Zuletzt aktualisiert: April 2026
In diesem Beitrag fassen wir unser Finanzwissen zum Thema Gold zusammen und geben Ihnen einen schnellen Überblick über diese besondere Anlageklasse. Anders als Aktien oder Anleihen zahlt Gold weder Zinsen noch Dividenden – seinen Wert bezieht es allein aus der Knappheit des Materials und dem Vertrauen, das Anleger und Notenbanken ihm seit Jahrtausenden entgegenbringen.
Gold – Facts & Figures
Das Edelmetall Gold ist ein Gut, welches nicht beliebig vermehrbar ist. Weltweit gibt es nach Schätzungen des World Gold Council rund 213.000 Tonnen Gold (Stand Ende 2024). Die Aufteilung dieses Bestands sieht ungefähr so aus: Etwa die Hälfte wurde zu Schmuck verarbeitet, rund 22 % liegt in Form von Münzen und Barren in privaten Händen, weitere 17 % befinden sich in den Tresoren der Zentralbanken, und der Rest verteilt sich auf Technologie, ETFs und andere Verwendungen.
Pro Jahr werden weltweit etwa 3.600 Tonnen Gold neu gefördert; hinzu kommen rund 1.300 Tonnen aus Recycling. Anders als oft angenommen, geht nur ein vergleichsweise kleiner Anteil der jährlichen Nachfrage in die Industrie: Etwa 7 % entfallen auf Technologie (Elektronik, Zahnmedizin, Medizintechnik), während Schmuck rund 46 %, private Investments etwa 22 % und Zentralbanken weitere 22 % der jährlichen Goldnachfrage ausmachen. Genau dieses Verhältnis erklärt, warum Goldpreise so empfindlich auf Stimmungs- und Vertrauenssignale reagieren – die Investmentnachfrage dominiert das Preisgeschehen, nicht der industrielle Verbrauch.
Mehr dazu gibt’s hier: Folge 35 – Gold – Zahlen, Fakten & More
Der Goldpreis
Wie überall auf freien Märkten kommt auch der Goldpreis durch Angebot und Nachfrage zustande. Wenn vom Goldpreis gesprochen wird, meint man meistens das sogenannte Goldfixing, welches zweimal pro Tag in London ermittelt wird.
In der Geschichte hat sich Gold immer wieder als inflationssicher herausgestellt und gerade in Krisenzeiten wurde es nicht wertlos, sondern gewann sehr stark an Wert. Der Goldpreis liegt im April 2026 bei rund 4.700 US-Dollar bzw. 4.050 Euro pro Feinunze – nur wenige Prozent unter seinem Allzeithoch von Anfang 2026 und damit höher als jemals zuvor in der Geschichte. Allein im Jahr 2025 ist der Goldpreis um über 60 % gestiegen, getrieben von massiven Käufen der Zentralbanken (mehr als 1.000 Tonnen pro Jahr seit 2022), eskalierenden geopolitischen Konflikten, Sorgen vor anhaltender Inflation und Erwartungen sinkender Realzinsen.
Was diese Rallye besonders macht: Sie wurde nicht primär von westlichen Privatanlegern getragen, sondern von Notenbanken in Schwellenländern – allen voran China, Indien, Türkei und Polen – die ihre Dollar-Reserven systematisch durch Gold ersetzen. Dahinter steht ein strategisches Motiv, das über klassische Anlageüberlegungen hinausgeht: die Reduktion der Abhängigkeit vom US-Dollar als globaler Reservewährung.
Mehr zum Goldpreis gibt’s hier: Folge 36 – Der Goldpreis und in unserem Überblick Historischer Goldpreis.
Die Rendite von Gold
Wer in physisches Gold investiert – also in Münzen oder Barren – muss nicht nur ein Auge auf den Goldpreis werfen, sondern auch eines auf den Euro-Dollar-Kurs. Dies resultiert daraus, dass Gold weltweit in US-Dollar gehandelt wird. So kann es durchaus passieren, dass der Goldpreis zwar um 10 % steigt – Sie also glauben, dass Sie nun einen Gewinn gemacht haben – allerdings ist in derselben Zeit auch der Eurokurs um 15 % gestiegen. Also haben Sie in Euro sogar einen Verlust gemacht. Umgekehrt kann ein schwächerer Euro die Goldrendite für europäische Anleger deutlich verstärken, wie es 2022 nach Beginn des Ukraine-Kriegs der Fall war.
