Folge 28 – Orderarten (Aktien Teil 9)

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Folge 28 – Orderarten (Aktien Teil 9)

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Wer zum ersten Mal eine Aktien-Order bei einem Broker eingibt, stolpert über eine Auswahl, die im ersten Moment einschüchternd wirkt: Market Order, Limit Order, Stop Loss, Stop Buy, Stop-Limit, Trailing Stop, OCO. Was davon ist sinnvoll, was ist überflüssig, und was sollten Privatanleger besser meiden? In dieser Folge gehen wir die wichtigsten Orderarten der Reihe nach durch — mit klarer Empfehlung, konkretem Beispiel und FAQ am Ende.

Voraussetzung für jede Order ist natürlich ein passender Broker mit möglichst geringen Spesen und ohne laufende Depotgebühren — wie wir in Folge 11 zum Thema Broker ausführlich beschrieben haben.

Was ist eine Order? — die Orderarten im Überblick

Eine Order ist im Grunde nichts anderes als eine Handelsanweisung an Ihren Broker: Kaufen oder verkaufen Sie diese Aktie zu bestimmten Bedingungen. Die unterschiedlichen Orderarten unterscheiden sich darin, wie strikt diese Bedingungen formuliert sind. Manche Orderarten führen zum nächstmöglichen Kurs aus, koste es was es wolle. Andere warten, bis ein bestimmter Kurs erreicht wird. Wieder andere schützen vor Verlusten oder sichern Gewinne automatisch ab. Die wichtigsten Orderarten, die Privatanleger kennen sollten, sind Market Order, Limit Order, Stop Loss, Stop Buy, Stop-Limit und Trailing Stop.

Was ist eine Market Order?

Eine Market Order wird zum nächstmöglichen Kurs ausgeführt — egal, wie hoch oder niedrig dieser ist. Klingt harmlos, kann aber teuer werden. Stellen Sie sich vor, eine Aktie notiert bei 50 Euro, aber das nächste Verkaufsangebot im Orderbuch liegt bei 90 Euro, weil zu diesem Zeitpunkt einfach niemand günstiger verkaufen möchte. Ihre Market Order kauft dann zu 90 Euro — und nach wenigen Minuten, wenn wieder mehr Marktteilnehmer aktiv sind, fällt der Kurs zurück auf 50 Euro. Sie haben in diesem Moment 80 Prozent zu viel bezahlt.

Solche Extremfälle sind selten, das Grundproblem aber bleibt: Bei Market Orders haben Sie keine Kontrolle über den Ausführungskurs. Bei großen, liquiden Werten — DAX-Titeln oder Welt-ETFs in der Hauptbörsenzeit — ist das Risiko gering. Bei Nebenwerten, in den Randzeiten oder bei volatilen Marktphasen kann es teuer werden.

Was ist eine Limit Order?

Bei einer Limit Order legen Sie selbst fest, zu welchem Kurs maximal gekauft oder mindestens verkauft wird. Damit lösen Sie das Problem der Market Order vollständig: Schlechter als zu Ihrem Limit kann die Order nicht ausgeführt werden — sie wird im Zweifelsfall einfach nicht ausgeführt.

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Limit-Kauf

Sie wollen 100 Stück einer Aktie zu höchstens 20 Euro kaufen und setzen eine Limit-Kauforder bei 20 Euro. Der Broker führt den Kauf nur aus, wenn er die Aktien zu 20 Euro oder darunter bekommt. Sie geben also höchstens 2.000 Euro zuzüglich Spesen aus.

Limit-Verkauf

Spiegelbildlich: Sie wollen 100 Stück verkaufen und setzen das Limit auf 30 Euro. Der Broker führt den Verkauf nur zu 30 Euro oder darüber aus. Sie bekommen also mindestens 3.000 Euro abzüglich Spesen.

Für die allermeisten Situationen ist die Limit Order der richtige Order-Typ. Sie kostet nichts extra, und sie schützt vor genau jenen unangenehmen Überraschungen, gegen die eine Market Order machtlos ist.

Stop Loss Order — der automatische Notausgang

Eine Stop Loss Order wird verwendet, um Verluste zu begrenzen. Sie definieren einen Kursschwellwert, bei dessen Unterschreiten die Aktie automatisch verkauft wird. Wer eine Aktie für 30 Euro kauft und maximal zehn Euro Verlust akzeptieren will, setzt den Stop Loss bei 20 Euro. Fällt der Kurs unter diese Marke, wird die Position automatisch glattgestellt.

Klingt vernünftig — hat aber zwei Tücken. Erstens: Sobald der Stop ausgelöst wird, läuft die Order in der Regel als Market Order weiter. Bei einem schnellen Crash oder einer eröffneten Handelssitzung mit Gap kann der tatsächliche Verkaufskurs deutlich unter Ihrem Stop liegen. Zweitens: Stop Loss zwingt Sie, Verluste zu realisieren — auch dann, wenn der Kursrutsch nur kurzfristig ist und sich die Aktie kurz darauf wieder erholt. Langfristige Buy-and-Hold-Anleger verzichten deshalb häufig bewusst auf Stop Loss.

Stop Buy Order — für den Ausbruchskauf

Das Gegenstück zur Stop Loss Order ist die Stop Buy Order. Sie kauft eine Aktie automatisch, sobald sie einen bestimmten Kurs nach oben durchbricht. Der typische Anwendungsfall: Sie beobachten eine Aktie bei 18 Euro und vermuten, dass ein Sprung über die psychologische Marke von 20 Euro eine größere Aufwärtsbewegung auslöst. Sie setzen eine Stop Buy Order bei 20 Euro und kaufen damit erst, wenn der Markt selbst ein Trendsignal liefert.

