DieKleinanleger.com https://www.diekleinanleger.com Das Blog für Kleinanleger und Privatinvestoren Sun, 10 May 2020 14:15:05 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.3.2 https://www.diekleinanleger.com/wp-content/uploads/favicon.png DieKleinanleger.com https://www.diekleinanleger.com 32 32 Deutsche Aktienanlage-Wüste: Macht’s OSKAR jetzt endlich gut? https://www.diekleinanleger.com/deutsche-aktienanlage-wueste-machts-oskar-jetzt-endlich-gut/ https://www.diekleinanleger.com/deutsche-aktienanlage-wueste-machts-oskar-jetzt-endlich-gut/#respond Sun, 10 May 2020 12:51:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=13586 In unserem letzten Beitrag über die kommenden Herausforderungen der 20er Jahre, die eben erst begonnen haben, kam sie bereits zur Sprache: die massive Ablehnung der meisten Deutschen für alles, was mit Börse und Kapitalmarktanlagen zu tun hat. Im vergangenen Jahr […]

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In unserem letzten Beitrag über die kommenden Herausforderungen der 20er Jahre, die eben erst begonnen haben, kam sie bereits zur Sprache: die massive Ablehnung der meisten Deutschen für alles, was mit Börse und Kapitalmarktanlagen zu tun hat. Im vergangenen Jahr war die Aktienmarktteilnahmequote in Deutschland sogar noch rückläufig. Viele sind angetreten, um diesen eigentlich unhaltbaren Zustand jetzt endlich zu verändern – einer der jüngsten Anbieter, der versucht die chronisch aktienmüden Deutschen nun endlich nachhaltig in Richtung Kapitalmarktanlagen zu schieben und dabei einige durchaus gute Ideen mitbringt, ist OSKAR. Wir haben einen Blick auf das Roboadvisor-System geworfen – und uns überlegt, ob OSKAR tatsächlich die Wende in Sachen Anlagen bringen könnte.

Trotz realer Verluste: Sture Verweigerungshaltung bei deutschen Anlegern

Die Zahlen sind eigentlich erschreckend: Allein im Jahr 2019 hat das nicht auf dem Kapitalmarkt angelegte Vermögen deutscher Haushalte – immerhin eine beträchtliche Menge in Höhe von Billionen Euro – durch die fatale Zinssituation um insgesamt 34 Milliarden Euro abgenommen. Das sind rein die Zinsverluste. Die comdirect Bank hat das ausgerechnet. Im Verlauf der beiden Jahre 2018 und 2019 verlor das ersparte Vermögen um bis zu 1,81 % an Wert – gerechnet wurde dabei mit Realzins, also mit bezahlten Zinsen auf Eckzinssparbüchern, Festgeld, Tagesgeld und vergleichbaren Anlageformen, minus der jeweils aufgetretenen Inflationsrate. Die Situation ist also selbst für den in wirtschaftlichen Dingen wenig Beschlagenen recht eindeutig. Das so gesparte Geld wird von Jahr zu Jahr zwischen 1,5 % und 2 % weniger wert. Ausblick: Es kann durchaus noch schlimmer werden für die Damen und Herren Sparer – und die Verluste können in Zukunft noch deutlich größer ausfallen. Bereits jetzt ist das, was die deutschen Sparer Jahr für Jahr verlieren, größer als die gesamte Wirtschaftsleistung von Lettland.

Wie in unserem letzten Beitrag bereits thematisiert, gibt es in Deutschland dennoch eine profunde Verweigerung beim Großteil der Menschen, sich mit dem Aktienmarkt oder mit Anlagen auf dem Kapitalmarkt überhaupt auseinanderzusetzen. Das einzige, was man von den allermeisten als Antwort darauf zu hören bekommt, sind Sätze, in denen vor allem die Worte „Risiko“ und „Verlust“ vorkommen. Beides mag der Deutsche überhaupt nicht, darum wird das Thema schlichtweg einfach ausgeblendet und der „böse“ Aktienmarkt ganz einfach mit kompletter Ignoranz gestraft. Wissen – braucht man nicht, mit dem Dings will man eh gar nichts zu schaffen haben. Lediglich knapp 15 % der Menschen investieren in den Kapitalmarkt – im Vergleich zu vielen anderen Ländern und angesichts der weltweiten Bedeutung der deutschen Volkswirtschaft ist das geradezu erbärmlich. Im letzten Jahr ist diese Quote dann sogar noch gesunken.

Knapp ein Drittel der Deutschen gibt als Lösungsansatz an, nun eben weniger zu sparen, solange die Zinsen so schlecht sind, die man bekommt. Wie man allerdings auf diese Weise eine taugliche Altersvorsorge aufbauen will, wenn das gesparte Geld jährlich um 2 % weniger wert wird oder man gleich nicht mehr spart, kann auch keiner beantworten. Aber natürlich, in Deutschland ist die Rente ja üppig und man zahlt ja genug ein. Altersarmut trifft dann immer nur die anderen.

Diese Situation zu ändern und Deutsche endlich dazu zu bewegen, sich vernünftig um ihr Vermögen und ihren Vermögensaufbau zu kümmern, haben in den letzten Jahren schon einige versucht. Mit Information, mit Angeboten und mit speziellen Tools, die vieles einfacher machen sollen und Menschen die Angst vor Kapitalmarktanlagen nehmen sollen. Die Erfolge waren bislang eher durchwachsen. Auch die steigende Popularität von ETFs hat die Deutschen bislang nicht in Scharen zu Aktienmarkt-Investments getrieben – die Hürden im Kopf waren immer noch zu groß. Mit OSKAR, einer Axel-Springer-Beteiligung, soll sich das nun endlich ändern – jedenfalls, wenn es nach dem Wunsch von OSKAR geht.

Was OSKAR anders macht als andere Robo-Advisor-Dienste

OSKAR arbeitet bei seinen Anlagen mit einer begrenzten Zahl von ETF- und ETC-Anlagen (Exchange-Traded Commodities, also börsengehandelte, besichterte Schuldverschreibungen aus der Anlageklasse Rohstoffe). Das macht das Ganze schon einmal deutlich überschaubarer für die Anleger, die man anziehen möchte. Wie bei anderen Robo-Advisoren gibt es auch bei OSKAR einfach vorgefertigte Anlageprofile mit unterschiedlich hohem Risiko, die man ganz einfach auswählen kann. Möglich sind sowohl Sparpläne (ab 25 EUR pro Monat) als auch Einmal-Anlagen.

Ein Punkt, den OSKAR konsequent anders macht ist, dass sich eine einzelne Person um die Anlage einer ganzen Familie kümmern kann. Für jedes Familienmitglied – also auch für die eigenen Eltern, den Ehepartner oder die eigenen Kinder kann jeweils ein eigenes Portfolio ganz einfach per Klick hinzugefügt werden. Da jedes einzelne angelegte Portfolio seine eigene IBAN hat, kann auch direkt auf das einzelne Portfolio von außerhalb eingezahlt werden.

Ansparen für die Familie

Auf diese Weise könnte sich beispielsweise ein Familienvater auch gleich direkt um die Anlage von seinen Eltern und Schwiegereltern mit kümmern, ohne dass diese sich in irgendeiner Weise mit den nötigen Schritten auseinandersetzen müssten. Das Geld für den Sparplan der Eltern und der Schwiegereltern fließt dann automatisch von deren Konto in das jeweilige Depot. Diesen Gedanken finden wir zumindest interessant – denn höchstwahrscheinlich gelingt es nur auf diese Weise, gerade Älteren den Einstieg in die anfangs kompliziert wirkende Welt von Aktieninvestments nahe zu bringen.

Besonderen Fokus legt OSKAR auch auf das Ansparen für Kinder. Auch wir denken, dass dieser Bereich oft viel zu wenig bedacht wird. Kindern einen finanziell guten Start in ihr Leben zu ermöglichen gilt als vorbildliches Elternverhalten. Bei Kindern werden dabei aber hauptsächlich die Kosten gesehen, die sie den Eltern verursachen (die weithin kolportierte Ansicht, ein einzelnes Kind würde im Lauf seiner Kindheit rund 180.000 EUR an Kosten verursachen) – angesichts solcher immenser Beträge kann man dem Kind dann natürlich nicht auch noch Geld mitgeben. Dabei spielen gerade bei Anlagen für Kinder der vergleichsweise lange Anlage-Horizont (mindestens 18 Jahre) Eltern in die Hände. Die lange Anspardauer wirkt risikomindernd und durch die lange Anspardauer führen auch vergleichsweise kleine monatliche Beträge bereits zu einem ansehnlichen Kapital, über das der Sprössling dann bei seiner Volljährigkeit verfügen kann. Werden lediglich 25,00 EUR pro Monat über 18 Jahre angespart und durchschnittlich Zinsen von 4,5 % p.a. erzielt (zum Vergleich: allein der DAX ETF erzielte über die letzten 30 Jahre im Schnitt jährlich bereits nahezu Doppelte), kann man seinem Kind zu seinem 18. Geburtstag bereits 8.252,90 Euro mitgeben. Wer es schafft, zum Zeitpunkt der Geburt noch 1.000 EUR Einmal-Einlage aufzubringen, verschafft seinem Kind dann zum Zeitpunkt der Volljährigkeit bereits über 10.000 EUR – bei höheren Zinserträgen eventuell noch enorm viel mehr. Wer selber rechnen möchte, kann das ganz einfach mit diesem Online-Rechner tun. Versuchen Sie einmal rechnerisch das halbe Kindergeld monatlich zurückzulegen und dabei auf eine gute Entwicklung bei den Zinsen (laut Oskar zwischen 8,81 % und 13,66 % p.a., je nach gewähltem Risikomodell) zu setzen.

Ein sehr wichtiges Kriterium bei OSKAR ist auch die komplette Digitalisierung und die schlichte Einfachheit bei allen erforderlichen Schritten. Das beginnt bei der Anmeldung des Kontos über Video Ident Verfahren und erstreckt sich über die sehr einfach zu bedienende App, mit der alles komplett gemanagt werden kann. Bis hin zur absoluten Nachvollziehbarkeit von allem, was auf dem Konto passiert und der Auszahlung des angesparten Gelds auf Knopfdruck als Einmalzahlung oder als monatliche Rente.

Anlageobjekte sind ausgesuchte ETFs und ETCs mit globaler Abdeckung. Auch auf die Einbeziehung einer Inflationsschutzkomponente wurde bei den einzelnen Anlagestrategien geachtet. Die genaue Auflistung der einzelnen Fonds findet sich hier.

Ebenfalls sehr transparent behandelt OSKAR das Thema Kosten. Jede Art der Geldanlage ist mit Kosten und Gebühren verbunden – das ist natürlich auch bei OSKAR nicht anders. Für Anlagen mit einem Volumen oberhalb von 10.000 EUR werden pauschal Gebühren von 0,8 % berechnet, dazu kommen die Produktkosten von 0,14 %. Liegt das Anlagevolumen bei weniger als 10.000 EUR, fällt genau 1 % an Gebühren an. Darüber hinaus fallen keine Kosten für die Einrichtung, für Transaktionen, Ausgabeaufschläge oder Provsionen mehr an. Auch das also sehr vorbildlich.

Kann OSKAR die Wende für die Anlagewüste Deutschland bringen?

OSKAR geht unserer Meinung nach mit sehr guten Ideen und Lösungsansätzen an das Problem heran – sowohl die Möglichkeit, innerhalb der Familie die gesamten Anlagen von einer einzelnen Person, die sich dafür interessiert und auch in der Lage fühlt, verwalten zu lassen, ist sicherlich eine gute Überlegung. Auch das Thema Transparenz und Einfachheit wird sehr gut angegangen.

Am Ende bleibt aber natürlich bestehen, dass jemand, der überhaupt kein Wissen über ETFs und über die Möglichkeiten von Anlagen am Aktienmarkt hat, dem Ganzen eher stark verunsichert gegenüberstehen wird – und am Ende immer noch keine Idee davon hat, wie das funktionieren soll. Das betrifft leider immer noch einen Großteil der Deutschen jeden Alters – nicht selten auch aus sturem Desinteresse an allen Börsendingen. Für viele ist alles, was mit Börse zu tun hat, einfach immer noch so etwas wie „Rubbellose für Reiche“, mit äußerst fragwürdigen Gewinnchancen. „Anständige Menschen geben für Wetten und andere Lotteriespiele nicht ihr sauer verdientes Geld aus, das hat noch jeden am Ende arm gemacht“, ist hier immer noch die weit verbreitete Ansicht. Solche Einstellungen kann natürlich auch OSKAR nicht grundlegend ändern – das Angebot ist aber immerhin so gestaltet, dass es möglicherweise durchaus den einen oder anderen überzeugen kann, es trotz aller Vorbehalte immerhin zu versuchen – oder einen Verwandten zu bitten, für ihn ebenfalls ein Depot und einen Sparplan einzurichten. Gerade in diesem Punkt, beim Verwalten der Anlagen für eine ganze Familie durch eine einzelne, daran interessierte Person, liegt wahrscheinlich der wichtigste und weitreichendste Effekt, den OSKAR für die Masse in Deutschland und ihr Anlageverhalten haben kann.

Was die Kosten betrifft, kommt eine Anlage in Eigenverantwortung natürlich günstiger. Wie Sie aus unserem kostenlosen Brokervergleichsrechner schnell sehen können, gibt es bei einzelnen Brokern sogar ETF-Sparpläne ohne jede Gebühr. Das würde selbst bei gleicher Performance bereits 1,14 % mehr Rendite pro Jahr bedeuten.

Dafür erfordern solche selbst getroffenen Anlagen aber das Treffen von eigenen Anlage-Entscheidungen und die Einrichtung eines Depots und des Sparplans. Damit fühlen sich viele Menschen bereits heillos überfordert und trauen sich das in Eigenverantwortung überhaupt nicht zu. In diesem Punkt macht OSKAR selbst die schon relativ einfache ETF-Anlage noch deutlich einfacher und gibt mit der einfachen und transparenten Einrichtung Menschen mehr Sicherheit.

