Wirtschaft ohne Menschen

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Wirtschaft ohne Menschen

Einen Lockdown wollen wir nie wieder erleben. Und erst recht nicht seine (wirtschaftlichen) Folgen. Kurzarbeit, die über Jahre geht, hohe Unsicherheit, ob man überhaupt noch einen Job und eine Lebensgrundlage hat, Ängste, ob sich die Wirtschaft weltweit tatsächlich erholen wird. Erschreckende Produktmängel und Gesundheitsgefahren in vielen Branchen (Fleisch, Textilien), weil bei der Produktion die Arbeitskosten minimal niedrig gehalten werden. Und bei der Angst vieler Menschen, dass alle Jobs mit geringen bis mittleren Wissensanforderungen ohnehin bald schon von Künstlicher Intelligenz vollkommen übernommen und menschliche Arbeitsplätze einfach „wegrationalisiert“ werden könnten, kommt man nicht herum, sich zumindest gedanklich doch einmal mit dem Thema Industrie 4.0 auseinanderzusetzen. Das tun wir hiermit.

Was bedeutet Industrie 4.0?

Hier beginnt bereits das erste Problem: Was ist Industrie 4.0 überhaupt? Nun, das Wort gibt es so nur in Deutschland. Und wir sind uns hierzulande auch nicht ganz einig, was wir eigentlich genau damit meinen. Die einen meinen allein sogenannte Smart Factories, die miteinander vernetzt völlig autonom produzieren. Für andere gehört alles dazu, von selbstfahrenden Autos bis hin zu autonom arbeitenden Zustellsystemen und eine Bürgerverwaltung über Blockchain. Dazwischen gibt es eine Menge, die ein wenig vom Einen und ein wenig vom Anderen zusammenmischen für ihre persönlichen Vorstellungen von „Zukunft“. Und die dabei auch ein paar Randbereiche wie Smart Technologie oder Internet of Things (der Kühlschrank, der merkt, dass er leer ist und selbständig auf Bestell-Tour geht). Es ist also – gelinde gesagt – alles etwas uneinheitlich.

In vielen anderen Ländern gibt es diesen Begriff gar nicht – und noch nicht einmal das Konzept. In einigen Ländern nennt man das eben Smart Factories, andere haben überhaupt keinen Namen dafür oder bezeichnen das alles schlicht als „Digitalisierung“. Und wieder andere halten sich mit diesen Begrifflichkeiten gar nicht erst auf, sondern machen einfach. So etwas bringt dann wenigstens Ergebnisse.

Wie weit sind wir auf diesem Weg schon gekommen?

Bei der Frage des „Wir“ muss man ebenfalls zunächst einmal stark differenzieren, wer mit „Wir“ gemeint ist. Sieht man dieses „Wir“ als ein „Wir, hierzulande“, dann lautet die Antwort: „Noch nicht so weit“.

In einem Land, wo man die Namen von Testpersonen für Corona-Tests noch auf Zetteln notiert, dann die Schrift nicht mehr lesen kann und nach Wochen draufkommt, dass man ziemlich vielen Infizierten den Umstand ihrer Infektion nun eben nicht mitteilen kann. Und den anderen auch nicht vor dem Ende ihrer Krankheit oder ihrem Ableben, sind wir von den allgemeinen Vorstellungen der Industrie 4.0 ungefähr so weit entfernt wie ein römischer Katapult-Ingenieur von der Atombombe. Und dort, wo eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen bereits mit Online-Banking (oder allein der Idee davon) heillos überfordert ist oder ein Prozentsatz von fast 15 % deutscher Unternehmer noch 2018 angibt, dass man das Internet vielleicht doch besser wieder abschaffen sollte, weil das alles viel zu kompliziert macht (kein Scherz, sondern das Ergebnis einer ernstgemeinten Studie) ist Digitalisierung im Alltag noch nicht wirklich angekommen. Angesichts der doch eher drögen Realität sollte man sich mit feuchten Träumen über eine vollautomatisierte Zukunft vielleicht doch eher etwas zurückhalten und sich lieber einmal nach etwas besser um die grundlegenden Dinge kümmern. (Als Zukunftsauftrag neben flächendeckend Wasser und Seife in Schulen vielleicht auch mit digitalen Lehrmitteln und IT-Unterricht).

