Folge 30 – Wie Sie Aktien gegen Kursverluste absichern können (Aktien Teil 11)

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Folge 30 – Wie Sie Aktien gegen Kursverluste absichern können (Aktien Teil 11)

Niemand würde sich ein Haus kaufen, ohne eine Versicherung gegen die wichtigsten Gefahren abzuschließen (Feuerversicherung, Einbruchsversicherung, Hausratsversicherung).

Was ist das größte Risiko bei Aktien? Logisch – der Kursverlust! Man könnte nun glauben, dass es keine Versicherung gegen den Kursverlust gibt, das wäre doch zu schön, um wahr zu sein, oder?

Falsch gedacht! In dieser Folge erläutern wir, wie Sie Ihre Aktien gegen Kursverluste absichern können.

Hierbei gibt es 2 Möglichkeiten Die einfache Variante ist eine sog. Stop-Loss Order. Bei dieser werden die Aktien automatisch verkauft, sobald der Kurs ein gewisses Limit unterschreitet: mehr dazu in Folge 28 – Orderarten. Das Absichern mit einer Stop-Loss Order kann aber nicht als wirkliches Absichern angesehen werden sonder vielmehr als Vermeidung, dass Sie Kursstürze mitmachen – die richtige aber auch kompliziertere Methode folgt nun:

Wie funktioniert das Absichern gegen Kursverluste in der Theorie?

Beispiel 1: Kauf einer Aktie ohne Versicherung

Sie erwerben 100 Aktien der XYZ AG um 50 Euro je Aktie. Sollte der Wert der Aktie auf 0 Euro sinken, verlieren Sie 5.000 Euro – Totalverlust!

Sinkt der Kurs auf 40 Euro, haben Sie 1.000 Euro verloren. Steigt der Kurs, gewinnen Sie.

Das ist sicherlich nichts Neues für Sie. Sollten Sie noch Probleme bei dieser Thematik haben, empfehlen wir Ihnen, sich zuerst die anderen 10 Folgen zum Thema Aktien durchzulesen.

Beispiel 2: Kauf einer Aktie mit Versicherung

An der Aktie und am Kursrisiko aus Beispiel 1 ändert sich zuerst noch nichts. Allerdings kaufen Sie zusätzlich Optionen zur Aktie.

Was sind Optionen?

Mit einer Option erwerben Sie das Recht, aber nicht die Pflicht, eine bestimmte Menge einer Aktie (Underlying) zu einem im Voraus festgelegten Preis zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option).

Optionen werden meistens als Zocker-Instrumente oder hochspekulative Derivate bezeichnet. Allerdings wurden Optionen erfunden, um den Kauf- bzw. Verkaufskurs einer Aktie in der Zukunft bereits heute festzulegen.

Damit kann eine Option zur Absicherung eines Kurses dienen. Dieser Vorgang wird auch als „Hedging“ bezeichnet. Von diesem Wort kommt auch „Hedgefonds“ – ein Fond, der eben mit diesen Instrumenten handelt bzw. spekuliert. Wir wollen aber nicht spekulieren, sondern Optionen sinnvoll einsetzen.

Mehr zum Thema  Angekündigte oder überraschende Zinserhöhungen: Wie Sie Ihr Depot rechtzeitig auf die Zinswende vorbereiten können

Um erfolgreich mit Optionen umzugehen, benötigen wir ein paar Grundbegriffe:

  • Ausübungspreis (Strike-Price): Jener Preis, zu dem Sie eine Aktie kaufen (Call) oder verkaufen (Put) können.
  • Ausübungstag (Strike-Day): Jener Tag, bis zu dem Sie Ihre Option spätestens ausüben .
  • Amerikanische Option: Bei amerikanischen Optionen können Sie eine Option an jedem Tag bis zum Strike-Day ausüben.
  • Europäische Optionen: Bei europäischen Optionen können Sie eine Option nur am Strike-Day ausüben.
  • Kontraktgröße: Sie können Optionen meistens nur in größeren Mengen kaufen – z.B.:für 50 oder 100 Aktien (und Vielfache davon). Eine Option für eine einzige Aktie zu kaufen macht wegen Gebühren und Spesen einfach keinen Sinn.
  • Versicherungsdauer: Die Zeitspanne bis zum Strike-Day können Sie als Ihre Versicherungsdauer ansehen. Bis zum Strike-Day ist Ihr Kurs ge- bzw. versichert. Danach müssten Sie neue Puts kaufen, um Ihre Aktien erneut abzusichern.

