DAX-Höchststände – die falsche Betrachtung

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DAX-Höchststände – die falsche Betrachtung

In den letzten Tagen jubelten Aktienbesitzer – der Deutsche Aktienindex DAX erreichte im Vorfeld der EZB-Entscheidung über Anleihekäufe immer neue Höchststände. Gut möglich, dass sich der Aufwärtstrend nach der offiziellen Verkündigung des Kaufprogramms auch in der nächsten Zeit fortsetzt. Doch sind die aktuellen DAX-Rekorde wirklich ein Anlass für Euphorie?

Im Fokus: der DAX-Performance-Index

Tatsächlich zeigt der DAX, auf den sich die öffentliche Berichterstattung normalerweise bezieht, ein verzerrtes Bild. Denn es handelt sich um einen sogenannten Performance-Index. Bei diesem Index-Typ werden Gewinnausschüttungen mit in die Berechnung einbezogen. Dabei wird unterstellt, dass die im Zeitablauf ausgezahlten Dividenden immer wieder in den Index-Werten angelegt werden. Ein Performance-Index gibt daher keine Auskunft über die Entwicklung des Kursniveaus, sondern über den Anlageerfolg. Wenn man so will, ist dabei ein gewisser Aufstiegsautomatismus entsprechend dem Vermögensbildungseffekt von wiederangelegten Ausschüttungen eingebaut.

Ein Performance-Index benötigt gemäß seinem Konstruktionsprinzip eine Ausgangsbasis, von der aus der Anlageerfolg berechnet wird. Beim DAX ist das der 31.12.1987, für dieses Datum wurde der Ausgangswert auf 1000 Punkte festgelegt. Erstmals ermittelt wurde der DAX am 1. Juli 1988 mit einem Indexwert von 1163,52 Punkten. Ein DAX-Wert in der Größenordnung von über 10.000 Punkten – wie aktuell – bedeutet daher, dass sich ein Vermögen, das fiktiv Ende 1987 dem Index entsprechend in DAX-Aktien investiert worden wäre, bis heute mehr als verzehnfacht hätte.

Deutlich vom Höchststand entfernt: DAX-Kursindex

Weniger im Blickpunkt der Öffentlichkeit ist dagegen der DAX, der als Kursindex berechnet wird. Auch er wird börsentäglich ermittelt und veröffentlicht. Der Kursindex gibt den gewichteten Durchschnittswert der im DAX enthaltenen Aktien wieder und ist daher der eigentliche Indikator für die Kursentwicklung. Zwischenzeitliche Dividendenausschüttungen spielen bei ihm keine Rolle. Der DAX-Kursindex hat sich – bedingt durch den fehlenden Vermögensbildungseffekt – weniger dynamisch entwickelt als der DAX-Performance-Index. Er liegt – vom gleichen Ausgangsniveau ausgehend – derzeit bei gut 5.300 Punkten.

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Wenn man den DAX-Kursindex zugrunde legt, befinden sich die deutschen Blue Chips keineswegs auf dem Höchststand. Das jetzige Kursniveau entspricht in etwa dem unmittelbar vor der Finanzkrise Mitte 2007. Und vom historischen Höchststand am 7. März 2000, als der DAX-Kursindex bei über 6.100 Punkten lag, sind wir noch ein gutes Stück entfernt.
Kleinanlegern, die an einen weitern Anstieg des DAX glauben, empfehlen wir mittels eines DAX-Indexfonds kostengünstig und mit geringem Mindestkapitalbedarf zu investieren. Wie das geht, haben wir hier beschrieben.

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