Warum Sparer nicht (nur) Kunden einer Bank sind!

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Warum Sparer nicht (nur) Kunden einer Bank sind!

In Reaktion auf die Ausgabe der Sendung „hart aber fair“ vom 25. März 2013 wollen wir uns in diesem Artikel mit folgender Frage beschäftigen: Ist es fair, dass Bankkunden für die Rettung einer Bank aufkommen?

Für die ganz Eiligen unter Ihnen: Ja, es ist fair. Bankkunden sind Gläubiger der Bank und sollen als Gläubiger nach den Eigentümern der Bank (Aktionären) als zweites für die Kosten der Pleite aufkomme. So wie dies bei jeder anderen Unternehmensinsolvenz auch abläuft.

Bankkunde = Bankgläubiger

Frau Anja Kohl, ARD-Börsenexpertin, wettert in „Hart aber Fair“ gegen die „willkürliche Enteignung“ der Sparer in Zypern. Sie argumentiert, dass Bankkunden zuerst – also vor allen anderen „Stakeholdern“ – zum Handkuss kommen.

Das ist unserer Meinung nach falsch. Die Aktionäre haben bereits (alles) verloren – die Aktien der Bank of Cyprus und der Laiki Bank sind Pennystocks und dürften bei Wiedereröffnung der Börse in Nikosia weiter gegen Null fallen. Wie berichtet, werden Spareinlagen (über 100.000 Euro) und Bankanleihen in Aktien der Bank umgewandelt. So werden die Anteile der Altaktionäre verwässert – ihnen gehört ein kleinerer Teil des (kleiner werdenden) Kuchens.

Die Aktionäre haben also sicherlich am meisten für die Insolvenz bezahlt – so wie bei jeder Unternehmensinsolvenz auch – und das ist absolut richtig.

Die Anleihegläubiger leiden ebenfalls an dieser Rettung – die Anleihekurse dürften ebenfalls gegen null purzeln.

Und logischerweise kommen als nächstes die Bankkunden mit ihren Spareinlagen zum Handkuss. Wieso? Weil Spareinlagen Kredite sind. Sie geben Ihr Geld nicht der Bank zur bloßen Verwahrung – dazu müssten Sie das Geld in ein Bankschließfach legen und für die Kosten aufkommen.

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Nein, Sie geben der Bank mit Ihrem Ersparten einen Kredit! Meistens ist dieser täglich fällig – das ändert aber nichts daran, dass Sie als Kreditor auch das Ausfallsrisiko tragen.

Einlagensicherung

Dieses Risiko hat die Politik gewissermaßen begrenzt. Einlagen unter 100.000 Euro je Kunde und Bank sind versichert – vom Staat! Im Falle eines Ausfalles kommt der Staat für Sie auf. Genauer betrachtet, haften Sie also für sich selbst, da Sie als Steuerzahler – wie jeder andere auch – Teil des Staates sind.

Für Guthaben über 100.000 Euro greift diese Regelung nicht. Das sind „ganz normale“ Gläubiger und somit nicht besser oder schlechter gestellt als Anleihegläubiger. Natürlich gibt es – wie bei anderen Unternehmenspleiten auch – vorrangige und nachrangige Schulden

Dieses Spiel kennen die meisten Bürger, wenn es um ihre Hypotheken geht. „Die Bank steht im Grundbuch“ – das bedeutet, dass die Bank ein vorrangiger Gläubiger ist und etwaige andere Gläubiger erst nachher bedient werden.

Unseres Wissens sieht der Plan für die Bank of Cyprus folgendermaßen aus: Das Eigenkapital wird solange erhöht, bis die Eigenkapitalquote das Mindestmaß von 9 % erreicht. Und vermutlich werden als erstes die Anleiheschulden „gewandelt“. Dies wird jedoch nicht ausreichen, denn die geschätzten Verluste auf Einlagen über 100.000 betragen zwischen 20 und 80 %.

Warum es fair ist?

Stellen Sie sich die Frage andersrum. Ist es fair, dass der Steuerzahler für Ihre Anlageentscheidung bzw. die Konsequenzen Ihrer Entscheidung aufkommt? Wenn Sie 120.000 Euro auf eine schlechte Bank legen und diese Bank dann pleite geht, soll der Steuerzahler dann für Ihren Verlust aufkommen?

