Schutzgemeinschaften und Aktionärsvereinigungen – ist auch etwas für Kleinanleger?

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Schutzgemeinschaften und Aktionärsvereinigungen – ist auch etwas für Kleinanleger?

Über die SdK als eine der Schutzgemeinschaften für Aktionäre in Deutschland und über ihre Leistungen und eher unrühmlichen Ausrutscher haben wir ja in einem anderen Beitrag schon berichtet. Natürlich ist die SdK in Deutschland nicht die einzige Schutzgemeinschaft und schon gar nicht die einzige Aktionsärsvereinigung im Land. Der Vollständigkeit halber wollen wir uns deshalb bei dieser Gelegenheit einmal noch andere Schutzgemeinschaften ansehen, was sie leisten und wofür sie eintreten und uns speziell mit der Frage auseinandersetzen, ob Schutzgemeinschaften und Aktionärsvereinigungen auch oder vielleicht sogar ganz besonders für Kleinanleger eine interessante Sache sind.

Die DSW – das Pendant zur SdK

Die DSW, die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz e.V. ist sogar noch etwas älter als die SdK – während die SdK 1959 gegründet wurde, stammt die DSW bereits aus dem Jahre 1947. Eigentlich erstaunlich, wenn man sich die wirtschaftliche Situation in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg vorstellt – 1947 hatte man gerade einmal den Marshall-Plan in den USA auf dem Planungstisch und man stritt gerade recht erfolglos in den Zonenregierungen über die Einigung Westdeutschlands zu einem Staat.

Schwer vorstellbar also, dass sich hier Menschen bereits Gedanken über den Schutz von Wertpapieranlegern machten. Das war aber tatsächlich so und ab 1952, also nach Ende des Marshall-Plans in Deutschland erschien auch schon die erste Publikation der DSW – das Magazin “Wertpapier”. Die Ziele und Gedanken waren im Wesentlichen die gleichen wie bei der SdK, der Sitz der DSW war aber von Anfang an in Düsseldorf, während die SdK in München ansässig war.

Auch die DSW hat ganz ähnlich wie die SdK im Lauf der Jahrzehnte als Anlegerschützer hohe Bedeutung gewonnen. Auch sie nimmt im Namen von Kleinaktionären an Hauptversammlungen teil und versucht durch Ausübung des gemeinsamen Stimmrechts aller Mitglieder, bei den Hauptversammlungen vor allem auch die Interessen der Kleinanleger zu wahren und durchzusetzen. Insgesamt besucht auch die DSW über 850 Hauptversammlungen regelmäßig. Mit rund 30.000 Mitgliedern ist sie die größte Schutzvereinigung für Aktionäre in Deutschland und auch etwas größer als die SDK.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt bei der DSW – die man trotz der gleichen Abkürzung nicht mit der Deutschen Schutzvereinigung gegen Wirtschaftskriminalität verwechseln darf, noch mehr im rechtlichen Bereich. Die DSW-Vertreter sind zum Großteil Rechtsanwälte, die sich in ihrer Tätigkeit auch auf Wirtschafts- oder Gesellschaftsrecht, einige auch auf Aktienrecht, spezialisiert haben. Gerade die rechtliche Unterstützung der Mitglieder wird bei der DSW sehr groß geschrieben.

Die Arbeit wird über 8 Landesverbände, die insgesamt 11 Ländervertretungen bilden, deutschlandweit koordiniert. Noch stärker als die SdK versteht sich die DSW auch als profunde Rechtsberatung ihrer Mitglieder. Man versucht auch, grundlegende Rechtsfragen bereits in Musterprozessen zu klären und sich vor allem als Stimme der Anleger und Kleinanleger in Gesetzgebungsprozesse mit einzubringen. Die DSW ist auch noch stärker als die SdK in die Regierungsarbeit mit eingebunden und hat an einzelnen Gesetzen – wie etwa dem Corporate Governance Vorschlag der Regierung zahlreiche Vorstellungen unterbringen können.

