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Wenn es um die Frage nach der wohl einschneidendsten Veränderung des Jahres 2020 geht, ist die Gestaltung des „Europäischen Wiederaufbaufonds“ sicher einer der aussichtsreichsten Kandidaten für diesen Titel in der Finanzwelt. Die Tragweite dessen, was man da nun endlich verändert hat, ist enorm – und weitreichend. Er stellt die gesamte Finanzierung auf der Ebene der EU vermutlich zukünftig auf eine völlig veränderte Grundlage. Daneben sicherlich auch die Haushaltsfinanzierung vieler Mitgliedsstaaten. Als Allheilmittel kann man den Wiederaufbaufonds zwar (noch) nicht sehen, als engagierter Anleger kommt man aber in jedem Fall nicht umhin, sich mit dem Wiederaufbaufonds und seinen Folgen eingehender auseinanderzusetzen. Wir erklären kurz und knapp das Wichtigste in unserem Beitrag.

Zähes Ringen um ein Stückchen echte Zukunft

Bei den meisten, die die Entstehung des Europäischen Wiederaufbaufonds (Recovery Funds) über die Medien mitverfolgt haben, wird sich wohl ein bleibender Eindruck von dem zähen Ringen der Regierungschefs um das Zustandekommen der Finanzierungslösung gebildet haben. Für lange Zeit sah es so aus, als würde es eine solche gemeinsame Lösung nie geben können. Und vermutlich hat auch der Letzte dabei klar erkannt, wie uneinheitlich und von wie vielen gravierenden Unterschieden in den Auffassungen der europäische Staatenverbund doch geprägt ist.

Am Ende handelt es sich bei dieser Wirtschaftshilfe der EU allerdings auch um eine sowohl rechtlich als auch juristisch äußerst komplexe Sache, die sehr viele Dinge auf den Kopf stellt und völlig neu gestaltet. Nicht nur, dass die früher so kontrovers diskutierten Euro-Bonds nun endgültig vom Tisch sind (sie sind nun nämlich einfach de facto da), auch die Finanzierung des EU-Haushalts steht auf einer deutlich veränderten Grundlage.

In Deutschland gab das einige Verwerfungen – und auch einige beträchtliche Kollisionen mit dem Grundgesetz, das klar eine völlige deutsche Souveränität in Bezug auf den eigenen Haushalt fordert. Und eine entsprechende Kontrolle und Mitbestimmung deutscher Politiker. Das hat schon in der Vergangenheit zu zahlreichen juristischen Problemen in Deutschland geführt und zu klaren Absagen der Karlsruher Richter im Bundesverfassungsgericht. Etwa beim Lissabon-Urteil 2009 (bei dem die deutschen Begleitgesetze, nicht der Lissabon-Vertrag selbst bemängelt wurden). Oder auch beim PSPP-Programm der EZB (dem Staatsanleihen-Kauf durch die EZB zur Finanzstützung nach der Corona-Krise), obwohl das PSPP-Programm vom Europäischen Gerichtshof für klar zulässig erklärt wurde. Deutschland tut sich juristisch vor allem auf der Ebene des Bundesverfassungsgerichts ziemlich schwer damit, wenn Deutschland nicht mehr alles, was den eigenen Haushalt in irgendeiner Form berührt, völlig allein und selbst entscheiden kann.

Gerade dadurch ist die erreichte Neuerung durch den Europäischen Wiederaufbaufonds so grundlegend und richtungsweisend: Zum ersten Mal in der Geschichte verschuldet sich hier die EU als einheitliches Ganzes, um einzelnen Mitgliedsstaaten nach individuellem Bedarf Geld zukommen zu lassen. Zurückgezahlt werden die Schulden dann von allen gemeinsam aus gemeinsamen (ebenfalls neu geschaffenen) Finanzmitteln.

Die Krise hat die EU in diesem Fall wirklich zusammengeschweißt und in Richtung echte europäische Fiskalunion ganz sicher entscheidend weitergebracht. Dafür brauchte es diese Krise auch. Unter „gewöhnlichen“ Umständen wäre wohl kaum jemand unter den Mitgliedsstaaten bereit gewesen, einen solchen Schritt nach vorn zu gehen. Noch nicht einmal in der sehr ernsten Situation der Wirtschaftskrise 2008. Aus der EU ist plötzlich auf eine gewisse Weise nun doch eine Art „Staat“ geworden, der einheitlich agiert. Nun ja, ein bisschen zumindest. Bis zu den „Vereinigten Staaten von Europa“ ist es fiskalpolitisch wohl noch ein langer Weg über viele Generationen.

Die Bedeutung für die (zukünftige) EU-Finanzierung

Man könnte nun zumindest einmal annehmen, dass diese Art von Euro-Bonds gekommen ist, um zu bleiben. Zumindest wird sie nachhaltig wirksam bleiben, da die jetzt aufgenommenen Schulden zwischen 2028 und 2058 zurückgezahlt werden sollen – für eine ganze Weile also.

Durch die individuelle Zuteilung der bis zu 390 Milliarden Finanzhilfen und 360 Milliarden Kredite an die einzelnen Mitgliedsländer kann man durchaus davon ausgehen, dass sich die leistungsmäßigen, zum Teil gravierenden Unterschiede der einzelnen Volkswirtschaften ein wenig ausgleichen, da den am meisten Bedürftigen auch das meiste Geld zukommen wird. Die bestehende Schuldenquote der einzelnen Länder wird davon nicht berührt. Auch nicht von den ausgezahlten Krediten, da es sich ja um „Gesamtschulden“ der ganzen EU und nicht mehr um nationale Schulden handelt. Die Staatsverschuldung von zum Teil ohnehin in prekären Miseren steckenden Volkswirtschaften (wie etwa, aber keinesfalls nur ausschließlich Italien) erhöht sich nicht weiter, trotzdem kommt frisches Geld ins Land. Es wäre ein bisschen zu optimistisch, nun zu hoffen, dass sich in einzelnen Ländern auch direkt die Schuldenquote in den nächsten Jahren dadurch verringern würde, aber die bereits bestehende Schuldenlast ist sicherlich für einzelne damit leichter zu schultern.

Nicht zu unterschätzen sind natürlich auch die deutlich geringeren Kosten für die Staatsschulden, die ja mit einem sehr guten AAA-Rating aufgenommen wurden und dementsprechend mit niedrigen Zinsen versehen sind. Hätte etwa Italien mit seinem schlechten Rating diese Kredite in eigenem Namen aufgenommen, wären die Zinslasten dafür deutlich höher ausgefallen und hätten das Land vermutlich in den nächsten Jahren buchstäblich erdrückt.

Weil sie so oft Thema war, und in den Köpfen auch vieler Deutscher wohl noch immer ist, muss man sich auch das Thema der Haftung für die Schulden noch einmal genau ansehen. Haben doch viele das Ganze so verstanden, dass nun eben „jeder für alles“ haftet, wenn die anderen nicht zahlen (können), ganz so wie der Ausfallsbürge beim Kredit, der bei der Pleite der Kreditnehmer dann mit einem riesigen Berg an Schulden dasteht.

Genau so eine „gesamtschuldnerische Haftung“ gibt es bei diesen Schulden im Rahmen des Europäischen Wiederaufbaufonds eben (formal) nicht. Es bedeutet nicht, dass ein Automatismus zum Tragen kommt wie: „Wenn alle pleite sind, zahlt Deutschland alle Schulden von allen anderen zurück, solange es noch zahlungsfähig ist.“ Genauso verhält es sich nicht. Jeder einzelne Mitgliedsstaat haftet nur bis zur Höhe der Beitragszahlungen zum EU-Haushalt, die er ohnehin leisten muss. Wären nun tatsächlich viele der Mitgliedsstaaten wirtschaftlich so schwach, dass es kaum mehr Beitragszahler für den EU-Haushalt gibt, müsste man sich natürlich etwas überlegen. So schlecht ist es um die Leistungsfähigkeit der einzelnen Volkswirtschaften aber bei Weitem nicht bestellt, dass man überhaupt über ein solches Szenario nachdenken müsste. „Alle fast pleite, nur Deutschland nicht“ ist eine ziemlich grobe (und reichlich anmaßende) deutsche Fehleinschätzung der Lage.

Wenn die EU als Institution nun in ihrem eigenen Namen Kredite aufnimmt, muss sie die natürlich dann auch in ihrem eigenen Namen als Rechtspersönlichkeit bedienen. Dafür braucht sie zunächst einmal Einnahmen. Hier liegt ein sehr wichtiges Potenzial für eine (endlich) europaweit einheitliche und endlich wirksame CO2-Besteuerung als Einnahmequelle für die EU, mit einem tatsächlichen Nutzen für alle Bürger der EU (wir leben ja alle nur auf einem Planeten).

Leider steht damit auch eine am Ende aus Anlegersicht gar nicht so begrüßenswerte europaweite Finanztransaktionssteuer im Raum. Neben einer möglichen Idee einer Digitalsteuer (jedenfalls für große Konzerne, die bisher keine Steuern bezahlen). Einnahmequellen für die EU lassen sich bei Bedarf recht schnell finden. Allerdings könnten einige dieser Einnahmequellen auch ein paar unliebsame Nebenwirkungen für uns Bürger und Anleger mit sich bringen.

Chancen für Anleger in der Zukunft

Wie gefragt Anleihen von Staaten mit guter Bonität weithin sind, erkennt man bereits an der traditionell sehr hohen (und in wirtschaftlich schwierigen Zeiten noch viel höheren) Nachfrage nach deutschen Bundesanleihen. Der Grund dafür ist einfach: die gute deutsche Bonität und die damit erwartete hohe Sicherheit der Anlagen.

Die EU als Staatengebilde hat ebenfalls ein sehr hohes Rating – nämlich AAA. Die Welt ist sich sicher, dass die EU ihre Schulden immer bezahlen kann. Zusätzlich steht natürlich auch noch die EZB als Institution bereit, um mit währungspolitischen Maßnahmen im Euro-Raum sicherzustellen, dass die EU ihre Schulden jederzeit bedienen kann.

Damit tut sich natürlich ein interessanter Weg für die EU auf, die aufgenommenen Schulden zu finanzieren: EU-Anleihen.

Aufgrund des hohen Ratings und der hohen Sicherheit könnte man einen regen Zulauf erwarten – vermutlich nicht nur aus Europa. Damit wird die bestehende Schuldenlast zu den einzelnen Anlegern „umverteilt“. Bei entsprechendem Zulauf könnte man vermutlich sogar noch darüber nachdenken, die bestehenden Schulden weiter fortzuschreiben und vielleicht sogar auszuweiten. Und damit eine EU-weite Finanzierungsquelle für mehr Fortschritt und Gleichheit unter den einzelnen Volkswirtschaften zu erschließen.

Dem Bürger und dem Anleger tut man damit auch einen Gefallen, weil endlich einmal wieder sichere Anlage-Möglichkeiten in großer Zahl zur Verfügung stehen, die nicht wegen Über-Nachfrage gleich mal in den negativen Zinsbereich rutschen. Das hängt allerdings dann auch von der Zahl der aufgelegten Anleihen und dem insgesamten Anleihevolumen ab.

Der Gedanke, dass sich EU-Bürger aber mit ihren Anlagen direkt an der EU selbst – also an Europa und dem europäischen Staatenverbund – beteiligen, ist schon eine recht angenehm europa-patriotische. Hoffen darf man ja.

Fazit

Zunächst kommt es natürlich einmal darauf an, wofür die zur Verfügung gestellten Mittel verwendet werden. Und mit welcher Einigkeit dahinter. Europa hat zumindest die Chance, das im Fonds vorhandene Geld tatsächlich für sinnvolle Dinge auszugeben. Für eine Modernisierung der einzelnen Volkswirtschaften, das europaweite Voranbringen der Digitalisierung, für mehr Klimaschutz, eine europaweite Verkehrswende und eine europaweite Energiewende, hin zu europaweit nachhaltiger und ökologischer Energieerzeugung. Das Geld dafür wäre da – und vermutlich sogar noch viel mehr, wenn über EU-Anleihen mehr Geld beschafft wird. Es kommt allein auf den gemeinsamen Willen und die Einigkeit dabei an.

Wenn das Geld hingegen dafür verwendet wird, weiterhin Ressourcenverschwendung, Umweltzerstörung und hirnlosen Massenkonsum wie jeher weiter zu fördern und noch zu erweitern und weiterhin korrupte, verblendet-gierige und Menschen und Umwelt achtlos behandelnde Systeme mit Finanzmitteln auszustatten, die kaum verständlich irgendwas von „Wachstum und allgemeinem Wohlstand“ nuscheln, dann wäre das ein sozialer, moralischer und intelligenzmäßiger Rückschritt in die gesellschaftlich dümmste Primitivität.

Ganz unerwartet hat es die EU geschafft, sich als Institution und als einheitlicher, rechtlich und wirtschaftlich deutlich wahrnehmbarer Staatskörper zu etablieren und darzustellen. Nun kommt es nur noch darauf an, dass sich als solcher auch in eine einzelne Richtung hin handelt – und mit etwas Verstand und Werten, die ein wenig über denen keulenschwingender Steinzeitmenschen liegen.

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Sparen wo’s geht: Teil 6 – Spar-Strategien, Budget-Optimierung und Finanzkosten https://www.diekleinanleger.com/sparen-wos-geht-teil-6-spar-strategien-budget-optimierung-und-finanzkosten/ https://www.diekleinanleger.com/sparen-wos-geht-teil-6-spar-strategien-budget-optimierung-und-finanzkosten/#respond Mon, 09 Nov 2020 12:10:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=13759 In den ersten fünf Teilen unserer kleinen Serie „Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben“ ging es um Bereiche, in denen man sparen kann – oder in die man investieren kann, um seine Kostensituation zukünftig zu verbessern. In diesem […]

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In den ersten fünf Teilen unserer kleinen Serie „Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben“ ging es um Bereiche, in denen man sparen kann – oder in die man investieren kann, um seine Kostensituation zukünftig zu verbessern. In diesem Teil geht es dagegen um das Sparen an sich. Sparen erscheint zunächst einmal als eine völlig selbstverständliche Sache. Man nimmt Geld und legt es regelmäßig zur Seite. Tatsächlich ist das Thema aber durchaus mit einigen Fragen (Wovon soll ich sparen? Wie viel soll ich sparen? Wie soll ich sparen?) und einer nicht geringeren Zahl an Fallstricken gepflastert. Als einfache Merkregel: Geldanlage und Rücklagenbildung sind sehr komplexe Themen. Das merkt man allein daran, wie groß unser Blog bereits geworden ist – und wir beschäftigen uns dabei fast allein mit diesem Themenbereich. In diesem Beitrag wollen wir einmal beleuchten, wo und wie Sparen Sinn macht (und wo nicht), welchen Sinn Budgets machen und warum die Kosten für das Sparen auch eine wichtige und beachtenswerte Sache sind.

Geld ist zum Ausgeben da – oder?

Wer nach dieser Weisheit lebt, wird sehr oft feststellen müssen, dass er am Ende des Geldes häufig noch reichlich Monat übrig hat. Manch einen stört das nicht so sehr. Das geht dann schon immer irgendwie. Irgendwann kommt aber jeder mal an den Punkt, wo’s dann nicht mehr so gut geht und man droht, auf der Straße oder dank unbezahlter Stromrechnung im Dunkeln zu sitzen. Oder erst mal für den Rest des Monats nicht mehr waschen zu können, bis Geld für eine neue Waschmaschine eintrifft.

Andere versuchen diese Ausgebe-Moral ein wenig akademischer zu verbrämen: „Das Geld muss wieder in die Wirtschaft fließen, damit die läuft. Wenn man sein Geld zurückhält, schadet das der wirtschaftlichen Entwicklung – und damit auch unser aller Jobsicherheit und unserem Gehalt.“ Die aktuelle Wirtschaftskrise (die man tatsächlich als eine Art „Absatzkrise“ sehen kann) in der Folge der Corona-Lockdowns scheint diese Weisheit sogar noch ziemlich gut zu bestätigen. In Europa stehen Millionen Jobs auf der Kippe, viele Unternehmen am Abgrund und viele als Kurzarbeiter mit deutlich geringeren Einkünften da.

Dabei muss man allerdings bedenken: Wenn eine Wirtschaft nur dann einigermaßen stabil läuft, wenn möglichst alle auf Teufel komm raus konsumieren, sich in Berge von Schulden stürzen und ihr gesamtes Einkommen für irgendwelche Nutzlosigkeiten auszugeben, dann ist erstmal an dieser Wirtschaft etwas verkehrt.

Am Ende dankt Ihnen dann nämlich niemand, wenn Sie finanziell auf der Nase liegen, dass Sie immer so brav die Wirtschaft „angekurbelt“ haben. Sie bekommen dafür keinen Orden oder einen Zuschuss. Eher noch so etwas wie: „Wie, Sie haben gar keine Rücklagen?! Was haben Sie mit Ihrem Geld denn gemacht?“. Das und ein paar verständnislose Blicke sind dann eher wahrscheinlich.

Sie sind allein für sich verantwortlich – und dazu gehört auch, zu wissen, wo man aufhören sollte zu konsumieren. Auch wenn einige Gewerbetreibende und Theoretiker laut schreien, die Bürger sollten doch bitte jetzt hier und da konsumieren und dieses und jenes kaufen, um irgendwelche Branchen, die ganze Wirtschaft insgesamt oder Deutschland zu „retten“. Sehen Sie das nicht so, als wären Sie persönlich gemeint. Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie dem nicht folgen. Ihr heldenhafter Kapitaleinsatz rettet jetzt auch niemanden mehr, wenn das System es nicht bringt. Und was nicht mehr überlebensfähig ist, das muss eben aussterben, dafür kommt dann was Neues. Das sollte einem spätestens seit dem Zeitalter der Dinosaurier klar geworden sein.

Und lassen Sie sich nicht manipulieren: Jaha, Deutsche fahren im Schnitt die ältesten Autos in der EU (ein gerade erst kürzlich gesendeter Nachrichtenbeitrag, wohl auch eher zweifelhaft, wenn man nach Bulgarien, Rumänien oder Portugal guckt). Die Antwort darauf: Es stört ja überhaupt keinen. Wir wollten die doch ohnehin durch Elektroautos ersetzen, oder etwa nicht? Die Autoindustrie muss schon seit fast 20 Jahren fast ständig durch angeblich irgendwelche Massen-Kauf-Aktionen „gerettet“ werden, alles andere hilft ja nicht – jedenfalls meint sie das. Mit allen Mitteln, wenn es geht, bitte. Wenn Sie jetzt brav den nächsten Kredit aufnehmen und sich eine neue Karre vor die Haustür stellen, hat nur einer nichts davon: Sie. Aber darauf kommen wir in einem unserer zukünftigen Beiträge noch einmal zurück. Aber denken Sie mal ein wenig über Dinosaurier nach.

Somit ist klar geworden: Alles auszugeben, dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. Rücklagenbildung ist zwingend notwendig.

Wie viel sollte man sparen?

Oma’s einfache Antwort auf diese Frage wäre: „Na, so viel du halt übrig hast“. So einfach ist das in der heutigen Zeit aber leider nicht mehr.

Wir müssen uns gut überlegen, welchen Teil unseres Geldes wir ausgeben und welchen Teil unseres Geldes wir zurücklegen wollen. Durch einige Arten von Rücklagen ist unser Geld oft auch in gewisser Weise gebunden – etwa wenn man am Aktienmarkt oder in Fonds investiert, einen Bauspar-Vertrag abschließt (Gott bewahre) oder sein Geld in eine Lebensversicherung oder einen Riestervertrag stecken, der uns im Alter dann gut dienlich sein soll. Dieser Teil des Geldes steht uns erstmal gar nicht zur Verfügung. Auch daran muss man denken.

Dazu kommt eine Sorge, die Oma vielleicht noch mit uns teilen kann (zumindest die sehr alten Omas): Sehr viel gespartes Geld löst sich möglicherweise in so gut wie nichts auf, wenn der Wert des Geldes plötzlich stark fällt. Sprich, wenn es zu einer Inflation oder einer Hyperinflation kommt. Über dieses Thema haben wir schon in einem früheren Beitrag einmal ausführlicher berichtet, einige Wirtschaftswissenschafter treibt dabei durchaus die Sorge um, dass es soweit kommen könnte. Niemand kann so etwas vorhersehen – die Leute wussten 1919 wahrscheinlich auch nicht, dass sie in Kürze ihren Laib Brot mit einem 10-Milliarden-Mark-Schein bezahlen würden. Nur heute, denn am nächsten Tag hätte sich der Preis bereits mindestens verdreifacht – oder vielleicht auch verzehnfacht. Alle glauben immer, das so etwas nicht passiert – bis es dann passiert. Die Menschheit als Ganzes lernt tendenziell eher langsam. Und ist meist von irgendwelchen wohlfeilen Hoffnungen angetrieben, dass alles Übel erst die nächste Generation ereilt.

Neben irgendwelchen Währungskrisen und Hyperinflations-Krisen gibt es natürlich auch Dinge wie Börsen-Crashs, Unternehmenspleiten oder ganz üble Machenschaften wie bei Wirecard. Und noch eine ganze Menge anderer Dinge, die dramatische finanzielle Auswirkungen haben können. Wie etwa Pandemien, mit reihenweise Pleiten und unsicheren Börsenentwicklungen im Gefolge.

