Zuletzt aktualisiert: April 2026
In den letzten beiden Folgen haben wir erklärt, was eine Anleihe ist und wie man sie erwirbt. Jetzt geht es ans Eingemachte: Was bestimmt eigentlich, wie viel Zins eine Anleihe zahlt — und warum zahlen manche deutlich mehr als andere?
Wie kommt der Zinssatz zustande?
Der Kupon — also der feste Zinssatz einer Anleihe — setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen: dem allgemeinen Zinsniveau und einem individuellen Risikoaufschlag.
Als Ausgangspunkt dient üblicherweise der Leitzins der EZB. Im April 2026 liegt er bei 2,5 % — nach dem Zinszyklus 2022 bis 2024, in dem die EZB die Leitzinsen von 0 % auf 4,5 % angehoben und anschließend schrittweise wieder gesenkt hat. Darauf addieren Emittenten einen Aufschlag, der ihr spezifisches Ausfallrisiko widerspiegelt.
Ein einfaches Beispiel: Der EZB-Leitzins beträgt 2,5 %. Eine solide Unternehmensanleihe zahlt 4,5 % — der Risikoaufschlag (auch Spread genannt) beträgt also 2 %. Eine 10-jährige Bundesanleihe zahlt derzeit rund 2,8 % — nahe am Leitzins, weil das Ausfallrisiko der Bundesrepublik Deutschland als minimal gilt.
Was beeinflusst die Zinshöhe?
Risiko des Emittenten
Je unsicherer die Finanzlage eines Unternehmens oder Staates, desto höher der Risikoaufschlag. Wer Geld verleiht, will für ein höheres Ausfallrisiko entschädigt werden. Das Verhältnis von Rendite und Risiko haben wir ausführlicher in Folge 9 — Risiko und Rendite beschrieben.
In der Praxis wird das Risiko durch Ratingagenturen wie Moody’s oder S&P eingestuft. Anleihen mit hoher Bonität (Investment Grade) zahlen weniger; sogenannte High-Yield-Anleihen (auch Junk Bonds) zahlen deutlich mehr — als Ausgleich für das erhöhte Ausfallrisiko.
Laufzeit
Je länger das Geld gebunden ist, desto mehr Unsicherheit trägt der Gläubiger. Eine 30-jährige Anleihe zahlt deshalb in der Regel mehr als eine 2-jährige — selbst vom selben Emittenten. Diesen Zusammenhang nennt man Zinsstruktur: Normalerweise steigt die Rendite mit der Laufzeit an.
Wichtig zu wissen: Es gibt Phasen inverser Zinsstruktur, in denen kurzlaufende Anleihen mehr zahlen als langlaufende. Das war zuletzt 2022–2023 der Fall, als die EZB die Kurzfristzinsen aggressiv anhob.
Allgemeines Zinsniveau
Steigt der Leitzins, steigen auch die Kupons neu emittierter Anleihen — denn sonst würde niemand eine neue Anleihe kaufen, wenn Tagesgeld mehr zahlt. Fällt der Leitzins, sinken auch die Kupons. Wie sich das auf den Kurs bereits im Umlauf befindlicher Anleihen auswirkt, erklären wir in der nächsten Folge.
Ein konkretes Rechenbeispiel
Angenommen, Sie kaufen folgende Anleihe:
- Nennwert: 1.000 €
- Kupon: 4,5 % p.a.
- Laufzeit: 10 Jahre
Sie erhalten jedes Jahr 45 € Zinsen. In Deutschland (und Österreich) werden Kapitalerträge mit 25 % Abgeltungsteuer (bzw. KESt) besteuert — also 11,25 € pro Jahr. Netto verbleiben Ihnen 33,75 € jährlich, über 10 Jahre summiert rund 337,50 €.
Das entspricht einer Nettorendite von ca. 3,375 % p.a. — vorausgesetzt, Sie kaufen die Anleihe zu pari (also genau zum Nennwert von 100 %) und halten sie bis zur Fälligkeit. Kaufen Sie über oder unter pari, verändert sich die tatsächliche Rendite. Mehr dazu in Folge 15 — Der Kurs einer Anleihe.
Wer gezielt in Anleihen investieren möchte, findet bei CapTrader einen der breitesten Anleihen-Zugänge unter den in Deutschland verfügbaren Brokern. Eine vollständige Übersicht finden Sie in unserem Depotkonto-Vergleichsrechner.
Die Anleihen-Serie im Überblick
- Folge 12 — Was ist eine Anleihe?
- Folge 13 — Wie kaufe ich eine Anleihe?
- Folge 14 — Der Anleihenzinssatz (diese Folge)
- Folge 15 — Der Kurs einer Anleihe
- Folge 16 — Stückzinsen
- Folge 17 — Die Rendite einer Anleihe berechnen
- Folge 18 — Sonderformen von Anleihen
- Folge 19 — Die ultimative Anleihen-Zusammenfassung