Nähere Erläuterungen und ein Excel-Rechentool gibt’s hier: Folge 37 – Die Rendite von Gold
Wie Gold kaufen? Die drei Varianten im Vergleich
Grundsätzlich haben Sie drei Möglichkeiten, in Gold zu investieren: physisches Gold, physisch hinterlegte Gold-ETCs und Buchgold in Form von Derivaten. Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
| Kriterium | Physisches Gold | Gold-ETCs (Xetra-Gold, EUWAX Gold II) | Gold-Derivate (Zertifikate) |
|---|---|---|---|
| Was Sie besitzen | Echte Münzen oder Barren | Wertpapier mit physischer Hinterlegung | Schuldverschreibung des Emittenten |
| Aufschlag beim Kauf | 2–7 % je nach Stückelung | 0,1–0,3 % (Spread) | variabel, oft versteckt |
| Laufende Kosten | Lagerung / Schließfach | 0,2–0,4 % pro Jahr | meist keine |
| Lagerung | Zuhause oder Bankschließfach | Im Depot | Im Depot |
| Handelbarkeit | eingeschränkt, physischer Transport | börsentäglich in Sekunden | börsentäglich in Sekunden |
| Insolvenzrisiko Emittent | keins | gering (physisch hinterlegt) | hoch (Totalverlust möglich) |
| Physische Auslieferung | entfällt | ja (je nach ETC) | nein |
| Steuer nach 1 Jahr Haltedauer | steuerfrei | steuerfrei (bei Lieferanspruch) | Abgeltungssteuer |
| Sinnvoll für | Krisenschutz, langfristiges Halten | meisten Privatanleger, Portfolio-Baustein | kurzfristige Spekulation |
Physisches Gold ist die klassische Variante für alle, die das Edelmetall tatsächlich in der Hand halten wollen. Sie zahlen einen Aufschlag beim Kauf und einen Abschlag beim Verkauf, sparen sich aber laufende Gebühren. Gerade in Krisenzeiten empfinden viele Anleger es als beruhigend, echtes Gold zu besitzen.
Physisch hinterlegte Gold-ETCs wie Xetra-Gold oder EUWAX Gold II sind für die meisten Privatanleger der einfachste und kostenschonendste Weg, Gold ins Portfolio aufzunehmen. Sie kaufen ein börsengehandeltes Wertpapier über Ihren Broker und haben die gleiche Preisentwicklung wie bei physischem Gold – ohne den Aufwand der Lagerung.
Klassische Gold-Zertifikate sind reine Derivate und im Insolvenzfall des Emittenten von Totalverlust bedroht. Für die meisten Privatanleger sind sie die unattraktivste Variante.
Mehr dazu gibt’s hier: Folge 38 – Wie Gold kaufen?
Steuerliche Behandlung – ein wichtiger Vorteil von Gold
Ein oft übersehener Punkt: Physisches Anlagegold ist in Deutschland und Österreich beim Kauf von der Mehrwertsteuer befreit, und Kursgewinne aus dem Verkauf sind nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr komplett steuerfrei. Das ist ein erheblicher Vorteil gegenüber Aktien und Fonds, die mit der Abgeltungssteuer belegt werden.
Bei Gold-ETCs kommt es auf die rechtliche Konstruktion an. Xetra-Gold und EUWAX Gold II sind so gestaltet, dass sie als Schuldverschreibungen mit physischem Lieferanspruch gelten – Gewinne sind nach einem Jahr Haltedauer ebenfalls steuerfrei. Bei manchen anderen Gold-ETCs ohne Lieferanspruch gilt dieser Vorteil nicht. Vor dem Kauf lohnt sich daher ein kurzer Blick ins Wertpapier-Datenblatt oder ein Gespräch mit dem Steuerberater.
