Droht das Aus für das kostenlose Girokonto?

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Droht das Aus für das kostenlose Girokonto?

Nach der letzten EZB-Leitzinsentscheidung im März sind die Banken noch stärker unter Druck geraten. Insbesondere die nochmalige Absenkung des Einlagesatzes auf nunmehr -0,40 Prozent macht den Instituten erheblich zu schaffen, lassen sich doch solche Negativzinsen nicht ohne weiteres weiterreichen. Bei Sparern kommen Zinsen unter Null nicht gut an. Daher scheuen die Banken, die im harten Wettbewerb stehen, die Weitergabe. Andererseits sind sie gezwungen, etwas gegen den kontinuierlichen Margenverfall zu unternehmen. Denn die Marge – die Differenz zwischen Soll- und Habenzinsen – ist normalerweise eine ihrer Hauptertragsquellen.

Früher beliebt zur Neukundengewinnung

Auf der Suche nach möglichen neuen Ertragstöpfen ist manches Institut beim Girokonto fündig geworden. Rund 100 Millionen solcher Konten gibt es in Deutschland. Im Schnitt besitzt also jeder Deutsche mindestens ein Girokonto. Über eine Billion Euro horten die Bundesbürger derzeit als Sichteinlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten – diese gigantische Summe ist auch Ausdruck der Ratlosigkeit und des Wartens auf bessere Zinszeiten. Die Einlagen auf Girokonten sind – bis auf wenige Ausnahmen – unverzinst. Wer sein Geld hier stehen lässt, erzielt also keine Erträge.

Das ist insofern konsequent, als der Hauptzweck des Girokontos eigentlich nicht im Sparen, sondern in der Zahlungsverkehrsabwicklung besteht. Viele Banken haben in der Vergangenheit intensiv die kostenlose Kontoführung vermarktet. Das kostenlose Girokonto diente vor allem als Einstiegsprodukt zur Neukundengewinnung. Denn die Erfahrung zeigt – wer erst einmal sein Girokonto bei einer Bank hat, der nutzt das Institut meist auch für andere Finanzgeschäfte. Es sind nicht nur Direktbanken gewesen, die mit dem kostenlosen Girokonto auf Kundenfang gingen. Auch klassische Filialbanken – allen voran Sparda-Banken, aber auch Großbanken wie die Commerzbank – haben intensiv damit geworben.

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Kostenloses Girokonto wird zur Last

Der Hype um das kostenlose Girokonto hat sich jedoch gelegt. Und die Marketing-Strategen der Geldhäuser konzentrieren sich inzwischen lieber auf andere Felder. Denn in Zeiten von Negativzinsen wird das kostenlose Girokonto immer mehr zur Last. Selbst Nullverzinsung ist schon zu teuer, wenn Banken für Einlagen bei der EZB selbst weniger zurückerhalten, als sie eingezahlt haben. Daher haben einige der früheren Protagonisten des kostenlosen Girokontos mittlerweile damit begonnen, an der Gebührenschraube zu drehen. Die Gebühreneinnahmen sollen verlorene Erträge durch die EZB-Niedrigzinspolitik ausgleichen helfen. Es sind de facto Negativzinsen durch die Hintertür.

Drehen an der Gebührenschraube

Dabei geht man nicht zu auffällig vor, um die Kunden nicht zu verprellen. Auch bei der Kommunikation beschränken sich die Institute gerne auf das Notwendigste. So ist mancher Kunde überrascht, wenn er plötzlich auf seinem Kontoauszug eine Gebührenbelastung vorfindet, die ihm vorher fremd war. Die vielfältige Gebührenlandschaft der Banken bietet dafür reichhaltige Ansatzpunkte. Hier nur einige Beispiele:

  • es werden Gebühren für die vorher kostenlose Bank- oder Kreditkarte verlangt. Dabei geht es um Größenordnungen zwischen 10 und 40 Euro im Jahr;
  • für bestimmte “außergewöhnliche” Buchungen ist ein besonderes Entgelt zu zahlen. Das gilt vor allem für beleghafte Überweisungen, gelegentlich aber auch für bestimmte Buchungen am SB-Terminal in der Filiale. Pro Vorgang kann das bis zu 1,50 Euro ausmachen;
  • beliebt sind auch höhere Gebühren für Fremdabhebungen am Geldautomaten. Denn damit wird die eigene Kundschaft nicht belastet. Die Deutsche Bank hat zum Beispiel zum Jahreswechsel diese Gebühr von 1,95 Euro auf 3,95 Euro angehoben, die Commerzbank hat mit 3,90 Euro statt bisher 1,95 Euro gleichgezogen.
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Girokonto-Vergleich immer wichtiger

Ebenfalls sehr ergiebig sind die Zinsen für den Dispokredit. Die Dispozinsen zeigten sich bisher weitgehend resistent gegen jede Zinssenkungsmaßnahme der EZB. Auch nach den jüngsten Entscheidungen dürften sie auf gewohnt hohem Niveau verharren. Umso wichtiger ist es, die Konditionen beim Girokonto zu vergleichen, um tatsächlich die besten Angebote am Markt zu identifizieren. Mit unserem Girokonto-Vergleichsrechner steht Ihnen dafür ein äußerst hilfreiches Werkzeug zur Verfügung. Es lohnt sich, davon Gebrauch zu machen.

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2 Comments

  1. DerMitleser says:

    “Denn die Marge – die Differenz zwischen Soll- und Habenzinsen – ist normalerweise eine ihrer Hauptertragsquellen” Das gilt vielleicht für Raiffeisenbanken und Sparkassen, nicht aber für die privaten (Investment-)Banken.

    “…– diese gigantische Summe ist auch Ausdruck der Ratlosigkeit und des Wartens auf bessere Zinszeiten” ? Bullshit! Die mehrheit der Leute hat schlichtweg keine finanzielle Bildung und somit keinen blassen Schimmer, ob und welche Alternativen es gibt bzw. wie diese zu nutzen sind.

    “…es werden Gebühren für die vorher kostenlose Bank- oder Kreditkarte verlangt” Ja, und? Wer Geld ausgibt, welches er (noch) nicht hat, soll doch gerne für diese Unvernunft zur Kasse gebeten werden.

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  2. Hi,
    Ist denn ein “gratis” Girokonto überhaupt gratis? Die Bank kann ja aus diversen Quellen versteckt Gewinn schöpfen, z.B. Interchange beim Zahlungsverkehr, Marge auf Einlagen am Girokonto, Cross-Sell-Potenzial in anderen Produkten, etc. Somit sollte auch bei “gratis” Girokonten deutliche Unterschiede geben – diese beleiben bei vielen Vergleichen leider außer Acht.
    Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die selbe Leistung für ein Girokonto ist am Markt zu sehr unterschiedlichen Preisen erhältlich. Daher lohnt sich jedenfalls ein Preisvergleich, gerade wenn gerade die finanzielle Grundausstattung hergestellt wird. Mehr dazu unter: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/07/07/die-finanzielle-grundausstattung/
    Viele Grüße,
    FF

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