Discount Zertifikate: Gibt’s da was für lau?

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Discount Zertifikate: Gibt’s da was für lau?

Angeblich sind Discount-Zertifikate Anlageprodukte „speziell für Privatanleger“. Sieht man sich die Gestaltung dieser Produkte an, schwingt da irgendwie ein wenig Abwertendes mit. Demzufolge ist ein hervorstechender Zug von Privatanlegern dann, alles immer einfach billiger kaufen zu wollen – und ein weiterer Zug, kein echtes Interesse am wirklich „großen“ Gewinn zu haben. Das ist natürlich ausgemachter Blödsinn. Discount Zertifikate können ihre Vor- und Nachteile haben. Wer sie erwirbt ist dabei egal. Wir haben uns diesen angeblichen „Liebling der Privatanleger“ einmal etwas näher angesehen.

Das Funktionsprinzip von Discount Zertifikaten

Der Definition nach sind Discount Zertifikate zunächst einmal derivative Finanzprodukte. Das ist aber mehr eine theoretische Einordnung, die uns vorerst einmal nicht viel darüber sagt, wie Discount Zertifikate überhaupt aufgebaut sind.

Wenn es um die Funktionsweise von Discount Zertifikaten geht, sind grundsätzlich zwei Dinge wichtig:

  • die Rabattierung und
  • der Cap

Die Rabattierung bezieht sich darauf, dass man eine Aktie zunächst einmal günstiger kaufen kann. Wenn also eine Aktie einen aktuellen Wert von – nehmen wir als Beispiel 12,75 EUR – hat, können Sie diese Aktie – auch wieder beispielhaft – für 11,25 EUR kaufen. Das macht natürlich Freude – nicht nur dem Privatanleger sondern im Prinzip jedem Anleger. Wenn man etwas zu einem Preis kauft, der unter seinem eigenen Wert liegt, bedeutet das prinzipiell einmal einen Gewinn.

Von dieser Rabattierung abgeleitet wird auch die „besondere Eignung für Privatanleger“. Die Bankmenschen denken dabei, das Hauptziel von gewöhnlichen Privatpersonen (die nicht Banker, Unternehmer oder Großinvestoren sind) liegt allein darin, den ganzen Tag über irgendwo Schnäppchen zu jagen – und zu sehen, dass man das, was man kauft, noch billiger bekommt. Immerhin haben ja Discounter gegenüber den gewöhnlichen Supermärkten meist deutlich mehr Kundenfrequenz – und die Preisvergleichs-Plattformen erfreuen sich auch hohen Zulaufs.

Diese Weltsicht ist fast schon ein wenig beleidigend – aber sie stammt immerhin von Bankern, die gerne ein wenig herablassend auf das gewöhnliche Volk zu blicken pflegen. Immer ein bisschen ignorierend, dass für den Mist, den sie bauen, dann nicht selten das gesamte „primitive“ Volk mit seinen Steuergeldern gerade steht, damit sie morgen auch noch einen Job haben und weiter neue Finanzprodukte für die doofe Masse kreieren können.

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Natürlich hat die ganze Sache einen großen Haken – und der liegt genau im zweiten grundlegenden Teil von Discount Zertifikaten, dem Cap. Wie in vielen anderen Bereichen auch, ist der Cap auch hier ein Deckel – und zwar auf den Gewinn.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Aktie ist zwar billiger, dafür ist dann aber der mögliche Gewinn begrenzt. Und zwar teilweise ziemlich massiv. Ziehen wir unser Beispiel von vorhin noch einmal heran, bedeutet das beispielsweise: Die Aktie hat einen aktuellen Wert von 12,75 EUR, wir können sie für 11,25 EUR kaufen, der Cap liegt aber bei 14 EUR. Das bedeutet: Wenn die Aktie einen Höhenflug macht und die 20-EUR-Marke knackt, haben wir davon: GENAU NICHTS. Das muss man erst einmal verdauen. Unser Gewinn ist immer – und das bedeutet immer – auf maximal 14 EUR begrenzt. Egal wie hoch der Wert der Aktie steigt. Dividenden gibt es übrigens auch nicht – die sind dann glatt gestrichen.

Den Bankern zufolge ist das das Discounter-Prinzip: „Man kauft Dinge ein wenig billiger, dafür ist halt die Qualität nicht ganz so hoch“.

In Anbetracht dieser Konstruktionsweise des Zertifikats muss man sich nun natürlich einmal ernsthaft fragen, ob das noch Sinn macht. Schließlich investieren wir ja nicht in bestimmte Aktien, weil wir ohnehin nicht erwarten, dass sie steigen – sondern im Gegenteil, um von einem möglichst starken Anstieg der Aktie möglichst gut zu profitieren. Wir sind ja nicht blöd – selbst wenn wir bei Lidl einkaufen.