Gold im Portfolio – wie viel ist sinnvoll?
Gold ist kein Renditemotor wie Aktien, sondern in erster Linie ein Diversifikator und Krisenschutz. Über sehr lange Zeiträume hinweg liegen Aktienrenditen deutlich über denen von Gold. Wer Gold ins Portfolio aufnimmt, sollte das nicht in der Erwartung tun, damit reich zu werden, sondern um sein Vermögen gegen extreme Szenarien wie Hyperinflation, Währungskrisen oder geopolitische Schocks abzusichern.
Eine in der Praxis bewährte Größenordnung liegt bei 5 bis 10 Prozent des Gesamtvermögens. Wer deutlich mehr in Gold investiert, geht das Risiko ein, in Phasen steigender Aktienmärkte stark zurückzubleiben – wer deutlich weniger hält, hat in Krisen kaum spürbaren Schutz. Wichtig ist außerdem ein regelmäßiges Rebalancing: Wenn Gold wie in den letzten Jahren stark gestiegen ist und seinen Anteil am Portfolio überproportional ausweitet, kann es sinnvoll sein, einen Teil zu verkaufen und die Erlöse in Aktien oder Anleihen umzuschichten.
Häufige Fragen zum Thema Gold
Lohnt sich Gold 2026 noch als Investment?
Gold hat sich in den letzten Jahren stark verteuert und notiert aktuell nahe seinem Allzeithoch. Ob es sich „noch lohnt“, hängt von Ihrem Anlagehorizont und Ihren Zielen ab. Als langfristiger Portfolio-Baustein (5 bis 10 %) zur Diversifikation bleibt Gold sinnvoll, unabhängig vom aktuellen Preisniveau. Als kurzfristiges Spekulationsobjekt nach einer 60-Prozent-Rallye ist das Risiko eines Rücksetzers dagegen real.
Xetra-Gold oder physisches Gold – was ist besser?
Für die meisten Privatanleger ist Xetra-Gold die praktischere Wahl: niedrigere Kosten, tägliche Handelbarkeit, steuerfrei nach einem Jahr Haltedauer und im Notfall sogar ein Anspruch auf physische Auslieferung. Physisches Gold ist sinnvoll, wenn Sie das Edelmetall als Krisenreserve außerhalb des Finanzsystems halten möchten.
Wie viel Gold sollte man im Portfolio haben?
Die in der Praxis etablierte Faustregel liegt bei 5 bis 10 Prozent des Gesamtvermögens. Weniger bietet kaum Schutz, mehr bremst die Gesamtrendite in normalen Marktphasen aus.
Ist der Verkauf von Gold in Deutschland steuerfrei?
Ja, bei physischem Anlagegold sind Gewinne nach einer Mindesthaltedauer von einem Jahr komplett steuerfrei – unabhängig von der Höhe. Bei physisch hinterlegten Gold-ETCs wie Xetra-Gold gilt dieselbe Regel, sofern ein Lieferanspruch besteht. Für Österreich gilt eine vergleichbare Regelung.
Warum steigt der Goldpreis seit 2022 so stark?
Die Rallye wird hauptsächlich von Zentralbankkäufen aus Schwellenländern wie China, Indien, Türkei und Polen getrieben, die ihre Dollar-Reserven durch Gold ersetzen. Hinzu kommen geopolitische Konflikte, anhaltende Inflationssorgen und Erwartungen sinkender Realzinsen. Westliche Privatanleger haben das Rennen lange verpasst und sind erst in den letzten Monaten stärker eingestiegen.
Bekomme ich bei einem Gold-ETC tatsächlich Gold ausgeliefert?
Bei Xetra-Gold und EUWAX Gold II ist das rechtlich möglich – die ETCs sind vollständig mit physischem Gold hinterlegt und Sie können Auslieferung verlangen. In der Praxis ist das aber mit erheblichen Gebühren und Mindestmengen verbunden. Für die meisten Anleger bleibt das ein theoretischer Anspruch, der aber wichtig für die rechtliche Konstruktion (und damit die Steuerbefreiung) ist.


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