Deutsche Aktienanlage-Wüste: Macht’s OSKAR jetzt endlich gut?

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Die Frage, was die beste Anlagemöglichkeit für junge Eltern ist, die für die Zukunft ihres Nachwuchses sorgen möchten, ist gar nicht so leicht zu beantworten. fotolia.de © Syda Productions (#79567735)

Die Frage, was die beste Anlagemöglichkeit für junge Eltern ist, die für die Zukunft ihres Nachwuchses sorgen möchten, ist gar nicht so leicht zu beantworten. fotolia.de © Syda Productions (#79567735)

In unserem letzten Beitrag über die kommenden Herausforderungen der 20er Jahre, die eben erst begonnen haben, kam sie bereits zur Sprache: die massive Ablehnung der meisten Deutschen für alles, was mit Börse und Kapitalmarktanlagen zu tun hat. Im vergangenen Jahr war die Aktienmarktteilnahmequote in Deutschland sogar noch rückläufig. Viele sind angetreten, um diesen eigentlich unhaltbaren Zustand jetzt endlich zu verändern – einer der jüngsten Anbieter, der versucht die chronisch aktienmüden Deutschen nun endlich nachhaltig in Richtung Kapitalmarktanlagen zu schieben und dabei einige durchaus gute Ideen mitbringt, ist OSKAR. Wir haben einen Blick auf das Roboadvisor-System geworfen – und uns überlegt, ob OSKAR tatsächlich die Wende in Sachen Anlagen bringen könnte.

Trotz realer Verluste: Sture Verweigerungshaltung bei deutschen Anlegern

Die Zahlen sind eigentlich erschreckend: Allein im Jahr 2019 hat das nicht auf dem Kapitalmarkt angelegte Vermögen deutscher Haushalte – immerhin eine beträchtliche Menge in Höhe von Billionen Euro – durch die fatale Zinssituation um insgesamt 34 Milliarden Euro abgenommen. Das sind rein die Zinsverluste. Die comdirect Bank hat das ausgerechnet. Im Verlauf der beiden Jahre 2018 und 2019 verlor das ersparte Vermögen um bis zu 1,81 % an Wert – gerechnet wurde dabei mit Realzins, also mit bezahlten Zinsen auf Eckzinssparbüchern, Festgeld, Tagesgeld und vergleichbaren Anlageformen, minus der jeweils aufgetretenen Inflationsrate. Die Situation ist also selbst für den in wirtschaftlichen Dingen wenig Beschlagenen recht eindeutig. Das so gesparte Geld wird von Jahr zu Jahr zwischen 1,5 % und 2 % weniger wert. Ausblick: Es kann durchaus noch schlimmer werden für die Damen und Herren Sparer – und die Verluste können in Zukunft noch deutlich größer ausfallen. Bereits jetzt ist das, was die deutschen Sparer Jahr für Jahr verlieren, größer als die gesamte Wirtschaftsleistung von Lettland.

Wie in unserem letzten Beitrag bereits thematisiert, gibt es in Deutschland dennoch eine profunde Verweigerung beim Großteil der Menschen, sich mit dem Aktienmarkt oder mit Anlagen auf dem Kapitalmarkt überhaupt auseinanderzusetzen. Das einzige, was man von den allermeisten als Antwort darauf zu hören bekommt, sind Sätze, in denen vor allem die Worte „Risiko“ und „Verlust“ vorkommen. Beides mag der Deutsche überhaupt nicht, darum wird das Thema schlichtweg einfach ausgeblendet und der „böse“ Aktienmarkt ganz einfach mit kompletter Ignoranz gestraft. Wissen – braucht man nicht, mit dem Dings will man eh gar nichts zu schaffen haben. Lediglich knapp 15 % der Menschen investieren in den Kapitalmarkt – im Vergleich zu vielen anderen Ländern und angesichts der weltweiten Bedeutung der deutschen Volkswirtschaft ist das geradezu erbärmlich. Im letzten Jahr ist diese Quote dann sogar noch gesunken.

Knapp ein Drittel der Deutschen gibt als Lösungsansatz an, nun eben weniger zu sparen, solange die Zinsen so schlecht sind, die man bekommt. Wie man allerdings auf diese Weise eine taugliche Altersvorsorge aufbauen will, wenn das gesparte Geld jährlich um 2 % weniger wert wird oder man gleich nicht mehr spart, kann auch keiner beantworten. Aber natürlich, in Deutschland ist die Rente ja üppig und man zahlt ja genug ein. Altersarmut trifft dann immer nur die anderen.

