgen wollten. Nach dem traumatischen Totalverlust werden sich viele dieser Anleger in Zukunft wahrscheinlich gut überlegen, ob sie noch einmal in Erneuerbare-Energie-Projekte investieren.

Auch ganz allgemein geht es in Deutschland nicht voran mit dem Ausbau – die selbst gesteckten Ziele wurden nicht nur krachend verfehlt, sondern im Bereich des Onshore-Ausbaus (Windkraftanlagen an Land) ist im Laufe des Jahres 2019 der Ausbau beinahe vollständig auf Null zurückgegangen. Sprich: es wurde so gut wie überhaupt nichts mehr gebaut. Mit Null kann man nicht rechnen, aber der Rückgang beim Ausbau bedeutet in klaren Zahlen einen Rückgang von 82 % gegenüber dem Vorjahr. Also quasi eine Totalflaute im Bereich der Windkraft.

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Das hehre Ziel, bis 2030 mindestens 65 % des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, ist damit in lächerlich weite Ferne gerückt, nach dem derzeitigen dramatischen Rückgang muss man stark bezweifeln, ob das überhaupt noch zu schaffen ist, insbesondere da 2022 das letzte Kernkraftwerk bereits abgeschaltet sein soll.

Abschaltung älterer Anlagen reduzieren den Bestand noch weiter

Zusätzlich zum stockenden Ausbau, der vor allem durch komplizierte Genehmigungsverfahren und zahlreiche Verzögerungen durch klagende Anwohner verursacht wird, kommt noch erschwerend hinzu, dass viele der veralteten Anlagen demnächst abgeschaltet werden müssen. Sie haben sich ohnehin nur mit Subventionen wirtschaftlich getragen und können mit modernen Windstromanlagen bei Weitem nicht mithalten. Wird die Förderung, die eigentlich auslaufen soll, nicht verlängert, werden zahlreiche Anlagen stillgelegt, während keine neuen mehr gebaut werden – das bedeutet auch einen massiven Rückgang bei der Stromerzeugung aus Windkraft allgemein.

Lösungen sind nicht in Sicht

Bürgerenergie-Anlagen haben derzeit unterirdisch lange Genehmigungsfristen – selbst Asylverfahren gehen in Deutschland noch schneller. Bis zu drei Jahre Wartezeit auf eine Genehmigung, dann erst beginnt erst einmal die Ausschreibung. Bis ein Windrad dann irgendwann einmal steht, ist vermutlich bereits ein halbes Jahrzehnt ins Land gegangen. Wenn dann überhaupt noch gebaut wird – das ist nach solchen Wartezeiten sicher nicht bei allen Projekten der Fall.

Bislang hat die Regierung allerdings noch keine Vorschläge gemacht, wie es denn nun weitergehen soll – und wie man den Ausbau der Windkraft wieder beschleunigen will. Möglichst bevor es zur Total-Flaute bei der Windenergie kommt. Man hat im Gegenteil den Ausbau auch noch beschränkt, insbesondere in den Küstenländern.

Auch um den fehlenden Netzausbau scheint sich niemand kümmern zu wollen – der ist immerhin verantwortlich dafür, dass viele der bereits errichteten Anlagen die halbe Zeit stehen, weil der von ihnen erzeugte Strom die Netze überlasten würde. Stört aber scheinbar niemanden, stattdessen setzt man neuerdings auf Gaskraftwerke, die mit Fracking-Gas aus den USA betrieben werden, damit Trump endlich mit seinem Genörgel Ruhe gibt, dass alle gefälligst sein Gas zu kaufen haben.

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Für lohnende Investments kein Platz mehr

Kurzum: Viele Investment-Chancen in Windenergie scheint es in Deutschland nicht mehr zu geben, auch die hier ansässigen Hersteller werden sich bei der herrschenden und beinahe schon angekündigten Flaute wohl über kurz oder lang aus Deutschland verabschieden. Geld in Projekte zu investieren, die aller Voraussicht nach dann ohnehin nie gebaut werden, erscheint wie Perlen vor die Säue zu werfen. Auch wenn man Windkraft hervorragend dafür nutzen könnte, um auf ökologischem Weg Wasserstoff für Fahrzeuge und andere Zwecke zu erzeugen, dafür bräuchte man dann noch nicht einmal die Netze auszubauen.

