Folge 52 – Was ist ein (Investment)Fonds? (Fonds #1) – mit Video

Posted by
Folge 52 – Was ist ein (Investment)Fonds? (Fonds #1) – mit Video

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Mit dieser Folge beginnt eine Serie von 29 Beiträgen, die das Thema Fonds systematisch durchleuchtet. Für die ganz eilige Leserin empfehlen wir direkt den Sprung zur Folge 80 – Die ultimative Fonds-Zusammenfassung, die alle Kernaussagen in einem Artikel bündelt. Wer es gründlich mag, liest die Serie der Reihe nach – und beginnt hier, bei der grundlegendsten Frage: Was ist eigentlich ein Fonds?

Fonds: der gemeinsame Topf

Das Wort „Fonds“ – übrigens französischen Ursprungs, das „s“ am Ende bleibt im Singular stumm – bezeichnet im Wortsinn schlicht einen Kapitalstock, der zu einem bestimmten Zweck zusammengelegt wurde. In der Finanzwelt ist ein Fonds ein gemeinsamer Topf, in den viele Anleger einzahlen und dafür Anteile erhalten. Eine Fondsgesellschaft – also ein professionelles Finanzunternehmen – verwaltet diesen Topf und investiert das gesammelte Kapital in Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffe.

Jeder Anleger hält damit einen proportionalen Anteil am Gesamtportfolio und trägt einen entsprechenden Teil der Wertentwicklung. Erwirtschaftet der Fonds Gewinne aus Kursveränderungen, Dividenden oder Zinsen, kommen diese – nach Abzug der Kosten – den Anlegern zugute. Erleidet der Fonds Verluste, betreffen diese ebenfalls alle Anteilseigner proportional.

Entscheidend für das Verständnis ist der rechtliche Status: Das Fondsvermögen ist gesetzlich geregeltes Sondervermögen. Das bedeutet, es ist strikt vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt und bleibt auch im Insolvenzfall der Gesellschaft erhalten. Wer Fondsanteile hält, muss sich also nicht vor einer Pleite der verwaltenden Firma fürchten – die Anteile werden im schlimmsten Fall auf eine andere Verwahrstelle übertragen, der Wert bleibt bestehen. Diese Sicherheit gilt für klassische aktive Fonds ebenso wie für ETFs.

Warum gibt es Fonds überhaupt?

Fonds sind keine moderne Erfindung. Der älteste heute noch existierende US-Publikumsfonds ist der Pioneer Fund, aufgelegt am 13. Februar 1928 – mittlerweile über 98 Jahre alt und damit fast so betagt wie die moderne Finanzstatistik selbst. Heute wird der Fonds unter dem Dach der Amundi-Gruppe geführt, hat mehrere Fusionen und Umfirmierungen überstanden und ist ein lebendes Stück Börsengeschichte. In Europa geht die Fonds-Tradition ähnlich weit zurück: Die Niederlande gelten mit dem Eendragt Maakt Magt-Fonds von 1774 sogar als Geburtsort des modernen Investmentfonds überhaupt.

Mehr zum Thema  "The 3 Things" und der Wert von Veränderung

Warum wurden Fonds erfunden? Der Grund ist heute so gültig wie vor zwei Jahrhunderten: Diversifikation mit wenig Kapital. Ein einzelner Kleinanleger, der mit 3.000 Euro ein diversifiziertes Portfolio aufbauen will, stößt schnell an Grenzen. Ein konkretes Beispiel: Unternehmensanleihen werden in Deutschland typischerweise mit einer Nominale von 1.000 Euro gehandelt, manche sogar mit 100.000 Euro. Mit 3.000 Euro Budget könnten Sie also höchstens drei einzelne Anleihen kaufen – und hätten Ihr Kapital damit extrem konzentriert. Fällt eine einzige dieser Anleihen aus, verlieren Sie ein Drittel.

Ein Rentenfonds dagegen, der in 200 verschiedene Unternehmensanleihen investiert, lässt Sie bereits mit einem einzelnen Fondsanteil an 200 Schuldnern gleichzeitig beteiligt sein. Der Ausfall eines einzelnen Unternehmens bedeutet dann nicht mehr ein Drittel Verlust, sondern nur einen Bruchteil eines Prozents. Das ist die wahre Leistung der Fonds-Konstruktion: Sie macht Kleinanlegern eine Streuung zugänglich, die sonst nur institutionellen Investoren vorbehalten wäre. Mehr zum Prinzip der Streuung in Folge 46 – Was bedeutet eigentlich Diversifizierung?

Ein zweiter, historisch wichtiger Grund war der Zugang zu professionellem Management. Dieses Argument war im 20. Jahrhundert stark – die Idee, dass ein erfahrener Fondsmanager bessere Entscheidungen trifft als der Laie, klang überzeugend und war gegen Gebühr zu haben. In der Nachkriegszeit war das Modell des aktiv verwalteten Fonds der Standard. Inzwischen hat die empirische Forschung dieses Argument stark relativiert, aber dazu kommen wir in späteren Folgen der Serie.

Was macht ein Fondsmanager eigentlich?

Ein klassischer, aktiv gemanagter Fonds beschäftigt ein Team aus Analysten und Portfoliomanagern, die nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, welche Wertpapiere gekauft, gehalten oder verkauft werden. Die Strategie ist im Verkaufsprospekt des Fonds festgeschrieben: Ein europäischer Aktienfonds darf nur europäische Aktien kaufen, ein globaler Rentenfonds nur Anleihen, ein Technologie-Fonds nur Aktien aus der IT-Branche. Innerhalb dieses Rahmens hat das Management die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen.