Um überhaupt Optionen zur Absicherung kaufen zu können, brauchen Sie einen Broker. Wir empfehlen hier auf einen günstigen Online-Diskontbroker zurückzugreifen, der keine laufenden Gebühren verlangt und möglichst günstige Orderspesen offeriert. Wir können Ihnen hier das Angebot von OnVista sehr empfehlen. Für weitere Informationen, lesen Sie bitte auch unseren OnVista-Testbericht.

Wie funktioniert das Versichern einer Aktie?

Sie kaufen sich eine beliebige Aktie und eine dazugehörige (also zur selben Aktie) amerikanische Put-Option. Diese Put-Option berechtigt Sie, wie weiter oben bereits erklärt, zum Verkauf Ihrer Aktie zu einem vorher festgelegten Kurs. Praktisch, oder?

An den Börsen können Sie Optionen zu mehreren Ausübungspreisen (Strike) kaufen. Kaufen Sie die Aktie aus Beispiel 1 um 50 Euro und eine Put-Option mit Strike 40 ist Ihr Kursverlustrisiko auf 10 Euro begrenzt. Fällt der Kurs unter 40, können Sie einfach Ihre Option ausüben und Ihre Aktie um 40 Euro verkaufen.

Sie können auch eine Put-Option mit Strike 50 Euro kaufen und das Kursverlustrisiko gänzlich ausschalten.

Natürlich bekommen Sie eine Aktienversicherung nicht umsonst. Wie bei jeder Versicherung müssen Sie eine Versicherungsprämie – bei Optionen die Optionsprämie – bezahlen.

Bleiben wir bei dem Beispiel mit der Put-Option zum Strike von 50. Kostet diese Option 5 Euro, betragen Ihre Versicherungskosten 10 % des Kaufkurses.

Das bedeutet aber auch, dass Ihre Aktie mindestens um 10 % steigen muss, bevor Sie einen Gewinn erwirtschaften. Das ist der Preis für Ihre Sicherheit!

Mehr zum Thema  Was Sie über Aktien unbedingt wissen sollten:

Da Sie das Recht, aber nicht die Pflicht erworben haben, die Option auszuüben, werden Sie Ihre Optionen nicht ausüben, wenn der Kurs der Aktie über den Strike-Price steigt. Wieso sollten Sie zu einem niedrigeren Kurs verkaufen, als Sie über die Börse verkaufen könnten?

Wie funktioniert das Absichern gegen Kursverluste in der Praxis?

Damit Sie dieses Wissen auch in die Praxis umsetzten können, zeigen wir Ihnen anhand einer einfachen Aktie, wie Sie diese gegen Kursverluste absichern können.

Seit längerem beobachten wir den Kurs der Erste Group Bank (Sparkassa in Österreich). Wir haben festgelegt, dass wir zu einem Kurs unter 15,50 Euro insgesamt 100 Stück kaufen wollen.

Zusätzlich, überlegen wir, die Aktie zum Kurs von 15 Euro abzusichern. (Optionen werden meistens nur in 1-Euro-Schritten angeboten). Unser maximales Kursverlustrisiko sind daher 50 Cent je Aktie oder insgesamt 50 Euro.

Würden wir Puts zum Strike von 14 Euro kaufen, würden wir einen Kursverlust von maximal 1,50 Euro je Aktie oder insgesamt 150 Euro riskieren – das wollen wir aber nicht.

Unter diesem Link können Sie alle Optionen für die Erste Group Bank an der Wiener Börse sehen.

 

Ausübungstermine der Optionen auf die Erste Group Bank

Anhand dieser Grafik sehen Sie, dass verschiedene Fälligkeitsdaten (vom 20.April 2012 bis zum 20. Dezember 2013) gehandelt werden.

Da es sich um amerikanische Optionen handelt, können Sie somit Ihre Versicherungsdauer bestimmen.

Hinter diesem Beispiel steht die Überlegung, uns bis zum 20.12.2013 abzusichern. Allerdings gibt es jetzt noch keine Kurse für diese Optionen. Das liegt vor allem daran, dass der österreichische Aktienmarkt ein relativ kleiner Markt ist. Für amerikanische Aktien könnten wir unter Umständen aber jetzt schon solche Optionen erwerben.

