iBonds 2.0 – Apple zapft Kapitalmarkt erneut an

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iBonds 2.0 – Apple zapft Kapitalmarkt erneut an

Update 30. April 2014: Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels standen noch nicht alle Informationen zur Verfügung. Wo notwendig, haben wir heute Updates gemacht. Unsere Angaben beziehen sich auf das “Final Pricing Term Sheet” welches direkt von Apple veröffentlicht worden ist.

US-Technologieriese Apple holt sich erneut frisches Geld vom Kapitalmarkt. Nach der erfolgreichen Emission von Unternehmensanleihen im Ausmaß von 17 Mrd. US-Dollar im Mai 2013 (DieKleinanleger.com haben berichtet) will das Unternehmen dem vorläufigen Kapitalmarktprospekt zufolge weitere Unternehmensanleihen emittieren im Ausmaß von 12 Mrd. US-Dollar begeben.

Auch dieses Mal wird es wieder eine Mischung aus fix- und variabel-verzinsten Anleihen geben. Dem Prospekt zufolge werden Anleihen mit einer Laufzeit von 3 bis 30 Jahren emittiert. Die zwei variabel-verzinsten Anleihen (Floater) haben eine Laufzeit von 3 bzw. 5 Jahren. Anders als bei der ersten Auktion wird es dieses Mal fünf fix-verzinste Anleihen geben mit Laufzeiten von 3, 5, 7, 10 und 30 Jahren – bei der ersten Auktion gab es noch keine 7-jährige Anleihe.

Wie auch beim ersten Mal wird die Transaktion wieder von Goldman Sachs und der Deutschen Bank betreut – wenn man sich die Prospekte (Link zum alten Prospekt) ansieht, erkennt man viele Gemeinsamkeiten, hier haben wohl die Banken auch ein wenig an Arbeit einsparen können. Die Gesamtsumme der Fees, welche die beteiligten Banken aus diesem Deal verdienen beträgt übrigens 53,25 Mio. US-Dollar oder 0,44375 % des Volumens.

Welche Apple-Anleihen gibt es?

Im jüngst veröffentlichten Quartalsbericht hat Apple bereits “vorgewarnt” : Das Unternehmen wolle im Jahr 2014 – sowohl am heimischen als auch auf internationalen Kapitalmärkten – neue Anleihen im Ausmaß der Auktion aus dem Jahr 2013 platzieren.

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Tilgungsjahr Zinssatz p.a. Volumen Spread *
2017 (Laufzeit: 3 Jahre) 3-Monats-LIBOR + 0,07 % 1 Mrd. US-Dollar
2019 (Laufzeit: 5 Jahre) 3-Monats-LIBOR + 0,30 % 1 Mrd. US-Dollar
2017 (Laufzeit: 3 Jahre) 1,05 % 1,5 Mrd. US-Dollar 18 bp
2019 (Laufzeit: 5 Jahre) 2,10 % 2 Mrd. US-Dollar 37,5 bp
2021 (Laufzeit: 7 Jahre) 2,85 % 3 Mrd. US-Dollar 60 bp
2024 (Laufzeit: 10 Jahre) 3,45 % 2,5 Mrd. US-Dollar 77 bp
2044 (Laufzeit: 30 Jahre) 4,45 % 1 Mrd. US-Dollar 100 bp
Gesamt 2,35 % (gewichteter Durchschnitt) 12 Mrd. US-Dollar  282 Mio. USD Zinsen p.a.

 

* Der Spread bezieht sich auf eine vergleichbare (gleiche Laufzeit) US-Staatsanleihe, die hier als risikoloser Zinssatz angenommen wird bzw. als Benchmark dient. Je niedriger der Spread, desto günstiger die Verschuldung für Apple. 100 bp (Basispunkte) entsprechen einem 1 %.

Auch wenn der Referenzzinssatz LIBOR – London Interbank Offered Rate – in letzter Zeit nicht frei von Kontroversen (Stichwort LIBOR-Manipulationen) war, wird Apple weiterhin die Bonds auf diesen Zinsindikator beziehen. Goldman Sachs und Deutsche Bank hatten hier wohl auch ein kleines Wörtchen mitzureden.

Zinskosten der „iBonds 2.0“

Update 30. April 2014: Bei einem aktuellen LIBOR 3-M (in US-Dollar) von 0,23 % schätzen wir die Zinskosten auf rund 282 Mio. US-Dollar pro Jahr. Dies ergibt eine gewichtete Durchschnittsverzinsung von 2,35 % für die ganze Emission.