Kurz: Aus Leibeskräften zu sparen kann also schon auch mal nach hinten losgehen – und einen im schlimmsten Fall auf einen Schlag in die Armut katapultieren. Es braucht also ein Gleichgewicht zwischen Rücklagen, (wertvollen) Investitionen und Konsumieren (oder sinnvollen Anschaffungen).

Nach diesen allgemeinen Überlegungen über möglichen Sinn und Unsinn des Sparens können wir uns nun mal ans Werk machen, und einmal konkretere Überlegungen anzustellen.

Budgets helfen enorm

Um überhaupt einmal zu sinnvollen Ergebnissen zu kommen, müssen wir zunächst einmal unser Geld ein wenig ordnen. Gedanklich jedenfalls.

Wir haben

  • Einnahmen
  • eventuell Zusatzeinnahmen
  • ein Haushalts-Einkommen (jedenfalls, wenn man nicht als Single lebt)
  • Fixkosten, die wir immer bezahlen müssen
  • lange dauernde Zahlungsverpflichtungen, die wir eingegangen sind
  • Kosten für die eigene Lebensführung, die wir üblicherweise haben
  • Kosten für Dinge, die wir uns einmalig als Besonderheit leisten
  • eventuell Kosten für Kinder

Jeder einzelne Punkt auf der Liste setzt sich dabei bei den meisten Menschen im Westen aus einer Vielzahl an einzelnen Posten zusammen. Unser „Lebensstandard“ wird dabei vor allem durch die Kosten für die eigene Lebensführung und die Kosten für Dinge, die wir uns einmalig als Besonderheit leisten, bestimmt. Richtigerweise ist es also kein Lebensstandard, sondern ausschließlich ein Konsumstandard – je nachdem, mit wie viel Geld wir für unsere Lebensführung und unsere Abenteuer- und Luxusbedürfnisse um uns werfen. Umso höher oder niedriger ist dann unser angeblicher „Lebensstandard“.

Die zahlreichen Einzelposten machen das Ganze schon ziemlich unübersichtlich, darum muss man sie einfach einmal in die oben genannten Kategorien einteilen. Das tun nur wenige. Wir fühlen uns von solchen Aufstellungen oft schnell eingeengt. Wir wollen lieber unser Geld einfach so ausgeben, wie es uns einfällt, ohne groß zu analysieren, was wir da eigentlich tun. Nicht genau zu wissen, was man eigentlich tut, ist aber nur sehr selten ein Weg zum Erfolg. Übersicht ist aller Erkenntnisse Anfang.

Die Aufstellung und selbst die einzelnen Posten werden von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfallen. Das ist auch ganz natürlich so, in unserem Konsumverhalten und in unserer Lebenssituation sind wir alle individuell sehr verschieden. Dahinter steht auch immer eine ganze Vielzahl sehr kleiner Lebensentscheidungen.

Hat man erst einmal Übersicht geschaffen, kann man den nächsten Schritt machen – nämlich Budgets zu erstellen. Dann kann das eingehende Geld einmal (virtuell) auf die einzelnen Kategorien verteilt und einmal kurz nachgerechnet werden, was überhaupt übrig bleibt.

Aus diesem Punkt müssen wir – und das ist die letzte Kategorie, die oben in der Liste noch fehlt – dann unsere gesamten Rücklagen bestreiten.

Unternehmen und Unternehmer budgetieren schon immer

Aus dem einfachen Grund, weil es schlicht notwendig ist, um irgendwie finanziell auf einen grünen Zweig zu kommen. Die gesetzlich vorgeschriebene doppelte Buchhaltung (für die meisten Unternehmen) dient ihrem Zweck nach nicht zuletzt auch der Übersicht über die eigene finanzielle Situation, das steht sogar immer noch im Gesetz. Und sie dient als Basis, um Budgets für die Zukunft zu entwerfen und zu wissen, was man in welchem Bereich finanziell leisten kann. Auch das ist eine unternehmerische Notwendigkeit.

Was im unternehmerischen Bereich gilt, gilt natürlich genauso für den privaten Bereich. Wir nehmen Geld ein, sollten es auf sinnvolle Weise ausgeben, um unsere Lebensziele zu verwirklichen und unseren täglichen Bedarf zu bestreiten. Daneben sollten wir Rücklagen bilden, um in der Höhe zurückgehende Einnahme-Situationen abfedern zu können und in Dinge zu investieren, die entweder unsere Einnahmen zukünftig erhöhen oder unsere laufenden Kosten zukünftig senken. Das sind sinnvolle Ausgaben. Eigentlich ganz genau wie beim Unternehmen auch – hier gibt es keinen Unterschied.

Budgets optimieren

Nach der Aufstellung sollten wir unsere Budgets aber einmal einer kritischen Betrachtung unterziehen: Wo geben wir wie viel Geld aus, was sind die größten Posten in jeder Kategorie? Dabei ist es auch sehr wichtig, zwischen echten Fixkosten und (freiwillig eingegangenen) lange dauernden Zahlungsverpflichtungen zu unterscheiden. Der teure Handyvertrag sind keine Fixkosten, die Vollkasko-Versicherung auch nicht. Das heißt nicht, dass sie im Einzelfall nicht sinnvoll sein können – zwingend sind sie aber nicht.

Besonders im Bereich der freiwillig eingegangenen Zahlungsverpflichtungen sollten wir uns immer kritisch fragen, welchen tatsächlichen (finanziell relevanten) Nutzen wir davon haben. Gibt es keinen, gehören diese Kosten im Grunde zu den üblichen Kosten, die wir für unseren Lebensunterhalt aufwenden, ohne speziell zwingenden Nutzwert.

Addiert man diese Kosten einmal über einen Monat hinweg (Stichwort: Haushaltsbuch oder Ausgaben-Tracking), kommt man meist auf Beträge, die fast jeder im Vorfeld zu niedrig schätzt. Wir neigen dazu, „Kleinigkeiten“ zu übersehen oder auszublenden, die nicht unbedingt zu unseren üblichen Konsumgewohnheiten zählen, sich am Ende aber deutlich summieren können. Und das tun sie jeden Monat, es sind nur jeden Monat gerade andere „Kleinigkeiten“.

Es geht beim Optimieren nicht darum, ein freudloses, asketisches Leben auf niedrigstmöglichem Niveau zu führen. Es geht vielmehr darum, zu analysieren, was wir wirklich brauchen, welche Ausgaben und Investitionen uns tatsächlich einen Gewinn bringen. Und auf welche wir ohne große Schmerzen leicht verzichten können. Auf diese Weise kann man aus Haushaltsbudgets leicht eine beträchtliche Menge Geld „herausholen“. Da die individuelle Situation in jedem Haushalt sehr unterschiedlich sein kann, ist es schwierig, hier allgemein gültige Ratschläge zu geben. Darum tun wir das an dieser Stelle auch nicht. Fokussieren Sie möglichst auf den Nutzen, den eine Ausgabe Ihnen bringt. „Macht Spaß“ ist dabei zwar auch ein Nutzen – aber nicht immer der alles Entscheidende. Ganze Budgets sollte man darauf nicht aufbauen, Geld ist schon auch eine ernsthafte Sache, vor allem, wenn man es ausgeben muss.

Vorgefertigte „Budget-Modelle“

In den letzten Jahren kursieren immer vorgefertigte Budget-Strategien, vor allem auf Plattformen wie Youtube und anderen, vorwiegend allgemein gehaltener Ratgeber-Plattformen. Mit dem Modell A oder dem Modell B, das irgendjemand erfunden hat, soll man dann wie aus dem Nichts eine riesige Menge Geld zurücklegen können, ganz von selbst.

Das ist am Ende dann oft eben doch nur in der Theorie ziemlich toll. Um solche Ansätze zu erfüllen, müssen sich einige dann doch ziemlich verbiegen. Vielfach stammen sie von engagierten Studenten oder jüngeren Menschen, die durch geringe Fixkosten eingeschränkt sind und ihr Geld lebensstilgemäß oft noch relativ frei ausgeben können. Was nicht bedeutet, dass solche Ansätze als Leitlinie automatisch schlecht wären. Viele stellen tatsächlich eine optimale Verteilung des eigenen zur Verfügung stehenden Geldes dar. Nur dass man dieses Optimum oft – etwa als Familienvater oder -mutter – nur  kaum erreichen kann. Ein paar besser bekannte Ansätze wollen wir hier dennoch einmal kurz vorstellen.

Das Drei-Konten-Modell zielt darauf ab, dass man jeden Monat 20 % seines Einkommens auf ein Vermögensaufbau-Konto einzahlt, weitere 10 % des Einkommens auf ein Konto, das als „Luxuskonto“ definiert ist. Von diesem Konto werden alle Ausgaben bestritten, die nicht zu Ausgaben des üblichen täglichen Bedarfs gehören. Wobei natürlich immer ein wenig Ansichtssache ist, was man zum täglichen Bedarf zählt. Mit diesen 10 % muss man dann Monat für Monat für seine „Luxusausgaben“ auskommen.

Beim 6-Konten-Modell wird es etwas komplexer

  • 50 % für alle laufenden Ausgaben (Fixkosten, freiwillig eingegangene langdauernde Zahlungsverpflichtungen, Kosten für die übliche Lebensführung)
  • 10 % für Luxus-Ausgaben
  • 10 % für Rücklagen
  • 10 % für Aus- und Weiterbildung
  • 10 % auf ein Spendenkonto
  • 10 % auf ein Konto für finanzielle Unabhängigkeit

Das stellt bereits ein sehr rigides Modell dar, das relativ unflexible Vorgaben für die Rücklagen-Bildung macht. Und die allermeisten werden es wahrscheinlich kaum schaffen, mit lediglich der Hälfte ihres Einkommens tatsächlich (über-)leben zu können, selbst unter größten Anstrengungen nicht. Man kann es aber trotzdem versuchen, ganz grundlegend macht die Aufteilung durchaus noch Sinn. Gegebenenfalls muss man auch die Prozentzahlen ein wenig anpassen.

Mit dem 50 / 30 / 20 Modell entfallen 50 % auf die Fixkosten und die langdauernden Zahlungsverpflichtungen, 30 % auf die gesamte Lebensführung und den Luxus und 20 % auf die Bildung von Rücklagen.

Diese „magische 20“ ist eine Zahl, die in vielen Modellen immer wieder auftaucht – und tatsächlich auch wirtschaftlich einigen Sinn macht. Wer es schafft, 20 % seines Einkommens monatlich zurückzulegen, hat einen guten Start. Allerdings müssen die einzelnen Budgets das auch tatsächlich „hergeben“.

Am besten, man sieht sich nach der Budget-Optimierung (nicht davor!) einmal die eigenen Ausgabenbereiche noch einmal gründlich an, ermittelt die Prozentzahlen für das Optimum – und hält sich in Zukunft möglichst daran.

Wo sollte man sparen?

Wir verfechten (als treuer Leser wissen Sie das vielleicht bereits) einen mehrstufigen Ansatz für die eigene Anlage. Dabei unterscheiden wir zwischen einer kurzfristigen Anlage, einer mittelfristigen Anlage und einer langfristigen Anlage, die entweder hintereinander oder gleichzeitig aufgebaut werden. Einen ganz ähnlichen Ansatz empfehlen übrigens auch die meisten Banken in ihrer Finanzberatung schon seit Jahrzehnten, er hat sich einfach bewährt.

Die kurzfristige Anlage dient zur Behebung von momentanen finanziellen Engpässen, für größere Ausgaben im Haushalt und für spontan eintretende Notfälle. Das Geld sollte immer schnell verfügbar sein (z. B. auf einem Sparkonto). Die Höhe der Rücklagen sollte sich idealerweise im Bereich von rund 3 Monatsgehältern bewegen. Zinsen sind hier nett, aber nicht unbedingt erforderlich. Diese Rücklagen sind praktisch der eigene „Dispo“, den man sich selbst gibt.

Die mittelfristige Anlage sollte ungefähr die Höhe eines Jahresgehalts haben (komplette Jahreseinnahmen). Sie dient der Verwirklichung von größeren Zielen, teureren Anschaffungen und zur soliden finanziellen Absicherung. Zinsen oder Renditen sind hier wichtig, allerdings spielt auch der Sicherheitsaspekt noch eine große Rolle dabei. Hoch riskante Anlagen sind hier sicherlich fehl am Platz. Aus der mittelfristigen Anlage werden grundsätzlich auch alle Investitionen getätigt, die uns helfen, unsere Fixkosten zu senken. Die kurzfristige Anlage sollte für solche Anschaffungen möglichst immer unangetastet bleiben.

Wird bei diesen beiden Anlagen Geld entnommen, wird es bei nächster Gelegenheit zuerst wieder aufgefüllt, bevor man weiter spart. Nur wenn mittelfristige und kurzfristige Anlage an ihrem Zielwert sind, fließt Geld in die langfristige Anlage (außer man bedient alle drei gleichzeitig, dann sollte man gegebenenfalls aus den höher gestuften Anlagen zu den niedriger gestuften Kapital umschichten).

Am oberen Ende kommt die langfristige Anlage. Aus ihr werden finanzielle Unabhängigkeit, Vorsorge für das Alter und den Lebensstandard in der Rente finanziert. Zinsen, Rendite und Wertentwicklung spielen hier eine wesentliche Rolle, aufgrund des vergleichsweise langen Anlagehorizonts kann man auch einige riskantere Anlagen mit einstreuen, deren Wertentwicklung sich auch bei kurzen Rückschlägen durch den langfristigen Ansatz meist wieder ausgleicht.

Entweder man teilt seine Rücklagen auf und bedient alle drei Bereiche zu gleichen Teilen, was empfehlenswert ist, wenn man bereits einige Rücklagen gebildet hat. Wer gerade erst zu sparen beginnt, sollte dagegen besser erst die kurzfristige Rücklage (das beruhigt bei häufigen finanziellen Engpässen enorm und lässt einen besser schlafen), dann die mittelfristige Anlage und dann seine langfristige Anlage aufbauen. Wenn der Zielbetrag für eine Anlage erreicht ist, leitet man das Rücklagekapital dann einfach immer in die nächste Stufe, bis man auch dort das Ziel erreicht hat.

Finanzkosten nicht unbeachtet lassen

Bei Krediten sind die Kosten – dort in Form von Zinsen – ein sehr wichtiges und immer viel beachtetes Thema. Bei Spareinlagen schaut kein Mensch auf die Kosten, obwohl das dort genauso wichtig wäre.

Es verhält sich nämlich so: Bei jedem Euro, den Sie mehr an Gebühren bezahlen, entgeht Ihnen nämlich Spar-Kapital. Würde dieser Euro in der Anlage verbleiben, würde er sich im Laufe der Jahre mit Zins- und Zinseszins zu erklecklichen Beträgen steigern – die wir so nicht zur Verfügung haben, weil wir ihn ja sofort als Gebühr ausgeben.

Ein einzelner Euro pro Monat, der mehr in der Anlage verbleibt, wird bei 5 % Zinsen innerhalb von 20 Jahren immerhin zu einem Betrag von über 400 EUR. Meist reden wir allerdings nicht nur von Kleinbeträgen wie einem Euro, wenn es um Gebührenverschwendung geht. Bei 4 oder 5 Euro gesparten Gebühren im Monat entgehen einem innerhalb von 30 Jahren bei der durchschnittlichen DAX-Performance der letzten 30 Jahre hinweg bereits über 3.000 EUR, davon sind rund 1.200 EUR reine Zinsgewinne. Bei 30 Jahren Laufzeit der Anlage hätte man dann sogar bereits über 8.000 Euro (davon über 6.500 EUR an Zinsen) verschenkt.

Auch die direkten Anlagekosten sollte man bedenken: ETF-Fonds sind (wegen des geringeren Management-Aufwands) oft deutlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds, erbringen dabei aber in sehr vielen Fällen eine höhere Performance. Auch das kann ein Auswahlkriterium sein.

Das gilt im übrigen nicht nur für Gebühren, sondern für jedes Geld, das Sie nicht sparen, sondern ausgeben.

Besonders bei Fonds-Investments, Aktienanlagen und anderen börslichen Anlagen (wie z. B. ETF-Sparplänen) sollten Sie daher unbedingt unseren kostenlosen und individuell einstellbaren Broker-Rechner benutzen, um sich über die Gebühren für Ihre Anlage bei verschiedenen Brokern zu informieren und sie vergleichen zu können. Die Unterschiede können beträchtlich sein und im Einzelfall weit über den oben erwähnten Euro pro Monat hinausreichen.

Investitionen können sich ebenfalls lohnen

In den ersten fünf Teilen unserer Serie haben wir uns vor allem damit beschäftigt, wie man durch Investitionen seine Kosten senken kann. Auch das ist eine Form der Rendite, die man nicht unterschätzen sollte – allerdings muss man dabei immer genau rechnen.

Vielfach wird diese Rechnung herangezogen, um einem den Hausbau schmackhaft zu machen (Investition in Eigentum, anstatt Miete zu zahlen). Dabei muss man allerdings immer genau rechnen – für viele werden die Kosten zeitlebens nicht geringer, wenn man Betriebs-, Wartungs- und Erhaltungskosten und Kreditrückzahlungen für das Haus heranzieht. Sprich: Am Ende werden die eigentlichen Fixkosten durch den Hausbesitz monatlich nicht weniger, sondern über weite Strecken im Leben hinweg sogar eher mehr. Rein kostentechnisch gesehen ist der Hausbau also nicht in allen Fällen immer besser als die Mietwohnung.

Das wäre der Fall, wenn das Haus bezahlt wäre und die aufgerechneten Betriebskosten und Instandhaltungs- und Reparaturkosten geringer wären als die Miete. An diesen Punkt gelangen viele aber leider nie.

In anderen Bereichen kann eine Investition ins eigene Leben (also in die Kostensenkung oder in die Generierung eines höheren Einkommens) sich aber durchaus rechnen. Dabei sollte man immer ein waches Auge haben und zusehen, wo man durch eine einzelne Investition oder einen Kauf von etwas langfristig möglicherweise Kosten sparen oder laufende Kosten eliminieren kann. Mit ausreichend aufgebauter kurz- und mittelfristiger Anlage stellen die Kosten für solche Investitionen meist kein Problem dar.

Unser Fazit

Man erkennt: Sparen ist überaus wichtig, aber eben auch tatsächlich ein komplexes Thema, bei dem man vieles bedenken muss – auch die möglichen Anlagerisiken. Aus diesem Grund sollten Sie öfter einmal in unseren Blog schauen, wenn Sie das nicht schon ohnehin tun.

In unserer Serie geht es dann weiter mit dem Thema Mobilität. Dabei gibt es vieles zu bedenken und eine ganze Reihe von sehr hartnäckigen Irrtümern auszuräumen. Bleiben Sie also dran!

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Mini-Serie: Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben | Teil 5: Versicherungen, Steuerlast, Vorsorgekosten https://www.diekleinanleger.com/mini-serie-sparen-wos-geht-investitionen-ins-eigene-leben-teil-5-versicherungen-steuerlast-vorsorgekosten/ https://www.diekleinanleger.com/mini-serie-sparen-wos-geht-investitionen-ins-eigene-leben-teil-5-versicherungen-steuerlast-vorsorgekosten/#respond Mon, 02 Nov 2020 13:50:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=13710 Wenn es um die Lebenshaltungskosten geht, gibt es noch einen relativ großen Posten, den man eigentlich nicht unbeachtet lassen kann: Steuern, Versicherungen und Vorsorgeleistungen. Dafür geben wir im Jahr zum Teil sehr viel Geld aus. Hier wird aber gleichzeitig oft […]

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Wenn es um die Lebenshaltungskosten geht, gibt es noch einen relativ großen Posten, den man eigentlich nicht unbeachtet lassen kann: Steuern, Versicherungen und Vorsorgeleistungen. Dafür geben wir im Jahr zum Teil sehr viel Geld aus. Hier wird aber gleichzeitig oft auch viel Geld verbrannt. Grund genug, einmal einen Blick auf diesen Bereich zu werfen. Das wollen wir in diesem fünften Teil unserer Mini-Serie „Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben“ deshalb auch einmal tun. In diesem Bereich geht es, anders als in den anderen Bereichen bisher, dabei weniger um einzelne größere Investments als vielmehr und viele kleinere, laufende „Investitionen“. Die können sich aber auch beträchtlich summieren – insbesondere, wenn man dafür vergleichsweise wenig echte Leistung bekommt.

Warum Vorsorge wichtig ist

Viele halten Kapital und Vorsorgeleistungen für austauschbar. Sprich: Wer genug Kapital angesammelt hat, ist gegen alle Widrigkeiten des Lebens ohnehin gefeit und kann sich aus Mißhelligkeiten leicht „herauskaufen“ – und braucht daher weniger Vorsorge. Wer wenig Geld hat, muss möglichst hohe Vorsorgeleistungen bezahlen, da er sich im Unglücksfall ja nichts leisten kann.

Tatsächlich ist das schlichtweg falsch. Wer einen höheren Lebensstandard pflegt, muss meist auch mehr bezahlen, um ihn mit entsprechend höheren Leistungen abzusichern. Und ein großes Vermögen zu besitzen, hilft in erstaunlich wenigen Fällen wirklich weiter, wenn es zu Unglücken kommt. Die Sicherheit des dicken Bankkontos ist nur eine Scheinsicherheit (tatsächlich sehen das regelmäßig auch nur die Menschen so, die selbst kein großes Vermögen besitzen, Reiche sind da meist deutlich realistischer). Egal ob arm oder reich – entscheidend ist am Ende immer nur, wie gut man vorbereitet ist, und auf wie viel.