Der späteste Termin ist der 21. Dezember 2012. Die Volatilität – also die Schwankungen – sind bei Optionen in der Regel größer als bei Aktien. Das sehen Sie in diesem Beispiel:

Put-Optionen auf die Erste-Group-Bank zum 21.12.2012

Das liegt vor allem an der seltenen Kursbildung – nur beim „14er Put“ wurde der letzte Kurs im April festgestellt. Das bedeutet, dass diese Optionen wenig liquide sind. Bei Aktien ist das in der Regel äußerst ungünstig, da illiquide Aktien nur langsam und mit hohem Kursverlustrisiko wieder zu Geld gemacht werden können.

Mehr zum Thema  Gold-ETC - Alternative zum physischen Golderwerb?

Wenn Sie Optionen nur zum Hedging einsetzten, ist das relativ egal, da Sie die Option ja halten und nicht damit spekulieren wollen.

Wir benötigen einen „15er Put“, der aktuell 4,21 Euro – oder 27 % unsers Kauflimits (15,50 Euro) kosten würde. Das ist natürlich viel zu viel, allerdings ist dieser Kurs auch schon 3 Monate alt – der nächste Kurs wird wahrscheinlich zwischen „Bid“ und „Ask“ liegen, also ca. 1,95 Euro oder 13 % des Kaufkurses.

Das würde bedeuteten, dass die Aktie innerhalb von 8 Monaten (unserer Versicherungsdauer) mindestens 13 % steigen muss, damit wir die Kosten der Versicherung decken können.

Unter welchen Voraussetzungen empfehlen wir, mit Put-Optionen Aktienkurse abzusichern?

  • Wenn die Absicherungskosten pro Jahr nicht mehr als 5 % betragen würden, hätten wir die Optionen für die Erste Bank gekauft.
  • Wenn die Aktie zurzeit einen starken Höhenflug hinter sich hat, und Sie sich nicht wirklich sicher sind, ob dieser Höhenflug nur Spekulation war.
  • Wenn Sie einen erheblichen Betrag in eine einzelne Aktie investiert haben und ein Verlust ein großes Risiko für Sie wäre.
  • Wenn Sie die Aktie in einer Krisenzeit oder während einer Unternehmenskrise kaufen und der Meinung sind, dass die Aktie sowohl abstürzen als auch stark steigen könnte.

Sie sehen also, es gibt eine ganze Anzahl an Gründen, Aktien zu versichern. Wir haben uns schlussendlich dagegen entschieden, da die Absicherungskosten einfach zu hoch wären. Weiters ist die Aktie unserer Meinung nach sehr attraktiv bewertet und wir denken, dass die Aktie nicht mehr allzu stark sinken wird.

Allerdings basiert diese Einschätzung lediglich auf unserer bescheidenen Meinung. Diese Information stellt keinerlei Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung dar. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserem Disclaimer.

Weiter geht’s mit Folge 31 – Sonderformen von Aktien

Hier eine Übersicht und weitere Folgen zum Thema Aktien finden Sie hier:

Folge 34 – Die ultimative Aktien-Zusammenfassen

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7 Comments

  1. Sehr guter Artikel. Die Optionskosten sind in der Tat sehr hoch. Ich frage mich aber, ob es realistisch ist, wirklich nur 5 Prozent “Prämie” zu zahlen? Nimmt man dafür eher Optionen im Geld oder aus dem Geld?

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    • Hallo Rico,

      vielen Dank für Dein Lob – das tut immer gut.
      @Aus dem Geld oder im Geld: Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten. Optionen aus dem Geld kosten weniger, da der innere Wert geringer ist. Optionen im Geld könnten theoretisch sofort – mit Gewinn – ausgeübt werden (wenn sie amerikanisch sind, was wir ja in der Regel annehmen) und daher kosten sie auch mehr.
      Der Hebel ist also bei Optionen aus dem Geld höher, weil weniger Kapital eingesetzt werden kann. Durch die ständige Kursbewegung ist man zusätzlich auch noch einem gewissen “Delta” ausgesetzt – was nur durch dynamisches Delta-Hedging kompensiert werden kann. Unterlässt man dies, so ist man zwar im ersten Moment perfekt gehedget – sobald sich das Delta jedoch ändert, ist man unter- oder überhedget und diese Strategie geht zu gut auf (Glück), oder man ist nicht vollständig abgesichert.

