Geldanlage im grünen Bereich – der EU-Plan aus Sicht von Kleinanlegern

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Geldanlage im grünen Bereich – der EU-Plan aus Sicht von Kleinanlegern

Die jüngsten Nachrichten der WMO, der weltweiten Wetterorganisation der UNO, trafen uns wie ein Schlag ins Gesicht: Im vergangenen Jahr 2017 sind die Werte der Treibhausgase in der Atmosphäre auf einem neuen Höchststand angelangt, noch nie zuvor hatten sie solche Werte erreicht. Und das nach zahllosen Klimadebatten, einer zumindest versuchten Energiewende und den ersten Dieselfahrverboten in den Städten. Den drohenden Klimawandel aufzuhalten scheint unmöglich – es scheint eher schlimmer zu werden als besser. Die EU-Kommission will nun zusätzlich mit einem zukünftig geltenden Gesetz auch Investitionen „grüner“ machen und vor allem in Richtung klimaverträgliche und klimaschutzfördernde Anlagen lenken. Das Ziel der Maßnahmen sind dabei nicht nur institutionelle Anleger, sondern insgesamt alle Anleger, auch kleine Privatanleger. Was das Gesetz gerade für Kleinanleger bringt, was es verändert und welche Möglichkeiten es für Kleinanleger überhaupt gibt, sich am Klimaschutz mit dem eigenen Geld zu beteiligen, wollen wir in unserem Beitrag einmal umfassend beleuchten.

Was die EU-Kommission plant

Die Ankündigung, künftig mehr Investitionen in klimaschützende Initiativen und in klimafreundliches Wirtschaften zu fördern, klingt ja erst einmal gut. Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass es sich bei der EU lediglich um eine gesetzgebende Behörde handelt – dementsprechend gering ist das tatsächliche Aktionspotenzial der Maßnahme.

Die Kernpunkte sind laut einer Information der EU-Kommission gerade einmal folgende:

-die Schaffung eines EU-weit einheitlichen Klassifikationssystems für Nachhaltigkeit bei Anlagen
-die Aufzählung von Bereichen, in denen angelegtes Geld besonders viel Wirkung entfalten kann
-aus diesen beiden Maßnahmen abgeleitet ein einheitliches EU-Kennzeichen, das Anlagen in ihrer Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit einordnet – also quasi eine Öko-Ampel für Finanzprodukte
-die Pflicht von Wertpapier-Anbietern und Versicherern, bei Anlageprodukten die Kunden umfassend zu beraten, wenn für sie Nachhaltigkeit ein Kriterium bei der Anlage darstellt
-eine mögliche Pflicht von institutionellen Anlegern und Vermögensverwaltern, Nachhaltigkeit bei ihren Investitionstätigkeitenin Teilen berücksichtigen zu müssen
-eine mögliche Prüfung, ob eine „Feinabstimmung der Kapitalanforderungen von Banken für nachhaltige Investitionen“ machbar ist (der berühmte „green supporting factor„)

Dafür hat man jetzt auch ganz schön lange gebraucht, „hochrangige Sachverständige“ haben nach Jahren der Arbeit ihre Empfehlungen nun aber endlich der EU-Kommission übermittelt. Angesichts der alarmierenden Prognosen der Metereologender UNO und der weltweiten Klimaschutzforscher erscheint das Portfolio der Vorschläge doch ein wenig lahm. Herausgekommen ist im Prinzip wieder einmal nicht viel mehr als eine weitere „Kennzeichnungspflicht„.

Die wirklich wichtigen Akteure der Wirtschaft, wie die Banken, die ja als Geldgeber der Wirtschaft einen ganz wesentlichen Anteil daran haben, welche wirtschaftlichen Aktivitäten gefördert werden und welche eher ausgebremst werden, werden von dem geplanten Gesetz wieder einmal nur mit Samthandschuhen angefasst oder gleich außen vor gelassen. Man will die Wirtschaft in ihrem (zum Teil sehr klimaschädlichen) Tun anscheinend auf keinen Fall irgendwie „stören“.