Zum Bereich der Absicherung gehören dabei einige unterschiedliche Bereiche:

  • der sogenannte Risikoschutz (wirksame Absicherung gegen spontane Unglücksfälle)
  • Haftpflichtversicherungen (Schutz vor Schäden, die man in verschiedener Funktion verursachen könnte und für die man Schadenersatz leisten muss)
  • die Gesundheitsvorsorge (wirksamer Schutz vor notwendig werdenden Behandlungskosten)
  • die Altersvorsorge (Schutz vor Geldmangel im Alter, Absicherung eventuell notwendiger hoher Pflegekosten)
  • Schutz des eigenen Einkommens (bei Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, etc.)

Neben den finanziellen Schutzmaßnahmen, die man dafür einsetzt, kann man durchaus auch auf andere Weise vorsorgen. Echte Vorsorge erstreckt sich weit über das Abschließen von Versicherungen hinaus – auch wenn einem Versicherungsvertreter gerne das Gegenteil erzählen. Um sein Einkommen, seinen Lebensstandard im Alter und Pflegekosten sowie die eigene Gesundheit abzusichern, gibt es viele Dinge, die man außer dem Abschließen entsprechender Versicherungen tun kann.

Um die echte Absicherung der Deutschen ist es dabei schon in finanzieller Hinsicht äußerst schlecht bestellt. Nach einer Schätzung des Bundes der Versicherten sind 90 % der Deutschen falsch versichert – oder nicht wirksam genug. Das liegt nicht daran, dass zu wenig Geld für die Absicherung ausgegeben würde – sondern vor allem, weil viel zu viel Geld für die falschen Versicherungen aus dem Fenster geworfen würde. Essenzielle Versicherungen werden dagegen in vielen Fällen oft überhaupt nicht abgeschlossen. Das ist eine sehr ernüchternde Bilanz, immerhin von Fachleuten, die es wissen müssen. Und die Erkenntnis, dass sehr viele von uns oft mit deutlich weniger Aufwand am Ende deutlich besser abgesichert wären, schmerzt. Tatsächlich deuten aber viele Untersuchungen darauf hin, dass das höchstwahrscheinlich bei der Mehrzahl der Bundesbürger der Fall ist. Zur Beruhigung: In vielen Nachbarländern Deutschlands sieht es auch nicht besser, sondern oft sogar noch deutlich schlechter aus.

Risiken sind nicht statisch – und unterschiedlich schwerwiegend

Eine umfassende Vorsorgeberatung für jeden möglichen Einzelfall zu geben, ist in diesem Rahmen hier gar nicht möglich. Mit einigen grundlegenden Leitlinien kann man oft aber schon vieles besser machen.

Die eigene Absicherung hat im Grunde zwei wichtige Dimensionen: Wie existenzbedrohend das Risiko ist – und was in der momentanen Situation Priorität hat. Risiken sind keine statische Sache – sie ändern sich ständig. Aus diesem Grund sollte man auch den Grad und die Ausgestaltung seiner Absicherung immer in regelmäßigen Abständen an die aktuelle Lebenssituation anpassen.

Wer plötzlich Vater wird, als Alleinverdiener die Familie versorgen muss und Kinder möglichst vor Unbill schützen will, steht vor einer gänzlich anderen Absicherungssituation als zuvor als berufstätiges Paar, bei dem jeder meist sogar noch seine eigenen Versicherungen hatte. Wird solchen grundlegenden Veränderungen nicht ausreichend Rechnung getragen, sieht es mit dem Grad der Absicherung dann oft schnell gefährlich lückenhaft aus. Das Gleiche gilt, wenn man beschließt, eine Wohnung zu kaufen, ein Haus zu bauen oder sich beruflich grundlegend neu zu orientieren.

Wenn es um den Grad der Absicherung geht, unterscheiden Versicherungsfachleute oft zwischen einem Pflichtschutz, den jeder haben sollte – und einem optionalen Zusatzschutz, den man sich oft ersparen kann (aber natürlich nicht muss, wenn man das möchte). Vielen fällt es dabei aber schwer, den Grad der Bedrohung richtig zuzuordnen. Ist eine Insassen-Unfallversicherung nicht ebenso wichtig wie eine Privathaftpflicht? Entsteht durch Glasbruch nicht ein hoher Schaden, den man besser auch absichern sollte? Warum brauche ich eine leistungsfähige Krankenversicherung, wenn ich mich doch überaus gesund fühle? Werden Berufsunfähigkeitsversicherungen nicht überbetont? Ist ein Rechtsschutz nicht wichtiger?

Alle diese Fragen tauchen sogar recht häufig auf. Natürlich sind alle diese Versicherungen in einem gewissen Kontext sinnvoll – und helfen, bestimmte Risiken zu minimieren. Dennoch erkennt man eine gewisse Rangordnung – Glasbruch ist nun einmal ein eher nachrangiger Schutz, während die Privathaftpflicht ein relativ vorrangiger Schutz ist.

Worauf man nicht verzichten sollte

Zunächst gibt es in Deutschland einmal einige Pflichtversicherungen – denen entgeht man ohnehin nicht. Die Haftpflicht-Versicherung fürs Auto, die Gebäudeversicherung fürs Haus, die Hausratsversicherung (obwohl es immer noch viele gibt, die tatsächlich keine haben).

Ebenso wichtig ist der ausreichende Schutz der eigenen Gesundheit – was durch die in Deutschland verpflichtende Krankenversicherung bei der GKV oder PKV ohnehin meist gegeben ist.

Daneben sollte noch mindestens eine Privathaftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung und/oder eine Unfallversicherung mit ins Portfolio – weil diese Versicherungen Sie gegenüber Risiken absichern, die für die allermeisten von uns einfach zu hoch wären und wir sie nicht stemmen könnten. Die Absicherung des eigenen Einkommens ist nun einmal grundlegend wichtig – weil wir ohne meist nur sehr geringe Ausfallszahlungen erhalten würden, die wir dann häufig nicht mehr aus eigener Kraft aufbessern könnten. Besonders bleibende Invalidität bedeutet fast einen garantierten Abstieg in die Armut, wenn man sich zuvor nicht ausreichend dagegen abgesichert hat. Das erlebt man in Deutschland tausendfach.

Für den einzigen Verdiener einer Familie sollte man darüber hinaus auch eine Risikolebensversicherung abschließen – denn fällt sein Einkommen weg, wird es für den Rest der Familie sonst oft enorm schwierig. Dagegen kann man etwas tun.

Bei der Frage zwischen Berufsunfähigkeitsversicherung und Unfallversicherung scheiden sich oft die Geister – vieles hängt hier aber auch von der Situation ab. Wer eine Risikosportart in seiner Freizeit betreibt, kann durchaus einen Nutzen von einer privaten Unfallversicherung haben – für alle anderen ist eher die Berufsunfähigkeitsversicherung meist besser geeignet, um ihr Einkommen abzusichern. Man muss sich vor Augen halten, dass nur rund jede 50. Behinderung tatsächlich durch einen Unfall entsteht (für den die Unfallversicherung aufkommen würde). In 49 von 50 Fällen ist die Ursache der bleibenden Invalidität eine andere. Aus diesem Grund erscheint die Berufsunfähigkeitsversicherung irgendwie die risikogerechtere Wahl.

Alles was darüber hinaus geht, kann man durchaus einmal als nachrangig betrachten. Glasbruch kann man notfalls auch aus eigenen Mitteln noch beheben, Insassenunfallversicherungen leisten nur unter ganz bestimmten (selten vorliegenden) Bedingungen, meist kommt ohnehin entweder die eigene Autoversicherung oder die des Unfallgegners für den Schaden auf. Sterbegeldversicherungen sind oft maßlos überteuerte Lebensversicherungen, ein gesperrtes Sparbuch mit den hinterlegten Beerdigungskosten oder ansonsten eine Risikolebensversicherung erfüllen den gleichen Zweck. Manches kann in einzelnen Fällen sinnvoll sein – manches ist es so gut wie nie. Die bei den streitlustigen Deutschen so beliebte Rechtsschutzversicherung (da kann man überall und immer gleich mit Klagen drohen) kann man in ihrer Sinnhaftigkeit durchaus hinterfragen (jedenfalls, wenn man nicht vorhat, sie bei jedem kleinsten Anlass aktiv als Kläger zu nutzen).

Auf vieles könnte man also durchaus verzichten, einiges sollte man sich dagegen schleunigst besorgen. Der wichtigste Tipp ist dabei: Erstellen Sie zunächst nach sorgsamer Überlegung (und gegebenenfalls mit unabhängiger und neutraler Fachberatung) eine Auflistung der wichtigsten Risiken, mit denen Sie in Ihrer Lebenssituation konfrontiert sind und filtern Sie heraus, mit welchen Risiken Sie finanziell überfordert wären. Überlegen Sie dann, welche Bedingungen ausreichen würden, um Sie in den meisten Fällen gegen diese Risiken weitestgehend abzusichern.

Überlegen Sie auch, auf welche andere Weise Sie sich gegen bestimmte Risiken absichern können – etwa durch gezielte Bildung von Rücklagen für bestimmte Zwecke, die Berechnung einer Rücklagenmenge, die immer erhalten bleiben soll, durch die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen oder die dauerhafte Absenkung bestimmter Fixkosten. Auch der Erwerb einer Immobilie, das Zurückzahlen von Schulden oder andere Maßnahmen können im Einzelfall eine gute Absicherung darstellen. Das muss allerdings immer in der individuellen Situation genau betrachtet und individuell abgewogen werden.

Einfach der Versicherung blindlings sein Geld hinterherzuwerfen taugt als Absicherung meist nur wenig.

Optimieren heißt das Zauberwort

Wenn Sie für sich einmal bestimmt haben, welche Versicherungen mit welcher Leistung Sie für Ihre Absicherung brauchen, können Sie sich daran machen, Überflüssiges zu streichen.

Danach lautet die Aufgabe, die benötigten Leistungen so günstig wie möglich zu bekommen. Lassen Sie sich hier nicht täuschen. Je nach Versicherungs-Sparte kann man die gleichen Leistungen bei einem anderen Anbieter oft um bis zu 75 % günstiger bekommen – weniger Prämie bedeutet also nicht automatisch eine schlechtere Versicherung. Die Prämienunterschiede bei vergleichbaren Leistungen sind oft unglaublich riesig.

Versicherungsvergleiche und der Gang zum unabhängigen Makler können oft helfen, wenn man seinen Prämienaufwand optimieren will – man kommt jedoch meist trotz allem nicht umhin, sich sehr eingehend und detailliert mit den einzelnen Leistungen verschiedener Versicherer selbst und allein auseinanderzusetzen. Anders ist eine wirkliche Optimierung nicht zielführend. Nur wenn man genau weiß, was man bekommt und für sich selber abwägt, ob einem das genügt, kann man fundierte Entscheidungen treffen. Diese Entscheidung kann einem auch niemand abnehmen.

Irgendwelchen Versicherungs-Optimierungs-Apps oder „Versicherungsberatern“ sollte man derart wichtige Entscheidungen auf keinen Fall überlassen. Sie sollten sich bewusst sein, dass alle diese Systeme nur funktionieren, wenn dabei irgendjemandem irgendetwas verkauft wird – anders entsteht einfach keine Provision und kein Gewinn. Von diesem Grundzweck werden alle Verkaufs-, Optimierungs- und Beratungssysteme letztendlich bestimmt.

Treffen Sie Ihre Entscheidungen also am besten ganz allein selbst, nach reiflichem Überlegen und detailliertem Abwägen, welchen Umfang an Absicherung Sie benötigen. Am Ende kann es durchaus sein, dass Sie plötzlich deutlich weniger für Versicherungen ausgeben – und dennoch deutlich besser abgesichert sind.

Noch ein Tipp: Besonders bei Versicherungen, bei denen Sie im Zweifel sind, ob Sie sie überhaupt benötigen, rechnen Sie einfach zusammen, wie viel Geld Sie innerhalb von zehn Jahren in die Versicherung in Form von Prämien einzahlen und vergleichen Sie das mit einer wahrscheinlichen Höhe des Schadens, gegen die die Versicherung Sie schützen soll. Ist beides annähernd gleich hoch, können Sie in vielen Fällen gut auf eine solche Versicherung verzichten.

Bedenken Sie dabei, dass auch Kleinvieh Mist macht – Sie dämmen Ihr Haus für 20.000 EUR, um sich eventuell 30 EUR Heizkosten pro Monat zu ersparen, geben aber möglicherweise locker 20 EUR für eine Versicherungsleistung jeden Monat aus, die Sie höchstwahrscheinlich nicht brauchen. Achten Sie immer darauf, dass das Verhältnis gewahrt bleibt.

Rechnen Sie Ihren Kapitalbedarf hoch – und erreichen Sie Ihre Vorsorge-Ziele

Bei vielen Dingen kann man sehr gut abschätzen, wie viel sie kosten werden. Den eigenen Kapitalbedarf im Alter und mögliche Pflegekosten kann man beispielsweise meist gut beziffern.

Setzen Sie sich für solche Dinge Absicherungs-Ziele, bei denen Sie klar definieren können, zu welchem Zeitpunkt Sie eine Mindest-Absicherung erreicht haben werden – und sehen Sie zu, dass Sie diese Ziele möglichst früh erreichen.

Umgekehrt bringt es natürlich nichts, wirklich allen Risiken mit eigenem Vermögen begegnen zu wollen. Aus diesem Grund wurden Versicherungen geschaffen – weil das einfach kaum für irgendjemanden möglich ist. Wer so viel Geld auf der Seite haben möchte, dass er sein gerade abgebranntes Haus locker wieder aus Eigenmitteln aufbauen lassen kann und Einnahmen-Ausfälle einfach aus der eigenen Tasche ersetzen kann, muss schon sehr viel zur Seite schaffen. Entsprechende Versicherungen kosten da deutlich weniger, haben keine Ansparzeit und bieten deutlich besseren Schutz. Diesen gebotenen Schutz sollte man in sinnvollem Umfang auch nutzen.

In einigen Fällen kommt man allerdings auch mit eigenem Kapital gut zurecht. Dort sollte man das auch tun.

Steuerlasten minimieren

Über das Thema Steueroptimierung und Beihilfen-Nutzung haben wir in einem anderen Beitrag schon einmal gesprochen. Nicht mehr Steuern zu bezahlen, als man unbedingt muss ist ganz sicher ein Gebot der Wirtschaftlichkeit bei der persönlichen Lebensführung. Das an Beihilfen auszunutzen, was einem staatlicherseits zur Verfügung steht, auch.

Dabei braucht niemand ein schlechtes Gefühl zu haben. Das Geld, das der Staat zur Verfügung steht, ist wohl kalkuliert. Und man nimmt es niemand anderem weg. Es geht weniger darum, dass man „fremde Hilfe“ in Anspruch nimmt, weil man es nicht allein schafft (diese Denkweise ist in Deutschland weit verbreitet), sondern darum, dass man mit seinen Steuern und Abgaben bestimmte Leistungen für die Gemeinschaft mitfinanziert und dann eben wieder – je nach Situation – einen bestimmten Teil davon von der Gemeinschaft zurückbekommt.

Aus falschem Stolz darauf zu verzichten, wäre wie bei einer Grillparty unter Freunden immer darauf zu bestehen, alle Lebensmittel auf eigene Rechnung einzukaufen – und keinerlei Kostenbeteiligung von irgendjemandem zuzulassen. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. Genauso wenig, wie auf Steuererleichterungen oder Zuschüsse zu verzichten.

Wer selbständig ist, hat ohnehin fast immer einen Steuerberater. Wer eine größere Solaranlage auf dem Dach hat, meist auch. Auch für alle anderen ist der Steuerberater eine durchaus gute Investition. Im komplizierten deutschen Steuerrecht, in dem man als Laie gar keine Chance hat, sich in den tausenden Regeln, Sonderregeln und Ausnahmeregelungen zurechtzufinden, ist der Steuerberater eine unschätzbare Hilfe. Gerade für Arbeitnehmer, die ja fallweise sogar noch ein beträchtiches Maß an Negativsteuern geltend machen können.

Als Alternative zum Steuerberater kommt auch die Lohnsteuerhilfe in Betracht, deren Jahresbeiträge man mit gutem Gewissen als ein sinnvolles Investment betrachten kann. Durch Optimierung und Nutzung der geltenden Steuererleichterungen in vielen Fällen (von Haustierbetreuung bis hin zu notwendigen Fahrten und den eigenen Vorsorgeaufwendungen und der für jeden nutzbaren Werbekostenpauschale) lässt sich hier gegebenenfalls sehr viel Geld zurückholen. Voraussetzung dafür ist nur, dass es richtig beantragt wird. Dann bekommt man sogar dafür, dass man als Paar mit zwei Kindern umziehen musste, vom Staat über 2.000 EUR als Umzugskostenpauschale angerechnet. Es geht also bei Weitem nicht nur um Kleinbeträge, sondern oft um substanzielle Geldmengen. Als Arbeitnehmer setzen Experten in einer gängigen Lebenssituation durchschnittlich rund 1.000 EUR als mögliche Steuerrückzahlung an. Das ist kein Kleingeld mehr.

Die mit der Beantragung verbundenen Mühen muss man dann natürlich auch auf sich nehmen – für die Mühe hat man meist im Endergebnis aber einen guten Stundenlohn. Die Kosten für eine fachliche Finanzberatung stehen dabei oft in keinem Verhältnis zu dem, was sie einem am Ende bringen kann.

Fazit

Vorsorge und Absicherung sind zwei ganz wesentliche Punkte in unserem Leben. Für beide geben wir auch eine beträchtliche Menge an Geld aus. Leider nur sehr häufig an der falschen Stelle. Sehr viele könnten mit deutlich weniger finanziellem Aufwand deutlich besser abgesichert sein.

Um seinen persönlichen Vorsorgeaufwand zu optimieren, ist es zunächst einmal notwendig, die größten und die schwerwiegendsten Risiken festzumachen, die in der aktuellen Lebenssituation drohen und seinen individuellen Vorsorgeziele zu ermitteln. Danach kann man sich daran machen, diese Risiken wirtschaftlich abzusichern und einen Plan aufzustellen, wie man seine Vorsorgeziele am besten erreicht. Auf die „Mithilfe“ von diversen Versicherungsapps oder provisionsgetriebenen Beratungen sollte man dabei besser verzichten. Die wirklich wichtigen Entscheidungen muss man für sich selbst treffen. Und um ein Vergleichen der Absicherungsleistungen im Detail kommt man nicht herum.

Daneben sollte man sich auch überlegen, mit welchen Begleitmaßnahmen man seine Gesundheit, sein Einkommen und seine wichtigsten Risiken zusätzlich wirkungsvoll absichern kann. Auch das kann einem niemand abnehmen – was wirkungsvoll und besonders zielführend ist, wird dabei immer von der individuellen Lebenssituation und den Gegebenheiten im persönlichen Leben bestimmt.

In regelmäßigen Abständen und immer dann, wenn sich die eigene Lebenssituation ändert, sollte man die Risiko-Analyse wiederholen und seine Absicherung entsprechend anpassen. Mit jeder Änderung der Lebenssituation verschieben sich die eigenen Risiken und Bedrohungen, manchmal fallen manche weg, sehr häufig kommen neue Risiken dazu.

Am Ende sollte man dann auch noch einen kritischen Blick auf seine Steuerlast und seine Beihilfen-Situation werfen – und in diesem Bereich möglichst Beratung suchen. Dem Staat Geld zu schenken oder Geld, auf das man Anspruch hat, aus falschem Stolz nicht anzunehmen, ist keine wirtschaftliche Vorgehensweise. Dafür gibt es kein Lob, sondern nur (finanziellen) Schaden. Lohnsteuervereine und Steuerberater sind eine wertvolle Hilfe, wenn es darum geht, für die selbst dem Staat zur Verfügung gestellten Gelder aus reiner Gerechtigkeit auch wieder etwas von der Gemeinschaft zurückzubekommen. Dadurch wird kein Staat arm und kein Armer geschädigt – könnte sich der Staat etwas nicht leisten, können Sie sicher sein, dass er es bestimmt nicht anbieten würde. Eher noch im Gegenteil.

Wenn man sich einmal bewusst macht, an wie vielen Stellen der Staat eigentlich ständig in unserem Leben Unmengen an Geld kassiert (Mehrwertsteuer, Getränkesteuer, Mineralölsteuer, 40 % des Strompreises als Steuer…) ist es nur mehr als gerecht, wenn wir als diese Steuern bezahlende Bürger auch einmal etwas zurückbekommen. Immerhin halten wird das mit unserer Lebensführung alles am Laufen.

Setzt man die Optimierung der eigenen Vorsorge- und Risikoabsicherung und die Optimierung der eigenen Steuerlast einmal konsequent und fachgerecht um, kann das vierstellige Beträge bedeuten, die man zukünftig mehr im Portemonnaie hat. Trotz der Ersparnis ist man damit häufig auch noch besser und wirksamer abgesichert als zuvor.

