Folge 69 – Exchange Traded Fund (ETF) (Fonds #18)

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Folge 69 – Exchange Traded Fund (ETF) (Fonds #18)

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Als wir den ursprünglichen Erklärartikel zu ETFs vor über zehn Jahren verfasst haben, war unsere damalige Schlussfolgerung: „Bei einem ETF ist kein Sparplan möglich, also alle paar Monate per Einmalkauf umschichten.“ Heute, im Jahr 2026, ist genau das Gegenteil der Fall — der ETF-Sparplan ab einem Euro ist zum Standardweg für den privaten Vermögensaufbau geworden. Höchste Zeit für ein gründliches Update dieses Beitrags.

Was ist ein ETF?

Ein ETF — Exchange Traded Fund — ist eine besondere Art von Investmentfonds, die direkt an der Börse gehandelt wird. Während ein klassischer Investmentfonds einmal täglich von der Fondsgesellschaft zu einem Einheitspreis ausgegeben und zurückgenommen wird, kaufen und verkaufen Sie ETF-Anteile genauso wie eine Aktie — über Ihren Broker, fortlaufend während der Handelszeiten, zu sich ständig ändernden Kursen.

In den allermeisten Fällen bilden ETFs einen Index ab, etwa den MSCI World, den DAX oder den S&P 500. Statt aktiv zu versuchen, einzelne aussichtsreiche Aktien herauszupicken, kauft der ETF schlicht alle Wertpapiere des zugrundeliegenden Index in der entsprechenden Gewichtung. Dieser passive Ansatz ist der Grund, warum ETFs deutlich günstiger sind als klassische, aktiv gemanagte Fonds.

Wie funktioniert ein ETF? Börsenhandel und Nettoinventarwert

Der ETF-Kurs entsteht — anders als bei klassischen Fonds — durch Angebot und Nachfrage an der Börse. Damit dieser Kurs nicht beliebig vom Wert der enthaltenen Wertpapiere abweicht, gibt es einen Mechanismus mit sogenannten Authorized Participants: Großhändler, die jederzeit ETF-Anteile gegen die zugrundeliegenden Wertpapiere tauschen können und so dafür sorgen, dass der Börsenkurs sehr nahe am tatsächlichen Wert des Fondsvermögens — dem Nettoinventarwert (NAV) — bleibt. Für Sie als Anleger heißt das: Der Preis, den Sie für einen ETF-Anteil zahlen, entspricht in der Praxis fast immer dem fairen Wert der enthaltenen Wertpapiere.

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Wichtig zu wissen: ETF-Vermögen ist Sondervermögen. Geht der Fondsanbieter pleite, gehören die im ETF enthaltenen Wertpapiere weiterhin Ihnen — sie sind vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Das ist ein zentraler Sicherheitsvorteil gegenüber Zertifikaten oder anderen Bankprodukten, bei denen im Insolvenzfall Totalverlust droht.

ETF vs. klassischer Investmentfonds

MerkmalETFKlassischer Fonds
Managementpassiv (Index)meist aktiv
Laufende Kosten (TER)0,07–0,25 % p.a.1,0–2,0 % p.a.
Ausgabeaufschlagkeiner0–5 %
Handelfortlaufend an der Börseeinmal täglich über die Fondsgesellschaft
Sparplanab 1 €, oft kostenlosmöglich, oft mit Aufschlag
Performance vs. Indexbildet Index nahezu identisch abschlägt Index langfristig in ~10–15 % der Fälle

Die letzte Zeile ist die entscheidende: Über einen Zeitraum von zehn Jahren oder mehr schaffen es nach Daten der SPIVA-Studien nur etwa zehn bis fünfzehn Prozent der aktiv gemanagten Aktienfonds, ihren Vergleichsindex nach Kosten zu schlagen. Anders ausgedrückt: Wer auf einen aktiven Fonds setzt, hat statistisch eine deutliche Mehrheit gegen sich.

ETF-Sparplan — der Standardweg 2026

Hier liegt die größte Veränderung seit der ursprünglichen Fassung dieses Artikels: ETF-Sparpläne, die 2013 noch eine Rarität waren, sind heute zum Massenstandard geworden. Bei modernen Neobrokern wie Trade Republic richten Sie einen ETF-Sparplan in wenigen Minuten ein, sparen wahlweise schon ab einem Euro pro Monat und zahlen für die Sparplan-Ausführung in der Regel keine Gebühren.

Die früher gängige Strategie — Geld auf einem Tagesgeldkonto ansparen und zweimal im Jahr in einem größeren Block in einen ETF umschichten — ist damit praktisch obsolet geworden. Der monatliche Sparplan hat zwei entscheidende Vorteile: Erstens entfällt die Markttiming-Frage („Ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt?“), weil Sie automatisch in jeder Marktphase kaufen — den sogenannten Cost-Average-Effekt nehmen Sie quasi nebenbei mit. Zweitens bauen Sie eine Spar-Routine auf, die ohne Disziplin auskommt: einmal eingerichtet, läuft sie von selbst weiter.