Von diesem Punkt her gesehen halten wir OSKAR also für eine durchaus gute Sache, die das Potenzial hat, endlich doch ein paar mehr Menschen dazu zu bringen, ihr Tagesgeld aufzugeben und lieber doch langfristig auf dem Aktienmarkt zu investieren – zu ihrem eigenen Vorteil. Über den Erfolg der von OSKAR angebotenen Anlagestrategien lässt sich zur Zeit noch wenig sagen – welche Performance allgemein erreicht wird, ist auf jeden Fall natürlich spannend abzuwarten. Vielleicht schafft es OSKAR ja tatsächlich, neben der Anlagesituation auch die finanzielle Situation von vielen in Deutschland durch langfristig substantielle Anlagegewinne endlich einmal nachhaltig zu verbessern.

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Auf dem Vormarsch: Social Trading https://www.diekleinanleger.com/auf-dem-vormarsch-social-trading/ https://www.diekleinanleger.com/auf-dem-vormarsch-social-trading/#respond Sun, 10 May 2020 12:44:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=12643 Die Zinsen sind tief – und bleiben tief. Die Zahl von wenigstens einigermaßen lukrativen Anlageformen verringert sich zunehmend und immer mehr Kleinanleger bemerken, dass sie um das Thema aktienbasierte Anlagen einfach nicht mehr herumkommen. In diesem Bereich dominieren aber vielfach […]

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Die Zinsen sind tief – und bleiben tief. Die Zahl von wenigstens einigermaßen lukrativen Anlageformen verringert sich zunehmend und immer mehr Kleinanleger bemerken, dass sie um das Thema aktienbasierte Anlagen einfach nicht mehr herumkommen. In diesem Bereich dominieren aber vielfach hilfloses Unwissen und große Unsicherheit. In welche Aktien investieren, wo bestehen gerade Gewinnchancen, wo ist das Risiko besonders hoch? Diversifizierung? Risikoabsicherung?? Social Trading scheint für viele eine Art Rettungsanker zu sein – jemand, der sich auskennt und quasi umsonst berät. Auch wenn Social Trading vom Prinzip her eine gute Sache ist: Ein wenig aufpassen muss man aber dennoch.

Der Aktienmarkt als unbekanntes Territorium

Sieht man sich das vorhandene Wissen von Otto Normalbürger in Bezug auf den Aktienmarkt und die Finanzwelt einmal an und bohrt dann auch noch ein wenig nach, erkennt man oft erschreckendes Unwissen. Viele haben nur eine äußerst rudimentäre Vorstellung von den Grundzügen des Aktienhandels und davon, wie die Börse funktioniert. Kolportierte Mythen vom Hörensagen ersetzen Fakten und wirklich verstandene Zusammenhänge. Nicht selten hört man dann lediglich so bahnbrechende und wenig hilfreiche Weisheiten wie „Wenn der DAX runtergeht, ist das halt schlecht, zum Investieren, meine ich“.

In den letzten Jahren ist es uns mit unserem Blog sicherlich gelungen, dieses schier undurchdringliche Dunkel wenigstens an manchen Stellen ein wenig zu erhellen, aber erstens liest (leider) nicht jeder regelmäßig unseren Blog und zweitens gilt eben auch für uns, was schon viele andere gesagt haben: „Wir können halt leider nicht überall sein“. Darum auch ein kurzer Appell an dieser Stelle: Wenn Sie unseren Blog zumindest ab und zu lesen, machen Sie auch Ihr Umfeld darauf aufmerksam. Wissen hat noch niemandem geschadet, und es gibt noch eine Menge Dunkel zu lichten.

Dazu kommt, dass gerade in der letzten Zeit die Märkte gerade alles andere als berechenbar sind. Wenn alles wie gebannt auf den nächsten Tweet eines nicht sehr rationell agierenden Präsidenten wartet, der dann innerhalb einer Millisekunde praktisch alles auf den Kopf stellt, dann reagieren die Märkte – wie das ein Experte letztens so passend ausgedrückt hat – „wie ein naiver Schizophrener“, und noch dazu wie einer, der zusätzlich noch unter einer Aufmerksamkeitsspanne eines ADHS-kranken Eichhörnchens leidet.

Wer noch nie mit Opossums zu tun hatte, dem wird es schon schwer genug fallen, mit einem einigermaßen ausgeglichenen Opposum umzugehen. Wenn er es mit einem tollwütigen Oppossum zu tun kriegt, das gerade eine psychotische Krise durchmacht, ist die Chance gleich Null, dass er eine einigermaßen sinnvolle Strategie findet, das Verhalten des Tiers zu verstehen und einigermaßen angemessen darauf zu reagieren. Dieser Vergleich ist noch nicht einmal übertrieben – die Marktkapriolen in der letzten Zeit bringen selbst Experten oft genug an den Rand ihrer Weisheit.

Social Trading als Rettungsanker in der Dunkelheit

Wenn einem – aufgrund der Finanzlage – nun einmal nichts anderes übrig bleibt, als sich mit diesem tollwütigen Opossum abzugeben, wenn man noch etwas Rendite für seinen Spargroschen erzielen will, dann sind Experten, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen, natürlich der Retter in der Not. Sie verstehen anscheinend, was da passiert und wissen, wie man am besten darauf reagiert, damit sich der eigene Spargroschen nicht gleich nach dem nächsten Verlust in Luft auflöst.

Beim Social Trading kann man Anlagestrategien von Experten ansehen, diskutieren und kommentieren – und natürlich auch für das eigene Portfolio kopieren. Tatsächlich ist gerade Letzeres das, was „Social Trading“ für die meisten bedeutet: das 1:1 Kopieren von dem, was andere tun. Für alle, die mit wirklich gar keinem Wissen auf Social Trading Plattformen stolpern, ist das „Copy Trading“ praktisch das Einzige, was sie tun. Eine Stufe darüber steht dann das „Mirror Trading“, bei dem man nicht nur originalgetreu das Portfolio des Vorbilds übernimmt, sondern auch jeden einzelnen seiner Handelsschritte.

Um es den Nutzern leichter zu machen, kann man diesen Vorgang auf vielen Plattformen auch automatisch ablaufen lassen: Man wählt eine Strategie als „Kopiervorlage“ aus – und künftig findet sie mit einem selbst festgelegten Betrag automatisch auch auf dem eigenen Portfolio statt.

Dabei gibt es prinzipiell drei Möglichkeiten:

  1. Der Anbieter des Social Trading ist selbst ein Broker. Um eine Trading Strategie kopieren zu können, muss man einen Account beim Anbieter eröffnen.
  2. Der Anbieter des Social Trading arbeitet mit einer Reihe von unabhängigen Brokern zusammen, bei denen man einen Account eröffnen kann.
  3. Die Trading-Strategien werden in bestimmte Zertifikationen verbrieft, die dann ganz unabhängig gehandelt werden können, bei der Wahl des Brokers ist man dann prinzipiell frei.

Die Vorteile

Mit diesem „Copy-Ansatz“ ist es relativ einfach, eine sinnvolle Anlagestrategie zu verfolgen – selbst wenn man praktisch gar keine Ahnung hat, was man da tut. Aus den Kommentaren der anderen Nutzer lernt man vergleichsweise sehr schnell sehr viel darüber, warum etwas gemacht wird – und wie und warum eine Strategie überhaupt funktioniert.

Man kopiert als Neuling zunächst also einfach nur und lernt danach aber Schritt für Schritt zu verstehen, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden und sieht auch in Echtzeit die Auswirkungen jeder Anlage-Entscheidung. Man hört zu jeder Entscheidung meist mehrere (positive und negative) Meinungen und erhält so ein umfassendes Bild über eine Vielzahl von unterschiedlichen Dingen.

Diese Art des „sozialen Lernens“, nämlich indem man die Interaktionen anderer beobachtet, die etwas schon können, ist eine sehr erfolgreiche Art zu lernen. Soziales Lernen spielt auch in der Entwicklung von Kindern eine tragende Rolle – es ist einer der wichtigsten Wege, auf denen wir als Menschen überhaupt lernen. Indem der Prozess automatisch abläuft, ist es auch eine sehr mühelose Art und Weise, schnell große Mengen an Wissen zu erwerben.

Die Nachteile

Der gewichtigste Nachteil beim Social Trading ist, dass zunächst einmal nicht jeder ein Experte ist, der sich als einer ausgibt oder sich für einen hält. Wem man unter Einsatz des eigenen Vermögens „folgt“, wie das in der Fachsprache der sozialen Netzwerke heißt, sollte man gut überlegen.

Praktisch jeder kann eine Anlagestrategie oder ein Portfolio veröffentlichen, das von anderen dann kopiert werden kann. Dabei besteht natürlich immer das Risiko, dass man auch fundamentale Fehler kopiert, die jemand anders macht, der möglicherweise auch nur gerade einmal eine Winzigkeit mehr weiß, als man selbst.

Zwar werden alle Portfolios auch von anderen Nutzern im Allgemeinen kommentiert, sodass die Kommentare eine etwas bessere Einschätzungsmöglichkeit dafür bieten, wie erfolgreich das Portfolio oder die Strategie ist, die man gerade vor sich hat. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass es sich bei den Informationen, die Nutzer austauschen, häufig auch um Meinungen und nicht um Fakten handelt. Nicht jede Meinung und nicht jeder Kommentar stellt also automatisch Faktenwissen dar, sodass die Gefahr besteht, dass man bloße Vorurteile oder persönliche Meinungen als vermeintliches „Grundlagenwissen“ übernimmt und über lange Zeit hinweg beibehält, obwohl sie eigentlich falsch sind.

Beim Zertifikats-Ansatz kann dabei möglicherweise auch noch ein Emittenten-Risiko bestehen, wenn die Strategie nicht aufgeht. Dann können gegebenenfalls zusätzlich Verluste drohen.

Ein anderes mögliches Rand-Risiko ist, dass ein Anleger, dem viele andere Anleger folgen, nicht mehr ganz rationelle Anlage-Entscheidungen trifft – aus Angst, seine Follower zu enttäuschen und damit an Glaubwürdigkeit oder Image zu verlieren. Aus diesem Grund werden verlustbehaftete Anteile dann oft zu lang gehalten, in dem Wunsch, den eingetretenen Verlust wieder über längere Zeit gut zu machen, anstatt diese Anteile abzustoßen und ein (vermeintliches) Versagen zuzugeben. Alle, die diese Portfolios kopieren, machen dann natürlich automatisch den gleichen Fehler und fahren höhere Verluste ein als eigentlich nötig gewesen wäre.

Fazit

Prinzipiell halten wir Social Trading für eine sehr gute Sache, die es auch sehr Unsicheren und Unwissenden möglich macht, auf dem Aktienmarkt erfolgreich zu investieren, ohne allzu große Fehler zu machen. Die Mehrzahl der getroffenen Anlage-Entscheidungen, die man kopieren kann, sind sicherlich solide und wohlbedacht und zudem durch die Meinung vieler erfahrener Anleger mit abgesichert.

Einen überlegenswerten Punkt sehen wir allerdings bei den Anlagekosten, die gerade für Privatanleger mit kleinem Vermögen durchaus eine beträchtliche Rolle spielen können. Ist man gezwungen, einen bestimmten Broker zu wählen, können die Kosten für die Anlage deutlich höher sein als bei anderen Brokern. Wie groß solche Unterschiede ausfallen können, können sie ganz leicht in unserem kostenlosen BROKERVERGLEICHSRECHNER für Ihr individuelles Portfolio nachvollziehen. Die Wahl des Brokers sollte man sich also nach Möglichkeit nicht aufzwingen lassen – jeder Euro, der in unnötige Gebühren geht, verringert auch den eigenen Gewinn unnötig und gemeinsam mit dem eintretenden Zinseszinseffekt können sich schon geringe Gebührenunterschiede im Lauf der Zeit zu erklecklichen Beträgen summieren, die man entweder zusätzlich bekommt oder an Gewinn verliert.

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Viel Lärm um die Libra – was man bei der Komplementärwährung aber unbedingt bedenken sollte https://www.diekleinanleger.com/viel-laerm-um-die-libra-was-man-bei-der-komplementaerwaehrung-aber-unbedingt-bedenken-sollte/ https://www.diekleinanleger.com/viel-laerm-um-die-libra-was-man-bei-der-komplementaerwaehrung-aber-unbedingt-bedenken-sollte/#respond Sun, 03 May 2020 10:49:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=12641 Die Vorstellung ist schon bestechend: Ein rein handybasiertes Bezahlsystem, mit dem wir in unserem Alltag alles überall bezahlen können – auch online. Dazu eine unabhängige, wertstabile Komplementär-Währung, die nicht an einen Staat und seine Wirtschaftspolitik gekoppelt, sondern einfach frei ist […]

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Die Vorstellung ist schon bestechend: Ein rein handybasiertes Bezahlsystem, mit dem wir in unserem Alltag alles überall bezahlen können – auch online. Dazu eine unabhängige, wertstabile Komplementär-Währung, die nicht an einen Staat und seine Wirtschaftspolitik gekoppelt, sondern einfach frei ist und daneben auch vor böswilligen Manipulationen weitgehend geschützt ist. Und jede Menge technischer Möglichkeiten, die unser Leben deutlich leichter machen können und vieles automatisieren – Stichwort Smart Contracts. Mit genau dieser bestechenden Vorstellung macht Facebook gerade Werbung mit seiner angedachten Facebook-Währung Libra. Wie immer ist – wie wir als erfahrene Anleger und nüchterne Realisten wissen – nicht immer alles Gold, was glänzt. Ein paar Dinge sollten einen bei solchen Komplementär-Ideen schon auch nachdenklich machen. Wir haben die Vor- und Nachteile der geplanten Facebook-Währung einmal umfassend einander gegenüber gestellt.

Bargeld wird obsolet – oder soll es zumindest werden

Geht es nach dem IWF, brauchen wir schon längst kein Bargeld mehr. Nach Ansicht vieler Experten ist Bargeld ohnehin nur ein Mittel für zwielichtige Zwecke: für Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, Kriminelle und Terroristen. Das ist natürlich eine haarsträubende Ansicht – die weit an der Wirklichkeit vorbeigeht. Dennoch wird sie von vielen Experten vehement vertreten.

