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Im ersten Teil unseres Beitrags haben wir erklärt, warum Wachstum für Unternehmen innerhalb der Wirtschaft zwingend notwendig ist. In diesem Teil werden wir uns nun mit den Downsides des ständigen Wachstums, mit seinen Grenzen und Risiken befassen.

Auch staatliche Wirtschaft muss wachsen

Zunächst noch eine weitere Prämisse unseres Wirtschaftssystems, die oft untergeht: Nicht nur Unternehmen müssen wachsen, sondern auch die gesamte Wirtschaftsleistung eines Staates muss nach gängiger Wirtschaftsdiktion kontinuierlich wachsen.

Die Gesamtmenge der Güter die in einem Staat produziert und konsumiert wird, muss steigen – nur dadurch kommt es zu steigenden Löhnen, einem ständig steigenden Lebensstandard bei der Bevölkerung (wenigstens theoretisch und über Jahrzehnte hinweg) und steigenden Ausgaben der Haushalte für Konsum.

Das ist umgekehrt wiederum der Motor für Unternehmen, die dadurch mehr produzieren und neue Produkte schaffen können, weil die Menschen einen höheren Bedarf und eine höhere Kaufkraft durch die gestiegenen Löhne haben – und umgekehrt. Die Zahl der Arbeitsplätze wächst, die Arbeitsbedingungen werden besser, die Löhne höher und die Menschen kaufen mehr und erhöhen durch diesen größeren Besitz ihren Lebensstandard.

Wie gesagt, theoretisch. In der Praxis ist das ein sehr, sehr kompliziertes Gefüge. Einen höheren Absatz erreichen Staaten im Inland meist nicht mehr, daher müssen sie exportieren und sich neue Märkte (z.B. China) suchen. Damit treten sie in Wettbewerb zu heimischen Wirtschaften, die sie zunächst überflügeln müssen. Gerade bei Schwellenländern ist das noch recht einfach, weil dort meist mit geringerem Technologieeinsatz und geringerer Effizienz produziert wird – und die Produkte deshalb häufig nicht so hochwertig und wegen der geringeren Stückzahlen auch teurer sind. Ein afrikanischer Molkereibetrieb, der die Milch von 500 Kühen verarbeitet, hat einem deutschen Großkonzern, der Abermillionen von Litern Milch mit modernsten Maschinen verarbeitet, nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen. Dafür kommen dann viele Afrikaner in den Genuss von nicht ganz so billigem, aber deutlich billigerem deutschen Milchpulver – und der kleine afrikanische Molkereibetrieb geht schnurstracks pleite. Es herrscht eben Wettbewerb, allenthalben und überall auf der Welt.

Der deutsche Großbetrieb braucht neue Märkte, um weiter wachsen zu können und den Kampf gewinnt er spielend. Jedenfalls so lange, bis das Schwellenland seine eigene Wirtschaft und Produktivkapazität gesteigert hat, um mithalten zu können. Und den ausländischen Großkonzern irgendwann (vielleicht in Jahrzehnten) aus dem heimischen Markt werfen kann.

Die Downsides des Wachstums

Das Bild des stetigen Wachstums und der ständig steigenden Löhne und des immer steigenden Lebensstandards in den Industrienationen ist natürlich zu schön, um wahr zu sein. Es ist eine Illusion, bestenfalls ein theoretisches Ideal. Dass die Wirklichkeit in weiten Bereichen dann doch ein wenig anders aussieht, wird dem einen oder anderen wohl schon aufgefallen sein.

Downside 1: Gegensätzliche Bedürfnisse

Die aktuellen Diskussionen um die ständig steigenden Mieten zeigen bereits in einem einzelnen, klar abgegrenzten Bereich, wie sich die Notwendigkeit zum Wachstum und bestimmte Grundbedürfnisse entgegenstehen.

Menschen wollen nicht den Großteil ihres verfügbaren Einkommens (oder noch mehr als das) dafür aufwenden, um in einer bestimmten Stadt, in der sie aufgrund ihrer Arbeitssituation wohnen müssen, die Miete zu bezahlen.
Die Niedrigzinspolitik, um die Wirtschaft anzukurbeln, verringert die vorhandenen lukrativen Anlagemöglichkeiten. Damit fließt viel Anlage-Geld in Immobilien – gewohnt wird schließlich immer und Mieterhöhungen sind eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, seinen Gewinn aus der Anlage kontinuierlich zu erhöhen.

Die großen Wohnungsbau-Anbieter sind – wegen ihrer Investoren – natürlich auch in der Zwangslage, von Jahr zu Jahr höhere Gewinne zu erzielen, um für die Anleger Rendite zu erwirtschaften. Schaffen sie das nicht, fließt kein neues Geld mehr, weil es für die Anleger unattraktiv wird. Damit wird das Wachstum und auch der Bau neuer Wohnungen für noch mehr Einnahmen gebremst.

Nimmt man ihnen diese Möglichkeit, wie etwa durch den jüngst für Berlin geplanten „Mietendeckel“ (keine Mieterhöhungen für die nächsten fünf Jahre, Erhöhungen von über 50 Cent pro Quadratmeter wegen Renovierungen sind genehmigungspflichtig) sind die Folgen drastisch: Allein die Ankündigung des Mietendeckels ließ bei der „Deutsche Wohnen“ den Aktienkurs um massive 9 % fallen, bei der „Vonovia“ waren es über 4 %. Anleger sind also allein schon von der Perspektive, dass es einmal ein paar Jahre keine Erhöhungen gibt, gleich schreckensstarr – und sofort bereit, ihr Geld abzuziehen. Das macht dann die großen Wohnungsbau-Konzerne ebenso schreckensstarr.

Auf der anderen Seite steht natürlich das Bedürfnis der Mieter nach bezahlbarem Wohnraum in ihrer Stadt. Die Wohnungen werden knapp – das treibt die Preise natürlich noch weiter in die Höhe. Zusätzlich ist das Einkommen der Bewohner natürlich nicht im gleichen Maß gestiegen, wie nun der Wohnraum teurer wird. Damit ist es für viele unleistbar geworden.

Privatpersonen können nicht in gleichem Maß „wachsen“ wie Unternehmen – ihr Einkommen bleibt über lange Strecken hinweg eher gleich, weil einfach kein Potenzial da ist, um sein Arbeitseinkommen alle zehn Jahre annähernd zu verdoppeln. Bei vielen nimmt das Einkommen (also der wirtschaftliche Gewinn) im Lauf des Lebens sogar eher ab, bei gleichzeitig steigenden Lebenshaltungskosten und Konsumansprüchen.

Das Recht auf Wohnen wird dennoch zu Recht als ein Grundrecht angesehen, das jedem zusteht. Und die Möglichkeiten, aufs flache Land zu ziehen, um die überhöhten Kosten wieder aufzufangen, besteht für viele einfach nicht, da die Quelle ihres wirtschaftlichen Gewinns, nämlich ihre Arbeitsstelle, an die jeweilige Großstadt gebunden ist. Fällt diese Quelle weg, kann sie auf dem flachen Land nicht einfach durch eine gleichwertige Quelle ersetzt werden – weil es die dort nicht gibt. Damit gehen die Einnahmen nach unten oder fallen ganz weg – der Nettogewinn ist negativ. Das wäre „negatives Wachstum“, oder für viele schlicht existenzbedrohend.

Die Lösung liegt scheinbar nahe: Wenn der Staat dafür sorgt, nun endlich bezahlbaren Wohnraum in ausreichender Menge zu schaffen (dafür braucht man Taten, nicht Statistiken und Ankündigungen) wäre das Problem gelöst. Fällt die künstliche Verknappung weg, fallen auch die Preise, der Wettbewerb der Wohnungsbesitzer und -bauer um die nicht mehr im Übermaß vorhandenen Kunden würde einiges regeln.

Ganz so einfach ist das aber nicht umzusetzen, weil erstens die Rahmenbedingungen für kostengünstiges und wirtschaftlich rentables Bauen teilweise nicht mehr gegeben sind (Grundstückspreise, steigende Baukosten durch immer mehr staatliche Verordnungen beim Bau) und andererseits, weil  die Verknappung natürlich im Interesse einzelner Wirtschaftstreibender und Anleger liegt, die nun mal hoch davon profitieren – und sich das nicht so einfach wegnehmen lassen.

Auch ganz einfach den Druck von den Städten zu nehmen, indem man Telearbeitsplätze stark fördert, die Menschen bei der Wohnortauswahl unabhängiger machen, scheitern einerseits an den gegebenen Rahmenbedingungen und auch an dem Zeitraum, der für eine Umsetzung notwendig wäre.

Hier kollidiert das kapitalistische Wirtschaftsprinzip also klar mit den Grundbedürfnissen der Menschen. Ganz klar.

Downside 2: Ressourcen

Wir müssen uns vor Augen halten, dass man Dinge nicht aus dem Nichts produzieren kann. Vom Kaugummi bis zum Autoradio – für alles sind Ressourcen nötig. Wenn wir von Jahr zu Jahr immer mehr produzieren wollen, verbrauchen wir von Jahr zu Jahr auch immer mehr Ressourcen.

Ressourcen haben allerdings ein grundlegendes Problem: Sie sind endlich. Schon 2001 hieß es, die vorhandenen Eisenreserven für die Stahlproduktion würden noch für hundert Jahre reichen, bis sie erschöpft sind. Schon zehn Jahre später verbrauchten wir pro Jahr weltweit aber doppelt so viel wie 2001. Wasser ist ebenso eine endliche Ressource wie Erdöl oder bestimmte Metalle.

Wissenschaftlern zufolge würden wir, wenn die gesamte Welt auf dem Niveau der Industrienationen produziert und konsumiert, bereits heute mindestens vier Planeten brauchen. Dabei wollen wir – oder vielmehr müssen wir, um das System am Laufen zu halten, aber weiter wachsen und möglichst auch den Lebensstandard der ärmeren und unterentwickelten Länder fördern. Im Moment rettet uns nur das Gefälle, bei dem der größte Teil der Welt praktisch gar nichts hat, vor dem Ressourcenkollaps. Gerade noch so.

Das Mehr an Produktion und Konsum weltweit sorgt natürlich auch für ein Mehr an Umweltverschmutzung, unbewältigbaren Mengen an gefährlichen und überaus schädlichen Stoffen und natürlich an CO2– für Transporte exportierter und importierter Waren und für die Produktions-, Werbe- und Verkaufsvorgänge an sich.

Eine Balance zwischen Wachstum und einem verringerten allgemeinen Ressourcenverbrauch und Abfallvolumen ist zwar nötig, aber eine überaus schwierige Sache. Recycling ist eine Möglichkeit – allerdings lässt sich längst nicht alles in ausreichender Qualität recyclen, um als wertvoller Rohstoff zu gelten. Zudem ist auch der Recycling-Prozess ein Industrieprozess, der nicht ohne Energieaufwand und in den meisten Fällen auch nicht ohne Umweltbelastungen durchzuführen ist. Nachwachsende Rohstoffe sind eine Möglichkeit, wenn sichergestellt wird, dass dem Rohstoff auch ausreichend Platz zum Nachwachsen zur Verfügung steht – und ausreichend Zeit. Auch hier gibt es Grenzen.

All diese Lösungen sind nur mögliche Teil-Strategien, die den Ressourcenverbrauch nur in Teilbereichen um einen gewissen Prozentsatz verringern können. Auch das ist allerdings eine endliche Größe. Bedingt durch die technischen Möglichkeiten und den geforderten ständigen Zuwachs sind „echte“ Kreisläufe schon rein logisch nicht möglich.

Dowside 3: Rahmenbedingungen

Neuerungen können Wachstum bringen – allerdings nur dann, wenn sie auch tatsächlich durchführbar sind. Ein gutes Beispiel dafür ist die vollmundige Ankündigung der deutschen Politik, bis 2020 würden „1 Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren“ – und kurz darauf wären Verbrennungsmotoren Geschichte.

Die Automobilhersteller haben diese Ankündigung mit weniger Freude aufgenommen – denn sie sollen diese Fahrzeuge ja auf wirtschaftliche Weise produzieren und mit der neuen Produktion auch noch ihre Gewinne vergrößern. Unternehmenstechnisch gesehen bedeutet das, dass der Umsatz mit Elektrofahrzeugen genauso hoch oder noch höher sein muss wie bei der Zahl der konventionellen Fahrzeuge, die dann wegfallen. Das ist eine sehr riskante Rechnung.

Insbesondere dann, wenn man sich die Rahmenbedingungen ansieht: Die Stromversorger haben gerade eben verkündet, ausreichend Ladestationen zur Verfügung stellen und den Strombedarf decken zu können, wäre eine „Mammutaufgabe“. Und das, obwohl die Kohlekraftwerke noch laufen, die ja auch wegfallen sollen. Es besteht weder ein ausreichend belastbares Leitungsnetz noch überhaupt eine ausreichende Menge an Leitungen, um den Stromüberschuss der Windkraftwerke transportieren zu können – Zwischenspeichermöglichkeiten für Überschüsse gibt es auch nicht. Man denke darüber nach, Fahrzeuge eventuell nicht voll laden zu lassen, wenn Verbrauchsspitzen bestehen – oder von den Nutzern einfach zeitversetztes Laden zu verlangen. „In drei Stunden können Sie dann aufladen“.

