Folge 49 – Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

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Folge 49 – Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV – das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine sehr häufig verwendete Kennzahl zur Bewertung von Aktien. Es ist einfach zu berechnen und sollte von jedem Anleger verstanden werden.

Generell gilt: Je niedriger das KGV, desto besser. Achtung: Ausnahmen bestätigen die Regel!

Berechnung des KGV

Das KGV lässt sich auf zwei Arten berechnen:

  1. Marktkapitalisierung / Gewinn
  2. Kurs / Gewinn je Aktie

Da die Marktkapitalisierung (englisch: Market Cap) nichts anderes ist, als die Anzahl der Aktien multipliziert mit dem Aktienkurs ist und der Gewinn je Aktie nichts anderes ist, als der Gewinn dividiert durch die Anzahl der Aktien, rechnet man mit der ersten Formel lediglich mit „größeren“ und bei der zweiten mit „kleineren“ Zahlen. Einen Unterschied im Ergebnis gibt es jedenfalls keinen!

Während der Kurs bzw. das Market Cap sekundenschnell ermittelt werden kann, tut man sich beim Gewinn schon wieder schwerer. Wie wir bereits in Folge 47 – Gewinn ist nicht gleich Gewinn festgestellt haben, gibt es eine große Anzahl an „Definitionsmöglichkeiten“ für den Unternehmensgewinn.

Wir raten für die Berechnung des KGV eine Gewinnart zu verwenden, welche relativ nahe an den auszuschüttenden Gewinn kommt – vorzugsweise den Gewinn nach Steuern (oft auch Konzernergebnis genannt).

Bedeutung des KGV

Das KGV sagt also aus, wie hoch ein Unternehmen – gemessen am Gewinn – bewertet wird. Ein KGV bedeutet von 5 bedeutet also, dass das Unternehmen mit dem 5-fachen Jahresgewinn bewertet wird.

Dieses Unternehmen benötigt also 5 Jahre, um seinen eigenen Wert durch Gewinne zu verdienen. Natürlich unterstellt man hier, dass der Gewinn gleich bleibt, was nahezu nie der Fall ist.

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Um die Bedeutung einfach zu erklären, denken wir an eine hypothetische börsennotierte Aktiengesellschaft. Die AG hat 100 Mio. Aktien ausgegeben, der Aktienkurs beträgt 10 Euro und der letzte Konzerngewinn (nach Steuern) hat 100 Mio. Euro betragen. Der Gewinn je Aktie beträgt also 1 Euro. Das KGV (10 / 1) ist 10.

Interpretation des KGV

Dabei ist allerdings zu beachten, dass sich das aktuelle KGV auf den „vergangenen“ Gewinn stützt. Fällt nun der Aktienkurs, fällt auch das KGV. Dies stellt jetzt ein Kaufsignal dar – aber Vorsicht!

Das KGV bezieht sich nun auf den aktuellen Aktienkurs, aber immer noch auf den „alten“ Gewinn (da noch kein neuer Gewinn veröffentlicht wurde).

Wenn der Kurs aufgrund einer Unternehmensnachricht gesunken ist, gehen Investoren davon aus, dass auch der Gewinn des Unternehmens sinken bzw. sich verändern wird. In diesem Fall, kann das „neue“ KGV sogar höher sein, als vorher.

Umgekehrt geht das natürlich auch:  Steigt der Kurs und somit auch das KGV, ist dies erstmals kein gutes Signal für einen Kauf, da der Einstieg überteuert sein kann. Steigt der Kurs aber, weil Nachrichten vom Unternehmen veröffentlicht worden sind, die auf ein Gewinnwachstum hindeuten, kann das neue KGV unter Umständen niedriger sein, als vorher.

Weiters sagt eine Kennzahl alleine sehr wenig über ein Unternehmen bzw. eine Aktie aus. Wenn jetzt unsere AG mit einem KGV von 10 bewertet wird, heißt das erst einmal nicht nichts Positives oder Negatives.

Werden Kennzahlen isoliert betrachtet, kann man daraus keine vernünftigen Schlüsse ziehen. Erst die Kombination mehrerer Kennzahlen bzw. der Vergleich mehrerer Unternehmen aus der gleichen Branche lassen erste Rückschlüsse auf eine Aktie oder ein Unternehmen zu.

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Wie Sie sehen, sollte man sich beim Aktienkauf nicht primär auf eine Kennzahl stützen. Eine Kennzahl muss richtig interpretiert und verstanden werden, damit man damit eine Investitionsentscheidung fundamental begründen kann.

Viele Analysten berechnen das KGV jedoch nicht auf aktuelle Zahlen, sondern versuchen Prognosen für das nächste bzw. manchmal auch für das übernächste Jahr zu erstellen. Beachten Sie hier allerdings eines: Prognosen sind Prognosen, mehr aber auch nicht. Sie können stimmen, müssen es aber nicht.

Fazit für den Kleinanleger

Das KGV ist eine Kennzahl, die – wenn sie richtig interpretiert wird – einen ersten Einblick in eine Aktie liefert. Für eine Kaufentscheidung alleine reicht sie nicht aus. Wenn allerdings aus 500 Aktien ausgewählt werden soll, kann man mit dieser Kennzahl schnell Unternehmen finden, die nach eigener Meinung fair bewertet sind.

Unsere Kollegen von gevestor.de haben dieses Thema noch einmal multimedial aufbereitet!

Weiterführende Links

In folgenden Artikeln haben wir bereits über die Aktien- bzw. Unternehmensanalyse berichtet:

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Folge 49 - Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), 4.9 out of 5 based on 8 ratings

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4 Comments

  1. Hi,
    ich habe eine Frage bzgl. der Berechnung des KGVs.
    Welchen “Gewinn” ziehe ich zur Berechnung heran, wenn ich das KGV über die Marktkapitalisierung bestimmen möchte?
    Wenn ich z.B. das KGV einer US-amerikanischen Aktie bestimmen möchte und das entsprechende SEC-Filing als Grundlage nehmen möchte, finde ich ja hier auf einfache Art und Weise die Angaben zum “aggregate market value” (Marktkapitalisierung) und zum “net income” (Gewinn).
    An der Stelle kommt es zu meiner Frage: Nehme ich hier dann das “net income” oder das “net income attributable to common shareholders”?
    Vielen Dank!

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