In einigen anderen Ländern der Welt sieht es nicht ganz so erbärmlich aus. China hat etwa einen klaren Plan für eine Veränderung seiner Wirtschaftsstruktur hin zu einer globalen Industriemacht. Unter starker Weiterentwicklung seiner Automatisierungskapazitäten im Produktionsbereich. Entsprechende Vorbereitungs-Arbeiten stehen schon seit 2015 im Fünfjahresplan. Insgesamt geht es bei der Strategie „Made in China 2025“ um zehn Schlüsselindustrien und auch eine Reihe von strategischen Zielen. Die Automatisierunsgziele sind ambitioniert (aufgrund der Masse der Industrien), mit heutigen Mitteln und vorhandenen Technologien aber ohne große Probleme umsetzbar. Ökologische Ziele und Green Manufacturing hat man dabei übrigens gleich als eigene Strategie mit integriert.

Die japanische IVI (Industrial Value Chain Initiative) sieht ebenfalls einen konkreten Plan vor, Automatisierungsziele zumindest in der industriellen Produktion zu entwickeln. Südkorea investiert derweil eine Menge Geld in den Aufbau von Smart Factories.

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In den meisten europäischen Ländern begnügt man sich damit, irgendwelche „Plattformen“ zu schaffen, wo man sich über das „könnte“ und „würde“ die Köpfe heißredet, wie etwa bei der französischen „Industrie du futur“. Unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit (weil uninteressiert), versteht sich.

Das Potenzial von Industrie 4.0 Technologien

Nicht erst die Pandemie, aber vor allem sie, hat uns gezeigt, dass komplexe globale Lieferketten nicht immer das Gelbe vom Ei sind. Bei Transportwegen rund um den halben Erdball kann es vorkommen, dass man Dinge plötzlich nicht mehr bekommt. Wenn irgendwo ein Krieg ausbricht, dann auch nicht.

Man muss sich vor Augen führen, dass es diese komplexen globalen Lieferwege ja überhaupt nur deshalb gibt, weil Arbeitskraft in irgendwelchen Ländern nun eben billiger ist als hier. Zudem sind die Sozialstandards und auch die Sicherheitsstandards bei der Produktion niedriger, und die Produktion damit insgesamt günstiger. Das ist der einzige Grund für dieses hochkomplexe Herumgeschippere. Es geht am Ende der Geschichte allein um billige Arbeitskräfte (und der Vermeidung von Schäden am eigenen Land beim Einsatz von Billigstproduktionsmethoden).

Auch in vielen heimischen Produktionsbereichen, wie in der gesamten Fleischbranche, liegen die Probleme weitestgehend bei den Arbeitskosten. Produktion muss billig sein, effizient. Und wenn dafür Arbeitssklaven aus aller Herren Länder schuften müssen, ist das eben der einzig mögliche Weg. Und vernünftige Tierhaltung ist einfach zu teuer. Da beides am Endergebnis für die Konsumenten nicht wirklich ersichtlich ist (und damit mit höheren Preisen honoriert wird) – ist das auch schlicht unwichtig. Es zählt einfach nicht. Was zählt, sind die Produktionskosten und die Gewinnmargen. Einsatz von Hightech erfolgt nur, wenn es die Kosten senkt und Qualitätsverbesserungen erfolgen nur, wenn man dafür höhere Margen erzielen kann.

Würde dieser Aspekt der Produktion mal eben wegfallen (am Ende ist es ja nahezu egal, ob eine autonom arbeitende Fabrik im Schwarzwald oder in Vietnam steht) ist dieser, die Weltwirtschaft weitgehend bestimmende Faktor völlig ausgeschaltet. Es wäre mehr Subsistenz möglich. Die Fabrik aus Vietnam kann man dann genauso gut in den Schwarzwald stellen. Lieferwege würden sich für die meisten Produkte drastisch verkürzen und damit auch beschleunigen, was wiederum dem Absatz zugute käme.