Jedem wird einleuchten, dass das die Kaufbereitschaft für Elektrofahrzeuge wohl kaum steigern wird. Niemand wird freudestrahlend zum Händler laufen und rufen „Ja, ich möchte nicht wissen, wo und wann ich mein Fahrzeug aufladen kann und wie weit ich überhaupt damit komme – und ich zahle gern den dreifachen Preis im Vergleich zum konventionellen Fahrzeug, dafür rette ich dann auch die Umwelt um 1,5 % mehr“.

Von Unternehmen zu erwarten, dass sie angesichts solcher Bedingungen jetzt auch noch massive Gewinne mit neu und teuer entwickelten Elektrofahrzeugen erwirtschaften, damit da natürlich auch noch Rendite im Altersvorsorge-Portfolio entsteht, ist schon fast dreist.

Die Rahmenbedingungen lassen Wachstum oft einfach nicht zu – und daran können wir häufig nichts ändern. Wir können unschuldige kleine Kinder seltene Erden ausgraben lassen, die wir für die Batterieherstellung benötigen – wenn das allerdings aus humanen Gründen endlich verboten wird, ist unser Wachstum durch die Rahmenbedingungen beschränkt.

Wir können auch nicht endlos Gebäude errichten, Zement herstellen oder Flächen für die Viehzucht vergrößern – irgendwo setzen entweder die vorhandenen Ressourcen oder die Rahmenbedingungen, oft zum Schutz vorhandener Ressourcen, einfach Grenzen. Die Realität zu ignorieren beschert Unternehmen dann Verluste, Anlegern Enttäuschung und der Welt ein paar Zerstörungen mehr.

Wir tragen Verantwortung

Natürlich sind wir als Anleger nicht die Erfinder unseres Wirtschaftssystems oder seine Lenker. Wir sind als Menschen aber die Mehrzahl und als Anleger die Geldgeber. Das bedeutet schon eine gewisse Macht. Und Macht kommt nie ohne die auch dazu gehörende Verantwortung.

Es ist unsere Verantwortung, genau hinzusehen in was wir unser Geld investieren. Wer waffenproduzierende Unternehmen mit seinem Geld unterstützt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er am Ende mehr Kriege sieht: Wachstum bedeutet Mehrproduktion und damit auch Mehr-Einsatz, kein Unternehmen produziert Ausschuss einfach für die Tonne. Und wer mit seinem Geld die Produktion von noch mehr Plastikmüll unterstützt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er beim nächsten Badeurlaub dann versehentlich einen Plastikbeutel schluckt.

Es ist auch unsere Verantwortung, als Teil der Masse nachzudenken und hinzusehen und mit anderen darüber zu reden. „Hat mich nicht interessiert, genug mit mir selbst zu tun“, ist keine auch nur irgendwie gerechtfertigte Entschuldigung. Es ist einfach nur narzisstisches Desinteresse an allem, außer sich selbst.

Wir sind sehr wohl verantwortlich dafür, wo wir unser Geld investieren, welche Systeme und Entwicklungen wir fördern und wem wir unser Geld geben – selbst wenn es nur ein wenig Geld ist. Wir sind die Geldgeber – und diese Verantwortung bleibt. Was wir nicht (mehr) fördern und nicht mehr kaufen, wird auch nicht produziert, aus logischen, wirtschaftlichen Gründen. Wir sind nicht machtlos.

Die heutige Jugend, der niemand viel zugetraut hätte, hat das erkannt und stellt sich mutig auf die Straße und den Anfeindungen der Alten entgegen („lernt erst mal was“). Vielleicht wollen sie genau das, was unseren Planeten in den letzten 100 Jahren zerstört hat, eben nicht lernen und blind übernehmen – sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst, die sie für die Zukunft haben.

Genau das sollten wir als Anleger auch – uns überlegen, wem wir unser Geld geben und zu welchem Zweck. Und als Geldgeber verantwortungsvoll und bewusst mit unseren Mitteln umzugehen. Von dieser Verantwortung kann uns niemand befreien. Jeder Anleger trägt sie höchstpersönlich.

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Wir reden hier im Blog über Gewinnchancen und Anlagemöglichkeiten, über Vermögensaufbau und Altersvorsorge und über Anlegerwissen. Gelegentlich ist es allerdings auch an der Zeit, sich einmal über die andere Dimension, über das dahinter stehende Wachstum und das Wirtschaftssystem als Grundlage Gedanken zu machen. Einige Ansatzpunkte zum Nachdenken auch für Anleger haben wir in diesem Artikel zusammengetragen.

Prämisse: Wachstum

Wachstum ist das, was unsere Wirtschaft, aber auch jedes einzelne Unternehmen antreibt. Das ist eine grundlegende Prämisse unseres Wirtschaftssystems. Wo kein Wachstum ist – oder zumindest zu erwarten ist – gibt es auch keine künftigen Gewinne. Professionelle Investoren halten sich eisern an dieses Prinzip, sie haben es komplett verinnerlicht und bewerten die (wirtschaftliche) Welt allein aus diesem Gesichtspunkt heraus. Ohne Wachstum – kein Gewinn.

Sehen wir uns das einmal an einem einfachen Beispiel an: Unternehmen XY produziert eine kleine Auswahl an Backwaren innerhalb eines recht einsam gelegenen Landkreises, jwd – „janz weit draußen“, wie die Berliner sagen. Die Leute lieben die Brote und Semmeln von XY und haben sie täglich auf dem Speisezettel. Das Unternehmen beliefert nur Geschäfte im Landkreis und das schon seit Jahren. Das sorgt für ausreichenden Gewinn, um die Angestellten zu bezahlen und die Maschinen zu warten und zu reparieren und auch der Inhaber verdient gutes Geld an seinem Unternehmen.

Soweit alles gut, könnte man meinen. Das kann noch Jahrzehnte so laufen, alle sind glücklich – die einen mit ihren Semmeln, die anderen mit einem stabilen Geschäft. Alles gut? Nein, ist es nicht.

Nach den Gesetzen der Wirtschaft ist dieses Unternehmen zum Untergang verurteilt und zwar möglicherweise schon bald – weil es nicht wächst. Und was nicht wächst, das schrumpft. Und was schrumpft ist irgendwann kaputtgeschrumpft, kann seinen Betrieb nicht mehr aufrechterhalten und scheitert an den Kosten und den notwendigen Investitionen.

Auf den ersten Blick erscheint das alles völlig unverständlich. Wenn doch alles so gut läuft, könnte es doch einfach auch in Zukunft so weiterlaufen? Die einen backen das Brot, die anderen essen es, alles super. Es ist genau der Punkt, den wir als einfache Privatleute an der Wirtschaft so oft nicht verstehen – und daher auch häufig politische Entscheidungen im wirtschaftlichen Bereich und Unternehmensstrategien nicht. Dinge, die wir aber verstehen müssen – und durchaus auch kritisch betrachten dürfen, ab und an.

Kein Wachstum bedeutet Untergang

Das Problem stellt sich einfach schon allein dadurch, dass es diesen fiktiven Landkreis in Wirklichkeit nicht gibt. Und den Alleinstand eines die Bürger versorgenden Unternehmens schon gar nicht.

So eine Situation würde sofort mindestens ein zweites Unternehmen auf den Plan rufen, das dort Chancen sieht. Es würde angreifen, mit billigeren Semmeln, mit besseren Semmeln, mit anderen Produkten. Ja, Wirtschaft ist immer Kampf, ja Krieg. Und wo man eine Schwäche sieht und ein einzelner Versorger in einem abgeschlossenen Gebiet wird als schwach gesehen, dort versucht man zu übertrumpfen, seinen Gewinn zu machen, den anderen zu beschneiden, um selbst etwas abzukriegen.

Damit würde unser Backwarenhersteller XY irgendwann kleiner werden – angreifen wird hier vermutlich nicht ein einzelner, sondern gleich mehrere Unternehmen mit unterschiedlichen Angeboten. Die einzige Chance des Backwarenherstellers XY wäre, mit neuen Produkten zu kontern und um die Verluste auszugleichen, auf anderen Märkten und mit anderen Produkten Gewinne suchen – also wachsen. Tut er das nicht, werden ihm immer mehr Gewinne aus dem Landkreis weggenommen und der Absatz seiner Produkte wird schrumpfen. Die Menschen können schließlich nicht unbegrenzt Backwaren essen.

Verbraucher profitieren vordergründig von diesem Krieg – sie erhalten immer mehr und immer bessere Angebote von immer neuen Unternehmen, können Neues ausprobieren und mit billigeren Semmeln ihre eigenen Brotkosten senken.

Das ist das Grundprinzip unserer kapitalistischen Wirtschaft. Auf dieser Grundlage läuft alles – wirklich alles.

Das sozialistische Wirtschaftsprinzip hat im Gegensatz dazu nicht den Wettbewerb, sondern vor allem den Bedarf als Grundlage. Wir brauchen jeden Morgen 12.353 Semmeln und 24.000 Brote – wir haben ein Unternehmen, das im Landkreis YZ diese Menge herstellt, mit ein bisschen Reserve vielleicht.

Damit ist alles gut, der Bedarf kann gedeckt werden. Die Wirtschaft funktioniert. Niemand erfindet Spezialbrote, Eiweißbrot und Brot mit südamerikanischen Samen drin, weil niemand einem anderen den Markt und die Kunden streitig machen muss (oder darf). Manchmal gibt es Engpässe, wenn nicht alles so klappt, wie es soll, Ausweichprodukte sind dann rar, aber meistens bekommt man das hin, mit ein bisschen Einsatz und Sonderschichten.

Im Großen und Ganzen wird der echte Bedarf aber gedeckt, alles Notwendige wird zu überschaubaren Kosten produziert, unternehmerische Risiken gibt es nur wenige. Produkte werden natürlich weiterentwickelt, allerdings mit deutlich weniger Innovationsdruck, dafür aber mit deutlich mehr Investitionssicherheit.

Das sozialistische Wirtschaftssystem in den Ostblockländern haben wir allerdings Anfang der Neunzigerjahre voller Empörung abgeschafft, weil wir dort viel zu wenige „tolle“ Produkte fanden und der Kapitalismus ja eine riesige Auswahl an allem Möglichen und Unnötigen bot. Und dauernd was tolles Neues auf den Markt kam.

Ohne Wachstum keine Anlage

Wenn unser Backwarenhersteller XY sich im kapitalistischen Wirtschaftssystem nun also immer neue Märkte suchen muss, auf denen er sich mit tollen, innovativen Produkten nach oben kämpfen und behaupten muss, braucht er dafür Geld.

Es ist Geld nötig für Forschung und Entwicklung von neuen, fortschrittlichen Backwaren, es ist Geld nötig für das Marketing, um diese Produkte zu bewerben und den Menschen zu suggerieren, dass sie das nun unbedingt brauchen, um schöner, gesünder und stärker zu werden – und dass sie besser das XY-Brot kaufen sollten und kein anderes. Die Produktion soll kostengünstiger werden, um im allgemeinen Preiskampf um den günstigsten Preis mithalten zu können, Mitarbeiter müssen eingespart werden, um „wettbewerbsfähiger“ zu werden und neue Maschinen müssen angeschafft werden, um mehr in weniger Zeit produzieren zu können. All das kostet Geld.

Dieses Geld muss von irgendwoher kommen. Die Gewinne aus dem laufenden Betrieb reichen selten für massive Innovationen oder Weiterentwicklungen aus, vor allem, da eigentlich ständig solche Weiterentwicklungen laufen müssen, um nicht abgehängt zu werden. Dieses Geld kommt von Investoren.

Im Idealfall sieht das so aus, dass das Unternehmen von Investoren beispielsweise 100.000 Euro bekommt, dafür in den nächsten Jahren 1 Million Euro mehr Gewinn macht. Von diesem höheren Gewinn bekommen die Investoren dann etwas ab, um sie bei Laune zu halten. Das eingesetzte Geld der Investoren erzeugt also Rendite für die Investoren. Ansonsten hätten sie ja keine Veranlassung, ihr Geld dem Unternehmen zu überlassen.

Im Beispiel des Unternehmens, das in aller Gemütsruhe und ungestört allein seinen Landkreis mit Backwaren versorgt, gäbe es hingegen keine Anlagemöglichkeit. Dieses Unternehmen braucht kein Geld, es finanziert sich zum großen Teil aus den Gewinnen des laufenden Betriebs. Damit kann man ebenfalls längerfristig besser und fortschrittlicher werden. Fremdkapital ist nicht nötig – und damit gibt es auch keine Anlagemöglichkeiten – und natürlich keine Rendite. Die Gewinne werden nicht plötzlich steigen, sondern eher vergleichsweise stabil bleiben. Für Investoren wäre an diesem Unternehmen nichts zu holen und auch nichts zu gewinnen.

Im folgenden Teil unseres Beitrags werden wir uns dann mit den Grenzen und den negativen Folgen von Wachstum befassen – eben dort liegt der Punkt, wo man auch als kleiner Anleger nachdenken und vor allem überlegen sollte, wie und wo man als Anleger tatsächlich investieren möchte.

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Folge 69 – Exchange Traded Fund (ETF) (Fonds #18)

Was ist ein ETF Sparplan?