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Was Resilienz bedeutet – und warum sie wichtig ist https://www.diekleinanleger.com/was-resilienz-bedeutet-und-warum-sie-wichtig-ist/ https://www.diekleinanleger.com/was-resilienz-bedeutet-und-warum-sie-wichtig-ist/#respond Fri, 30 Oct 2020 17:15:37 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=13696 Das Wort „Resilienz“ leitet sich vom lateinischen „resilire“ ab, was so viel bedeutet wie „zurückspringen“, oder „in den Ausgangszustand zurückkehren“. Resiliente Modelle zu konstruieren, ist in sehr vielen Bereichen wichtig – auch für Unternehmensstrukturen und im Bereich der Anlage. Aus […]

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Das Wort „Resilienz“ leitet sich vom lateinischen „resilire“ ab, was so viel bedeutet wie „zurückspringen“, oder „in den Ausgangszustand zurückkehren“. Resiliente Modelle zu konstruieren, ist in sehr vielen Bereichen wichtig – auch für Unternehmensstrukturen und im Bereich der Anlage. Aus diesem Grund wollen wir uns einmal etwas ausführlicher mit dem Begriff der Resilienz beschäftigen, und damit, wie man eine möglichst resiliente Anlagestruktur aufbaut. Auch für Kleinanleger ist das nämlich grundlegend wichtig.

Kein System läuft im luftleeren Raum

Krisen und negative Ereignisse machen uns so gut wie immer eines deutlich bewusst: dass wir nicht gut genug auf sie vorbereitet waren. Im Nachgang betrachtet hätten wir immer das eine oder das andere im Vorfeld bereits tun können, bestimmte Strukturen stärken oder bestimmte Sicherungsmechanismen einbauen können.

Das gilt für Unternehmen ebenso wie für die eigene Anlage – die man durchaus auch als Kleinanleger mit entsprechenden Strategien absichern kann. Dazu gehören etwa entsprechende Optionsscheine oder Futures, aber auch komplexere Konstrukte, die Risiken ganz gezielt minimieren helfen. Den Aufwand treibt aber nicht jeder. Teils aus Unkenntnis, teils, weil Risikoabsicherungen natürlich immer auch Geld kosten und daher die Rendite drücken. Und weil das Ganze meist weitgehend unnötig erscheint, wenn sich gerade kein Wölkchen am strahlend blauen Anlagehimmel zeigt. Kommt es dann plötzlich zu einer Krise, wünschen wir uns natürlich, wir hätten es getan.

Jede Krise ist allerdings anders – in ihrer Art und in ihren Auswirkungen. Um Krisen zu antizipieren oder vorherzusehen, sind wir in einem gewissem Maß auf Wahrscheinlichkeiten angewiesen: es kann sinnvoll sein, sich gegen Krisen oder Vorfälle abzusichern, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten werden oder für die ein begründetes Risiko besteht. Wenn man allerdings versuchen wollte, sich gegen alle Risiken, auch die, bei denen nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit des Eintretens besteht, umfassend abzusichern – würde man nicht vom Fleck kommen.

Wahrscheinlichkeiten sind also das Maß aller Dinge, wenn es um die Absicherung geht. Bei Dingen, die von vornherein nur eine sehr geringe Eintrittswahrscheinlichkeit haben, werden wir in den allermeisten Fällen zu schlecht vorbereitet sein. Auch das gilt sowohl für Unternehmen als auch für die Geldanlage.

Genau dann kommt allerdings ein anderer, sehr wichtiger Faktor ins Spiel: Resilienz.

Resilienz bedeutet: ohne Probleme zurück zum Ausgangszustand

Die gegebene Resilienz ist eine wichtige Größe im Bereich der Ingenieurwissenschaften, im Bereich der Energiewirtschaft, aber auch in Ökosystemen, in der Psychologie und der Soziologie. Im unternehmerischen Bereich gibt es sogar ein sehr ausgefeiltes Resilienz-Management, das sowohl proaktiv, als auch reaktiv aufgestellt ist und auf insgesamt vier verschiedenen Ebenen stattfindet.

Bei komplexen technischen Systemen, die Betrachtungsgegenstand der Ingenieurwissenschaften sind und in der Energiewirtschaft geht es bei der Resilienz vor allem um die Ausfall-Sicherheit. Wenn Teilbereiche des Systems ausfallen, bleibt ein ausreichend resilientes System insgesamt weiter funktionsfähig und kann die angeforderten Systemleistungen weiter erbringen. Besonders gut kann man das im Bereich der Energiewirtschaft erkennen, wo Resilienz eine der wichtigsten Anforderungen an das System selbst ist. Dem geltenden N-1-Prinzip zufolge kann dabei jedes wesentliche Systemelement ausfallen. Das System ist so robust angelegt, dass Reservekapazitäten den Ausfall komplett kompensieren können und auch unter gewöhnlicher Volllast die gesamte Systemleistung erbringen können. Diese Reservekapazitäten sind redundant vorhanden, arbeiten im Normalbetrieb nicht oder nur wenig und übernehmen nur bei Bedarf.

Der Aufwand, Systeme so robust aufzubauen, ist natürlich entsprechend hoch. Die zahlreichen, nicht arbeitenden Reservekapazitäten müssen angeschafft, gewartet und instandgehalten werden. Das System ist zwar sicherlich höchst robust, aber durch die hohe Redundanz mit Sicherheit nicht kosteneffizient. Übertragen auf eine Depot-Situation würde das bedeuten, dass man jede einzelne Position der diversifizierten Anlage mit einer eigenen Sicherung (z.B. über entsprechende Optionsscheine) versieht. Das würde relativ viel Geld kosten (auch im laufenden Betrieb, wie bei den Wartungskosten eines technischen Systems), aber natürlich auch ein entsprechendes Maß an Sicherheit bieten. Ob sich so etwas als Kleinanleger finanziell noch lohnt oder vom Aufwand her vertretbar ist, ist allerdings fraglich.

In der Psychologie bedeutet Resilienz die Widerstandsfähigkeit eines Individuums gegenüber Krisen. Das Eintreten einer Krise setzt zwar eine Stressreaktion in Gang, verändert das Individuum in seiner inneren Organisation aber nicht grundlegend und dauerhaft. Nach dem Abklingen der Krise werden die ursprünglichen Pläne wieder aufgenommen und fortgeführt, die Werte und auch die innere Haltung sowie die geistige Gesundheit haben sich nicht dauerhaft verändert. Die Soziologie dehnt den Begriff auf ganze Gesellschaften und Gesellschaftsmodelle aus, die durch ein Krisenereignis nicht völlig auseinandergerissen werden, sondern auch nach dem Krisenereignis nach den gleichen grundlegenden Organisationsregeln wieder weiterfunktionieren. Ganz ähnlich wird das auch in der Ökosystemforschung betrachtet, wo nach eintretenden Schadensereignissen ein betrachtetes Ökosystem wieder in seinen ursprünglichen Organisationszustand zurückkehrt. Etwaige Anpassungen an eine nach der Krise dauerhaft veränderte Umgebungssituation sind davon natürlich ausgenommen. Das sind ohnehin sinnvolle Anpassungen.

Auf den Bereich der Geldanlage übertragen bedeutet das, dass man während der Krise nicht panisch alles von sich wirft, sondern die Krise zunächst einmal aussitzt, den Schaden zur Kenntnis nimmt, außer man kann ihn zeitweilig direkt begrenzen. Nach dem Abklingen der Krise nimmt man seine Anlage wieder mit der gleichen Gestaltung in Betrieb, die sie auch vor der Krise bereits hatte und macht ganz einfach da weiter, wo man beim Eintritt der Krise aufgehört hat. Es geht, als Strategie formuliert, also um ein „Aussitzen“ der Krise. Veränderungen am Depot werden nur vorgenommen, wenn sich nach der Krise in einem Bereich eine dauerhaft veränderte Situation einstellt oder in einigen Bereichen bleibende Veränderungen klar erkennbar sind.

Veränderungen und Krisen mit unternehmerischem Ansatz begegnen

Für Unternehmen sind Krisen nicht selten ganz schnell existenzbedrohend. Risikomanagement ist deshalb eine der wichtigsten unternehmerischen Disziplinen. Aus diesem Grund wurden schon früh eine Vielzahl von Strategien entwickelt, um bestehenden Risiken möglichst gut zu begegnen und sich gleich auf mehreren Ebenen vorzubereiten. Wer sich ein wenig ernsthafter mit seiner Anlage beschäftigt oder größere Summen anlegt, findet darin ein sehr gutes Vorbild für eine sinnvolle Vorgehensweise beim Erhöhen der Resilienz der eigenen Geldanlage.

Die unternehmerischen Resilienz-Strategien teilen sich dabei in zwei grundlegende Ebenen auf: in die proaktive und die reaktive Ebene.

Die reaktive Ebene umfasst alle Maßnahmen, die vor allem der Robustheit des Systems dienen. Hierzu gehören wichtige Absicherungen und die Schaffung von zusätzlichen Standbeinen, die im Krisenfall genutzt werden können. Auch die Erhöhung der Resistenz gehört in diesem Bereich dazu. Auf die Anlagesituation übertragen würde das bedeuten, vor allem auf solche Anlagen zu setzen, die grundsätzlich eher krisenfest sind. Hier gehört natürlich etwas Augenmaß und ein wenig Nachdenken dazu, um sein Anlage-System entsprechend zu gestalten.

Auf der proaktiven Ebene geht es vor allem darum, sich schon im Vorfeld zu überlegen, wie man aus sich anbahnenden oder stattfindenden Krisen am besten Kapital schlagen kann. Das setzt voraus, dass man sich schon im Vorfeld mit den wahrscheinlichsten Krisen gründlich auseinandersetzt und sich überlegt, wo sich dabei gewinnbringende Potenziale oder Vorteile bieten könnten. Wenn man das immer erst dann macht, wenn Krisen bereits eingetreten sind, kann das oft zu spät sein. Die Strategien sollte man möglichst zuvor schon entwickelt und idealerweise auch getestet haben, damit man im Krisenfall die entsprechende vordefinierte Strategie nur noch in Gang setzen muss. Dadurch kann besonders schnell und effizient reagiert werden, die Vermeidung von Zeitverlusten bei der Umsetzung kann dann oft auch helfen, finanzielle Verluste zu vermeiden und das erlangte Gewinnpotenzial aus der Strategie bestmöglich und in größtmöglichem Umfang auszunutzen.

Wichtig ist auch, im Vorfeld Strategien festzulegen, die es ermöglichen, nach Rückschlägen oder Verlusten so schnell wie möglich wieder die Leistung des Ausgangszustands zu erreichen. Was dafür tauglich sein kann, hängt weitgehend von den eigenen Anlagewerten und der Art und der Größe des Portfolios ab, hier ist also immer eigene Planung gefragt.

Eine weitere, sehr proaktive Strategie ist ständiges Lernen. Indem man immer wieder gründlich analysiert, was man tut und welche Auswirkungen in einzelnen Situationen das eigene Handeln hat, lernt man sehr gut, Umstände richtig einzuschätzen. Dazu gehört natürlich auch, eigene Fehler zuzugeben, anzuerkennen, dass eine getroffene Entscheidung falsch oder zumindest suboptimal war und die sich daraus ergebende Erkenntnis abzuspeichern. Aus unterschiedlichsten – auch negativen – Situationen oder Entscheidungen zu lernen ist eine wichtige Strategie, um im Krisenfall auf solides Wissen zurückgreifen zu können. Sein Lernen kann man dabei noch deutlich effizienter gestalten, indem man auch aus den Fehlern lernt, die andere gemacht haben, also neutral und wertfrei die Anlageentscheidungen von anderen analysiert.

Hohe Resilienz ist wichtig und unverzichtbar

Ob man lediglich auf Robustheit (umfassende Absicherung der wichtigsten Anlagewerte mit geeigneten Methoden) oder auf ein reines „Aussitzen“ von Krisenzeiten bei grundsätzlich unverändertem Portfolio setzt – oder ob man doch eine Reihe proaktiver und reaktiver Strategien für sein Portfolio entwickelt, hängt immer vom jeweiligen Portfolio, vom eigenen Wissen und vor allem vom eigenen Willen zur Absicherung ab.

Grundsätzlich sollte man als Anleger aber alles dafür tun, was einem möglich ist und sinnvoll erscheint, um die Resilienz der eigenen Anlage so weit wie möglich zu erhöhen. Es ist der Bereich, für den wir als Anleger ganz allein verantwortlich sind. Hohe Resilienz hilft aber, Krisen besser zu überstehen und ihnen insgesamt gelassener entgegenzublicken. Denn kommen werden neue Krisen auf jeden Fall. Krisen und Veränderungen gehören einfach zum Leben, das lässt sich nicht verhindern. Wie widerstandsfähig wir uns dagegen machen, liegt aber allein an uns selbst.

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Mini-Serie: Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben | Teil 4: Dämmung – unwirtschaftlich? https://www.diekleinanleger.com/mini-serie-sparen-wos-geht-investitionen-ins-eigene-leben-teil-4-daemmung-unwirtschaftlich/ https://www.diekleinanleger.com/mini-serie-sparen-wos-geht-investitionen-ins-eigene-leben-teil-4-daemmung-unwirtschaftlich/#respond Mon, 26 Oct 2020 12:35:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=13708 Das Thema Gebäudedämmung ist ein seit Jahren hoch aktuelles Thema und eines, das auch nicht wenigen Hausbesitzern heftige Kopfzerbrechen bereitet – vor allem wegen der enormen Kosten, die gesetzlich verlangte Dämmmaßnahmen für die meisten Hausbesitzer heute bereits bedeuten. In kaum […]

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Das Thema Gebäudedämmung ist ein seit Jahren hoch aktuelles Thema und eines, das auch nicht wenigen Hausbesitzern heftige Kopfzerbrechen bereitet – vor allem wegen der enormen Kosten, die gesetzlich verlangte Dämmmaßnahmen für die meisten Hausbesitzer heute bereits bedeuten. In kaum einem anderen Bereich wird so viel vorgerechnet, schöngerechnet, argumentiert – und verkauft. Die Wirtschaftlichkeit des gesamten Vorhabens steht, besonders für den einzelnen Haushalt, auf einem ganz anderen Blatt. Im vierten Teil unserer Mini-Serie „Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben“ wollen wir uns deshalb dem Thema „Dämmung“ widmen. Als Investition ins eigene Leben eignen sich Dämmmaßnahmen nur sehr schlecht, so viel gleich vorneweg. Es gibt aber Möglichkeiten, das Ganze zumindest ein bisschen profitabel oder zumindest weniger unwirtschaftlich zu machen.

Wer muss überhaupt wo dämmen?

Bislang gilt in Deutschland immer noch die Energieeinsparverordnung (EnEV) in Verbindung mit dem Energieeinspargesetz (EnergieeinsparG) und dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Der Teil, der den meisten Hausbesitzern bei Dämmungen am meisten den Kopf zerbricht, ist dabei die EnEV. Sie stellt ein durchwegs komplexes Regelwerk dar, in dem man sich den Kopf zerbrechen muss. Um alles etwas einfacher und übersichtlicher zu machen, hat sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag darauf verständigt, alle drei Gesetze in einem „Gebäudeenergiegesetz“ (GEG) zusammenführen zu wollen. Wie bei allen Gesetzen, die im Leben etwas einfacher machen sollen ist es aber noch nicht da und keiner weiß, wann es kommt. Eine viel gehegte Befürchtung (auch von der Politik selbst) ist dabei, dass die neuerliche Verschärfung – und die neuen Regelungen das Bauen schon wieder empfindlich verteuern könnten. Das ist in der aktuellen Lage natürlich nicht wünschenswert.

Bislang gilt also immer noch die EnEV, in der nunmehr verschärften Stufe. Das bedeutet, die geforderten Wärmedurchgangswerte (U-Werte) wurden noch einmal reduziert, die Vorgaben wurden noch strenger.

Eine umfassende Pflicht, sofort das gesamte Haus in allen Bereichen zu dämmen, gibt es dabei nicht. Außer man hat das Haus nach dem 1. Februar 2002 erworben. Daneben gilt die sogenannte 10 % Regel: Wer mehr als 10 % eines Bauteils sanieren oder instandsetzen lässt, muss diesen Bauteil auch zwingend dämmen.

Verpflichtend für alle ist lediglich die Dämmung der obersten Geschossdecke (bzw. des Dachs, wenn sich darunter geheizte Dachräume befinden, beim bloßen ungeheizten „Lager-Dachboden“ braucht die Dachfläche nicht gedämmt werden). Für die Decke eines ungeheizten Kellers gelten allerdings abweichende Regelungen. Dazu kommt noch eine gesetzliche Pflicht zum Austausch des Heizkessels, wenn der über 30 Jahre alt ist. Kessel, die ein Alter von 30 Jahren erreicht haben, dürfen nicht mehr verwendet werden.

Ausnahmen gelten für denkmalgeschützte Gebäude und immer dann, wenn laut EnEV „die Dämmmaßnahmen nicht wirtschaftlich wären“, das heißt sich nicht mehr innerhalb eines sinnvollen Zeitraums rechnen würden. Die Auslegung der Wirtschaftlichkeitsregelung ist allerdings eher zweifelhaft. Mit eigenen Berechnungen kann man das kaum erreichen. Auch beim Denkmalschutz fallen die EnEV-Vorgaben nicht einfach weg, viele Vorgaben gelten dennoch weiter. Um sich von den Pflichten zu befreien, muss man in jedem Fall eine individuell erteilte Ausnahmegenehmigung erreichen.

Wie bei allen deutschen Gesetzen gelten hier sehr komplizierte Vorgaben mit zahlreichen Ausnahme- und Sonderregelungen, die das Ganze äußerst kompliziert machen. Man kann aber davon ausgehen, dass man als Hausbesitzer eines Altbaus irgendwann einmal in die Pflicht kommt, sein ganzes Haus zu dämmen – allein schon wegen der 10 % Regel. Das Thema trifft also jeden Hausbesitzer.

Dämmen und Wirtschaftlichkeit

Nur weil man seine Wärmeverluste durch Dämmmaßnahmen begrenzt, bedeutet das noch nicht automatisch, dass das Vorhaben auch tatsächlich wirtschaftlich ist. Das wird gerne so hingestellt, in Wirklichkeit ist das aber deutlich komplizierter.

Nehmen wir einen Heizenergie-Verbrauch von 11.000 kWh jährlich an, der durch eine Dämm-Maßnahme nun um 15 % sinken soll. Bei den üblichen Heizungsformen liegen die Kosten für die kWh Wärme irgendwo zwischen 4,5 Cent und 6,5 Cent. Wir nehmen einmal an, dass die Kosten für 1 KWh Wärme bei unserer Heizung rund 5 Cent betragen.

Einsparung von 15 % bei 11.000 kWh = 1.650 kWh
Bei durchschnittlichen Wärmekosten von 5 Cent pro kWh ergibt das eine Einsparung von gerade einmal 82,50 EUR pro Jahr.

Das ist nicht besonders viel. Diese jährliche Ersparnis müssen wir nun ins Verhältnis zu den aufgewendeten Kosten für die Dämmmaßnahme setzen. Setzen wir eine Geschossdeckendämmung einmal mit Kosten von 50 EUR pro m² und die Fläche der obersten Geschossdecke und der Kellerdecke mit jeweils 60 m² an, kämen dafür Gesamtkosten von 6.000 EUR hinzu. Wäre das die Maßnahme, die uns 15 % Einsparungen bringt (sehr optimistisch), würden wir theoretisch bereits 72,7 Jahre benötigen, bis sich die Maßnahme überhaupt bezahlt gemacht hätte.

Gesamtkosten für Dämmmaßnahmen

Man kann auch anders rechnen, nämlich mit durchschnittlichen Energieverbräuchen. Ein nach EnEV gedämmtes Haus hat einen Energieverbrauch von rund 75 – 100 kWh/m² pro Jahr. Ein ungedämmtes Haus in einigermaßen moderner Bauweise liegt ungefähr bei 150 kWh/m². Nur sehr alte Häuser mit kaputten, zugigen Fenstern und Wandkonstruktionen aus den 60er Jahren liegen oft noch über 200 kWh/m² jährlich.

Im Schnitt kann man also rechnen, dass bei einem älteren Haus durch die gesamten Dämmmaßnahmen die Heizkosten realistischerweise um 50 % gedrückt werden können. Gehen wir von einem 140 m² großen Einfamilienhaus aus, würde der Heizwärmebedarf also von rund 21.000 kWh auf 14.000 kWh sinken. Rechnen wir wieder mit durchschnittlichen 5 Cent pro kWh, ergäbe das eine jährliche Ersparnis von 350 EUR pro Jahr.

Um innerhalb von 10 Jahren eine Amortisierung zu erreichen, dürften die gesamten Dämmkosten nicht höher als 3.500 EUR liegen. Das ist natürlich nicht möglich – für diese Kosten kann man nicht einmal einen kompletten Fensteraustausch beim Einfamilienhaus durchführen, geschweige denn eine Fassadendämmung oder eine Geschossflächendämmung.

Für eine Amortisation der Dämmung innerhalb von 20 Jahren hätten wir dann rund 7.000 EUR Spielraum für die Gesamtkosten. Ebenfalls noch undurchführbar, da sich allein die durchschnittlichen Kosten für Fassadendämmungen bei Einfamilienhäusern meist im Bereich von 12.000 EUR bis 15.000 EUR bewegen.

Rein rechnerisch gesehen wird da also kein Schuh daraus. Noch nicht einmal, wenn man die sogenannten Ohnehin-Kosten für eine notwendige Erneuerung der Fassade oder den nach 20 – 30 Jahren meist notwendigen Austausch von Fenstern mit einrechnet. Unterm Strich legt man bei Dämmungen fast immer darauf, wie schon einfachste Durchschnittsrechnungen beweisen.