Für diese Arbeit verlangt die Fondsgesellschaft eine jährliche Gebühr, die als Prozentsatz des verwalteten Vermögens ausgedrückt wird – die sogenannte Total Expense Ratio (TER). Aktiv gemanagte Aktienfonds liegen typischerweise bei 1,2 bis 2,0 Prozent pro Jahr, Rentenfonds bei 0,5 bis 1,5 Prozent. Diese Zahl klingt klein, hat über lange Anlagezeiträume aber einen enormen Einfluss auf die Endrendite – eine Rechnung, die wir in späteren Folgen ausführlich durchgehen.

Mehr zum Thema  Bester Forex Broker - So gelingt der Einstieg ins Forex Trading

Dem gegenüber stehen passiv verwaltete Fonds, vor allem die heute dominanten Exchange Traded Funds (ETFs). Sie treffen keine aktiven Entscheidungen, sondern bilden mechanisch einen vorgegebenen Index nach – etwa den MSCI World oder den DAX. Ihre laufenden Kosten liegen deshalb bei einem Bruchteil eines aktiven Fonds, oft zwischen 0,07 und 0,30 Prozent jährlich. Die Unterscheidung zwischen aktiv und passiv ist heute die wichtigste im gesamten Fonds-Universum und wird uns in Folge 67 noch ausführlich beschäftigen.

Wie kommt der Anleger an sein Geld?

Ein wichtiger Punkt, den Einsteiger oft nicht sofort sehen: Ein Fondsanteil ist kein verbriefter Anspruch auf eine feste Auszahlung, sondern ein Anteil am fluktuierenden Fondsvermögen. Sein Wert – der Nettoinventarwert oder Net Asset Value (NAV) – wird einmal täglich nach Börsenschluss berechnet, indem der aktuelle Marktwert aller im Fonds enthaltenen Wertpapiere ermittelt und durch die Zahl der ausgegebenen Anteile geteilt wird.

Wer einen klassischen offenen Fonds verkaufen will, gibt den Auftrag bei seinem Broker oder direkt bei der Fondsgesellschaft auf. Die Rücknahme erfolgt dann zum Nettoinventarwert des nächsten Berechnungstags. ETFs funktionieren anders: Sie werden wie Aktien laufend über die Börse gehandelt, der Anleger kann also jederzeit während der Handelszeit kaufen und verkaufen – zu einem Kurs, der sich am aktuellen Nettoinventarwert orientiert, aber minütlich schwankt.

Wohin danach?

Dieser Artikel hat geklärt, was ein Fonds grundsätzlich ist, warum es ihn gibt und wie die grobe Mechanik funktioniert. In den nächsten Folgen der Serie vertiefen wir die einzelnen Bausteine: Folge 53 widmet sich der Rendite und den Kosten, Folge 54 den Vor- und Nachteilen, und Folge 55 führt durch die verschiedenen Fondsarten – von Aktienfonds über Rentenfonds bis zu Ethik- und Absolute-Return-Fonds. Wer sich fragt, wo und wie man am Ende einen Fonds tatsächlich kauft, findet die praktische Antwort in Folge 79 oder direkt in unserem Depotkonto-Vergleichsrechner.

Mehr zum Thema  Folge 78 - Wie finde ich den richtigen Fonds (Teil 2) (Fonds #27)

Fonds einfach erklärt (by explainity)

FAQ

Warum heißt es „der Fonds“ und nicht „der Fond“?
Das Wort stammt aus dem Französischen („fonds“ = Grund, Vermögen) und behält seine französische Schreibweise bei. Im Deutschen wird das „s“ im Singular nicht ausgesprochen – „der Fonds“ und „die Fonds“ sehen gleich aus, werden aber nur im Plural mit S gesprochen.

Ab welchem Betrag kann ich in einen Fonds investieren?
Ein einzelner Fondsanteil kostet je nach Fonds zwischen wenigen Euro und mehreren Hundert Euro. Über Sparpläne bei modernen Brokern können Sie bereits ab einem Euro monatlich einzahlen – viele ETFs sind in dieser Form ohne Mindestbetrag besparbar. Die Zeiten, in denen mehrere Tausend Euro nötig waren, um überhaupt einsteigen zu können, sind vorbei.

Sind meine Fondsanteile sicher, wenn die Fondsgesellschaft pleite geht?
Ja. Fondsvermögen ist gesetzlich vorgeschriebenes Sondervermögen und wird getrennt vom Firmenvermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Im Insolvenzfall der Gesellschaft werden die Anteile auf eine andere Verwahrstelle übertragen, der Wert bleibt bestehen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Fonds und einem ETF?
Ein ETF ist ein spezieller Typ Fonds – nämlich ein Fonds, der an der Börse gehandelt wird und meist passiv einen Index nachbildet. Alle ETFs sind Fonds, aber nicht alle Fonds sind ETFs. Mehr zu ETFs in Folge 69 der Serie.

Wer passt auf, dass die Fondsgesellschaft ehrlich wirtschaftet?
In Deutschland die BaFin, in Österreich die FMA, auf EU-Ebene ergänzend die ESMA. Fondsgesellschaften brauchen eine Lizenz, legen jährliche geprüfte Berichte vor und unterliegen laufender Aufsicht. Das ersetzt keine eigene Sorgfalt bei der Fondsauswahl, gibt aber einen belastbaren regulatorischen Rahmen.

Weiterführende Links

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenbankfehler

Fehler beim Aufbau einer Datenbankverbindung