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Das Spiel mit den Schulden Teil II https://www.diekleinanleger.com/das-spiel-mit-den-schulden-teil-ii/ https://www.diekleinanleger.com/das-spiel-mit-den-schulden-teil-ii/#respond Mon, 02 Sep 2019 08:07:56 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=12302 Neue Seidenstraße: Das Spiel mit den Schulden, Teil II Im ersten Teil unseres Beitrags haben wir uns mit den massiven chinesischen Investitionen beschäftigt, die China im Zuge seines Projekts „Neue Seidenstraße“ in allen Ländern der Welt tätigt, ganz allgemein mit […]

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Neue Seidenstraße: Das Spiel mit den Schulden, Teil II

Im ersten Teil unseres Beitrags haben wir uns mit den massiven chinesischen Investitionen beschäftigt, die China im Zuge seines Projekts „Neue Seidenstraße“ in allen Ländern der Welt tätigt, ganz allgemein mit der Macht der Gläubiger und mit den Konditionen chinesischer Investments. In diesem Teil wollen wir uns ansehen, wie sinnvoll eine solche Investment-Strategie insgesamt sein kann, welche Risiken sie birgt – und wie die Situation für China aussieht. Das übersehen wir ja sehr oft, da wir grundsätzlich alles immer nur aus westlicher Perspektive sehen.

Kredite als Anreiz für wirtschaftliche Entwicklung

Wie wir schon im letzten Beitrag kurz angerissen haben, steckt hinter den recht strengen chinesischen Kreditkonditionen wohl durchaus ein Kalkül. Es ist in gewisser Weise auch ein Anreiz-System – etwas, das unserer Denkweise im Westen vielleicht nicht ganz entspricht.

Wir sehen uns selbst als reiche Länder und die anderen als „arm“ – und damit unterlegen. In unserem Wertekanon müssen wir anderen, Ärmeren, deshalb „helfen“ – was zur Folge hat, dass wir sie mit billigem Geld überschwemmen und mit Spenden und damit, ihnen Sachen zu schenken. Das wertet sie allerdings auch ab.

Natürlich sind wir grundsätzlich auch daran interessiert, diese Länder wirtschaftlich zu stärken, um uns Absatzmärkte zu erschließen. Das tun wir allerdings nur am Rande.

Es verhält sich im Grunde wie bei der Kindererziehung: Wer Kinder nicht ab und an fordert, fördert sie auch nicht. Um sich zu entwickeln, muss man sich anstrengen. Manchmal ist das schwierig, und manchmal eine Herausforderung. Nur so wird man aber irgendwann leistungsfähig – als Mensch genauso wie als Staat. Wer nie fordert, sondern immer nur fördert und unterstützt, der wird nicht viel Ergebnis erzielen können – und vor allem nicht die Selbstverantwortung und den Leistungswillen stärken können.

Wer immer nur fördert, aber nie fordert, erzeugt bei niemandem Selbstverantwortung – weder bei Kindern noch bei Staaten. Man kann nur wachsen, wenn man sich entwickelt und man kann sich nur entwickeln, wenn man den Druck dazu spürt, sich entwickeln zu müssen. Verhätschelte Kinder, die alles haben und bekommen, tun sich später schwer, Leistung zu bringen. Kinder, die um manches kämpfen müssen, leisten später oft Beachtliches – selbst unter widrigsten Bedingungen.

China geht in diesem Punkt einen anderen Weg: es betrachtet andere Staaten grundsätzlich nicht aus der abwertenden, westlichen Perspektive als unterlegenes „armes, schwaches“ Land – sondern als gleichwertige Partner auf Augenhöhe. Partner, denen es eine Chance gibt mit seinen Krediten. Aber von denen es auch verlangt, sich zu entwickeln, die Chance wirklich zu nutzen. Es sieht bei allen Ländern ein individuelles Potenzial, das jedes Land für sich nutzen kann – es kommt am Ende immer nur darauf an, was man aus seinem eigenen Potenzial an Menschen, Rohstoffen und geographischer Lage eben macht. Das ist eigentlich eine sehr ausgeglichene, sehr faire und sehr demokratische Sicht der Dinge.

China mag das vielleicht leichter fallen als uns. Wir sind schon zu lange reich und überlegen, während China bis vor wenigen Jahrzehnten sicherlich auch noch als eine Art Entwicklungsland gelten konnte. China war enorm arm, hat sich als Billigstproduzent für westliche Länder mühsam nach oben gekämpft – und China verlangt auch heute noch von seinen Kindern echten Einsatz und wirkliche Anstrengung, um etwas zu erreichen und etwas zu leisten. Niemand wird verwöhnt – alle sollen Leistung bringen und sich wirklich anstrengen.

Dünkel gegenüber ärmeren Ländern und ein Gefühl der „Überlegenheit“ aufgrund von Reichtum und besseren Lebensbedingungen steht China angesichts der eigenen Geschichte auch nicht gut zu Gesicht. Es ist vielleicht noch ein wenig „näher dran“ an den Entwicklungsländern und den Schwellenländern, versteht besser als wir, was diese Länder tatsächlich brauchen. Es gibt ihnen eine Chance durch Investitionen, lässt sie aber auch klar den Druck spüren, dass sie diese Chance nutzen müssen, um weiterzukommen. Entwicklungstechnisch ist das vielleicht der besser funktionierende Ansatz. Er ist zumindest sehr überlegt.

Sieht man sich unseren Ansatz – vor allem in Afrika – an, kann man ihn nach Jahrzehnten durchaus als in weiten Teilen gescheitert betrachten. Es wäre also einmal an der Zeit, darüber nachzudenken, anstatt China gleich zu verteufeln und Chinas Entwicklungspolitik sofort für „asozial“ zu erklären.

Macht es Sinn, ärmeren, überschuldeten Ländern Kredite aufzudrängen?

Das ist natürlich eine Frage, die man nicht einfach so pauschal beantworten kann. Die Situation jedes Landes ist anders und auch das Potenzial einzelner Länder unterscheidet sich im Einzelfall sehr stark.

Für von vornherein hoch verschuldete Staaten ist es natürlich fatal, wenn sie noch zusätzliche Kredite aufnehmen, zu vergleichsweise teuren Bedingungen und ohne die notwendige Wirtschaftsleistung zum Bedienen der Kredite endlich zu erbringen. Ein solcher Weg wird sehenden Auges in den Abgrund führen.

Wie immer stellt sich allerdings auch hier die Frage nach der Verantwortlichkeit. Von „Aufdrängen“ kann bei den Krediten keine Rede sein – jede fest installierte Regierung in einem Land hat sehr wohl die Entscheidungshoheit darüber, welche Mengen an Krediten es akzeptiert – und welche nicht mehr. Es ist allerdings das klassische Schuldnerproblem: Keine richtige Übersicht über die Finanzen, eine Überschätzung der eigenen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und natürlich ist es schön, eine Menge Geld zu bekommen. Diese Faktoren bringen schon die meisten überschuldeten Privatpersonen zu Fall – bei Staaten ist es nicht anders, nur eben in größerem Maßstab.

Wie man einem Schuldner raten könnte, sich einen Nebenjob zu suchen und damit seine Schulden zu reduzieren und nicht in die Überschuldung zu rutschen (=Erhöhung der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit), genauso kann man eben Staaten raten, die eigene Wirtschaft anzukurbeln und leistungsfähiger zu werden. Es ist der einzig sinnvolle Weg aus einer Überschuldung. Natürlich ist das im Falle eines Staates aber gar nicht so einfach: Die eigene Wirtschaft anzukurbeln ist ein komplexes und vielschichtiges Unterfangen. Es braucht Infrastruktur, es braucht Absatzmärkte und es braucht einen konsequenten Leistungswillen und den Willen, etwas nachhaltig in kleinen Schritten und ständig zu verbessern. Dieser Wille ist bei vielen „armen“ Ländern einfach nicht erkennbar. Das Problem ist dabei allerdings weniger ein wirtschaftliches, als eigentlich ein Führungsproblem. Wenn die Führung das nicht schafft, leiden am Ende die Menschen.

Für Chinesen ist es scheinbar nicht vorstellbar, dass man nichts leistet, wenn man eigentlich etwas leisten könnte. Die Bequemlichkeit und Lethargie, diese „ich tu erst mal gar nichts und komm schon irgendwie durch“-Einstellung scheint für das chinesische Denken nur schwer begreifbar zu sein – es liegt der chinesischen Sicht der Dinge ferner als alles andere. Es ist die Einstellung eines Staates, der immer leisten musste, um zu überleben – und der auch leisten wollte.

In den armen Ländern tun das zu einem Teil nur die ärmsten Schichten der Bevölkerung – sie geben oft Leben und Gesundheit und investieren jeden Tag Schwerstarbeit, nur um überhaupt überleben zu können. Sie schicken schon die Kinder jeden Tag zur Arbeit anstatt zu Schule und viele Zehnjährige sind in solchen Ländern oft reifer und verantwortungsbewusster als viele 50-Jährige hierzulande. Für das jeweilige Land bewirkt dieser heldenhafte Einsatz allerdings in Summe nichts – weil das Potenzial nicht in die richtigen Bahnen gelenkt wird und keine Strukturen vorhanden sind, die das Potenzial zum Wohle des gesamten Staates nutzbar machen würden. Wiederum ein Führungsproblem also – keines mit der Leistungsfähigkeit. Leistung wird erbracht, oft sogar sehr viel Leistung – von den ärmeren Schichten dieser Länder. Das Potenzial ist also da – es bewirkt nur nichts.

Zieht man das in Betracht und nimmt die oft in hohen Mengen vorhandener Bodenschätze in vielen Entwicklungsländern dazu, kommt man möglicherweise zu einer ganz anderen Einschätzung von Potenzialen bei einzelnen Staaten. Die würde dann auch entsprechende Investitionen rechtfertigen.

Es wird angemahnt, dass etwa Kenia mit rund 70 % seines BIP bei China verschuldet ist. Das liegt aber nicht daran, dass die chinesischen Investitionen so hoch wären, sondern daran, dass das BIP so niedrig ist. Natürlich ist das Potenzial für ein deutlich höheres BIP, für solide Handelsüberschüsse und für eine enorme Arbeitsleistung vorhanden – es wird nur nicht genutzt. Die Frage ist, ob man auf Schwächlichkeiten und Führungsprobleme immer Rücksicht nehmen muss – oder ob man nicht auch einmal einen Anreiz dazu setzt, diese Probleme endlich zu lösen und in den Griff zu bekommen – was man über viele Jahrzehnte hinweg nicht getan hat. Die Reichen wurden immer reicher, die Armen haben irgendwie überlebt – also alles gut? Nein, ist es nicht. Nicht aus chinesischer Sicht, nicht für die Welt, nicht für die Menschen – und auch nicht aus unserer Sichtweise, wenn wir einmal ehrlich sind.

Chinas HighTech Plan

China hat sich in den letzten Jahren gewandelt – und will das in Zukunft auch noch verstärkt tun – von einem Billiglohn-Produzenten zu einem HighTech Land. Man blickt in die Zukunft, reduziert die Förderungen für batterie-elektrische Autos und erhöht die Förderungen für wasserstoffgetriebene Fahrzeuge, die einen wesentlich sinnvolleren Weg in die Zukunft darstellen. China will Fortschritt – und es will der Motor dieses Fortschritts sein, der Hersteller von Technologie der Zukunft.

Das ist legitim und das ist ein hehres Ziel – wenn wir im Westen einfach nicht mehr genügend Fortschritt produzieren, werden wir eben überholt – trotz des gesamten Geldes und des Wohlstands einer gut ernährten Bevölkerung. Wir leisten zu wenig, wir verstricken uns in unsinnige bürokratische Gefechte, betreiben Haarspaltereien und machen uns über sinnlose und nutzlose Kleinst-Regelungen Gedanken. Aber wir bekommen nichts mehr voran, unsere Fortschrittsbilanz ist deutlich angeschlagen.

Die Menschen im Land wollen alles, nur keine Veränderung. Das kleinste bisschen Anstrengung ist bereits zu viel und sich für ein Ziel einfach einmal einsetzen zu müssen und Arbeit zu investieren, davon kann man hierzulande wirklich niemanden mehr überzeugen. Das beste Beispiel ist der Klimawandel. Wir träumen von bequemen Flugtaxis, von automatisierten HighTech-Wohnungen für alle – aber wenn es darum geht, uns nur ein klein wenig einzuschränken, weil Veränderung unabdingbar ist, heißt es, die Industrie soll doch zusehen, dass sie CO2-neutrale Produkte produziert, einen Ersatz für Plastik findet, der genauso aussieht und unser Essen gefälligst gesund und ökologisch produzieren, natürlich in der gleichen Menge und Verfügbarkeit, vielleicht mit noch etwas mehr Auswahl, wenn es geht.

Sieht man sich die konkreten Ergebnisse an, bewegen sich diese gegen Null, oder eher noch in Richtung -20. Es wird nicht besser, es wird nur schlimmer und wir streiten hilflos über völlig nebensächliche Details. Wir leisten nichts. Gar nichts. Wir haben das größte Potenzial und das meiste Geld, um die Welt mit neuen Wegen komplett und nachhaltig zu verändern, zu verbessern – aber die Bilanz unserer tatsächlichen Leistung ist weniger als Null. Mehr Gesetze, mehr Kriege, mehr Konflikte, mehr Uneinigkeit, eine größere Schere zwischen Arm und Reich – und deutlich weniger Umweltschutz. Es sind Ergebnisse, die zählen.

Unsere Leistungsfähigkeit ist angeschlagen – und wenn wir das nicht ändern, werden uns andere natürlich überholen, auch wirtschaftlich. Das sind ganz einfach die Gesetze des Marktes, die wir ja auch selbst hochhalten als unantastbares Credo unserer westlichen Welt.

Niemand hindert uns daran, ebenfalls zu investieren, in großem Maßstab.  Hierzulande suchen Anleger ohnehin händeringend nach profitablen Anlagemöglichkeiten. Wenn wir es schaffen, so zu investieren, dass am Ende auch konkrete und messbare Veränderungen des Lebensstandards in Schwellenländern stehen, dass wir die Situation verbessern und helfen, Strukturwandel zu vollziehen, dann sind wir gegenüber den Chinesen nicht im Nachteil und werden nicht überholt.