Einige Staaten haben sich schon auf den Weg gemacht, um den letzten Scheinen und Münzen in den nächsten Jahren endgültig den Garaus zu machen – sie sollen mit diversen Bezahlsystemen, zum Teil auf Karte und zum Teil am Handy, restlos ersetzt werden. Allen voran präsentiert sich Schweden als ein Vorreiter dieser Technologie – dort lassen sich allerdings auch gerade jeden Tag eine Menge weiterer Menschen einen Transponder-Chip unter die Haut an der rechten Hand einpflanzen, mit dem sie dann das Fitness-Studio betreten oder mit der U-Bahn fahren können. In anderen Ländern dagegen, wie in Österreich beispielsweise, möchte man so etwas auf keinen Fall. In der Alpenrepublik wurde jüngst sogar das Recht auf Bargeld in der Verfassung niedergeschrieben – damit nur ja keiner kommt und es einfach abschafft.

Insgesamt gesehen denken allerdings viele Staaten darüber nach, Bargeld abzuschaffen und durch rein virtuelles Geld zu ersetzen. Irgendwann in Zukunft gehen uns also wahrscheinlich an den meisten Orten dieser Welt die Scheine abhanden und wir werden allesamt zum Homo Chartagensis, dem kartenzahlenden Menschen.

Wenn man schon alles auf elektronischen Geldtransfer umstellt, liegt natürlich der Schluss nahe, dass wir mit einem weltumspannenden alternativen System auf Blockchain-Basis, das nicht mehr an einen einzelnen Staat gekoppelt ist, am besten fahren würden. Dieser Gedankengang ist logisch und schlüssig – zudem würden gerade Blockchain-Systeme auch ein gewisses Maß an Betrugssicherheit für die Nutzer bedeuten.

Was sich Facebook überlegt hat

So weit möchte es Facebook mit seiner virtuellen Währung Libra allerdings nicht treiben. Sie ist als reine Komplementärwährung gedacht, die zwar staatenunabhängig ist, nicht aber das herkömmliche Währungssystem ersetzen soll. Die Libra soll lediglich eine Ergänzung zu herkömmlichen nationalen Währungssystemen sein. Sie könnte auch einen Übergang zu vollständig elektronischem Bezahlen und der Abschaffung von allen Formen von Bargeld sein.

Abgesichert soll die Währung in ihrem Wert durch einen Währungskorb aus unterschiedlichen nationalen Währungen werden. Da viele unterschiedliche nationale Währungen in diesem Korb liegen, haben Veränderungen beim Wert einzelner Währungen auf den Wert und die Kaufkraft der Libra dann nur wenig Einfluss. Grob gesagt spielt es nur eine geringe Rolle, ob der Euro gerade über dem Dollar liegt oder umgekehrt, da beide im Währungskorb vorhanden sind.

Nutzer können mit ihrer Landeswährung Libra Coins kaufen und damit überall blitzschnell elektronisch bezahlen oder Geld in Bruchteilen von Sekunden überweisen. Gegenüber dem heutigen Bankensystem stellt das natürlich einen großen Vorteil dar, der sich umso mehr auf bestimmte Schwellenländer auswirkt, in denen Banküberweisungen an andere Staaten meist kompliziert, aufwendig, teuer und vor allem enorm zeitraubend sind. Können Zahlungen von Schwellenländern aus einfach und in Sekundenschnelle abgewickelt werden, erleichtert das sowohl den Konsumenten als auch den Unternehmern in diesem Land den Zugang zu internationalen Märkten erheblich.

Technisch soll hinter dem ganzen System eine dezentrale Blockchain-Technologie ganz ähnlich wie beim Bitcoin liegen. Das schafft hohe Manipulationssicherheit, Nachvollziehbarkeit aller Transaktionen – erfordert allerdings bei so riesigen Nutzerzahlen, wie Facebook sie anstrebt, eine schier unglaubliche Rechenleistung. Das wird bei solchen Systemen häufig übersehen. Allein das Mining von Bitcoins verursacht heute bereits den selben Stromverbrauch, wie ihn ganz Argentinien hat. Dabei ist die Zahl der Bitcoin-User, gemessen am möglichen Potenzial bei Facebook, verschwindend gering.

Zusätzlich werden auch sogenannte Smart Contracts möglich: Das sind maschinell und völlig automatisch ausgelöste Transaktionen, die aufgrund eines bestimmten, hinterlegten Vertrags ausgeführt werden. Kommt ein Flug beispielsweise verspätet an, könnte entsprechend festgelegter Rechenregeln direkt die Höhe der fälligen Entschädigungen berechnet und automatisch auf die Accounts der mitfliegenden Passagiere überwiesen werden, ohne dass dafür irgendjemand auch nur einen Finger krümmen müsste.

Mit an Bord bei dem ganzen Projekt sind übrigens so maßgebliche Unternehmen wie Pay Pal, Spotify, Vodafone, Visa, Mastercard, eBay, Uber und Coinbase. Die weniger bekannten Unternehmen Stripe, Lyft und Kiva gehören ebenso dazu.

Die Vorteile

Die Vorteile eines elektronischen Bezahlsystems leuchten sicher jedem von selbst ein. Auch die zahlreichen denkbar möglichen Einsatzgebiete für ein wirklich weithin genutztes Smart Contract System (durch die hohe Zahl der Nutzer und damit auch die Bereitschaft von Unternehmen, Smart Contracts anzubieten) erscheint auf den ersten Blick durchaus einmal sehr vorteilhaft. Dass der Zugang zu vielen Leistungen der entwickelten Märkte vor allem für Menschen in Schwellenländern so überhaupt erst möglich wird, steht außer Frage. Wenn es um den Versand von Waren an Endkunden in Schwellenländern geht, muss sich allerdings dann auch erst einmal die Logistik auf das selbe Niveau hin wie das Bezahlsystem entwickeln – das ist aber wahrscheinlich machbar.

Die Absicherung des Kaufkraft-Wertes durch den internationalen Währungskorb erscheint zunächst einmal plausibel und sinnvoll. Schwankungen bei einzelnen Währungen haben dann nur wenig Auswirkungen auf den Wert der Libra.

Die Nachteile

Bei dem ganzen Konzept muss man allerdings auch einige Punkte hinterfragen. Der erste, für Nutzer relevante Punkt ist bereits einmal die fehlende Anonymität. Nutzer müssen sich zwingend zuvor mit einem amtlichen Dokument ausweisen, um das Bezahlungssystem von Facebook nutzen zu können. Damit ist ein User – sowohl als Bezahlungsempfänger als auch als Zahlender – jederzeit eindeutig und unzweifelhaft identifizierbar. Stellt der Bitcoin eine anonyme Bezahlmöglichkeit dar, ähnlich wie Bargeld, ist die Libra dann ein komplett gläsernes Bezahlsystem. Unnötig zu sagen, dass eine Verknüpfung aller Bezahldaten mit anderen Nutzerdaten der teilnehmenden Dienste, wie etwa den Facebook-Daten des Benutzers oder der gebuchten Uber-Fahrten kaum zu verhindern sein wird. Wer am Ende dann Zugang zu diesen Daten bekommt ist nie ganz klar – und für Nutzer überhaupt nicht mehr kontrollierbar.

Zudem gelingt es den teilnehmenden Unternehmen durch gemeinsame Veränderung der Zugangsbedingungen zum Konsortium (derzeit erforderliches Kriterium ist die Zahlung von 10 Mio. USD) unliebsame Konkurrenz wirksam auszuschließen und damit die eigene marktbeherrschende Stellung in jedem Fall zu sichern. Das käme einer Art Machtmissbrauch gleich und würde möglicherweise eine sehr negative Monopolisierung begründen, wobei für kleine Unternehmen starke Wettbewerbseinschränkungen bestehen.

Auch im Hinblick auf die Währungssicherheit ist nicht alles so einfach, wie es scheint. Der Preis für die Libra Coins hängt ganz wesentlich vom Kurs der jeweiligen Landeswährung ab, in der sie bezahlt werden. Hat die Landeswährung einen geringen Wert gegenüber anderen Währungen oder treten Währungsverluste ein, werden die Libra Coins unverhältnismäßig teuer, auch die Gebühren fallen dann durch die geringe Kaufkraft der Landeswährung gleich noch höher aus. Das Wechselkursrisiko besteht – vor allem für Schwellenländer mit häufig abgewerteten nationalen Währungen – also in durchaus beträchtlichem Umfang. Vor dem Problem steht allerdings jeder, der mit Währungen bezahlt, die nur in geringem Umfang im Währungskorb vorhanden sind – er muss bei der Transaktion, dem Ankauf der Libra Coins, quasi eine Menge Fremdwährung kaufen. Zusätzlich muss auch ein Bankkonto für den Kauf von Libra vorhanden sein – was auch nicht in allen schwach entwickelten Ländern bei jedem beliebigen Bürger der Fall sein dürfte.

Libra bleibt dabei der Kontrolle von Einzelstaaten komplett entzogen. Auch den Wert der Währung reguliert das Libra-Konsortium, das am Anfang möglichst aus hundert großen Unternehmen bestehen soll, ganz allein durch Veränderungen im Währungskorb. Dabei unterliegt es keiner wie auch immer gearteten staatlichen oder internationalen Kontrolle, auch nicht bei schwerwiegenden Wirtschafts- und Währungskrisen. Auf die Libra kann kein Staat Einfluss nehmen. Libra Coins werden dabei zusätzlich mit gängigen nationalen Währungen nur gehandelt, nicht direkt umgetauscht. Das kann durchaus recht massiv zum Vorteil von Facebook und zum Nachteil der Nutzer und Staaten gestaltet werden. Bei einem Bank Run werden zudem die Reserven so angelegt, dass es möglicherweise oder sogar sehr wahrscheinlich zu erheblichen Verlusten für die Nutzer kommt.

Durch die Marktmacht der teilnehmenden Konzerne in ihrem jeweils eigenen Bereich und die enorm hohe Zahl von mehreren Milliarden Facebook-Nutzern entsteht natürlich eine gewaltige, allumfassende Marktmacht. Diese dann auch finanziell spürbare Macht könnte sich bei unbedachtem Einsatz sehr wohl stark negativ auf das weltweite Finanzsystem auswirken und auch schwerwiegende destabilisierende Effekte ausüben. Staaten haben nach Einführung der Libra zudem nur noch eingeschränkte Kontrolle über das weltweite Finanzsystem und auch die Zentralbanken werden in ihrem Einfluss stark geschwächt. Das kann wünschenswert sein – aber sich auch sehr negativ auswirken.

Fazit

Die Idee ist im Ansatz gut – ganz unproblematisch ist sie aber nicht. Bevor so etwas wie die Libra Wirklichkeit wird, sollte mit Gesetzen, Verträgen und einem höheren Datenschutz-Standard und Schutz gegen Datenmissbrauch bei den Usern noch einmal deutlich nachgebessert werden. Vor allem die Auswirkungen auf die weltweite Währungspolitik und mögliche schädliche Effekte müssen zwingend sehr genau untersucht werden und negative Folgen möglichst umfassend ausgeschlossen werden. Das setzt auch zwingend zumindest eine gewisse Regulierung von dritter Seite voraus, auch wenn Facebook das verständlicherweise nicht wünscht.

Ansonsten kann die freundliche Komplementärwährung im schlimmsten Fall der Anfang von einem möglicherweise sehr bösen Ende werden.

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Warum wir dem „Marktmechanismus“ nicht immer blindlings vertrauen sollten https://www.diekleinanleger.com/warum-wir-dem-marktmechanismus-nicht-immer-blindlings-vertrauen-sollten/ https://www.diekleinanleger.com/warum-wir-dem-marktmechanismus-nicht-immer-blindlings-vertrauen-sollten/#respond Mon, 27 Apr 2020 07:55:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=13648 Eingefleischten Kapitalismus-Gläubigen kommt der Satz immer wie geschmiert über die Lippen: „Das regelt dann schon der Markt“. Es würde zwar keinen Sinn machen, mitten in einem marktwirtschaftlichen System gerade die Wirksamkeit von marktwirtschaftlichen Gegebenheiten in Frage stellen zu wollen. Immerhin […]

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Eingefleischten Kapitalismus-Gläubigen kommt der Satz immer wie geschmiert über die Lippen: „Das regelt dann schon der Markt“. Es würde zwar keinen Sinn machen, mitten in einem marktwirtschaftlichen System gerade die Wirksamkeit von marktwirtschaftlichen Gegebenheiten in Frage stellen zu wollen. Immerhin leben wir nicht nur mit, sondern weitestgehend auch von diesem System. In allzu großen naiven Optimismus und sorglose „Das-wird-schon“-Haltung sollten wir aber trotzdem nicht verfallen. In vielen Fällen regelt es der Markt nämlich tatsächlich nicht, jedenfalls nicht von ganz allein. Als deutlich redendes Beispiel dafür wollen wir zwei gerade sehr aktuelle Themen beleuchten: die von vielen als das einzig sinnvolle Mittel für den Klimaschutz gepriesene CO2-Bepreisung – und die aktuelle Situation der Auto-Industrie.

Der Marktmechanismus

Der zunächst grundlegende Marktmechanismus, den wir alle kennen, ist der von Angebot und Nachfrage. Wenn eine Ware knapp ist, aber eine hohe Nachfrage nach ihr besteht, steigt der Preis. Ist dagegen ein Überfluss an einer bestimmten Ware vorhanden und bleibt die Nachfrage danach eher gering, fällt der Preis. Dabei machen wir allerdings oft schon gedanklich den Fehler, nicht immer auf beide Bedingungen zu schauen. Eine hohe Nachfrage allein treibt den Preis noch nicht sonderlich nach oben. Erst eine einsetzende Verknappung oder die Verringerung des Überflusses im Bereich des verfügbaren Angebots bringt den Preis wirklich in Bewegung. Es müssen also immer beide Kriterien erfüllt sein, damit sich beim Preis etwas bewegt. Das sollten wir nie missachten.

