Beim Bitcoin ist alles anders

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Beim Bitcoin ist alles anders

Kryptowährungen sind kryptisch – im wahrsten Sinn des Wortes. Das kann man schon daran erkennen, dass kaum jemand in der Lage ist, mit zumindest einiger Plausibilität festzumachen, in welche Richtung der Kurs sich als nächstes bewegen wird. Für Kryptowährungen wie den Bitcoin gelten einfach ganz andere Regeln – die bislang offensichtlich noch niemand kennt. Rauschende Höhenflüge wechseln sich ab mit dramatischen Abstürzen und plötzlichen Verkäufen in großer Menge, die manche dann aber immer noch als positiv bewerten. Wir sehen uns die letzten Eskapaden der digitalen Währung einmal an – und versuchen zumindest einige Schlüsse zu ziehen.

Zwei Fakten die man nicht vergessen darf

Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die beim Bitcoin anders sind, als bei herkömmlichen Währungen. Zwei Besonderheiten muss man aber bei allen Überlegungen über zukünftige Kursentwicklungen immer im Kopf haben:

1. Der Bitcoin ist begrenzt.
2. Der Bitcoin ist mit praktisch nichts korreliert und sein Wert hängt allein von Angebot und Nachfrage ab.

Die Begrenzung der Umlaufmenge ist ein ganz wesentlicher Faktor, der in alle Überlegungen immer einbezogen werden muss. Für den Bitcoin ist für immer und unabänderlich festgelegt, dass es maximal 21 Millionen Einheiten geben kann, nicht eine mehr. Bei 21 Millionen Bitcoins im Umlauf ist Schluss und es findet dann auch kein weiteres Mining statt. Da die Grenze technisch implementiert ist, kann sie auch nicht durch Beschluss ausgesetzt werden. Aktuell stehen wir bei etwas über 17,8 Millionen Einheiten, der größte Teil aller Bitcoins, die jemals existieren werden, befindet sich also schon im Umlauf.

Neue Bitcoins werden durch sogenanntes Mining geschaffen. Das ist ein sehr aufwändiger Computerprozess, der eine gewaltige Menge Rechnerleistung benötigt. Diese Leistung wird von Nutzern erbracht, die für das Mining eine Belohnung in Form von Bitcoins bekommen. Das Trickreiche dabei sind allerdings die sogenannten „Halvings, durch die sich die Belohnung für die Nutzer immer nach 210.000 geminten Blöcken (etwa alle 4 Jahre) halbiert, da zur Verfügung gestellte Rechenleistung natürlich auch Geld kostet (neben den Kosten für die Hardware vor allem Strom). Insgesamt sind das geschätzt rund 46 TWh (Terawattstunden), das ist der Stromverbrauch von Jordanien oder etwa so viel wie von 13 Millionen durchschnittlichen 2-Personen-Haushalten hierzulande. Jedes Jahr. Da man für verbrauchten Strom natürlich an allen Orten der Welt Geld bezahlen muss, rechnet sich das Mining für die Miner immer weniger.

Da der Bitcoin rein digital ist, ist er mit entsprechender Technologie praktisch überall verfügbar. Da er mit keinem anderen Wert korreliert, sein Wert also rein von Angebot und Nachfrage abhängt und die Nachfrage überall gleichermaßen möglich ist, wo entsprechende Technologie verfügbar ist, folgt die Wertentwicklung damit auch sehr genau den Gesetzen der Markteffizienz-Hypothese.

Da es durch die Halvings immer weniger lohnend wird, neue Bitcoins zu minen, sind vor allem die letzten 10 – 15 % nur mit großen Schwierigkeiten und mit hohem bis sehr hohem Aufwand (und Kapitaleinsatz) zu gewinnen. Steigt die Nachfrage, kommt es damit ganz natürlich nach den Gesetzen des Marktes zu einer Erhöhung des Werts, da eine immer weitergehende Verknappung einsetzt.

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Man kann sich das sehr gut anhand von Edelmetallen ansehen, bei denen eine ähnliche (allerdings unterschiedliche) Verknappung vorliegt. Silber und Gold behalten ihren grundlegenden Wert, weil man sie nicht einfach in beliebiger Menge fördern kann, wenn die Nachfrage steigt. Die Menge des heute in Umlauf befindlichen, also vorhandenen Goldes könnte man erst in frühestens 62 Jahren verdoppeln. Das erkennt man aus dem sogenannten Stock-Flow-Wert, den man für jedes beliebige Gut berechnen kann. Er gibt das Verhältnis von jährlicher Produktion in Bezug zur vorhandenen (also in Umlauf befindlichen) Menge an. Für Silber liegt dieser Wert übrigens bei 22, für Palladium bei 0,4. Bei Bitcoin kann man nach dem letzten Halving im Mai 2020 nun einen SF-Wert von rund 50 schätzen.

