Folge 17 – Die Rendite einer Anleihe berechnen (Anleihen Teil 6)

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Folge 17 – Die Rendite einer Anleihe berechnen (Anleihen Teil 6)

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Die Rendite einer Anleihe zu berechnen, ist für viele Einsteiger einer der verwirrendsten Punkte beim Einstieg in den Anleihenmarkt — weil der aufgedruckte Kupon gerade nicht das ist, was am Ende übrig bleibt. In diesem Beitrag unserer Anleihen-Serie zeigen wir, wie sich die Rendite tatsächlich zusammensetzt, welche Formeln dahinterstehen und wie ein konkretes Rechenbeispiel aussieht. Die Grundlagen, auf die dieser Beitrag aufsetzt, finden Sie in den vorangegangenen Folgen zum Anleihenzinssatz und zum Kurs einer Anleihe.

Warum der Kupon nicht gleich die Rendite ist

Wer eine Anleihe mit einem Kupon von 2,5 Prozent kauft, denkt intuitiv: „Dann bekomme ich jährlich 2,5 Prozent auf mein eingesetztes Geld.“ Das stimmt aber fast nie. Der Kupon bezieht sich auf den Nominalwert der Anleihe, nicht auf das, was der Käufer tatsächlich bezahlt. Wird eine Anleihe über pari (also über 100 Prozent) gekauft, liegt die effektive Verzinsung unter dem Kupon — wird sie unter pari gekauft, darüber. Hinzu kommt der Kursgewinn oder -verlust bis zur Rückzahlung, die Kosten des Brokers und die Steuern. Erst wenn man alle diese Komponenten berücksichtigt, erhält man die tatsächliche Rendite.

In der Praxis haben sich zwei Renditebegriffe durchgesetzt, die jeder Anleihen-Käufer kennen sollte: der Current Yield und der Yield to Maturity.

Current Yield: die einfache Variante

Der Current Yield — auf Deutsch oft als „laufende Verzinsung“ übersetzt — setzt den jährlichen Kupon ins Verhältnis zum aktuellen Kaufkurs der Anleihe. Die Formel ist denkbar einfach:

Current Yield = (Kupon / Kaufkurs) × 100

Wenn eine Anleihe mit 2,5 Prozent Kupon zu einem Kurs von 98,50 gekauft wird, ergibt sich ein Current Yield von 2,5 / 98,50 × 100 = rund 2,54 Prozent. Das ist bereits mehr, als der Kupon auf den ersten Blick vermuten lässt — weil man für 98,50 Euro eine Anleihe erhält, die nominell 100 Euro entspricht und entsprechend auf diese 100 Euro Zinsen zahlt.

Die Schwäche dieser Rechnung liegt auf der Hand: Sie berücksichtigt weder die Laufzeit noch den Kursgewinn bis zur Rückzahlung. Wer eine Anleihe zu 98,50 kauft und bei Fälligkeit zu 100 zurückbekommt, realisiert zusätzlich einen Kursgewinn — und dieser Gewinn ist für die tatsächliche Rendite entscheidend.

Yield to Maturity: die Rendite bis zur Endfälligkeit

Der Yield to Maturity (YTM), auf Deutsch Effektivverzinsung oder Endfälligkeitsrendite, ist die in der Praxis wichtigste Kennzahl. Sie beantwortet die Frage: Welche jährliche Rendite erziele ich, wenn ich die Anleihe heute zum aktuellen Kurs kaufe und bis zum Ende der Laufzeit halte? Der YTM berücksichtigt den Kupon, den aktuellen Kaufkurs, den Rückzahlungsbetrag bei Fälligkeit und die verbleibende Restlaufzeit.

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Die exakte YTM-Berechnung erfordert eigentlich eine iterative Lösung, weil der Yield selbst in der Barwertformel einer Anleihe steckt. Für den Hausgebrauch reicht allerdings eine sehr gut funktionierende Näherungsformel:

YTM ≈ [ Kupon + (Rückzahlungskurs − Kaufkurs) / Laufzeit ]
       ──────────────────────────────────────────────
              (Rückzahlungskurs + Kaufkurs) / 2

Diese Formel ist für typische Anleihen mit kurzen bis mittleren Laufzeiten und kleinen Kursabweichungen vom Nennwert hinreichend genau. Für Anleihen mit sehr langen Laufzeiten oder stark abweichenden Kursen empfiehlt sich die Zielwertsuche in Excel über die Funktion RENDITE() — darauf kommen wir am Ende des Beitrags noch zurück.

