Ein (kurzer) Crashkurs für Kleinanleger zum Thema: Geschäftsberichte und Kennzahlen

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Ein (kurzer) Crashkurs für Kleinanleger zum Thema: Geschäftsberichte und Kennzahlen

Wer als Kleinanleger auch einmal einen Geschäftsbericht eines für ihn interessanten Unternehmens genauer ansieht, wird sich in den meisten Fällen schwer tun, in dem Zahlengewirr durchzublicken. Vor allem für diejenigen, die es mit dem Value Investing einmal probieren möchten, sind grundlegende Analysen von Geschäftsberichten und Unternehmensdaten ganz wichtig, um den intrinsic value eines Unternehmens bestimmen zu können. Dafür ist dann schon ein wenig (oder ein wenig mehr) Fachwissen nötig.

Auch für alle anderen ist es aber oft von Vorteil, wenn sie durch Geschäftsberichte von Unternehmen auf deren Gesundheit und auf zukünftige Aussichten schließen können. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, hier einmal einen (sehr kleinen) Crashkurs zum Thema Unternehmenszahlen einzustellen und die wichtigsten Punkte einmal ganz kurz zu erläuterdn.

Der Geschäftsbericht und der Quartalsbericht

Geschäftsberichte, in der englischen Form „annual report“ genannt, sind einmal jährlich fällig. Sie müssen zwingend eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung und einen Lagebericht enthalten. Dazu kommt in der Regel auch noch ein detaillierter Anhang.

Der Quartalsbericht ist – wie der Name schon sagt – viermal jährlich fällig. Das gilt allerdings nicht für alle Unternehmen, sondern nur für die, die im sogenannten Prime Standard Segment zugelassen sind. Das sind in Deutschland alle DAX-Unternehmen. Viele Unternehmen veröffentlichen allerdings auch außerhalb dieses Börsensegments ihre Quartalszahlen, meist allerdings nicht in so umfassender Form wie die DAX-Unternehmen. Für die gilt: Jeder Quartalsbericht muss genauso umfangreich ausgeführt sein wie der Geschäftsbericht zum Jahresende. Die Quartalsberichte liefern dann die aus den Medien bekannten „Quartalszahlen“ der Unternehmen.

Die wichtigsten Größen im Überblick

Das EBITDA und das EBIT

Das EBITDA ist noch eine der geläufigeren Größen im Geschäftsbericht. Die Abkürzung stammt aus dem Englischen (earnings before interest, taxes, depreciation and amortisation) und bedeutet im Deutschen den Gewinn des Unternehmens vor Abzug der Steuern, Zinsen, und Abschreibungen. Gewissermaßen stellt das also den „Rohgewinn“ dar – nicht zu verwechseln mit dem Umsatz – der Umsatz sind nur die insgesamten Einnahmen aus der Geschäftstätigkeit, das EBITDA ist allerdings eine GEWINN-Kennzahl.

Wichtig ist, dass im EBITDA die notwendigen Investitionen für die Erhaltung des Geschäftsbetriebs nicht erkennbar sind – eine Aussage über die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens kann man anhand des EBIT also nicht treffen. Auch das sogenannte bereinigte EBITDA (bereinigt um Sondereinnahmen und Sonderkosten außerhalb des gewöhnlichen operativen Geschäfts) hilft da nicht wirklich weiter.

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Das EBIT ist das EBITDA, bereinigt um Zinsen und Steuern. Es ist damit auch nicht viel aussagekräftiger als das EBITDA und gilt ohnehin als „Pro-forma-Kennzahl“. Abschreibungen sind hier nur in Form der materiellen Abschreibungen (z.B. Maschinen) berücksichtigt. Beim EBITA hingegen werden dagegen die sogenannten immateriellen Abschreibungen (z.B. Markenrechte) mitgerechnet, dafür die materiellen nicht. Das Thema Abschreibungen ist höchst komplex, darum wollen wir hier darauf nicht näher eingehen.

Ein weiterer wichtiger Begriff ist die sogenannte EBIT-Marge. Im Englischen heißt sie folgerichtig „EBIT margin“ und bezeichnet den Quotienten aus EBIT und Umsatz, ausgedrückt in einer Prozentzahl. Dieser Prozentwert ist nicht unerheblich, denn aus ihm lässt sich auch auf den Wettbewerb innerhalb einer Branche schließen. Je höher der Wert, desto geringer in der Regel der Wettbewerb – oder das Unternehmen schafft es, sehr kostengünstig zu produzieren. Das kann man aber wiederum an anderer Stelle verifizieren.

Ein wenig Vorsicht sollte man bei der Betrachtung des EBIT aber immer walten lassen. Das „operative Ergebnis“ wird gern einmal geschönt, indem man in hohem Maß „Einmaleffekte“ herausrechnet – was oft als Korrektur nicht in allen Fällen völlig unbestritten bleibt.

Als Letztes haben wir dann im Bereich der Einnahmen dann noch den Jahresüberschuss (oder Jahresfehlbetrag, bei Verlusten) zu berücksichtigen. Er ist das Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung. Der Jahresüberschuss ist also die Summe aller (ordentlichen und außerordentlichen) Erlöse insgesamt, vermindert um alle Aufwendungen (auch hier alle zusammen, ordentliche und außerordentliche). Aufgrund des Jahresüberschusses erfolgt dann eine Überleitungsrechnung (Gewinn- und Verlustvorträge, Entnahmen und Einstellungen in Rücklagen) mithilfe derer der endgültige Bilanzgewinn (oder -verlust) ausgewiesen wird.