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Für klassische Privatanleger ist das selten die richtige Wahl — Stop Buy ist ein Werkzeug aus der technischen Analyse und gehört eher in die Werkzeugkiste aktiver Trader, nicht in den Sparplan-Anleger-Alltag.

Stop-Limit Order mit Beispiel

Die Stop-Limit Order kombiniert beide Konzepte aus Stop Loss und Limit Order. Sie definieren einen Stop-Auslöser und ein Limit, unter dem die Order auf keinen Fall ausgeführt werden darf. So vermeiden Sie das Risiko, in einem Crash plötzlich zu einem katastrophalen Kurs verkauft zu werden — allerdings um den Preis, dass Ihre Order möglicherweise gar nicht ausgeführt wird, wenn der Kurs schnell durch Ihr Limit hindurchrauscht.

Stop-Limit Order Beispiel: Sie halten 100 Stück einer Aktie, die Sie zu 25 Euro gekauft haben. Der aktuelle Kurs steht bei 30 Euro, Sie wollen die Gewinne absichern, aber nicht um jeden Preis verkaufen. Sie setzen eine Stop-Limit-Order mit Stop-Kurs 28 Euro und Limit 27 Euro. Fällt der Kurs auf 28 Euro, wird automatisch eine Limit-Verkaufsorder bei 27 Euro platziert. Fällt der Kurs sehr schnell weiter und bricht durch 27 Euro, wird Ihre Order nicht ausgeführt — Sie behalten die Aktien und entscheiden manuell weiter. Fällt er langsamer und findet zwischen 27 und 28 Euro Käufer, werden Ihre 100 Stück zu mindestens 27 Euro verkauft, und Sie sichern 200 Euro Gewinn gegenüber dem Einstand.

Die Stop-Limit Order ist in der Praxis deutlich häufiger die bessere Wahl als eine reine Stop Loss Order — vor allem bei volatilen Einzelwerten und Nebenwerten, bei denen Crash-Gaps nicht ausgeschlossen werden können.

Trailing Stop — der mitlaufende Schutz

Ein Trailing Stop ist ein dynamischer Stop Loss, der dem Kurs nach oben automatisch folgt — aber niemals nach unten. Sie definieren einen Abstand, etwa zehn Prozent unter dem aktuellen Kurs. Steigt die Aktie, wandert der Stop mit. Fällt die Aktie, bleibt der Stop, wo er ist, und löst aus, sobald der Abstand erreicht wird. Das ist ein eleganter Weg, um Buchgewinne abzusichern, ohne ständig manuell nachjustieren zu müssen.

Was Neobroker oft nicht anbieten

Wichtig zu wissen: Nicht jeder Broker bietet alle Orderarten. Bei reinen Neobrokern ist die Auswahl bewusst schlank gehalten — Limit Order ist Standard, komplexere Typen wie Trailing Stop, Stop-Limit oder OCO-Orders (One-Cancels-Other) finden Sie dort meist nicht. Wer mit der vollen Bandbreite arbeiten möchte, sollte einen Broker wählen, der explizit auf aktive Anleger ausgerichtet ist. Anbieter wie LYNX bieten praktisch das komplette Spektrum an Orderarten, inklusive bedingter und kombinierter Orders. Eine vollständige Übersicht der Order-Funktionen aktueller Anbieter finden Sie in unserem Depotkonto-Vergleichsrechner.

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Welche Orderart wann?

SituationEmpfohlene Orderart
Sparplan-AusführungWird vom Broker als Market Order zur Sparplan-Zeit ausgeführt
Geplanter Einzelkauf bei klarem WunschkursLimit Order
Verkauf zur Verlustbegrenzung über längeren ZeitraumStop-Limit (statt reiner Stop Loss)
Absicherung erheblicher BuchgewinneTrailing Stop
Trendfolge-Einstieg auf AusbruchssignalStop Buy
Eilbedürftiger Verkauf bei sehr liquiden WertenMarket Order — mit Bewusstsein für das Risiko

Häufige Fragen zu Orderarten

Welche Orderart sollten Einsteiger verwenden?
Limit Order. Sie ist einfach zu verstehen, kostet nichts extra und schützt vor unkontrollierten Ausführungspreisen.

Was ist eine Stop-Loss-Limit-Order?
Eine Stop-Loss-Limit-Order kombiniert einen Stop-Auslöser mit einem Mindest-Verkaufslimit. Fällt der Kurs auf den Stop, wird automatisch eine Verkaufsorder platziert, die nicht unter dem Limit ausgeführt werden darf. So vermeiden Sie Zwangsverkauf zu einem Crash-Tiefpunkt, riskieren aber, dass die Order in einem schnellen Absturz gar nicht durchgeht.

Wie lange ist eine Limit Order gültig?
Standardmäßig nur einen Handelstag. Wer länger warten möchte, kann bei den meisten Brokern „Gut bis ultimo“ oder eine konkrete Gültigkeit bis zu mehreren Wochen wählen.

Was ist der Unterschied zwischen Stop Loss und Stop-Limit?
Eine reine Stop Loss Order wird nach dem Auslösen als Market Order ausgeführt — ohne Schutz vor schlechten Kursen. Eine Stop-Limit Order setzt zusätzlich ein Limit, unter dem nicht verkauft wird, riskiert dafür aber, dass die Order in einem Crash gar nicht ausgeführt wird.

Was passiert mit meiner Limit Order nach Börsenschluss?
Sie verfällt am Ende des Handelstages, sofern Sie keine längere Gültigkeit eingestellt haben. Am nächsten Morgen müssen Sie sie neu platzieren oder vorher eine entsprechende Gültigkeitseinstellung wählen.

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