Die Wende in der Wende: Lohnt sich der Bürger-zu-Bürger Ansatz auch finanziell?

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Die Wende in der Wende: Lohnt sich der Bürger-zu-Bürger Ansatz auch finanziell?

Die staatliche, großartig angekündigte Energiewende ist ja praktisch schon fast im Sande verlaufen – oder läuft durch den ganzen Sand im Getriebe nicht mehr, ganz wie man will. In diesem Jahr wurden – entgegen den ehrgeizigen Plänen in der Vergangenheit – praktisch überhaupt keine neuen Windkraftwerke mehr gebaut, die gesamte Solarbranche ist in Deutschland schon lange praktisch tot, der Verlust vieler zehntausender Arbeitsplätze waren dabei das begleitende Totengeläut. Damit schwinden natürlich auch die klassischen Anlagemöglichkeiten in erfolgreich arbeitende erneuerbare Energieerzeugungsanlagen – bis jetzt. Die gerade aufkommende Bürgerenergiewende könnte das allerdings ändern. Wir haben uns einmal zwei Initiativen aus diesem Bereich etwas genauer angesehen.

Die Bürgerenergiewende

Die Idee „wenn der Staat es offensichtlich nicht hinbekommt, machen wir es halt eben selber, schließlich haben die meisten von uns ein Dach“, ist natürlich eine bestechend einleuchtende Ansicht. Schließlich haben tatsächlich sehr viele Menschen und Unternehmen in Deutschland ein prinzipiell geeignetes Dach – aber eben nicht die Mittel oder den Willen, darauf eine Photovoltaik-Anlage für teures Geld errichten zu lassen.

Bei der so brutal zusammengestrichenen Wiedereinspeisevergütung ist das mittlerweile eine sehr fragliche Einnahmequelle mit hohen Investitionen, aber oft recht mickrigem Gewinn. Lohnen würde sich eine Photovoltaik-Anlage heute in vielen Fällen ohnehin nur, wenn man den erzeugten Strom zum größten Teil selbst verbraucht. Bei größer dimensionierten Anlagen müsste man den erzeugten Strom dafür aber zwischenspeichern, um ihn auch zu späteren Zeitpunkten verfügbar zu haben. Dem stehen aber die immer noch sehr hohen Kosten (und überhaupt nicht bedarfsgerechten) Förderungen von Stromspeichern gegenüber. Bei vielen Speichermodellen kann man Kosten von 20 Cent für die nur gespeicherte (noch nicht einmal erzeugte) Kilowattstunde Strom annehmen, bei vielen kostengünstigen Modellen liegt das oft sogar noch höher. Der Kostenvorteil ist dann also minimal – bei diesen Speicherkosten lohnt sich der gesamte Aufwand gar nicht mehr. Für diese Kosten lässt sich auch ganz einfach ohne jeden Aufwand Strom aus der althergebrachten Steckdose beziehen. Ganz abgesehen davon, dass man für eine größere Photovoltaik-Anlage dann auch noch ein Gewerbe anmelden muss – und Einkommenssteuer für jede Kilowattstunde selbst erzeugten Strom bezahlen muss (geldwerte Leistung). Kurz gesagt also: Im Solarbereich wurde eine echte mögliche Energiewende also elegant kaputtorganisiert.

Ganz anders sieht das natürlich aus, wenn man die Stromerzeugung nicht selbst versucht, sondern lediglich sein Dach zur Verfügung stellt. Die notwendigen Kosten für die Anbringung einer PVA werden von allen jenen aufgebracht, die später den erzeugten Strom auch nutzen wollen. Dafür braucht es also nur noch jemanden, der so etwas organisiert. Und solche Initiativen gibt es bereits.

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DEB und EDEG

Das Kerngeschäft der Deutschen Energie Beratung GmbH (DEB) ist schon seit Jahren die Errichtung von Solaranlagen in großem Maßstab und der parzellierte Verkauf dieser Anlagen. Auf diese Weise kam man auch schon bisher in den Genuss des Ertrags einer Solaranlage – ohne jeden Aufwand. Allerdings muss man beim klassischen Geschäftsmodell der DEB dafür mindestens 50.000 Euro locker haben. Das ist für Privatanleger im einen oder anderen Fall durchaus machbar – für die Masse aber wohl nicht.

