Folge 53 – Die Rendite von Fonds (Fonds #2)

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Folge 53 – Die Rendite von Fonds (Fonds #2)

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Die Rendite eines Fonds zu verstehen, ist einfacher, als es auf den ersten Blick aussieht. Zwei Faktoren bestimmen sie: erstens, wie sich die im Fonds enthaltenen Wertpapiere entwickeln – zweitens, was der Fonds selbst an Kosten frisst. Der erste Faktor ist das, worauf die meisten Anleger schauen. Der zweite ist der, der langfristig den größeren Unterschied macht. Dieser Artikel erklärt beide Seiten der Gleichung und zeigt, warum die Kostenquote eines Fonds auf lange Sicht der mit Abstand wichtigste Renditehebel für den Kleinanleger ist.

Die Rendite der zugrundeliegenden Wertpapiere

Zunächst muss ein Fonds überhaupt einmal Rendite erwirtschaften. Wie das geschieht, hängt schlicht von der Fondsart ab. Ein Aktienfonds investiert in Aktien – seine Rendite speist sich also aus Kursgewinnen und Dividenden der enthaltenen Unternehmen, ganz wie bei einem Direktinvestment in Einzelaktien. Ein Rentenfonds erzielt seine Rendite aus Zinszahlungen und Kursveränderungen der enthaltenen Anleihen. Ein Mischfonds kombiniert beides, ein Rohstofffonds bezieht seine Rendite aus Rohstoffpreisen oder den Aktien von Förderunternehmen. Eine vollständige Übersicht der Fondstypen finden Sie in Folge 55.

Wichtig ist: Die Wertpapier-Rendite eines Fonds wird auf Fondsebene berechnet – also bevor der Anleger überhaupt beteiligt ist. Wenn der MSCI World im Jahr 2024 beispielsweise 18 Prozent zulegt, erwirtschaftet ein Fonds, der den MSCI World abbildet, ebenfalls rund 18 Prozent Brutto-Rendite. Was am Ende beim Anleger ankommt, ist etwas anderes. Die Differenz zwischen der Brutto-Wertpapier-Rendite und der Netto-Rendite, die der Anleger nach Abzug aller Kosten und Steuern tatsächlich erhält, ist der eigentlich entscheidende Punkt.

Die drei Kostenkategorien

Fonds-Kosten verteilen sich auf drei wesentliche Posten: den einmaligen Ausgabeaufschlag beim Kauf, die laufende Total Expense Ratio und – bei manchen aktiven Fonds – eine erfolgsabhängige Performance-Fee.

Der Ausgabeaufschlag

Der Ausgabeaufschlag ist eine Einmalgebühr, die beim Kauf von Fondsanteilen fällig wird – typischerweise zwischen zwei und fünf Prozent der Anlagesumme. Wirtschaftlich ist er eine Vertriebsprovision: Banken, Versicherungen und Fondsvermittler erhalten diesen Betrag dafür, dass sie den Fonds an den Kunden gebracht haben.

Ein Beispiel: Wer 10.000 Euro in einen Fonds mit fünf Prozent Ausgabeaufschlag investiert, zahlt sofort 500 Euro an Vertriebsprovision. Tatsächlich im Fonds arbeiten nur noch 9.500 Euro. Um die anfängliche Summe wieder zu erreichen, muss der Fonds um rund 5,3 Prozent steigen – unter dieser Schwelle bleibt man im Minus, selbst wenn der Fonds selbst positiv gelaufen ist.

Die gute Nachricht: Ausgabeaufschläge sind in der Praxis kein Naturgesetz. Sie lassen sich auf mehreren Wegen vermeiden oder reduzieren. Wer einen Fonds über einen Neobroker kauft, zahlt in der Regel gar keinen Ausgabeaufschlag. ETFs werden ausschließlich über die Börse gehandelt, hier fällt prinzipbedingt kein Ausgabeaufschlag an. Und wer unbedingt einen klassischen aktiv gemanagten Fonds will, findet über spezialisierte Fondsvermittler fast immer Rabatte bis zu 100 Prozent. Mehr dazu in Folge 73.

Mehr zum Thema  Folge 9 - Risiko und Rendite

Wer allerdings den Weg über die Hausbank wählt und dem Berater das „der Ausgabeaufschlag ist nicht verhandelbar“ glaubt, verschenkt echtes Geld. Ausgabeaufschläge sind fast immer verhandelbar – der Bankberater verliert damit nur seine Provision.