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So wurde es bisher gemacht! Bei Bankenrettungen wurden Altaktionäre zwar verwässert und mussten Kursverluste der Aktien hinnehmen, aber nicht in dem Ausmaß wie es bei der Bank of Cyprus gemacht wird. Die Gläubiger wurden bisher nie getroffen – höchstens im Ausmaß von sinkenden Anleihekursen an den Sekundarmärkten.

Im Falle Zypern wird nun erstmals von dieser „Praxis“ abgewichen – mit großen Aufschrei der Sparer.

Wir finden diese Regelung allerdings sehr begrüßenswert. Jetzt muss sich endlich der Sparer Gedanken machen, welcher Bank er eigentlich Geld leihen will. Anders betrachtet kann man sagen, dass nun „schlechte“ Banken nicht mehr damit rechnen können, dass sie notfalls vom Staat gerettet werden – und das liegt ja nun auch wieder im Interesse des Steuerzahlers.

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9 Comments

  1. Finanzwelt.Verstehen.Blog says:

    Die Bürger in Zypern haben die letzten Jahre und Jahrzehnte für ihre Anlagen mehr Zinsen erhalten als die meisten anderen Europäer. Höhere Rendite bedeutet ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Wenn nun dieser Risikofall eintritt, wer zahlt dann? Die Steuerzahler der gesamten Europäischen Union oder diejenigen, welche das Risiko in Kauf nahmen? Diese Frage ist zumindest berechtigt.

    Viele Grüße

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    • Das ist wohl wahr – Verzinsungen in der Höhe von 5 % p.a. waren nicht unüblich.

      Das sehen wir auch so. Wir setzten uns zwar in der Regel sehr für Kleinanleger ein, aber das “Das hab ich nicht gewusst”-Argument mögen wir persönlich nicht sehr.

      Wir betrachten uns (und die meisten Bürger) als mündig und daher für uns selbst verantwortlich. Jetzt dann heulend zu Vater Staat zu laufen ist somit nicht wirklich “fair”.

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  2. Ein Kleinanleger says:

    Ja, ich bin Gläubiger der Bank, wenn ich dort Geld auf dem Girokonto habe. Möchte ich aber einen Kredit von der Bank, dann muss ich einen Einkommensnachweis abgeben, dann wird in der Schufa meine Kreditwürdigkeit nachgeschaut und die Bank will wissen, was ich mit dem Geld machen möchte.

    Wie kann ich die Kreditwürdigkeit einer Bank prüfen? Wie kann ich selbst feststellen, wie sicher das Geld auf meiner Bank ist?

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    • Guter und vor allem berechtigter Einwand!

      Genauso wie Bank eine Kreditprüfung bei zukünftigen Schuldnern macht, sollten auch Anleger eine “Kreditprüfung” der Bank machen.

      Bei Unternehmen würde man eine umfassende Bilanzanalyse und andere Tätigkeiten durchführen – bei Banken ist dies auch angebracht.

      Vieles verrät auch z.B.: der Aktienkurs einer Bank, der ja den Wert der Bank wiedergibt bzw. wiedergeben sollte.
      Das Wichtigste ist unserer Meinung nach aber der Hausverstand: Warum sollte eine Bank doppelt so hohe Zinsen zahlen, wie andere Banken? Hierfür gibt es nur zwei Möglichkeiten:

      1. Das ist eine reine Marketing-Maßnahme. Deshalb sind die hohen Zinsen meist für eine kurze Zeit begrenzt, z.B.: für ein halbes Jahr. Hier können Sie ruhig zuschlagen und sich über diese Bonuszinsen freuen.

      2. Die Bank bekommt kein „billigeres“ Geld. Keine andere Bank oder andere Investoren wollen der Bank zu „marktüblichen“ Zinssätzen Geld leihen – daher „lockt“ die Bank Sparer mit nicht-marktüblichen Zinssätzen. Hier sollten Ihre Alarmglocken läuten – Finger weg von solchen Banken.

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      • Ein Kleinanleger says:

        Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

        Gibt es in der Bilanz irgendwelche Indikatoren, die deutlich zeigen, dass eine Bank wahrscheinlich kein guter Kreditnehmer ist? Kann ich auch einsehen, in welche Anlageformen, die Bank investiert?