      Du siehst schon, das wird schon sehr technisch. Vielleicht kannst Du ja mit diesen Begriffen weitere Recherche betreiben. Diese Einleitung oben ist sicherlich nicht der Garant für einen perfekten Hedge – sofern es ihn überhaupt gibt 😉

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  2. bin eigentlich über Folge 31 hier zu folge 30 gekommen. Hab selten eine so ausführliche Erklärung zum Thema Aktien gelesen, klasse.

    Ich hadere ja immer noch mit mir, ob ich es mal mit Aktien probiere.

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    • Ohne Dich jetzt stark beeinflussen zu wollen; aber mit Aktien solltest du es sicher mal probieren. Man kann das Risiko mit Aktien ja minimieren, in dem man nur einen sehr geringen Betrag investiert, den Du zur Not verschmerzen könntest. Wichtig hierbei ist allerdings einen günstigen Broker zu haben, damit die Gebühren nicht die Rendite auffressen. Ich verwende den in Folge 11 vorgestellten Diskont Broker Flatex: http://www.diekleinanleger.com/folge-11-der-broker-ihr-zugang-zum-kapitalmarkt/

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  3. MarkDupont says:

    Klingt leider alles nach einer Milchmädchenrechnung. Welche Optionen bieten denn schon die hier in Aussicht gestellten Vorzüge?
    Ich habe noch keine Optionsschein gefunden, dessen Kosten nicht exakt dem Gewinn des Basiswertes entsprechen.
    Wäre dem nicht so hätte man hier gewissermassen das Perpetomobile des Aktienmarktes gefunden.
    Ich mag mich täuschen, aber nach Durchsicht der gesamten Homepage, die sich durchgehend in Allgemeinplätzen verliert, konnte ich nicht einen einzigen Beitrag mit Substanz und nachvollziehbaren Beispielen entdecken.
    Ich kaufe dem Autor nicht ab, der Finanzguru zu sein, für den er sich ausgibt.
    Sollte ich mich täuschen, bitte ich um Verzeihung

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    • Hallo MarkDupont,
      vielen Dank für Deinen Kommentar, auch wenn er kritischer Natur ist.
      Zugegeben, der Artikel ist schon etwas älter (Stand: April 2012) und auch unser Wissen in Bezug auf Optionen und andere Derivate war damals noch nicht so stark ausgeprägt, wie es jetzt ist. Ein „Relaunch“ dieses Artikels wäre daher sicherlich wünschenswert.
      Aber:
      1. Verwechsle bitte Optionen mit Optionsscheinen nicht. Während Optionen auf Terminbörsen gehandelt werden, so sind Optionsscheine lediglich verbriefte Optionen, also Zertifikate von einer Emissionsabteilung einer (Investment)Bank. Hier zahlt man natürlich den Spread der Bank mit.
      2.: Es gibt kein Perpetuum mobile am Aktienmarkt. Mit Optionen kann man lediglich das Abwärtspotential einer Aktie für eine gewisse Zeit (Options-Laufzeit) für einen gewissen Preis (Optionsprämie) in einem gewissen Ausmaß (Strike-Level) begrenzen. Nach oben profitiert man weiterhin, nach unten ist man abgesichert. Natürlich nicht kostenlos – man zahlt ja die Optionsprämie.
      3. Wir verstehen unsere Aufgabe nicht darin, dass wir eindeutige Kaufs- oder Verkaufsempfehlungen geben. Dies ist auch der Grund, warum Sie wenig bzw. „keinen einzigen Beitrag mit Substanz und nachvollziehbaren Beispielen“ entdecken konnten. Über das Argument mit der Substanz könnten wir natürlich streiten – wollen wir aber nicht 😉
      4. Ich bin der Autor dieses Artikels und betrachte mich ausdrücklich nicht als Finanzguru 😉
      Liebe Grüße
      Clemens
      P.S.: Diese Strategie heißt auch „Put Insurance“, weitere Infos findet man natürlich unter diesem Suchbegriff. Nicht auf DieKleinanleger.com, da wir Optionsstrategien als irrelevant für Keinanleger betrachten, jedoch im WWW.

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  4. Pingback: Folge 34 - Die ultimative Aktien-Zusammenfassung | DieKleinanleger.com

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