Heutige „Billiglohnländer“ (im Grunde ganz Asien mit mehreren Milliarden Menschen) hätten plötzlich die gleichen Chancen wie jedes westliche Industrieland auch. Jedes Land könnte sich selbst und seine Bevölkerung ausreichend und nach eigenen Maßstäben versorgen. Wohlstand wäre dann mehr eine Frage vom geschickten Einsatz von Industrien und vom Konsum. In traditionell bevölkerungsreichen Ländern sicherlich kein Problem. Der Aufbau solcher Industrien kann in einer weltweiten Anstrengung auch wirtschaftlich gerecht über die Zurverfügungstellung von entsprechenden Kreditmitteln an alle Länder erfolgen. Da der Absatz im Land immer sichergestellt ist, können diese Kredite auch später problemlos bedient werden. Das erscheint fair und gerecht.

Es würde nicht mehr um harte Konkurrenzkämpfe gehen, welche Staatsregierung die eigenen Arbeitssklaven am billigsten und unproblematischsten an irgendwelche reichen Industrienationen verhökert. Zum Leiden der Bevölkerung. Jedes Land hätte gleichermaßen das Recht und die Möglichkeit, sich auf das eigene Wohlergehen zu konzentrieren. Durch den Wegfall des ständigen wirtschaftlichen, territorialen und ressourcentechnischen Konkurrenzkampfs der Länder untereinander (wenn man nachhaltig und in Stoffkreisläufen produziert), würde unsere Welt höchstwahrscheinlich auch ein gutes Stück friedlicher werden.

Was machen wir dann den ganzen Tag?

Das ist eine durchaus berechtigte Frage. Immerhin verdienen sehr viele Menschen heute im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot, indem sie irgendwelche Dinge herstellen oder Dienstleistungen erbringen. „Arbeit“ bedeutet ja im Grunde, dass man entweder irgendetwas herstellt und dann möglichst gewinnbringend verkauft, bei der Herstellung von irgendetwas mithilft oder Leistungen für irgendjemanden erbringt, für die man dann stundenweise bezahlt wird. Das sind die Hauptbereiche unserer Wirtschaft, wie schon im Mittelalter. Daran hat sich nichts geändert. Diese Einkommensquellen würden damit weithin nicht mehr existieren.

„Arbeit“ wird es aber trotzdem geben. Irgendjemand muss schließlich auch autonom laufende Systeme warten, überprüfen, reparieren und natürlich auch weiterentwickeln. Das Ausmaß an Arbeit wird sicherlich kleiner sein als heute, wenn man nicht mehr alles selbst herstellt. Und „Arbeit“ wird dann einige Fähigkeiten verlangen, die die meisten wohl heute noch nicht besitzen. Man wird außerdem für „Arbeit“ überwiegend seinen Kopf anstrengen müssen, anstatt stumpfsinnig Ziegel aufeinander zu schlichten, Regale einzuräumen oder einen Bus jeden Tag über die gleiche Route zu fahren. Das scheint einer ganzen Reihe von Menschen eher nicht zu gefallen. Hinter Arbeit stehen dann vermutlich auch völlig andere Werte – sich völlig übermüdet und lustlos irgendwohin zu schleppen und dort mit geistloser Tätigkeit seine tägliche Zeit abzusitzen, wird eher nicht funktionieren.

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Insgesamt werden wohl die Klügeren und die Erfindungsreicheren das Rennen machen. Und die, die bereit sind, gründlich und intensiv nachzudenken und etwas Intelligentes auf die Beine zu stellen. Wir würden uns dann vom biologischen und steinzeitlichen Modell von Macht, Drohung, Unterdrückung und Ausbeutung verabschieden und uns endlich an dem messen, womit uns die Natur im Unterschied zu allen anderen Tieren ausgestattet hat: an unserem Verstand. Auch das könnte einigen nicht schmecken, für die das althergebrachte Steinzeitmodell bisher ganz brauchbar und erfolgreich funktioniert hat.

Eine Welt, die auf irgendwelchen Arten von Unterdrückung und Ausbeutung beruht (seien es Menschen oder natürliche Ressourcen), kann ohnehin nicht nachhaltig sein. Das ist schon ein Widerspruch in der Grundlage.