Wenn wir uns dagegen die Köpfe einschlagen über der Frage, wie man Bürgern am besten die meisten Steuern aus selbst angebrachten Solarzellen herauspresst, um das Geld am Ende in völlig sinnlosen und giergetriebenen Mautprojekten zu verheizen, werden wir nichts erreichen – und irgendwann einmal unterliegen. Es sind Ergebnisse die zählen. Echte, messbare Ergebnisse. Daran wird unsere Leistungsfähigkeit gemessen.

Und wie die meisten Schwellenländer haben auch wir ein sehr hohes Potenzial – aber Führungsprobleme, die verhindern, dass wir sie irgendwie sinnvoll für Ergebnisse nutzen. Das müssen wir ändern – dann brauchen wir uns auch nicht vor China zu fürchten – oder das Land und seinen Weg mit übler Propaganda bekämpfen.

Fangen wir erst einmal bei uns selbst an.

Wo liegen die Risiken für China?

Chinas Ansatz der Hilfe bei gleichzeitigem Fordern von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit macht also durchaus Sinn, jedenfalls psychologisch betrachtet. Wenn alle 120 Länder, die sich derzeit am Projekt Neue Seidenstraße beteiligen, ihr Potenzial wirklich nutzen und sich entwickeln, stehen wir einem weltweiten Handelsraum gegenüber, der um ein Vielfaches leistungsfähiger ist als der heutige.

Es liegt ein enormes Potenzial an Fortschritt, an Handel aber auch an Völkerverständigung und gleichberechtigter Zusammenarbeit vor uns. Eines, das wir auch wirtschaftlich noch gar nicht ermessen können, weil seine Größe beinahe unglaublich ist. Kombiniert man das mit ökologisch verträglicher Technologie und ökologisch sinnvollen Standards weltweit, haben wir den Planeten damit wahrscheinlich einer Veränderung unterworfen, die in der Größenordnung des Übergangs von der Altsteinzeit in die klassischen Hochkulturen liegt.

Das in etwa dürfte auch Chinas Vision bei dem Projekt sein – es ist nicht für ein oder zwei Generationen angelegt, sondern als ein Weg in eine ferne, sehr viel bessere Zukunft.

Natürlich bergen die chinesischen Pläne auch Risiken für China selbst. Gegen die fehlende Rückzahlung von Krediten haben sich die Chinesen gut abgesichert – entweder ein Land erkennt sein Potenzial, startet Veränderungen und nutzt sein Potenzial selbst – oder China gehört andernfalls eben ein weiterer profitabler Hafen außerhalb des eigenen Landes oder eine beträchtliche Menge an zusätzlichen Erdöleinnahmen, wie im Fall von Venezuela.

Insofern scheint das ein unfehlbarer Plan zu sein. Das Risiko für die chinesischen Investments ist gering, da in jedem Fall ein Vorteil für China entsteht, ob Staaten die von China gebotene Chance nun nutzen oder nicht. Tatsächlich gibt es aber durchaus Unwägbarkeiten.

Eine wichtige Sache ist dabei der menschliche Faktor – sieht man sich die Kontroversen, die Propaganda und die Ängste an, die der chinesische Plan schon heute erzeugt, kann das durchaus ein massives Hindernis bei der Umsetzung bedeuten. Zwar lassen sich immer mehr – auch europäische – Staaten vom chinesischen Plan überzeugen und beteiligen sich sogar, wie jüngst Italien – das Problem sind aber vor allem die reichen und bislang die Weltwirtschaft dominierenden Staaten der westlichen Welt. Sie werden ihre Vorherrschaft nicht so einfach und ohne Gegenwehr abgeben. Das beste Beispiel dafür sind gerade die USA, die mit aller Macht versuchen, eine völlig egoistische und auf die eigene Vorherrschaft in der Welt zentrierte Politik durchzudrücken und dabei der Weltwirtschaft insgesamt unglaublichen Schaden zufügen. Der Schutz des Klimas – uninteressant, daran beteiligen wir uns nicht, das könnte unsere Gewinne verringern. Soziale und ethische Standards in anderen Ländern, die für uns produzieren: Uninteressant, Hauptsache sie kaufen unsere Produkte und produzieren billigst. Qualitätsstandards bei Produkten und Lebensmitteln: niedrigstmöglich, nur so hoch, dass sich das Zeug halt noch verkauft. Was im Vergleich zu anderen Produkten noch fehlt, wird dann eben mit Werbung und Verbraucherbeeinflussung nachkorrigiert. Nachhaltige Wirtschaft und Produktion, Schonung der Ressourcen? Ach was, in 50 Jahren sind wir sowieso tot, bis dorthin wird’s schon reichen.

Die USA werden also den Teufel tun und China einfach die Vorherrschaft und die (scheinbare) Überlegenheit überlassen. Davon kann man ausgehen. Auch die führenden europäischen Staaten haben keine große Freude an Chinas Plan, das würde den eigenen Einfluss in der Welt ja deutlich verringern. Da wird von Industriespionage gemurmelt – als ob die Chinesen nicht in der Lage wären, HighTech selbst zu erfinden. Schließlich bauen sie alle unsere Handys. Und die Angst vor einer möglichen Zensur des Internets überall auf der Welt nach chinesischen Interessen ist bloße Propaganda – immerhin gehen die Pläne mancher deutscher Regierungsmitglieder auch schon in die Richtung, Kritik an einzelnen Parteien im Internet gleich mal von vornherein verbieten zu wollen. Dafür verbrüdert man sich dann mit Konzernen, die mit ihrem Wirtschaften für eine Menge Umweltzerstörung, Ausbeutung und Gesundheitsschäden bei den Menschen sorgen – und das darf dann natürlich niemand kritisieren.

Wenn man vor einer Zensur des Internets Angst haben müsste, dann wohl eher wegen der Fantasien einzelner Politiker – und nicht wegen eines anderen Landes, das auf das eigene Internet ja gar keine echte Zugriffsmöglichkeit hat.

All die Ressentiments gegenüber China sind dabei durchaus ernst zu nehmen, wenn man sich den Schwall an Propaganda ansieht, der über die Bevölkerungen der westlichen Länder ausgegossen wird. Die Ressentiments sind ernst und bergen unter Umständen sogar das Potenzial für einen neuen Krieg (die Ultima Ratio westlicher Staaten, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen – dann wird einfach so lange das Regime ausgetauscht oder das Land bombardiert, bis man hat, was einem genehm ist, wenn Wirtschaftssanktionen nicht mehr so recht funktionieren).

Dieses Risikos sollte sich China durchaus bewusst sein, es besteht. Es gibt einen Konflikt und den kann man nicht einfach vom Tisch wischen. Einen Konflikt um die eingebildete, unabdingbare Vorherrschaft des Westens. Der wird seine Bastionen und Einflussbereiche nicht so einfach kampflos aufgeben – auch der Wohlstand des Westens hängt daran.

Das zweite Risiko, dessen sich China bewusst sein sollte ist, dass der Westen aufwacht – und von China lernt. Lernt, dass man die „armen“ Staaten fördern muss, ihnen mit Respekt begegnen und sie nicht nur fördern, sondern auch fordern muss. Dieses Risiko kann man allerdings als denkbar gering einstufen – bei all dem westlichen Dünkel ist das Eingeständnis, etwas grundlegend falsch gemacht zu haben, fast undenkbar. Wir sind Überlegenheit gewöhnt, das ist unsere Grundmaxime, und gerät die ins Wanken, würde unser gesamtes Weltbild zusammenbrechen. Veränderungen in diesem Punkt sind also eher nicht zu erwarten und damit auch keine besonders große Bedrohung für China.

Ansonsten wäre das eine sehr große Gefahr für den gesamten Plan – der Westen hat immerhin noch deutlich mehr Kapazität zu investieren als China je aufbringen könnte. Das Ergebnis solcher massiven Investments zu gleichen Bedingungen wie China würde die gesamte Welt innerhalb weniger Jahre vom Westen komplett abhängig machen – und China wäre abgemeldet. Wie gesagt ist dieses Risiko allerdings sehr gering.

Inwieweit der chinesische Plan aufgehen wird und was er uns bringt, wird uns die Zukunft zeigen. Hoffen wir darauf, dass er uns eine bessere, gerechtere und sozial und ökologisch verträglichere Welt beschert.

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Folge 11 – Der Broker – Ihr Zugang zum Kapitalmarkt

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Chinas Projekt „Neue Seidenstraße“ wird in Europa vielfach kritisiert und grundsätzlich mit viel Argwohn betrachtet. Nur wenige sehen es als echte Chance.

In der oft pingeligen und von Xenophobie geprägten Debatte im Westen wird dabei ein Thema viel zu wenig eingehend betrachtet: Chinas massive weltweite Investitionen – und vor allem ihre möglichen globalen Folgen. Dabei hat das Voranschreiten von Chinas großem Projekt die weltweite Finanzwirtschaft bereits deutlich verändert. Investiert wird auch in Europa – auch das übersehen wir gerne.

Gigantisches Investitionsvolumen weltweit

Anders als viele westliche Staaten neigt China eher weniger dazu, mit irgendwelchen Zahlen zu prahlen – sondern hält sich, auch was seine Investitionen angeht, mit überall kolportierten Informationen eher zurück. Ein weiterer Grund für die relativ dünne Erkenntnislage in den westlichen Staaten und in Europa ist auch, dass wir hier üblicherweise von unseren Nachbarn so gut wie alles wissen – von China allerdings wissen wir nur wenig. Dafür sind auch die Beziehungen noch lange nicht gut und vertraut genug.

Wenn es um die offizielle Höhe von Chinas Investments im Ausland geht, veranschlagen Experten den Wert mit rund 5,3 Billionen Euro. Das ist eine gigantische Summe. Eine neue Studie kam dagegen erst kürzlich zu dem Schluss, dass es durchaus auch um bis zu 50 % mehr sein könnten.

Ganz grundsätzlich könnte man nun einmal die alte Weisheit anbringen, die auch für jeden Anleger gilt: „Geld bewegt die Welt“. Sehr viel Geld, wie im Falle von Chinas enormen Investments, bewegt die Welt damit noch deutlich mehr. Es ist also an der Zeit, sich einmal gedanklich damit zu beschäftigen, in welche Richtung dieses viele Geld die Welt bewegt – und mit welchen Folgen.

Dabei sollten wir einmal die xenophobische Brille abnehmen und aufhören, gegen einen eingebildeten Feind Schattenboxen zu betreiben und uns vor der „Chinesisierung“ der Welt zu fürchten, sondern einmal mit klarem Verstand und nüchternem Blick abschätzen, was hier vor sich geht, und welche Veränderungen auf uns zukommen.

Dass Europa mit einem solchen Investitionsvolumen nicht mithalten will – und vielleicht auch nicht kann – scheint klar. Dann müssen wir uns allerdings vor Augen halten, dass es Folgen haben wird, wenn ein anderer massiv dort investiert, wo wir es nicht tun. Geld bewegt immerhin die Welt – immer noch.

Die Macht von Gläubigern

Wer sich viel Geld von einem anderen leiht, steht im Allgemeinen danach in irgendeiner Form in dessen Abhängigkeit. Man steht ständig unter dem Druck, dass man noch Schulden hat – die man bezahlen muss.

Gläubiger haben also grundsätzlich Macht, weil man bei ihnen in der Kreide steht – und weil sie die aushaftenden Beträge bei irgendwelchen Differenzen immer auch sofort zurückfordern können. Und wenn es einem wirtschaftlich schlecht geht, muss man daneben nicht nur auf die eigene finanzielle Lage achten, sondern auch darauf, dass man seine Gläubiger ebenfalls bedienen muss.

Nutzt ein Gläubiger seine Macht gezielt aus, kann das Menschen – und auch Staaten – gehörig unter Druck setzen. Man muss liefern, ob man gerade kann oder nicht.

Ganz anders sieht die Sache natürlich aus, wenn man, wie die meisten europäischen Staaten, gegenseitig verschuldet ist. So wie etwa Deutschland und Großbritannien, die sich gegenseitig rund ein Fünftel ihres BIP schulden. Großbritannien ist damit zwar Deutschlands größter Gläubiger im Ausland – dadurch, dass Großbritannien aber Deutschland rund ebenso viel schuldet, kann sich keiner der beiden erlauben, sehr viel Druck wegen der Schulden zu machen. Das bliebe damit immer Rhetorik, denn im Gegenzug würde die andere Seite dann ja auch die aushaftenden Beträge verlangen – und damit hat sich das Druckmittel irgendwie erledigt.

Schulden sind also nicht immer gleich Schulden – und in manchen Fällen haben Gläubiger Macht.

So sehen chinesische Kredite aus

Chinesische Investitionen werden nicht einfach von irgendwelchen chinesischen Geldgebern getätigt – sondern stammen in der Mehrzahl aus zwei chinesischen Staatsinstitutionen. Die chinesische Regierung behält bei den allermeisten Investments also die Zügel immer fest in der Hand.

Investiert wird hauptsächlich über Kredite, die man den betreffenden Ländern gewährt. Das ist insbesondere für wirtschaftlich schwächere Länder eine sinnvolle Strategie. Denn was Schwellenländer und wirtschaftlich schwache Staaten vor allem brauchen, ist Geld. Nur mit Geld lassen sich Investitionen in die Wirtschaft tätigen und so die Wirtschaft und der Wohlstand stärken. Ohne Investitionen in eine Wirtschaft kann diese auch nicht wachsen – das ist ein Grundprinzip.

