Ethisches und nachhaltiges Investieren – Teil 4.4. GABV-Banken im deutschsprachigen Raum

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Ethisches und nachhaltiges Investieren – Teil 4.4. GABV-Banken im deutschsprachigen Raum

Im vorangegangenen Teil unserer Serie haben wir uns angesehen, wie ethisches Banking in der Praxis aussehen könnte – wenn es von einer Bank in der etablierten Bankenwelt konsequent und mit Engagement betrieben wird. Wir haben dabei vor allem die Bochumer GLS-Bank und ihren Ansatz sehr eingehend betrachtet – eine Bank, die sich um ethisches Banking sicherlich verdient gemacht hat und einen sehr umfassenden Ansatz verfolgt, der viele Aspekte des ethischen Bankings mit abdeckt. Aus diesem Grund eignet sie sich gut als Vergleichsmaßstab. Sie ist natürlich nicht die einzige Bank in diesem Segment, einige weitere wollen wir in diesem Beitrag näher beleuchten.

Transparenz als wichtigstes Kriterium

Schon bei Fonds und auch bei direkten Einzelinvestments haben wir gesehen, wie wichtig eigentlich Transparenz für uns aus Kleinanlegersicht tatsächlich ist. Die zahlreichen Verflechtungen von großen Konzernen, Beteiligungsstrukturen, die oft auch weniger wünschenswerte Unternehmen, etwa aus dem Rüstungsbereich oder der Militärtechnik umfassen und eine generelle Intransparenz beim Geschäftsgebaren stellen uns als Privatanleger vor massive Probleme bei einer ernst gemeinten eigenen Beurteilung. Bei Banken ist es im Grunde genauso: An wen werden Kredite vergeben und wofür? Wie und mit welchen Anlageprojekten refinanziert sich die Bank? Mit wem wird zusammengearbeitet, für wen und bei welchen Projekten ist die Bank Geldgeber?

Gerade im Privatkundengeschäft ist es ja mittlerweile üblich, dass sich so gut wie alle Banken als Partner für die großen und kleinen Nöte von Familien, als finanzieller Absicherer und als wichtigster Helfer beim Verwirklichen der eigenen Träume positionieren. Das wirkt alles ja auch ganz nett, ist aber eben nur Werbung. Auch der Waffenhersteller hilft einem auf gewisse Weise „bei der Durchsetzung echter eigener Interessen und beim Schutz und der Gewährung von Sicherheit für die eigene Familie und den eigenen Lebensentwurf“. Immer so, wie man es gerade betrachten möchte. Formulierungen sind immer dehnbar und man sollte möglichst genau hinsehen und immer tatsächliche, harte Fakten prüfen – sofern man die Gelegenheit dazu hat.

Selbst bei kleinen Banken kann man im Übrigen davon ausgehen, dass sie eine beträchtliche Menge an Geschäft bewältigen und eine nicht geringe Menge Geld für ganz unterschiedliche Dinge bereitstellen. Das wird sehr schnell unüberschaubar, wenn man dann auch noch die Verflechtungen mit anderen Instituten und dem Bankenverbund betrachtet, zu dem die Bank meist auch noch gehört. Wenn es um nachhaltiges und ethisches Banking geht, sind wir als Kleinanleger also immer darauf angewiesen, dass die Bank von sich aus möglichst viel Transparenz anbietet.

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Ethische und nachhaltige Banken in der Übersicht

Wie schon erwähnt ist die GLS Bank in Bochum nicht die einzige Bank, die sich transparentem, ethischem und nachhaltigem Banking verschrieben hat. Sie ist Mitglied eines sehr interessanten Verbunds, der Global Alliance for Banking on Values (GABV), der insgesamt 54 Banken weltweit umfasst, die möglichst ausschließlich soziale, ökologische und kulturelle Projekte gezielt unterstützen wollen.

Die meisten dieser Banken befinden sich außerhalb Mitteleuropas, viele in den USA und Kanada, einige sogar in Bangladesch und Indien.

Im deutschsprachigen Raum gibt es dabei aber drei ganz interessante Banken: Die Triodos Bank, die auch eine Niederlassung in Deutschland und eine in Österreich unterhält, die Freie Gemeinschaftsbank und die Alternative Bank Schweiz. Diese drei Banken wollen wir uns einmal kurz näher ansehen.

Triodos Bank

Die Zentrale der Triodos Bank N.V. befindet sich in Zeist in den Niederlanden. Niederlassungen gibt es in Deutschland, Spanien, Großbritannien, Belgien und Frankreich. Wie auch bei der GLS Bank liegt das Gründungsdatum schon eine ganze Weile zurück – die Triodos Bank gibt es bereits seit 1980.

Verglichen mit der GLS Bank ist die Triodos Bank noch deutlich größer. Das Geschäftsvolumen liegt bei über 12 Milliarden Euro. Innerhalb Europas wird fast eine Dreiviertel Million Kunden betreut.

Die Kundengelder werden bei der Triodos Bank ausschließlich an die Realwirtschaft vergeben. Welche Organisationen und Projekte förderungswürdig sind, entscheidet das Unternehmen dabei selbst. Die Bank selbst versucht dabei auch möglichst nachhaltig zu sein. So wird in Deutschland beispielsweise Strom ausschließlich von der Naturstrom AG bezogen.