Ist das nicht langweilig?

Natürlich müssten die meisten wohl erst wieder lernen, sich selbst zu beschäftigen und mit ihrer Zeit etwas Nützliches und Sinnvolles anzufangen. Wie gut man uns das bereits abtrainiert hat, hat die Lockdown-Zeit gezeigt, die weithin geprägt war von aus Langeweile geborenen, völlig dummen Ideen, inneren Unruhegefühlen und Depressionen.

Vielen wird dabei wohl klar geworden sein, dass ihr Leben tatsächlich weitestgehend daraus besteht, sich täglich in die Arbeit zu schleppen, die Kinder anzubrüllen und sich auf die Rente zu freuen. Und bei vielen wird sich wohl das drängende Gefühl breitgemacht haben, dass man mit dem einen kurzen Leben, das man hat, vielleicht doch irgendwie noch etwas Sinnvolleres anstellen sollte.

Vermutlich ist auch das der Grund, warum sich viele Menschen gar nicht so ernsthaft mit dem Investieren auseinandersetzen. Weil man am Ende nämlich gar nicht so genau weiß, was man tatsächlich mit seinem Leben anfangen sollte, wenn man finanziell total unabhängig würde. (Das kann man auch heute sogar in nur zwei bis drei Jahrzehnten problemlos schaffen, wenn man es ernsthaft möchte). Da sorgt man lieber nur ein bisschen vor, um „abgesichert“ zu sein, als sich ein Leben zu verschaffen, indem man wirklich frei bestimmen kann, was man damit anfängt und nimmt das mit der finanziellen Unabhängigkeit nicht so ernst.

Das ist ganz einfach ein Lernprozess, den vermutlich viele durchlaufen werden müssen. Echte Werte zu finden, die es auch wert sind, die befriedigend sind. Und Dinge zu tun, die idealerweise sogar die Welt und die Gesellschaft voranbringen. Das steht im Widerspruch zu unseren evolutionären Prägungen, für den höchstmöglichen Eindruck auf potenzielle Vermehrungspartner zu sorgen, alle vermeintlichen Konkurrenten zu besiegen und die größtmögliche Menge an Macht, Einfluss und Gütern anzuhäufen, um uns „sicher“ fühlen zu können. Aber wir können uns ja auch einmal über das Tierreich erheben und menschlicheren Instinkten folgen. Darin würde auch eine – längst fällige – soziale Evolution stecken. Die Möglichkeit besteht immerhin.

Wovon leben wir dann?

Wenn Menschen ihr Geld nicht mehr dadurch verdienen, dass sie 8 Stunden lang irgendetwas herstellen oder beim Herstellen helfen, wird es natürlich kein Einkommen geben. Dafür muss natürlich ein Ersatz her.

Hier liegt der Gedanke an ein bedingungsloses Grundeinkommen nahe. Entsprechende Versuche (ein Grundeinkommen für 120 ausgewählte Personen über drei Jahre) veranstaltet man nun auch in Deutschland. Auch wenn der Finanzminister der Idee jüngst eine eher schroffe Abfuhr erteilt hat. Seiner Meinung nach wäre das „unfinanzierbar“. Darüber hinaus würden „Werte des Sozialstaats, wie Arbeitslosengeld und Rente gefährdet“. Gerade das zweite Argument erscheint irgendwie ziemlich wirr gestrickt und nicht besonders intelligent. Niemand braucht eine Rente, wenn er ein Grundeinkommen hat. Und Arbeitslosengeld schon gar nicht. Das unterschwellige Motiv der Sozialisten scheint immer noch die abstruse Idee der „Vollbeschäftigung“ (alle voll beschäftigt, in ihrem Leben) zu sein. Es geht aber gar nicht darum, Menschen zu „beschäftigen“ (also beschäftigt zu halten, wie die Kinder im Kindergarten, damit die nicht herumquengeln und aus Langeweile auf komische Ideen kommen). Das hat aber nichts mit einem Wirtschaftssystem zu tun, sondern eher mit kruden Machtfantasien von Staatslenkern.