Diese Investitionen müssen nicht zwangsläufig aus ausländischen Krediten stammen – für viele ärmere Staaten gibt es aber keinen anderen Weg. Geldmittel im eigenen Land sind nicht in wirksamer Höhe vorhanden und selbst wenn, würde sich ein Vermögender in Staaten wie Sri Lanka oder Kenia nicht dem Risiko aussetzen, sein Geld ausgerechnet in die marode Wirtschaft des eigenen Landes zu pumpen oder jedenfalls nur zu einem sehr kleinen Teil. So, dass es dem hohen Risiko angemessen ist.

Damit bleiben die ausländischen Kredite also der einzig mögliche Startpunkt für überhaupt irgendeine Art Wachstum.

Wenn es um die Kreditbedingungen geht, sind Chinas Investitionskredite, vor allem in Schwellenländern, sicherlich keine wohlmeinenden Geschenke. Man könnte sagen, die Bedingungen sind „marktüblich“ – allerdings gemessen an unseren Standards.

Billiges Geld oder faire Bedingungen?

Sieht man sich deutsche Entwicklungshilfe-Darlehen an, sind das Finanzspritzen zu relativ gemäßigten Konditionen. Das scheint auf den ersten Blick recht nett von uns zu sein – andersherum kann man das allerdings auch als „billiges Geld“ sehen, das zwar gern angenommen wird, aber am Ende nicht viel Veränderung bewirkt, weil man es leicht zurückzahlen kann.

Bei straffen chinesischen Investitionsdarlehen sieht das anders aus: Hier muss man sich durchaus anstrengen, um die Kredite bedienen zu können. Die Wirtschaft muss leisten, das Geld muss sinnvoll und wirksam investiert werden und am Ende muss daraus Wachstum entstehen. Dahinter steht also solider Druck. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so.

Sehen wir uns die Entwicklungspolitik der letzten Jahrzehnte an, besonders in Ländern wie Afrika, müssen wir wohl ehrlich zugeben, dass das viele in den Kontinent gepumpte Geld und die zahllosen Spenden nicht allzu viel bewirkt haben. Der Lebensstandard der Menschen hat sich nicht signifikant verbessert – in den meisten Fällen nur soweit, dass wir einen kleinen zusätzlichen Absatzmarkt für einige Produkte hatten.

Investitionen auf chinesischem Niveau fordern einen Staat hingegen. Dahinter steht ein solider Druck, sich anstrengen zu müssen, etwas bewegen zu müssen und voranzukommen – weil man sonst die Kredite in Zukunft nicht bedienen wird können. Dabei ist es egal, ob die jeweiligen Regierungen das gerade wollen oder können – sie müssen. Damit sind, verwöhnt von jahrzehntelangen billigen Entwicklungshilfekrediten, einige Staaten wohl überfordert.

Die Chinesen fackeln dann nicht lange: Wer seine Schulden nicht bezahlen kann, muss dann eben anders bezahlen. So wie eine westliche Bank einen privaten Schuldner, der es einfach nicht auf die Reihe bekommt, seinen Kredit zu bedienen, einfach irgendwann pfändet. So sichern sich die Chinesen eben auch Häfen oder Industrieanlagen als Ausgleich für die nicht geleisteten Zahlungen. Dahinter steckt kein böses Kalkül, sondern einfach ein Pochen auf dem Einhalten von geschlossenen Verträgen – so, wie wir das auch machen. Jedenfalls mit gewöhnlichen Schuldnern. Leistung aus einem Vertrag zu verlangen und notfalls zu pfänden ist einfach nur fair und gerecht – und es spornt den Schuldner an, sich anzustrengen.

Es mag stimmen, dass China vor allem in hoch überschuldete Staaten investiert – auf der anderen Seite liegen eben solche Staaten aber einfach im geografischen Interessensbereich der Neuen Seidenstraße. Auch in Italien, Griechenland, Portugal und Spanien gibt es chinesische Investments – zu ähnlichen Bedingungen.

China sieht das so, dass jede Regierung eines ausreichend großen Landes sehr gut selbst in der Lage ist, zu entscheiden, von wem es wie viel Geld annimmt. Eine Abstimmung mit der EU und ihrer Vorstellung von Politik hält man nicht für nötig. Zumal klar ist, dass die Politik des Euroraumes für diese Länder offensichtlich versagt hat und keine wirtschaftliche Wende und keinen soliden Aufschwung gebracht hat.

China bietet diesen Ländern mit den Investitionen einfach eine weitere Chance, endlich wirtschaftlich leistungsfähig zu werden und eine Wende zu erreichen. Ob sie diese Chance nutzen oder nicht, bleibt dem jeweiligen Land überlassen – das gilt sowohl für europäische Länder als auch für Schwellenländer.

Im nächsten Teil unseres Beitrags werden wir darauf eingehen, ob und in welchem Umfang Investments in hoch verschuldete Staaten sinnvoll sind – und wo die Risiken für China selbst dabei liegen.

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Folge 11 – Der Broker – Ihr Zugang zum Kapitalmarkt

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In unserer Beitragsreihe über die wirtschaftlichen Aspekte der „Neuen Seidenstraße“ (OBOR) wollen wir uns diesmal dem wahrscheinlich klarsten Kritikpunkt widmen: dem angeblich hohen Risiko gerade für ärmere und wirtschaftsschwache Länder. In unserem Beitrag wollen wir diesen Aspekt einmal umfassend beleuchten.

Die Angst vor der Übermacht

Der Kalte Krieg ist schon lange vorbei, aber wir kriegen schon wieder Angst. Diesmal nicht vor den Russen, sondern vor den Chinesen. Interessant eigentlich, dass wir noch nie vor den Amerikanern Angst hatten hier in Europa – obwohl die uns doch deutlich am meisten beeinflusst und sehr nachhaltig über Jahrzehnte verändert haben. Betrachtet man das mit etwas Abstand, müsste man eigentlich deshalb Angst haben.

Natürlich geht es bei den Bedenken über den Einfluss der neuen chinesischen Seidenstraße nicht ausschließlich um Xenophobie, also die Angst vor dem Fremden. Aber diese Angst spielt mit. Da kommen immer wieder irrationale Ängste hoch von einer „chinesischen Dominanz“ und Befürchtungen, von der „chinesischen Kultur überrannt zu werden“. Weniger in dem Sinn, dass wir uns dann plötzlich nur noch von Chop Suey ernähren und morgens alle im Park T’ai Chi üben – sondern eher in dem Sinn, dass bestimmte Merkmale der chinesischen Kultur sich auch bei uns breit machen, wie die Zensur des Internets, die sich, so die Befürchtung, dann auch über Europa ausbreiten könnte. Oder die für China so typische und von uns so angeprangerte Überwachung der eigenen Bürger. Und natürlich Spionage – an erster Stelle.

Irgendwie erinnern diese europäischen Ängste schon fast ein wenig an die vor „dem Russen“. Da sah das genauso aus, das drohende Schwert der kommunistischen Vereinnahmung und zukünftigen Unterknechtung.

Dem allem muss man natürlich ein wenig Realität entgegensetzen – und die Befürchtungen der heute wohl schon ziemlich greisen „kalten Krieger“ ein wenig abmildern. Hohes Alter macht alles immer noch viel dramatischer.

Es klingt mehr danach, als hätten wir einer Annexion entgegenzusehen – und nicht einer Handelspartnerschaft. Manche Ängste sind schon ein klein wenig übertrieben.

China strebt eine Vormachtstellung an

Daran gibt es keinen Zweifel. China hat es weiten Bereichen auch sehr schnell geschafft, die USA als wichtigsten Handelspartner zu ersetzen. Das schmeckt den Amerikanern natürlich überhaupt nicht – damit verlieren sie (auch wirtschaftlichen) Einfluss in der Welt. Da wird dann schnell die Propaganda-Trommel gerührt und rasch ein paar bewährte Ängste von der drohenden diktatorischen Übernahme und der „Übermacht“ geschürt, vom „Feind der Freiheit“. Hat ja schon jahrzehntelang funktioniert. Das zum Teil stark verzerrte Bild von ehemaligen Ostblockstaaten hat sich teilweise ja bis heute gehalten.

Der Kalte Krieg war aber ein Krieg der Wirtschaftssysteme, im Grunde ein Krieg um die ideologische Oberhoheit – nichts weiter. Dass dabei natürlich auch jede Menge dumme Propaganda in die Welt gesetzt wird, ist unvermeidbar. Das haben nicht nur die anderen gemacht, sondern das fand hier genauso statt.

Vielerorts wird China vorgeworfen, sich nicht sehr partnerschaftlich zu verhalten. Wenn wir mit einer solchen Einstellung an die Sache herangehen, tun wir das aber genauso wenig.

Und eines muss zunächst einmal unumstößlich klar sein: Der „Krieg“ oder zumindest der „Wettbewerb“ um Marktanteile und wirtschaftlichen Einfluss ist im Kapitalismus legitim und es ist legitim, dass jeder seine Interessen verfolgt. Das, was wir uns und unseren wirtschaftlichen Akteuren – systembedingt – zugestehen, gilt dann natürlich auch für Außenstehende. Wer unterliegt verliert – das ist kapitalistisches Denken. Das kann man wohl schwerlich jemandem vorwerfen, es sind „unsere Regeln“.

Nüchtern betrachtet

Die Neue Seidenstraße betrifft über 60 % der Menschheit – das muss man auch als Chance begreifen. Als Chance auf einen sehr gut miteinander vernetzten, weltweiten Handel. Nach Lesart unserer Politiker im Westen fördert der Handel ja den Frieden zwischen den Nationen. Also ist das Ganze eben ein Friedensprojekt – jedenfalls nach zwingender westlicher Logik.

So kann man es durchaus sehen. Wenn Völker, auf welche Weise auch immer, zusammenarbeiten, fördert das stabile und friedliche Zusammenarbeit. Über die amerikanische Oberhoheit und den Anspruch, die „Leitkultur“ der Welt zu sein, hat sich auch niemand beschwert. Also.

Und wer im wirtschaftlichen Wettstreit unterliegt und übervorteilt wird, hat versagt, war nicht gut genug – nicht stark genug oder nicht schlau genug. Wer unterliegt, hat das selbst verbockt. Auch das ist kapitalistisches Denken. Halten wir uns doch einfach mal an unsere eigenen Weisheiten und werfen wir den anderen nicht gleich Unmoral vor, wenn sie mal gewinnen. Das sollte man eigentlich schon im Kindergarten beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen gelernt haben. Jedenfalls war es ein Bildungsziel.

Was ist nun mit den ärmeren Ländern?

Wenn wir uns diese faire und kapitalistische Sichtweise zu eigen machen, sieht die Situation mit den „ärmeren Ländern“ auch ein wenig anders aus.

Zunächst müssen wir uns allerdings einmal darauf einigen, wer diese „ärmeren Länder“ überhaupt sind. Wirtschaftlich unterentwickelte und schwache Staaten wie Sri Lanka, Bangladesh oder Malaysia liegen auf der Hand. Zieht man jedoch die Staatsverschuldung heran, muss man wohl auch viele südeuropäische Staaten in diese Kategorie einordnen. Auch Italien, wenn man ehrlich mit den Zahlen ist.

Genau um Italien ging es zuletzt auch in lebhaften Diskussionen. Italien ist jüngst eine Partnerschaft mit China eingegangen, im Zuge derer mit hohen Krediten der AIIB (Asian Infrastructure Investment Bank) die italienischen Häfen ausgebaut werden sollen. Diese italienischen Häfen sind für China natürlich von großem Interesse, weil hier noch viel mehr chinesische Produkte den europäischen Landweg erreichen können als über den Landweg, auf dem das nur langsam und in kleinen Mengen geht.

Die Partnerschaft empörte die US-Regierung aufs höchste, man verstieg sich sogar zu der Anmaßung zu sagen „Italien beschädige sein Ansehen“. Auch vonseiten der EU gab es Kritik am Abkommen. Kritiker hierzulande fürchten, Italien könne sich dadurch in „Abhängigkeiten“ manövrieren. Als Beleg werden dann sofort Griechenland, Portugal und Ungarn herangezogen. Der Straftatbestand: Sie haben verhindert, dass die EU China wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Als Grund für diese Haltung sah man an, dass China in diesen Ländern Milliardenbeträge investiert hat. Wo kämen wir auch hin, wenn jemand einfach eine eigene Meinung hätte, ganz einfach so.

Die chinesische Regierung fand die Kritik an Italiens Schritt im Übrigen „lachhaft“: Italien sei ein großes Land und die Regierung in Rom könne wohl ihre Interessen selbst bestimmen. Was, wie man zugeben muss, schon irgendwie nicht ganz falsch argumentiert ist.

Politische Abhängigkeit?

Abhängig ist immer nur, wer sich abhängig macht. Natürlich muss man sich davor hüten, sich allzu sehr von jemandem abhängig zu machen, auch politisch. Investitionen bedrohen aber nicht per se die Souveränität eines Landes gleich von vornherein.

Investitionen in Infrastruktur-Projekte sind grundsätzlich ja eine positive Sache, weil sie die Wirtschaft eines Landes nachhaltig fördern – wenn man sie zu nutzen weiß. Auch die EU investiert in wirtschaftlich schwächere Mitgliedsstaaten und stellt eine Menge Geld für Infrastrukturprojekte zur Verfügung. Aus genau dem gleichen Grund. Bislang haben es allerdings nicht alle Staaten klug zu nutzen gewusst, wenn man sich die Wirtschaftsleistungen in manchen Ländern ansieht.