Dafür dürfen wir Privatanleger uns künftig an einer Kennzeichnung überlegen, ob wir unser Geld gerade in eine nachhaltige Anlageform investieren (wozu zählt jetzt eigentlich das Banksparbuch?) oder eher nicht. Ob das nun tatsächlich das Klima rettet oder auch nur irgendeinen Beitrag dazu leistet, lassen wir jetzt einfach einmal dahingestellt. Die Nadel schlägt hier allerdings eher sehr deutlich in den Bereich „wohl eher nicht“ aus.

Auch die erweiterte Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel hat die Menschen im Land nicht schlanker und nicht gesünder gemacht – und auch die Lebensmittelkonzerne nicht dazu gebracht, gesündere, weniger oder schonender verarbeitete Lebensmittel zu produzieren. Am Großteil des Angebots hat sich im Wesentlichen kaum etwas verändert – am Konsum auch nicht. Daraus hätte man vielleicht etwas lernen können.

In der Wirtschaft geht es um Geld

Wenn es theoretisch noch immer möglich ist, einfach das nächste Autowerk aus dem Boden zu stampfen und die nächsten Billig-Dreckschleudern mit ein paar gepflegten Marketinglügen auf den Markt zu pushen und dafür problemlos wie eh und je Kredite von Banken zu bekommen, ist das das falsche Signal für den Klimaschutz. Das Argument, dass es bei den Konsumenten einfach „Bedarf dafür gibt“ ist kein Argument – auch unser Planet hat Bedürfnisse, und irgendjemand muss die auch einmal wahrnehmen.

Die Idee, künftig Kapitalströme ein wenig mehr in Richtung klimaverträglicher und nicht klimazerstörender wirtschaftlicher Aktivitäten zu lenken halten wir durchaus für begrüßenswert – die Betonung liegt hier allerdings auf dem Wort „lenken“. Dafür muss man dann schon gewisse Aktionen setzen, die auch Grenzen setzen.

Einige EU-Länder haben das für sich getan – so hat Dänemark beispielsweise aus eigenem Antrieb und schon vor geraumer Zeit schlicht ein Verbot für den Betrieb von Öl- und Gasheizungen erlassen. Einfach so. Damit gibt es im ganzen Land nun eben TATSÄCHLICH keine Öl- und Gasheizungen in Betrieb mehr.

Als „Lenker der Wirtschaft“ müsste man sich im Klaren sein, dass man in manchen Bereichen auch das Angebot verändern muss, wenn man Veränderungen in breiter Masse erzeugen möchte. Es genügt nicht, Konsumenten einfach nur ein paar farbige Aufkleber mehr zu präsentieren, die verraten (oder auch nicht, denn so transparent wird das am Ende wohl gar nicht) wie „gut oder schlecht“ ein Anlage ist, die sie tätigen. Und die Angebote machen immerhin die Unternehmen – der Staat kann aber lenkend eingreifen.

Hätte man in Dänemark Öl und Gas mit einer massiven Sondersteuer belegt, sodass sich diese Heizform einfach für niemanden mehr rentiert hätte, wäre der Effekt wohl am Ende annähernd vergleichbar gewesen. Niemand will eine Heizung, die er sich nicht leisten kann. Auch das hätte wohl funktioniert.

Diese Erkenntnis kann man auch 1:1 auf den Bereich der Geldanlage übertragen.

Wo sollen wir unser Geld anlegen?

In der gegenwärtig immer noch anhaltenden Niedrigzinsphase stellt sich gerade als Kleinanleger sehr deutlich die Frage, wo wir unser Geld überhaupt anlegen sollen.

In vielen Fällen handelt es sich hier um vergleichsweise kleine Beträge, die zudem auch mittelfristig noch verfügbar bleiben sollten – es kann Situationen geben, in denen wir auf unsere Ersparnisse zugreifen müssen.

Das Ziel ist in vielen Fällen, aus kleinen Beträgen über längere Zeiträume etwas Großes zu machen, zum Beispiel die eigene Altersvorsorge, die später unseren Lebensstandard im Alter sichern soll. Dafür braucht es auch eine vernünftige Rendite – mit Riester-Sparplänen und dem Eckzinssparbuch mit 0,25 % Zinsen kommt man hier nicht weit.

Alle diese Kriterien haben als Kleinanleger grundsätzlich einmal Vorrang gegenüber der Nachhaltigkeit. Das ergibt sich einfach aus der Situation, in der man als durchschnittlich verdienender Kleinanleger eben steckt.