Wichtige Kennzahlen auf Basis des EBIT, EBITDA oder des Jahresüberschusses

Von Interesse ist häufig auch der sogenannte Zinsdeckungsgrad, der ebenfalls mithilfe des EBIT errechnet wird. Er gibt das Verhältnis von Zinsaufwendungen zu den Einkünften wieder. Im Englischen heißt der Zinsdeckungsgrad entweder „debt burden level“ oder „interest service cover ratio (ISCR)“. Für die Berechnung des Zinsdeckungsgrades wird das ermittelte EBIT als Berechnungsbasis für das Einnahmen-Zinsaufwendungen-Verhältnis verwendet. Eine hohe Zinsdeckung kann auf eine geringe Eigenkapitalquote hinweisen und voraussichtlich ein nur geringes Investitionsverhalten zeigen werden. Wenn der Zinsdeckungsgrad dann 50 % des ausgewiesenen Cashflows übersteigt, ist im wahrsten Sinn des Wortes Feuer am Dach.

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Ähnlich verhält es sich auch mit dem Schuldendienstdeckungsgrad (debt service coverage ratio oder DSCR). Hier wird das Verhältnis von EBITDA zu Zinsaufwendungen und Tilgungszahlungen berechnet. Sehr hohe Werte können auch hier auf eine geringe Eigenkapitalquote hinweisen. Eine kritische Schuldensituation ergibt sich auch hier immer dann, wenn die zu leistenden Zahlungen mehr als 50 % des Cashflows ausmachen.

Für Anleger besonders wichtig ist auch die Eigenkapitalrentabilität des Unternehmens. Anhand der Angabe, wie sich das Eigenkapital eines Unternehmens im Rechnungszeitraum verzinst hat, kann man auch erkennen, ob und in welchem Maß sich ein Investment in das Unternehmen lohnen kann. Die Berechnung ist auch hier vergleichsweise einfach: Der Jahresüberschuss wird zum Eigenkapital, das am Anfang der Geschäftsperiode zur Verfügung stand, in Relation gesetzt. Niedrige Eigenkapitalrentabilität ist grundsätzlich ein Zeichen,das eher zur Vorsicht raten sollte, oft handelt es sich aber auch nur um unrentabel gebundenes Kapital im Unternehmen. Eine Schätzung zukünftiger Gewinne gelingt nur dann, wenn man das EBIT in Beziehung zum Eigenkapital setzt, allerdings ist diese Rechnung nicht sehr zuverlässig. Berücksichtigen müssen Sie in diesem Fall auch den Leverage-Effekt von Fremdkapital, der nur schwer herauszurechnen ist. Ein solcher Wert wäre dann die Gesamtkapitalrentabilität (GKR), bei der der Leverage-Effekt rechnerisch keine Auswirkungen hat.

KGV und Gewinn je Aktie

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist ein wichtiges Mittel für die Beurteilung von Aktien – allerdings kein Allheilmittel. Im Englischen heißt es auch price-earnings-ratio, meist wird nur PER angegeben. Wäre dieser Wert negativ (weil das Unternehmen Verluste schreibt), verwendet man üblicherweise den Cashflow statt des Gewinns und gibt damit das KCV an. Das KGV wird allerdings auch stark von verschiedenen Faktoren, etwa vom herrschenden Zinsniveau, beeinflusst und kann deshalb nicht als feste, unveränderliche Größe angesehen werden. Davor sollte man sich auf jeden Fall hüten. Schon eine durchschnittliche Senkung des Leitzinses führt zu einem Ansteigen der Aktienkurse. Je mehr Fremdkapital im Unternehmen steckt, desto stärker wirkt der Effekt, ebenso wenn das KGV bereits zuvor sehr hoch war. Die Aussagekraft des KGV ist also immer in gewissem Maß beschränkt. Darüber hinaus kann man natürlich nicht einfach davon ausgehen, dass sich Gewinne in Zukunft unverändert fortsetzen. Konjunkturzyklen, Marktveränderungen, Schwankungen bei den Steuersätzen, und die Beeinflussung der Gewinnhöhe in der Bilanz (auch so etwas kommt vor, ja) können das KGV deutlich schwanken lassen.

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Die im Geschäftsbericht veröffentlichte Kennzahl ist dagegen immer der Gewinn je Aktie (EPS, earnings per share). Um diesen Gewinn zu errechnen, wird einfach der Jahresüberschuss durch die Anzahl der Aktien dividiert und man erhält den EPS. Im Einzelfall muss man aber genau hinsehen: es können für unterschiedliche Aktiengattungen unterschiedliche Gewinne ausgewiesen werden (thesaurierte und ausgeschüttete Gewinne). In manchen Fällen wird auch der „verwässerte Gewinn“ angegeben, etwa wenn besondere Optionen auf Aktien bestehen. Genaues Hinsehen ist also auch bei den klar ausgewiesenen Werten immer notwendig.

Das waren die wichtigsten Kennzahlen in Verbindung mit Unternehmensgewinnen in Geschäftsberichten. Einen Tipp für Ihren eigenen Gewinn als Kleinanleger haben wir auch noch: Senken Sie ihre Kosten für den Broker, das hebt auch ihren Gewinn. Wie das geht? Zum Beispiel mit unserem Diskontbroker-Vergleichsrechner.

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