Das Banking von Morgen und Nachhaltigkeit als Leitmotiv: die Tomorrow App

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Das Banking von Morgen und Nachhaltigkeit als Leitmotiv: die Tomorrow App

Fridays for Future, die lang herbeigesehnte Energiewende, mehr Fairness in der Gesellschaft – unsere Welt von morgen soll ganz eindeutig besser werden. Die Kritik am immer eiskalt kalkulierenden und menschenverachtend agierenden Bankwesen ertönt auch immer häufiger. Ein Startup, das die „Bank von morgen“ sein will, erzeugt dabei reges Interesse bei vielen. Wir haben die Tomorrow Bank und ihre Ziele einmal etwas genauer unter die Lupe genommen.

Wie soll das Banking der Zukunft aussehen?

Sieht man sich den Zulauf bei Fonds für nachhaltige Investments an, scheint das Interesse am nachhaltigen, ökologischen und ethischen Investieren immer noch reichlich mau. Anscheinend ist die zu erwartende Rendite nach wie vor das alles überflügelnde Kriterium. Ethik, Nachhaltigkeit und soziale und ökologische Verträglichkeit der Investments kommen erst sehr weit dahinter in der Reihenfolge der wichtigsten Kriterien – oder gleich gar nicht.

Das FinTech-Startup „Tomorrow“ aus Hamburg will das ändern. Das Konzept sieht nicht nur eine reine Smartphone-Bank vor – sondern auch eine Menge Nachhaltigkeit und soziales und nachhaltiges Engagement. Ohne jetzt den etablierten Banken auf die Füsse treten zu wollen – aber für den Bankenbereich ist eine solche klar erklärte Zielsetzung tatsächlich ein echtes Novum.

Sieht man sich die Resonanz an, die die Geschäftspläne des Startups bereits jetzt erzeugt haben, scheinen tatsächlich viele Menschen darauf anzuspringen und zumindest Interesse am „nachhaltigen Banking“ zu haben. Das ist zumindest einmal etwas, bei dem es sich lohnt, genauer hinzusehen. Ist ein großer Teil unserer Welt über Nacht ganz plötzlich nachhaltigkeitsbewusst geworden?

Modern: die Smartphone-Bank

Erste Versuche, das Girokonto komplett aufs Smartphone zu verlegen, gibt es schon seit einigen Jahren. Viel Erfolg und viel Ruhm war keinem der Startups bisher beschieden, auch wenn der Pionier N26 mit seinem Smartphone Girokonto mittlerweile durchaus einige – mehr oder weniger zufriedene – Kunden, auch in Deutschland, gewinnen konnte.

Technische Probleme, mangelnder Support und immer mal wieder das eine oder andere Ärgernis von Kunden, wenn etwas überhaupt nicht funktionierte, bremsen klar den Erfolg von Banking Apps aus. Auch das hohe Gefühl der Unsicherheit, wenn das eigene Konto nur noch über das Smartphone erreichbar und verwaltbar ist, sind echte Einstiegshürden für Kunden.

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Dennoch möchte „Tomorrow“ auf genau das gleiche Konzept setzen. Im Grunde verwundert das wenig, denn trotz aller Einstiegshürden für Kunden sind Smartphone-Banken gerade ein echter Boom im FinTech-Sektor. Immer mehr Anbieter drängen auf diesen scheinbar verheißungsvollen Markt, die Apps mehren sich von Monat zu Monat.

Durch die Einbindung von Diensten zur Videolegitimation wie das mittlerweile sehr verbreitete IDNow lässt sich die Einrichtung eines Kontos schon in sehr kurzer Zeit – 5 bis 10 Minuten, wenn alles klappt – vollziehen. Auch „Tomorrow“ setzt auf die Zusammenarbeit mit IDNow, bietet von daher nichts grundlegend Neues. Technisch gesehen findet sich in der „Tomorrow“ App also nichts Revolutionäres, sondern mehr oder weniger das, was alle anderen auch verwenden.

Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal

Um sich aus der immer größeren Masse der Banking Apps herauszuheben, setzt „Tomorrow“ allerdings ganz klar und deutlich auf ein heute anscheinend sehr zugkräftiges Schlagwort: Nachhaltigkeit.

Aber wie geht nachhaltiges, ökologisch vertretbares und soziales und ethisches Banking?

„Tomorrow“ versteht das so: Das Geld, das in die Bank gelangt, soll ausschließlich für nachhaltige und ökologische Projekte und Investitionen verwendet werden. Das ist ein hehres Ziel – und bräuchte schon einen sorgsam ausgearbeiteten Ansatz, um diesem Anspruch gerecht zu werden.

Wir wir in einem früheren Beitrag bereits berichtet haben, ist es unglaublich schwer, genau nachzuverfolgen, an welche Unternehmen das eigene Geld bei Investments geht – selbst bei etablierten Banken herrscht da oft kaum die Möglichkeit, detailliert Auskunft zu geben. Und in ganz normalen Investmentfonds stößt man immer wieder auf Unternehmen, die am Ende für die Rüstung arbeiten und Kriegsmaterial herstellen – praktisch alle großen Konzerne tun das zum Teil. Auch wenn man das persönlich als ethisch nicht vertretbar ansieht – kaum jemand mit sozialem Gewissen will von Krieg und Tod profitieren und das mit seinem Investieren auch noch fördern – lässt sich das dennoch nur unter enormen Schwierigkeiten ausschließen. Wie eine Schweizer Initiative deutlich macht, kann man noch nicht einmal hundertprozentig sicherstellen, dass mit dem eigenen Geld am Ende nicht sogenannte geächtete Kriegswaffen (Streubomben, Anti-Personen-Minen und dergleichen Scheußlichkeiten) hergestellt werden.