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Nicht nur Arbeit bringt Brot, sondern auch Brot bringt Brot. Und es gäbe wohl kaum etwas Gerechteres, als das Positiv-Ergebnis aus Wirtschaft und Konsum gleich und gerecht auf alle Bürger einer Volkswirtschaft zu verteilen. Dann stimmt das dauernd wiederholte Credo „Läuft die Wirtschaft gut, verdienen die Menschen gut“ endlich einmal wirklich. (In Deutschland eher Realität: Läuft die Wirtschaft gut, werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer). Es würden dann tatsächlich nicht Umgebungsbedingungen oder Ausbeutungsverhältnisse, sondern rein die Wirtschaftsleistung des einzelnen Staats über den Grad des Wohlstands der Bevölkerung bestimmen. Jeder Staat wäre dann seines eigenen Glückes Schmied. Und die Verantwortung für gutes Wirtschaften läge direkt bei ihm selbst und wäre auch unbestreitbar jederzeit klar erkennbar. Auch davor scheinen vielen Angst zu haben.

Wie plausibel ist das alles – und worüber müssen wir noch gründlich nachdenken?

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das alles noch Utopie. Gerade über diese Utopien gründlich nachzudenken, kann aber sehr wertvoll sein, weil wir daraus auch erkennen, wo gute und sinnvolle Ziele für unsere Zukunft liegen. Auch wenn wir sie dann vielleicht auf anderen Wegen erreichen.

Bei der Umsetzung würde es vor allem darum gehen, dass man sich global einig ist, dass man die ganze Welt in dieser Weise „modernisieren“ und verbessern will – und dass das in gutem Willen mit genau dieser Absicht entsteht. Gier, Dünkel, Rassismus und Größenwahn wären hier fehl am Platz. Gerechtigkeit wird nur dann entstehen, wenn man auch Gerechtigkeit schafft.

Bei der Betrachtung dieser Utopien wird auch klar, dass wir die Art und Weise unseres Wirtschaftens und unsere Wirtschaftssysteme insgesamt einmal gründlich und unvoreingenommen reflektieren sollten. Dinge, die wir schon seit dem frühesten Mittelalter so tun, müssen deshalb nicht der alleinig mögliche Weg sein, diese Dinge zu tun. Wir haben die freie Entscheidung darüber, uns andere, bessere und gerechtere Möglichkeiten zu überlegen. Selbst wenn es um so grundlegende Dinge wie den Lebenserwerb geht. Nur weil man – aus Mangel an anderen verfügbaren Möglichkeiten – das über Jahrtausende so gehandhabt hat, ist das nicht der alleinige und einzig mögliche oder der optimale Weg.

Für ein solches System müssten wir auch unser eigenes Denken gründlich reflektieren und hinterfragen. Jeder einzelne von uns. Wir müssten aufhören, ständig in Kategorien von Machtzunahme, Gier und Ausbeutung zu denken, die weithin automatisch unser Denken bestimmen. Das wird vermutlich die größte Herausforderung, denn sich selbst zu ändern ist immer am schwersten. Ein völlig anders gestaltetes Set an persönlichen Werten wäre für eine solche Zukunft aber unabdingbar nötig.

Vielleicht ist auch das der größte Hindernisgrund, warum solche Systeme gerade nicht vorankommen und niemand entschlossen handelt – und weniger die technischen Möglichkeiten. Vielleicht wollen wir das alles tatsächlich gar nicht so gerecht, im Geheimen.

Der schlimmste Fehler nach den deutlichen Warnungen, die die Corona Pandemie uns mehr als deutlich an die Wand geschrieben hat, ist der jetzige Versuch, die „alten Verhältnisse“ mit Gewalt wieder zu reparieren und wiederherzustellen. Sogar die dringend notwendigen Umweltschutzveränderungen bleiben weitgehend aus. Politiker in ihren nahenden Siebzigern mögen vielleicht versucht sein, die vertraute Welt ihrer Kinderzeit knapp nach dem Krieg immer weiter fortzuführen – klug ist das aber nicht. Das wird sich noch bitter rächen.

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