Den Zweck der Information und Bildung der Mitglieder und ganz allgemein der Förderung der Aktienkultur kommt man mit den eigenen Publikationen nach, daneben auch mit Betriebsbesichtigungen und einigen Aktienforen. Das Wesen der Arbeit und die Art der Tätigkeit ist also praktisch identisch mit der SdK, wenn auch in einzelnen Bereichen leicht abweichend und vor allem im Bereich der Rechtsberatung und Rechtshilfe etwas intensiver. Auch eine spezielle Unterstützung und Rechtshilfe bei Sammelklagen in den USA (in Europa sind Sammelklagen in dieser Form ja nicht zulässig) gehört zu den Alleinstellungsmerkmalen der DSW.

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Focus Money

Die weithin bekannte Zeitschrift “Focus Money” steht ebenfalls in Verbindung mit der DSW. Das Magazin erscheint schon seit 2000, seit 2009 gibt es die Zeitschrift als Teil der Mitgliedschaft bei der DSW. Auch hier gibt es eine unrühmliche Geschichte – nämlich die, dass der Chefredakteur bereits nach wenigen Wochen wegen des Verdachts des Insiderhandels im Jahr 2000 das Unternehmen verlassen musste, einige Zeit später betraf das auch einen der Journalisten des Magazins. Beide Geschichten betreffen aber nur das Magazin und stehen nicht in Verbindung mit der DSW – deren “Partnerschaft” mit Focus Money begann erst 2009. Neben Focus Money gibt es noch einen Newsletter, der direkt mit Informationen der DSW versorgt.

Aktuelle Arbeit der DSW

Einen sehr eindrucksvollen Beweis der Umtriebigkeit und des Engagements der DSW liefern die Übersichten über die aktuellen Arbeiten. Im Fokus der Arbeit stehen aktuell geschädigte Volkswagen-Anleger, für die die DSW einen Vergleich mit VW in den Niederlanden über eine Stiftung anstrebt, der zugunsten der Anleger den entstandenen Schaden wenigstens teilweise wieder wettmachen soll. Anleger können sich diesem Stiftungsmodell, sofern ein Vergleich geschlossen wird, kostenlos anschließen und damit profitieren.

Auch für die Inhaber von Griechenland-Anleihen hat man sich stark gemacht, dort haben sich immerhin knapp 1.000 Anleger mit einem Anlagevolumen von 50 Mio. Euro zusammengeschlossen, um Klagegemeinschaften zu bilden. Die EZB wurde dabei auf Herausgabe wichtiger Unterlagen verklagt, um erkennen zu können, welche Mengen an griechischen Staatsanleihen die EZB zum Zeitpunkt des damaligen Schuldenschnitts gehalten hat.

Die Liste der aktuell laufenden Verfahren ist auch beinahe endlos lang – mit Stand März 2016 waren eine ganze Seite von laufenden Verfahren zu erkennen, wo Anleger entweder schlecht beraten, überhaupt nicht beraten oder gleich betrogen worden waren. Eingeschränkt ist die Arbeit dabei nicht auf Aktien, sondern wahrgenommen werden auch rechtliche Probleme bei Fonds, Zertifikaten und Anleihen sowie bei anderen Anlageprodukten. Das Ziel ist, die Fälle aufzuklären und geschädigten Anlegern so weit wie möglich Kompensation zukommen zu lassen.

Auch die Krise bei offenen Immobilienfonds – nach dem Kanam US-Grundinvest und dem DEGI Europa wird auch noch der P2 Value abgewickelt – ist ein Thema für die DSW, die die begangenen Fehler und die Verantwortlichkeiten aufdecken will, und rechtlich klären will, welche Möglichkeiten betroffene Anleger haben, zu klagen und Schadenersatzforderungen zu stellen.

Die Aktienforen wurden 2016 als Ort der Wissensvermittlung für alle Anleger erneut gestärkt und es wurden Privatanlegern weitere Quellen zur Verfügung gestellt, die sonst für gewöhnlich nur institutionellen Investoren offen stehen.

