Folge 21 – Wie entsteht der Aktienkurs und was beeinflusst ihn?

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Folge 21 – Wie entsteht der Aktienkurs und was beeinflusst ihn?

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Wer eine Aktie kauft, hofft auf zwei Dinge: die Dividende und einen steigenden Kurs. Die Dividende klärt das Unternehmen auf der Hauptversammlung – der Kurs entsteht jeden Börsentag neu. Wie dieser Prozess abläuft, welche Faktoren den Kurs bewegen, und warum Aktienmärkte immer wieder so heftig schwanken: Das ist das Thema dieser Folge.

Wie der Kurs konkret zustande kommt

Ein Aktienkurs ist im Kern nichts anderes als der Preis, zu dem sich zuletzt ein Käufer und ein Verkäufer einig geworden sind. Dahinter steht allerdings ein gut durchorganisierter Mechanismus – das Orderbuch.

Jeder Handelsplatz führt für jede Aktie ein elektronisches Orderbuch, in dem zwei Seiten stehen: die Kaufaufträge (Bid) und die Verkaufsaufträge (Ask). Auf der Kaufseite sind alle Gebote nach Preis sortiert, höchstes Gebot oben. Auf der Verkaufsseite ebenso, niedrigstes Angebot oben. Die Differenz zwischen dem höchsten Kaufgebot und dem niedrigsten Verkaufsangebot heißt Spread – je liquider eine Aktie, desto enger der Spread. Bei einer SAP-Aktie im XETRA-Handel beträgt er oft nur einen Cent, bei selten gehandelten Nebenwerten können es mehrere Prozent sein.

Sobald sich ein Kaufgebot und ein Verkaufsangebot auf demselben Preis treffen, kommt ein Abschluss zustande. Dieser letzte Abschluss ist der aktuelle Kurs. Der nächste Handel kann bereits Millisekunden später zu einem anderen Preis stattfinden – in modernen Märkten ist das der Normalfall.

Market Maker, Auktionen und der Alltag der Preisbildung

An deutschen Börsen läuft der Handel in zwei Modi: kontinuierliche Preisfeststellung (über das Orderbuch während der Handelszeit) und periodische Auktionen (Eröffnung, Mittag, Schluss). In den Auktionen werden über einen festgelegten Zeitraum Orders gesammelt und dann der Preis ermittelt, zu dem der größtmögliche Umsatz zustande kommt. Die Eröffnungsauktion ist deshalb oft volatil: Über Nacht angesammelte Nachrichten und Orders entladen sich in einem einzigen Preis.

Eine wichtige Rolle spielen Market Maker – spezialisierte Händler, die sich verpflichten, jederzeit verbindliche Kauf- und Verkaufskurse für bestimmte Aktien zu stellen. Sie verdienen am Spread und sorgen im Gegenzug dafür, dass auch in ruhigen Phasen überhaupt gehandelt werden kann. Bei den meisten Neobroker-Orders ist es übrigens kein klassischer Börsenplatz, der die Ausführung übernimmt, sondern ein außerbörslicher Handelspartner, der genau diese Market-Maker-Funktion erfüllt. Mehr dazu in unserem Artikel Was bedeutet Best-Execution?

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Schließlich ist zu erwähnen, dass ein erheblicher Teil des heutigen Handelsvolumens nicht mehr von menschlichen Händlern stammt. Algorithmischer Handel – von einfachen Sparplan-Routern bis zu hochspezialisierten Hochfrequenz-Strategien – macht an großen Börsen mittlerweile deutlich mehr als die Hälfte des Umsatzes aus. Für den langfristigen Privatanleger ändert das nichts Wesentliches: Der faire Wert einer Aktie bildet sich immer noch aus Fundamentaldaten, Algorithmen beschleunigen nur die Reaktion darauf.

Was den Kurs wirklich bewegt

Die Kursbildung selbst ist nur die Technik. Die Frage ist: Warum kaufen und verkaufen Menschen (und Maschinen) überhaupt? Die Antworten lassen sich in drei Gruppen ordnen.

