Broker wechseln 2026: So übertragen Sie Ihr Depot in 5 Schritten

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Broker wechseln 2026: So übertragen Sie Ihr Depot in 5 Schritten

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Ein Brokerwechsel lohnt sich fast immer — vor allem, wenn Sie noch bei einer klassischen Filialbank oder Sparkasse sind. Die Gebührenersparnis liegt bei einem durchschnittlichen Aktiendepot schnell im mittleren dreistelligen Bereich pro Jahr, bei aktiven Anlegern im vierstelligen. Der Wechsel selbst ist dank gesetzlicher Regelungen kostenlos und in den meisten Fällen in 4–8 Wochen erledigt.

In diesem Guide erklären wir Schritt für Schritt, wie der Brokerwechsel funktioniert, worauf Sie steuerlich achten müssen und welcher Zielbroker zu welchem Anlegertyp passt.

Wann lohnt sich ein Brokerwechsel?

Drei klare Anzeichen, dass Sie wechseln sollten:

  • Sie zahlen mehr als 5 Euro pro Order. Bei Neobrokern sind 0–1 € Standard. Ein durchschnittlicher Anleger mit 20 Orders pro Jahr spart über 100 €.
  • Sie zahlen Depotgebühren. Keine moderne Online-Bank verlangt mehr Depotgebühren — wer sie trotzdem bezahlt, verschenkt pro Jahr 30–120 €.
  • Ihre Sparpläne kosten extra. ETF-Sparpläne sind bei Trade Republic und Scalable Capital komplett kostenlos. Zahlen Sie 1,50– 2,50 € pro Sparplanausführung? Das summiert sich bei monatlicher Ausführung auf 18–30 € jährlich pro Sparplan.

Der Brokerwechsel in 5 Schritten

Schritt 1: Zielbroker auswählen und Depot eröffnen

Zuerst brauchen Sie ein Depot beim neuen Broker — das alte Depot bleibt in der Übergangsphase bestehen. Die Eröffnung geht bei allen modernen Online-Brokern komplett digital: Ausweiskopie, Video- oder POSTIDENT-Verifikation, digitale Unterschrift. Zeitaufwand typischerweise 15–30 Minuten, Freischaltung nach 1–5 Werktagen.

Welcher Broker für welchen Typ? → siehe Abschnitt „Welcher Broker ist der richtige?“ weiter unten.

Schritt 2: Übertragungsantrag beim neuen Broker stellen

Nach der Depoteröffnung finden Sie im Online-Banking Ihres neuen Brokers ein Formular „Depotübertrag“ oder „Wertpapierübertrag“. Dort geben Sie an:

  • Name und BIC/IBAN des alten Depotgebers
  • Ihre alte Depotnummer
  • Ob alle Wertpapiere übertragen werden sollen oder nur einzelne

Der neue Broker übernimmt danach die gesamte Kommunikation mit dem alten Broker. Sie selbst müssen nur noch unterschreiben — alles andere läuft im Hintergrund.

Schritt 3: Wartezeit überbrücken (4–8 Wochen)

Der Depotübertrag ist gesetzlich kostenlos, dauert aber je nach abgebender Bank zwischen 4 und 8 Wochen. Während dieser Zeit:

  • Verkaufen Sie keine übertragungsbereiten Positionen — der Übertrag wird dadurch komplizierter.
  • Verfolgen Sie den Status im Online-Banking beider Broker.
  • Halten Sie Cash beim alten Broker bereit, falls dort noch Sparpläne oder Dividenden-Gutschriften laufen.
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Schritt 4: Sparpläne übertragen oder neu einrichten

ETF-Sparpläne werden nicht automatisch übertragen — Sie müssen sie beim neuen Broker neu einrichten. Bei Trade Republic und Scalable Capital sind ETF-Sparpläne kostenlos, bei CapTrader und LYNX werden Sparpläne selten verwendet (diese Broker zielen auf aktive Anleger).

Wichtig: Kündigen Sie die alten Sparpläne erst, wenn die neuen sicher laufen — sonst verpassen Sie einen Sparbeitrag.

Schritt 5: Altes Depot auflösen

Nach erfolgreichem Übertrag lösen Sie das alte Depot auf. Viele Banken löschen leere Depots automatisch, andere berechnen weiter Gebühren — prüfen Sie das Kleingedruckte und stellen Sie sicherheitshalber einen schriftlichen Kündigungsantrag.

