Ethisches und nachhaltiges Investieren – Teil 6: Social Investments

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Ethisches und nachhaltiges Investieren – Teil 6: Social Investments

In diesem Teil unserer Serie wollen wir uns einmal kurz mit einer sehr direkten Form nachhaltigen und ethischen Investierens auseinandersetzen – den Social Investments. Das steht im deutlichen Kontrast zu vielem, was wir gerade erst im letzten Beitrag gesehen haben: Indices, die lediglich ein paar einzelne Bemühungen von Großkonzernen, die eigene Öko-Bilanz zu verbessern bereits als Öko-Konzerne einstufen. Und zwar ohne zu hinterfragen, was diese überhaupt zu einer ökologischen Wende beitragen oder beitragen können. Die Marktkapitalisierung als wichtigen Faktor für Einfluss und die gesamte Auswahl betrachten. Und wenig Transparenz und dafür viel Aufweichung bei den Kriterien vorhanden ist, damit das Ganze beim Vergleich mit der „traditionellen“ Wirtschaft auch noch vergleichbar bleibt. Das mag auf irgendeiner Ebene wohl Sinn haben. Wem es aber tatsächlich um eine echte Wende geht – sowohl in ökologischer Hinsicht als auch in ethischer Hinsicht beim Wirtschaften, der wird für sich darin nicht viel finden. Social Investing könnte dafür eine viel bessere Strategie sein, um einen eigenen Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten.

Größe versus Impact

Unternehmen in bestimmter Größe – sprich Großkonzernen – traut man in der Regel am meisten zu, etwas zu verändern. Das hängt damit zusammen, dass sie in der Regel sehr viel Geld zur Verfügung haben oder in Bewegung setzen können. Nicht umsonst lautet der deutsche Begriff für „viel Geld“ auch „Vermögen“ – abgeleitet daher, dass man mit einer Menge Geld auch viel zu tun vermag. Ein großes Vermögen geht also immer auch einher mit einem großen Einfluss. Damit bedeutet ein hohes Vermögen auch eine gewisse Macht.

Dem gegenüber steht der einzelne Mensch mit seinen bescheidenen, angesparten Mitteln vergleichsweise machtlos da – und kann vergleichsweise wenig bewegen. Und er hat auch wenig Einfluss auf den Lauf der Dinge. Damit erscheint klar, dass Veränderungen vor allem von denen kommen müssen, die bereits jetzt vermögend sind oder große Mengen von Geld kontrollieren. Zum Beispiel Großkonzerne oder staatliche Institutionen, aber auch Milliardäre. Aufgrund dieser Logik lehnen sich die meisten zurück. In dem Bewusstsein, dass ihr bisschen Geld sowieso nichts ausrichten kann und sie sich deshalb nicht zu kümmern brauchen, weil sie nichts bewirken können.

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Von dieser Art von anscheinend zwingender Logik müssen wir uns ein Stück weit lösen, um zu einer realistischeren Sicht der Dinge zu kommen.

Von Großkonzernen und Vermögenden wird in den meisten Fällen nur selten eine positive Veränderung ausgehen. Sie sind viel eher daran interessiert, in die Erhaltung des Status Quo zu investieren, der ja die Grundlage ihres Reichtums und ihrer Vermögen darstellt. Veränderungen, die wir als einzelne Menschen durchaus als positiv (auch für die Gesellschaft) sehen würden, wären für diese Riege eher kontraproduktiv. Der Verlust von Vermögensgrundlagen und das Schrumpfen von Vermögen würde auch einen Verlust von Macht und Einfluss bedeuten. Was so gut wie allen Menschen ziemlich schwer fällt. Dazu kommt auch noch eine eher pragmatische Überlegung, dass gerade von Großkonzernen ja auch eine Menge Verantwortung ausgeht, da durchaus das Wohl einer großen Zahl von Menschen (zumindest auf der reichen Seite des Erdballs) abhängt. Und man bei Veränderungen auch nachteilige Wirkungen auf diese Menschen befürchten müsste.

Dennoch können tief greifende Veränderungen auch von weniger vermögenden Menschen ausgehen (und das tun sie oft). Wenn diese Menschen ein gemeinsames Ziel verfolgen. Das kann man immer wieder beobachten – etwa beim Fall der Mauer. Auch wenn der einzelne Mensch vergleichsweise schwach, wenig vermögend und wenig einflussreich ist, ist die Summe der Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen oder an Veränderungen arbeiten dennoch eine nicht zu unterschätzende Macht. Wir haben ja bereits im ersten Beitrag unserer Serie darauf hingewiesen, dass auch die zusammen genommene finanzielle Macht allein der privaten Bürger in Deutschland ein enorm hohes Volumen hat. Wenn viele kleine Vermögen zusammengefasst werden, sind sie in der Lage, einen enormen Druck für Veränderungen auszuwirken.

