Finanzen absichern: on- wie offline Schutz ist wesentlich mehr als ein guter Spread

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Nur Sicherheitsmaßnahmen, die man selbst implementiert, sind wirklich sicher. Auf das, was Anbieter offerieren, sollte man sich alleine nicht verlassen

Nur Sicherheitsmaßnahmen, die man selbst implementiert, sind wirklich sicher. Auf das, was Anbieter offerieren, sollte man sich alleine nicht verlassen

Mit der Tatsache, dass Anlage auch für immer mehr Privatpersonen interessant wird, stellt sich ein selten beachtetes Problem ein: Die Absicherung des Ganzen. Nicht durch Diversifizierung, sondern viel bodenständiger. Nüchterne Sicherheit gegen Diebstahl und Ausspionieren.

Wir leben in einem durch und durch digitalen, globalisierten Zeitalter. Vielen Menschen ist zwar die Benutzung aller damit einhergehenden Errungenschaften in Fleisch und Blut übergegangen. Geht es jedoch um Sicherheit, fehlen oftmals nicht nur die Grundlagen, sondern jegliches Verständnis dafür. Da werden auf einem, für alle Welt sichtbaren Facebook-Account, der mit der vollständigen Adresse bestückt ist, gedankenlos alle Schritte des Urlaubs gepostet – und sich anschließend gewundert, wie Einbrecher herausfinden konnten, dass man abwesend ist. Wer den Sinn hinter dieser Problematik versteht, der begreift auch, dass es, gerade für nicht im Finanzsektor beschäftigte Anleger, geradezu lebenswichtig ist, gewisse Sicherheits-Grundlagen zu lernen. Genau das wollen wir an dieser Stelle tun.

Der Online-Schutz

Für viele finden jegliche finanziellen Aktivitäten ausschließlich auf dem Computer statt. Das ist insofern gut, dass es das Problem einengt. Allerdings entsteht daraus auch gleichermaßen der Nachteil, dass es viele mögliche Einfallstore gibt. Daher eine Grundregel: Die folgenden Tipps sollte jeder beherzigen, der online irgendeine Form von Investment betreibt.

1. Nur ein Gerät

Bei den meisten Privatmenschen finden sich heute viele unterschiedliche Internetzugänge. Sofern es um Finanzangelegenheiten geht, sollte man sich auf einen davon beschränken. Und zwar den guten alten PC.

Es muss kein teures Tower-Gerät sein, ein Billig-Notebook tut es auch. Doch von Mobilgeräten á la Tablet sollte man Abstand halten. Warum? Auf diesen Geräten laufen durch diverse Apps und letztlich das Betriebssystem selbst viele unkontrollierbare Datenströme.

Zudem sind diese Geräte sicherheitstechnisch wesentlich schwächer konstruiert. Gehackt werden kann zwar alles, aber gerade Mobilgeräte sind besonders gefährdet. Im Idealfall besitzt man einen PC, den man ausschließlich für die Finanzen verwendet.

2. Das Benutzerkonto

Natürlich ist besagter Idealfall nicht immer machbar; viele nutzen ihren PC sowohl für privates Surfen wie das Finanzielle. Eine gewaltige Sicherheitslücke. Denn wenn man das alles von einem Benutzerkonto aus absolviert, das vielleicht sogar mit Administratorenrechten ausgestattet ist, ist das dasselbe, als würde man seine Haustüre abschließen, aber hätte einen Reserveschlüssel unter der Fußmatte.

Als Mindestmaß sollte man sich ein zweites Benutzerkonto mit minimalen Zugriffsrechten erstellen, auf das man sich nur einloggt, um beispielsweise Depots zu verwalten, mit den Top-Sellern der Branche zu kommunizieren etc.

3. Abziehbare Sicherheit

Der perfekt abgesicherte Computer stünde abgeschaltet, ohne Akku und Kabel in einem Kellertresor, der von einem Faraday’schen Käfig umschlossen wäre. Da das in der Benutzerpraxis unmöglich sein dürfte, muss man anderweitig seine Daten schützen.

  • Alles, was ein Passwort benötigt, bekommt ein singuläres Passwort, welches man sich von einem Zufallsgenerator-Tool erstellen lässt.
  • Alle Passwörter werden monatlich ausgetauscht.
  • Passwörter werden niemals im Browser gespeichert. Die Eingabe erfolgt immer manuell
  • Sämtliche Passwörter werden in einem einfachen Textdokument zusammengefasst. Diese Datei wird auf einen USB-Stick verschoben und hernach von einem mehrfach überschreibenden Löschprogramm vom PC radiert. Benutzt man den Stick, wird das Dokument nur darauf geöffnet und der Speicher anschließend wieder abgezogen.

Letzteres gehört zu dem wichtigsten, was man über Kryptowährungen wissen muss: Derjenige, der sowohl den öffentlichen wie den privaten Schlüssel besitzt, hat Zugriff auf die Blockchain. Und nur wer seinen Privatschlüssel sowohl mit einem schweren, wie ständig wechselnden Passwort absichert, verhindert, dass jemand sich ungewollten Zugriff verschafft.

Abgerundet wird dieser Sicherheitsaspekt dadurch, dass man nicht „irgendeinen“ E-Mail-Anbieter verwendet, sondern einen, der sich in Tests als besonders sicher herausgestellt hat – dazu kann es auch notwendig sein, auf kostenpflichtige Angebote zurückzugreifen. Das sollte einem der Schutz seiner Finanzen wert sein.