Steuerliche Stolperfallen beim Brokerwechsel

Der Wechsel zwischen zwei deutschen Brokern ist steuerlich unproblematisch: Anschaffungsdaten, Einstandskurse und aufgelaufene Verlustverrechnungstöpfe werden vom alten an den neuen Broker weitergegeben. Der FSA (Freistellungsauftrag) muss aber neu aufgesetzt werden.

Heikler wird es in drei Konstellationen:

1. Übertrag ins Ausland

Bei einem Wechsel zu einem ausländischen Broker (z. B. DEGIRO oder Interactive Brokers direkt) wird der Übertrag vom Finanzamt als Verkauf und Neuanschaffung gewertet. Bedeutet: Alle aufgelaufenen Kursgewinne werden sofort steuerpflichtig — auch wenn Sie die Aktien noch gar nicht verkauft haben.

Lösung: Bleiben Sie bei deutschen Brokern (TR, Scalable, CapTrader deutsche Niederlassung). Diese führen Abgeltungsteuer automatisch ab und Ihre Anschaffungsdaten bleiben erhalten.

2. Verlustverrechnungstopf mitnehmen

Wenn Sie einen negativen Verlustverrechnungstopf beim alten Broker haben, kann dieser auf Antrag übertragen werden. Ohne Antrag geht er verloren. Das Formular „Bescheinigung des Verlustvortrags nach § 43a Abs. 3 EStG“ muss bis 15. Dezember des laufenden Jahres beim alten Broker angefordert werden.

3. Laufende Kapitalmaßnahmen

Laufen gerade Kapitalmaßnahmen (Bezugsrechte, Spin-offs, Dividenden-Record-Dates), kann der Übertrag verzögert werden. Prüfen Sie vor Antragstellung den Kalender Ihrer Wertpapiere.

Welcher Broker ist der richtige?

Für Einsteiger und ETF-Sparer: Trade Republic

Trade Republic ist die einfachste Wahl für Anleger, die primär ETF-Sparpläne auf breite Indizes einrichten wollen oder gelegentlich Einzelaktien kaufen.

  • 1 € pauschal pro Order
  • ETF-Sparpläne kostenlos (ab 1 € Sparrate)
  • Komplett app-basiert, sehr einsteigerfreundlich
  • Keine Mindesteinlage, keine Depotgebühren

Für aktive Anleger und Vieltrader: Scalable Capital

Scalable Capital bietet drei Preismodelle — für aktive Anleger lohnt sich das Prime-Abo mit 0 € Ordergebühr ab etwa 7 Trades pro Monat.

  • Free Broker: 0,99 € pro Order
  • Prime (2,99 €/Monat): 0 € pro Order
  • Prime+ (6,99 €/Monat): 0 € pro Order + attraktive Zinsen auf Cash
  • Größte ETF-Sparplan-Auswahl am deutschen Markt
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Für internationale Anleger: CapTrader

CapTrader ist die Empfehlung für alle, die über Deutschland hinaus handeln wollen — ob US-Aktien an der NYSE, japanische Nebenwerte oder Anleihen an internationalen Märkten.

  • Über 135 Börsen in 33 Ländern
  • Xetra ab 2 € pro Order, US-Aktien 0,01 €/Aktie ab 2 €
  • Professionelle Research-Tools (Trader Workstation, Reuters, Morningstar)
  • Mindesteinlage 2.000 €

Für Options-Trader und Profi-Anleger: LYNX

LYNX ist der Broker für Anleger mit Options-Strategien, Futures-Handel und anspruchsvollen Ordertypen.

  • Xetra ab 5,80 €, Optionen ab 2 € pro Kontrakt
  • Umfangreiches Schulungsangebot (Webinare, Börsenbriefe)
  • Trader Workstation mit 80+ Indikatoren
  • Deutsche Niederlassung mit BaFin-Regulierung

Kostenvergleich: Was spart der Wechsel konkret?

Ein durchschnittlicher Anleger mit 12 Orders à 2.000 € pro Jahr zahlt:

BrokerOrdergebühren/JahrDepotgebühren/JahrSumme p. a.
Trade Republic12,00 €0,00 €12,00 €
Scalable Free Broker11,88 €0,00 €11,88 €
CapTraderca. 30 €0,00 €30,00 €
Direktbank (z. B. ING)ca. 60 €0,00 €60,00 €
Klassische Filialbankca. 300 €ca. 50 €ca. 350 €

Ein Wechsel von der Filialbank zu Trade Republic spart in diesem Beispiel über 330 € pro Jahr — auf 20 Jahre gerechnet sind das 6.600 € weniger Gebühren, die stattdessen für Sie arbeiten.