Warum das so ist, ist auch völlig klar: Es geht um das Verhältnis der Kosten zu den zu erzielenden Einsparungen. Wie schon im vorangegangenen Beitrag zum Thema Heizung klar geworden ist, kann man bei den Heizkosten einfach nur relativ wenig sparen – weil sie gar nicht so hoch liegen. Das rechtfertigt dann auch keine hohen Investitionen, wie sie bei einer energetischen Sanierung nun eben anfallen.

Wenn wir ein sehr altes Haus heranziehen, bei dem wir mit einem Energieeinsatz von über 200 kWh/m² im Jahr heizen müssen und es schaffen, durch die Modernisierung die Heizkosten um 75 % zu reduzieren, könnten wir eine theoretische jährliche Ersparnis von rund 1.100 EUR erzielen. Selbst in diesem Extremfall – der technisch gesehen sehr unwahrscheinlich ist – könnten wir, wenn wir die Gesamtkosten auf 20.000 EUR begrenzt halten würden (was noch unwahrscheinlicher ist), erst innerhalb von rund 20 Jahren wenigstens eine Amortisation der eingesetzten Kosten erreichen.

Deutlicher formuliert: Wir würden also nach 20 Jahren endlich anfangen, 1.000 EUR pro Jahr an Heizkosten zu sparen. Allerdings bräuchten wir dann bereits eine neue Heizung, da die durchschnittliche Lebensdauer von Heizungen meist bei 20 – 25 Jahren liegt. Es käme also schon wieder eine neue Investition auf uns zu.

Wie man es auch dreht und wendet – die Rechnung geht einfach bei Weitem nicht auf. Auch nicht bei 10 % Zuschuss vom Staat zu den förderfähigen Gesamtkosten.

Verminderung des CO2-Ausstoßes

Der eine oder andere mag natürlich einwenden, dass es ja nicht primär darum geht, dass sich Hausbesitzer durch Dämmmaßnahmen Geld sparen, sondern vielmehr darum, dass der CO2-Ausstoß durch den Hausbrand bundesweit vermindert wird, indem einfach der Heizwärmebedarf der einzelnen Häuser stark sinkt.

Das ist durchaus richtig, wenn bei jedem Haus der Heizwärmebedarf um die Hälfte sinken würde, würde sich auch der gesamte, durch den Hausbrand verursachte CO2-Ausstoß um 50 % vermindern. Das kann man aber getrost als sehr grobe und am Ende ziemlich fehlerbehaftete Milchmädchenrechnung betrachten.

Viel wirksamer als Gesamtstrategie wäre doch vielleicht, sich die verwendeten Heiztechnologien einmal anzusehen. Würde man Häuser mit Wärmepumpen heizen, die mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen betrieben werden (CO2-Ausstoß nahe 0), hätten sich die Emissionen aus dem Hausbrand komplett erledigt – egal wie gut oder schlecht das Haus gedämmt ist. Holz aus nachhaltiger Bewirtschaftung hätte ebenfalls CO2-Werte von nahezu 0, da in diesem Fall ein geschlossener CO2-Kreislauf entstehen würde. Dabei ist aber die Nachhaltigkeit in der Bewirtschaftung ein sehr kritischer Faktor. Wird mehr verbrannt als nachwächst, wird es mit Holz sehr problematisch. Die benötigten Mengen auf dem Bundesgebiet zu erzeugen, die dann alle in ihren Häusern verheizen könnten, ist aber schon allein aufgrund der Flächennutzung in Deutschland praktisch unmöglich.

Bei Heizöl liegen wir im Vergleich bei rund 0,31 kg CO2 je kWh, bei Erdgasheizungen bei rund 0,24 kg CO2 je kWh. Luft-Wärmepumpenheizungen wären beim aktuellen Strommix 0,2 kg CO2 je kWh nur geringfügig besser. Fernwärme bedeutet – aufgrund der Art der Wärmeerzeugung – immer noch einen Wert von 0,31 kg CO2 je kWh, also genauso hoch wie beim Verheizen von Erdöl.

Alle diese Energieträger würden beim durchschnittlichen Einfamilienhaus selbst im gut gedämmten Zustand noch 2,1 – 3,2 t CO2 pro Jahr bedeuten. Bei einer ökolgischen Heiztechnologie aus einer Wärmepumpe mit Strom aus erneuerbaren Energien wäre der jährliche CO2-Ausstoß also um rund 2 – 3 t geringer – pro Haus. Je schlechter gedämmt das Haus wäre, desto höher wären dann auch die jährlichen Einsparungen beim CO2-Ausstoß des Hauses. Dabei müsste man gegebenenfalls allerdings auch die Feinstaubemissionen mit einbeziehen, was alle holzbetriebenen Heizungen (Scheitholzkessel, Pelletskessel, Hackschnitzelkessel) wieder etwas problematisch macht. Die Feinstaubwerte liegen locker zehnmal so hoch wie beim Heizen mit Gas und siebenmal so hoch wie bei der Luftwärmepumpe.

Solange man Strom natürlich zu großen Teilen aus der wahnwitzigen Verstromung von Braunkohle gewinnt, sind alle diese Pläne Makulatur. Eine andere CO2-neutrale Heiztechnologie haben wir derzeit nicht zur Verfügung. Strom als universeller Energieträger wäre zudem auch sehr praktisch. Wir würden damit auch gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen (CO2-Ausstoß des Hausbrands wäre Null, CO2-Ausstoß des Stromverbrauchs wäre Null, CO2-Ausstoß des Verkehrs würde stark sinken, wenn entsprechend viele Elektrofahrzeuge unterwegs wären). Strom ist im Moment eine der besten Optionen, die wir haben, um eine ganze Reihe von Problemen auf einen Schlag zu lösen. Gerade in diesem Bereich scheint aber derzeit wirklich alles einzuschlafen. Der Ausbau der Windenergie ist gestoppt, die Solarbranche seit einigen Jahren bereits tot. An anderen ökologischen Stromerzeugungsverfahren wird eher lahm geforscht – etwa an Algen-Bioreaktoren in Verbindung mit Brennstoffzellen wie etwa hier.

Sich auf den möglichst raschen Wechsel auf wirklich CO2-neutrale Heiztechnologien zu fokussieren, wäre also auch im Hinblick auf das gewünschte Endergebnis (eine stark gesunkene CO2-Bilanz) die deutlich sinnvollere und zielführendere Strategie, anstatt Bürger per Gesetz zu nötigen, ihren Heizwärmebedarf zu halbieren, indem sie unter immensen Kosten ihre Häuser dick in Sondermüll einpacken, den man erst einmal CO2-intensiv herstellen muss und von dem wir am Ende seiner Lebensdauer noch nicht einmal wissen, wie wir ihn einigermaßen ökologisch entsorgen sollen.

Wie sollte man als Hausbesitzer mit dem Thema Dämmung umgehen?

Wie schon eingangs erwähnt, zieht das Argument der nicht gegebenen Wirtschaftlichkeit in den allermeisten Fällen nicht. Auch oder vor allem weil bereits grobe Rechnungen zeigen, dass das ohnehin bei den allermeisten Häusern so sein wird. Würde man diese Rechnung amtlicherseits immer akzeptieren, könnten man die EnEV auch gleich direkt abschaffen.

Wer aufgrund von gesetzlichen Vorgaben zum Dämmen verpflichtet ist, der sollte auch dämmen. Eine Verweigerung der gesetzlichen Dämmpflicht oder die Suche nach irgendwelchen Schlupflöchern ist eher weniger ratsam. Immerhin stehen auf das Nichtausführen einer verpflichtenden Dämmmaßnahme Bußgelder von bis zu 50.000 Euro. Dafür hätte man dann auch dämmen können.

Gleichzeitig sollte man aber auch immer im Auge behalten, was man tatsächlich bis zu welchem geforderten Wärmedurchgangswert hin dämmen muss. Übereifer und übermäßige Pflichterfüllung lohnen sich hier sicherlich nicht. Wer glaubt, irgendwelche Rekordwerte erzielen zu müssen, entweder um sich persönlich etwas zu beweisen oder um Unsummen einzusparen, wird höchstwahrscheinlich viel Geld in die Hand nehmen müssen. Und am Ende unterm Strich dann trotzdem nur sehr wenig „echte“ Ergebnisse sehen.

Wenn Reparaturen, Erneuerungen oder Instandhaltungen unvermeidlich sein sollten, rechnen Sie zunächst immer die sogenannten „Ohnehin-Kosten“ aus. Das sind die minimal nötigen Kosten, um das fachgerechte Renovierungs- oder Reparaturergebnis zu erzielen, das Sie sich vorstellen. Einmal ungeachtet von den energetischen Sanierungsmaßnahmen. Von diesem Wert ausgehend können Sie nun kalkulieren, wie viel zusätzliche energetische Sanierung Sie sich leisten wollen – und was sich sinnvollerweise noch rechnet.

Ein Beispiel: Ihre alten Fenster sind zugig, schließen nicht mehr richtig und sind auch so schon in die Jahre gekommen. Der heute zulässige Mindeststandard für Fenster für Wohnräume ist ein U-Wert von 1,1 für die Verglasung (das betrifft nur die Verglasung, das Gesamtfenster hat meist einen deutlich höheren Wert, bei Dachfenstern sind U-Werte der Verglasung bis zu 1,4 W/m²K erlaubt).
Rechnerisch gehen Sie also zunächst einmal von Fenstermodellen mit einem U-Wert von 1,1 aus und sehen sich die Kosten an. Das sind Ihre „Ohnehin-Kosten“.

Die Mehrkosten für geringere U-Werte der Verglasung können sich nun rechnen – oder auch nicht. Das gilt es zu ermitteln. Die Kostendifferenz zu den Ohnehin-Kosten ist es, die sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums (z. B. 10 Jahre) durch verringerte Heizkosten wieder einsparen können müssen. Geht sich das nicht aus, sollten Sie auf die Zusatzmaßnahme verzichten – denn dann bringt sie Ihnen klar nichts. Rein aus wirtschaftlichen Gründen ist das dann ganz einfach unsinnig. Wir sind nur bereits derart von der ganzen Werbung beeinflusst, dass uns gar nicht in den Sinn kommt, dass das der Fall sein könnte und eine Dämmmaßnahme ganz einfach unsinnig und überflüssig wäre. Uns wird dauernd suggeriert: höhere Investition = mehr Ersparnis. Das ist aber eben mitnichten so. Lohnend ist nur, was sich auch tatsächlich wirtschaftlich rechnet. Unwirtschaftliches Handeln kann sich niemand leisten – und es gibt auch keinerlei moralische Verpflichtung dazu.

Hilfreich ist es immer, für die ganzen Wirtschaftlichkeitsberechnungen einen erfahrenen und vor allem unabhängigen Energieberater mit entsprechenden Fachkenntnissen – etwa einen Bauingenieur – hinzuzuziehen. Und dabei immer verlangen, dass mit klaren und belastbaren Zahlen gerechnet wird. Lassen Sie sich dabei nicht von Prozentzahlen blenden (das wird oft gern genutzt, um Menschen zu überzeugen). 30 % Einsparung klingt viel, bei 900 Euro Heizkosten pro Jahr sind das allerdings weniger als 30 EUR pro Monat. Selbst wer das Rauchen aufhört, spart schon ein Vielfaches davon – und muss dafür nicht erst eine Tonne Styropor kaufen und teure Arbeitsleistungen bezahlen.

Sinnvolle Nebeneffekte berücksichtigen – und auch unübliche Wege ins Auge fassen

Wenn Sie schon Ihre Fassade dämmen müssen, können Sie das auch mithilfe von sogenannten Isoklinkern tun, die Sie selbst anbringen (das ist bei Zuhilfenahme eines Verlegerasters und mit etwas Geschick gar nicht so schwierig). Das Verlegenlassen durch einen Fachbetrieb wäre in diesem Fall um gut 50 % teurer (rund 180 EUR pro m² Gesamtkosten anstatt lediglich rund 120 EUR pro m² reine Materialkosten).

Dabei entsteht aber noch ein wichtiger Nebenvorteil: Eine verklinkerte Fassade erspart Ihnen dauerhaft das regelmäßige Neustreichen (lassen) und Neuverputzen (lassen) der Fassade. Die dafür entstehenden Kosten summieren sich im Verlauf von 20 – 30 Jahren zu beträchtlichen Summen – mit einer Fassadenverklinkerung sparen Sie diese Kosten komplett ein.

Bereits ein zweimaliger kompletter Neuverputz der Fassadenfläche inklusive Beseitigung kleinerer Schäden und neuem Streichen kostet Sie beim Fachbetrieb mehr als 2/3 der Materialkosten, die für die Isoklinker anfallen. Das Vorhaben mit der Verklinkerung macht sich dann auch noch anders bezahlt. Die Maßnahme kann sich wirtschaftlich also durchaus lohnen.

Nach solchen „nützlichen Nebeneffekten“, die oft weitere Einsparungen oder Vorteile bringen, sollte man immer Ausschau halten – anstatt immer stur die „Standard-Methode“ (ein WDVS mit Putzfassade) anwenden zu wollen. Das ist auch in vielen anderen Bereichen möglich, wenn man ein wenig über den Rand der Tasse schaut und auch andere technische Möglichkeiten in Betracht zieht. Das gilt etwa auch für Einblasdämmungen, die als technische Alternative weithin ignoriert werden. Obwohl sie in vielen Bereichen gut eingesetzt werden können und häufig beträchtliche Kostenvorteile bieten. Sie sind nur eben nicht die übliche „Standard“-Anwendung.

Suchen Sie also immer auch nach alternativen Möglichkeiten und nach zusätzlichem Nutzen und weiteren Vorteilen und wägen Sie das immer gegeneinander ab. Das kann vielfach sehr hilfreich sein. Ein wenig Bereitschaft zu Eigenleistungen natürlich auch.

Umweltschutz ist natürlich wichtig – auch als Hausbesitzer

Natürlich tragen wir alle Verantwortung – auch als Hausbesitzer und ganz normale Bürger. Was wir tun, richtet ein gewisses Maß an Schaden und Umweltverschmutzung an. Und dieses Ausmaß sollten wir natürlich so gering wie möglich halten.

Dabei ist es aber sinnvoller, den Blick auf das zu richten, das tatsächlich die Ursache ist: den CO2-Ausstoß. Er ist das eigentliche Problem, das wir bekämpfen müssen. Das ist auf verschiedenen Wegen möglich. Niemand sagt, dass wir die Umwelt retten, indem wir dauernd unseren Heizwärmeverbrauch immer weiter absenken. Das ist nicht der einzig mögliche Weg.

Wer etwas für die Umwelt tun will, sollte deshalb vor allem seinen CO2-Fußabdruck in den Blick nehmen. Es gibt in vielen Bereichen dabei Möglichkeiten, da etwas zu tun und die persönlich verursachte Menge an CO2 zu verringern. Dafür muss man nicht unbedingt sein Haus in teuren Sondermüll einpacken lassen (der seinerseits ja auch mit entsprechendem CO2-Aufwand produziert, transportiert und verarbeitet werden muss).

Wenn man es schafft, seinen CO2-Fußabdruck mit anderen Mitteln um 20 % bis 30 % zu verringern, hat man oft ein Vielfaches von dem erreicht, was man durch Dämmmaßnahmen am eigenen Haus erreichen könnte. Dann ist auch das eigentliche Ziel erreicht, nämlich die Verringerung des CO2-Ausstoßes im Haushalt.

Natürlich lohnt sich auch ein Blick auf die Heiztechnologie an sich. Gibt es Möglichkeiten, CO2-neutrale Heiztechnologien zu nutzen, die sich auch wirtschaftlich rechnen? In welchen Bereichen kann man die Heizung mit geringem Kostenaufwand effizienter laufen lassen (z.B. durch das Vornehmen eines hydraulischen Abgleichs)? Wo kann man direkt bei der Heizung sparen (etwa durch das Absenken der Raumtemperatur um 1 – 2 °C, das Ausschalten oder Herunterregeln der Heizung in Bereichen, in denen man nicht dauernd Wärme benötigt oder das Anschaffen eines Kaminofens für die Wärmebedürfnisse der Übergangszeit)?

Das sind alles Möglichkeiten, um die Heizkosten auf direktem Weg zu senken – und damit auch den CO2-Ausstoß. Dämmungen sind im Grunde nur ein Umweg, der ebenfalls genau das zum Ziel hat. Das kann man aber einfacher haben, wenn man sich auf den Gegenstand an sich (die CO2-Reduktion) fokussiert – und direkt dafür Lösungen sucht. Umweltfreundlicher und zielführender ist das allemal.

Gegen sinnvolle Dämmmaßnahmen ist natürlich nichts einzuwenden – allerdings sollten sie wirtschaftlich vertretbar und nahe im Bereich der Ohnehin-Kosten bleiben. Sonst schädigt man sich wirtschaftlich nur selbst und schafft am Ende wenig echten Nutzen. Den gesetzlichen Verpflichtungen kann man sich dabei natürlich nicht entziehen – denen muss man ohnehin Folge leisten. Darüber hinaus ist allerdings wirklich unnötig.

Fazit

Dämmungen sind wirtschaftlich problematisch. Die Summe, die man dafür investieren muss, spart man in sehr vielen Fällen über die Heizkosten nicht mehr herein. Einfach, weil die Gesamt-Heizkosten übers Jahr viel zu niedrig sind, als dass sich das überhaupt je rechnen könnte. Amortisationsdauern von 30, 40 oder 50 Jahren sind natürlich völlig sinnfrei – damit spart man überhaupt nichts.

Abgesehen von diesen wirtschaftlichen Fakten besteht für viele dennoch eine gesetzliche Pflicht zu dämmen. Dieser Pflicht sollte man – allein schon wegen der hohen Bußgelder, mit denen die Nichteinhaltung bedroht ist – auf jeden Fall nachkommen.

Dabei gilt es aber genau zu rechnen – man sollte sich besonders bei Instandhaltungs- und Erneuerungsmaßnahmen immer möglichst nahe an den Ohnehin-Kosten bewegen und nur so weit dämmen, wie tatsächlich unbedingt gefordert wird. Dabei sollte man möglichst nach sinnvollem Zusatznutzen, wie etwa bei einer Klinkerfassade, oder nach alternativen, kostengünstigeren Methoden und Zusatzgewinnen durch die Maßnahmen Ausschau halten – oder sich entsprechend beraten lassen.

Um den eigentlichen dahinter stehenden Zweck zu erfüllen (die Senkung des CO2-Ausstoßes des Haushalts und die Reduzierung der laufenden Kosten für das Haus) erreicht man mit anderen, direkt wirksamen Maßnahmen tatsächlich oft deutlich effektiver. Wem beides ein Anliegen ist, der sollte also möglichst nach Maßnahmen Ausschau halten, die diese Zwecke direkt erfüllen, auch ohne große Investitionen. Das ist deutlich wirksamer als dämmen.

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Mini-Serie: Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben – Teil 3: Heizung im Haus

Im dritten Teil unserer Mini-Serie „Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben“ geht es um das Thema Heizung. Die Kosten für das Heizen sind für viele der größte Brocken bei den Betriebskosten. Heizungen sind auch eine der teuersten Anschaffungen beim Haus. Nicht zuletzt deshalb wird in diesem Bereich auch massiv und mit viel Druck auf dem Thema „Sparen“ herumgeritten. Jemandem eine neue Heizung oder gleich den Wechsel auf eine neue Heiztechnologie zu verkaufen, bedeutet natürlich auch eine Menge Umsatz. Angesichts der bei vielen durchaus beträchtlichen Kosten für die Heizung im Haus „zieht“ das Sparargument natürlich entsprechend. Leider rechnet sich bei Weitem nicht alles in dem Maß, wie es einem versprochen wird. Man muss schon ein wenig nachrechnen. Worauf man dabei achten sollte, und welche Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit sinnvolle Ersparnisse bringen können, erklären wir in unserem Beitrag.

Wie viel Wärme braucht mein Haus?

Der allerwichtigste Punkt zuerst: Man muss zunächst einmal ermitteln, welche Wärmemenge man übers Jahr für das eigene Haus überhaupt benötigt. Das ist eine wichtige Größe, die die Grundlage für eine ganze Reihe anderer Berechnungen darstellt. Und sie kann von Fall zu Fall weit unterschiedlich liegen. Für eine grobe Abschätzung gibt es immerhin Richtwerte (die man allerdings mit sehr viel Vorsicht genießen muss – und die keinesfalls einen Ersatz für eine genaue Berechnung darstellen).

  • nach EnEV-2014 gedämmtes Haus: ca. 50 – 75 kWh/m² im Jahr
  • Niedrigenergie-Haus: meist zwischen 35 – 50 kWh/m² im Jahr
  • Passivhäuser: unter 35 kWh/m² im Jahr als gesamter Primärenergieverbrauch
  • ältere Häuser ohne vollständige Dämmung: 100 – 150 kWh/m² im Jahr
  • sehr alte, unsanierte Häuser: 150 kWh/m² – 250 kWh/m² im Jahr

Wie man sieht, sind die Unterschiede durchaus beträchtlich – zwischen einem alten, komplett unsanierten Haus und einem modernen, nach gesetzlichen Vorgaben gedämmten Bau liegen als Differenz nahezu die vierfachen Heizkosten des modern gedämmten Hauses. Das gilt aber nicht unbesehen immer in jedem Fall. Man muss sich immer genau die Bauweise eines Hauses im Einzelnen ansehen. Schon in den 70ern hat man teilweise sehr energiesparend gebaut, auch alte Massivholz-Häuser erfüllen heute beinahe die geforderten Dämmstandards von selbst. Für alte Kastenfenster gilt das in vielen Fällen auch. Dazu kommt dann noch der technische Zustand. Die Unterschiede zwischen undichten und intakten Fenstern können beim Heizungsverbrauch natürlich enorm sein. Wirklich Aufschluss darüber erhält man im Einzelfall nur, wenn ein Fachmann das Haus begutachtet und den gegebenen Wärmebedarf professionell berechnet. Das kostet Geld – das aber gut investiert ist. Der aktuell gegebene Wärmebedarf ist nicht nur eine wichtige Ausgangsgröße für die Planung von Dämmmaßnahmen (damit sie wirtschaftlich überhaupt sinnvoll sind), sondern auch die Grundlage für alle Berechnungen im Bereich der Heizung.

