Folge 49 – Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

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Folge 49 – Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Zuletzt aktualisiert: April 2026

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis — kurz KGV — ist eine der bekanntesten Kennzahlen zur Bewertung von Aktien. Einfach zu berechnen, schnell zu verstehen, weltweit verbreitet. In dieser Folge erklären wir das KGV einfach und nachvollziehbar, zeigen die Berechnung mit Beispiel und ordnen ein, wann ein niedriges KGV wirklich ein Kaufsignal ist — und wann nicht.

Was ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis? (einfach erklärt)

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis setzt den Kurs einer Aktie ins Verhältnis zum Gewinn, den das Unternehmen pro Aktie erwirtschaftet. Ein KGV von 10 bedeutet, dass der Kurs dem zehnfachen Jahresgewinn pro Aktie entspricht — das Unternehmen bräuchte also rechnerisch zehn Jahre, um seinen heutigen Börsenwert durch Gewinne einzuspielen. Im Englischen heißt das KGV Price/Earnings Ratio oder kurz P/E ratio. Faustregel: Je niedriger das KGV, desto günstiger scheint die Aktie auf den ersten Blick — Ausnahmen bestätigen aber die Regel.

KGV berechnen: Formel und Beispiel

Das KGV lässt sich auf zwei gleichwertige Arten berechnen:

  • Formel 1: Marktkapitalisierung geteilt durch Jahresgewinn
  • Formel 2: Aktienkurs geteilt durch Gewinn je Aktie

Beide liefern dasselbe Ergebnis. Die Marktkapitalisierung (Market Cap) ist die Anzahl aller Aktien multipliziert mit dem Kurs. Der Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) ist der Jahresgewinn geteilt durch die Anzahl der Aktien.

Rechenbeispiel

Eine Aktiengesellschaft hat 100 Mio. Aktien, einen Kurs von 10 Euro und einen Konzerngewinn von 100 Mio. Euro. Marktkapitalisierung (1 Mrd. Euro) geteilt durch Gewinn (100 Mio. Euro) ergibt ein KGV von 10. Als Gewinn im Nenner hat sich der Gewinn nach Steuern etabliert — mehr Hintergrund in Folge 47 — Gewinn ist nicht gleich Gewinn.

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Wie interpretiere ich das KGV richtig?

Ein KGV alleine sagt wenig aus. Entscheidend ist der Kontext auf drei Ebenen: Branchenvergleich, historischer Vergleich des Unternehmens mit sich selbst, und die Relation zum erwarteten Gewinnwachstum. Ein KGV von 10 ist bei einem Versorger normal — bei einem schnell wachsenden Softwareunternehmen wäre es ein Schnäppchen.

Wichtig: Das KGV bezieht sich auf den vergangenen Gewinn, der Kurs reagiert aber auf Erwartungen. Fällt der Kurs nach schlechten Nachrichten, sinkt das KGV — das sieht nach Schnäppchen aus, ist aber oft eine Warnung, dass der Markt auch künftig fallende Gewinne erwartet. Viele Analysten arbeiten deshalb mit dem geschätzten KGV (Forward P/E), das sich auf den erwarteten Gewinn des nächsten Jahres stützt.

Das Shiller KGV — der geglättete Bruder

Eine Variante, die kurzfristige Gewinnschwankungen umgeht, ist das Shiller KGV — benannt nach dem Nobelpreisträger Robert Shiller. Statt des aktuellen Jahresgewinns verwendet es den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der letzten zehn Jahre. Das Shiller KGV (englisch CAPE Ratio) eignet sich besonders für den Langfristvergleich ganzer Indizes. Für den S&P 500 liegt der historische Durchschnitt bei etwa 17 — Werte deutlich darüber gelten als Warnsignal.

Was ist ein „gutes“ KGV?

  • KGV unter 10: defensive, wachstumsschwache Branchen — kann Schnäppchen oder Value Trap sein
  • KGV 10–20: historischer Durchschnitt breiter Aktienmärkte
  • KGV 20–30: moderat wachsende Qualitätsunternehmen
  • KGV über 30: Wachstumswerte mit eingepreistem hohen Gewinnwachstum

Häufige Fragen zum KGV

Wie unterscheidet sich das KGV vom KBV?
Das KGV misst den Kurs im Verhältnis zum Jahresgewinn, das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) im Verhältnis zum bilanziellen Eigenkapital — mehr in Folge 51 — Das KBV.

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Warum haben manche Unternehmen kein KGV?
Weil sie Verluste schreiben. Ein KGV lässt sich nur sinnvoll berechnen, wenn der Gewinn positiv ist.

Was ist der Unterschied zwischen historischem und geschätztem KGV?
Das historische KGV basiert auf dem tatsächlichen Gewinn des letzten Geschäftsjahres, das Forward P/E auf Analystenprognosen für das kommende Jahr.

Gibt es einen KGV-Rechner?
Die Formel ist einfach genug für den Kopf: Aktienkurs geteilt durch Gewinn pro Aktie. Die Zahlen zum Gewinn je Aktie finden Sie in jedem Geschäftsbericht.

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