Genau diesen Ansatz verfolgt Social Investing. Es bedeutet, dass sich Menschen in Gruppen zusammenschließen, um an unterschiedlichen Zielen in einer bestimmten Richtung zu arbeiten und damit einen enormen „Impact“ zu setzen. Beim klassischen Social Investing wird dabei ausschließlich in Projekte investiert, die dem LOHAS-Ansatz entsprechen. Was es mit diesem Ansatz auf sich hat, erklären wir etwas weiter unten, zunächst aber – als ein einzelnes Beispiel für Social Investing – wollen wir uns die Plattform kiva ansehen.

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KIVA

KIVA ist eine US-amerikanische Plattform aus San Francisco, auf der sich jeder Investor als privater Kreditgeber für Mikrokredite in Schwellen- und Entwicklungsländern beteiligen kann. Wen oder was man unterstützt, bleibt einem dabei selbst überlassen. Die Informationen über einzelne Projekte oder Kreditsuchende erhält man dabei über sogenannte „Field Partners“, die an der jeweiligen Stelle vor Ort sind. Field Partner sind dabei häufig lokal vor Ort ansässige Institutionen, NGOs oder wohltätige Einrichtungen. Im Fall von KIVA sind das über 200 Unternehmen in unterschiedlichen Ländern, mit denen man zusammenarbeitet.

Nun kann man natürlich von Krediten für Arme, die sich mit der Hilfe eines Mikrokredits eine gesicherte Existenz aufbauen wollen oder sollen, mehr oder weniger halten was man möchte. Es gibt da auch durchaus kritische Stimmen von einigen Seiten. Dabei haben sich Mikrokredite aber als deutlich vorteilhaftere Fördermethoden gegenüber beispielsweise Förderhilfen der Weltbank herausgestellt. Verwaltungskosten und Zeitaufwand bei der Umsetzung der Förderung ist bei Mikrokrediten beträchtlich niedriger (und damit auch „totes Geld“, das in irgendeinem Verwaltungsprozess versackt, anstatt Wirkung zu entfalten).

Das alles kann man natürlich kontrovers diskutieren. Grundsätzlich stellt KIVA mit seinem Ansatz aber Social Investing in Reinform dar. Insbesondere durch die Möglichkeit, dass sich Darlehensgeber auch direkt auf der Plattform zusammenschließen können, um etwa größere Projekte zu finanzieren. Genau das ist der Punkt, der uns daran auch interessiert.

Veränderungen in vielen Bereichen gleichzeitig – durch Bürgerbeteiligung

Fasst man viele einzelne Projekte zusammen, die den prinzipiell gleichen Zweck verfolgen, lässt sich sehr vieles gleichzeitig umsetzen, wenn sich genug Menschen daran beteiligen. Das kann ein Solarprojekt für eine kleine Siedlung sein, das von den Anwohnern aber auch von anderen gemeinsam finanziert wird. Das kann der Ausbau von sicheren Fahrradwegen in einer Region sein oder auch ein ganz anderes Projekt. Dabei ist unerheblich, wie viel Geld die Investoren im Einzelnen einbringen können. Durch den Zusammenschluss von mehreren bzw. vielen Kreditgebern bei einem Projekt lassen sich auch größere Projekte finanzieren. Jeder Beteiligte erhält damit bei der Rückzahlung des Kredits auch die gleichen Zinsen für sein eingesetztes Geld.

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Bei heimischen und kontrollierbaren Projekten im ökologischen Bereich ist natürlich auch die Ausfallsicherheit um ein Vielfaches höher, da solche Projekte professionell geplant werden können und entsprechende Expertisen – auch im Hinblick auf spätere Gewinne – eingeholt und vorgelegt werden können.

Das Ganze läuft also gleichsam unter dem Aufhänger „Wir finanzieren uns unsere Klimawende selbst“. Das ist prinzipiell sogar sehr gut möglich und alle profitieren von den (für alle gleichen) Kreditzinsen, die als Projektkosten fest mit eingerechnet werden. Dazu kommen eventuell noch Gewinne nach Abschluss eines Projekts (z.B. geldwerter Überschuss an erzeugtem Solarstrom).

Ganz so revolutionär sind Social Investments nun natürlich nicht . Auch jedes Crowdfunding basiert im Prinzip auf den gleichen Grundsätzen. Was Social Investments gerade im ökologischen Bereich so besonders macht, sind seine Flexibilität, die Möglichkeit, sehr große Geldmengen zu lukrieren und völlig unabhängig für ökologische Zwecke einzusetzen und insgesamt damit einen enormen Impact zu generieren.

Im zweiten, nachfolgenden Teil unseres Beitrags wollen wir uns ansehen, wie so etwas in der Praxis aussehen kann, welche Möglichkeiten und Anbieter es schon gibt und wie sich auch andere vorhandene Strukturen nutzen lassen, um Social Investing zu betreiben. Den LOHAS-Grundsatz wollen wir dann auch – als sehr gute Leitlinie für die Projektauswahl – noch einmal näher beleuchten. Lesen Sie weiter!

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