Die Vor- und Nachteile von Discount Zertifikaten kritisch betrachtet

Man muss nun einmal beide Seiten einander ernsthaft gegenüberstellen – und abwägen. Auf der einen Seite haben wir einen leichten Gewinn beim Kauf der Aktie gemacht. Dieser minimale Gewinn (Discount) im Vorfeld hilft später, unsere Verluste zu begrenzen – und zwar genau im Ausmaß des Preisnachlasses, den wir erhalten haben. Das ist nicht allzu viel, wenn die Aktie später kursmäßig massiv nach unten rutschen oder gar abstürzen sollte, rettet uns das in keiner Weise. Unsere Verluste fallen nur minimal geringer aus.

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Umgekehrt machen wir aber jedes Mal, wenn die Aktie über den Cap-Wert steigt, einen Verlust. Wir bekommen dann nicht mehr den vollen Gewinn, sondern eben nur maximal unseren Cap. Je nachdem, wie der Cap-Wert liegt, kann das im Verlauf der üblichen Schwankungen, vor allem auf den in den letzten Jahren sehr volatilen Märkten, in Summe einen beträchtlichen Gewinnentgang für uns bedeuten. Anders betrachtet: Liegt der Aktienkurs auch nur einmal um den selben Betrag höher als der Discount ausmacht, haben wir unseren anfänglichen Vorteil bereits neutralisiert. Bei jedem weiteren Mal, wo die Aktie darüber klettert, machen wir bereits Verlust – den wir hätten vermeiden können, wenn wir ganz einfach die Aktie selbst ohne Discount gekauft hätten. Und bei Aktien mit grundsätzlich steigendem Trend oder einem anzunehmenden Anstieg wird das unweigerlich passieren (in andere Aktien würde doch ohnehin keiner freiwillig investieren wollen, oder?). Denn wenn Aktien steigen, dann steigen sie meist längerfristig und der Kurs erhöht sich für eine ganze Weile kontinuierlich.

Rein rechnerisch bringt uns der Discount also nicht viel: er schützt uns nicht vor Verlusten und er bringt uns nur einen minimalen „Einkaufsvorteil“ am Anfang, der sich bei den meisten wertvollen Aktien wahrscheinlich sehr schnell neutralisiert. Danach kommen dann nur noch Verluste. Und selbst der (erzwungene) Verzicht auf eine Dividende allein kann bereits im ersten Jahr den Rabatt neutralisieren oder einen Verlust verursachen.

Spiele mit der Länge der Laufzeit bringen hier nur wenig – je länger die Laufzeit, desto größer das Risiko, Verluste einzufahren, da die Chance, dass die Aktie über den Cap-Wert steigt, dann umso größer wird. Die Summe der eingetretenen Verluste ist dann bei langer Laufzeit noch deutlich höher. Zusätzlich sinkt auch die Höhe des Discounts kontinuierlich mit der Länge der Laufzeit, was den Nachteil dabei noch erhöht. Kurze Laufzeiten bringen dagegen bei Stockpicking-Ansätzen und beim Investieren in Einzelaktien generell nur sehr wenig, wenn man nicht gerade Daytrading betreibt, weil das Kursrisiko einfach sehr hoch ist und sich erst mittelfristig betrachtet etwas relativiert.

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Damit würde sich also höchstens eine mittelfristige Laufzeit anbieten – dabei ist aber das Risiko, durch den Cap Verluste zu erleiden, bereits sehr hoch.

Wiegt man Vor- und Nachteile auf diese Weise gegeneinander auf, kann man also am Ende keinen echten, wirksamen Vorteil erkennen. Ganz egal, welche Laufzeit man wählt. Seine Gewinne zu begrenzen ist gerade am Aktienmarkt eine sehr schlechte Idee – denn genau die sind es ja, die mit einer langfristigen Perspektive die unvermeidlich immer wieder eintretenden kleineren Verluste auf lange Sicht wieder aufwiegen. Discount Zertifikate führen also das Prinzip jeder vernünftigen Aktienanlage völlig ad absurdum.

Fazit

Warum Discount Zertifikate besonders für Privatanleger geeignet sein sollen, erschließt sich uns nicht. Außer man hält die Anleger ganz allgemein für ziemlich dumm, unfähig zu rechnen und eigentlich nicht interessiert an vernünftigen Gewinnen. Aus rein anlagetechnischer Sicht ist es völlig unsinnig, seine eigenen Gewinne begrenzen zu wollen, um dafür einen minimalen Kaufrabatt zu erhalten.

Warum Discount Zertifikate so gehyped werden, kann eigentlich niemand verstehen, der seinen Taschenrechner benutzen kann. Der lässt dann die ganze Werbung für Discount Zertifikate sehr schnell sehr blöd aussehen.

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