Zuletzt aktualisiert: April 2026
Vor allem in unruhigen Zeiten fehlt er bei keiner Börsenmeldung: der Goldpreis. Aber auch sonst spielt der Goldpreis eine zentrale Rolle in unserem Finanzsystem und sollte daher auch vom Kleinanleger verstanden werden. Deshalb behandeln wir, nach Folge 35 – Gold – Zahlen, Fakten & more, nun den Goldkurs.
Die Feinunze
Der Goldpreis wird je Feinunze angegeben. Die Feinunze wird außerdem noch für eine Reihe von anderen Edelmetallen wie z.B. Silber oder Platin verwendet.
Eine Feinunze wiegt genau 31,1034768 Gramm. Wichtig ist, dass hier nur der wirkliche Goldanteil gemessen wird. Bei einer 10-Gramm-Münze, die aus 10 % Gold besteht, sind dies eben nur 1 Gramm Gold.
Gold und Währung
Gegen Ende des zweiten Weltkrieges einigten sich die Vertreter der wichtigsten Staaten im sogenannten Bretton-Woods-System, den US-Dollar als Weltleitwährung einzusetzen. Es wurden fixe Wechselkurse zwischen US-Dollar und anderen Währungen festgesetzt.
Weiters wurde vereinbart, dass die USA US-Dollar jederzeit gegen Gold tauschen würden. Als erstes Tauschverhältnis wurden am 22. April 1944 35 US-Dollar je Feinunze Gold fixiert. Auch wenn der Goldstandard seit 1971 nicht mehr existiert, notiert Gold auch heute noch in US-Dollar. Mit einem Kauf von Gold geht somit ein zusätzliches Währungsschwankungsrisiko einher, wenn in Ihrem Land nicht mit US-Dollar bezahlt wird.
Gold und Inflation
Gold wird gerne als Inflationsschutz gesehen. Der Grund liegt daran, dass Gold nicht gedruckt werden kann, es kann also im Gegensatz zu Geld nicht unendlich vermehrt werden.
Gibt es z.B. 5 Geldscheine und 5 Goldmünzen, wollen Sie für jede Goldmünze einen Geldschein. Druckt jetzt aber eine Zentralbank weitere 5 Geldscheine, wollen Sie als Goldmünzenbesitzer jetzt 2 Geldscheine (vielleicht sogar noch mehr), da Sie Ihren Anteil am Gesamtvermögen beibehalten wollen. Und genau dadurch ist man durch den Besitz von Gold – so sagt es die Theorie – von einer anstehenden Inflation geschützt.
In der Praxis funktioniert dieser Schutz über lange Zeiträume gut, kurzfristig kann Gold aber auch in Inflationsphasen stark schwanken. Als Ergänzung zu einem breit gestreuten Portfolio hat sich Gold jedoch als verlässlicher Baustein gegen Kaufkraftverluste bewährt.
Wer bestimmt den Goldpreis?
Der Kurs von fast allen Aktien, Anleihen und bedeutenden Rohstoffen wird fortlaufend durch Angebot und Nachfrage ermittelt. Dies ist auch beim Goldpreis nicht anders, allerdings gibt es zusätzlich zum laufenden Handel ein zweimal täglich ermitteltes Referenzpreis-Fixing – den sogenannten LBMA Gold Price (früher bekannt als London Gold Fixing).
Dieser Referenzpreis wird täglich um 10:30 und 15:00 Uhr Londoner Zeit von der London Bullion Market Association elektronisch ermittelt und dient weltweit als offizielle Preisreferenz für Kontrakte, Fonds und Zentralbankgeschäfte.
Wer beeinflusst den Goldpreis?
Primär wird der Goldpreis wie jeder andere Preis in unserem kapitalistischen System durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. Steigt das Angebot bei gleichbleibender Nachfrage, sinkt der Goldpreis, und umgekehrt.
Natürlich lassen sich sowohl Angebot als auch Nachfrage beeinflussen. Wie Sie aus unserem Artikel „Gold – Zahlen, Fakten & more“ wissen, kommt der Großteil des jährlichen Goldangebotes aus Minen (rund 3.600 Tonnen) und Recycling (rund 1.300 Tonnen). Jene Unternehmen, welche die Minen betreiben, können die Produktion drosseln bzw. erhöhen und haben dadurch einen direkten Einfluss auf den Goldpreis.
Besonders wichtig sind jedoch die Zentralbanken. Lange Zeit galten sie als stabilisierende Kraft – sie verkauften in ruhigen Marktphasen Gold und kauften in Krisenzeiten zu. Seit 2010 hat sich dieses Bild jedoch fundamental gewandelt: Die globalen Notenbanken sind zu konsequenten Netto-Käufern geworden. Seit 2022 erwerben sie sogar mehr als 1.000 Tonnen Gold pro Jahr – Mengen, die zuletzt in den 1960er Jahren gesehen wurden. Angeführt wird diese Entwicklung von Schwellenländern wie China, Indien, Türkei und Polen, die ihre Dollar-Reserven systematisch durch Gold ersetzen wollen.
Diese strukturelle Nachfrage ist einer der Hauptgründe, warum der Goldpreis in den letzten Jahren derart stark gestiegen ist.
Historischer Goldpreis und aktuelle Entwicklung
Die Entwicklung des Goldpreises seit dem Ende des Goldstandards 1971 ist beeindruckend: Von rund 35 US-Dollar pro Feinunze stieg der Preis bis Anfang 1980 auf ein damaliges Allzeithoch von knapp 850 US-Dollar, getrieben von Ölkrise und Stagflation. Es folgten zwei Jahrzehnte Seitwärtsbewegung auf niedrigerem Niveau, bevor ab 2001 eine neue Rallye einsetzte.
Während der Finanzkrise 2008 und der Euro-Schuldenkrise stieg der Goldpreis 2011 auf rund 1.900 US-Dollar. Nach einer Konsolidierungsphase zwischen 2013 und 2018 begann ab 2019 der bis heute andauernde Aufwärtstrend. Allein zwischen 2022 und Anfang 2026 hat sich der Goldpreis mehr als verdoppelt – im April 2026 notiert er bei rund 4.700 US-Dollar bzw. 4.050 Euro pro Feinunze.
Mehr Details zu den einzelnen historischen Phasen finden Sie in unserem Beitrag Historischer Goldpreis.
Gold gilt traditionell als Krisenindikator: Löst sich eine Krise, sinkt der Goldpreis tendenziell. Flammt eine neue Krise auf, geht es wieder nach oben. Die jüngste Preisentwicklung ist allerdings nicht nur krisengetrieben – sie wird wesentlich von den bereits erwähnten Zentralbankkäufen mitbestimmt, die strukturell und langfristig angelegt sind. Ob sich der Aufwärtstrend fortsetzt, hängt wesentlich davon ab, wie lange diese Käufe anhalten und wie sich geopolitische Spannungen sowie die Realzinsen entwickeln.
Weiter geht’s mit Folge 37 – Die Rendite von Gold.
Eine Übersicht und weitere Folgen zum Thema Gold finden Sie hier:
- Folge 45 – Die ultimative Gold Zusammenfassung
- Folge 35 – Gold – Zahlen, Fakten & more
- Folge 38 – Wie Gold kaufen?
- Historischer Goldpreis


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