Cash-or-Nothing: Binäre Optionen immer wieder eine Falle für Kleinanleger

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Ein Demokonto hilft bei der finalen Entscheidung für einen Binäre Optionen Broker. (Quelle: PIX1861 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Ein Demokonto hilft bei der finalen Entscheidung für einen Binäre Optionen Broker. (Quelle: PIX1861 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Kein Markt wäre ein echter Markt, wenn sich darauf nicht auch immer wieder Betrüger und schwarze Schafe in der Hoffnung auf schnell verdientes Geld mit Leichtgläubigen tummeln würden. Auch Börsenprodukte oder angebliche Börsenprodukte werden gern einmal verwendet, um Menschen ihr sauer verdientes Geld aus der Tasche zu ziehen. Dazu gehören nicht selten Binäre Optionen, die berühmten Cash-or-Nothing Anlagen. Wir wollen in unserem Beitrag über die Risiken aufklären, die bei solchen Anlagen bestehen.

Was sind überhaupt Binäre Optionen?

Binäre Optionen sind eine scheinbar ganz einfache Sache. Im Grunde läuft die Anlage auf eine Ja-oder-Nein Entscheidung hinaus: Über- oder unterschreitet ein Basiswert zu einer bestimmten Frist ein bestimmtes Limit? Lautet die Antwort „Ja“, gibt es lukrative Gewinne. Lautet die Antwort „Nein“, ist die Option zum Stichtag wertlos, das eingesetzte Geld ist ein Totalverlust. Schlicht ausgedrückt handelt es sich also um eine klassische Wette. Das ist alles – unabhängig von den ganzen komplizierten Begriffen. Es ist allerdings kaum zu glauben, wie beliebt diese Art von Wette ist.

Gewettet werden kann bei Binären Optionen auf steigende oder fallende Kurse, auch Wetten auf sich seitwärts bewegende fallende oder steigende Kurse sind möglich.

Das Schema ist immer noch einfach:

KNOCK-IN – Call: Basiswert erreicht einen festgelegten Schwellenwert oder überschreitet ihn (Wette auf steigende Kurse)
KNOCK-IN – Put: Basiswert erreicht einen festgelegten Schwellenwert oder unterschreitet ihn (Wette auf fallende Kurse)

KNOCK-OUT – Call: Basiswert darf eine Schwelle nicht berühren oder unterschreiten (Wette auf sich seitwärts oder steigende Kurse)

KNOCK-OUT – Put: Basiswert darf eine Schwelle nicht berühren oder überschreiten (Wette auf sich seitwärts bewegende oder fallende Kurse)

KNOCK-OUT – Range: Basis muss innerhalb zweier Schwellen liegen (Wette auf sich rein seitwärts bewegende Kurse)

Als Basiswerte kommen alle möglichen Werte infrage: Aktienkurse, Indexkurse, Wechselkurse (zwischen zwei festgelegten Währungspaaren), Rohstoffe.

Eine solche „Wette“ (Binäre Option) könnte also als Kriterien zugrunde legen: am 1. Juli liegt der Wechselkurs EUR zu USD bei 1,19 EUR für 1 USD oder darüber.

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In manchen Fällen sind die zugrunde liegenden Basiswerte auch komplizierter konstruiert – dann wird es noch deutlich unüberschaubarer.

Bei der Gewinnauszahlung gibt es insgesamt nur zwei Möglichkeiten: die häufigste ist die Cash-or-Nothing Option, bei der im Gewinnfall ein vorher festgelegter Betrag ausgeschüttet wird. Bei der Asset-or-Nothing Option wird einfach der Preis des Basiswerts ausbezahlt. Schwer zu erraten, warum das nicht so beliebt ist.

Binäre Optionen kann man übrigens während der Laufzeit in den allermeisten Fällen nicht kündigen (das wäre auch nicht Sinn der Sache, niemand würde sie behalten, wenn kurz vor Ende klar wäre, dass das angestrebte Ziel nicht zu erreichen ist – dann hätte man immerhin sein Geld zurück).

Einen Unterschied gibt es dabei auch noch zwischen europäischen Optionen und amerikanischen Optionen, den man tunlichst kennen sollte: Bei einer amerikanischen Option wird gefordert, dass das Gewinn auslösende Ereignis während der Laufzeit eintreten muss, bei europäischen Optionen muss es dagegen am Ende der Laufzeit auftreten.

Was spricht nun eigentlich gegen Binäre Optionen?

Zum einen zunächst einmal, dass in den meisten Fällen ein solides Risiko auf Totalverlust mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % besteht. Niemand, der nicht wirklich zu viel Geld hat, wird darin eine Anlageform sehen.