Was wir auch gerne in der oberflächlichen Betrachtung übersehen ist, dass der Preis umgekehrt auch wieder Angebot und Nachfrage mit beeinflusst. Alle drei Kriterien, also Angebot, Nachfrage und Preis stehen miteinander in ständiger Wechselwirkung und bedingen sich immer gegenseitig. Da wird es gedanklich also schon deutlich komplizierter.

Ausgehend von diesem grundlegenden Marktmechanismus, der immer einen (labilen) Gleichgewichtszustand zwischen Angebot, Nachfrage und Preis anstrebt, müssen wir noch zusätzlich eine ganze Reihe an Störfaktoren mit berücksichtigen. Der Marktmechanismus gilt uneingeschränkt nur auf einem idealen Markt, auf dem sich zudem die angebotenen und die nachgefragten Gütermengen immer nur wenig ändern. Solche Märkte (vollkommener oder idealer Markt, auch Polypol genannt) gibt es in der Realität kaum.

Als weitere „Störfaktoren“ kommen dann auch noch veränderte Randbedingungen zum Tragen, die oft mit dem eigentlichen Markt nichts zu tun haben. Wenn sich etwa durch eintretende Umstände die Löhne der Bürger plötzlich signifikant erhöhen, werden auf einmal in allen Märkten deutlich mehr Güter nachgefragt. Das hat mit dem einzelnen Markt selbst zunächst direkt nichts zu tun, sondern betrifft die Marktumgebung. Wenn in einer Krise aus einer – nicht rationalen – Interessenlage heraus plötzlich das Kaufinteresse und damit die Nachfrage nach Toilettenpapier durch die Decke geht, hat der Markt oft nicht die Kapazität, im gleichen Maß mit einer Preisanpassung zu reagieren. Dadurch wird die Wirkungsweise des Mechanismus aber bereits verzerrt. Toilettenpapier wurde nicht über Nacht zehnmal so teuer. Weder auf der Rohstoff- noch auf der Hersteller-Ebene gab es Anpassungen, weil das Ereignis mit dem Toilettenpapier-Markt an sich in keinerlei Zusammenhang stand oder Auswirkungen darauf hatte. Es handelte sich einfach nur um eine plötzliche, irrationale Veränderung der grundlegenden Interessenlage. Der Marktmechanismus ist lediglich ein grundlegendes Prinzip hinter dem wirtschaftlichen Handeln, das einmal mehr und einmal weniger zutrifft. Die ökonomisch Handelnden sind allerdings Menschen, die nur in „Normalsituationen“ zumindest häufig vorhersehbar reagieren.

Ein anderes Beispiel wäre etwa der „Snob-Effekt“. Wenn Güter plötzlich sehr teuer werden, sodass nur noch wenige sie sich leisten können, kann genau das die Nachfrage ankurbeln. Weil alle plötzlich genau dieses Luxus-Gut unbedingt haben wollen, da es „exklusiv“ ist. Im mittleren,  erschwinglichen Preisbereich wäre die Nachfrage dann oft deutlich geringer. Als Ausgleich für die Beschaffung des Luxusguts geht dafür dann die Nachfrage in anderen Bereichen zurück, damit Menschen sich das Luxusgut leisten können. Ohne dass das mit den jeweiligen Märkten irgendetwas zu tun hätte. Oder die Anbieter auf diesen Märkten auch nur irgendetwas dagegen tun könnten.

Auch hier sind die wirtschaftlichen Akteure eben Menschen, die eine bestimmte (wirtschaftlich irrationale) Interessenlage verfolgen – und nicht einfach Rädchen in einem immer gleich ablaufenden, automatischen Mechanismus. Der grundlegende Marktmechanismus ist dabei also nicht immer das alleingültige, völlig und umfassend berechenbare Wirkprinzip. Dem in jeder Lage blind zu vertrauen wäre ziemlich naiv.

Auch politische Entscheidungen und Wirtschaftspolitik im Allgemeinen kann man als Störfaktor ansehen. Im Fall einer sozialen Marktwirtschaft werden etwa geltende Marktmechanismen ganz bewusst ausgehebelt oder umgangen, um Menschen das Leben zu erleichtern und sie sozial gleichzustellen. Die Nachfrage wird immer ganz wesentlich davon bestimmt, wie viele Menschen überhaupt nachfragen können, also sich etwas leisten können. Eigentlich müsste – streng dem Marktmechanismus nach – auch die Bezahlung von Löhnen nach den Gesetzen des Marktmechanismus geregelt werden. Hohe Nachfrage nach der Arbeitsleistung eines einzelnen = hohes Gehalt. Dann hätten allerdings viele Menschen überhaupt kein Geld mehr in der Tasche, weil sie ihre Arbeitsleistung überhaupt gar nicht anbieten – und damit natürlich auch keine Nachfrage danach besteht, nach der sich der Wert der ihnen zugestandenen Zahlungen bemessen lassen würde. Das ist natürlich ein unhaltbarer Zustand. Darum gibt es Renten, Hartz 4 und eine Fürsorgepflicht der Eltern für ihre Kinder. Damit auch diese Menschen Geld ausgeben und ihr Lebensunterhalt gesichert ist, auch wenn aus marktmechanischen Gesichtspunkten keine Nachfrage nach ihrer Leistung besteht.

Dahinter steht auch die Regel: „Ein Ansteigen der Kaufkraft führt zu einem Anstieg der Nachfrage auf allen Märkten“. Das stimmt aber ebenfalls nicht immer und unbesehen in jeder Situation und bei allen. In Krisenzeiten und bei gefühlter wirtschaftlicher Unsicherheit führt eine höhere Kaufkraft bei den Bürgern oft auch nur zu höheren Sparraten. Und manchmal steigen zwar Löhne oder Sozialausgaben – aber der Konsum geht trotzdem zurück. Auch diese Regel ist nur eine Faustregel, die vielleicht manchmal gilt. Aber es ist ganz sicher kein ehernes, unumstößliches Gesetz, wie der Staat oft schon schmerzhaft feststellen musste. Wo er sich aber meist schwer tut, das zu akzeptieren, wenn man sich die Wirtschaftspolitik und ihr Instrumentarium so ansieht. Nach der Corona-Krise will man auch wieder „den Konsum der Bürger anfachen“, wie Scholz das formulierte. Wir werden sehen.

Neben diesen „großen“ Einflüssen kommt es natürlich ständig und andauernd zu kleineren „Störungen“, die kurzfristig den Marktmechanismus immer wieder einmal aushebeln. Wobei in der Folge Preisentwicklung, Angebotsentwicklung und Nachfrageentwicklung dem Prinzip zuwiderlaufen.

CO2-Bepreisung als Beispiel dafür, dass der Markt es nicht allein regelt

Von vielen – auch von vielen namhaften Experten – wurde ein Emissionshandel und eine CO2-Bepreisung als Allheilmittel für einen sich praktisch von selbst einstellenden Klimaschutz gepriesen. Mit dem altbekannten Argument, dass der Markt „das schon regeln wird, weil er ja praktisch muss“. Nun – tut er anscheinend nicht.

Schon die ersten Vorboten der sich abzeichnenden Corona-Krise, der bevorstehenden Ausgangsverbote in vielen Ländern und der Ladenschließungen haben den CO2-Preis in ein tiefes Loch fallen lassen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil wegen der verringerten Nachfrage nach Erdöl die Ölpreise sehr schnell gefallen sind. Um das Ausmaß dieses Absturzes zu verdeutlichen: Der Kurs von CO2-Zertifikaten bewegte sich innerhalb von nur wenigen Tagen von 24 Euro für die Tonne CO2 auf nur noch 16 Euro für die Tonne. Bei solchen Preisen für CO2 darf getrost davon ausgegangen werden, dass die ganze Aktion keine wie auch immer geartete Lenkungswirkung mehr entfaltet.

Gesetzlich war das eigentlich anders geplant. Um den Markt zum „Regeln“ zu veranlassen, sollte die Obergrenze für die verfügbare Menge an Zertifikaten kontinuierlich gesenkt werden, sodass im Lauf der Zeit insgesamt immer weniger Zertifikate verfügbar wären. Getreu dem grundlegenden Prinzip des Marktmechanismus sollte eine solche künstlich hergestellte Verknappung den Preis für CO2-Zertifikate laufend und kontinuierlich ansteigen lassen. Das wiederum sollte dazu führen, dass bei steigenden CO2-Preisen Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen dazu übergehen würden, immer weniger CO2 auszustoßen. Das hat man allen als völlig logisches Allheilmittel verkauft, das ja selbst dem Dümmsten einleuchten müsste. Nun – es ist grandios fehlgeschlagen. Wer heute noch (wie einige Experten) steif und fest behauptet, CO2-Zertifikate seien immer noch ein „sehr wirksames Klimaschutzinstrument“, gehört dann wohl vermutlich auch zu denen, über deren dummen Unverstand er sich zuvor unablässig aufgeregt hat.

Die sinkenden Ölpreise führen nun auch dazu, dass die steuerliche Lenkungswirkung bei den Bürgern völlig ins Leere läuft. Trotz addierter CO2-Steuer ist Benzin nun deutlich billiger als zuvor – was natürlich genau niemanden vom Tanken abhält.

Was aber tatsächlich gewirkt hat, ist eine Verringerung des Konsums und des Verkehrs. Die vergleichsweise geringen Einschränkungen bei der Güterproduktion und beim privaten Verkehr haben zu nahezu unglaubliche Veränderungen an den Schadstoffwerten und der Verschmutzung unserer Welt bewirkt. In lediglich ein paar Wochen. Wirtschaftlich ist das möglicherweise nicht gesund – zu den derzeitigen Gegebenheiten. Es zeigt aber, dass der viel gescholtene „Konsumverzicht“ tatsächlich genau so wirksam ist, wie seine (ebenfalls von der Wirtschaft viel gescholtenen) Befürworter immer schon behauptet haben. Ein klein wenig Beschränkung hat enorme Ausmaße – und genau diese Ausmaße machen jetzt leider eben unseren Marktmechanismus komplett kaputt. Die Welt ist plötzlich zu sauber – und das Spiel mit dem Marktmechanismus hat schon aufgehört zu funktionieren. Diesen Effekt hat nämlich leider niemand der klugen Wirtschaftswissenschaftler „eingepreist“, die fest daran glauben, dass der Markt alles regelt. Nun ja – Versagen und Versäumnis sollte man nicht immer den Umweltschützern vorwerfen, sondern sich mal selbst an der eigenen Nase nehmen. Immerhin ist man ja Experte.

Was den Bürger freut ist dagegen für viele Ölkonzerne – und gleichzeitig für viele Staaten, die fast komplett vom Ölexport abhängen – ein Katastrophen-Szenario. Es geht die Wirtschaft dieser Länder bankrott, was niemand zulassen kann. Fängt man – um den drohenden Zusammenbruch zu verhindern – nun aber die Öl- und Gaskonzerne mit Rettungspaketen in ihrem Niedergang ab, hat man genau das Gegenteil von Klimaschutz bewirkt. Eine Hinwendung zu höheren Quoten an alternativen und umweltschonenden Energieträgern erreicht man damit nicht – sondern exakt das Gegenteil. Umgekehrt könnten die Staaten der Welt nun natürlich den Mut haben, die fossile Wirtschaft eben einfach zusammenbrechen zu lassen und massive Investments direkt in den Ausbau alternativer Energieformen zu tätigen, um das aufzufangen. Wie groß die Bereitschaft zu solchem Handeln insgesamt in den meisten Staaten aktuell wäre – ja auch nur die Bereitschaft, darüber nachzudenken – kann wahrscheinlich jeder beurteilen, der auch nur einmal in der Woche Nachrichten liest.

Der Marktmechanismus hat also auf ganzer Linie versagt und sich als völlig ungültig herausgestellt. Ist er nicht. Aber die unterschiedlichen, marktunabhängigen Interessenlagen der wirtschaftlichen Akteure führen dazu, dass er wiederholt komplett ausgehebelt wird und gar nicht wirken kann. Wenn er anfängt zu wirken, wird er brutal abgewürgt. Der Markt regelt das also nicht. Dafür umso mehr die Politik mit ihren Traumvorstellungen von einer Welt, in der sich nur ja nichts ändern darf, was schon in der Wirtschaftswunder-Kindheit der heutigen Politiker so war. „Angst essen Marktmechanismus auf“, könnte man da frei nach Rainer Werner Fassbinder titeln. Oder vielleicht auch noch ein paar andere, ungesunde Emotionen.

Beispiel Nummer 2: Was wird eigentlich aus der Automobilindustrie in der nahen Zukunft?

Über die Bedeutung der Autoindustrie für die Wirtschaft unseres Landes brauchen wir hier nicht zu reden. Man hat es uns Jahrzehnte lang eingetrichtert. Die Automobilindustrie hat die zentrale Bedeutung für Wohlstand und Beschäftigung in unserem Land. Man kann das auf der Seite des BMWi auch noch immer lesen. Dazu, dass 820.000 Personen direkt in der Autoindustrie arbeiten, fast drei Viertel der Wertschöpfung werden dem BMWi zufolge in Deutschland erwirtschaftet und zwar von vorwiegend mittelständischen Zulieferbetrieben. Die weltweite Nachfrage nach deutschen Fahrzeugen ist dem Wirtschaftsministerium zufolge deshalb so hoch, weil hier eine Innovationsführerschaft besteht und mehr Geld in Forschung und Entwicklung gesteckt wird, als bei japanischen oder amerikanischen Fahrzeugherstellern. Und damit wären die deutschen Fahrzeughersteller „weltweit Impulsgeber für Produkt- und Prozessinnovationen“. Gut, wir haben es verstanden. Autoindustrie ist wichtig hierzulande und ihr gilt das volle Augenmerk von Politik und Wirtschaftsunternehmen.

