Auf dem Vormarsch: Social Trading

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Auf dem Vormarsch: Social Trading

Die Zinsen sind tief – und bleiben tief. Die Zahl von wenigstens einigermaßen lukrativen Anlageformen verringert sich zunehmend und immer mehr Kleinanleger bemerken, dass sie um das Thema aktienbasierte Anlagen einfach nicht mehr herumkommen. In diesem Bereich dominieren aber vielfach hilfloses Unwissen und große Unsicherheit. In welche Aktien investieren, wo bestehen gerade Gewinnchancen, wo ist das Risiko besonders hoch? Diversifizierung? Risikoabsicherung?? Social Trading scheint für viele eine Art Rettungsanker zu sein – jemand, der sich auskennt und quasi umsonst berät. Auch wenn Social Trading vom Prinzip her eine gute Sache ist: Ein wenig aufpassen muss man aber dennoch.

Der Aktienmarkt als unbekanntes Territorium

Sieht man sich das vorhandene Wissen von Otto Normalbürger in Bezug auf den Aktienmarkt und die Finanzwelt einmal an und bohrt dann auch noch ein wenig nach, erkennt man oft erschreckendes Unwissen. Viele haben nur eine äußerst rudimentäre Vorstellung von den Grundzügen des Aktienhandels und davon, wie die Börse funktioniert. Kolportierte Mythen vom Hörensagen ersetzen Fakten und wirklich verstandene Zusammenhänge. Nicht selten hört man dann lediglich so bahnbrechende und wenig hilfreiche Weisheiten wie „Wenn der DAX runtergeht, ist das halt schlecht, zum Investieren, meine ich“.

In den letzten Jahren ist es uns mit unserem Blog sicherlich gelungen, dieses schier undurchdringliche Dunkel wenigstens an manchen Stellen ein wenig zu erhellen, aber erstens liest (leider) nicht jeder regelmäßig unseren Blog und zweitens gilt eben auch für uns, was schon viele andere gesagt haben: „Wir können halt leider nicht überall sein“. Darum auch ein kurzer Appell an dieser Stelle: Wenn Sie unseren Blog zumindest ab und zu lesen, machen Sie auch Ihr Umfeld darauf aufmerksam. Wissen hat noch niemandem geschadet, und es gibt noch eine Menge Dunkel zu lichten.

Dazu kommt, dass gerade in der letzten Zeit die Märkte gerade alles andere als berechenbar sind. Wenn alles wie gebannt auf den nächsten Tweet eines nicht sehr rationell agierenden Präsidenten wartet, der dann innerhalb einer Millisekunde praktisch alles auf den Kopf stellt, dann reagieren die Märkte – wie das ein Experte letztens so passend ausgedrückt hat – „wie ein naiver Schizophrener“, und noch dazu wie einer, der zusätzlich noch unter einer Aufmerksamkeitsspanne eines ADHS-kranken Eichhörnchens leidet.

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Wer noch nie mit Opossums zu tun hatte, dem wird es schon schwer genug fallen, mit einem einigermaßen ausgeglichenen Opposum umzugehen. Wenn er es mit einem tollwütigen Oppossum zu tun kriegt, das gerade eine psychotische Krise durchmacht, ist die Chance gleich Null, dass er eine einigermaßen sinnvolle Strategie findet, das Verhalten des Tiers zu verstehen und einigermaßen angemessen darauf zu reagieren. Dieser Vergleich ist noch nicht einmal übertrieben – die Marktkapriolen in der letzten Zeit bringen selbst Experten oft genug an den Rand ihrer Weisheit.

Social Trading als Rettungsanker in der Dunkelheit

Wenn einem – aufgrund der Finanzlage – nun einmal nichts anderes übrig bleibt, als sich mit diesem tollwütigen Opossum abzugeben, wenn man noch etwas Rendite für seinen Spargroschen erzielen will, dann sind Experten, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen, natürlich der Retter in der Not. Sie verstehen anscheinend, was da passiert und wissen, wie man am besten darauf reagiert, damit sich der eigene Spargroschen nicht gleich nach dem nächsten Verlust in Luft auflöst.

Beim Social Trading kann man Anlagestrategien von Experten ansehen, diskutieren und kommentieren – und natürlich auch für das eigene Portfolio kopieren. Tatsächlich ist gerade Letzeres das, was „Social Trading“ für die meisten bedeutet: das 1:1 Kopieren von dem, was andere tun. Für alle, die mit wirklich gar keinem Wissen auf Social Trading Plattformen stolpern, ist das „Copy Trading“ praktisch das Einzige, was sie tun. Eine Stufe darüber steht dann das „Mirror Trading“, bei dem man nicht nur originalgetreu das Portfolio des Vorbilds übernimmt, sondern auch jeden einzelnen seiner Handelsschritte.

Um es den Nutzern leichter zu machen, kann man diesen Vorgang auf vielen Plattformen auch automatisch ablaufen lassen: Man wählt eine Strategie als „Kopiervorlage“ aus – und künftig findet sie mit einem selbst festgelegten Betrag automatisch auch auf dem eigenen Portfolio statt.