Das ist eben genau das Problem mit Milliarden-Investitionen: Es wird nicht alles sofort besser, nur weil das Geld da ist und etwas gebaut wurde. Man muss es auch im Eigeninteresse nutzen. Und partnerschaftliche Verhandlungen sollten zum Ziel haben, dass am Ende beide Seiten einen Vorteil davon haben. So wäre es gedacht.

Bei den „wirklich armen“ Ländern sieht die Situation anders aus. Sri Lanka konnte jüngst seine Schulden an China nicht mehr bezahlen und überließ dafür China die Kontrolle über einen Hafen – für 99 Jahre. Man kann von einzelnen Volkswirtschaften auch zu viel verlangen. Investitionen allein, auch wenn sie wertvoll waren und Sri Lanka viel Potenzial boten, reichen nicht. Auch die wirtschaftliche Leistung eines Landes muss in der Lage sein, das plötzlich vorhandene Potenzial auch entsprechend zu nutzen.

Hier greift aber auch das Prinzip Selbstverantwortung: Wenn ein Land sich derart überschuldet, ohne gleichzeitig ausreichend Gewinn daraus zu ziehen, kann man das nur schwer dem Geldgeber anlasten. Und in einigen Ländern kommt man, so scheint es, mit Potenzialen einfach noch nicht gut genug zurecht. Hier wäre Hilfe angesagt – von wirtschaftlich stärkeren Ländern, die mit Wissen, Ausbildung und Unterstützung unter die Arme greifen, um aus positiven Potenzialen auch positive Entwicklungen zu machen. Das ist in unserer Entwicklungshilfe-Planung aber scheinbar nicht vorgesehen.

Den Beitrag, den China für viele Länder – auch in Afrika – leistet, sollte man nicht übersehen. Wir haben über Jahrzehnte nichts dergleichen geschafft – und nun beklagen wir, dass die Länder sich an denen orientieren, die die Situation, die Lebensbedingungen und die Infrastruktur wirklich verbessern? Das erscheint nicht ganz fair.

Wir beklagen dann, dass plötzlich Afrikaner Tag und Nacht büffeln, um Chinesisch zu lernen, sich anstrengen, gute Jobs erwarten. Warum hat eigentlich nie jemand Deutsch gelernt, in all den Jahrzehnten – mit dem gleichen Eifer?

Natürlich gibt es Risiken, auch für die von neuer Infrastruktur beglückten Staaten. Mit diesen Risiken müssen sie aber lernen, sinnvoll umzugehen. Vielleicht brauchen sie dabei auch unsere Hilfe. Keinesfalls brauchen sie aber unsere Propaganda, die angesichts der sichtbaren Verbesserungen und Chancen wohl sowieso wirkungslos bleibt.

Und natürlich hat China in Afrika wirtschaftliche Interessen – wie jeder andere auch. Wir haben Afrikas Bananenplantagen ja auch nicht jahrzehntelang ausgebeutet, um ein christlich gutes Werk zu tun, sondern für unseren wirtschaftlichen Vorteil. Was zählt ist nur, ob diese wirtschaftlichen Interessen auch ganz nebenbei dem Land selbst nützen – oder zumindest das Potenzial dazu haben. Bei den europäischen Konzernen, die Afrikanern auch noch ihr letztes Trinkwasser wegnehmen und ihre Quellen ausbeuten, kann man das eher schwer erkennen.

Fazit

Es gibt Risiken – natürlich. Es gibt das Risiko, dem wirtschaftlich Stärkeren zu unterliegen und Chancen nicht genug zu nutzen, um selbst etwas daraus zu machen. Auch südeuropäische Länder unterliegen diesem Risiko. Es liegt aber immer in der Verantwortung des jeweiligen Landes, selbst für seine wirtschaftliche Entwicklung zu sorgen. Dafür ist nicht auch noch der Investor verantwortlich – der gibt immerhin schon eine Menge Geld.

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Folge 69 – Exchange Traded Fund (ETF) (Fonds #18)

Banksparplan oder Aktienfonds: Wo ist die private Altersvorsorge besser aufgehoben?

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Neue Seidenstraße https://www.diekleinanleger.com/neue-seidenstrasse/ https://www.diekleinanleger.com/neue-seidenstrasse/#respond Sat, 17 Aug 2019 13:57:04 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=12284 Die Neue Seidenstraße: Wird sie tatsächlich die Welt, wie wir sie kennen, verändern? Selten war ein Vorhaben so teuer: Fast eine Billion Dollar soll Chinas „Neue Seidenstraße“ kosten – und an eine uralte Erfolgsgeschichte anknüpfen. Sieht man sich die Pläne […]

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Die Neue Seidenstraße: Wird sie tatsächlich die Welt, wie wir sie kennen, verändern?

Selten war ein Vorhaben so teuer: Fast eine Billion Dollar soll Chinas „Neue Seidenstraße“ kosten – und an eine uralte Erfolgsgeschichte anknüpfen. Sieht man sich die Pläne an, könnte dieses Projekt – offiziell „One Belt, One Road“ genannt – tatsächlich die Welt verändern, wie wir sie heute kennen. Von vielen Seiten kommt allerdings auch Kritik an diesem Projekt der Superlative, und vor allem an seinen Auswirkungen auf lange Sicht. Wir werfen einmal einen eingehenden Blick auf die „Neue Seidenstraße“, die als Projekt häufig kaum wahrgenommen wird, obwohl sie auch Deutschland massiv betrifft.

Der Umfang des Projekts „Neue Seidenstraße“

Die antike Seidenstraße war ein riesiges Handelsnetzwerk, das bis in die Bronzezeit zurückreicht, möglicherweise sogar noch viel weiter. Schon damals war die Seidenstraße der bedeutendste Handelsweg weltweit – verantwortlich nicht nur für den Transport von Gütern, sondern auch für einen wichtigen Technik- und Kulturtransfer und die Ausbreitung von Religionen. Schon das antike römische Reich profitierte von diesen uralten Handelswegen, die wahrscheinlich die ältesten Fernwege der Menschheit sind. Der Buddhismus gelangte über sie von Indien nach China und Christentum und Judentum zu uns, genauso wie die Kunst der Metallverarbeitung, die das Ende der Steinzeit einläutete. Vermutlich gab es auch schon in der Steinzeit eine Menge Kultur- und Wissenstransfer, aber das erschließt sich uns heute leider nicht mehr. Überreste blonder und blauäugige Menschen, die tief in der Wüste Zentralasiens gefunden wurden, deuten darauf hin, dass die Routen der alten Seidenstraße schon viele tausend Jahre vor Christi Geburt wie selbstverständlich genutzt wurden.

Das Projekt „Neue Seidenstraße“ hat in seinem geplanten Endausbau ganz ähnliche Dimensionen für die Menschheit: 70 Länder sind daran beteiligt, insgesamt betrifft das Projekt fast 60 % der Menschheit und 35 % der Weltwirtschaft. Schon in naher Zukunft könnten über 40 % des gesamten Welthandels über die Neue Seidenstraße abgewickelt werden – auf den Seerouten haben wir dieses Handelsvolumen bereits erreicht. Europa, Asien und Afrika würden viel näher zusammenrücken. Das könnte tatsächlich die Welt ein weiteres Mal verändern – so wie das die Entdeckung der ersten Handelswege zwischen Ost und West bei den frühen Steinzeitkulturen gemacht hat und später wieder bei Marco Polo, als er die Route wiederentdeckte und wiederbelebte.

Landroute und Seeroute

Anknüpfend an den Verlauf der Handelswege aus der historischen Zeit soll es auch heute wieder Land- und Seewege geben.

Die Verbindungen auf dem Landweg führen in der einen Richtung nach Bangladesch, Indien und Myanmar, auf der anderen Seite über die Indochinesische Halbinsel bis nach Malaysia, Singapur und Indonesien. Eine Verbindung reicht von der Mongolei bis nach Russland, eine andere weit nach Pakistan hinein, Zentralasien wird mit Westasien verbunden und die für uns vielleicht wichtigste Route verbindet Asien mit Europa auf dem Landweg.

Eine der Hauptrouten verläuft von China über Kasachstan, Russland, die Ukraine weiter über die Slowakei bis nach Mitteleuropa. Am Ende der 11.000 km langen Route liegt Duisburg.

Der Seeweg, die sogenannte „maritime Seidenstraße“, verbindet China und die südostasiatischen Länder mit dem Mittleren Osten, mit Ostafrika und mit Europa. Seit diesem Jahr ist Italien als erstes europäisches Land direkter Partner beim maritimen Projektteil der Seidenstraße. Mittlerweile verbindet die Route die bedeutendsten und die größten Containerhäfen weltweit.

Wir neigen dazu, den Landweg, vielleicht auch als Reminiszenz an den berühmten Marco Polo, als bedeutsamer einzustufen – tatsächlich haben die Landrouten gerade für den Handel aber eher eine untergeordnete Bedeutung. Für ihn sind vor allem die Seerouten der maritimen Seidenstraße bedeutsam.

China erweitert seine Interessens-Sphäre

Natürlich liegen dem Mammutprojekt wirtschaftliche Interessen vonseiten Chinas zugrunde. Das kann man unschwer übersehen – und das ist auch legitim. China möchte nach einer langen Geschichte der weitgehenden Abschottung von fremden Einflüssen wieder in vollem Umfang am Weltmarkt teilnehmen und eine möglichst wichtige Rolle im Welthandel spielen.

China ist ein Land mit enormem Potenzial – und das möchte es auch entsprechend ausspielen. Es geht dabei allerdings nicht nur ausschließlich um Geld. China möchte sich auch öffnen, legt Wert auf den Technologie-Transfer von China nach Europa, auf die Ausbreitung chinesischer Kultur und Lebensart ebenso wie auf die Ausbreitung chinesischer Standards und das Knüpfen von engen und zuverlässigen Kontakten in Afrika, Europa und innerhalb Asiens.

Im Zuge dieser Bemühungen entsteht auch viel Gutes: So erreichte China in Afrika innerhalb weniger Jahre etwas, das dem Westen in Jahrzehnten nicht gelang: In vielen afrikanischen Ländern entsteht nun endlich überhaupt eine Art Infrastruktur, mit chinesischer Hilfe werden wie in Sambia oder Ghana Staudämme errichtet, Zugstrecken gebaut, Straßen, Flughäfen und Industrie geschaffen. China leistet Entwicklungshilfe in vielen afrikanischen Ländern, in denen die Menschen nun endlich aus ihrem Dämmerschlaf aus westlicher Ausbeutung und unglaublicher elender Armut aufwachen und sich plötzlich in einem aufstrebenden Land wiederfinden. Es gibt auf einmal Arbeit, Unterstützung und „echte“ Investitionen in die Infrastruktur, die tatsächlich den afrikanischen Ländern nützen.

Natürlich sieht man in Afrika einerseits vor allem wichtige Rohstofflager  und andererseits potenziell sehr wichtige zukünftige Absatzmärkte, wenn man die Wirtschaft in diesen Ländern entwickelt. Afrikanische Rohstoffe stehen dann natürlich vorwiegend China zur Verfügung, ein Großteil des Absatzes wird dann wohl auch von chinesischen Unternehmen gemacht. Aber das ist durchaus legitim. Wenn wir ganz ehrlich zu uns selber sind, betreiben wir Entwicklungshilfe in Afrika ja auch nicht aus rein katholischen Motiven heraus und mit purer Selbstlosigkeit. Allerdings ist es dem Westen nie gelungen, den Lebensstandard und die Wirtschaftsleistung in vielen afrikanischen Staaten nachhaltig zu verbessern – dafür kam uns die Gelegenheit zur rücksichtslosen Ausbeutung des schwarzen Kontinents doch zu sehr zupass.

Der Entwicklungsstand der „Neuen Seidenstraße“

Sieht man sich allein die Verbindungen zu Europa an, muss man zugeben, dass bereits einiges geschafft ist, was die Chinesen sich vorgenommen haben.

2008 wollte man eine Verbindung zwischen China und Deutschland mit Güterzügen schaffen – bereits 2011 waren die Routen nach Duisburg, Hamburg und Nürnberg festgelegt. Hewlett Packard war das erste Unternehmen, das diese Verkehrsverbindungen regelmäßig nutzte – seit 2011 verkehren bis zu drei sogenannte „Company Trains“ mit Laptos zwischen der asiatischen Produktionsstätte und Duisburg. Der erste nicht-unternehmenseigene Güterzug verkehrte bereits 2012 zwischen Chongqing und Duisburg, 2016 waren es bereits 1.700 Güterzüge, seit 2018 kommen in Duisburg wöchentlich 35 Güterzüge in Duisburg an, die eine Fahrtdauer von 12 Tagen hinter sich haben.

Anders als Deutschland scheint es, als würde China tatsächlich etwas in Bewegung bringen und Ankündigungen und Pläne auch konsequent und in einer Zeit umsetzen, die man nicht in Generationen messen muss. Daraus könnte man in Deutschland glatt noch etwas lernen – etwa, wenn es um die Energiewende, die Elektromobilität oder ein paar dringend notwendige gesellschaftliche Veränderungen geht.

Die Partnerschaften und Maßnahmen auf den Seewegen, die China in den letzten Jahren auf den Weg gebracht hat, haben bereits die internationalen Schifffahrtsbewegungen merklich verändert. Dabei entstehen auch wertvolle Potenziale für die Wirtschaft der beteiligten Länder. So plant etwa auch der Hafen in Duisburg einige lukrative Projekte im Rahmen der Seidenstraße.