Der Gesamt-Wärmebedarf ist die ausschlaggebende Größe dafür, was sich überhaupt noch lohnt und was nicht. Bei hohem Wärmebedarf lohnen sich gegebenenfalls noch höhere Investitionen, weil eine Einsparung von 30 % der Heizkosten noch substanzielle Beträge pro Jahr ergibt. Bei einem Gesamtwärmebedarf von 9.000 kWh im Jahr ist das durchwegs nicht mehr der Fall. Da werden die Amortisationszeiten dann oft überaus lang und das Ganze nur noch Selbstzweck. Sprich: Es gewinnt nur noch der Verkäufer der Heizung, aber nicht mehr der, bei dem sie heizt. Wenn die Amortisationszeit der Heizung nahe oder über der Lebensdauer der Heizung (im Normalfall zwischen 20 und 30 Jahren) liegt, ist das Ganze natürlich ein sinnloses Geschäft. Und nur weil etwas hoch gefördert wird, ist es noch nicht automatisch effizient. Dahinter steht so eine Art Abwrackprämie. Wir geben dir 3.000 Euro, wenn du dir ein neues Auto für 25.000 Euro kaufst – ob du’s nun brauchst oder nicht. In solche Fallen sollte man lieber nicht tappen, wenn einem das eigene Geld lieb ist. Wirtschaftlich gesehen zählt nur Ihr eigener Kostenvorteil. Und den muss man schon selbst ausrechnen. Ganz klar, dass einem alle einzureden versuchen, was für einen selbst am besten ist. Unser Geld ist aber unser Geld – und dabei gilt nur einzig und allein ein Kriterium: Wirtschaftlichkeit – und zwar Wirtschaftlichkeit für den Hausbesitzer. Die kann man immer ausrechnen – und das tut niemand für einen. Andere haben ihre eigenen Interessen.

Ökologische Überlegungen sind da natürlich dennoch sinnvoll – denn der Planet gehört uns schließlich allen und keiner sollte mehr Schaden anrichten, als er muss. Das ist aber eine völlig andere Geschichte. Wer hier mehr Geld ausgibt und vielleicht ein wenig drauflegt, tut das ja immerhin, weil er seinen Teil der Verantwortung wahrnimmt und seinen Beitrag leistet. (Wobei man auch hier sehr genau den CO2-Ausstoß berechnen und vergleichen sollte, den man verursacht. Auch hier ist bei Weitem nicht alles toll und zielführend, was als „ökologisch“ hingestellt wird. Auch in diesem Punkt muss man selber nachdenken.

Kosten pro kWh Wärme sind vergleichbare Kosten

Wenn man einzelne Heizungstechnologien miteinander vergleichen will, gibt es ausgehend vom Wärmebedarf als Grundlage nur eine Größe, die einen wirklich sinnvollen Vergleich möglich macht: die klar kalkulierten Kosten für 1 kWh Wärme. Nur damit kann man sinnvoll rechnen. Als grobe Übersicht für die gängigsten Energieträger die Preise für 1 kWh Wärme:

  • Gas: derzeit rund 6 Cent/kWh
  • Heizöl: derzeit rund 5,5 – 7 Cent/kWh – das war aber auch schon mal deutlich höher, 2012 bei nahezu 10 Cent/kWh
  • Pellets: relativ konstant bei rund 5 Cent/kWh, je nach Bezugsquelle
  • Hackschnitzel und Scheitholz: zwischen 3,5 Cent/kWh und 4,5 Cent/kWh (je nach Bezugsquelle)
  • Fernwärme: meist 7 – 10 Cent/kWh, oft unflexible Lieferverträge
  • Strom: 30 Cent/kWh für Haushaltsstrom und rund 20 Cent/kWh bei reduziertem Stromtarif („Wärmepumpenstrom“)
  • Photovoltaik-Strom: Erzeugungskosten von rund 8 Cent/kWh bis 12 Cent/kWh, inkl. aller Kosten aber ohne Stromspeicherung (ca. 15 – 20 Cent/kWh) und Einkommenssteuer
  • Wärmepumpe mit JAZ 4,5: ca. 4,5 Cent/kWh (ohne Schwachlast-Tarif: 6.6 Cent/kWh)
  • Wärmepumpe mit JAZ 4: ca. 5 Cent/kWh (ohne Schwachlast-Tarif: 7,5 Cent/kWh)

Auf den ersten Blick sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Energieträgern (außer bei Strom als Heizenergie) nicht besonders groß, hochgerechnet auf weit über 10.000 kWh pro Jahr macht das natürlich aber dennoch einen Unterschied.

Kostensteigerungen berücksichtigen

Was man berücksichtigen muss, sind allerdings zukünftig zu erwartende Kostensteigerungen. Heizöl steht wegen seiner miesen Ökobilanz in der Kritik, ab 2025 soll der Bau von neuen Ölheizungen komplett verboten werden (in vielen nordischen Ländern, wie etwa in Dänemark, sind sie das schon seit einigen Jahren). Zukunftssicher ist das also nicht. Beim Gaspreis hängen die Kosten stark von den zukünftigen (auch politischen) Entwicklungen ab. Die USA versuchen mit Gewalt, ihr Fracking-Gas bei uns zu verkaufen und Russland als Gaslieferant vom Markt zu drängen. Hat man einmal den Fuß in der Tür, wird man die Preise des derzeit „billigen“ Fracking-Gases wohl zur Profitoptimierung schön langsam nach oben schrauben, soweit es geht. Darauf, wie weit sich die Bundesregierung unter Druck setzen lässt, hat man nur wenig Einfluss – und damit auch auf die zukünftig zu erwartenden Preise.

Bei Strom schlägt die ständig höher werdende EEG-Umlage zu – momentan wurde die Erhöhung zwar abgeblockt, irgendwann steht aber die nächste an. Für Wärmepumpen als Heiztechnologie ist das durchaus problematisch. Erhöht sich der Strompreis, wird es auch bei der Wärmepumpenheizung empfindlich teurer. Noch schlimmer kommt es, wenn die Netzversorger die (technisch eigentlich nicht mehr notwendigen) Schwachlasttarife streichen. Dann wäre bereits mit jetzigem Strompreis die Wärmepumpe mit Abstand eine der teuersten Heizungsformen. Auf günstigeren Strom zu hoffen ist vergebens, wie die Corona-Krise zeigt. Die Stromanbieter hatten beim Einkauf zwar um fast 50 % geringere Kosten, an die Stromkunden wurde dabei nichts weitergegeben. Und auch der Staat wird den Teufel tun und auch nur auf einen kleinen Teil der immerhin fast 40 % der Steuern, die im Strompreis stecken, zu verzichten. Dafür ist das einfach zu sicheres Geld, das weckt Begehrlichkeiten und füllt die Staatskasse sehr schön.

Strom ist also ein Risiko – und Wärmepumpen sind im übrigen längst nicht so „grün“, wie man uns glauben machen möchte. Am Ende sind sie nur eine andere (etwas effizientere) Form der Stromheizung, und wie „grün“ das Ganze ist, hängt zur Gänze davon ab, woher der Strom kommt. Gerade eben ist wieder ein (neues!) Kohlekraftwerk ans Netz gegangen. Und wer seine Wärmepumpe mit einem überwiegenden Anteil an Kohlestrom betreibt, betreibt natürlich in der Folge auch eine Heizung mit einer katastrophalen Ökobilanz. Selbst sparsam Öl zu heizen wäre wohl CO2-technisch noch günstiger. Lassen Sie sich also keinen Sand in die Augen streuen. Und der Wechsel zu einem Öko-Strom Anbieter bedeutet in den allermeisten Fällen nur, dass der jeweilige Anbieter angeblich irgendwo irgendwelche Bäume pflanzt, um seine „CO2-Bilanz auszugleichen“. An seinem miesen Strom aus dubiosen Quellen ändert das leider in den meisten Fällen nichts. (Sieht man, wenn man beim Stromanbietervergleich einmal genau hinsieht).

Pellets haben sich in den letzten Jahren dagegen als sehr preisstabil erwiesen. Der Preis hat sich nach anfänglichen Steigerungen recht solide eingependelt, bei Hackschnitzeln gilt das noch mehr. Der Grund ist, dass beides im Prinzip Abfallstoffe sind, die verarbeitet werden. Die einen (Hackschnitzel) etwas weniger, die anderen (Pellets) etwas mehr. Wegen der großen Verfügbarkeit der Abfälle bleiben die Preise auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Experten haben zwar ausgerechnet, dass eine weitgehende Umstellung auf Biomasse-Heizungen auch keine Lösung sein kann, weil unser Holzaufkommen den Bedarf bei Weitem nicht decken kann (das liegt an der Flächennutzung in Deutschland und der hohen Flächengröße, die wir zur Erzeugung von Viehfutter und Biokraftstoffen sowie für Landwirtschaft und Siedlungsflächen brauchen). Das sind allerdings eher Verwerfungen in großem Maßstab, die man auch nur im großen Maßstab lösen kann. Auf die Preise der Heizmittel werden solche Lösungen wohl nur wenig Einfluss haben, denn auch wenn ein anderes Land für uns das eigene Holz schreddert, werden die Preise höchstwahrscheinlich deshalb nicht stark steigen. Verknappungen sind nicht zu erwarten, da es weltweit noch genug Holz gibt, das wir hier verheizen können. Wie ökologisch es am Ende global tatsächlich ist, wenn die Industrieländer dann eine große Menge von Bäumen in ihre Öfen stopfen und das von ihnen aufgenommene CO2 gleich wieder in die Atmosphäre blasen, steht aber wieder auf einem anderen Blatt. Die wirklich ökologischen Lösungen fehlen uns im Moment noch irgendwie.

Was kann man maximal sparen?

Angesichts der sehr nahe beieinander liegenden Kosten für die kWh Wärme (siehe Tabelle) ist das natürlich die nächste Frage, die sich aufdrängt. Gehen wir einmal von einem Verbrauch von 15.000 kWh pro Jahr aus, liegen die Unterschiede zwischen der günstigsten Heizform zwischen 525 EUR pro Jahr und 1.050 EUR. Es lassen sich also jährlich nur rund 500 EUR einsparen. Das ist weniger als gedacht. Und bei Weitem nicht das Maß an „massiven Einsparungen“, das viele Anbieter von Heiztechnologien versprechen. Rechnet man mit einer Lebensdauer der Heizung von 20 Jahren, hat sich ein Investitionsunterschied von 10.500 Euro zwischen verschiedenen Heizungsformen gerade einmal so auf Null egalisiert und wir haben nichts davon.

Eine Wärmepumpe kostet ungefähr so viel wie eine neue Gasheizung, die Kosten für die Erschließung der Wärmequelle schlägt allerdings zum Teil bereits mit bis zu 8.000 EUR zu Buche. Wer Pellets verheizen will, braucht einen Pellets-Tank, den er erst einmal an passender Stelle einbauen lassen muss. Der Heizkessel selbst ist ein wenig teurer als ein gewöhnlicher Gasheizkessel. Ein Gasanschluss, den man neu legen lässt, kostet bis zu 2.500 Euro. Der Einbau von Brennwerttechnik kostet zwischen 1.500 EUR und 2.500 EUR. Aus all diesen Dingen können für den Komplettpreis deutliche Unterschiede bei den Investitionskosten entstehen, die oft nur zum Teil durch mögliche Förderungen aufgefangen werden.

Sinkt der Wärmebedarf des Hauses unter 10.000 kWh pro Jahr, etwa weil man aus gesetzlichen Gründen dämmen muss, wird es mit den Investitionsspielräumen dann noch deutlich enger, wenn man tatsächlich noch etwas an den Heizkosten sparen will. Der Unterschied zwischen der teuersten und der kostengünstigsten Heizungsform liegt dann oft nur noch bei rund 350 EUR pro Jahr (also rund 30 EUR pro Monat). Dafür lohnt es sich kaum mehr, große Investitionen von mehreren tausend Euro Mehrkosten in Kauf zu nehmen – das rechnet sich am Ende klar nicht mehr.

Das ist das ganz klare und einfache Prinzip der Amortisationsrechnung: Wie viel muss ich investieren und was kann ich im Laufe von 20 Jahren dadurch sparen? Dabei müssen mehrere Dimensionen berücksichtigt werden:

  • die derzeitigen Kosten für das Heizmittel
  • die zukünftig zu erwartenden Preissteigerungen oder -senkungen für das Heizmittel (hier steckt ein beträchtliches Kostenrisiko, also umsichtig kalkulieren)
  • die kompletten Investitionskosten (inkl. Anschlusskosten, Einbaukosten, Nebenkosten für Heizmittelspeicher, etc.)
  • mögliche Förderungen (maximal 30 % der kompletten förderfähigen Kosten)
  • jährliche Wartungskosten und Instandhaltungskosten (kaum bei Wärmepumpen – 100 EUR bis 200 EUR Wartung und bis zu 100 EUR Schornsteinfeger jährlich bei der Gasheizung, Öltankreinigung, etc.)

Bezieht man diese Kosten alle mit ein und rechnet genau nach, sieht das Endergebnis dann oft deutlich anders aus als die fröhlich-optimistischen Rechnungen des Heizungsanbieters. Und hohe Investitionen und Zusatzkosten lohnen sich in vielen Fällen eben nicht. Sinkt der Wärmebedarf, wird es noch kritischer mit dem zusätzlichen Investitionspotenzial, das man sinnvollerweise nutzen kann und sollte. Aus diesem Grund sollte man zuerst die Dämmung erledigen – und die Heizung erst auf den zukünftigen Wärmebedarf abstimmen. Das ändert in wirtschaftlicher Hinsicht oft vieles. Einiges lohnt sich dann überhaupt nicht mehr. Erst die Heizung zu tauschen und danach zu dämmen ist also weitgehend sinnfrei.

Dinge, die sich möglicherweise lohnen

Wie beim Themenbereich „Wasser“ bereits ausgeführt, kann sich das Anbringen einer Solarthermie-Anlage häufig lohnen. Den selbst zu tragenden Kosten von meist rund 5.000 Euro bis 6.000 Euro stehen hier Einsparungen von bis zu 30 % der kompletten Heizkosten (verringerte Verbrauchsmenge an Heizmittel) gegenüber. Das kann sich auch bei geringen Wärmebedarfen oft noch gerade so lohnen. Die Lebensdauer der Anlage liegt dabei zusätzlich oft noch über der Lebensdauer von Heizungsanlagen. Wer hier nachrechnet und ein günstig liegendes Dach hat, fährt mit dieser Investition oft gut.

Was sich ebenfalls lohnen kann, ist Brennwerttechnik nachzurüsten, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet. Durch den nachfolgend deutlich höheren Wirkungsgrad der Anlage selbst (bei Gas-Brennwertheizungen theoretisch bis zu 110 %) lassen sich entsprechend hohe Einsparungen erzielen. Allerdings ist das Nachrüsten nicht immer so einfach möglich. In den meisten Fällen muss auch der Heizkessel getauscht werden, was dann eben wieder genau den Preis einer komplett neuen Heizung kostet.

Eine andere Möglichkeit, die viele nicht bedenken, ist der hydraulische Abgleich der Heizungsanlage. Diese einfache Maßnahme gleicht nur die Heizwärmeverteilung im Haus nach vorangehenden Berechnungen optimal aus und wird im Grunde von jedem Installateur durchgeführt. Die Kosten richten sich nach der Größe des Hauses und der Art und Komplexität der Heizungsanlage. Sie liegen beim Einfamilienhaus aber meist im Bereich von rund 400 EUR bis 650 EUR. Werden gleichzeitig effizientere Heizungspumpen nachgerüstet, kann das im Einzelfall auch geringfügig höher liegen. Wird die Maßnahme ohne Einbau einer neuen Heizung durchgeführt, gibt es dafür auch von verschiedenen Seiten zusätzlich Förderungen. Das Einsparungspotenzial durch die Optimierung ist dagegen durchaus beträchtlich. Experten geben es mit durchschnittlich 1 EUR bis 2 EUR pro m² Wohnfläche jährlich an. Bei einem 140 m² großen Haus sind das immerhin 140 EUR bis 280 EUR pro Jahr, die man sich allein durch diese einfache Maßnahme dauerhaft ersparen kann. Das fällt in vielen Fällen durchaus noch in den Bereich „lohnend“. Insbesondere, wenn man dafür auch noch eine Förderung erhält. Dazu genießt man auch einen deutlich höheren Wohnkomfort durch die dauerhaft gleichmäßigere Verteilung der Heizwärme im Haus.

Die Anschaffung eines Kaminofens (6 kW Heizleistung ab rund 300 EUR bis 400 EUR, Anschluss selbst möglich) kann sich ebenfalls lohnen. Insbesondere, wenn man eine günstige Bezugsquelle für Holz hat. In der Übergangszeit kann die Heizungsanlage komplett ausbleiben, die meist günstige Zusatzwärme entlastet die Heizung auch in der Heizperiode. Wer ein wenig mehr Aufwand treibt, kann einen Ofen mit Wassertasche einbauen und zur Unterstützung der Heizungsanlage anschließen lassen. Dann kann mit dem Kaminofen auch zusätzlich direkt erzeugte Wärme (bis zu 5 kW sind meist problemlos möglich) direkt in die Hauptheizung oder zur Warmwasserbereitung abgegeben werden. Für solche Systeme sollte man aber mit Anschaffungs- und Einbaukosten von mindestens 1.500 EUR bis 2.000 EUR rechnen. Trotzdem kann sich das oft lohnen, besonders wenn man Holz günstig bekommt. Mittlerweile gibt es auch Pellet-Kaminöfen (ab rund 800 EUR), bei denen man sich das ständige Nachlegen erspart. Sie können mit einer Füllung bis zu acht Stunden lang Wärme abgeben und laufen am effizientesten unter Voll-Leistung. Auch das kann in einzelnen Fällen eine Überlegung wert sein.

Wer im Doppelhaus wohnt, kann auch über die Anschaffung einer gemeinsamen Heizungsanlage nachdenken. Die Kosten für eine Heizung mit doppelter Leistung sind nur rund 15 bis 20 % höher als für eine Einzelheizung. Es fallen bei gemeinsamer Anschaffung für jeden der beiden Haushalte deutlich geringere Investitionskosten an. Wenn man sich darüber einig wird, kann man dadurch unter Umständen etwas mehr in geringere Heizkosten investieren.

Fazit

Gerade Heizungen sind ein Bereich, in dem man selbst sehr viel und sehr genau nachrechnen muss – und sich besonders vor hemmungslos überzogener und vollmundiger Werbung hüten muss. Vieles ist unterm Strich bei Weitem nicht so positiv, wie es einem versprochen wird. Und das Gesamtpotenzial, das man sparen kann, ist häufig deutlich geringer, als man annimmt. Für 30 Euro pro Monat weniger riesigen Aufwand zu treiben, lohnt sich meist kaum. Zudem wird meist viel zu wenig in die Zukunft gerechnet und abgeschätzt. Förderungen werden dabei häufig in ihrer Wirkung überschätzt.

Die wirklich wirksamen Maßnahmen, die auf einfache Weise in vielen Fällen echte Ersparnisse bringen, werden dagegen häufig kaum beworben (kein Wunder, es wird auch deutlich weniger daran verdient). Gerade diesen Maßnahmen sollte man zuerst aber einmal Aufmerksamkeit schenken und ausnützen, was sich anbietet, bevor man große Investitionen tätigt. Wenn der Heizungswechsel unabdingbar ist, sollte man dennoch zuerst seine Dämmpflichten erfüllen und dann mit aktuellem Wärmebedarf noch einmal genau – und vor allem selbst nachrechnen. Und bei ökologischen Fragen sollte man immer seine Augen aufmachen und nachfragen, woher die verwendeten Heizmittel tatsächlich stammen – und wie ökologisch sie tatsächlich produziert werden.

Nur selbst denken hilft. Nur selbst rechnen spart. Das gilt ganz besonders auch für unser nächstes Thema: das Thema „Dämmung“, das vielen Hausbesitzern ohnehin schon sauer aufstößt. Auch dazu gibt es einiges kritisch zu beleuchten. Bleiben Sie also dran!

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Der Beitrag Mini-Serie: Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben | Teil 2: Wasser-Kosten im Haushalt erschien zuerst auf DieKleinanleger.com.

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In unserer Mini-Serie „Sparen wo’s geht – Investitionen ins eigene Leben“ wollen wir uns in diesem Beitrag einem weiteren, großen Betriebskosten-Faktor beim eigenen Haus widmen: den Wasserkosten. Wie viel Wasser am Ende tatsächlich kostet, wird vielfach unterschätzt. Und die Möglichkeiten, die es zum Sparen gibt, häufig ebenfalls. Nicht alles, was zum Wassersparen im Haushalt empfohlen wird, rechnet sich allerdings am Ende tatsächlich. Wir haben bei unterschiedlichen Möglichkeiten einmal ein wenig nachgerechnet.