Die allgemeine Wirtschaftslage. Konjunktur, Zinsen, Inflation und Arbeitsmarktdaten wirken auf alle Aktien gleichzeitig. Wenn die Europäische Zentralbank oder die US-Notenbank ihre Leitzinsen ändert, reagieren Märkte oft innerhalb von Sekunden. Ein steigender Leitzins macht Anleihen relativ attraktiver – Aktien müssen diesen Wettbewerb um Kapital aushalten und geben in der Regel nach. Sinkende Zinsen wirken umgekehrt. Diese makroökonomische Ebene erklärt den größten Teil der Bewegungen breiter Indizes wie des DAX 40 oder des S&P 500.

Die Lage des einzelnen Unternehmens. Umsatz, Gewinn, Verschuldung, Marktanteile, Konkurrenzsituation, Management – alles Faktoren, die bestimmen, wie viel eine Aktie tatsächlich wert ist. Jedes Quartal legen börsennotierte Unternehmen ihre Zahlen offen; diese „Earnings Season“ ist regelmäßig die volatilste Phase für Einzelwerte. Eine enttäuschende Quartalszahl kann eine Aktie innerhalb weniger Minuten um 10 oder 15 Prozent bewegen, eine positive Überraschung ebenso in die andere Richtung.

Die Zukunftserwartung. Und genau hier liegt der entscheidende Punkt: Der Börsenkurs ist niemals ein Spiegel der Gegenwart, sondern immer der Erwartung. Wer heute eine Aktie kauft, bezahlt für die künftigen Gewinne, die das Unternehmen voraussichtlich erwirtschaften wird. Deswegen erscheinen Aktienmärkte manchmal paradox: Ein Unternehmen meldet ordentliche Zahlen, aber weniger als der Markt erwartet hatte – und der Kurs fällt trotzdem. Die berüchtigte Gewinnwarnung ist nichts anderes als ein Absenken dieser Erwartung: Das Unternehmen teilt mit, dass das Jahresziel nicht gehalten werden kann, und der Kurs passt sich sofort an die neue Erwartungslage an.

Märkte reagieren nicht rational

Wer diese drei Ebenen verstanden hat, könnte auf die Idee kommen, Kursbewegungen wären im Grunde ein Rechenspiel. Sie sind es nicht. Aktienmärkte werden von Menschen gemacht, und Menschen handeln nicht selten gegen ihre eigenen rationalen Interessen. Angst und Gier sind die zwei Kräfte, die kurzfristige Übertreibungen in beide Richtungen erklären – und oft die wichtigsten Fehlerquellen in einem langfristigen Anlegerleben.

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Drei moderne Lehrstücke zeigen das in Reinform.

Die Finanzkrise 2008. Zwischen Herbst 2007 und März 2009 verlor der DAX rund 55 Prozent seines Wertes. Manche Einzelaktien fielen auf ein Zehntel ihres vorherigen Kurses. Wer in diesem Moment verkaufte, realisierte Verluste, die sich nie wieder aufholen ließen. Wer durchhielt oder sogar nachkaufte, hatte innerhalb von etwa vier Jahren alle Verluste wieder aufgeholt und lag wenige Jahre später deutlich im Plus.

Der COVID-Crash 2020. Im März 2020 brachen die Weltmärkte innerhalb von nur fünf Wochen um rund ein Drittel ein, als die Tragweite der Pandemie klar wurde. Anders als 2008 folgte aber eine rasche V-förmige Erholung: Bereits im August 2020 hatten die US-Indizes neue Allzeithochs erreicht. Der 2020er Crash ist die wichtigste Lektion dafür, wie schnell Märkte die Richtung wechseln können – und wie teuer es wird, in solchen Momenten zu verkaufen.

Die Zinswende 2022. Anders als 2008 und 2020 war 2022 kein klassischer Crash, sondern ein schleichender Drawdown über das gesamte Jahr hinweg. Weltweit verloren breite Aktien- und Anleihenindizes gleichzeitig an Boden, als die Notenbanken nach Jahren der Nullzinspolitik die Leitzinsen schnell und deutlich anhoben. Die Besonderheit: Aktien und Anleihen fielen gemeinsam, was das klassische „ausgewogene“ Portfolio wehrlos machte. Wer diese Lehre mitnimmt, versteht, warum die Diversifikation über Anlageklassen allein kein Allheilmittel ist.