Das ist auch der DEB klar und darum gründete man eine Genossenschaft, und deren Angebot, das sich speziell an Kleinanleger richtet: die Deutsche Energie Genossenschaft eG. Das Geschäftsmodell ist das Gleiche wie bei den Großanlagen, es werden größere Solaranlagen auf gepachteten Dächern errichtet und gegen eine bestimmte Einlagesumme an die Genossenschaftsmitglieder verkauft, die dann von den Erträgen profitieren können. Die Mindestmitgliedschaft in der Genossenschaft beträgt 3 Jahre plus das laufende Jahr, die Mindestanlagesumme ist von 50.000 EUR bei diesem Modell auf lediglich nur noch 2.500 EUR geschrumpft – damit also auch für Kleinanleger relativ uneingeschränkt interessant.

Ein weiterer, ganz wesentlicher Schritt ist der DEB mit dem Anfang des Jahres 2019 auch gelungen: selbst als Energieversorger auftreten zu dürfen. Damit hat die DEB nun die Möglichkeit, über die hauseigene DEVG den erzeugten Strom selbst zu vermarkten und an Endkunden, die auf „sauberen“ Strom Wert legen, direkt zu verkaufen. Gegenüber den „klassischen“ Stromanbietern, bei denen der „Öko-Strom“ oft nur ein Etikettenschwindel durch gekaufte CO2-Zertifikate ist, ist der Strom der DEVG tatsächlich nachweislich 100 % sauber und stammt ausschließlich aus Solaranlagen. Die anfallenden Spitzen deckt man allein durch den Zukauf von Strom der Nordgröön GmbH an, die ihrerseits Strom ebenfalls ausschließlich aus erneuerbaren Energieträgern herstellt (Wind, Sonne, Biomasse) und ebenso unabhängig agiert. Durch den eigenen Verkauf lassen sich im Schnitt 1,5 Cent bis 2 Cent über den garantierten EEG-Erträgen (Wiedereinspeisevergütung) realisieren.

Der Strom der DEVG sollte also sehr gut an umweltbewusste Konsumenten verkaufbar sein – die Anteilseigner der Solaranlagen werden damit auch unabhängig von den Erträgen aus Wiedereinspeisevergütungen, sondern profitieren allein vom Stromverkauf. Ein also doch sehr interessantes Modell, das man durchaus als „echte“ Bürgerenergiewende betrachten kann.

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Das Modell ist an sich nicht allzu kompliziert zu verstehen – rechnen muss man für sich im Einzelfall aber immer noch selbst. Die Anlage ist für gewöhnlich nach 12 bis 17 Jahren  abbezahlt. Von da an fließen alle Erlöse in die eigene Tasche. Der Besitz des jeweiligen Anlagenteils ist über einen Grundbucheintrag abgesichert, zudem deckt eine Versicherung alle möglichen Schäden umfassend ab. Mehr Informationen über die Grundzüge des Modells finden Sie an dieser Stelle.

Cells Energy: eine Bürgerbewegung geht deutschlandweit

Cells Energy ist eine Tochter des Energiewendevereins renenergy Allgäu e.V. Mittels einer digitalen Plattform ist es dort möglich, überschüssige Energie, die man selbst erzeugt, an andere Bürger zu verkaufen und gleichzeitig auch zusätzlich benötigten Strom aus der Erzeuger-Community direkt zu beziehen. Dabei kann man, wenn man etwas plant und rechnet, mit den Überschüssen aus der eigenen Stromerzeugung durchaus gute Gewinne erzielen – unabhängig von irgendwelchen Wiedereinspeisevergütungen, sondern rein durch den Verkauf an andere „einfache Bürger“. Der Marktplatz ist übersichtlich und transparent – gut kalkulieren muss man im Vorfeld allerdings selber.