Was kostet Wasser aus der Leitung eigentlich?

Nur wenige Dinge sind regional so unterschiedlich teuer wie Trinkwasser und Abwasser. Zwischen einzelnen Kommunen können die Unterschiede über 100 % betragen. Der Grund dafür sind häufig sehr unterschiedliche Kosten für die Abwasserbeseitigung und für die Trinkwassergewinnung und -verteilung, die auf die von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlichen Einwohnerzahlen umgelegt werden müssen.

Konkret kostet der Kubikmeter Trinkwasser (1.000 l) zwischen rund 1,50 EUR und 2,50 EUR. Bei der Verrechnung muss man berücksichtigen, dass die verlangte Anschlussgebühr, die pro Jahr pauschal zu bezahlen ist, meist bereits 30 m³ enthält. Das klingt viel, ist es aber nicht wirklich.

Für jeden bezogenen Liter Trinkwasser bezahlt man auch Schmutzwasserbeseitigungsgebühren, die meist ebenfalls bei rund 1 EUR bis 2 EUR je m³ liegen. Dazu kommen noch die Niederschlagswassergebühren, die sich nach der Größe der sogenannten versiegelten Flächen auf dem Grundstück richten. Das sind nicht nur Gebäudedachflächen, sondern auch mit wasserundurchlässigen Belägen versehene Wege und Flächen auf dem Grundstück. Der Betrag wird für das jeweilige Gebäude einmal festgesetzt (dabei hat mit als Hausbesitzer auch gegebenenfalls ein gewisses Mitspracherecht) und bleibt danach Jahr für Jahr gleich.

Jeden Liter Wasser, den man aus der Leitung bezieht, bezahlt man also mit Trinkwassergebühr und Schmutzwassergebühr, dazu kommen die anteiligen Kosten für die Grundgebühr und die Niederschlagswassergebühr, die man ebenfalls auf den Gesamtverbrauch anrechnen muss. Im Schnitt liegt man dann grob bei rund 3,50 EUR und 7 EUR je m³ Wasser.

Da man im Haushalt auch eine beträchtliche Menge an Warmwasser benötigt, sollte man die Wassererwärmungsgebühren ebenfalls noch mit einberechnen. Bei Durchlauferhitzern sind das im Schnitt 125 EUR pro Person im Haushalt. Wird das Warmwasser über die Heizungsanlage bereitet, kann man grob etwa 15 – 20 % der Gesamt-Heizkosten als Wassererwärmungskosten ansetzen.

Rechnet man mit Durchschnittswerten, ergeben sich in Berlin für den 4-Personen-Haushalt durchschnittliche Wasserkosten von 1.232 EUR pro Jahr (ohne Wassererwärmung), in Frankfurt dagegen bei den gleichen Werten rund 603 EUR jährlich. Das zeigt schon einmal, welche Unterschiede es regional bei den Gebühren geben kann.

Der durchschnittliche Wasserverbrauch im Haushalt

Pro Person im Haushalt liegt der Verbrauch an Wasser im Schnitt bei rund 120 l – 145 l pro Tag oder 43 – 53 m³ pro Person jährlich. Etwa 42 % des Wassers wird als Warmwasser benötigt, das sind also rund 50 Liter pro Person und Tag, für die auch Wassererwärmungskosten zu rechnen sind.

Sieht man sich die Verwendung des insgesamt benötigten Wassers einmal an, stellt man schnell fest, wohin der Großteil des Wassers geht:

  • 27 % Toilettenspülung
  • 12 % Wäsche waschen
  • 36 % Körperpflege
  • 6 % Geschirrspülen
  • 4 % Trinken, Nahrungsmittelzubereitung (Kochen)
  • 6 % Gartenbewässerung, Autowaschen, tw. auch Raumreinigung
  • 9 % eingerechneter Kleingewerbeanteil

Soweit zumindest die offiziellen Statistiken. Die genauen Anteile können je nach Haushalt ein wenig schwanken. Das grundlegende Verhältnis bleibt aber in den meisten Fällen gleich.

Rechnet man einmal kurz nach, würde unser Berliner Haushalt vorhin also bereits rund 330 EUR pro Jahr buchstäblich die Toilette hinunterspülen, rund 150 EUR jährlich in die Waschmaschine stecken und etwa 70 EUR pro Jahr in den Garten jubeln. Das ist doch einiges an Geld.

Man könnte sich also einmal Gedanken machen, in welchen Bereichen man ohne größere Probleme sparen könnte. Dafür gibt es immerhin einige Möglichkeiten, die auch immer wieder beworben werden.

Gartenwasserzähler

Der liegt gerade im Trend. Die Logik dahinter: Bei dem Trinkwasseranteil, den man für die Gartenbewässerung benutzt, sind Schmutzwassergebühren nicht gerechtfertigt, weil das Wasser für die Gartenbewässerung ja auf dem eigenen Grundstück versickert und gar nicht in den Kanal gelangt. Das sind auch Abwasserverbände bereit, einzusehen – wenn man ihnen den Anteil mit einem geeichten und zulässigen offiziellen Zähler nachweist. Genau das ist der Gartenwasserzähler.

Die Sache hat allerdings einen kleinen Haken: Den Zähler bekommt man nicht umsonst, je nach regional zuständigem Wasserversorger kostet das Installieren eines solchen Zählers vor dem Gartenwasserhahn rund 50 bis 60 EUR. Dazu wird jährlich eine Zählergebühr verlangt, die sich zwischen rund 15 EUR und weit über 25 EUR bewegen kann.

Was man gutschreiben lassen kann ist dabei aber nur der Kostenanteil für die Schmutzwasserbeseitigung bei der jeweils verwendeten Wassermenge – also rund 1 EUR bis 2 EUR pro m³ (1.000 l) Gießwasser. Wer in seinem Garten nicht gerade Reis anbaut und regelmäßig den halben Garten flutet, wird vermutlich übers Jahr nur einige wenige 1.000 l für die Bewässerung und das Füllen des Gartenteichs aufwenden. In diesem Fall geht die Rechnung dann nicht auf: Die jährliche Zählergebühr und die Einmalkosten für den Zähler liegen dann bereits meist höher als das, was man an Beträgen gutschreiben lassen kann. In fast allen Fällen ein klares Minusgeschäft also. Und selbst dort, wo tatsächlich viel Wasser im Garten verbraucht wird, bleibt die Ersparnis noch immer minimal.

Selbstversickerung

Die Idee mit dem Selbstversickern ist allerdings nicht grundsätzlich schlecht. Vor allem, wenn man sich die Niederschlagswassergebühren einmal ansieht. Schon die durchschnittliche Dachfläche eines Einfamilienhauses ist rund 100 m² groß. Dazu kommen noch die Dachflächen von Carport oder Garage und gegebenenfalls eine wasserundurchlässig gepflasterte Einfahrt und andere Flächen, die bei der Berechnung der Niederschlagswassergebühr zählen. Bei 120 m² Fläche fallen Jahr für Jahr immerhin zwischen rund 120 EUR und 240 EUR an, die man sich jedes Jahr ersparen könnte, wenn man das Niederschlagswasser selbst auf dem Grundstück versickert – oder sammelt und für die Gartenbewässerung nutzt.

Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einerseits die Mulden- oder Rigolenversickerung, wenn entsprechend Platz auf dem Grundstück besteht,. Andererseits das Sammeln in einer ausreichend großen Zisterne (und das Nutzen zur Gartenbewässerung). Interessant ist hierbei vor allem: die Ersparnis wirkt sich dauerhaft aus, man muss für den Einbau dabei aber nur ein einziges Mal Geld investieren.

Sinnvoll erscheint in diesem Fall natürlich noch am ehesten die Zisterne, weil sie zu einer doppelten dauerhaften Ersparnis führt. Die gesamte Niederschlagswassergebühr fällt Jahr für Jahr weg, die Trinkwasserkosten für die Gartenbewässerung fallen weg und die Schmutzwasserkosten für das zur Gartenbewässerung genutzte Wasser fallen ebenfalls weg. Setzt man diese ersparten Kosten (rund 200 EUR bis 400 EUR jährlich sind durchaus realistisch) einmal mit den Kosten für eine Zisterne ins Verhältnis, könnte sich das durchaus lohnen (ab rund 800 EUR bis 1.000 EUR für Komplettpakete zum Selbsteinbau mit rund 3.000 l).

Die Zisternen-Kosten hätten sich schon nach wenigen Jahren amortisiert. Rechnet man das auf 20 Jahre hoch, könnte in vielen Fällen ein beträchtlicher Kostenvorteil entstehen. Bei Zisternen-Kosten von insgesamt 1.500 EUR und einer jährlichen Ersparnis von 300 EUR ergibt sich innerhalb von 20 Jahren eine Gesamtersparnis von 6.000 EUR (zukünftig steigende Abwassergebühren nicht eingerechnet). Aufs Jahr umgelegt sind das inklusive der Investitionskosten immerhin noch 225 EUR weniger jedes Jahr. Für eine Einmal-Maßnahme nicht schlecht.

Natürlich muss das Ganze auch technisch irgendwie Sinn machen. Ein wenig Papierkram und einige Anträge sind erforderlich und ausschlaggebend sind immer die Kosten im Einzelfall. Selbstversickern kann aber bei sehr vielen Einfamilienhäusern eine lohnende Sache sein.

Dachbegrünung

In einigen Kommunen gibt es beträchtliche Förderungen, die oft auch einen teilweisen Erlass der Niederschlagswassergebühren für die begrünte Dachfläche beinhalten. Hier muss man allerdings immer sehr genau nachrechnen, da Gründächer (auf dem Flachdach, aber auch mit viel Aufwand auf dem Steildach möglich) ziemlich teuer sind, und sich das Ganze damit nicht unbedingt lohnt.

Regenwassernutzungsanlage

Wenn schon die Versickerung einen derartig großen Kostenvorteil bedeutet, liegt natürlich nahe, einen großen Teil der teuren Wasserkosten im Haushalt ebenfalls durch die Nutzung von Regenwasser gleich komplett zu eliminieren. Der Gedanke ist prinzipiell nicht schlecht, gesetzlich erlaubt ist das immerhin für die Toilettenspülung und für die Waschmaschine. Verwendet man dafür kostenloses Regenwasser, hätte man immerhin beinahe 40 % der Wasserkosten komplett eliminiert.

Hier gibt es allerdings noch einen Haken: Das aufgefangene Regenwasser muss über ein komplett separiertes Leitungssystem im Haus geführt werden, das keine Berührungspunkte mit der vorhandenen Trinkwasserinstallation haben darf. Die baulichen Vorschriften dafür, was zulässig ist und was nicht, sind in diesem Fall überaus streng in Deutschland.

Am Ende kann das Nachrüsten des benötigten Leitungssystems oft einen beträchtlichen Aufwand nötig machen – mit dementsprechenden Investitionskosten. Eine fachlich fundierte Detailplanung und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung sind im Vorfeld gerade beim Altbau auf jeden Fall unabdingbar, um sicherzustellen, dass sich das im Einzelfall auch wirklich lohnt. Wer gerade baut, hat es da etwas leichter. Die benötigte Leitungsinfrastruktur kann direkt auf kostenschonende Weise mit eingeplant werden und verursacht nur geringe Zusatzkosten beim Hausbau – die Ersparnis ist dann für später aber deutlich gegeben.

Nachrechnen sollte man dennoch einmal kurz, denn eine Ersparnis von 40 % der Wasserkosten plus der gesamten Niederschlagswassergebühren jedes Jahr ist bei vielen Häusern kein Pappenstiel mehr. Das kann sich über zehn oder zwanzig Jahre zu enormen Beträgen summieren. Ziehen wir wieder unser Berliner Haus aus dem obigen Durchschnittsbeispiel heran, könnten das durchaus bis zu 15.000 EUR Einsparungen oder sogar mehr in 20 Jahren sein.

Wasserspar-Maßnahmen im Haushalt

Wie schon beim Strom, kann man sich natürlich auch über den Wasserverbrauch direkt Gedanken machen. Das führt auch hier zu direkten, sofort wirksamen Einsparungen, die oft gar keine Investitionen, sondern lediglich ein paar Verhaltensänderungen benötigen.

Bei der Waschmaschine kann man vielleicht die Wasch-Logistik ein wenig verbessern, doch einmal die Wasserspartaste benützen und beim Geschirrspülen vielleicht doch das Wasser nicht ständig laufen lassen. Auch Geschirrspülmaschinen haben Sparprogramme, die man nutzen kann.

Etwas mehr bringt häufig das Nachrüsten einer Stopp-Taste für die WC-Spülung (Kostenaufwand rund 10 EUR, Ersparnis bis zu 50 %) und Durchflussmengenregler für Duschköpfe und Armaturen (Kostenaufwand rund 5 EUR bis 10 EUR je Zapfstelle, Ersparnis bis zu 50 %). Da die Toilettenspülung und die persönliche Hygiene zusammen etwa 63 % des Wasserverbrauchs (und damit der Wasserkosten) ausmachen, ist eine Einsparung von rund der Hälfte bei diesen Kosten schon ziemlich beträchtlich, bei sehr geringem Aufwand für die Maßnahmen. Komforteinbußen gibt es dabei so gut wie nicht.

Wassererwärmungskosten senken

Ein Punkt, der bisher noch unerwähnt blieb sind die Erwärmungskosten für das benötigte Warmwasser. Auf die Erwärmungskosten, die durch Durchlauferhitzer anfallen können, sind wir schon beim Thema Strom eingegangen. Und auf die Möglichkeit, besonders ältere Durchlauferhitzer mit hohen Stromkosten durch moderne, elektronisch voll geregelte Modelle auszutauschen und dabei staatliche Förderungen in Anspruch zu nehmen.

Je Person im Haushalt können durchaus 500 – 900 kWh jährlich allein an Strom für den Durchlauferhitzer benötigt werden. Das ist eine beträchtliche Menge. Schon bei einem Zwei-Personen-Haushalt kann das bis zu 500 EUR jährlich bedeuten. Noch mehr bei älteren, schlecht funktionierenden Durchlauferhitzern.

Wer einen Gasanschluss im Haus hat, kann einmal nachrechnen, ob sich der Austausch der elektrischen Durchlauferhitzer auf Gas-Durchlauferhitzer nicht eventuell lohnt. Die Energiekosten von Gas zu Strom liegen im Verhältnis von 1 : 5. Das heißt, die reinen Verbrauchskosten liegen bei Gas bei lediglich einem Fünftel. Dabei müssen allerdings die Anschaffungs- und Installationskosten für den Gas-Durchlauferhitzer in Beziehung gesetzt werden, um herauszufinden, ob sich das tatsächlich lohnt.

Die Umrüstung auf Boiler (Heißwasserspeicher) lohnt sich in den meisten Fällen wegen des großen Installationsaufwands nicht. Dazu müssten beim Boiler auch Wartungskosten und Instandhaltungskosten langfristig mit einkalkuliert werden, sowie nach etlichen Jahren fällige Reparaturen und gegebenenfalls Austauschkosten.

In einigen Fällen kann eine Möglichkeit bestehen, über die Heizungsanlage das benötigte Warmwasser zu erzeugen. Ist das mit geringem Aufwand möglich oder soll ohnehin die Heizungsanlage demnächst getauscht werden, sollte man diese Möglichkeit auf jeden Fall ernsthaft in Erwägung ziehen. Im Allgemeinen sind die Warmwasserkosten bei einer Warmwasserbereitung durch die Heizungsanlage deutlich geringer als bei allen anderen Alternativen. Der technische Umbau kann sich also lohnen.

Solarthermie

Anders als Photovoltaik hat die Solarthermie (die Erzeugung von Warmwasser über Solarkollektoren) durchaus in vielen Fällen auch in der Praxis eine sehr gute Wirtschaftlichkeitsbilanz. Das liegt nicht zuletzt daran, dass auch diese Module, ebenso wie die Photovoltaik-Module, in den letzten Jahren massiv günstiger in der Anschaffung geworden sind und dabei auch deutlich leistungsfähiger. Selbst im Winter bei komplett vereisten Kollektoren schaffen es die Hochleistungsmodelle bei den Kollektoren noch, teilweise bis zu 45 °C warmes Wasser zu liefern.

Dazu kommt, dass man warmwasserführende Heizungsanlagen noch zusätzlich mit dem von den Solarkollektoren bereits „vorerwärmten“ Wasser versorgen kann und so auch die Heizkosten beträchtlich sinken (bis zu 30 % geringere Heizkosten sind dadurch in der Praxis möglich).

Anlagen, die nicht die Heizung unterstützen, kosten für ein typisches Einfamilienhaus mit 4 Bewohnern rund 5.000 EUR, Anlagen mit gleichzeitiger Heizungsunterstützung meist rund das Doppelte oder knapp darunter. Dazu kommen noch staatliche Förderungen vom BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle), die 2020 kräftig angehoben wurden. Die Fördersätze betragen nunmehr 30 % der sogenannten förderfähigen Kosten (das sind nahezu die gesamten Kosten für die Anlage und die Installation). Die ganze Geschichte lohnt sich also in sehr vielen Fällen, wenn das eigene Dach entsprechend günstig liegt.

Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ist hier direkt mit an Bord, da eine Förderung ohnehin nur gewährt wird, wenn ein vom BAFA zugelassener Energieberater (ebenfalls gefördert) das ganze Vorhaben plant und durchrechnet.

Bei Komplettkosten von 9.000 EUR, von denen man am Ende rund 6.000 EUR selbst tragen muss, rentiert sich der Einbau oft schon nach wenigen Jahren deutlich. Etwas weniger rentabel ist das Ganze, wenn man ohnehin schon eine moderne, sehr kostengünstige Heizung (Gas-Brennwertheizung, Biomasse-Heizung mit Brennwerttechnologie) und ein sehr gut gedämmtes Haus hat. Dann sind die Einsparungen durch die zusätzlich montierte Solarthermie-Anlage oft so gering, dass es häufig sehr lange mit der Amortisation der Kosten dauert.

Wie immer muss man das allerdings im konkreten Einzelfall durchrechnen. In vielen Fällen lohnt sich der Einbau von Solarthermie durchaus – insbesondere mit den jetzt angehobenen und deutlich vereinfachten Fördersätzen. Als Investition für zukünftig geringere Betriebskosten kann man das durchaus einmal durchrechnen.

Ein Wort noch zu Flaschenwasser und Wasseraufbereitungsanlagen für den Haushalt

Dass Leitungswasser (0,005 EUR pro Liter inklusive aller Kosten) deutlich günstiger ist als Wasser aus Plastikflaschen (zwischen 0,20 EUR und 0,50 EUR pro Liter oder noch mehr) braucht man niemandem zu sagen. Dass die rund 11,8 Milliarden Liter Flaschenwasser, die jährlich in Deutschland über die Theke gehen, eine mittlere ökologische Katastrophe bedeuten, wohl auch nicht. Die angeblichen 30 % Recyclingquote, die angegeben werden, sind damit eher fragwürdig. Denn ein großer Teil des Plastikmülls wird einfach nach China verschifft und nicht mehr eingerechnet. Kommt man realistischerweise auf eine „echte“ Recyclingquote von 5 %, werden 95 % der Flaschen Plastikmüll, der irgendwann wohl irgendwie im Meer landet. Die Bilder davon kennt jeder. Man sollte sich also bewusst sein, dass das nicht nur Geld kostet – sondern später noch viel mehr Geld, wenn das irgendwann einmal jemand wieder aus dem Meer entfernen muss.

Bei 3 Litern Flaschenwasser, die ein Haushalt täglich nutzt, wirft man zudem rund 200 EUR bis 500 EUR pro Jahr quasi zum Fenster hinaus. Die „höhere Qualität“ von Flaschenwasser ist dabei mehr ein Ding der Werbung. Tatsächlich ist vieles von dem, was in Flaschen angeboten wird, keinesfalls besser als das, was aus der Leitung kommt. Häufig sind es nur andere Trinkwasser-Abfüllstationen, von denen das Flaschenwasser dann stammt. Die Anforderungen an die zulässige Verkeimung sind bei Flaschenwasser sogar deutlich weniger streng als beim Leitungswasser. Es darf beträchtlich mehr Keime enthalten als das, was aus der Leitung kommt.
Man sollte also nicht unbedingt alles glauben, was einem auf bunten Aufdrucken so erzählt wird. Nur Heilwasser ist in Deutschland im Arzneimittelbuch erfasst und muss entsprechende (dann auch tatsächlich amtlich getestete) Qualitäten aufweisen.

Viele haben das eingesehen und sich aus der verbreiteten Angst vor Wasserverschmutzung einen Wasserfilter zugelegt (was übers Jahr auch beträchtliche Kosten verursacht) oder versuchen eigenhändig, die Qualität des Leitungswassers zu verbessern. Mit Wasseraufbereitungsanlagen für den Haushalt, die Kalk und Schadstoffe entfernen sollen.