Nun werfen wir einmal einen Blick auf die Realität. Praktisch jeder deutsche Hersteller hat mit einigen oder sogar allen Modellen die geltenden Emissionsrichtlinien in betrügerischer Absicht unterlaufen. Das hat schon in der Vergangenheit zu nicht unbeträchtlichen Verwerfungen geführt und zu ziemlichen finanziellen Schäden an den deutschen Glanzkandidaten. In Sachen E-Mobilität ist man nicht so ganz auf der Höhe der Zeit, das können andere bereits bedeutend besser. Die Quote von einigermaßen vernünftigen und dabei auch erschwinglichen Elektrofahrzeugen geht praktisch gegen Null. Dafür hat das weltweit einzigartig hohe Forschungsbudget dann offenbar doch nicht so wirklich gereicht. Macht aber nichts, uns würden ohnehin die Stromtankstellen auf dem Weg fehlen.

Wenn wir gesamtwirtschaftlich aus der Krise finden wollen, werden wir nach der Corona-Zeit sehr viele Subventionen benötigen, um die Wirtschaft wieder ein wenig anzukurbeln. Der Staat muss dann sparen und genau hinsehen, wo er seine verfügbaren Mittel einsetzt. Die Förderung der Verkehrswende wird dabei sicherlich nicht das erste Ziel im Maßnahmenkatalog sein. Insbesondere deshalb, weil wir für E-Mobilität ja zunächst einmal ein entsprechend großes Stromtankstellen-Netz brauchen würden, damit man die vielen E-Autos dann überhaupt sinnvoll nutzen kann. Das kostet eine ganze Menge Geld, das zu diesem Zeitpunkt wohl keiner in die Hand nehmen möchte. Nicht, wenn wir uns mit dem Gedanken anfreunden müssen, zunächst einmal mindestens 1 Billion Euro in das Wiedererwachen der Gesamtwirtschaft nach der Krise aufbringen zu müssen – höchstwahrscheinlich auf längere Sicht sogar noch deutlich mehr.

Dazu kommt, dass ein solcher Wandel auch damit einhergehen müsste, dass dieser den Strukturwandel in der Automobilindustrie finanziell abfedert. Insbesondere den Wegfall von Arbeitsplätzen und im Gefolge hohe Sozialkosten bei den (dann ehemaligen) Mitarbeitern. Das bedeutet eine weitere möglicherweise schwere Kostenbelastung für den Staat. Im Gegenzug müssen die bis jetzt schon ausgegebenen Gelder allerdings auf irgendeine Weise auch wieder hereingebracht werden. Was bedeutet, dass die Subventionen für die Wirtschaft, die nicht dringend benötigt werden, geringer ausfallen und auch bei den Bürgern im Portemonnaie nicht gerade der große Geldregen eintreffen wird. Die wirtschaftlichen Verwerfungen im Zuge der Corona-Krise, Jobverluste, Kurzarbeit und in Zukunft wieder höhere Steuereinnahmen, die der Staat zum Ausgleich erwirtschaften muss werden sicherlich für eine Veränderung der Kaufkraft bei der Masse der Bürger sorgen. Die werden ihr Geld dann wohl eher zusammenhalten und es höchstwahrscheinlich nicht ausgerechnet in eine völlig neue und von vielen auch in Frage gestellte Automobiltechnologie investieren. Soweit reicht das volksweite Bekenntnis zu mehr Klimaschutz dann eindeutig doch nicht. Schon gar nicht, wenn auch noch praktisch die komplette Infrastruktur fehlt.

Aber auch die Absätze bei den herkömmlichen Fahrzeugen werden in Zukunft deutlich zurückgehen. Die Zeit des Wachstums mit den altbewährten Produkten ist ganz sicher vorbei, auch weltweit. Der Verlust an Kaufkraft bei vielen Menschen ist sicherlich ein weltweites Phänomen, kein deutsches. Damit brechen nicht nur die heimischen Absatzzahlen, sondern bestimmt auch die globalen Absatzzahlen ein. Das wird dazu führen, dass Automobilkonzerne ganz sicher nicht bereit sind, das Weniger an Geld nun ausgerechnet in die Entwicklung von völlig neuen Produkten für einen zutiefst unsicheren Markt zu investieren. Ein weltweiter Technologiewechsel würde zwar enormes Gewinnpotenzial bergen (immerhin würde dabei quasi jedes auf der Welt fahrende Fahrzeug in den nächsten Jahren durch ein neues ersetzt werden). Das Risiko, dass das fehlschlägt, ist allerdings enorm. Die Tatsache, dass niemand sich traut, ein solches Wagnis einzugehen, wenn ohnehin schon unklar ist, wie die Umsätze im nächsten Jahr aussehen werden, kann man niemandem verdenken. Solche Vorleistungsinvestitionen, wie sie dafür nötig sind, mag einfach niemand angesichts dieses Risikos aufbringen.

Eine Krise hat sich durch stagnierende Absatzmärkte auch schon zuvor abgezeichnet, die wirtschaftlichen Probleme vieler bis dahin sehr wirtschaftsstarken Zulieferbetriebe hat auch die Automobilindustrie als Ganzes in die Krise gedrückt. Das Einschlagen der Pandemie hat diesen deutschen Leuchtturm-Unternehmen, an denen vielfach auch der Staat in hohem Maß beteiligt ist, dann urplötzlich buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen. Auch den, auf dem sie zukünftig ihre Produkte verkaufen wollten. Wirtschaftlich schwach laufen sie nun aber sogar noch Gefahr, von Unternehmen, die die Krise besser gemeistert haben, irgendwann einfach aufgekauft zu werden. Es wird nicht lange dauern, bis die Geier über den angeschlagenen Unternehmen mit wenig Zukunftsperspektive kreisen werden.

Aus der Sicht des Marktmechanismus wäre es ganz einfach. Unternehmen satteln um, stellen zunächst einmal wenige Elektrofahrzeuge her, für die es wegen der Verknappung und dem Wunsch der Bürger hohe Nachfrage und damit hohe Preise gibt. Wird das verfügbare Angebot breiter und steigen die Produktivkapazitäten bei den Autobauern, werden die Preise sinken und immer mehr Bürger es sich leisten können, den Technologiewandel in ihrer Garage zu vollziehen. Damit würden sich Preise anhand von Angebot und Nachfrage jeweils auf längere Sicht einpendeln. Ein neuer, erfolgreicher Markt würde entstehen, Angebot und Nachfrage würden sich die Waage halten, die Preise wären mittelfristig dann auch für die meisten erschwinglich.

Im Moment könnte nichts ferner der Realität sein. Der Marktmechanismus funktioniert hier klar nicht. Einfach, weil es zu viele Variablen, zu viele „Störfaktoren“ gibt, die ihn grundlegend aushebeln. Wir können froh sein, wenn ein Markt für Elektrofahrzeuge in naher Zukunft überhaupt noch irgendwie existent ist. Der Markt regelt es also nicht – ganz und gar nicht. Sonst wäre schon längst alles in Butter.

Wir müssen also immer genau hinsehen. Und einfach blindlings daran zu glauben, dass Marktmechanismen immer alles von selbst regeln, wenn man sie nur lässt, ist mehr als nur naiv. Unsere Welt ist deutlich komplexer – und dieser Komplexität sollte man auch gebührend Achtung zollen. Probleme lösen sich nicht durch Marktmechanismen von selbst. In den meisten Fällen wartet der Marktmechanismus darauf, dass wir die Probleme lösen. Wenn wir sie überhaupt lösen können.

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Wem die Börse momentan noch nicht volatil genug ist, der sucht nach anderen „Glücksgriffen“ – möglichst solchen, bei denen man glaubt, ziemlich schnell ziemlich reich zu werden. Das Versprechen gibt es immerhin mittlerweile vielfach im Bereich neuer Unternehmen: Spektakuläre Börsengänge, Start-ups, die einst die Welt verändern werden und sogenannte Hidden Champions, denen man enorme Gewinne zutraut. Klopft man das Ganze etwas nüchtern ab, bleibt oft nicht viel mehr als großmäuliger Werbestaub und ziemlich wilde Träume einer glänzenden Zukunft. Dem nüchternen Tatsachenmenschen graut es vor solchen Anlagen. Von Anlagenschützern werden wir aber ausgerechnet vor allen anderen Unternehmensfinanzierungen geschützt, die auf bodenständigem Terrain arbeiten und nicht vor den großen Illusionisten. Irgendwie ist das bei den Unternehmensfinanzierungen gerade eine wirklich verkehrte Welt.

Unternehmen und Start-ups brauchen Kapital

Das steht außer Frage. Wer es in irgendeinem Markt erfolgreich zu etwas bringen will, muss sein Produkt bewerben, sich gegen die bestehende Konkurrenz durchsetzen, sich Marktanteile erkämpfen. Anders ist das nicht zu machen, das leuchtet ein. Und das alles kostet natürlich auch Geld, viel Geld – das erstmal von irgendwoher kommen muss. Die Gründer mit den genialen Ideen sind zumeist arm wie Kirchenmäuse – oder haben jedenfalls bei Weitem nicht so viel, wie sie brauchen.

Dazu kommt, dass wir durch die großen Veränderungen, die unserer Welt bevorstehen – Digitalisierung, KI, völlig neue und fortschrittliche Verkehrskonzepte, neue soziale Herausforderungen – ganz natürlich an der Schwelle zu einer völlig neuen Welt stehen. Wer es schafft, etwas zu erfinden oder auf die Beine zu stellen, das in dieser neuen Welt tatsächlich seinen Siegeszug antritt, der wird sicherlich für sehr lange Zeit sehr viel Geld verdienen, wenn er sich durchsetzt. Das lockt natürlich auch Investoren in großer Zahl.

Wie immer in unserer großmäuligen westlichen Welt zählen die gewagtesten Fantasien, die am werbewirksamsten inszeniert werden am meisten. Ob man dabei eigentlich noch ungefähr eine Million Probleme gar nicht richtig gelöst hat oder noch nicht einmal eine Idee hat, wie man sie lösen könnte, kratzt die Investoren dabei häufig wenig. Die Großartigkeit des Traums entscheidet und damit die Großartigkeit des möglichen exorbitanten Gewinns.

Das hat zur Entstehung zahlreicher „Unicorns“ (wörtlich: Einhörner) geführt: Unternehmen, die, obwohl sie bislang noch keinen müden Cent verdient haben oder noch nicht einmal ein einziges operatives Geschäft betreiben, bereits mit mehr als 1 Milliarde US-Dollar bewertet werden. Dabei ist natürlich noch lange nicht Schluss – 20 Milliarden oder 45 Milliarden Dollar Unternehmenswert hat man ebenfalls schon gesehen.

Dream Hits Reality: wenn aus Einhörnern dann Pferde werden

Einhörner sind nicht nur getrieben von den Träumen ihrer Gründer – sondern auch von denen der Investoren. Die werfen solchen Unternehmen häufig das Geld nur so hinterher. Nüchterne Tatsachen-Überlegungen zählen dabei nicht. Jeder will plötzlich an dieser „neuen Zukunft“ beteiligt sein, vor allem finanziell. Selbst die Goldgräber, die während des großen Goldrausches scharenweise nach Alaska strömten, waren höchstwahrscheinlich immer noch deutlich weniger enthusiastisch und immer noch bodenständiger.

Viele dieser Unternehmen sammeln zunächst einmal außerbörslich einen Haufen Geld ein – Venture Capital lautet hier das Zauberwort. Das ist ganz einfach und praktisch, man braucht bloß seine wilden Fantasien gut zu vermarkten und den Geldbeutel nach vorne zu strecken. Er füllt sich dann wie von ganz allein.

Für Privatpersonen ist das direkte Investieren in solche außerbörslichen Start-Ups in den USA grundsätzlich verboten – vorgeblich aus Gründen des Anlegerschutzes. Sie können aber natürlich nach einem Börsengang die Einhorn-Aktien kaufen – und erleben sehr oft ein böses Erwachen. Uber ist vielleicht das bekannteste Unternehmen in dieser Reihe, bei dem man den geschätzten Unternehmenswert nach dem Börsengang dann praktisch geviertelt hat. Vielen kleinen Anleger, die sich vorsorglich beim Börsenstart mit Uber-Aktien eingedeckt hatten, hat das vermutlich ein böses Erwachen beschert. Den Großinvestoren und Risikokapitalgebern, die von einem frühen „Exit“ profitiert hatten, winkten dagegen in vielen Fällen satte Gewinne.

Uber ist, wie schon erwähnt, nicht das einzige Unternehmen, das in diese Kategorie fällt. Es gibt davon mehrere hundert. Zu den Unicorns zählten auch Airbnb, Dropbox und Snapchat, in der jüngsten Zeit auch WeWork. Die zunehmende Zahl von Unicorns liegt mit auch darin begründet, dass Unternehmen heute erst sehr viel später an die Börse gehen, als das früher üblich war. Aus den einstmals durchschnittlichen vier Jahren sind heute im Schnitt bereits elf Jahre geworden. Zu diesem Zeitpunkt ist dem Einhorn oft das glänzende Horn schon längst abgefallen und es ist zum schnöden Pferd geworden.

Venture Capital steht für solche „Traum-Unternehmen“ aber meist ausreichend zur Verfügung, um sich über lange Zeit finanzieren zu können. Und die hohen Mittelzuflüsse verzerren natürlich den wahren Unternehmenswert. Der wird erst offenbar, wenn es zur Sache – und an die Umsetzung der genialen Idee – geht.

Unicorns sind übrigens nicht nur ein amerikanisches Phänomen – auch hierzulande gibt es einige: Auto1, Delivery Hero, HelloFresh, um nur ein paar zu nennen. CureVac und die Global Fashion Group sind allgemein dagegen wahrscheinlich eher weniger bekannt. Allen gemein ist, dass sie erst noch liefern müssen, dass sie beweisen müssen, dass ihre ehrgeizigen Pläne auch tatsächlich der Realität standhalten – und dass die erwarteten Gewinne für die „weltverändernde Idee“ auch tatsächlich eintreten (können).

