Bewegung im ETF-Feld

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Bewegung im ETF-Feld

In der letzten Zeit sieht man ein wenig Bewegung im ETF-Feld – auf allen Ebenen. Einerseits wird es günstiger für Anleger, andererseits machen einige Veränderungen bei einzelnen Indices unter Umständen ein paar Überlegungen notwendig. Dazu kommt noch die allgemeine weltwirtschaftliche Lage, die laufenden Krisen und auch einige wichtige Veränderungen auf dem Anleihenmarkt, die insbesondere Privatanleger treffen. Zeit also, mal wieder einen Blick auf ETFs zu werfen. 

Das Stiefkind des deutschen Privatanlegers erfährt wieder einmal etwas Zuwachs 

Sieht man sich die Ergebnisse einschlägiger Studien an, sind börsengehandelte Indexfonds(ETFs) den meisten Deutschen nach wie vor ziemlich unbekannt. Viele von denen, die sie kennen, ordnen ihnen nach wie vor eher wenig Rendite und dafür hohes Risiko zu – sogar im Vergleich zu Aktien. An den allgemeinen Vorstellungen, was ETFs sind und welchen Wert sie für Privatanleger haben können, hapert es also noch ziemlich. 

Nichtsdestotrotz haben in den letzten Jahren immer mehr Deutsche dennoch einen ETF in ihrem Portfolio. Es gibt, wenn auch verhalten, leichte Zuwächse in diesem Feld – was immer das bedeutet, wenn einer Studie zufolge nur rund 5 % der Deutschen einen ETF als Anlageform nutzen, dagegen aber über 40 % ein Sparbuch. 

Auffällig ist auch, dass diejenigen, die ETFs besitzen, wohl sehr aktiv damit arbeiten. Selbst in der brütenden Sommerhitze wird erstaunlich viel umgeschichtet, Kapital abgezogen, wenn der DAX strauchelt, und umgeschichtet. 

Das ist höchstwahrscheinlich nicht gerade die beste Art und Weise, als Kleinanleger mit ETFs zu arbeiten – ein übergroßes Sicherheitsbedürfnis, das Gefühl “mit seiner Anlage etwas tun zu müssen” (außer mit dem Sparbuch und dem Bausparvertrag) und der Drang ständig etwas zu “optimieren” gehören aber wohl ebenso zur deutschen Seele wie das Autowaschen am Sonntag und der akkurat geordnete, millimetermäßig zurechtgeschnippelte Vorgarten. Manche Dinge sind einfach scheinbar für lange Zeiten unausrottbar. 

ETFs nehmen bei den Anlegern aber immerhin zu – und das sorgt auch für Bewegung auf dem ETF-Markt. 

Der Kampf um den Kunden hat begonnen

Und der sieht aus wie bei jedem Handyanbieter und in allen anderen Branchen, wo sehr viele Anbieter mit ähnlichen Produkten versuchen, Kunden für sich zu gewinnen: “Preise runter”. 

Bei sehr vielen ETFs sind in diesem Jahr die Kosten stark gesunken, teilweise auf sehr niedrige Werte. Zwar sind ETFs im Vergleich zu Aktien und Anleihen ohnehin schon ganz allgemein eine recht kostengünstige Anlageform, manche aktuellen Preise lassen aber dann doch staunen. 
So gibt es den Fidelity S&P Fund (ISIN IE00BYXMX67) mittlerweile für laufende Kosten von 0,06 % pro Jahr und der Lyxor Core Morningstar UK NT (DRUCITS ETF (ISIN LU 1781540957) glänzt sogar mit einer TER von 0,04 %.

Laufende Kosten von 0,1 % bis 0,2 % findet man mittlerweile bei sehr vielen Anbietern, insgesamt scheinen die Kosten von vielen ETFs also noch einmal kräftig gesunken zu sein – jedenfalls bei einzelnen Produkten. 

Man kann das wohl schon als Kampf um den Kunden deuten, der nunmehr eröffnet ist – mit Speck fängt man Mäuse, mit günstigen Preisen gewinnt man Kunden. So lautet die altbekannte Regel, die noch immer gilt. 

Für ETF-Anleger wird es künftig also sehr günstig werden. Neben den Kosten für den ETF selbst fallen nämlich in vielen Fällen gar keine weiteren Kosten an – viele Online-Broker bieten ETF-Sparpläne sogar gebührenfrei an (z.B. Flatex und OnVista). Damit ist einerseits der sanfte “psychologische Druck” vorhanden, doch mit kleinen Beträgen (in der Regel ab 50 EUR monatlich) auch wirklich regelmäßig für später vorzusorgen, ohne dass es einen groß belastet (oder die meisten jedenfalls) und gleichzeitig geht auch wirklich alles gesparte Geld tatsächlich in die eigene Anlage und versandet nicht in irgendwelchen Gebühren oder Nebenkosten. 

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ETFs – die neue Anleihe für Privatanleger?

Eine gerade für Privatanleger eher unerfreuliche Nachritcht ist, dass immer mehr Anleihen keine Kleinanleger mehr wollen. Das kann man ganz einfach erreichen – nämlich indem man die Stückelung entsprechend anhebt. 