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Eine vollständige Übersicht aller relevanten Broker und ihrer Sparplan-Konditionen finden Sie in unserem Broker-Vergleich.

Welche ETFs eignen sich für Einsteiger?

Wer noch nie in ETFs investiert hat und möglichst breit diversifiziert starten möchte, kommt an drei Indizes kaum vorbei:

  • MSCI World — etwa 1.400 große und mittelgroße Aktien aus 23 Industrieländern. Klassiker für den langfristigen Vermögensaufbau, mit US-Schwergewicht (rund 70 Prozent).
  • FTSE All-World — über 4.000 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Breiter aufgestellt als der MSCI World, weil er China, Indien oder Brasilien direkt einschließt.
  • S&P 500 — die 500 größten US-Unternehmen. Schmaler als die Welt-Indizes, aber historisch eine sehr starke Performance.

Für den Einstieg ist ein einziger Welt-ETF in den meisten Fällen die einfachste und sinnvollste Lösung. Mehrere ETFs zu kombinieren ergibt erst Sinn, wenn Sie gezielt Regionen oder Themen über- oder untergewichten möchten — und das setzt voraus, dass Sie wissen, warum.

Worauf Sie beim ETF-Kauf achten sollten

Vier Kennzahlen sollten Sie kennen, bevor Sie sich für einen konkreten ETF entscheiden:

  • Total Expense Ratio (TER) — die laufenden jährlichen Kosten. Bei breit gestreuten Welt-ETFs liegt sie heute zwischen 0,07 und 0,25 Prozent. Alles darüber sollte einen guten Grund haben.
  • Fondsvolumen — ETFs unter 100 Millionen Euro Fondsvolumen sind anfälliger dafür, vom Anbieter wieder geschlossen zu werden. Ab 500 Millionen sind Sie auf der sicheren Seite.
  • Replikationsmethodephysisch (der ETF kauft die Wertpapiere tatsächlich) oder synthetisch (der ETF bildet den Index über ein Tauschgeschäft mit einer Bank ab). Für die meisten Privatanleger sind physisch replizierende ETFs die transparentere Wahl.
  • Ausschüttend oder thesaurierend — schüttet der ETF die Dividenden aus oder reinvestiert er sie automatisch? Für den langfristigen Vermögensaufbau ist ein thesaurierender ETF meist die einfachere Lösung, weil der Zinseszinseffekt automatisch wirkt.
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Häufige Fragen zu ETFs

Was kostet ein ETF im Jahr?
Die laufenden Kosten eines ETFs werden über die Total Expense Ratio (TER) ausgewiesen und liegen bei breit gestreuten Welt-ETFs zwischen 0,07 und 0,25 Prozent pro Jahr. Diese Kosten werden direkt aus dem Fondsvermögen entnommen — Sie sehen sie also nicht als separate Gebühr, sondern sie schmälern die Wertentwicklung minimal.

Sind ETFs bei einer Insolvenz des Anbieters sicher?
Ja. ETF-Vermögen ist gesetzlich als Sondervermögen geschützt. Sollte der Fondsanbieter pleitegehen, fließen die im ETF enthaltenen Wertpapiere nicht in die Insolvenzmasse, sondern bleiben Eigentum der Anleger.

Thesaurierend oder ausschüttend — was ist besser?
Für den langfristigen Vermögensaufbau ist ein thesaurierender ETF meist die einfachere Wahl, weil Dividenden automatisch reinvestiert werden und der Zinseszinseffekt voll wirkt. Wer aus seinem Depot regelmäßige Erträge entnehmen möchte — etwa als Zusatzeinkommen im Ruhestand — ist mit einem ausschüttenden ETF besser bedient.

Kann ich mit einem einzigen ETF wirklich ausreichend diversifiziert sein?
Für die meisten Privatanleger: ja. Ein ETF auf den FTSE All-World enthält über 4.000 Unternehmen aus 49 Ländern. Eine breitere Streuung lässt sich mit einem einzigen Wertpapier kaum erreichen. Wer Wert auf zusätzliche Anlageklassen legt, kann diesen Welt-ETF um Anleihen-ETFs, Gold oder Immobilien ergänzen.

Welcher Broker eignet sich für ETF-Sparpläne?
Für Einsteiger sind Trade Republic und Scalable Capital die naheliegende Wahl — beide bieten kostenlose ETF-Sparpläne ab einem Euro und eine breite Auswahl. Eine vollständige Übersicht finden Sie in unserem Broker-Vergleich.

Weiterführende Links

3 Comments

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