Man kann sich aber zumindest das Ziel setzen – und das ehrt die „Tomorrow“ App durchaus. Ein Versuch zeigt, dass die Interchange Fee, die bei jedem Bezahlvorgang dem Händler angelastet wird, einem Waldschutzprojekt in Brasilien zugute kommt.

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Das ist immerhin schon einmal löblich – bisher haben Banken eigentlich nichts anderes getan, als diese unvermeidliche Gebühr einfach in die eigene Tasche zu stecken. Auf die Idee, dass man sie auch sinnvoll verwenden könnte, kam vor „Tomorrow“ bisher anscheinend noch niemand.

Auf der Liste der förderungswürdigen Dinge stehen bei „Tomorrow“ erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft und nachhaltiges Bauen, grüne Mobilität und Recycling. Die „Klassiker“ also bei den ethisch positiv besetzten Investments.

Über die Kreditvergabe und auch über die Auswahl von Investmentmöglichkeiten für Kunden sollen nach Angaben der Startup-Betreiber die von den Vereinten Nationen herausgegebenen Nachhaltigkeitsziele entscheiden. Würde also bedeuten, dass jemand, der den nächsten Diesel-PKW auf den Markt bringen will, bei „Tomorrow“ kein Geld leihen kann. Unternehmen, deren ökologischer und sozialer Fußabdruck und deren Unternehmensführung nicht dem entspricht, was sich die Betreiber vorstellen angeblich auch nicht. Korruption und Diskriminierung sind K.O.-Kriterien, wenn es um die Geldleihe oder um ein Investmentangebot bei „Tomorrow“ geht. Unternehmen, die im Bereich Massentierhaltung, Atomkraft oder Waffenproduktion arbeiten, sollen sich damit ebenfalls gleich von vornherein disqualifizieren.

Hier beginnt es, in der Praxis etwas schwierig zu werden, weil das durchaus einige angesehene DAX-Konzerne betrifft, die zwar hauptberuflich etwas anderes machen, aber durchaus das eine oder andere Mal auch Präzisionsteile für Waffen herstellen.

Die großen Pläne für die Zukunft

Eine der großen Ideen der Gründer ist, einen nachhaltigen Lebensstil und einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck der Benutzer belohnen zu wollen.

All die Zahlungen, die man mit der App macht, werden anhand eines nachhaltigen Konsumindex ausgewertet und wer sich hier löblich verhält, soll mit Boni belohnt werden. Zur Zeit ist das allerdings noch Zukunftsmusik – es bleibt erstmal ein Gedanke.

Ob den alle Nutzer tatsächlich so gut finden, lassen wir einmal dahingestellt. Irgendwann muss man schließlich mal tanken, ob man will oder nicht. Sonst bleibt nur noch das Fahrrad. Minuspunkte dafür von der eigenen Bank finden bestimmt nicht alle Nutzer gut – und nicht jeder fühlt sich dazu berufen, nur noch im Bio-Supermarkt einzukaufen. Geht auch gar nicht, wenn man keinen in der Nähe hat.

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Banking als Abenteuer

Um es gleich einmal vorwegzunehmen: Keiner der Gründer kommt aus dem Bankenbereich. Sie sehen die Arbeit an der App und die Entwicklung ihres Projekts als „großes Abenteuer“.

Eine eigene Banklizenz hat „Tomorrow“ auch noch nicht – bislang wird die Lizenz von der Solaris Bank (www.solarisbank.com) gestellt. Das soll sich aber noch ändern. Die staatliche Einlagensicherung greift allerdings auch beim „Tomorrow“ Konto in vollem Umfang – das ist jedenfalls sicher.

Was man mit dem Konto aktuell machen kann, ist Folgendes:

  • ein Girokonto führen
  • eine Debitcard (Visa) nutzen
  • Überweisungen durchführen
  • ein digitales Haushaltsbuch nutzen, das Einnahmen und Ausgaben übersichtlich gegenüberstellt
  • klassische Bank-Funktionen nutzen (Pin ändern, Karten sperren und Ähnliches)

Mehr Funktionen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2018 folgen, Angaben darüber, wie diese Funktionen aussehen und in welche Richtung der zusätzliche Funktionsumfang geht, bleiben aber bislang vage.

Unser Fazit

Natürlich ist „Nachhaltigkeit“ gerade stark im Trend – wir reden praktisch nur noch vom Klimawandel und von nötigen Veränderungen. Dass sie jemand bei einem FinTech-Startup zum zentralen Thema macht, ist aber durchaus neu.

Smartphone-Banking ist sicherlich ein interessanter Ansatz. Ob er tatsächlich das „Banking von morgen“ ist, wird allerdings erst die Zukunft zeigen. Das Gleiche gilt für die „Tomorrow“ App und ihren Ansatz zu ökologisch verträglichem, ethisch vertretbarem und möglichst nachhaltigem Banking. Auch auf die neuen Funktionen darf man gespannt sein, vor allem was Investments betrifft. Hier wird sich dann wohl zeigen, wie ernsthaft es dem Unternehmen mit echter Nachhaltigkeit für Menschen ist, die das auch wirklich ernst nehmen – oder ob die App nur ihr (Werbe-)Fähnchen nach dem gerade herrschenden Wind hängt.

Link zum Startup: https://www.tomorrow.one/de-de/ueber-uns

Folge 11 – Der Broker – Ihr Zugang zum Kapitalmarkt

Folge 69 – Exchange Traded Fund (ETF) (Fonds #18)

Wie kann man ETFs kaufen?

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