Je näher man nun an die 21-Millionen-Einheiten-Grenze kommt, desto höher wird auch der SF-Wert steigen, weil sich das Minen von Bitcoins immer weniger rechnet und damit auch immer weniger Bitcoins gemint werden. Irgendwann wird die jährliche Produktion bei 0 liegen, wenn die Grenze erreicht ist. Jede Nachfrage löst dann eine weitere Preissteigerung aus. Während wir kontinuierlich immer noch kleine Goldmengen abbauen werden, wird beim Bitcoin irgendwann das Ende erreicht sein. Der Bitcoin ist also eine tatsächlich endliche digitale Ressource.

Wie geht es dem Bitcoin letzter Zeit?

Der Ausbruch der Corona-Pandemie setzte dem Bitcoin am Anfang des Jahres 2020 überraschend stark zu. Der Wert erreichte seinen Tiefststand, der so tief lag wie zuletzt im November 2018. Nach dem Halving im Mai 2020 legte der Bitcoin – wie jedes Mal nach einem Halving – wieder zu und kratzte sogar an der 12.000 USD Marke, an der er aber scheiterte.

Der Skandal um Wirecard könnte dem Bitcoin durchaus Auftrieb verleihen, durch den kompletten Ausfall des betrügerischen Zahlungsdienstleisters auf dem Markt ist natürlich eine große Lücke entstanden, die nun mit Alternativen zu füllen ist. Traditionelle Zahlungsdienstleister wie Visa oder Paypal werden hier sicherlich ihre Chance wittern zu wachsen, im neu entstehenden Wettbewerb könnten aber durchaus auch Kryptowährungen als Möglichkeit für Zahlungsdienstleistungen sich ihren Platz erobern. Blockchain-Technologie war und ist immer eine Option für Zahlungsdienstleistungen, speziell auch für automatisierte Zahlungsdienstleistungen. Ein sehr wichtiger Vorteil dieser Technologien liegt unter anderem auch darin, dass die dahinter stehenden Plattformen, besonders beim Bitcoin, sehr transparent und vor allem unveränderbar sind und keine Verschleierungsmethoden erlauben.

Der natürliche Betrugsschutz ist damit bereits enorm hoch. Die bei Kreditkartenzahlungen sehr hohen Präventionskosten und die Kosten für den notwendigen Versicherungsschutz dagegen könnten bei Blockchain-basierten Zahlungsdienstleistungen weitgehend entfallen, was sie auch im Hinblick auf die Gebühren sehr effizient machen würde. Die theoretische Schnelligkeit der Zahlungen ist wegen der hohen Direktheit ohne zwischengeschaltete Vermittler auch deutlich höher als sie das bei Kreditkartentechnologien zum heutigen Stand jeweils sein könnte. Es gibt also in diesem in Zukunft wohl hart umkämpften Markt der Zahlungsdienstleistungen einige beträchtliche Vorteile, mit denen sich Blockchain-Technologien in Zukunft behaupten könnten.

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Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Bitcoin das Rennen machen könnte – er ist ja bei weitem nicht die einzige Krypto-Währung auf dem Markt. Eine ganz wesentliche Weichenstellung dafür bietet die Frage, ob der Bitcoin als Zahlungsmittel breiter zugelassen wird. Dadurch entscheidet sich, ob er tatsächlich als Währung, also als offiziell akzeptiertes Tauschmittel oder in Zukunft mehr als ein Wertaufbewahrungsmittel wie heute Gold fungieren wird. Davon wird natürlich auch die Höhe der Nachfrage – und damit der zukünftige Wert – bedeutend abhängen.

Interessant ist, dass man in den letzten Monaten auch – aller Theorie zum Trotz – immer wieder einige interessante Korrelationen der Werte findet. So zeigt sich etwa immer wieder eine relativ hohe Korrelation des Bitcoins zum Goldwert, die zu Spitzenzeiten bei 67,1 % lag, was bedeutet, dass der Bitcoin sehr häufig recht weitgehend mit der Entwicklung des Goldpreises korreliert. Auf der anderen Seite führen einige Experten gerade das Scheitern an der 12.000 USD-Marke vor allem auf ein Absacken des S&P 500 zu just dieser Zeit zurück. Ebenfalls eine Korrelation, die man also möglicherweise zukünftig im Auge behalten sollte.

Könnte ausgerechnet Warren Buffet den Bitcoin beflügeln?

Vielen ist wahrscheinlich bekannt, dass Warren Buffett den Bitcoin nicht besonders nett als „Rattengift zum Quadrat“ bezeichnet hat. Worauf man nicht allzu viel geben sollte, da auch der Investor ab und an einmal seine Meinung revidiert, wie etwa zu Apple. Heute hält er einen beträchtlichen Anteil am Unternehmen, das er zuvor lange Jahre mehr oder weniger rundheraus abgelehnt hat. Es scheint, als brauche der Star-Investor bei neuen Technologien einfach etwas länger, um sie in Ruhe zu beobachten.