Den Luxus, sein Geld in Anlagen zu stecken, die man ausschließlich nach einer Nachhaltigkeitskennzeichnung auswählt, werden sich viele einfach nicht leisten können. Bei Geldanlagen und Investments geht es vor allem um mögliche Gewinne und Sicherheit – genauso wie für Unternehmen und institutionelle Anleger eben auch.

Sehr viele Menschen haben, das hat die Vergangenheit gezeigt, durchaus das Bedürfnis, ihr Geld in ökologisch verträgliche oder förderliche Investmentmöglichkeiten einzubringen. Dem einen oder anderen werden aber die massiven Verluste bei wenig tragfähigen Windpark-Investments oder windigen Käufen von Regenwaldflächen als Nutzholzplantagen noch in schmerzlicher Erinnerung sein.

Bevor man sich mit dem Gedanken an „grüne“ Investments anfreunden kann, wird es zunächst nötig sein, entsprechende Produkte zu schaffen, die tatsächlich vertrauenswürdig, ausreichend kontrolliert und auch renditemäßig solide sind und in einem vernünftigen Gewinnbereich liegen. Das ist zunächst einmal die Grundvoraussetzung. Solange niemand solche Anlagemöglichkeiten schafft, es also kein entsprechendes Angebot gibt, werden auch kaum Investments fließen.

Solche Angebote kann nicht ein Staat oder eine Staatengemeinschaft machen – sie müssen aus der Wirtschaft kommen. Und da kann man nur auf Freiwilligkeit hoffen – erzwingen kann man das nicht. Die Maßstäbe, die an solche Anlagen angelegt werden bleiben weiterhin, vor allem bei Kleinanlegern die Sicherheit, Vertrauenswürdigkeit und die Rendite. Daran wird sich kurz- oder auch langfristig nichts ändern.

Investments in neue Technologien könnten im Einzelfall sinnvoll werden

Parallel zu der Förderung von „grünen“ Investments versucht die EU-Kommission auch neue Finanztechnologien stärker zu fördern – neben Blockchain-Technologien soll es dabei vor allem auch um Crowdfundig und Peer-to-Peer-Kredite gehen, die stärker reguliert, europaweit vereinheitlicht und transparenter gemacht werden sollen.

Während Peer-to-Peer-Kredite (also beispielsweise Plattformen wie Auxmoney) eher hoch riskante Investments darstellen und für viele Kleinanleger daher kaum einen großen Stellenwert erhalten werden, sieht das bei Crowdfunding durchaus anders aus.

Hier kann man durchaus beschließen, Unternehmen mit nachhaltigen Lösungen und Ansätzen sein Geld anzuvertrauen und so klimafreundliche und umweltschützende Technologien auch als Kleinanleger zu fördern und zu schützen. Natürlich sind auch das zu einem Teil riskante Investments, bei einer entsprechenden Regulierung und gesetzlich verordneten Transparenz kann dabei aber deutlich mehr Sicherheit entstehen.

Zudem ermöglicht eine weite Verbreitung solcher Plattformen auch vielen Privatpersonen, selbst eine erfolgreiche Initiative mit nachhaltigen, regionalen oder fortschrittlich-umweltschonenden Technologien zu gründen, zu finanzieren und umzusetzen – und damit Geld zu verdienen.

Unserer Meinung nach liegt hier ein deutlich höheres Potenzial für sinnvolle Investments als durch die bloße Kennzeichnung von Anlageprodukten. Wie nachhaltig ein Sparbuch, ein Bausparvertrag oder eine VW-Aktie sind, wird ohnehin nie jemand letztgültig an einem einzelnen Zahlenwert festmachen können – und das wird auch kaum Auswirkungen auf das tatsächliche Investitionsverhalten, besonders nicht bei Kleinanlegern, haben.

Am Ende liegt es an den Unternehmen

Will man wirklich etwas in der breiten Masse verändern und ökologischer machen, sind zunächst Unternehmen gefordert, das Angebot auf dem Markt zu verändern: es muss neue, nachhaltige und klimafreundliche Produkte geben, die leistbar sind und überhaupt in Konkurrenz zu den etablierten Produkten treten können.