4. Nur per Kabel

Nach Erfüllung dieser Punkte ist man sehr abgesichert. Doch man kann alles zunichtemachen, indem man den Computer per WLAN verbindet. Dazu stelle man sich WLAN wie eine Radioübertragung vor. Selbst wenn das Signal verschlüsselt ist, kann doch jeder es empfangen. Man muss nur noch das Passwort knacken.

Kabel-Daten dagegen kann man nur physisch vor Ort abgreifen und zieht man nach Benutzung den Stecker, gibt es kaum noch Angriffsfenster.

5. Absolute Sicherheit durch TOR

Wer all das impliziert hat, ist als Privatperson so sicher, wie es in Anbetracht einer realistischen Bedrohungslage sinnvoll ist. Allerdings: „das Bessere ist der Feind des Guten“. Sobald wirklich hohe Summen im Spiel sind, sollte man darüber hinausgehen.

Da kommt das TOR-Netzwerk ins Spiel. Einfach ausgedrückt ein Gesamtpaket, das sowohl gesendete wie empfangene Daten in einem Zwiebelschicht-Prinzip zerstückelt, so mehrfach absichert und es fast unmöglich macht, mehr als einzelne Bits abzufangen. Tatsächlich ist das TOR-Prinzip so sicher, dass sich höchstens staatliche Organe Zutritt verschaffen können – auch das nur angeblich. Gerade weil es leicht aufgebaut und unter Einhaltung einiger Vorsichtsmaßregeln betrieben werden kann, ist es enorm interessant.  

Der Offline-Schutz

Nicht immer besteht das Investment nur aus Bits und Bytes. Oft genug handelt es sich auch um physisch vorhandene Werte. Dann müssen andere Maßnahmen her.

1. Bank’s best

Tatsächlich ist da einer der Klassiker nach wie vor die beste Maßnahme, um Gold, Silber und Co. zu schützen. Das Bankschließfach. Um das zu untermalen, könnte man jetzt sämtliche Sicherheitsmaßnahmen anführen, welche selbst eine dörfliche Kassen-Filiale immer noch sicherer machen als ein Privatheim. Die Wahrheit ist jedoch viel lapidarer: Was in Bankschließfächern liegt, ist entweder direkt über die Bank gegen Diebstahl geschützt (unbedingt Vertragskonditionen studieren) oder aber kann über die eigene Hausratversicherung (günstig wegen der hohen Bank-Sicherheitsmaßnahmen) inkludiert werden.

2. Nur ein Versteck

Es gibt Anleger, die halten ein ausgehöhltes Buch für ein probates Mittel, um darin wertvolle Münzen oder ähnliche Wertgegenstände unterzubringen. Ja, das kann funktionieren – wenn man Besitzer einer Privatbibliothek ist, die tausende Bände umfasst. Alles, was darunterliegt, lässt sich von einem suchenden Einbrecher sehr schnell finden.

Schlechte Nachricht: Gleiches gilt auch für sämtliche anderen Verstecke, seien sie noch so kreativ. Man darf und sollte davon ausgehen, dass eine globalisierte und ebenso mit Internet versorgte „Einbrechergemeinde“ jederzeit auf dem neuesten Stand ist, was Verstecke anbelangt. Fakt ist deshalb: Was so wertvoll ist, dass man es nicht einmal der Bank anvertrauen möchte, ist in aller Regel nichts, was zuhause einfach so versteckt werden kann, wie der Schlüssel zum Gartengerätehäuschen.

Tatsächlich gibt es nur zwei Wege, Anlagegüter zuhause wirklich sicher zu verwahren. Einen für Normalverbraucher und einen für Menschen, die im besten Sinne pedantisch sind.

  • Die normale Variante ist ein klassischer Safe. Kein billiges Baumarktprodukt, sondern Markenware. Wird dieser mit dem Kellerboden (wegen des darunterliegenden Beton-Fundaments) verankert, ist es praktisch unmöglich, dass normale Einbrecher ihn öffnen oder herausreißen – dazu sind die allermeisten Einbrüche viel zu sehr auf schnelle „Rein-Raus“-Taktiken angelegt. Der große Vorteil: Man hat jederzeit Zugriff auf seine Wertgegenstände. Der Nachteil: Ein solcher Safe lässt sich kaum verstecken.
  • Die alternative Variante benötigt schweres Werkzeug: Im Betonboden des Kellers wird eine Kammer freigestemmt. Dort hinein kommen die Wertgegenstände in einer robusten Box; der Hohlraum wird anschließend mit Beton ausgegossen. Der enorme Vorteil: Niemand vermutet es. Und selbst wenn, wo soll man suchen, wenn keine Spalten auf eine Kammer hindeuten? Erst recht, wenn der Estrichboden noch mit Teppich und Co. belegt ist. Doch der Nachteil wiegt natürlich auch schwer. Eine solche Investition ist im wahrsten Sinne des Wortes „enorm langfristig angelegt“. Sie kurzfristig hervorholen oder auch nur ergänzen ist unmöglich.

Alltagstauglicher ist freilich die erste Variante. Wenngleich sie eben, so man nicht auf sehr große Safes setzen kann/möchte einen räumlich doch stark einschränkt.  

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