Seine Meinung zum Bitcoin hat Buffett offiziell noch nicht geändert. Er hat aber etwas anderes Bemerkenswertes getan: nämlich dem US-Dollar den Rücken gekehrt, nachdem der in der letzten Zeit so schwach geworden war. Als wäre das allein nicht schon erstaunlich genug, hat sich Buffett vor allem Japan zugewandt – und in Gold investiert. Und zwar in großem Stil, mit einem Wert von insgesamt 6 Mrd. USD in Japan. Gleichzeitig hat er die Aktien vieler Großbanken abgestoßen und zumindest Andeutungen auf einen bevorstehenden Crash gemacht. Die Investition in Gold (darunter auch in Barrick Gold, das im laufenden Jahr bereits auf dem Papier Zugewinne von 45 % verzeichnet) hat sich für Buffetts Unternehmen Berkshire Hathaway gelohnt und ihm immerhin über 8 % Kurs-Plus beschert.

Grund für die Schwäche des Dollars war übrigens die Ankündigung der Notenbank, die Inflation vorübergehend auf über 2 % steigen zu lassen. Das hatte den USD auf den tiefsten Stand seit Jahren gedrückt. Gleichzeitig, und das war Experten aufgefallen, sprang der Bitcoin auf 12.500 USD. Einige kamen dabei auf die Idee, dass das nunmehr bei zukünftig fallenden Dollarwerten wieder der Fall sein könnte und der Bitcoin jedes Mal einen Sprung nach oben machen könnte, wenn der Dollar absackt.

Das ist die eine These. Die andere ist, dass seit April 2020 Bitcoin sogar besser performt als Gold und die Korrelation deutlich zunimmt. Daraus könnte man, wenn man das wollte, durchaus den Schluss ableiten, dass Bitcoin in Zukunft durchaus interessanter werden könnte. Auch für Großinvestoren. Nicht zuletzt einfach als Wertaufbewahrungsmittel. Was grundsätzlich kein Problem wäre, weil das die Nachfrage nach Bitcoin steigen lassen und damit natürlich auch seinen Wert befördern würde. Solide Wertaufbewahrung wird in Zukunft immer wichtiger werden, auch für große Unternehmen. Darüber sind sich viele einig. Wie diese Wertaufbewahrung in Zukunft aussehen wird, darüber lassen sich allerdings nur wenig belastbare Aussagen treffen. Bitcoin hat aber grundsätzlich das Potenzial dazu, allein schon von seiner technischen Struktur her. Der zunehmende Markt an Derivaten ermöglicht zudem auch ein in Zukunft besseres Risikomanagement, was eine ganz wesentliche Einstiegshürde wegfallen lässt, die bis jetzt bestanden hat.

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Der Bitcoin hat dabei auch einige prominente – und durchaus ernstzunehmende – Fürsprecher. Etwa den Bloomberg-Analysten Mike McGlone, der jüngst die These vertrat, Bitcoin könnte die digitale Version von Gold werden. In diesem Fall läge die Vermutung nahe, dass Bitcoin die gleiche Marktkapitalisierung von Gold erreichen könnte (etwa 9 Bio. USD), was einem zu erwartenden Kurswert von 500.000 USD entsprechen würde. Man muss hinzufügen: Bei steigendem weltweitem Sicherheitsbedarf könnte das möglicherweise sogar noch darüber hinaus gehen. Als Alternative zu diesem Szenario sieht McGlone eigentlich nur das komplette Scheitern des Bitcoin. Eine Analyse ist das natürlich nicht. Aber eine Überlegung immerhin.

Fazit

Aufgrund der Natur des Bitcoins sind die traditionellen Regeln, wie wir sie bei anderen Währungen kennen und gedanklich anwenden, grundsätzlich komplett hinfällig. Der Bitcoin ist – anders als die meisten Güter – komplett endlich und wird sich in Zukunft sehr schnell sehr stark verknappen – unabhängig von der Nachfrage. Man kann ihn, selbst wenn man will, nicht über die Grenzmarke von 21 Millionen Einheiten hinaus nachproduzieren. Gleichzeitig wird sein Wert in keiner Weise von irgendwelchen nationalen wirtschaftlichen Interessen beeinflusst – er besteht allein aufgrund der herrschenden und der zu erwartenden Nachfrage.

Wir wissen zum heutigen Zeitpunkt nicht, ob der Bitcoin jemals echtes, allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel wird – oder einfach nur Wertaufbewahrungsmittel. Niemand kann bislang zuverlässig abschätzen, welche Menge an Wertaufbewahrung wir in Zukunft überhaupt erleben werden. Im Augenblick stehen die Zeichen eher auf einem erhöhten Bedürfnis. Das kann eine Menge für den Bitcoin bedeuten – muss es aber nicht. Genauso wie das Rennen um die durch den Wirecard-Betrug freigewordenen Plätze auf dem Markt für Zahlungsdienstleister.

Wir werden sehen, was die Zukunft bringt – und vielleicht im Laufe der Zeit einige Regeln entwickeln und überprüfen können, mit denen sich Kursentwicklungen beim Bitcoin zumindest einigermaßen vorhersagen lassen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar: Wir kennen diese Regeln nicht, noch nicht einmal im Ansatz. Beim Bitcoin ist einfach alles anders. Aber das Potenzial ist definitiv da, für eine enorme Wertentwicklung. Oder für ein komplettes Verschwinden des Bitcoin.

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