Wenn es solche Angebote gibt, werden sie auch genutzt werden – dann fließt Geld in die richtige Richtung, auch von Kleinanlegern, die dann ihren Konsum verändern. Es geht nicht darum (wie die EU-Kommissionfälschlicherweise annimmt) den Unternehmen zunächst Unmengen von Geld für die Entwicklung solcher Produkte zu geben, damit sie diese dann anbieten und die Unternehmen dann einfach „machen zu lassen“.

Das wird nicht im großen Rahmen passieren – weil das für Geldgeber viel zu wenig transparent ist und für Unternehmen kaum ein Anreiz besteht, ökologische Produkte mit hohem Kostenaufwand zu entwickeln, wenn sich Althergebrachtes viel leichter produzieren lässt und sich genauso gut oder vielleicht sogar deutlich besser verkauft. Hier besteht viel eher die Gefahr, dass in der Praxis nur wenig klimaschonenden Produkten durch minimale und wenig wirkungsvolle Veränderungen dann einfach ein „Öko-Mäntelchen“ umgehängt wird, um bei den Konsumenten das Gewissen zu beruhigen.

Wenn wir uns kein weiteres CO2 mehr leisten können, dann nützt ein in Massen verkaufter und auf dem Papier „schadstoffarmer“ Diesel nichts – dann brauchen wir etwas völlig Neues. Solche Lösungen kosten natürlich Geld – aber sie sind schon längst überfällig und es ist ein Gebot für Unternehmen, seine Gewinne dahingehend zu investieren, Produkte umweltverträglich und nicht planetenzerstörend zu produzieren. Wenn dafür frisches Geld eingesammelt wird, muss das auf eine transparente Weise geschehen, bei der auch nachvollziehbar ist, dass die aufgebrachten Mittel tatsächlich ausschließlich in die Schaffung echter und zu 100 % umweltverträglicher Lösungen fließt. Dann kann man vermutlich auch private Investments in solche Lösungen erwarten – wenn sichergestellt ist, dass wir als Kleinanleger auch eine solide Anlage und eine vernünftige, einigermaßen sichere Rendite erwarten können.

Lippenbekenntnisse von Mega-Unternehmen, die am Ende nur ihre Gewinne maximieren und immer das passende Marketing-Mäntelchen zum Umhängen über die immer gleichen Produkte parat haben, haben uns keinen Schritt weiter gebracht, wie die Zahlenwerte der UNO-Metereologen beweisen. Sie haben alles nur noch schlimmer gemacht.

Uns läuft die Zeit davon und es ist dringend geboten, endlich aktiv etwas zu verändern. Das bedeutet insbesondere, entsprechende Angebote als Unternehmen (vor allem weltweit führende Unternehmen mit Milliarden-Gewinnen) zu machen, die nicht als des Kaisers neue Kleider daherkommen.

Geschieht das endlich, können wir als Kleinanleger auch durch die Nutzung solcher Angebote und die bewusste Auswahl von Produkten unseren Beitrag zu einer klimafreundlicheren Welt leisten. Es ist aber primär nicht an uns, mit unserem sauer verdienten Ersparten die Klimanwende zu finanzieren – mit lediglich hohem Risiko auf Totalverluste, mit miesen Renditen und leeren Versprechungen in der Tasche.

Was wir tun können

Abgesehen davon, dass wir unseren eigenen, persönlichen Konsum kritisch hinterfragen und verändern können, bleibt die einzige Möglichkeit „grüner“ Investments für uns die Investition in sinnvolle, fortschrittliche und ökologische Lösungen im Bereich von Crowdfunding kleiner Unternehmen und engagierter Startups.

Mehr können wir mit unserem Geld derzeit nicht machen – die große Wende wird das aber nicht bringen. Hier sind andere gefragt, zuerst einmal entsprechende Angebote – auch für uns – zu machen. Und es wäre dringend an der Zeit, dass diese anderen ihre Verantwortung endlich wahrnehmen und sich ihr stellen – vorzugsweise bevor wir diesen Planeten in Kürze endgültig und unumkehrbar an die Wand fahren.

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One Comment

  1. Sehr schöner Artikel. Ich bin der selben Meinung in Moment können wir selber nicht viel tun. Momentan sind Angebot und Nachfrage gefordert. Leider hängt diese Entwicklung auch von den Unternehmen ab.

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