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Diese Situation zu ändern und Deutsche endlich dazu zu bewegen, sich vernünftig um ihr Vermögen und ihren Vermögensaufbau zu kümmern, haben in den letzten Jahren schon einige versucht. Mit Information, mit Angeboten und mit speziellen Tools, die vieles einfacher machen sollen und Menschen die Angst vor Kapitalmarktanlagen nehmen sollen. Die Erfolge waren bislang eher durchwachsen. Auch die steigende Popularität von ETFs hat die Deutschen bislang nicht in Scharen zu Aktienmarkt-Investments getrieben – die Hürden im Kopf waren immer noch zu groß. Mit OSKAR, einer Axel-Springer-Beteiligung, soll sich das nun endlich ändern – jedenfalls, wenn es nach dem Wunsch von OSKAR geht.

Was OSKAR anders macht als andere Robo-Advisor-Dienste

OSKAR arbeitet bei seinen Anlagen mit einer begrenzten Zahl von ETF- und ETC-Anlagen (Exchange-Traded Commodities, also börsengehandelte, besichterte Schuldverschreibungen aus der Anlageklasse Rohstoffe). Das macht das Ganze schon einmal deutlich überschaubarer für die Anleger, die man anziehen möchte. Wie bei anderen Robo-Advisoren gibt es auch bei OSKAR einfach vorgefertigte Anlageprofile mit unterschiedlich hohem Risiko, die man ganz einfach auswählen kann. Möglich sind sowohl Sparpläne (ab 25 EUR pro Monat) als auch Einmal-Anlagen.

Ein Punkt, den OSKAR konsequent anders macht ist, dass sich eine einzelne Person um die Anlage einer ganzen Familie kümmern kann. Für jedes Familienmitglied – also auch für die eigenen Eltern, den Ehepartner oder die eigenen Kinder kann jeweils ein eigenes Portfolio ganz einfach per Klick hinzugefügt werden. Da jedes einzelne angelegte Portfolio seine eigene IBAN hat, kann auch direkt auf das einzelne Portfolio von außerhalb eingezahlt werden.

Ansparen für die Familie

Auf diese Weise könnte sich beispielsweise ein Familienvater auch gleich direkt um die Anlage von seinen Eltern und Schwiegereltern mit kümmern, ohne dass diese sich in irgendeiner Weise mit den nötigen Schritten auseinandersetzen müssten. Das Geld für den Sparplan der Eltern und der Schwiegereltern fließt dann automatisch von deren Konto in das jeweilige Depot. Diesen Gedanken finden wir zumindest interessant – denn höchstwahrscheinlich gelingt es nur auf diese Weise, gerade Älteren den Einstieg in die anfangs kompliziert wirkende Welt von Aktieninvestments nahe zu bringen.

Besonderen Fokus legt OSKAR auch auf das Ansparen für Kinder. Auch wir denken, dass dieser Bereich oft viel zu wenig bedacht wird. Kindern einen finanziell guten Start in ihr Leben zu ermöglichen gilt als vorbildliches Elternverhalten. Bei Kindern werden dabei aber hauptsächlich die Kosten gesehen, die sie den Eltern verursachen (die weithin kolportierte Ansicht, ein einzelnes Kind würde im Lauf seiner Kindheit rund 180.000 EUR an Kosten verursachen) – angesichts solcher immenser Beträge kann man dem Kind dann natürlich nicht auch noch Geld mitgeben. Dabei spielen gerade bei Anlagen für Kinder der vergleichsweise lange Anlage-Horizont (mindestens 18 Jahre) Eltern in die Hände. Die lange Anspardauer wirkt risikomindernd und durch die lange Anspardauer führen auch vergleichsweise kleine monatliche Beträge bereits zu einem ansehnlichen Kapital, über das der Sprössling dann bei seiner Volljährigkeit verfügen kann. Werden lediglich 25,00 EUR pro Monat über 18 Jahre angespart und durchschnittlich Zinsen von 4,5 % p.a. erzielt (zum Vergleich: allein der DAX ETF erzielte über die letzten 30 Jahre im Schnitt jährlich bereits nahezu Doppelte), kann man seinem Kind zu seinem 18. Geburtstag bereits 8.252,90 Euro mitgeben. Wer es schafft, zum Zeitpunkt der Geburt noch 1.000 EUR Einmal-Einlage aufzubringen, verschafft seinem Kind dann zum Zeitpunkt der Volljährigkeit bereits über 10.000 EUR – bei höheren Zinserträgen eventuell noch enorm viel mehr. Wer selber rechnen möchte, kann das ganz einfach mit diesem Online-Rechner tun. Versuchen Sie einmal rechnerisch das halbe Kindergeld monatlich zurückzulegen und dabei auf eine gute Entwicklung bei den Zinsen (laut Oskar zwischen 8,81 % und 13,66 % p.a., je nach gewähltem Risikomodell) zu setzen.

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Ein sehr wichtiges Kriterium bei OSKAR ist auch die komplette Digitalisierung und die schlichte Einfachheit bei allen erforderlichen Schritten. Das beginnt bei der Anmeldung des Kontos über Video Ident Verfahren und erstreckt sich über die sehr einfach zu bedienende App, mit der alles komplett gemanagt werden kann. Bis hin zur absoluten Nachvollziehbarkeit von allem, was auf dem Konto passiert und der Auszahlung des angesparten Gelds auf Knopfdruck als Einmalzahlung oder als monatliche Rente.