Zu viel Geld auf dem Markt – und zu wenige lukrative Chancen

Ein viel diskutierter Grund ist, dass – vor allem in den USA – durch die lockere Geldpolitik einfach zu viel Geld auf dem Markt ist und wirklich harte, solide Erfolgschancen über Start-ups zu verdienen, einfach fehlen. Das mag zutreffen – eine andere mögliche Lesart ist aber, dass Investoren, die gerne in großspurige Träume und weltverändernde Maßnahmen investieren, sich einfach nicht für solide, aber langweilige Geschäftsideen interessieren, weil sie ihnen ganz einfach zu bieder sind. Womit soll man denn dann angeben? In eine neue Supermarktkette investiert zu haben, die eine solide Wachstumsbilanz aufweist? Wie öde. Sowas kann doch jeder.

Hidden Champions und andere Unsäglichkeiten

Auch hierzulande ist man auf den Zug (natürlich, wir ahmen ja alles nach) aufgesprungen und versucht, „Hidden Champions“ als die unglaublich lukrative Investitionsquelle für Kleinanleger anzupreisen.

Da hat man doch glatt ein angeblich in seinem wahren Potenzial völlig verkanntes Unternehmen gefunden, das ganz leise und heimlich alle Burgerbrötchen für Burger King backt – einer der „Champions von morgen“, ganz klar, das leuchtet jetzt auch völlig ein. Dieses Unternehmen bündelt man dann mit anderen Unternehmen in ähnlicher Couleur in einem Dachfonds bündelt, über den man dann als Kleinanleger ab ein paar tausend Euro Startkapital investieren kann – oder alternativ auch über einen monatlichen Sparplan.

Günstig ist das natürlich nicht, zu den „Vorabkosten“ von 12 % kommt dann noch ein satter Ausgabeaufschlag von 5 %, daneben fallen noch jährliche Gebühren von über 2 % an. „Hidden Champions“ als einmalige Gelegenheit, auch als Kleinanleger in so etwas wie Unicorns zu investieren, sind nun einfach einmal keine Schnäppchen wie so ein doofer ETF, den eh schon jeder hat. Es wäre fast zum Weinen, wenn man dabei nicht auch gleichzeitig herzlich lachen müsste. Man kann nur hoffen, dass ausreichend viele Kleinanleger den Joke ebenfalls erkennen.

Sinnvolle Unternehmensfinanzierungen für bodenständige Start-ups gibt’s nicht mehr

Crowdfunding schien zunächst ein Weg in die Zukunft der Unternehmensfinanzierung zu sein. Egal, wie klein ein Start-up noch war, es konnte auf diesem Weg viel kleines Geld einsammeln, wenn seine Idee überzeugend und solide war und zugleich mit einem bloßen Finanzierungsversuch bereits gut abschätzen, wie das Publikum allgemein auf die eigenen Geschäftspläne reagiert.

Nach dem anfänglichen Hype 2012, bei dem neue Finanzierungsplattformen nur so aus dem Boden schossen, ähnelt die ganze Szene heute einem verlassenen altenglischen Friedhof. Selbst die Ruinen sind schon in sich zusammengefallen. Mit ein ganz wesentlicher Grund dafür war mit Sicherheit, dass man von den ganzen Plattformen plötzlich eine BaFin-Zulassung verlangte, und die neu geschaffene „Prospektpflicht“ für Anleger gnadenlos durchdrückte. Natürlich aus Gründen des „Anlegerschutzes“ in diesem höchst gefährlichen Bereich des grauen Kapitalmarkts, wo Menschen so gut wie nie mehr als 100 Euro in ein Start-up steckten, zumeist nach viel Überlegung viele auch nur Beträge in der Größenordnung von 5 bis 20 Euro gaben, weil ihnen die Idee einfach gefiel.

Solche möglichen Totalverluste mussten natürlich „dringend verhindert“ werden, hier stand natürlich das finanzielle Wohlergehen der vielen Kleinanleger ganz sicher ernsthaft auf dem Spiel (besser doch das Geld in vom Staat propagierte „Volksaktien“ wie dazumals die Telekom-Aktie stecken, nicht wahr? Das erspart dann Verluste.) Das Ergebnis war, dass so ziemlich alle dieser Plattformen sehr schnell angesichts der massiven Regularien einfach aufgaben – und heute so gut wie kein Start-up diesen Weg der Unternehmensfinanzierung überhaupt noch ernsthaft in Betracht zieht.

Gerade bei den zahlreichen Herausforderungen, die die nötigen Veränderungen zur Bekämpfung des Klimawandels von uns verlangen und die von Start-ups mit innovativen Ideen sehr gut geleistet werden könnten, wäre eine Möglichkeit zur Beteiligung der Bevölkerung sehr wünschenswert. Aber diese Unternehmen waren ja auch schon in der Vergangenheit sehr umsichtig und haben versucht, erstmal kleine, aber machbare Brötchen zu backen – die wollten aber eben nicht den Mars kolonisieren. Braucht also echt keiner. Laaangweilig.

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Discount Zertifikate: Gibt’s da was für lau? https://www.diekleinanleger.com/discount-zertifikate-gibts-da-was-fuer-lau/ https://www.diekleinanleger.com/discount-zertifikate-gibts-da-was-fuer-lau/#respond Sun, 26 Apr 2020 07:53:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=12639 Angeblich sind Discount-Zertifikate Anlageprodukte „speziell für Privatanleger“. Sieht man sich die Gestaltung dieser Produkte an, schwingt da irgendwie ein wenig Abwertendes mit. Demzufolge ist ein hervorstechender Zug von Privatanlegern dann, alles immer einfach billiger kaufen zu wollen – und ein […]

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Angeblich sind Discount-Zertifikate Anlageprodukte „speziell für Privatanleger“. Sieht man sich die Gestaltung dieser Produkte an, schwingt da irgendwie ein wenig Abwertendes mit. Demzufolge ist ein hervorstechender Zug von Privatanlegern dann, alles immer einfach billiger kaufen zu wollen – und ein weiterer Zug, kein echtes Interesse am wirklich „großen“ Gewinn zu haben. Das ist natürlich ausgemachter Blödsinn. Discount Zertifikate können ihre Vor- und Nachteile haben. Wer sie erwirbt ist dabei egal. Wir haben uns diesen angeblichen „Liebling der Privatanleger“ einmal etwas näher angesehen.

Das Funktionsprinzip von Discount Zertifikaten

Der Definition nach sind Discount Zertifikate zunächst einmal derivative Finanzprodukte. Das ist aber mehr eine theoretische Einordnung, die uns vorerst einmal nicht viel darüber sagt, wie Discount Zertifikate überhaupt aufgebaut sind.

Wenn es um die Funktionsweise von Discount Zertifikaten geht, sind grundsätzlich zwei Dinge wichtig:

  • die Rabattierung und
  • der Cap

Die Rabattierung bezieht sich darauf, dass man eine Aktie zunächst einmal günstiger kaufen kann. Wenn also eine Aktie einen aktuellen Wert von – nehmen wir als Beispiel 12,75 EUR – hat, können Sie diese Aktie – auch wieder beispielhaft – für 11,25 EUR kaufen. Das macht natürlich Freude – nicht nur dem Privatanleger sondern im Prinzip jedem Anleger. Wenn man etwas zu einem Preis kauft, der unter seinem eigenen Wert liegt, bedeutet das prinzipiell einmal einen Gewinn.

Von dieser Rabattierung abgeleitet wird auch die „besondere Eignung für Privatanleger“. Die Bankmenschen denken dabei, das Hauptziel von gewöhnlichen Privatpersonen (die nicht Banker, Unternehmer oder Großinvestoren sind) liegt allein darin, den ganzen Tag über irgendwo Schnäppchen zu jagen – und zu sehen, dass man das, was man kauft, noch billiger bekommt. Immerhin haben ja Discounter gegenüber den gewöhnlichen Supermärkten meist deutlich mehr Kundenfrequenz – und die Preisvergleichs-Plattformen erfreuen sich auch hohen Zulaufs.

Diese Weltsicht ist fast schon ein wenig beleidigend – aber sie stammt immerhin von Bankern, die gerne ein wenig herablassend auf das gewöhnliche Volk zu blicken pflegen. Immer ein bisschen ignorierend, dass für den Mist, den sie bauen, dann nicht selten das gesamte „primitive“ Volk mit seinen Steuergeldern gerade steht, damit sie morgen auch noch einen Job haben und weiter neue Finanzprodukte für die doofe Masse kreieren können.

Natürlich hat die ganze Sache einen großen Haken – und der liegt genau im zweiten grundlegenden Teil von Discount Zertifikaten, dem Cap. Wie in vielen anderen Bereichen auch, ist der Cap auch hier ein Deckel – und zwar auf den Gewinn.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Aktie ist zwar billiger, dafür ist dann aber der mögliche Gewinn begrenzt. Und zwar teilweise ziemlich massiv. Ziehen wir unser Beispiel von vorhin noch einmal heran, bedeutet das beispielsweise: Die Aktie hat einen aktuellen Wert von 12,75 EUR, wir können sie für 11,25 EUR kaufen, der Cap liegt aber bei 14 EUR. Das bedeutet: Wenn die Aktie einen Höhenflug macht und die 20-EUR-Marke knackt, haben wir davon: GENAU NICHTS. Das muss man erst einmal verdauen. Unser Gewinn ist immer – und das bedeutet immer – auf maximal 14 EUR begrenzt. Egal wie hoch der Wert der Aktie steigt. Dividenden gibt es übrigens auch nicht – die sind dann glatt gestrichen.

Den Bankern zufolge ist das das Discounter-Prinzip: „Man kauft Dinge ein wenig billiger, dafür ist halt die Qualität nicht ganz so hoch“.

In Anbetracht dieser Konstruktionsweise des Zertifikats muss man sich nun natürlich einmal ernsthaft fragen, ob das noch Sinn macht. Schließlich investieren wir ja nicht in bestimmte Aktien, weil wir ohnehin nicht erwarten, dass sie steigen – sondern im Gegenteil, um von einem möglichst starken Anstieg der Aktie möglichst gut zu profitieren. Wir sind ja nicht blöd – selbst wenn wir bei Lidl einkaufen.

Die Vor- und Nachteile von Discount Zertifikaten kritisch betrachtet

Man muss nun einmal beide Seiten einander ernsthaft gegenüberstellen – und abwägen. Auf der einen Seite haben wir einen leichten Gewinn beim Kauf der Aktie gemacht. Dieser minimale Gewinn (Discount) im Vorfeld hilft später, unsere Verluste zu begrenzen – und zwar genau im Ausmaß des Preisnachlasses, den wir erhalten haben. Das ist nicht allzu viel, wenn die Aktie später kursmäßig massiv nach unten rutschen oder gar abstürzen sollte, rettet uns das in keiner Weise. Unsere Verluste fallen nur minimal geringer aus.

Umgekehrt machen wir aber jedes Mal, wenn die Aktie über den Cap-Wert steigt, einen Verlust. Wir bekommen dann nicht mehr den vollen Gewinn, sondern eben nur maximal unseren Cap. Je nachdem, wie der Cap-Wert liegt, kann das im Verlauf der üblichen Schwankungen, vor allem auf den in den letzten Jahren sehr volatilen Märkten, in Summe einen beträchtlichen Gewinnentgang für uns bedeuten. Anders betrachtet: Liegt der Aktienkurs auch nur einmal um den selben Betrag höher als der Discount ausmacht, haben wir unseren anfänglichen Vorteil bereits neutralisiert. Bei jedem weiteren Mal, wo die Aktie darüber klettert, machen wir bereits Verlust – den wir hätten vermeiden können, wenn wir ganz einfach die Aktie selbst ohne Discount gekauft hätten. Und bei Aktien mit grundsätzlich steigendem Trend oder einem anzunehmenden Anstieg wird das unweigerlich passieren (in andere Aktien würde doch ohnehin keiner freiwillig investieren wollen, oder?). Denn wenn Aktien steigen, dann steigen sie meist längerfristig und der Kurs erhöht sich für eine ganze Weile kontinuierlich.

Rein rechnerisch bringt uns der Discount also nicht viel: er schützt uns nicht vor Verlusten und er bringt uns nur einen minimalen „Einkaufsvorteil“ am Anfang, der sich bei den meisten wertvollen Aktien wahrscheinlich sehr schnell neutralisiert. Danach kommen dann nur noch Verluste. Und selbst der (erzwungene) Verzicht auf eine Dividende allein kann bereits im ersten Jahr den Rabatt neutralisieren oder einen Verlust verursachen.

Spiele mit der Länge der Laufzeit bringen hier nur wenig – je länger die Laufzeit, desto größer das Risiko, Verluste einzufahren, da die Chance, dass die Aktie über den Cap-Wert steigt, dann umso größer wird. Die Summe der eingetretenen Verluste ist dann bei langer Laufzeit noch deutlich höher. Zusätzlich sinkt auch die Höhe des Discounts kontinuierlich mit der Länge der Laufzeit, was den Nachteil dabei noch erhöht. Kurze Laufzeiten bringen dagegen bei Stockpicking-Ansätzen und beim Investieren in Einzelaktien generell nur sehr wenig, wenn man nicht gerade Daytrading betreibt, weil das Kursrisiko einfach sehr hoch ist und sich erst mittelfristig betrachtet etwas relativiert.

Damit würde sich also höchstens eine mittelfristige Laufzeit anbieten – dabei ist aber das Risiko, durch den Cap Verluste zu erleiden, bereits sehr hoch.

Wiegt man Vor- und Nachteile auf diese Weise gegeneinander auf, kann man also am Ende keinen echten, wirksamen Vorteil erkennen. Ganz egal, welche Laufzeit man wählt. Seine Gewinne zu begrenzen ist gerade am Aktienmarkt eine sehr schlechte Idee – denn genau die sind es ja, die mit einer langfristigen Perspektive die unvermeidlich immer wieder eintretenden kleineren Verluste auf lange Sicht wieder aufwiegen. Discount Zertifikate führen also das Prinzip jeder vernünftigen Aktienanlage völlig ad absurdum.

Fazit

Warum Discount Zertifikate besonders für Privatanleger geeignet sein sollen, erschließt sich uns nicht. Außer man hält die Anleger ganz allgemein für ziemlich dumm, unfähig zu rechnen und eigentlich nicht interessiert an vernünftigen Gewinnen. Aus rein anlagetechnischer Sicht ist es völlig unsinnig, seine eigenen Gewinne begrenzen zu wollen, um dafür einen minimalen Kaufrabatt zu erhalten.