Die Total Expense Ratio (TER)

Die TER ist die wichtigste laufende Kostenkennzahl eines Fonds. Sie drückt als Prozentsatz aus, wie viel des Fondsvermögens jährlich für Verwaltung, Management, Wirtschaftsprüfung, Depotbankgebühren und andere operative Kosten aufgewendet wird. Bei einem Fonds mit einer TER von 1,8 Prozent werden jährlich rund 1,8 Prozent des Fondsvermögens für diese Kosten verbraucht.

Wichtig zu verstehen: Diese Kosten werden nicht vom Depot des Anlegers abgebucht, sondern direkt dem Fondsvermögen entnommen. Der Anleger merkt sie also nur indirekt – nämlich an einer niedrigeren Nettorendite. Genau das macht die TER tückisch: Sie ist unsichtbar, und viele Anleger unterschätzen deshalb ihren langfristigen Effekt.

Die typischen Bandbreiten im Jahr 2026:

FondstypTypische TER p. a.
Aktiv gemanagter Aktienfonds1,2 – 2,0 %
Aktiv gemanagter Rentenfonds0,5 – 1,5 %
Aktiv gemanagter Mischfonds1,0 – 2,2 %
Welt-ETF (MSCI World, FTSE All-World)0,07 – 0,25 %
Standardindex-ETF (DAX, S&P 500)0,05 – 0,20 %
Spezialisierter ETF (Themen, Faktoren)0,25 – 0,75 %

Der Sprung zwischen aktiv und passiv liegt oft bei einem Faktor zehn oder mehr. Ob sich das lohnt, zeigt sich erst über längere Zeiträume – und dort dann sehr deutlich.

Was die TER nicht enthält

Seit der Einführung des PRIIP-KID (dem „Basisinformationsblatt für verpackte Anlageprodukte“) im Jahr 2018 müssen Fonds zusätzlich eine einheitliche Gesamtkosten-Kennzahl ausweisen. Dort fließen auch interne Transaktionskosten und versteckte Gebühren ein, die in der klassischen TER nicht enthalten sind. Historisch waren in der TER nämlich folgende Kosten nicht inkludiert:

  • interne Transaktionskosten des Fonds beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren
  • Beratungskosten und Honorare für externe Dienstleister
  • bestimmte Spesen für Aufsichtsgremien

Bei aktiven Fonds mit hoher Umschlagshäufigkeit können diese nicht-TER-Kosten die tatsächliche Gesamtbelastung um weitere 0,3 bis 0,8 Prozentpunkte erhöhen. Wer es genau wissen will, schaut also nicht nur auf die TER im Factsheet, sondern auf die Gesamtkosten im PRIIP-KID, das jeder Fondsanbieter in der EU zur Verfügung stellen muss.

Performance Fees

Manche aktive Fonds verlangen zusätzlich eine erfolgsabhängige Vergütung – die Performance Fee. Das klingt auf den ersten Blick fair: Das Fondsmanagement verdient zusätzlich, wenn es erfolgreich ist. In der Praxis sind diese Gebühren aber oft anlegerunfreundlich konstruiert.

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Ein typisches Beispiel: Ein Fonds behält 20 Prozent jeder Überrendite gegenüber seinem Vergleichsindex ein, abgerechnet pro Quartal. Das bedeutet: Übertrifft der Fonds seinen Index im ersten Quartal um zehn Prozent, fließen zwei Prozent des Fondsvermögens an die Fondsgesellschaft – selbst wenn der Fonds im zweiten Quartal den Index dann wieder unterperformt und das Jahr unterm Strich mit einer Underperformance abschließt. Der Anleger zahlt also für einen Vorsprung, der am Ende gar nicht realisiert wurde.

Fair wäre eine sogenannte High-Water-Mark-Regelung: Die Performance Fee wird nur dann fällig, wenn der Fonds einen neuen Höchststand erreicht. Oder ein echter Verlustausgleich: Wer den Index unterperformt, darf in den nächsten Perioden nichts zurückholen, bis die Underperformance ausgeglichen ist. Solche fairen Konstruktionen sind selten.

In der Praxis verlangen heute nur noch etwa 10 Prozent aller Publikumsfonds eine Performance Fee – die ESMA hat 2020 Leitlinien erlassen, die faire Berechnungen vorschreiben, und viele Anbieter haben die Gebühr seither abgeschafft. Für Kleinanleger bleibt der Rat: Fonds mit Performance-Fee im Zweifel meiden, das Fondsuniversum ist auch ohne diese Produkte groß genug.