Rechner: Probieren Sie es selbst aus

Statt das Ganze abstrakt zu erklären, können Sie die Rendite einer Anleihe hier direkt selbst berechnen. Passen Sie die Werte für Nominale, Kupon, Kurs und Laufzeit an und beobachten Sie, wie sich Current Yield, YTM und die Netto-Rendite nach Steuern verändern. Für den Steuersatz stehen voreingestellte Werte für Deutschland und Österreich sowie eine reine Brutto-Rechnung bereit.

Anleihen-Renditerechner
Steuer:


Current Yield
YTM (Näherung)
Brutto-Gesamtertrag
Netto-Rendite p.a.
Näherungsformel: (Kupon + Kursdifferenz / Laufzeit) / Durchschnittskurs. Für exakte Werte die Excel-Funktion RENDITE() verwenden.

Rechenbeispiel: Eine Bundesanleihe im April 2026

Nehmen wir die Rechnung einmal konkret durch. Sie kaufen eine fiktive Bundesanleihe mit den folgenden Eckdaten, wie sie aktuell am Markt durchaus realistisch wären — dieselben Werte liegen auch als Startpunkt im Rechner oben voreingestellt.

ParameterWert
Nominale10.000 Euro
Kupon (p.a.)2,50 Prozent
Kaufkurs98,50 Prozent
Rückzahlungskurs100,00 Prozent
Restlaufzeit5 Jahre

Der Einstandspreis liegt bei 10.000 × 0,985 = 9.850 Euro. Jedes Jahr erhält der Anleger 10.000 × 0,025 = 250 Euro an Kupon — über fünf Jahre also 1.250 Euro. Bei Fälligkeit werden 10.000 Euro zurückgezahlt, das ergibt einen zusätzlichen Kursgewinn von 150 Euro. Insgesamt fließen dem Anleger also 1.400 Euro an Ertrag zu — vor Kosten und Steuern.

Setzt man die Werte in die Näherungsformel ein:

YTM ≈ [ 2,50 + (100 − 98,50) / 5 ] / [ (100 + 98,50) / 2 ]
     ≈ [ 2,50 + 0,30 ] / 99,25
     ≈ 2,82 Prozent

Die tatsächliche Rendite liegt also bei rund 2,82 Prozent pro Jahr — spürbar über dem Kupon von 2,50 Prozent und auch etwas über dem Current Yield von 2,54 Prozent. Der Grund ist die Kombination aus laufender Verzinsung und dem zusätzlichen Kursgewinn, der sich über die Laufzeit verteilt.

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Was die Rendite in der Praxis noch schmälert

Die oben berechneten 2,82 Prozent sind eine Brutto-Rendite vor Kosten und Steuern. Drei Faktoren reduzieren diesen Wert in der Realität:

Ordergebühren beim Kauf und Verkauf. Wer Anleihen beim eigenen Broker kauft, zahlt je nach Anbieter zwischen wenigen Euro und einem prozentualen Aufschlag. Bei kleinen Anlagesummen kann das einen spürbaren Teil der Rendite auffressen. Eine Ordergebühr von beispielsweise 15 Euro beim Kauf und 15 Euro beim Verkauf verringert den Gesamtertrag in unserem Beispiel von 1.400 auf 1.370 Euro — das entspricht einer effektiven Jahresrendite von rund 2,76 statt 2,82 Prozent.

Depotgebühren. Viele Direktbroker und Neobroker verzichten heute auf laufende Depotgebühren, bei klassischen Banken fallen aber mitunter noch jährliche Kosten an. Diese gehören in jede ehrliche Rendite-Berechnung.

Kapitalertragsteuer. Auf die erhaltenen Kuponzahlungen und auf den bei Fälligkeit realisierten Kursgewinn wird in Deutschland pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer fällig, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. In Österreich liegt die Kapitalertragsteuer für Wertpapiererlöse bei 27,5 Prozent. Nach Steuern bleibt im Beispiel deutlich weniger als die 2,82 Prozent brutto übrig — grob gerechnet rund 2,0 Prozent netto, wie sich auch im Rechner oben nachvollziehen lässt, sobald man den Steuer-Preset umschaltet.