Warum Discount Zertifikate so gehyped werden, kann eigentlich niemand verstehen, der seinen Taschenrechner benutzen kann. Der lässt dann die ganze Werbung für Discount Zertifikate sehr schnell sehr blöd aussehen.

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Was schützt Euro-Staaten eigentlich vor der Staatspleite? https://www.diekleinanleger.com/was-schuetzt-euro-staaten-eigentlich-vor-der-staatspleite/ https://www.diekleinanleger.com/was-schuetzt-euro-staaten-eigentlich-vor-der-staatspleite/#respond Thu, 23 Apr 2020 08:23:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=13610 Spätestens die von den Medien berichtete Forderung nach „Corona-Bonds“ lässt wieder eine Frage in unserem Bewusstsein auftauchen: Welche Sicherungsmaßnahmen haben wir im Euro-Raum eigentlich, wenn die Wirtschaft in die Knie geht? Wenn einzelne (oder mehrere) Staaten der EU vor der […]

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Spätestens die von den Medien berichtete Forderung nach „Corona-Bonds“ lässt wieder eine Frage in unserem Bewusstsein auftauchen: Welche Sicherungsmaßnahmen haben wir im Euro-Raum eigentlich, wenn die Wirtschaft in die Knie geht? Wenn einzelne (oder mehrere) Staaten der EU vor der Pleite stehen oder große europäische Banken kollabieren und eine neue Bankenkrise heraufbeschwören? Und reichen diese Mechanismen im Ernstfall überhaupt aus? Die Summe der gesamten möglichen Rettungsinstrumente ist ziemlich groß. Die wenigsten wissen darüber allerdings allzu umfassend Bescheid. Aus diesem Grund erklären wir in unserem Beitrag einmal die wichtigsten (finanziellen) Rettungsmittel der EU und schätzen ihre Wirksamkeit ein.

Die Forderung nach „Corona Bonds“

In der letzten Zeit wurde immer häufiger die Forderung nach sogenannten „Corona-Bonds“ laut, besonders von wirtschaftlich bereits schwer angeschlagenen Staaten, denen die Corona-Krise dann noch zusätzlich massiv zusetzte, wie etwa Italien oder Spanien. Insbesondere in Deutschland nahm man diese – doch recht vehement vorgebrachte – Forderung eher irritiert wahr. Hierzulande ist man eher der Meinung, traditionelle, bereits existierende Rettungsinstrumente müssten – auch in Zukunft – auf jeden Fall ausreichen.

Um es kurz zu machen: „Corona Bonds“ in der angedachten Weise wären im Grunde nichts anderes als eine Neuauflage der klassischen Eurobonds. Über die haben wir bereits in einem anderen Beitrag schon einmal berichtet, man wollte sie ja auch schon einmal quasi „durch die Hintertür“ einführen. Falls Sie den Beitrag damals nicht gelesen haben, finden Sie ihn hier.

Die Argumente, die vor allem wirtschaftlich starke Staaten bereits gegen die Eurobonds ins Feld geführt hatten, bleiben natürlich weiterhin gültig. Eine Vergemeinschaftung von Schulden in ganz Europa halten auch die Niederlande, viele skandinavische Staaten und auch Österreich für genauso wenig zielführend und hoch riskant, wie Deutschland das tut. Zusätzlich steht schon in Deutschland, wie auch in einigen anderen Ländern, die nationale Verfassung einer solchen Vergemeinschaftung der Schulden und der Herausgabe einer „europäischen Staatsanleihe“ entgegen. Das ist in einzelnen Staaten auch verfassungsrechtlich gar nicht so einfach zu lösen, schon gar nicht in kurzer Zeit. Eine Blanko-Haftung für andere, zum größten Teil hoch verschuldete Staaten (die sind es, die am meisten darauf drängen) einzugehen, ohne dass man irgendeine Möglichkeit hat, die Ausgabensituation, die Haushalte und den Konsolidierungswillen dieser Staaten überhaupt mit zu beeinflussen, wäre eine Narretei. Und genau aus diesem Grund legen sich dabei sowohl Regierungen als auch Verfassungen hier quer.

Die Euro-Bonds mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie als besondere, noch nie dagewesene Krise zu bemänteln ändert nichts an dem, was Eurobonds nun mal eben sind. Egal, mit welcher Begründung sie geschaffen werden. Natürlich gibt es dabei andere Stimmen, auch in deutschen Medien, die etwa die europäische Solidarität anmahnen oder der Meinung sind, dass man überschuldete europäische Staaten, die ohnehin schon wirtschaftlich ums Überleben kämpfen, nun nicht noch zusätzlich für den Ausbruch der Corona-Pandemie bestrafen sollte, indem man ihnen dabei keine Solidarität und Hilfe anbietet.

Wir respektieren das als gültige Meinung, können aber nicht umhin, auch darauf hinzuweisen, dass wie immer im Leben jeder seines Glückes Schmied ist. Das gilt auch für Staaten, genauso wie für Bürger. Nicht das böse Schicksal ist für katastrophale Staatsfinanzen und eine hohe Überschuldungsquote verantwortlich, sondern Missmanagement, seit Jahrzehnten versäumte Aufgaben bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen und ein allzu verantwortungsloser Umgang mit den eigenen Schulden. Es muss auch erlaubt sein, das einmal andersherum zu sehen. Wenn bei jeder, auf Missmanagement und Unlust zur Sanierung der Staatsfinanzen beruhenden Krise reiche und gut gemanagte Staaten mit ihrer hart erkämpften Bonität zur Hilfe herangaloppieren, wird sich an den Missständen vermutlich auch lange nichts ändern. Warum denn auch? Die Krise ist dann ja bewältigt, neues Geld kommt und man kann beruhigt weitermachen wie bisher. In einem soliden, gleichberechtigten und respektvollen Miteinander kann das auch keine Lösung sein.

Besonders die deutsche Regierung und Kanzlerin Merkel weisen darauf hin, dass die vorhandenen Sicherungs- und Stützungselemente für die Wirtschaft in Europa bereits ausreichend seien. Nur – welche sind das überhaupt?

Die EZB

Über die Europäische Zentralbank (EZB) – genauer gesagt das Europäische Zentralbankensystem (ESZB) , ihr Wirtschaften und ihre Aufgaben haben wir in einem anderen Beitrag bereits ausführlich geschrieben. Man kann die zahlreichen Rettungsmissionen der EZB durchaus ein wenig kritisch sehen. Tatsache ist aber: Sie finden statt.

Durch den Ankauf von Staatsanleihen wirtschaftlich schwacher oder überschuldeter Staaten nimmt die EZB bereits einen beträchtlichen Anteil des Schuldendrucks von einzelnen Ländern. Sofern Länder wie Italien dann nicht noch darauf beharren, immer weitere Schulden machen zu dürfen, weil sie das einfach wollen, wäre eigentlich schon diese Erleichterung ausreichend, um so viel Druck von den Staaten zu nehmen, dass die eigenen Banken faule Kredite und die riskanten eigenen Staatsanleihen endlich abstoßen und sich sanieren könnten. In Verbindung mit einer sinnvollen Wirtschaftspolitik, die auch tatsächlich die Wirtschaftsleistung der betreffenden Staaten nach oben bringt, sollten dann bereits einigermaßen brauchbare Voraussetzungen gegeben sein, damit man endlich eine grundlegende Sanierung der Staatsfinanzen langfristig in Angriff nehmen könnte.

Da das aber – dem offenen Anschein nach – nie gereicht hat, gibt es noch weitere Instrumente, die wirtschaftlich schwachen und/oder überschuldeten Staaten finanzielle Hilfen zur Verfügung stellen. Das geschieht insbesondere auch im Hinblick auf eine wirtschaftliche Stabilität des Euro-Raums insgesamt und auf die Erhaltung des Werts der Währung „Euro“.

Die wichtigsten Instrumente dabei bilden den Euro Rettungsschirm.

Der Euro-Rettungsschirm

Insgesamt gibt es im Euro-Rettungsschirm vier grundlegende Instrumente:

  1. Die Griechenland-Hilfe
  2. Den Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (ESFM)
  3. Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF)
  4. Den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM)

Die Griechenland-Hilfe ist dabei selbsterklärend. Es handelt sich um Kredite der EU-Staaten in einer Höhe von 80 Milliarden Euro an Griechenland, die dazu dienten, eine unmittelbar bevorstehende und faktisch schon eingetretene Staatspleite zu verhindern. Dazu erhielt Griechenland noch 30 Milliarden Kredit vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Haftung für bestehende Staatsschulden Griechenlands übernahm dabei niemand – Griechenland haftet weiter in vollem Umfang selbst für seine Schulden. Man gewährte die Kredite allerdings nur unter der Auflage, dass Griechenland seine Staatsfinanzen in Ordnung bringt und wirtschaftlich und in Bezug auf seinen Haushalt deutlich bessere Voraussetzungen anstreben würde.

Beim Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (ESFM) und bei der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) wird es bereits deutlich komplizierter: beide waren nur bis 2013 in Kraft und wurden danach vom – deutlich weiter gehenden und neu geschaffenen – Europäischen Stabilitätsmechnanismus (ESM) zu ersetzen, nachdem einige Länder, neben der Situation in Griechenland, ebenfalls in Verschuldungskrisen gerutscht waren. Man erkannte, dass es notwendig war, eine wirksamere und sorgfältiger gestaltete Hilfe zum Verhindern von Staatsbankrotten im Euro-Raum einzuführen.

Der ESFS und der ESFM sind dabei aber weiterhin aktiv, sie stellen eine in Luxemburg ansässige Aktiengesellschaft dar. Abgewickelt werden von ihnen allerdings nur mehr die weiterlaufenden Programme aus der Zeit vor dem ESM. Aktuelle Hilfen kommen nunmehr nur noch vom seit 2013 aktiven ESM. Der EFSF ist aber mit nach wie vor geltenden Garantien von den Euro-Staaten in der Höhe von 750 Mrd. Euro abgesichert und kann (konnte) rund 440 Milliarden Euro an Hilfen verleihen. Hilfen aus dem EFSF erhielten neben Griechenland auch Irland und Italien.

Aktuell müssen wir uns also nur mit dem ESM befassen, wenn es um finanzielle Sicherungssysteme in der Eurozone geht. Er ist der dauerhafte und durchgehend existierende Schutz der Europäischen Union für seine Mitgliedsstaaten.

Der ESM verfügt über ein Stammkapital von 700 Mrd. Euro. Neben dem eigentlichen Stammkapital ist der ESM mit weiteren 620 Mrd. Euro an Krediten ausgestattet. Deutschland hat sich am Stammkapital mit rund 21 Mrd. Euro und bei den Garantien mit rund 168 Mrd. Euro beteiligt. Damit hat Deutschland mit 26,96 % den höchsten Anteil am ESM, gefolgt von Frankreich mit 20,25 % und Italien mit 17,79 %. Die meisten anderen EU-Länder haben nur mit 0,07 % bis 3 % Anteil am ESM, Ausnahmen hiervon gelten nur für Spanien (11,82 %) und die Niederlande (5,68 %).

Über den ESM können in finanzielle Schwierigkeiten geratene Staaten Notkredite und Haftungsgarantien, also Bürgschaften, beanspruchen. Dem Vertragstext nach ist es dem ESM auch möglich, nicht nur Darlehen zu geben, sondern auch gleich direkt betroffene Banken zu subventionieren oder zu rekapitalisieren, ohne dabei den jeweiligen Staat mit einzuschalten.

Dafür müssen sich die betroffenen Hilfe suchenden Staaten allerdings verpflichten, ein sogenanntes „makroökonomisches Anpassungsprogramm“ zu durchlaufen und eine „tiefgehende Analyse über die Nachhaltigkeit seiner Staatsschuldensituation“ zu unternehmen. In etwas leichter fassbarem Deutsch bedeutet das ungefähr, dass sich der jeweilige Staat bei seiner Haushalts- und Schuldenpolitik erkennbar mehr anstrengen und Fehler darin beseitigen muss. Also quasi in Sachen Staatsfinanzen endlich seine Hausaufgaben machen und den Willen haben, die prekäre Schuldensituation mit möglichst sinnvollen Maßnahmen irgendwann beseitigen. Wiewohl auch diese generelle Auslegung noch recht dehnbar ist.

Grundsätzlich können nur Mitgliedsländer der Eurozone am ESM teilhaben. Eine Möglichkeit, dass auch andere Staaten der EU außerhalb der Eurozone teilnehmen, ist aber zumindest vorgesehen. Ein Ausstieg bereits teilnehmender Staaten ist dagegen nicht vorgesehen und wäre nur unter besonderen, außergewöhnlichen Umständen möglich. Für alle Personen, die im Rahmen des ESM tätig sind oder auch tätig waren, gilt eine strenge Schweigepflicht.

Rettungsschirm und No-Bailout-Clause

Einen kurzen Blick müssen wir dabei auch auf die No-Bailout-Clause, die Nichtbeistandsklausel, werfen. Diese Klausel im Vertrag von Maastricht, also im Grundlagen-Vertrag für die Währungsunion, sieht vor, dass kein Staat und auch nicht die Union an sich eine Haftung für die Schulden einzelner Mitgliedsstaaten übernehmen darf. Diese immer noch gültige Klausel widerspricht eigentlich ganz grundsätzlich jeglicher Art von „Rettungsschirm“ innerhalb der Union. Die EU hebelte diese Klausel unter Berufung auf Artikel 122 des AEU-Vertrags (Vertrag über die Arbeitsweise der europäischen Union) aus, der finanzielle Hilfen an einzelne Mitgliedsstaaten erlaubt, wenn Naturkatastrophen oder außergewöhnliche Ereignisse, die von einem Staat nicht kontrollierbar sind, eintreten oder wenn der Staat ernsthaft von „gravierenden Schwierigkeiten“ bedroht ist. Das ist natürlich dünn, denn man müsste dabei auch klar argumentieren, dass Staaten wie Italien oder Irland ihre Staatsverschuldung nicht selbst verursacht haben, sondern diese durch Ereignisse, die außerhalb der Kontrolle dieser Staaten liegen, quasi von selbst eingetreten sind. Der irische Attorney General war ebenfalls 2012 der Auffassung, dass das wohl etwas dünn wäre – in einem entsprechenden Urteil erklärte der EU-Gerichtshof allerdings die Berufung auf Art. 122 und damit den ESM für zulässig, weil daran bestimmte Auflagen zur Verbesserung der Haushaltsführung geknüpft wären und man den EU-Staaten nicht einfach grundsätzlich jede Art der finanziellen Hilfe für einen anderen Staat untersagen dürfe.