        Stimmt es eigentlich, dass Sparkassen und und Genossenschaftsbanken in der Regel “sicherer” sind als Privatbanken? Das wir zumindest oft behauptet.

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        • Da ist mir mein Kollege Andreas wohl zuvor gekommen – Seiner Antwort kann ich mich nur anschließen 😉

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        • Wenn ich mich kurz einmischen darf:

          Bankenbilanzen sind sicher keine Lektüre für nebenher, deshalb bin ich da eher für eine pragmatische Herangehensweise. Wie Clemens schon angemerkt hat, ist es sicher nicht falsch den Hausverstand einzuschalten. Warum gibt eine Bank so viel höhere Zinsen als ihre Konkurrenz? Wobei natürlich klar ist, dass Direktbanken weniger Kosten haben und dadurch höhere Zinsen zahlen können.

          Bevor man nun 10 Bankbilanzen liest und zu Interpretieren beginnt, kann man einfach das tun, was bei Aktieninvestments Gang und Gebe ist: Diversifizieren!
          Einfach mittels Tagesgeld-Vergleichsrechner die besten Angebote finden, die Banken kurz prüfen und einfach statt nur dem besten, auch noch 2-3 andere Eröffnen und das Kapital aufteilen.
          In Zypern wurden z.B. Guthaben unter 100.000 € nicht angefasst und auch nur die Guthaben über 100.000 € die bei der Bank of Cyprus bzw. der Laiki Bank angelegt sind, werden empfindliche Verluste erleiden. Im Grunde gilt auch noch die Einlagensicherung für Guthaben unter 100.000 € und die hat sogar (bis jetzt) in Zypern gehalten.

          Ich persönlich werde keine Bankenbilanzen allzu genau prüfen, sondern ganz pragmatisch kurz drüber sehen und vor allem diversifizieren.
          Zum Thema Privatbanken und Genossenschaftsbanken: Ein generelles Urteil, was nun sicherer ist, traue ich mir nicht zu, denn es kommt auch hier auf die Einzelne Bank an.

          Grundsätzlich müssen Privatbanken Geld in den Einlagensicherungsfonds einzahlen, der im Falle einer Bankeninsolvenz den Verlust ausgleichen soll. Genossenschaftsbanken müssen das nicht tun, da diese gegenseitig für einander einstehen müssen.

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  3. Finanzwelt.Verstehen.Blog says:

    Ich kann mich nur anschließen. Studiere zunächst den derzeitigen Aktienkurs einer Bank. Beispielsweise der Aktienkurs der Commerzbank sollte dir dann sonderbar vorkommen. Des Weiteren richte dein Augenmerk auf die Zinsen. Natürlich kann eine Direktbank im Internet höhere Zinsen zahlen. Diese Banken müssen kein Filialnetz unterhalten. Aber warum kann eine Filialbank doppelt soviel Zinsen zahlen wie die andere? Und warum zahlen wohl die Sparkassen und Raiffeisenbanken so gut wie gar keine Zinsen? Höhere Sicherheit bedeutet eine geringere Rendite. Dies ist bei sämtlichen Anlageformen der Fall.

    Beiläufig sei noch erwähnt: Wenn du Bankaktien kaufen möchtest, solltest du auf die großen Häuser, wie etwa Goldman Sachs, setzen. Kleine nicht systemrelevante Banken würde ich persönlich meiden.

    Viele Grüße

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    • Guter Kommentar, danke!

      Einzig und alleine möchte ich deinen Tipp zu Bankaktien noch ein wenig “kritisieren”. Goldman Sachs ist keine Bank.

      Bis vor der Finanzkrise war Goldman Sachs eine reine Investmentbank. Diesen “Sonderstatus” hat sie mittlerweile aufgegeben, aber trotzdem ist der Hauptzweck von GS nicht die Kreditvergabe oder die Annahme von Einlagen.

      Goldman Sachs berät Unternehmen und Investoren bei Unternehmenskäufen und – Verkäufen (M&A), verwaltet Vermögen (Asset Management) und “zockt” selbst an den Märkten (Eigenhandel).
      So gesehen ist Goldman Sachs ein riesiger Hedgefonds 😉

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