Mitgliedschaft bei der DSW

Die DSW Mitgliedschaft kostet 125 Euro pro Jahr und enthält dabei bereits ein Jahresabo von Focus Money. Für Investmentclubs liegt die Gebühr bei 150 Euro jährlich, Firmenmitgliedschaften muss man separat erfragen.

Investmentclubs

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Die DSW ist gleichzeitig auch der Dachverband der knapp 7.000 Investmentclubs in Deutschland. Investmentclubs sind kleine Aktionärsvereinigungen, bei denen die Mitglieder zusammen anlegen und sich gegenseitig unterstützen. Investmentclubs können regional organisiert sein und aus einigen wenigen Mitglieder bestehen, es gibt aber auch durchaus größere, überregional organisierte Clubs mit einigen hundert Mitgliedern.

Der Zweck der gemeinsamen Anlage sind vor allem die Risikostreuung und die Gebührenoptimierung, aber auch der gegenseitige Austausch von Informationen. Größere Investmentclubs machen es auch möglich, bestimmte Anlagen mit höherem Mindestanlagevolumen zu zeichnen.

Clubs mit mehr als 50 Mitgliedern und einem eingebrachten Kapital von mindestens 500.000 Euro benötigen eine Zulassung durch die BaFin und müssen strenge Auflagen erfüllen, wie etwa einen Verkaufsprospekt zu erstellen. Mit dem Sparkassen Broker und der DSW gibt es eine Kooperation, so dass Clubs die Depotführung grundsätzlich über den Sparkassen Broker abwickeln – dort wird auch das sogenannte Anlegerschutzpaket der DSW angeboten.

Die Kooperation mit dem S Broker steht auch anderen Mitgliedern samt dem Anlegerschutzpaket offen – allerdings sollte man sich immer über die Broker-Gebühren informieren, da andere Broker oft günstigere Konditionen für den einzelnen Anleger bieten können. Am besten Sie benutzen unseren Broker-Vergleich, um die Unterschiede herauszufinden und das günstigste Angebot zu sehen.

Investmentclubs sind also eine “kleinere” Form der Aktionärsvereinigungen, die aber quasi unterhalb der DSW organisiert sind.

Lohnt eine Mitgliedschaft bei der DSW oder in einem Investmentclub?

Unserer Meinung nach lohnt eine Mitgliedschaft bei einer Schutzgemeinschaft in jedem Fall – einerseits erhält man aktuelle Informationen über schwarze Schafe und unsaubere Angebote, andererseits kann man von einer umfassenden Rechtsberatung als Mitglied profitieren und erhält mit der Mitgliedschaft auch wertvolle Informationen über viele Anlageformen. Gerade die aktuelle Arbeit der DSW zeigt eindrücklich, wie viel Hilfe man als Mitglied erwarten kann – und im Zeitalter der ständig zunehmenden Pleiten und anlegerschädigenden Investments kann man gerade als Privatanleger durchaus ein wenig Rückhalt gebrauchen – und oft auch rechtliche, fachkundige Unterstützung.

Inwieweit sich die Mitgliedschaft in einem Investmentclub lohnt, muss jeder für sich entscheiden. Die Mitgliedschaft hat sicherlich Vorteile, wenn man einen Club findet, der für einen selbst passende Anlageziele verfolgt. Im Internet findet man dabei aber nur einige Dutzend dieser Clubs bei direkter Suche, weitaus die meisten werden wohl lokal und regional organisiert.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, selbst einen Investmentclub zu gründen, erhält bei der DSW nicht nur einen umfassenden Leitfaden, sondern auch tatkräftige Unterstützung und Beratung bei der Gründung. Für manche kann das sicherlich eine gute Idee sein, die eigenen Anlageziele zur Kostenminimierung und zum Wissensgewinn gemeinsam zu verwirklichen.

Schutzgemeinschaft für Baufinanzierer

Der Vollständigkeit halber wollen wir noch kurz eine andere Schutzgemeinschaft erwähnen, nämlich die Schutzgemeinschaft der Baufinanzierer e.V.. Hier geht es nicht um Anlage, sondern um Finanzierung – aber in dieser Lage sind immerhin auch viele.