Zum Vergleich: Die 30-jährige Anleihe, die 2013 emittiert worden ist, trägt einen Kupon von 3,85 % pro Jahr. Der Kurs der Anleihe (WKN: A1HKKY) liegt mittlerweile bei ca. 90,10 % was einer Yield-to-Maturity von 4,46 % (60 Basispunkte über dem Nominalzins) entspricht. Wenn die Anleihe-Investoren nicht alle Rechenregeln verlernt haben, werden sie sich an dieser Benchmark orientieren. Update 30. April 2014: Unsere Vermuten lagen richtig – der Kupon beträgt 4,45 % pro Jahr.

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Auch bei der 10-jährigen Anleihe (WKN: A1HKKX) wird es ähnlich ablaufen. Diese notiert aktuell bei knapp 93 % mit einer Yield von 3,28 % (88 Basispunkte über dem Nominalzins). Update 30. April 2014: Auch hier lagen unsere Schätzungen in einem guten Bereich – der Zinssatz beträgt 3,45 % pro Jahr.

„Schuld“ hierfür ist nicht die Bonität des Unternehmens sondern vielmehr das generell Zinsniveau in den USA. Durch das beschleunigte „Tapering“ der US-Notenbank FED müssen sich Anleger in den Staaten auf höhere Zinsen einstellen – Apple hat bei der ersten Auktion jedenfalls alles richtig gemacht und auch bei erhöhten Zinsen kann man noch nicht von teurem Fremdkapital sprechen.

Marktberichten von Reuters zufolge, haben die Lead-Banken bereits Orders im Gegenwert von 12 Mrd. US-Dollar entgegengenommen – wir sind sicher, dass sich diese Summe in den nächsten Tagen noch deutich erhöhen wird, wenn auch nicht wieder auf das Niveau der ersten Emission. Damals gingen Zeichnungen im Ausmaß von 50-60 Mrd. US-Dollar ein. Update: 30. April 2014: Laut einem Bericht des Wall Street Journals sind Orders im Gegenwert von mehr als 40 Mrd. US-Dollar eingegangen.

Wieso emittiert Apple schon wieder Anleihen?

In der Bilanz vom 29. März 2014 – zum Ende des 2. Quartals in Apples Geschäftsjahr – standen rund 151 Mrd. US-Dollar „Cash and Cash Equivalents“ – also Bargeld und Zahlungsmittel – zu buche.

Wer allerdings einen genaueren Blick in die Zahlen wirft, wird die Zahl von 132 Mrd. US-Dollar finden: dieser Teil des „iCashs“ befindet sich außerhalb der USA und müsste – bei Repatriierung – mit dem Grenzsteuersatz von 35 % versteuert werden.

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Genau das will Apple vermeiden. Um jedoch das jüngst erhöhte Aktien- und Dividendenprogramm  –bis Ende 2015 sollen 130 Mrd. US-Dollar an die Apple-Aktionäre rückgeführt werden – fortsetzten zu können, benötigt Appel Bargeld und zwar Bargeld, das nicht erst zu einem Drittel versteuert werden muss. Von den 130 Mrd. sind bereits 66 Mrd. US-Dollar retourniert worden, fehlen also noch bis dato sind schon 64 Mrd.

Und von den 151 Mrd. US-Dollar, die Apple auf der hohen Kante hat, kann es lediglich ca. 19 Mrd. „steueroptimal“ verwenden – die Differenz wird jetzt teilweise durch eine Anleiheemission – also per Kredit – finanziert.

Für normale Unternehmen undenkbar, für Apple kein Problem: In der 206 Mrd. schweren Bilanz, befinden sich eigentlich nur jene 17 Mrd. Schulden aus den ersten Anleihen – der Rest der Bilanz ist „sauber“. Das wirkt sich auch im Rating des Unternehmens aus – Moody’s bewertet die Schulden mit Aa1, die zweithöchste Bonitätsstufe.

Kleinanleger-Fazit für iBonds

Wie auch bei der ersten Emission werden wir auch dieses Mal wieder die iBonds an uns vorübergehen lassen. Wir glauben nicht, dass es aktuell an der Zeit ist, langfristige Fixed-Income Produkte zu derartigen Konditionen – auch wenn wir diese zur aktuellen Stunde noch nicht kennen – ins Depot zu legen.

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