Der rote Faden aller drei Episoden: Wer die kurzfristigen Launen des Marktes zur Kenntnis nimmt, ohne auf sie zu reagieren, kommt besser weg als der, der jeder Schlagzeile folgt.

Was das für Sie als Kleinanleger heißt

Kursbewegungen entstehen aus einer Mischung aus rationalen Fundamentaldaten und irrationaler menschlicher Reaktion. Für Privatanleger hat das drei praktische Konsequenzen: Erstens ist der Versuch, den richtigen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt zu treffen („Market Timing“), für die allermeisten nicht gewinnbringend. Zweitens sind die größten Verluste im Anlegerleben meistens emotionale Verluste – also Verkäufe nach einem Crash, Rückkäufe nach der Erholung. Drittens ist die stabilste Strategie nicht, gegen die Launen des Marktes anzukämpfen, sondern sie durch einen ausreichend langen Anlagehorizont auszusitzen.

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Wer diesen Ansatz verfolgen will, braucht dafür einen Broker, der einen günstigen und unkomplizierten Zugang zu den Märkten bietet. Bei Trade Republic kosten Einzelorders einen Euro, ETF-Sparpläne sind gratis – ideal für Einsteiger, die den Kurs nicht ständig beobachten wollen. Scalable Capital bietet in der Free-Broker-Variante ähnliche Konditionen mit etwas breiterem Handelsuniversum. Eine vollständige Gegenüberstellung finden Sie in unserem Depotkonto-Vergleichsrechner.

FAQ

Warum ändert sich der Aktienkurs auch, wenn sich am Unternehmen nichts geändert hat?
Weil der Kurs nicht nur vom Unternehmen abhängt, sondern auch von allgemeinen Faktoren: Zinsen, Wechselkurse, Branchentrends, Marktstimmung. Ein Anstieg der US-Leitzinsen kann deutsche Technologieaktien bewegen, ohne dass sich an der konkreten Firma irgendetwas geändert hat.

Warum fällt eine Aktie manchmal nach guten Zahlen?
Weil die Erwartungen bereits höher waren als das tatsächliche Ergebnis. Der Kurs spiegelt immer die Zukunftserwartung, nicht die Vergangenheit. Wenn ein Unternehmen 10 Prozent Gewinnwachstum meldet, der Markt aber 15 Prozent eingepreist hatte, fällt die Aktie – obwohl das Geschäft gut läuft.

Was ist der Unterschied zwischen Kurs und Wert?
Der Kurs ist der aktuelle Marktpreis, der Wert ist der geschätzte faire Preis auf Basis der Unternehmenszahlen. Kurz- und mittelfristig können die beiden weit auseinanderliegen. Langfristig nähert sich der Kurs dem Wert an – die zentrale Annahme aller wertorientierten Anleger.

Kann man als Kleinanleger den Aktienkurs beeinflussen?
In der Regel nein. Bei großen Standardwerten wie SAP oder Siemens werden täglich Millionen Aktien gehandelt; eine einzelne Privatorder ist ein Tropfen im Ozean. Bei sehr kleinen Nebenwerten mit geringem Handelsvolumen kann eine größere Order allerdings den Kurs tatsächlich kurzfristig bewegen.

Warum schwanken Aktien stärker als Anleihen?
Weil Aktionäre am Restrisiko des Unternehmens sitzen. Anleihen zahlen feste Zinsen und werden bei Fälligkeit zurückgezahlt – solange das Unternehmen nicht insolvent wird. Aktienrenditen hängen dagegen vom Unternehmenserfolg ab, der ständig neu bewertet wird. Schwankungen sind daher natürlicher Teil des Aktieninvestments, nicht ein Ausnahmezustand.

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  1. Pingback: Folge 34 - Die ultimative Aktien-Zusammenfassung | DieKleinanleger.com

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