Wie gut funktioniert der ESM tatsächlich?

Sieht man sich die Ausgestaltung des ESM an, kann man davon ausgehen, dass die zur Verfügung stehenden Mittel wohl nicht ausreichen werden, wenn größere Staaten in finanzielle Schieflagen geraten. Bei einer großen Volkswirtschaft wie Italien (die drittgrößte Volkswirtschaft in der EU) kann man das beinahe direkt vermuten – ihr Kapitalbedarf wäre bei einem unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch einfach zu groß.

Auch sonst gibt es einiges an zum Teil sicherlich berechtigter Kritik – etwa die relativ intransparente Kreditvergabe oder die nie ganz klaren Haftungsrisiken, die am Ende tatsächlich in nahezu unbegrenzter Höhe entstehen könnten. Auch das fehlende Austrittsrecht steht öfter einmal zur Debatte, ebenso wie das mit einfacher Mehrheit im Land nachforderbare Garantienkapital – ohne dass dabei auf die aktuelle Haushaltsführung des jeweiligen Staates Rücksicht genommen würde. Würde beispielsweise das gesamte Garantienkapital von Deutschland nachgefordert, würde der deutsche Bundeshaushalt mit Forderungen von über 600 Mrd. Euro belastet, was eine überhaupt noch irgendwie sinnvolle und eigenständige Haushaltsführung praktisch unmöglich machen würde. Die geforderte Summe wäre viel zu hoch, um daneben noch einen vernünftigen Bundeshaushalt zuzulassen.

Mittel der Wahl mag der ESM im Hinblick auf diese und noch kommende Krisen möglicherweise zwar sein – ein Allheilmittel ist er aber sicherlich nicht. Was jetzt aber auch kein Grund ist, wieder über Eurobonds in welcher Form auch immer nachzudenken – die wären nämlich auch keines.

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Die Corona-Krise in Deutschland hat es deutlich gemacht: Bereits ein zeitlich begrenzt auftretendes Schadensereignis kann weite Teile der Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit komplett aus den Schienen heben. Der Weg zum weitgehenden Zusammenbruch ist nur sehr kurz. Was wir dabei aber auch deutlich gesehen haben ist: Gut geplante Hilfen, die direkt zur Verfügung stehen, können sehr wirksam sein, um eine bedrohliche Situation zu bessern. Was für uns ein dramatisches, einzelnes Schadensereignis war, ist für viele Menschen in Schwellenländern schlicht Alltag. Prekäre Situationen, drohende Katastrophen gleich um die nächste Ecke. Und um der Situation zu entkommen, fehlen schlicht nur ein paar kleine Investitionen. Genau wie hier – vor allem bei den kleinen Selbständigen und den Gründern, die einfach nur eine Chance benötigen. Damit kann man als Anleger auch Geld verdienen – neben der nachhaltigen Verbesserung, die man damit erreicht.

Die Prinzipien des Wirtschaftens sind überall gleich

Machen wir uns nichts vor: Was uns derzeit an der Corona-Krise in wirtschaftlicher Hinsicht so erschreckt, das gehört in Schwellenländern zum Alltag. Die Möglichkeiten, dass zahlreiche Unternehmen in kurzer Zeit nicht mehr zahlungsunfähig sein könnten, dass das Wachstum komplett abgebremst wird, weil einfach die Mittel fehlen.

Die deutsche Bundesregierung hat für ihre Verhältnisse beinahe umgehend reagiert und finanzielle Hilfen bereitgestellt. Neben den Einmalzahlungen und gesetzlich verfügten Stundungsmöglichkeiten für fällige Zahlungen auch mit schnell und unbürokratisch verfügbaren Krediten. Gerade für viele kleine Unternehmen, für Solo-Selbständige und für Gründer ist das ein Rettungsring, den viele dringend brauchen. Ansonsten ist das eigene Unternehmen Geschichte – und die Lebensgrundlagen sind weg. Das erkennt man auch an der hohen Zahl der Anträge, die bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung des Angebots durch den Finanz- und Wirtschaftsminister bei den zuständigen Verwaltern eingingen.

Wer in Schwellenländern versucht, eine Existenz zu gründen, seinen Lebensunterhalt zu sichern und ein wenig finanzielle Sicherheit durch ein eigenes Geschäft aufzubauen, steht dort vor Situationen, die so aussehen wie hier am Höhepunkt der Corona-Krise. Dauerhaft. Prekär ist der Normalzustand. Mittel gibt es nicht. Schon gar nicht zu vernünftigen Bedingungen. Genau wie hier würden aber auch zu erträglichen Bedingungen vergebene Kredite (die in vielen Ländern verfügbaren Mittel gibt es zwar – aber oft für 20 % Zinsen pro Tag) helfen, die Situation zu stabilisieren. Und Wachstum und wirtschaftlichen Fortschritt in der Gesamtheit zu ermöglichen.

Wohlstand entsteht – das wissen wir alle – nur durch erfolgreiches Wirtschaften. Wenn hierzulande die vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen (wie aktuell) nicht mehr wirtschaften können, weil schlichtweg das Geld fehlt, dann geht es mit unser aller Wohlstand sehr schnell sehr weit bergab. Das verhält sich auch in Schwellenländern und den sogenannten „armen Ländern“ nicht anders. Wohlstand entsteht nur durch Wirtschaften.

Der Nähsklave irgendeines westlichen Textilkonzerns zu werden oder sich als ausgebeuteter Plantagenarbeiter mitsamt seiner Familie für das Notwendigste an Essen buchstäblich kaputt zu arbeiten stellt keinen erfolgreichen Weg zu einer soliden Existenzsicherung dar. Dadurch wird nur die Prekarität, die Armut und die schrittweise Aushöhlung der Ressourcen eines Schwellenlandes oder Dritte-Welt-Landes gefördert. Fortschritt bringt das nicht – niemals. Es zementiert nur die Armut und die Ausbeutung. Auch wenn wir uns gern damit schmücken, dass wir als „überlegene Nation“ mit unserem Billigst-Konsum ja die halbe Welt mit Arbeit versorgen. Ohne uns hätten die ja gar nichts. Das ist allerdings eine sehr zweifelhafte, imperialistische und zutiefst verächtliche Logik. Stolz braucht man auf so viel Herablassung echt nicht sein.

Für die ohnehin schon vom von den westlichen Nationen verursachten Klimawandel und nun auch von der Corona-Krise stark gebeutelten Nationen, dem sie ohnehin kaum noch etwas entgegenzusetzen haben, wird die Situation nur noch schlimmer. Für den Einzelnen wird es damit zunehmend unmöglich, an Investments zu kommen, um wenigstens ein kleines Unternehmen als Absicherung der eigenen Lebensgrundlage zu eröffnen und ein paar wenige Arbeitsplätze zu schaffen. Und mit Spenden und immer neuen IWF-Krediten kann man große Volkswirtschaften nicht dauerhaft am Leben erhalten. Nur Wirtschaften verbessert die Situation in solchen Ländern langfristig und dauerhaft wirklich.

Kleine Kredite zu vernünftigen Konditionen können eine enorme Wirkung entfalten

Wenn es nur darum geht, eine zweite Nähmaschine anzuschaffen, eine zusätzliche kleine Melkmaschine, ein paar Werkzeuge – stehen viele Menschen in Schwellenländern und Dritte-Welt-Ländern oft schon vor riesigen Problemen. Geld gibt es nur zu Wucherzinsen und Bedingungen, die jegliches sinnvolle Wirtschaften bereits im Keim ersticken. Sicherheiten kann kaum jemand bieten. Und das erwartete Wachstum würde noch nicht einmal reichen, um überhaupt die Wucherzinsen bezahlen zu können.

Die Situation, in der sich viele angehende Unternehmer befinden, ist vielen bewusst. Im Grunde sah es nach dem Zusammenbruch nach dem Zweiten Weltkrieg auch hierzulande ganz ähnlich aus. Viele heute bekannte Traditionsunternehmen wurden in dieser Zeit mit sehr geringen Mitteln von der Pike auf aufgebaut. Es brauchte nur einen kleinen Anschub und aus vielen zuvor mittellosen wurden später reiche und erfolgreiche Unternehmer, die eine beträchtliche Menge an Arbeitsplätzen schafften. Genau diesen Effekt kann man in vielen Schwellenländern auch erwarten, insbesondere wenn sich die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen dort ein wenig stabilisieren.

Aus diesem Grund wird in den letzten Jahren immer mehr auf sogenannte Mikrokredite gesetzt. Das sind Klein- und Kleinstkredite, die oft sogar deutlich unter 1.000 EUR liegen. Diese ermöglichen es Menschen aber, ihr Geschäft zu stabilisieren, auszubauen oder überhaupt mit einem eigenen Geschäft endlich substanzielle Einkünfte zu erwirtschaften. Wer meint, das wäre ohnehin nur verschwendetes Geld, der täuscht sich. Über 98 % der vergebenen Kredite werden pünktlich zurückgezahlt. Ein Zeichen, dass sie ihren Zweck erfüllt haben und tatsächlich zu einem Mehr an Einkommen geführt haben, sodass der Kredit zurückgezahlt wurde. Und das, obwohl die verlangten Zinsen zum Teil noch immer über 20 % p.a. (wenigstens nicht pro Tag!) liegen. Was allerdings an den wirtschaftlichen Unsicherheiten (Inflation) und dem hohen Aufwand bei der Vergabe in solchen Ländern liegt.

Viele Kredite werden dabei im landwirtschaftlichen Bereich vergeben, um Saatgut oder dringend benötigte Anbaugeräte anzuschaffen und somit den Anschub für eine dauerhaft erfolgreiche und grundlegende Existenzsicherung zu legen. Viele Kredite gehen aber auch an Solo-Selbständige oder Mini-Unternehmen, die Waren für den regionalen Bedarf herstellen und somit auch helfen, die Versorgungssituation zu verbessern. Auch einige erfolgreiche Geschäftsideen, die häufig auch die Lebensqualität der Menschen vor Ort ein wenig verbessern können, erhielten damit einen Anschub.

Mikrokredite als Anleger unterstützen

Eine der bekanntesten Anlagemöglichkeiten ist der Mikrofinanzfonds der „Invest in Vision“ (ISIN DE000A1H44T1), den es schon seit 2011 gibt. Mit dem eingesammelten Geld werden unterschiedliche Mikrofinanzinstitute in verschiedenen Ländern finanziert, die das Geld dann als Mini-Kredite an Landwirte und Kleinunternehmer vergeben. Die eintreffenden Rückzahlungen fließen dann samt den Zinsen wieder zurück an den Fonds.

Damit erwirtschaftet der Fonds auch eine kleine Rendite, die nach dem Willen der Fondsbetreiber zwischen 2 % und 4 % liegen soll. In der Betrachtung der letzten fünf Jahre – die wirtschaftlich ganz sicher auch für viele Schwellenländer nicht einfach waren – hat man das geschafft und eine durchschnittliche Performance von 2,64 % erreicht. Trotz einiger kleinerer Schwankungen ist das ein durchaus brauchbares Ergebnis. Dabei ist auch die Volatilität vergleichsweise niedrig.

Man darf man nicht vergessen, dass der gesamtwirtschaftliche Effekt, den ein hohes verfügbares Volumen an Mikrokrediten für Selbständige in Schwellenländern und Dritte-Welt-Ländern haben kann, natürlich vordergründig ist. Langfristig gesehen kann das für die Wirtschaft dieser Länder einen riesigen Unterschied auf dem Weg zu Wohlstand, wirtschaftlicher Stärke und besseren Lebensbedingungen für die Menschen im Land machen. Angesichts des Ergebnisses, das der Mikrofinanzfonds kontinuierlich erzielt, ist das eine echte Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Man sollte also vielleicht einmal kurz daran denken, während man sich mit dem beruhigenden Gefühl zurücklehnt, dass man hierzulande mit staatlich gezahltem Kurzarbeitergeld und Sofortkrediten für die Wirtschaft sehr sicher ist. Auch in anderen Ländern hätte das für viele einen ähnlichen Effekt. In einer insgesamt oft viel prekäreren und aussichtslosen Situation. Diese Sicherheit für die Menschen kann man erhöhen, wenn man bei der eigenen Anlage auch in dieser Richtung diversifiziert. Und Fonds mit so wichtigen Anliegen ebenfalls für einen kleinen Teil seiner Anlage verwendet. Krisen werden erträglicher, wenn man das Gefühl hat, nicht alleingelassen zu sein. Und niemanden allein zu lassen. In diesem Fall könnte man es zumindest – mit einem möglicherweise sehr großen und nachhaltigen Effekt.

In diesem Zusammenhang möchten wir auch unser persönliches Missfallen darüber ausdrücken, dass von vielen großen Modekonzernen bereits beauftragte und fertiggestellte Kollektionen nicht mehr abgenommen und bereits geleistete Arbeit in vielen Dritte-Welt-Betrieben einfach nicht mehr bezahlt wird. Einfach, weil man hierzulande seine Läden für vier Wochen nicht öffnen darf. Die Folgen für die vielen hunderttausend Näher und Näherinnen in diesen Ländern, die nun in der Mehrzahl auch keinen Lohn mehr erhalten werden, sind verheerend. Mit einem Verweis auf die eigene Gewinnbilanz einfach darüber hinwegzugehen, halten wir ethisch für nur schwer vertretbar. Und ganz klar für kein ethisch vertretbares und verantwortungsvolles Wirtschaften. Das stellt den genauen Kontrapunkt zu einer Wirtschaftsförderung mit Mikrokrediten dar.

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