Seit 2008 unterstützt diese Schutzgemeinschaft alle Bauherren und auch deren Familien. Geboten werden sollen vor allem Rechtssicherheit, zertifizierte Qualität (in Verbindung mit Experten) und die konsequente Minimierung finanzieller Risiken beim Bau durch umfassende Beratung und Unterstützung. Alle diese Hilfen beziehen sich auch – und vor allem – auf die finanzielle Sicherheit beim Bauen und beim Finanzieren des Baus.

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Auch solche Zwecke kann eine Schutzgemeinschaft verfolgen – die Schutzgemeinschaft für Bauherren gibt es allerdings erst seit 2008 – die Idee finden wir aber trotzdem gut. Und jemanden zu haben, der einem hilft, die finanziellen Risiken beim Bau und bei der Finanzierung gut abzufedern und ihnen ausreichend zu begegnen, hat unsere volle Unterstützung

Aktionärsgemeinschaften mit besonderen Zwecken

Neben den Schutzgemeinschaften gibt es auch Aktionärsgemeinschaften mit ganz besonderen Zwecken. Hier schließen sich Institutionen und auch Anleger zusammen, um ganz bestimmte – meist dem Allgemeinwohl dienende – Ziele zu erreichen.

Es geht bei solchen Initiativen also weniger um den Schutz der Anleger selbst, sondern darum, um als Anleger bestimmte Ziele zu erreichen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

In ihm sind zahlreiche Einzelinitiativen (insgesamt 31, um genau zu sein) organisiert, die sich für soziale und humanitäre Zwecke einsetzen. Ein Aktieninhaber überträgt diesen Initiativen seine Stimme, um den verfolgten sozialen Zwecken mehr Gehör zu verleihen. Der Verband selbst setzt sich vor allem für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, mehr Transparenz und gegen Rüstungsproduktion ein.

So gab es 2012 beispielsweise eine Initiative (“Raus aus der Sackgasse Profitgier”), die vor allem darauf aufmerksam machen wollte, dass Profite von Banken und Unternehmen häufig weltweit durch Nachteile für Menschen erkauft werden. Bei der Initiative Facing Finance geht es darum, dafür zu sensibilisieren, dass Investoren möglichst nicht in Unternehmen investieren, die ihre Geschäfte auf eine Weise machen, die Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung aber auch Korruption und massive Umweltzerstörungen fördern oder gar verursachen. Auch die bekannte Organisation foodwatch, die sich mit Lebensmittelskandalen und Verbrauchertäuschungen im Lebensmittelbereich beschäftigt, ist unter dem Dachverband organisiert.

Der Dachverband wählt jedes Jahr ein Thema aus und vertritt auch auf Hauptversammlungen der Konzerne mithilfe der ihm abgetretenen Stimmrechte die eigenen sozialen Ziele gegenüber Konzernen und Unternehmen und versucht mithilfe der Stimmrechte Änderungen der Konzernpolitik herbeizuführen. Zudem werden auch Konzernstudien erstellt und für viele Konzerne – etwa Daimler oder die Commerzbank – kritische Untersuchungen angestellt und veröffentlicht.

Wem es als Anleger ebenfalls darum geht, für ähnliche Ziele, wie mehr Fairness oder mehr soziale Gerechtigkeit geht, der kann sein Stimmrecht auch solchen Aktionärsvereinigungen abtreten und sich damit sinnvoll für eine gute Sache einsetzen. Auch das ist ein Möglichkeit – und vielleicht sogar eine sehr wirksame, wenn sie die Masse erreicht. Von den Aktien profitieren und mit den Stimmrechten für eine bessere Welt kämpfen. Das klingt nach einer wirklich runden Sache, wenn man es so betrachtet.

Das waren also kurzgefasst einmal die wichtigsten Arten von Aktionärsgemeinschaften, die wir hierzulande haben. Wo man Mitglied wird, bleibt einem natürlich selbst überlassen – die Mitgliedschaft in einer Schutzgemeinschaft halten wir aber grundsätzlich wirklich für eine gute Sache. Immerhin ist auch ein wenig Selbstschutz wichtig.

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