Als Alternative kann man auch den selbst erzeugten Strom mit Hilfe von erfahrenen Anbietern direkt vermarkten und auf dem Strommarkt zur Verfügung stellen. Wer den Platz für die Errichtung einer größeren Solaranlage hat, kann sich durchaus überlegen, aus seinen Erträgen ein sinnvolles Einkommen durch die Direktvermarktung des erzeugten Stroms zu begründen und für sein Investment eine gute Rendite herauszuholen. Und dabei noch mehr Bürgern die Möglichkeit geben, wirklich „sauberen“ Strom zu nutzen und von den staatlichen Zwangsenergieversorgern unabhängiger zu werden – was viele prinzipiell möchten, bisher aber keine Möglichkeit dazu sehen.

Informieren kann man sich über den Marktplatz und das Angebot von Cells Energy auf dieser Seite.

Dezentralisierung als Lösungsweg für die Energiewende

Bei der staatlich verordneten Energiewende scheitert es an sehr vielem. Allein daran, dass die Netze kaum genug Kapazität haben, um große Mengen an Strom aus erneuerbaren Energien aufzunehmen, dass Speichermöglichkeiten für größere Energiemengen fehlen und dass eine von den Windkraftwerken im Norden der Republik bis zu den Verbrauchern im Süden Deutschlands führende „Stromtrasse“ schon seit langem am massiven Widerstand der Bürger scheitert (wiewohl man jedoch ohnehin grundsätzlich hinterfragen müsste, ob es überhaupt in irgendeiner Weise Sinn macht, Strom an der Nordsee zu erzeugen und von dort zu den Verbrauchern nach Niederbayern zu transportieren).

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Dezentralisierung bietet in vielen Bereichen einen guten Lösungsansatz – auch für die Erzeugung von Heizwärme. Wenn sich kleinere Erzeuger lokal und regional bei der Erzeugung zusammenschließen und ihren Bedarf aus solchen gemeinsam finanzierten Anlagen decken, entstehen Mikrostrukturen, die nicht mehr die großen Erzeugernetze belasten – und gleichzeitig Einnahmemöglichkeiten für viele einzelne Bürger, die zwar im Besitz eines potenziell geeigneten Aufstellortes für eine Solaranlage, nicht aber im Besitz für die Mittel zu einer Errichtung sind.

Wem das alles zu kompliziert ist, der kann sich natürlich auch mit seinen Nachbarn zu einer Strom- und Wärmeerzeugungsgemeinschaft zusammenschließen und gemeinsam eine Siedlungsanlage errichten und betreiben – dazu gehört allerdings ein wenig Organisationsaufwand. Machbar ist es allemal- und kostengünstiger auch. Das sieht man bereits bei gemeinsam genutzten Heizungen in einem Doppelhaus. Eine Heizanlage, die beide Häuser versorgen kann, kostet allein in der Anschaffung nur rund 15 % mehr als die Heizungsanlage für ein einzelnes Haus. Bei einer Anschaffung einer solchen gemeinsamen Anlage spart sich bereits jeder der beiden Beteiligten rund 42 % der Anschaffungskosten für die Heizung – das kann gut und gerne ein Betrag von 5.000 EUR bis 8.000 EUR sein. Auch bei den Heizkosten wird es dann billiger. Das gilt allein bei zwei Beteiligten – kommen noch mehr dazu, kann das Ganze noch deutlich billiger werden.

Dezentrale, Bürger-zu-Bürger-Zusammenschlüsse machen also durchaus eine Menge Sinn, wenn man sich ein wenig Mühe bei der Planung gibt – sowohl bei der Heizwärme als auch beim Strom. Sie sind ökologisch vorteilhaft, verschaffen Unabhängigkeit von staatlichen Versorgungsstrukturen und sind finanziell meist sehr lohnend. Anbieter im Bereich der Bürgerenergiewende, wie die beiden oben vorgestellten, versuchen diesen Effekt in einem größeren Rahmen zu imitieren und ebenfalls Bürger mit Bürgern zu vernetzen, allerdings mit größeren Entfernungen dazwischen. Auch das kann sich lohnen – ob man nun sein Dach verpachtet oder den eigenen Strom verkauft.

Vielleicht ist das die plausiblere Energiewende – im Gegensatz zu den staatlichen Strukturen, die sich immer wieder im Sand festzufahren scheinen, bis man sie irgendwann komplett aufgibt, so wie Desertec. Ehrlich fair und transparent von Bürger zu Bürger – irgendwie klingt das schon besser.

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