Wer Anleihen nicht nur theoretisch rechnen, sondern tatsächlich handeln möchte, und dabei direkten Zugang zu internationalen Anleihemärkten sucht, ist bei Spezialbrokern wie CapTrader gut aufgehoben — der Broker ist einer der wenigen im deutschsprachigen Raum, über den sich einzelne Unternehmens- und Staatsanleihen direkt und zu vergleichsweise fairen Konditionen kaufen lassen. Für den Einstieg in den Anleihenmarkt über breit gestreute Anleihen-ETFs reicht hingegen auch ein klassischer Direktbroker; eine vollständige Gegenüberstellung finden Sie in unserem Depotkonto-Vergleichsrechner.

Die Excel-Funktion RENDITE() für exakte Werte

Wer es genauer haben möchte als die Näherungsformel und größere Szenarien parallel rechnen will, kann in Excel direkt die Funktion RENDITE() verwenden. Sie gibt die exakte Endfälligkeitsrendite aus und benötigt dafür das Abrechnungsdatum, das Fälligkeitsdatum, den Kupon, den Kaufkurs, den Rückzahlungskurs und die Zahlungsfrequenz pro Jahr. Für unser Beispiel:

=RENDITE("09.04.2026"; "09.04.2031"; 0,025; 98,50; 100; 1)

Das Ergebnis liegt mit rund 2,83 Prozent extrem nahe an unserer Näherungsformel — die Differenz ist bei dieser Konstellation vernachlässigbar. Bei längeren Laufzeiten oder stärker abweichenden Kursen wird der Unterschied größer, dann sollte man die Excel-Funktion bevorzugen. In Google Sheets funktioniert dieselbe Formel unter dem englischen Namen YIELD().

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Häufige Fragen zur Rendite einer Anleihe

Wo finde ich den aktuellen Kurs einer Anleihe?
Kurse einzelner Anleihen finden sich auf den Websites der Deutschen Börse (Börse Frankfurt) und Stuttgart (Bondm-Segment) sowie in den Handelssystemen der meisten Broker. Bei illiquiden Anleihen ist der offizielle Kurs allerdings mit Vorsicht zu genießen — ohne realen Handel ist der angezeigte Kurs oft nur eine Schätzung und nicht der Preis, den Sie tatsächlich zahlen oder erzielen würden.

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettorendite?
Die Bruttorendite ist die reine Rendite vor Steuern und Kosten. Die Nettorendite berücksichtigt die Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer in Deutschland, KESt in Österreich), den Solidaritätszuschlag, eventuelle Kirchensteuer sowie alle Ordergebühren und Depotkosten. Nur die Nettorendite sagt tatsächlich aus, was Ihnen am Ende bleibt.

Warum ändert sich der Kurs einer Anleihe überhaupt, wenn der Kupon fest ist?
Weil sich der allgemeine Marktzins ändert. Steigt der Marktzins, werden bestehende Anleihen mit niedrigerem Kupon für Käufer unattraktiv — ihr Kurs fällt, bis die verbleibende Rendite wieder dem neuen Marktzins entspricht. Sinkt der Marktzins, steigt der Kurs bestehender Anleihen. Mehr zu diesem Mechanismus in unserer Folge 15.

Kann die Rendite einer Anleihe negativ sein?
Ja, und das ist in der Niedrigzinsphase zwischen 2014 und 2022 bei vielen Bundesanleihen tatsächlich vorgekommen. Wer eine Anleihe deutlich über pari kauft und bei Fälligkeit nur zum Nennwert zurückbekommt, kann trotz Kupon unter dem Strich einen Verlust einfahren. Seit der Zinswende 2022 ist dieses Phänomen bei Neuemissionen von Staatsanleihen aber weitgehend verschwunden.

Lohnt sich die Rechnung bei Anleihen-ETFs überhaupt noch?
Bei einem Anleihen-ETF, der dutzende oder hunderte Anleihen enthält, rechnet man die Einzelrendite natürlich nicht selbst. Der ETF-Anbieter weist aber in seinen Produktinformationen die sogenannte Durchschnittsrendite oder den „Yield to Maturity“ des gesamten Portfolios aus — und diese Zahl basiert auf genau derselben Formel, die wir hier besprochen haben. Das Verständnis des zugrunde liegenden Konzepts hilft also auch ETF-Anlegern beim Vergleich verschiedener Anleihen-ETFs.

Weiterführende Beiträge der Anleihen-Serie

5 Comments

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  2. Pingback: Folge 15 - Der Kurs einer Anleihe (Anleihen Teil 4) - DieKleinanleger.com

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