Das ist nicht ganz ungefährlich: Wasserfilter bergen ein beträchtliches Risiko, dass die gesammelten Keime im Filter plötzlich durchschlagen, wenn man das rechtzeitige Wechseln vergisst. Dann trinkt man eine äußerst ungesunde Brühe mit äußerst hohem gesundheitlichem Risikofaktor. Bei Anlagen, die Umkehrosmose durchführen, fällt dagegen ein sehr hoher Spülwasser-Verbrauch für die notwendige Rückspülung an (bis zu 5 oder sogar 10 Liter je Liter aufbereitetem Trinkwasser), dazu kommt, dass durch Umkehrosmose aufbereitetes Wasser, wenn man das nicht entsprechend einstellt, völlig frei von Mineralien ist. Das ist dann praktisch destilliertes Wasser – und als solches alles andere als gesund für uns. Umso mehr, als wir ohnehin einen Mineralstoffmangel haben und das Trinken von destilliertem Wasser noch eine beträchtliche Menge mehr Mineralstoffe direkt aus unserem Körper entsorgt.

Die hohen Kosten für solche Anlagen, sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb (Stromkosten, Spülwasser-Kosten) sollte man also tunlichst einmal hinterfragen. Auch angesichts der gesundheitlichen Risiken, die man oft dabei eingeht. Das gilt im Übrigen auch für Wasserfilter, die zwar nur kleine, aber auch ständige Kosten verursachen. Bevor man sein eigenes Leitungswasser völlig zu Unrecht schlechtredet, könnte man immerhin für rund 50 EUR einmal eine Wasseruntersuchung durchführen lassen, um sich die vermutete Nicht-Qualität erst einmal von unabhängiger Seite bestätigen zu lassen.

Laboruntersuchungen sind nämlich belastbarer als eigene Vermutungen – und entheben einen manchmal völlig der Notwendigkeit, eine Menge Geld ausgeben zu müssen. Wie viel Geld man mit Flaschenwasser, Wasserfiltern und Umkehrosmose-Anlagen tatsächlich verbrennt, unterschätzen die meisten. Vielfach ist das sogar labormäßig bestätigt völlig unnötig.

Fazit

Wasser aus der Leitung kostet eine Menge Geld – mehr als man auf den ersten Blick vermuten würde. Im Gegensatz zum Strom bieten sich hier allerdings auch deutlich mehr lohnende Möglichkeiten, durch Einzelinvestitionen dauerhaft wirksame Einsparungen bei den Ressourcen-Kosten zu erzeugen. Nicht alles macht in jedem Fall Sinn – aber Solarthermie und Zisternen lohnen sich tatsächlich in vielen Fällen. Das eigene Geld ist dort dann gut investiert. Flaschenwasser ist dagegen die pure Geldverschwendung – und Wasseraufbereitung häufig auch.

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Wo sich durch die Veränderung der Welt Chancen auftun https://www.diekleinanleger.com/wo-sich-durch-die-veraenderung-der-welt-chancen-auftun/ https://www.diekleinanleger.com/wo-sich-durch-die-veraenderung-der-welt-chancen-auftun/#respond Thu, 08 Oct 2020 14:52:00 +0000 https://www.diekleinanleger.com/?p=13795 Nach den Krisenzeiten der Corona-Pandemie sind wir nun wieder weitgehend zum „Normalzustand“ zurückgekehrt. Man muss allerdings fragen, ob das wirklich das „alte Normal“ ist, oder nicht etwa in vielen Bereichen ein „neues Normal“. Die Corona-Pandemie hat in vielen Bereichen und […]

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Nach den Krisenzeiten der Corona-Pandemie sind wir nun wieder weitgehend zum „Normalzustand“ zurückgekehrt. Man muss allerdings fragen, ob das wirklich das „alte Normal“ ist, oder nicht etwa in vielen Bereichen ein „neues Normal“. Die Corona-Pandemie hat in vielen Bereichen und in einigen Branchen doch einige Impulse gesetzt, die nachwirken. Daran sollte man auch denken, wenn man besonders in die Zukunft gerichtete und lohnende Investments plant.

Wir gehen heute anders mit der Pandemie um – aber viele Impulse sind wirksam geblieben

In der jüngsten Zeit kam es in vielen Teilen der Welt wieder zu erschreckend hohen Infektionszahlen, in Europa sind vor allem in Frankreich und Spanien die Zahlen bei den Neuinfektionen wirklich alarmierend, zum Teil sogar noch höher als zum Beginn der Pandemie im März 2020. Insgesamt geht man damit allerdings deutlich gelassener um. Kaum ein Land zieht mehr komplette Lockdowns in Erwägung (außer vielleicht Israel, aber auch nur, weil klar wurde, dass sich ein großer Teil der Menschen an Maßnahmen offensichtlich sowieso nicht halten wird). Keiner erwägt auch mehr, Maßnahmen oder Vorkehrungen durchzudrücken, die man auch schon zuvor nicht auf die Reihe bekommen hat. Bayern notiert die Kontaktadressen von Getesteten weiterhin auf Zetteln und schafft es dann nicht, Infizierte bis zum völligen Verstreichen einer sinnvollen Quarantäne-Frist überhaupt zu informieren. Und daran wird sich wohl nicht mehr viel ändern. Den Ehrgeiz, das Pflegepersonal in besonders gefährdeten Altersheimen regelmäßig durchzutesten, hat auch schon jeder aufgegeben. Fußballer und Mallorca-Partygänger sind einfach wichtiger, das muss man einsehen.

Mittlerweile ist man weithin sogar bereit, die früheren strengen Kontaktbeschränkungen und den Lockdown als möglicherweise zu weit gegriffen anzusehen. Vielleicht auch, weil die größte Menge der Infizierten nun Jüngere sind und kaum Intensivfälle die Kliniken in irgendeiner Weise zu überfordern drohen. Kurz: Man geht trotz steigender Infektionszahlen sehr entspannt mit der Situation um – und es macht den Anschein, als wollte man sich von seinem „Normalzustand“ nun auf keinen Fall mehr abbringen lassen.

Das Interessante dabei ist allerdings, das einige Impulse, die während der Lockdown-Zeit und in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen im nunmehr wieder eingekehrten Normalzustand weiterwirken. Einiges davon könnte unsere Welt durchaus recht nachhaltig verändern. Und aus dem angestrebten „Normalzustand“, also quasi den liebevoll gehegten Werten der 50er Jahre, ein sehr anders aussehendes „neues Normal“ werden lassen. Das ist natürlich auch immer interessant für Investitionen in zukünftig wichtig werdende Bereiche und Schlüsseltechnologien.

Die Arbeitswelt von morgen

Die weitreichendsten und am besten messbaren Impulse hat die Coronazeit in der Arbeitswelt gesetzt. Das Unternehmen ESET, ein IT-Sicherheitsdienstleister, hat in den letzten Monaten eine multinationale, sehr umfangreiche Studie durchgeführt (man kann sie in vollem Umfang hier downloaden. Ausgewertet wurden dabei Befragungen in 620 Unternehmen und bei 2.000 Arbeitnehmern in Deutschland und der Schweiz.

Auf den Punkt gebracht sehen die Ergebnisse wie folgt aus: 78 % der deutschen Unternehmen und sogar 90 % der schweizerischen Unternehmen planen, Home Office zumindest weiterhin zu ermöglichen. Das ist ein drastischer Wandel im Vergleich zu Vor-Pandemie-Zeiten, wo kaum ein Unternehmen so etwas überhaupt nur in irgendeiner Weise in Erwägung gezogen hatte. Home Offices und Distance Working galten als zu kompliziert, zu teuer und in der Praxis als völlig undurchführbar. Hier gilt wohl das altbekannte deutsche Sprichwort „Versuch macht kluch“. (Hätten wir doch beim Thema regenerative Energieerzeugung oder ökologische und nachhaltige Landwirtschaft auch mal solche Erleuchtungen…).

Mit zu diesem Willigkeits-Wandel mögen sicherlich auch die Ergebnisse der Produktivitäts-Auswertungen in den Unternehmen beigetragen haben. Bei fast 60 % der Unternehmen kam es selbst trotz der ziemlich hemdsärmeligen und ungeplanten Umsetzung von Home-Office-Lösungen zu keinen Verlusten in der Arbeitsproduktivität der Mitarbeiter, bei 10 % kam es sogar zu einer Steigerung. Nur 31 % der Unternehmen verzeichneten zum Teil starke Rückgänge in der Produktivität (bis zu 56 %), besonders in Thüringen, Schleswig-Holstein und Bremen. Bei den Behörden waren es ebenfalls knapp 28 %. Das mag zum Teil daran liegen, dass der Ausbau schnellen Internets in Deutschland nicht gerade mit Höllentempo voranschreitet. (So viel zum Thema „Wir brauchen nicht 4G an jeder Milchkanne“). Überwiegend wohl aber an der mangelhaften IT-Ausstattung der Unternehmen und insbesondere der Behörden (ein Teil der deutschen Gesundheitsämter hat noch nicht einmal eine IT-Infrastruktur).

Ein noch viel wichtigerer Punkt ist, dass sich die IT-Sicherheit bei der ganzen Geschichte auf einem – darf man mit Fug und Recht sagen –  erbärmlichen und völlig rückständigen Niveau befindet. Selbst einfache Basis-Technologien wie VPN-Zugriff nutzen in Deutschland nur rund 44 % der Unternehmen und nur 42 % der Behörden. Bei den Passwörtern schafft es nicht einmal ein Drittel, auf Zwei-Faktor-Authentifizierung zu setzen. Darüber hinausgehende, moderne Sicherheitsmaßnahmen? Bei den allermeisten Unternehmen schlicht: Fehlanzeige.

Was bedeutet das für Anleger?

ESET ist ein IT-Sicherheitsanbieter, die Studie ist damit naturgemäß sehr interessenlastig (für das Unternehmen) ausgefallen. Andere Studien, wie etwa vom ifo-Institut, bestätigen die Zahlen aber weitgehend. Nach Studien von IGES und Forsa fühlen sich auch 56 % der befragten 7.000 Beschäftigten im Home Office produktiver als im Büro. Auch die DAK ermittelte einen Anteil von 57 %, die sich selbst in der Corona-Zeit und oft mit Kinderbetreuung daneben lediglich „gelegentlich gestresst“ fühlen. Der Anteil der „regelmäßig gestressten“ sank dabei von 21 % vor der Pandemie auf nur noch 15 %.

Man kann davon ausgehen, dass sich auch von den Unternehmen, die Produktivitätsverluste durch Home Office hinnehmen mussten, niemand langfristig dem offensichtlich starken Trend zum Distance Working auf Dauer widersetzen kann und auf Präsenz am Arbeitsplatz halsstarrig bestehen kann. Selbst die Politik macht, zwar zögerlich und wenig effektiv, wie immer, aber immerhin – erste Versuche, Menschen ein Distance Working leichter zu machen. Rund 40 % aller Jobs sind Schätzungen zufolge, die die Uni Düsseldorf für realistisch hält, im Home Office machbar.

Angesichts der ziemlich katastrophalen Situation in Bezug auf die Sicherheit beim Distance Working und das weitgehende Fehlen praktikabler, bereits installierter Lösungen und auch angesichts des dringend benötigten Aufholbedarfs bei der IT-Ausstattung allgemein, scheint sich hier ein Feld aufzutun, in das in den nächsten Jahren wohl stark investiert werden wird. Auch die Bundesregierung hat bereits angekündigt, zumindest die Gesundheitsämter technisch auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen und will dafür insgesamt 4 Milliarden allein in die Gesundheitsämter investieren. Davon mehrere hundert Millionen allein in die IT-Ausstattung. Auch die IT-Sicherheit in Krankenhäusern wird nach dem Wunsch der Bundesregierung stark verbessert werden müssen. Zudem will man (mal wieder) in den Breitbandausbau investieren. Schulen haben bislang nur minimale Prozentsätze des eigentlich für die Digitalisierung zur Verfügung stehenden Budgets abgerufen, werden aber in Zukunft wohl auch endlich einmal in die Gänge kommen müssen. Sicherheit wird dann auch dort ein Thema werden müssen (wenn man erstmal genug Computer und Tablets hat, also wohl erst „später“).

Solche Technologien können in Zukunft also deutlich lohnender werden, vermutlich werden einige bewährte Anbieter in diesem Bereich ihre Umsätze dann steigern können. Auch völlig neue Lösungen, wie etwa Sicherheitslösungen für BYOD-Ansätze („Bring Your Own Device“, der Einsatz privater Computer und Mobilgeräte für Arbeitsaufgaben) könnten deutlich mehr Beachtung finden, gute und vor allem sehr sichere Cloud-Lösungen dann wohl auch.

Der Impuls zur Nachhaltigkeit

Einer Studie zufolge, über die wir schon früher einmal berichtet haben, wollten deutlich mehr als die Hälfte der Menschen ihre Lebensmittel bewusster auswählen und dabei mehr auf Nachhaltigkeit und die eigene Gesundheit achten. Während der Lockdown-Zeit war dieser Anteil der Menschen, die sich von nun ab bewusster „gesund“ ernähren wollten, deutlich höher. Lebensmittel, die „Immunität“ fördern sollen, waren naturgemäß der Hype schlechthin (fast so gesucht wie Klopapier), allerdings kann man davon ausgehen, dass dieser Trend mit der zunehmend entspannteren Haltung gegenüber der Pandemie wohl wieder abflauen wird.

Beim nachhaltigen Einkauf – hier geht es auch um allgemeine Nachhaltigkeitskriterien von Lebensmitteln, etwa im Hinblick auf den Klimaschutz – weisen die Zahlen aber immer noch auf ein deutlich höheres „Mindful Shopping“ hin als vor der Pandemie. Auch der Fleischkonsum ist in Deutschland – sicherlich auch durch die im Zuge der Pandemie-Bekämpfung aufkommenden unsäglichen Zustände in der Tierhaltung und vor allem in der Fleischverarbeitung – noch einmal um ein deutliches Maß nach unten gerutscht. Selbst bei Milchersatzprodukten (Pflanzenmilch) gibt es einen sehr deutlichen Zuwachs. Nach Schätzungen von ProVeg kommen täglich rund 200 neue Veganer und rund 2.000 Vegetarier hinzu. Wohl auch, weil die Medizin und die Ernährungswissenschaft nun endlich dazu bereit sind, die Vorzüge einer fleischlosen Ernährungsweise endlich einmal deutlich anzuerkennen.

Das hat natürlich deutliche Auswirkungen auf die Marktpotenziale von solchen Produkten. Die enormen Wassermengen in der Herstellung verbrauchende und auch sonst mit einer katastrophalen Ökobilanz und CO2-Bilanz und massiven Umweltfolgen behaftete Kuhmilch wird immer weniger konsumiert. Pflanzliche Milchalternativen holen dagegen auf. Zwar ist das Verhältnis immer noch sehr ungleich (mit rund 5 Millionen Euro Umsatz jährlich ist Kuhmilch um ein Vielfaches marktbestimmender als alle Pflanzenmilchsorten zusammengenommen, mit denen „nur“ rund 290 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet werden). Allerdings ist die Pflanzenmilchbranche allein im letzten Jahr um 23 % gewachsen. Zu beachten sind dabei möglicherweise auch die zahlreichen Startups, die an einer „Milch ohne Kühe“ arbeiten. Auch das könnte sich langfristig, durch den „sauberen“ Labor-Herstellungsprozess genau wie beim im Labor gezüchteten Fleisch aus einzelnen, entnommenen Muskelzellen, durchaus auch zu einer Alternative entwickeln. Nur sind bislang die Kosten für solche Technologien zu hoch, da das Halten von Kühen nun einfach einmal am billigsten ist (insbesondere heute, wo immer weniger Kühe immer mehr Milch geben). Hier könnte es aber durchaus zu einem Bewusstseinswandel kommen. Dazu könnten auch zunehmende Bereitschaft zum ausschließlichen Konsumieren ökologisch vertretbarer Produkte die Situation mittelfristig stark verändern.

Als Anleger sollte man am besten den gesamten Bereich im Auge behalten. Pflanzenmilch ist auch allein schon wegen ihrer enormen Margen interessant, den Herstellungskosten von nur wenigen Cent pro Liter stehen von Verbrauchern akzeptierte Verkaufspreise von bis zu 3 EUR pro Liter gegenüber – was für die Unternehmen natürlich eine sehr interessante Gewinnsituation ergibt. Ringt sich die Politik dann auch noch durch, die Bezeichnung „Pflanzenmilch“ endlich offiziell zuzulassen und die abwertende Bezeichnung „Drinks“ nicht mehr verpflichtend zu machen, könnte das ebenfalls Auswirkungen auf die Bereitschaft zum Konsum haben.

Die Autoindustrie und die Mobilität

Dieser ganze Bereich ist und bleibt so unberechenbar wie er auch vor der Krise schon war. Autohersteller kränkeln vor sich hin, ausgelöst von bei Weitem nicht ausreichenden Absatzzahlen bei den Neufahrzeugen. Die Politik ist nun nicht mehr bereit (mit Ausnahme der SPD, die das natürlich noch immer weithin lauthals fordert) Verbrennungsmotoren mit Kaufprämien zu fördern. Einige Automobilhersteller (wie jüngst Volkswagen bei MAN) kündigen Stellenstreichungen im 10.000er Paket an, erhöhen aber gleichzeitig ihre Übernahmeangebote für andere Unternehmen. Die stark erhöhten Kaufprämien für batteriegetriebene E-Autos haben zwar zu einem (eher kleinen) Boom geführt, angesichts der vielen ungelösten Probleme bei der batteriegetriebenen Elektromobilität (Ladeinfrastruktur-Situation, sehr schlechte Ökobilanz bei der Herstellung, zukünftig ganz sicher zu erwartender Mangel an dringend benötigten seltenen Erden, nicht planbare Netzauslastung, Betrieb der Fahrzeuge in Deutschland weitgehend mit Kohlestrom…) wird das aber aller Voraussicht nach nicht der Sprung in die Zukunft.

Wasserstoff könnte das sein, an entsprechenden Fahrzeugen mangelt es aber weltweit völlig. Zudem müsste man einmal bei Strategien zur Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff (sowohl in Fahrzeugen als auch in der Industrie) überhaupt erst einmal in die Gänge kommen (was möglicherweise noch Jahrzehnte dauert bei diesem Tempo).

Der „Gewinner“ der Pandemie war ganz klar das Fahrrad – sehr viele Händler waren schon Mitte des Jahres an E-Bikes komplett ausverkauft. Sogar spontan entstandene (dann aber wieder entfernte) Popup-Radwege hatte man den zahlreichen neuen Radfahrern zur Verfügung gestellt, und damit die Mobilität in den Städten zum Teil deutlich verändert.

Es ist natürlich durchaus nachvollziehbar, dass sich viele nicht der Enge und der Infektionsgefahr der öffentlichen Verkehrsmittel aussetzen wollten, sondern lieber an der frischen Luft radelten. Auch in Zukunft wird die ach so „ökologische“, zu großen Teilen mit Kohlestrom fahrende Bahn wohl eher kein Weg in die Zukunft sein, Dieselbusse wohl auch nicht die Mobilität der nächsten Jahrzehnte darstellen.

Wohin es verkehrstechnisch in der nahen Zukunft gehen wird (sicher nicht in Richtung Passagierdrohnen, Herr Verkehrsminister, denn allein schon Wikipedia erklärt, es gäbe bis heute kein einziges, auch nur annähernd praxistaugliches Modell), kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch niemand sagen. Im Grunde gibt es eine sehr große Lücke im Individualverkehr, wo passende Lösungen für die bestehenden Mobilitätsbedürfnisse völlig fehlen. Hier gilt es als Anleger, das Augenmerk auf komplett neue, sinnvolle und ökologische Lösungen zu richten, die sich vielleicht auf dem Markt zu etablieren versuchen. Im öffentlichen Verkehr wird die Zukunft sicherlich eher den wirklich ökologischen, zweckdienlichen und eng getakteten Lösungen gehören. Obwohl man nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie die Bereitschaft der Menschen, sich wieder in Massenverkehrsmittel zu quetschen und 30 verschiedene Fahrpläne auswendig zu lernen, eher etwas vorsichtig beurteilen sollte – insbesondere nach den Erfahrungen der Pandemie.

Fazit

Das „neue Normal“ unterscheidet sich doch in einigen Bereichen relativ deutlich vom althergebrachten „Normal“ vor der Pandemie. Auch wenn viele Akteure, Politiker und Großkonzerne sich mit aller Gewalt bemühen, die alten (teils untragbaren Zustände) aufrechtzuerhalten. Das gilt für die Fleischbranche ebenso wie für den Automobilbereich und das Kaputtsparen der Bahn (neue Uniformen statt neuer Mobilitätskonzepte). In ökologischer Hinsicht bewegt sich erwartungsgemäß nur wenig, die Energiekonzerne haben immer noch das Sagen und fordern für jede kleinste Veränderung horrende Entschädigungen, die sie aufgrund der idiotischerweise einmal vereinbarten Schiedsgerichtsbarkeit dann meist auch bekommen.

In einigen Bereichen spielen die Bürger in der Masse aber einfach nicht mehr mit – und das sind genau die Bereiche, wo es auch in Zukunft wohl signifikante Veränderungen geben wird. In der Arbeitswelt, beim Konsum und der Erzeugung von Lebensmittel und bei Mobilitätslösungen. Dorthin sollte man wohl in der nächsten Zeit auch als Anleger seinen Blick richten und nach interessanten, brauchbaren Lösungen oder aufstrebenden Unternehmen Ausschau halten, finden wir. Denn dort wird sich höchstwahrscheinlich die Welt zu einem vermutlich sehr unterschiedlichen „neuen Normal“ verändern – wohl schon mittelfristig.

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