Windkraft-Ausbau innerhalb Europas

Besonders in den ehemaligen Ostblockländern wie Polen oder Rumänien wird der Ausbau von Windkraft in den letzten Jahren stark forciert. Besonders Polen trägt sich schon mit ehrgeizigen Plänen, die vorhandene Leistung der Windkraft-Anlagen jedes Jahr um eine Leistung von 500 Megawatt zu erhöhen. Aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten darf man die Realisierbarkeit dieses hochtrabenden Plans aber eher zutiefst bezweifeln.

Auch im restlichen Europa stagniert der Ausbau – trotz aller günstigen Voraussetzungen. Auf dem Kontinent ist Platz für mehr als 11 Millionen Windräder – genug, um die ganze Welt mit Energie zu versorgen. Das Potenzial ist riesig – dennoch geschieht nichts.

Massiver Ausbau der Windkraft in Schwellenländern

In Südeuropa haben viele Unternehmen aufgrund der Euro-Krise ebenfalls schon lang aufgegeben und suchen ihr Heil nun in Südamerika. Insbesondere in Brasilien kommt es zu einem riesigen Voranschreiten des Ausbaus. Auch Pakistan hat kürzlich einen gewaltigen Schritt vorwärts getan und betreibt bereits jetzt so viele Windräder, wie sich manche Länder in Europa wünschen würden. Motivation ist natürlich die Möglichkeit zur kostengünstigen Selbstversorgung mit Energie – keine Frage. Was man selbst erzeugt, braucht man nicht zu importieren. China kann man auch nichts vorwerfen. Das Land hat, wie schon früher, bereits schon mehr neue Anlagen errichtet, wie der ganze Rest der Welt zusammen.

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Bis auf einige Länder Osteuropas macht Europa dagegen insgesamt eher Pause, ganz besonders Deutschland und Österreich. Auch der Rest gibt sich eher der Trägheit hin, anstatt den Ausbau wenigstens einer Erneuerbare-Energien-Quelle zu forcieren, um zumindest irgendwelche Ziele des Jahres 2030 noch annähernd erreichen zu können.

Was bedeutet das für Investments in Windenergie-Projekte?

Viel Gutes – wenn sie anderswo stattfinden. In Europa wird aus den investierten Pfennigen wohl nicht viel werden, auch nicht in absehbarer Zeit. Außer der Elektrolyseur, der aus Windkraft, und zwar auch aus den alten, wenig rentablen Anlagen, Wasserstoff erzeugen kann, kommt tatsächlich zum Einsatz und es findet sich jemand oder etwas, bei dem die Verwendung für Wasserstoff in größeren Mengen zum Programm gehört. Alles also sehr vage. Und darauf, dass endlich einmal jemand auf die EU-Kommission hört, die einen massiven Ausbau einfordert, braucht wohl niemand zu hoffen. Da zeigen Predigten in der kleinsten Dorfkirche schon mehr geballte Wirkung als eine solche zahnlose Abmahnung nach dem „Sollte“-Prinzip.

Vom Ausbau in vielen Schwellenländern und möglicherweise auch in Osteuropa kann man dagegen unter Umständen profitieren. Wenn diese Länder es auch in Zukunft schaffen, den massiven Ausbau auch zu finanzieren. Das ist eben auch fraglich.

Da niemand eine klare Ansage macht, welche Energieträger stattdessen favorisiert werden sollen (einmal abgesehen von schmutzigem US-Frackinggas, das wirklich keiner braucht) stellen sich auch keine offensichtlichen alternativen Investitionsmöglichkeiten zur Wahl, bei denen man von einem bereits mittelfristig stattfindenden, starken Ausbau profitieren könnte.

Bleibt also nur abzuwarten, bis der Wind sich wieder dreht. Auf die eine oder andere Weise.

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