Dabei gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten:

  1. Der Anbieter des Social Trading ist selbst ein Broker. Um eine Trading Strategie kopieren zu können, muss man einen Account beim Anbieter eröffnen.
  2. Der Anbieter des Social Trading arbeitet mit einer Reihe von unabhängigen Brokern zusammen, bei denen man einen Account eröffnen kann.
  3. Die Trading-Strategien werden in bestimmte Zertifikationen verbrieft, die dann ganz unabhängig gehandelt werden können, bei der Wahl des Brokers ist man dann prinzipiell frei.
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Die Vorteile

Mit diesem „Copy-Ansatz“ ist es relativ einfach, eine sinnvolle Anlagestrategie zu verfolgen – selbst wenn man praktisch gar keine Ahnung hat, was man da tut. Aus den Kommentaren der anderen Nutzer lernt man vergleichsweise sehr schnell sehr viel darüber, warum etwas gemacht wird – und wie und warum eine Strategie überhaupt funktioniert.

Man kopiert als Neuling zunächst also einfach nur und lernt danach aber Schritt für Schritt zu verstehen, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden und sieht auch in Echtzeit die Auswirkungen jeder Anlage-Entscheidung. Man hört zu jeder Entscheidung meist mehrere (positive und negative) Meinungen und erhält so ein umfassendes Bild über eine Vielzahl von unterschiedlichen Dingen.

Diese Art des „sozialen Lernens“, nämlich indem man die Interaktionen anderer beobachtet, die etwas schon können, ist eine sehr erfolgreiche Art zu lernen. Soziales Lernen spielt auch in der Entwicklung von Kindern eine tragende Rolle – es ist einer der wichtigsten Wege, auf denen wir als Menschen überhaupt lernen. Indem der Prozess automatisch abläuft, ist es auch eine sehr mühelose Art und Weise, schnell große Mengen an Wissen zu erwerben.

Die Nachteile

Der gewichtigste Nachteil beim Social Trading ist, dass zunächst einmal nicht jeder ein Experte ist, der sich als einer ausgibt oder sich für einen hält. Wem man unter Einsatz des eigenen Vermögens „folgt“, wie das in der Fachsprache der sozialen Netzwerke heißt, sollte man gut überlegen.

Praktisch jeder kann eine Anlagestrategie oder ein Portfolio veröffentlichen, das von anderen dann kopiert werden kann. Dabei besteht natürlich immer das Risiko, dass man auch fundamentale Fehler kopiert, die jemand anders macht, der möglicherweise auch nur gerade einmal eine Winzigkeit mehr weiß, als man selbst.

Zwar werden alle Portfolios auch von anderen Nutzern im Allgemeinen kommentiert, sodass die Kommentare eine etwas bessere Einschätzungsmöglichkeit dafür bieten, wie erfolgreich das Portfolio oder die Strategie ist, die man gerade vor sich hat. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass es sich bei den Informationen, die Nutzer austauschen, häufig auch um Meinungen und nicht um Fakten handelt. Nicht jede Meinung und nicht jeder Kommentar stellt also automatisch Faktenwissen dar, sodass die Gefahr besteht, dass man bloße Vorurteile oder persönliche Meinungen als vermeintliches „Grundlagenwissen“ übernimmt und über lange Zeit hinweg beibehält, obwohl sie eigentlich falsch sind.

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Beim Zertifikats-Ansatz kann dabei möglicherweise auch noch ein Emittenten-Risiko bestehen, wenn die Strategie nicht aufgeht. Dann können gegebenenfalls zusätzlich Verluste drohen.

Ein anderes mögliches Rand-Risiko ist, dass ein Anleger, dem viele andere Anleger folgen, nicht mehr ganz rationelle Anlage-Entscheidungen trifft – aus Angst, seine Follower zu enttäuschen und damit an Glaubwürdigkeit oder Image zu verlieren. Aus diesem Grund werden verlustbehaftete Anteile dann oft zu lang gehalten, in dem Wunsch, den eingetretenen Verlust wieder über längere Zeit gut zu machen, anstatt diese Anteile abzustoßen und ein (vermeintliches) Versagen zuzugeben. Alle, die diese Portfolios kopieren, machen dann natürlich automatisch den gleichen Fehler und fahren höhere Verluste ein als eigentlich nötig gewesen wäre.

Fazit

Prinzipiell halten wir Social Trading für eine sehr gute Sache, die es auch sehr Unsicheren und Unwissenden möglich macht, auf dem Aktienmarkt erfolgreich zu investieren, ohne allzu große Fehler zu machen. Die Mehrzahl der getroffenen Anlage-Entscheidungen, die man kopieren kann, sind sicherlich solide und wohlbedacht und zudem durch die Meinung vieler erfahrener Anleger mit abgesichert.

Einen überlegenswerten Punkt sehen wir allerdings bei den Anlagekosten, die gerade für Privatanleger mit kleinem Vermögen durchaus eine beträchtliche Rolle spielen können. Ist man gezwungen, einen bestimmten Broker zu wählen, können die Kosten für die Anlage deutlich höher sein als bei anderen Brokern. Wie groß solche Unterschiede ausfallen können, können sie ganz leicht in unserem kostenlosen BROKERVERGLEICHSRECHNER für Ihr individuelles Portfolio nachvollziehen. Die Wahl des Brokers sollte man sich also nach Möglichkeit nicht aufzwingen lassen – jeder Euro, der in unnötige Gebühren geht, verringert auch den eigenen Gewinn unnötig und gemeinsam mit dem eintretenden Zinseszinseffekt können sich schon geringe Gebührenunterschiede im Lauf der Zeit zu erklecklichen Beträgen summieren, die man entweder zusätzlich bekommt oder an Gewinn verliert.

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