Die 30-Jahres-Rechnung: Warum Kosten mehr wiegen, als Sie denken

Hier die wichtigste Rechnung dieses Artikels. Zwei Anleger investieren jeweils 10.000 Euro einmalig und halten 30 Jahre durch. Beide Fonds erzielen eine identische Brutto-Rendite von 7 Prozent pro Jahr. Der einzige Unterschied liegt in der TER:

SzenarioBrutto-RenditeTERNetto-RenditeEndkapital nach 30 Jahren
Aktiver Fonds7,0 %1,8 %5,2 %~45.700 €
Welt-ETF7,0 %0,2 %6,8 %~72.400 €

Der Kostenunterschied von 1,6 Prozentpunkten pro Jahr wird über 30 Jahre zu einem Endkapital-Unterschied von rund 26.700 Euro – oder anders gesagt: Der Kostenunterschied kostet den Anleger mehr als das ursprüngliche Investment. Und das bei identischer Brutto-Performance. Würde der aktive Fonds den Index tatsächlich Jahr für Jahr schlagen, sähe die Rechnung anders aus – aber über Zeiträume von zehn Jahren und länger schaffen das empirisch weniger als 15 Prozent aller aktiven Fonds. Die Mathematik ist brutal: Kosten sind der einzige Faktor einer Fondsanlage, den man im Voraus kennt und kontrollieren kann.

Wer diese Rechnung mit eigenen Zahlen nachrechnen will, findet in Folge 74 ein Excel-Sheet, das den Effekt für beliebige Anlagesummen, Laufzeiten und Kostenquoten darstellt.

Fazit: Woran man als Kleinanleger die Rendite tatsächlich beeinflussen kann

Die Brutto-Rendite eines Fonds – also wie gut sich die enthaltenen Wertpapiere entwickeln – können Sie als Anleger nicht kontrollieren. Kein Fondsmanager, keine Strategie, keine Prognose der Welt gibt Ihnen eine garantierte zukünftige Rendite. Was Sie allerdings sehr wohl kontrollieren können, sind die Kosten: Ausgabeaufschlag, TER, versteckte Transaktionskosten, Performance Fees.

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Die praktische Konsequenz: Achten Sie beim Fondskauf zuerst auf die Kostenquote. Ein ETF auf einen breiten Welt-Index mit einer TER um 0,20 Prozent schlägt langfristig fast immer einen aktiv gemanagten Fonds mit 1,8 Prozent – nicht weil ETFs magisch sind, sondern weil die Mathematik der Kosten unerbittlich ist. Eine vollständige Übersicht der relevanten Broker und Anbieter finden Sie in unserem Depotkonto-Vergleichsrechner.

FAQ

Wo finde ich die TER eines bestimmten Fonds?
Im Factsheet des Fonds, im Verkaufsprospekt und im PRIIP-KID – alle drei Dokumente müssen von der Fondsgesellschaft kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Bei börsengehandelten ETFs wird die TER auch auf allen großen Finanzportalen und in den Broker-Apps direkt angezeigt.

Ist ein Fonds mit niedriger TER automatisch besser?
Bei ETFs praktisch immer, weil alle ETFs auf denselben Index im Wesentlichen dieselbe Rendite liefern und die Kostenquote der einzige kontrollierbare Unterschied ist. Bei aktiven Fonds theoretisch nicht – ein guter Manager könnte höhere Kosten durch bessere Entscheidungen ausgleichen. Empirisch schaffen das über zehn Jahre aber weniger als 15 Prozent aller aktiven Fonds.

Werden Fondskosten vom Finanzamt als Werbungskosten anerkannt?
Nein. Seit der Einführung der Abgeltungsteuer in Deutschland 2009 sind die tatsächlichen Werbungskosten nicht mehr absetzbar – stattdessen gibt es den pauschalen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr (Ehepaare: 2.000 Euro). In Österreich existiert kein vergleichbarer Pauschbetrag, Kapitalerträge werden ab dem ersten Euro besteuert.

Was ist die Tracking Difference bei ETFs?
Die tatsächliche Abweichung zwischen der Rendite des ETF und seines Vergleichsindex – und damit oft aussagekräftiger als die reine TER. Manche ETFs erzielen durch clevere Wertpapierleihe sogar eine Tracking Difference, die geringer ist als ihre TER, der Anleger bekommt also effektiv eine niedrigere Kostenbelastung.

Wie oft sollte ich die Kosten meines Fonds überprüfen?
Bei ETFs: einmalig vor dem Kauf, die TER ändert sich selten. Bei aktiven Fonds: einmal jährlich, weil Fondsgesellschaften die Kostenstruktur gelegentlich anheben. Eine deutliche TER-Erhöhung ist ein Anlass, den Fonds auf den Prüfstand zu stellen.

Weiterführende Links

3 Comments

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