Den für Ihr Handelsprofil günstigsten Broker finden Sie mit unserem Depotkonto-Vergleichsrechner.

Eine historische Notiz zu DEGIRO

Als wir 2018 diesen Post ursprünglich geschrieben haben, war DEGIRO einer der günstigsten und innovativsten Broker am Markt. Seit dem Zusammenschluss mit flatex zur flatexDEGIRO Bank AG (2020/2021) hat sich das Angebot mehrfach verändert: Die Ordergebühren wurden mehrfach angehoben, neue Pauschalen eingeführt, die früher kostenlose ETF-Kernselektion eingeschränkt.

DEGIRO ist weiterhin ein solider Broker für internationale Anleger, hat aber die Pionier-Position an die deutschen Neobroker abgegeben. Für die meisten deutschen Anleger sind Trade Republic, Scalable Capital oder CapTrader inzwischen die bessere Wahl — günstiger, einfacher, und als deutsche Broker steuerlich unkomplizierter.

FAQ: Häufige Fragen zum Brokerwechsel

Kostet der Depotübertrag etwas?
Nein. Der Depotübertrag ist in Deutschland und Österreich gesetzlich kostenlos (§ 675f BGB in Deutschland). Einige Banken versuchen, für Sonderleistungen wie Ausbuchungen von Bezugsrechten Gebühren zu berechnen — diese sind aber meist unzulässig und können zurückgefordert werden.

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Wie lange dauert ein Brokerwechsel?
Zwischen 4 und 8 Wochen. Direktbanken sind meist schneller (3–5 Wochen), klassische Filialbanken häufig langsamer. Der Antrag kann online gestellt werden, Sie müssen nichts auf Papier einreichen.

Kann ich bei einem Brokerwechsel meine Sparpläne mitnehmen?
Nein. Sparpläne müssen beim neuen Broker neu eingerichtet werden — bei Trade Republic und Scalable Capital ist das in 2 Minuten erledigt. Die bisher angesparten Fondsanteile werden aber vollständig übertragen.

Was passiert mit meinen Dividenden während der Übergangsphase?
Ausschlüttungen, die vor dem vollzogenen Übertrag anfallen, landen noch auf dem Verrechnungskonto des alten Brokers. Nach Vollzug fließen sie automatisch zum neuen Broker. Steuerlich ändert sich nichts.

Sollte ich alle Positionen auf einmal übertragen oder in Etappen?
Alle auf einmal. Ein komplett-Übertrag geht technisch schneller als Teil-Überträge und die Bank muss nur ein Formular bearbeiten. Nur wenn Sie einzelne Wertpapiere noch verkaufen wollen oder steuerlich besonders optimieren möchten, kann ein Teil-Übertrag sinnvoll sein.

Was mache ich, wenn die abgebende Bank Schwierigkeiten macht?
Schriftlich reklamieren und eine Frist setzen (in der Regel 30 Tage). Bei weiterem Zögern ist eine Beschwerde bei der BaFin (Deutschland) oder FMA (Österreich) der nächste Schritt. In der Praxis reicht meist schon der Verweis auf die gesetzliche Verpflichtung.

Kann ich zurückwechseln, wenn mir der neue Broker nicht gefällt?
Ja, ohne Einschränkung. Der Rückübertrag funktioniert genauso wie der Hinübertrag — ebenfalls gesetzlich kostenlos und dauert 4–8 Wochen.

Fazit

Ein Brokerwechsel ist einer der einfachsten Hebel zur Steigerung der Netto-Rendite — und einer der am meisten vernachlässigten. Wer noch bei der Filialbank ist und mehr als 10 Trades pro Jahr macht, spart durch einen Wechsel typischerweise 200–500 € pro Jahr, bei aktiveren Anlegern sogar mehr als 1.000 €. Die Ersparnis über 20 Jahre angelegt erreicht schnell fünfstellige Summen.

Unsere klare Empfehlung für 90 % der Anleger: Trade Republic für Einsteiger und ETF-Sparer, Scalable Capital für aktive Anleger, CapTrader für internationale Strategien.

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