Das Spektrum an Dienstleistungen bei der Triodos Bank ist komplett und entspricht dem gewöhnlicher etablierter Banken. Es reicht von allen üblichen Bankdienstleistungen über Fondsmanagement und Depotgeschäft bis hin zur Unternehmensfinanzierung, dem Beteiligungskapitalgeschäft und banktechnischer Leistungen im Projektmanagement. Die Triodos Bank hat auch einige nachhaltige Investmentfonds aufgelegt, die sie in Deutschland vertreibt und für die strenge Ausschluss-Kriterien angelegt werden und bei denen eine sehr hohe Transparenz angestrebt wird. In Deutschland arbeitet Triodos dabei als Direktbank.

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Interessant ist für Privatanleger auch, sich an der Bank selbst zu beteiligen. Das ist über die Stiftung zur Verwaltung der Triodos Bank (SAAT) möglich, über die man sogenannte aktienähnliche Rechte erwerben kann. Damit erhält man auch ein Stimmrecht. Das Stimmrecht ist pro Aktionär auf 1.000 Stimmen begrenzt. Damit wird eine zu starke Übergewichtung der Interessen möglicher institutioneller Anleger von vornherein vermieden.

Alternative Bank Schweiz

Einen sehr hohen Transparenzstandard weist die Alternative Bank Schweiz AG (ABS) mit Sitz in Olten auf. Ziel der Bank ist klar nicht die Gewinnmaximierung, sondern vor allem die Projektförderung, die dabei auf acht Kernbereiche konzentriert ist. Dazu gehören unter anderem erneuerbare Energien, biologische Landwirtschaft und ökologisches Bauen und Renovieren, aber auch Gesundheit und Prävention. In diesen Förderbereichen werden auch vergünstigte Kredite für Projekte angeboten, die Namen der Kreditnehmer und der Verwendungszweck werden immer veröffentlicht.

Mit einem Volumen von rund 1,8 Milliarden Schweizer Franken ist die Bank ein kleinerer Vertreter im Bereich der nachhaltigen Banken, die Leistungen im Bereich Sparen, Anlegen und Finanzieren können sich aber dennoch sehen lassen.

Auch der selbst verordnete Auftrag, Menschen vor allem im Rahmen der eigenen Öffentlichkeitsarbeit möglichst für den sinnvollen Umgang mit Geld zu sensibilisieren, gehört zu den Markenzeichen der Alternativen Bank Schweiz. Inhouse versucht man vor allem, eine möglichst demokratische Personalpolitik, einen hohen Grad an Mitspracherechten für die Arbeitnehmer und eine möglichst absolute Chancengleichheit für beide Geschlechter zu etablieren und umzusetzen. Im Verwaltungsrat der Bank sind deshalb beispielsweise maximal 60 % Männer oder Frauen tätig, kein Geschlecht darf einen höhere Zahl von Vertretern im Verwaltungsrat haben.

Ein eher etwas unrühmlicher Punkt ist allerdings, dass die ABS die erste Bank der Schweiz war, die 2015 auch tatsächlich Negativzinsen im Privatkundengeschäft einführte. Das kann man aber auch als transparente Weitergabe von herrschenden Marktbedingungen (in diesem Fall verlangte die Schweizerische Nationalbank Negativzinsen für Privatkunden) an die eigenen Kunden sehen.

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Freie Gemeinschaftsbank

Sehr nahe am ursprünglichen anthroposophischen Gedankengut (der Lehre von Rudolf Steiner) ist die Freie Gemeinschaftsbank Schweiz. Wie der Name schon vermuten lässt, ist sie genossenschaftlich organisiert. Hauptzweck ist auch hier statt der eigenen Gewinnmaximierung vor allem die Förderung gemeinnütziger oder der Allgemeinheit dienender Projekte. Der Gründungsimpuls und die Gründungsgedanken waren im Wesentlichen die gleichen wie auch bei der GLS Bank. Bis die Freie Gemeinschaftsbank in der Schweiz ihre Tätigkeit aufnehmen durfte, dauerte es allerdings bis 1984.

Mit einer Bilanzsumme von lediglich 284 Millionen Schweizer Franken ist die Freie Gemeinschaftsbank mit Abstand die kleinste Nachhaltigkeitsbank im deutschsprachigen Raum. Auch bei den Bankleistungen gibt es deshalb kleinere Einschränkungen, die Freie Gemeinschaftsbank versteht sich vor allem als Anlage- und Kreditbank.

Angeboten werden Spareinlagen und Festgeld, ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Hypothekar-Krediten. Daneben fungiert die Freie Gemeinschaftsbank auch als Treuhänder für außerbilanzliche Anlagen.

Im deutschsprachigen Raum existieren als Mitgliedsbanken des GABV nur diese drei Banken, daneben die GLS Bank. Für den einen oder anderen mag auch noch eine Bank in anderen europäischen Ländern interessant sein, etwa die Banca Etica in Italien oder die Crédit Cooperatif in Frankreich. Daneben gibt es noch Mitgliedsbanken des Verbands im skandinavischen Raum: die Mercur Cooperative Bank in Dänemark, die Ecobanken in Schweden und die Cultura Sparebank in Norwegen. Bei skandinavischen Banken wird allerdings in der Regel verlangt, dass man im Besitz einer nationalen Identitätsnummer ist, wenn man dort ein Konto eröffnen möchte. Diese Nummern werden von den jeweiligen Steuerbehörden ausgestellt und erfordern in der Regel einen Wohnsitz im jeweiligen Land.

Im nächsten Teil unseres Beitrags werfen wir noch einen kurzen Blick auf die nachhaltigen und nach ethischen Prinzipien arbeitenden Banken außerhalb der Global Alliance for Banking on Values (GABV). Lesen Sie also weiter.

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