Anlageobjekte sind ausgesuchte ETFs und ETCs mit globaler Abdeckung. Auch auf die Einbeziehung einer Inflationsschutzkomponente wurde bei den einzelnen Anlagestrategien geachtet. Die genaue Auflistung der einzelnen Fonds findet sich hier.

Ebenfalls sehr transparent behandelt OSKAR das Thema Kosten. Jede Art der Geldanlage ist mit Kosten und Gebühren verbunden – das ist natürlich auch bei OSKAR nicht anders. Für Anlagen mit einem Volumen oberhalb von 10.000 EUR werden pauschal Gebühren von 0,8 % berechnet, dazu kommen die Produktkosten von 0,14 %. Liegt das Anlagevolumen bei weniger als 10.000 EUR, fällt genau 1 % an Gebühren an. Darüber hinaus fallen keine Kosten für die Einrichtung, für Transaktionen, Ausgabeaufschläge oder Provsionen mehr an. Auch das also sehr vorbildlich.

Kann OSKAR die Wende für die Anlagewüste Deutschland bringen?

OSKAR geht unserer Meinung nach mit sehr guten Ideen und Lösungsansätzen an das Problem heran – sowohl die Möglichkeit, innerhalb der Familie die gesamten Anlagen von einer einzelnen Person, die sich dafür interessiert und auch in der Lage fühlt, verwalten zu lassen, ist sicherlich eine gute Überlegung. Auch das Thema Transparenz und Einfachheit wird sehr gut angegangen.

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Am Ende bleibt aber natürlich bestehen, dass jemand, der überhaupt kein Wissen über ETFs und über die Möglichkeiten von Anlagen am Aktienmarkt hat, dem Ganzen eher stark verunsichert gegenüberstehen wird – und am Ende immer noch keine Idee davon hat, wie das funktionieren soll. Das betrifft leider immer noch einen Großteil der Deutschen jeden Alters – nicht selten auch aus sturem Desinteresse an allen Börsendingen. Für viele ist alles, was mit Börse zu tun hat, einfach immer noch so etwas wie „Rubbellose für Reiche“, mit äußerst fragwürdigen Gewinnchancen. „Anständige Menschen geben für Wetten und andere Lotteriespiele nicht ihr sauer verdientes Geld aus, das hat noch jeden am Ende arm gemacht“, ist hier immer noch die weit verbreitete Ansicht. Solche Einstellungen kann natürlich auch OSKAR nicht grundlegend ändern – das Angebot ist aber immerhin so gestaltet, dass es möglicherweise durchaus den einen oder anderen überzeugen kann, es trotz aller Vorbehalte immerhin zu versuchen – oder einen Verwandten zu bitten, für ihn ebenfalls ein Depot und einen Sparplan einzurichten. Gerade in diesem Punkt, beim Verwalten der Anlagen für eine ganze Familie durch eine einzelne, daran interessierte Person, liegt wahrscheinlich der wichtigste und weitreichendste Effekt, den OSKAR für die Masse in Deutschland und ihr Anlageverhalten haben kann.

Was die Kosten betrifft, kommt eine Anlage in Eigenverantwortung natürlich günstiger. Wie Sie aus unserem kostenlosen Brokervergleichsrechner schnell sehen können, gibt es bei einzelnen Brokern sogar ETF-Sparpläne ohne jede Gebühr. Das würde selbst bei gleicher Performance bereits 1,14 % mehr Rendite pro Jahr bedeuten.

Dafür erfordern solche selbst getroffenen Anlagen aber das Treffen von eigenen Anlage-Entscheidungen und die Einrichtung eines Depots und des Sparplans. Damit fühlen sich viele Menschen bereits heillos überfordert und trauen sich das in Eigenverantwortung überhaupt nicht zu. In diesem Punkt macht OSKAR selbst die schon relativ einfache ETF-Anlage noch deutlich einfacher und gibt mit der einfachen und transparenten Einrichtung Menschen mehr Sicherheit.

Von diesem Punkt her gesehen halten wir OSKAR also für eine durchaus gute Sache, die das Potenzial hat, endlich doch ein paar mehr Menschen dazu zu bringen, ihr Tagesgeld aufzugeben und lieber doch langfristig auf dem Aktienmarkt zu investieren – zu ihrem eigenen Vorteil. Über den Erfolg der von OSKAR angebotenen Anlagestrategien lässt sich zur Zeit noch wenig sagen – welche Performance allgemein erreicht wird, ist auf jeden Fall natürlich spannend abzuwarten. Vielleicht schafft es OSKAR ja tatsächlich, neben der Anlagesituation auch die finanzielle Situation von vielen in Deutschland durch langfristig substantielle Anlagegewinne endlich einmal nachhaltig zu verbessern.

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