Bei einer Stückelung, die im Bereich von 100.000 Euro liegt, hat man die Anlage so gut wie allen Kleinanlegern erfolgreich verleidet. Kritik daran kommt unter anderem von der DWS (Deutsche Wertpapier-Schutzgemeinschaft) aber auch von anderen Anlegerverbänden

Vonseiten der Emittenten heißt es dagegen, man sei auf Privatanleger gar nicht angewiesen – das Geld der institutionellen Anleger reiche völlig aus. 

Wir wollen einmal dahingestellt lassen, ob das nicht auch als recht kurzsichtige Strategie zu werten ist – und ob Anleger, die viel Kapital mitbringen, tatsächlich immer so viel besser sind für eine Anleihe. Darüber kann man wohl geteilter Meinung sein. 

Fakt ist, dass es nun aber einmal so ist – und viele Anleger sich nach anderen Möglichkeiten umsehen müssen. Uns drängt sich dabei die Frage auf, ob ETFs auch für klassische Anleihe-Anleger eine Möglichkeit sind. 

In punkto Sicherheit kann man bei vielen ETFs ja nichts bemängeln, vor allem wenn man sich die langfristigen Durchschnittserträge ansieht. Unser “closest friend” in Deutschland, der DAX (auf den es auch viele Indexfonds gibt), schafft immerhin über die letzten 30 Jahre und einige ernsthafte Krisen hinweg eine Durchschnittsperformance von über 8 % pro Jahr – das muss eine andere Anlageform erst einmal erbringen. 

Natürlich ist klar, dass “Durchschnitt” bedeutet, dass es auch einmal bergab gehen kann und die Performance in manchen Monaten oder dem einen oder anderen halben Jahr nicht so herausragend ist. 

Das Spiel, bei allen heftigeren Bewegungen der Indices sofort aktiv zu werden und sein Geld von einem ETF zum anderen zu schaufeln, ist weder notwendig noch recht zielführend am Ende, vor allem wenn man sich die Durchschnittsperformance über mehrere Jahre ansieht. 

ETFs brauchen einfach eine langfristige Anlageperspektive und sind nicht unbedingt das geeignetste Produkt, um Day Trading auszuprobieren. So wie Anleihen eben auch – man muss sich in Geduld üben und seine Anlage über ein paar Jahre eben sich selbst 
überlassen. 

Um das mit einem geflügelten Wort von Warren Buffett noch zu untermauern: “Man kauft sich ja auch keinen Bauernhof, weil es nächstes Jahr regnet (und die Ernte gut ist). Man kauft sich einen Bauernhof, weil er langfristig solide Erträge bringt.” Und sollte es im nächsten Jahr gerade nicht viel regnen und die Ernte magerer ausfallen, würde man höchstwahrscheinlich seinen Bauernhof ja auch nicht gleich verkaufen. 

So, finden wir, sollte man es auch mit ETFs halten. Das sollte Anleihen-Anlegern vielleicht auch nicht so schwer fallen, immerhin kennen sie das Prinzip. 

Grundsätzlich denken wir also, dass ETFs durchaus für die Menschen geeignet sind, die ihr Geld bisher in Anleihen von mittlerer bis langer Laufzeit angelegt haben. 

Änderungen beim DAX im Herbst 2018

Ab September 2018 finden einige grundlegende Änderungen bei der DAX-Familie statt: Die wichtigste davon ist, dass die Trennung zwischen Technologie-Aktien und klassischen Aktien aufgehoben wird. 

Damit gibt es für Tech-Unternehmen ab Herbst auch die Möglichkeit, im MDAX oder SDAX vertreten zu sein. Damit das auch eine nachhaltige Wirkung haben kann, wird zu diesem Zeitpunkt auch der Umfang der beiden Indices erweitert – sowohl im MDAX und im SDAX sind dann auch mehr Titel zu finden (60 im MDAX und 70 im SDAX statt der bisher üblichen 50). Der TEC-DAX behält dabei die Zahl seiner Titel, allerdings haben ab Herbst auch klassische Unternehmen aus dem DAX-Leitindex die Möglichkeit, im TEC-DAX gelistet zu werden, wenn sie branchenmäßig dem Technologiesektor zugeordnet sind. Bisher war das nicht möglich. 

Diese Änderungen werden natürlich Auswirkungen auf die Performance der einzelnen DAX-Indices haben. Es lohnt sich daher für alle, die einen DAX-ETF besitzen oder beabsichtigen, ihr Geld in einem DAX-ETF anzulegen, sich die entsprechenden Schatten-Indices nach dem neuen Regelwerk anzusehen und ihre Performance mit der der noch geltenden “alten” DAX-Indices zu vergleichen. So sollte man ungefähr ein Gefühl dafür bekommen, wie sich das neue Regelwerk auf die Performance auswirken wird. Als Starttag der Indices nach neuem Regelwerk ist laut Deutscher Börse der 24. 09. 2018 vorgesehen.

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