Zudem: Es gibt einen, der immer gewinnt – nämlich der Anbieter solcher Optionen. Das sind im Übrigen nicht immer irgendwelche zwielichtigen Hinterhof-Typen, sondern auch Banken oder durchaus bekannte Institutionen, besonders in den USA. Und die bekommen natürlich in jedem Fall Prämien und Gebühren – egal ob die Wette aufgeht oder nicht. Wie im Casino: die Bank gewinnt immer.

Wer glaubt, dass er Kurse tatsächlich vorhersagen kann, sollte es am besten einmal mit Lotto versuchen. Da ist der Einsatz wenigstens nicht so hoch, wenn man dann am Ende draufkommt, dass man es doch nicht kann. Und wer von sich selbst so überzeugt ist, dass er den absoluten Durchblick hat und den Verlauf von Kursbewegungen gelassen lächelnd immer vorhersagen und solide abschätzen kann, der kann sich auch bei jedem größeren Fonds-Unternehmen und auch bei Moody’s als hochdotierter Spitzenmann melden, dort werden solche Orakel jederzeit gerne und mit Blumenteppich begrüßt. Das Gehalt hätte man dann wenigstens sicher – jedenfalls so lange, bis die erkennen, dass man auch nur mit Wasser kocht und eigentlich gar nichts vorhersagen kann. So viel zum Thema Selbstüberschätzung. Es bleibt also bei 50 % Totalverlust-Risiko. Plus die schon bezahlten Gebühren und Prämien, versteht sich.

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Was erschwerend noch dazukommt ist, dass gerade Binäre Optionen eben ein Lieblingsspiel von weniger seriösen Unternehmungen und auch von handfesten Betrügern sind. Man muss es immerhin mit der Gewinnermittlung nicht so genau nehmen oder konstruiert einfach enorm komplizierte Basiswerte – oder zahlt dann halt einfach die Gewinne nicht aus. Das simple System ist auch für Abzocker recht einfach zu bedienen – und mit dem Deckmäntelchen, dass es sich ja um ein „Börsenprodukt“ handelt, auch recht leicht an den Mann oder die Frau zu bringen.

Der lange Weg zum Verbot Binärer Optionen

Seit 2. Juli 2018 sind Binäre Optionen nun endlich in der EU für Privatkunden verboten – und zwar der Handel damit sowie auch die Vermarktung. Dem war ein langer Weg vorausgegangen, bis sich die ESMA, die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde zu einem endgültigen Verbot durchgerungen hat.

Außerhalb der EU ist der Handel mit Binären Optionen weiterhin erlaubt, insbesondere in den USA, wo die Securities und Exchange Commission 2008 eine generelle Erlaubnis durchsetzte. Seitdem werden sogar am Amex (American Stock Exchange) und am CBOE (Chicago Board Options Exchange) europäische Cash-or-Nothing Optionen offiziell gehandelt. Auch im außereuropäischen Raum sind sie immer noch weit verbreitet – gerade eben beklagte die Schweiz wieder zahlreiche Opfer einer größer angelegten Betrugskampagne mithilfe von Binären Optionen. Bittere Pille dabei: die schweizerischen Behörden sind machtlos, weil die Täter im Ausland sitzen und schon längst über alle Berge sind. Gewinne wurden einfach nicht ausbezahlt und die Konten sind schon längst leergeräumt.

Alibi-Aktionen, wie die 2016 erfolgte Bestrafung der in Zypern ansässigen Banc de Binary durch die USA, der man vorwarf, nicht genügend Anleger-Daten zu sammeln um eine fundierte Risikoberatung durchführen zu können, dürften hier in Summe nur wenig ausrichten. Vom amerikanischen Gericht wurde die Bank zwar von einer Strafe von 2 Mio USD verurteilt und zur Leistung von 7 Mio USD Schadenersatz an die Anleger – das dürfte die Bank aber vermutlich ohnehin aus der Portokasse bezahlt haben. Binäre Optionen wird so etwas ganz sicher nicht vom Markt fegen – erst recht nicht, wenn man damit schnell gutes Geld mit überaus wettfreudigen Kleinanlegern machen kann. In Zukunft werden Binäre Optionen dann eben vom außereuropäischen Raum aus angeboten.

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Immerhin hat sich auch Facebook 2018 dazu durchgerungen, die Bewerbung von Binären Optionen auf der Plattform generell zu untersagen. Das ist zumindest eine löbliche Einstellung.

Unser Fazit:

Wer mit seinem sauer verdienten Geld unbedingt mit hohem Verlustrisiko wetten will , der sollte das wenigstens dort tun, wo er von der Seriosität der Institution zumindest einigermaßen überzeugt ist. Beim Casino oder im Lotto-Laden um die Ecke zum Beispiel. Binäre Optionen sind sicherlich die schlechteste aller Möglichkeiten dafür. Oder, wie es ein Blogger so schön ausdrückte: „5 Deals und du bist pleite“.

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