Die Investition der Chinesen – bis zum Ende wohl weit mehr als 1 Billion USD – verändert also sehr nachhaltig die Infrastruktur für den gesamten Welthandel – so wie China das geplant hat. Auch wenn es, wie 2018, kurzzeitig einmal Rückschritte beim Projekt gibt, ist der Fortschritt spürbar – und unaufhaltsam. Unsere Welt ändert sich – stetig und laufend, durch die neu geschaffene Infrastruktur, durch chinesische Entwicklungshilfe in vielen armen Ländern, die endlich einmal wirkt – und vor allem Afrika endlich gleichberechtigt Chancen eröffnet.

Es gibt auch Kritik am chinesischen Weg

Natürlich ist nicht immer jeder einverstanden damit, wenn ein Land wirklich die Zügel in die Hand nimmt und tatsächlich etwas bewegt. Hier gilt eben die altbekannte Weisheit „Du kannst im Leben nichts Wirkliches erreichen, ohne jemand anders in den Weg zu kommen“.

Natürlich gibt es zahlreiche nationale und manchmal einfach nur komische Interessen, etwa der USA, die einfach mit allen Mitteln den Welthandel beherrschen wollen – und zwar allein. Andere Akteure sind im allumfassenden Plan irgendwie nicht vorgesehen und natürlich gänzlich unerwünscht. Man hat zwar „Friends“ in allen Teilen der Welt, darunter auch unsägliche Regime wie Saudi-Arabien. Aber als Leitspruch gilt selbstverständlich „Let America Be The Only Great (Again)“.

Das eine solche Haltung keine Projekte wie die „Neue Seidenstraße“ dulden kann und schon gar nicht die Vormachtstellung eines anderen Staats auf der Welt, ist nachvollziehbar. Diese Haltung ist nicht besonders intelligent, aber das würde auch niemand ernsthaft von den USA erwarten.

Eher ernst zu nehmende Kritik kam jüngst vom malaysischen Präsidenten, der davor warnte, dass gerade ärmere Länder in eine eine massive Schuldenfalle und in eine zu starke Abhängigkeit von China gelangen könnten – und deshalb ein Abkommen mit China aufkündigte. Ein solches Risiko besteht tatsächlich – besonders dort, wo massive Entwicklungshilfe nötig ist. Wir wissen das nur zu gut, wir haben genau das in den letzten Jahrzehnten in vielen armen Ländern  weidlich ausgenutzt.

Auch Europa wird langsam nervös, man versucht irgendwie – allerdings recht lahm – Gegenentwürfe auf den Markt zu bringen. Bis 2027 sollen etwas mehr als 100 Milliarden in einen recht dürftigen Gegenentwurf fließen, um die wirtschaftliche Vormacht nicht ganz zu verlieren. Das kommt – wie immer – natürlich viel zu spät und viel zu zögerlich. Verändern wird das nicht mehr viel, China hat mittlerweile Abkommen mit 90 Ländern.

Wir brauchen allerdings nicht zu fürchten, in naher Zukunft mit chinesischer Lebensart überrannt zu werden und „unsere Kultur“ zu verlieren. Wenn wir uns in Europa mutig und aktiv beteiligen, selbst endlich einmal bei irgendetwas als Akteure auf den Plan treten und dabei unser Selbstbewusstsein bewahren, bietet die „Neue Seidenstraße“ viele wirtschaftliche Chancen auch für uns Europäer.

In einigen folgenden Beiträgen werden wir uns dann noch detaillierter und umfassender mit einzelnen Aspekten der Neuen Seidenstraße befassen und einzelne Themen intensiver beleuchten. Bleiben Sie dran, es wird spannend!

Wie kann sich ein Unternehmen vor einer feindlichen Übernahme schützen?

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Wie kann sich ein Unternehmen vor einer feindlichen Übernahme schützen?

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Das Banking von Morgen und Nachhaltigkeit als Leitmotiv: die Tomorrow App https://www.diekleinanleger.com/das-banking-von-morgen-und-nachhaltigkeit-als-leitmotiv-die-tomorrow-app/ https://www.diekleinanleger.com/das-banking-von-morgen-und-nachhaltigkeit-als-leitmotiv-die-tomorrow-app/#respond Mon, 12 Aug 2019 16:08:41 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=12288 Fridays for Future, die lang herbeigesehnte Energiewende, mehr Fairness in der Gesellschaft – unsere Welt von morgen soll ganz eindeutig besser werden. Die Kritik am immer eiskalt kalkulierenden und menschenverachtend agierenden Bankwesen ertönt auch immer häufiger. Ein Startup, das die […]

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Fridays for Future, die lang herbeigesehnte Energiewende, mehr Fairness in der Gesellschaft – unsere Welt von morgen soll ganz eindeutig besser werden. Die Kritik am immer eiskalt kalkulierenden und menschenverachtend agierenden Bankwesen ertönt auch immer häufiger. Ein Startup, das die „Bank von morgen“ sein will, erzeugt dabei reges Interesse bei vielen. Wir haben die Tomorrow Bank und ihre Ziele einmal etwas genauer unter die Lupe genommen.

Wie soll das Banking der Zukunft aussehen?

Sieht man sich den Zulauf bei Fonds für nachhaltige Investments an, scheint das Interesse am nachhaltigen, ökologischen und ethischen Investieren immer noch reichlich mau. Anscheinend ist die zu erwartende Rendite nach wie vor das alles überflügelnde Kriterium. Ethik, Nachhaltigkeit und soziale und ökologische Verträglichkeit der Investments kommen erst sehr weit dahinter in der Reihenfolge der wichtigsten Kriterien – oder gleich gar nicht.

Das FinTech-Startup „Tomorrow“ aus Hamburg will das ändern. Das Konzept sieht nicht nur eine reine Smartphone-Bank vor – sondern auch eine Menge Nachhaltigkeit und soziales und nachhaltiges Engagement. Ohne jetzt den etablierten Banken auf die Füsse treten zu wollen – aber für den Bankenbereich ist eine solche klar erklärte Zielsetzung tatsächlich ein echtes Novum.

Sieht man sich die Resonanz an, die die Geschäftspläne des Startups bereits jetzt erzeugt haben, scheinen tatsächlich viele Menschen darauf anzuspringen und zumindest Interesse am „nachhaltigen Banking“ zu haben. Das ist zumindest einmal etwas, bei dem es sich lohnt, genauer hinzusehen. Ist ein großer Teil unserer Welt über Nacht ganz plötzlich nachhaltigkeitsbewusst geworden?

Modern: die Smartphone-Bank

Erste Versuche, das Girokonto komplett aufs Smartphone zu verlegen, gibt es schon seit einigen Jahren. Viel Erfolg und viel Ruhm war keinem der Startups bisher beschieden, auch wenn der Pionier N26 mit seinem Smartphone Girokonto mittlerweile durchaus einige – mehr oder weniger zufriedene – Kunden, auch in Deutschland, gewinnen konnte.

Technische Probleme, mangelnder Support und immer mal wieder das eine oder andere Ärgernis von Kunden, wenn etwas überhaupt nicht funktionierte, bremsen klar den Erfolg von Banking Apps aus. Auch das hohe Gefühl der Unsicherheit, wenn das eigene Konto nur noch über das Smartphone erreichbar und verwaltbar ist, sind echte Einstiegshürden für Kunden.

Dennoch möchte „Tomorrow“ auf genau das gleiche Konzept setzen. Im Grunde verwundert das wenig, denn trotz aller Einstiegshürden für Kunden sind Smartphone-Banken gerade ein echter Boom im FinTech-Sektor. Immer mehr Anbieter drängen auf diesen scheinbar verheißungsvollen Markt, die Apps mehren sich von Monat zu Monat.

Durch die Einbindung von Diensten zur Videolegitimation wie das mittlerweile sehr verbreitete IDNow lässt sich die Einrichtung eines Kontos schon in sehr kurzer Zeit – 5 bis 10 Minuten, wenn alles klappt – vollziehen. Auch „Tomorrow“ setzt auf die Zusammenarbeit mit IDNow, bietet von daher nichts grundlegend Neues. Technisch gesehen findet sich in der „Tomorrow“ App also nichts Revolutionäres, sondern mehr oder weniger das, was alle anderen auch verwenden.

Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal

Um sich aus der immer größeren Masse der Banking Apps herauszuheben, setzt „Tomorrow“ allerdings ganz klar und deutlich auf ein heute anscheinend sehr zugkräftiges Schlagwort: Nachhaltigkeit.

Aber wie geht nachhaltiges, ökologisch vertretbares und soziales und ethisches Banking?

„Tomorrow“ versteht das so: Das Geld, das in die Bank gelangt, soll ausschließlich für nachhaltige und ökologische Projekte und Investitionen verwendet werden. Das ist ein hehres Ziel – und bräuchte schon einen sorgsam ausgearbeiteten Ansatz, um diesem Anspruch gerecht zu werden.

Wir wir in einem früheren Beitrag bereits berichtet haben, ist es unglaublich schwer, genau nachzuverfolgen, an welche Unternehmen das eigene Geld bei Investments geht – selbst bei etablierten Banken herrscht da oft kaum die Möglichkeit, detailliert Auskunft zu geben. Und in ganz normalen Investmentfonds stößt man immer wieder auf Unternehmen, die am Ende für die Rüstung arbeiten und Kriegsmaterial herstellen – praktisch alle großen Konzerne tun das zum Teil. Auch wenn man das persönlich als ethisch nicht vertretbar ansieht – kaum jemand mit sozialem Gewissen will von Krieg und Tod profitieren und das mit seinem Investieren auch noch fördern – lässt sich das dennoch nur unter enormen Schwierigkeiten ausschließen. Wie eine Schweizer Initiative deutlich macht, kann man noch nicht einmal hundertprozentig sicherstellen, dass mit dem eigenen Geld am Ende nicht sogenannte geächtete Kriegswaffen (Streubomben, Anti-Personen-Minen und dergleichen Scheußlichkeiten) hergestellt werden.

Man kann sich aber zumindest das Ziel setzen – und das ehrt die „Tomorrow“ App durchaus. Ein Versuch zeigt, dass die Interchange Fee, die bei jedem Bezahlvorgang dem Händler angelastet wird, einem Waldschutzprojekt in Brasilien zugute kommt.

Das ist immerhin schon einmal löblich – bisher haben Banken eigentlich nichts anderes getan, als diese unvermeidliche Gebühr einfach in die eigene Tasche zu stecken. Auf die Idee, dass man sie auch sinnvoll verwenden könnte, kam vor „Tomorrow“ bisher anscheinend noch niemand.

Auf der Liste der förderungswürdigen Dinge stehen bei „Tomorrow“ erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft und nachhaltiges Bauen, grüne Mobilität und Recycling. Die „Klassiker“ also bei den ethisch positiv besetzten Investments.

Über die Kreditvergabe und auch über die Auswahl von Investmentmöglichkeiten für Kunden sollen nach Angaben der Startup-Betreiber die von den Vereinten Nationen herausgegebenen Nachhaltigkeitsziele entscheiden. Würde also bedeuten, dass jemand, der den nächsten Diesel-PKW auf den Markt bringen will, bei „Tomorrow“ kein Geld leihen kann. Unternehmen, deren ökologischer und sozialer Fußabdruck und deren Unternehmensführung nicht dem entspricht, was sich die Betreiber vorstellen angeblich auch nicht. Korruption und Diskriminierung sind K.O.-Kriterien, wenn es um die Geldleihe oder um ein Investmentangebot bei „Tomorrow“ geht. Unternehmen, die im Bereich Massentierhaltung, Atomkraft oder Waffenproduktion arbeiten, sollen sich damit ebenfalls gleich von vornherein disqualifizieren.

Hier beginnt es, in der Praxis etwas schwierig zu werden, weil das durchaus einige angesehene DAX-Konzerne betrifft, die zwar hauptberuflich etwas anderes machen, aber durchaus das eine oder andere Mal auch Präzisionsteile für Waffen herstellen.

Die großen Pläne für die Zukunft

Eine der großen Ideen der Gründer ist, einen nachhaltigen Lebensstil und einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck der Benutzer belohnen zu wollen.

All die Zahlungen, die man mit der App macht, werden anhand eines nachhaltigen Konsumindex ausgewertet und wer sich hier löblich verhält, soll mit Boni belohnt werden. Zur Zeit ist das allerdings noch Zukunftsmusik – es bleibt erstmal ein Gedanke.

Ob den alle Nutzer tatsächlich so gut finden, lassen wir einmal dahingestellt. Irgendwann muss man schließlich mal tanken, ob man will oder nicht. Sonst bleibt nur noch das Fahrrad. Minuspunkte dafür von der eigenen Bank finden bestimmt nicht alle Nutzer gut – und nicht jeder fühlt sich dazu berufen, nur noch im Bio-Supermarkt einzukaufen. Geht auch gar nicht, wenn man keinen in der Nähe hat.

Banking als Abenteuer

Um es gleich einmal vorwegzunehmen: Keiner der Gründer kommt aus dem Bankenbereich. Sie sehen die Arbeit an der App und die Entwicklung ihres Projekts als „großes Abenteuer“.

Eine eigene Banklizenz hat „Tomorrow“ auch noch nicht – bislang wird die Lizenz von der Solaris Bank (www.solarisbank.com) gestellt. Das soll sich aber noch ändern. Die staatliche Einlagensicherung greift allerdings auch beim „Tomorrow“ Konto in vollem Umfang – das ist jedenfalls sicher.

Was man mit dem Konto aktuell machen kann, ist Folgendes:

  • ein Girokonto führen
  • eine Debitcard (Visa) nutzen
  • Überweisungen durchführen
  • ein digitales Haushaltsbuch nutzen, das Einnahmen und Ausgaben übersichtlich gegenüberstellt
  • klassische Bank-Funktionen nutzen (Pin ändern, Karten sperren und Ähnliches)

Mehr Funktionen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2018 folgen, Angaben darüber, wie diese Funktionen aussehen und in welche Richtung der zusätzliche Funktionsumfang geht, bleiben aber bislang vage.

Unser Fazit

Natürlich ist „Nachhaltigkeit“ gerade stark im Trend – wir reden praktisch nur noch vom Klimawandel und von nötigen Veränderungen. Dass sie jemand bei einem FinTech-Startup zum zentralen Thema macht, ist aber durchaus neu.

Smartphone-Banking ist sicherlich ein interessanter Ansatz. Ob er tatsächlich das „Banking von morgen“ ist, wird allerdings erst die Zukunft zeigen. Das Gleiche gilt für die „Tomorrow“ App und ihren Ansatz zu ökologisch verträglichem, ethisch vertretbarem und möglichst nachhaltigem Banking. Auch auf die neuen Funktionen darf man gespannt sein, vor allem was Investments betrifft. Hier wird sich dann wohl zeigen, wie ernsthaft es dem Unternehmen mit echter Nachhaltigkeit für Menschen ist, die das auch wirklich ernst nehmen – oder ob die App nur ihr (Werbe-)Fähnchen nach dem gerade herrschenden Wind hängt.

Link zum Startup: https://www.tomorrow.one/de-de/ueber-uns

Folge 11 – Der Broker – Ihr Zugang zum Kapitalmarkt

Folge 69 – Exchange Traded Fund (ETF) (Fonds #18)

Wie kann man ETFs kaufen?

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Explosives Thema: Kontroverse Waffen in Anlageformen für Privatanleger https://www.diekleinanleger.com/explosives-thema-kontroverse-waffen-in-anlageformen-fuer-privatanleger/ https://www.diekleinanleger.com/explosives-thema-kontroverse-waffen-in-anlageformen-fuer-privatanleger/#comments Wed, 07 Aug 2019 12:05:11 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=12156 In vielen Ländern sind sie bereits seit langem geächtet – dennoch werden sie immer noch mancherorts hergestellt, in Verkehr gebracht und verwendet: sogenannte kontroverse Waffen. Darunter versteht man sowohl Nuklearwaffen als auch Streuminen, Anti-Personen-Minen, biologische und chemische Waffen und andere […]

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In vielen Ländern sind sie bereits seit langem geächtet – dennoch werden sie immer noch mancherorts hergestellt, in Verkehr gebracht und verwendet: sogenannte kontroverse Waffen. Darunter versteht man sowohl Nuklearwaffen als auch Streuminen, Anti-Personen-Minen, biologische und chemische Waffen und andere scheußliche Erfindungen pervertierten menschlichen Verstandes. Über Mainstream-Indizes finanzieren leider viele Privatanleger immer noch zahlreiche Unternehmen mit, die solche Waffen herstellen – und das trotz eines bestehenden Finanzierungsverbots in vielen Ländern Europas. Eine Initiative aus der Schweiz bringt das Thema wieder einmal nachdrücklich auf den Tisch – wir beleuchten die unerfreuliche Sachlage in unserem Beitrag.

Was sind überhaupt „kontroverse Waffen“?

Grundsätzlich handelt es sich bei kontroversen Waffen um jene Kriegsmittel, über deren Einsatz eine Kontroverse besteht (daher der Name). Viele dieser Waffen sind auch international geächtet – allerdings nicht alle. Eine Ächtung bedeutet, dass der Einsatz solcher Waffen durch verschiedene internationale Konventionen eigentlich verboten ist – eingesetzt werden sie in zahlreichen Kriegen aber trotzdem – in Einzelfällen auch von Ländern, die sich eigentlich an die Konventionen halten sollten.

Einen Grenzfall bei den kontroversen Waffen stellen dabei Nuklearwaffen dar. Sie gehören nicht per se zu den geächteten Waffen – immerhin pflegen die Supermächte ja schon seit den Fünfzigerjahren ungebrochen eine Politik der „nuklearen Abschreckung“, die gerade wieder zu neuen Höhen aufläuft. Zusätzlich mischen mehr und mehr noch weniger vertrauenswürdige Länder im großen Atom-Poker mit und nur im Ausnahmefall (wie etwa beim Iran) versucht man sie dazu zu bewegen, davon abzulassen. Eine direkte Ächtung oder ein Verbot von Atomwaffen gibt es also nicht – sehr wohl aber eine Kontroverse um diese Waffengattung. Damit kann man sie immerhin in den Bereich der kontroversen Waffen einordnen.

Geächtet sind aber in jedem Fall alle Arten von Streubomben, Landminen und Anti-Personen-Minen in jeder Form sowie biologische und chemische Waffen wie Giftgas. Bei diesen Waffen kann niemand mit Verstand behaupten, er benötige sie zur kriegsmäßigen Selbstverteidigung. Zudem verursachen solche Waffen auch eine übermäßig hohe Menge an Schaden in der Zivilbevölkerung, mehr als in „zivilisierten“ Kriegen auch nur irgendwie vertretbar wäre. Viele dieser Waffen richten auch noch Jahrzehnte nach Kriegsende grausame Verstümmelungen und Todesfälle an Unbeteiligten an, allzu oft an unbedacht spielenden Kindern.

Chemische Waffen nach der Chemiewaffenkonvention sind alle Waffen, deren toxische Eigenschaften Menschen oder Tieren Schaden zufügen – auch wenn es sich nur um zeitweiligen Schaden handelt. Zu den Chemiewaffen werden laut Konvention Brand- und Rauchstoffe gerechnet, Herbizide (wie das berüchtigte „Agent Orange“ in Vietnam) und Nesselstoffe zählen ebenfalls dazu.

Biologische Kampfstoffe bedürfen keiner näheren Erklärung – darunter fallen alle Krankheitserreger oder Giftstoffe aus natürlicher Quelle – also von lebenden Organismen. Auch sie sind nach der Biowaffenkonvention weitgehend verboten, einige Staaten, darunter Israel und Syrien, sind dieser Konvention jedoch nie beigetreten und beachten sie deshalb nicht als für sich bindend.

Das Problem bei geächteten oder kontroversen Waffen ist, dass sie durchaus in manchen bewaffneten Konflikten eingesetzt werden. Damit gibt es einen Bedarf an solchen Waffen, was bedingt, dass sie auch jemand herstellen muss. Dafür, dass sich ein Unternehmen allein mit der Herstellung solcher eigentlich geächteter Waffen beschäftigt, ist der Bedarf insgesamt zu gering – als Hersteller fungieren in der Regel Rüstungsunternehmen, die auch andere, nicht kontroverse Rüstungsgüter und Waffen herstellen. Und da beginnt das Problem.

Finanzierung trotz Verbotes

Insbesondere bei Indexfonds, die unter den großen Unternehmen einer Region oder eines Kontinents natürlich auch die großen Rüstungsunternehmen beinhalten, fällt es schwer, eine Finanzierung solcher Unternehmen, die auch kontroverse Waffen produzieren, gezielt auszuschließen.

Indexfonds sind eine beliebte Anlagemöglichkeit für Kleinanleger, wegen der vielen Vorteile, auch der Kostenvorteile, die sie als Anlagemöglichkeit haben. De facto werden also Unternehmen, die auch kontroverse Waffen herstellen, vor allem von Kleinanlegern finanziert. Das ist nicht wünschenswert und übergeht zudem zahlreiche nationale Finanzierungsverbote, wie sie etwa in Frankreich, Spanien oder den Niederlanden existieren. Dort sind sowohl direkte als auch indirekte Finanzierungen solcher Hersteller verboten. Um eine indirekte Finanzierung kommt aber kein Besitzer eines traditionellen Indexfonds, etwa dem Dow Jones, FTSE Russell, Morningstar, S&P oder Stoxx nicht herum. Das ist ein unhaltbarer Zustand.

In einem jüngst wieder einmal aufgelegten offenen Brief richten sich viele institutionelle Anleger, darunter auch die Metallrente, die Verka oder auch die DWS, die Fondsgesellschaft der deutschen Bank an die Fondsanbieter, mit der Forderung, Herstellern von kontroversen Waffen den Zugang zur Finanzierung ihrer Aktivitäten zu erschweren. Ausgegangen ist die Initiative diesmal von der Schweiz, wo die 2015 gegründete SFF (Swiss Sustainable Finance) sich für bessere Möglichkeiten zur nachhaltigen und moralisch „sauberen“ Finanzierung einsetzt. Insgesamt repräsentieren allein die institutionellen Anleger bei dieser Protestaktion ein Anlagevolumen von grob geschätzt 6 Billionen Euro.

Bei den großen Fondsanbietern stieß selbst das bislang auf taube Ohren: man scheut den Aufwand, Ausschlüsse bei den Indexfonds vorzunehmen, denn das bedeutet Aufwand und Kosten. So viel ist einem der Gesinnungszwiespalt von Anlegern, die bewusst nicht die Produktion kontroverser Waffen mit ihrer Anlage unterstützen wollen, dann doch nicht wert.

Einzig MSCI hat bislang reagiert und einen MSCI ex Controversial Weapons aufgelegt. Das ist immerhin schon etwas – allerdings ist völlig waffenfrei zu investieren immer noch fast ein Ding der Unmöglichkeit. Der Dow Jones Sustainability ex Alcohol, Tobacco, Gambling and others schließt als einer der wenigen waffenerzeugende Unternehmen konsequent aus.

Zumindest in kontroverse Waffen sollte aber wirklich niemand zwangsweise investieren müssen. Welche Unternehmen auch kontroverse Waffen produzieren, kann man übrigens auf  https://www.svvk-asir.ch/dienstleistungen/ nachlesen.

Wer komplett waffenfrei investieren will, muss sich intensiv Gedanken machen und sich bewusst sein, dass viele Flugzeughersteller wie Boeing oder Lockheed auch Militärmaschinen fertigen, dass im Bereich des „Cyberwar“ auch zahlreiche Softwarefirmen mittlerweile waffenfähige Produkte herstellen und auch Unternehmen wie Siemens oder der Roboterbauer Kuka als Zulieferer für militärisches Geräte und die Rüstungsindustrie arbeiten. Hier bewahrheitet sich wohl wieder einmal die traurige Weisheit, dass „der Krieg die Mutter aller Dinge ist“. Bei den Indexfonds wird es jedenfalls schwierig, komplett waffenfrei zu investieren.

Rüstungsindustrie als krisensichere Anlage?

Schon dem ehemaligen Nazi-Reich sagte man nach, dass sein ganzer wirtschaftlicher Aufschwung auf einer massiven Forcierung der Rüstungsindustrie beruhte. So ganz entspricht das nicht den Tatsachen, auch viele willige Geldgeber wie die Schweiz hatten daran ihren Anteil, aber es steckt natürlich auch etwas Wahrheit dahinter.

Je mehr die Konflikte und die Bedrohungsszenarien zunehmen, desto mehr boomt natürlich die Rüstungsindustrie. In den letzten Jahren der schwelenden Konflikte, drohenden Kriege und der generellen Aufrüstung auf allen Seiten hat die Rüstungsindustrie natürlich übermäßig profitiert – und dementsprechend haben Rüstungsunternehmen auch hervorragende Zahlen und Gewinnsteigerungen vorzuweisen.

Ein Vergleich zwischen dem Vice Funds, einem Fonds, der vor allem „böse“ Anlagen wie Bier, Zigaretten und Glücksspiel und auch noch viele Waffenunternehmen enthält, schlug in einem Performance-Vergleich die meisten ökologisch verträglichen Fonds um Längen. Mit einer Durchschnittsrendite von 9,7 % seit Beginn seiner Existenz 2002 outperformt der „böse“ Fonds sogar den DAX.

Für die Wirtschaft zählen weitestgehend nur Zahlen – und auch Anleger halten es oft so. Wenn es gute Ergebnisse bringt, ist es egal, was es ist, dann ist es gut. Am Ende ist das natürlich immer eine Gewissensfrage. Aber bei kontroversen Waffen hört das definitiv auf, finden wir. Solche Investments sollten klar ausschließbar sein – niemand sollte als Privatanleger quasi gezwungen werden, in so etwas zu investieren.

Wie die Regierung trotz angedachter Pläne feststellen musste, kann man ökologisch und moralisch verträgliche Investments nicht verordnen – und nur rund 5 % des in Deutschland investierten Geldes landeten in einem mit dem Kriterium „nachhaltig“ gelabelten Fonds. Das ist erbärmlich wenig – also ganz offensichtlich nicht das erste aller Bedürfnisse von Anlegern.

Trotzdem sollte man sich Gedanken machen und das Thema nicht einfach beiseite schieben. Besonders bei kontroversen Waffen müssen wir uns als Anleger fragen, ob wir das wirklich mit unserem Geld unterstützen wollen. Und nach reiflicher Überlegung sollte man, finden wir, dann auch klar Stellung beziehen. Egal, wie man sonst zu nachhaltigen und sozial verträglichen Anlagen steht. Bei kontroversen Waffen hört der Spaß wirklich auf.

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