Was eine Spekulationsblase eigentlich ist – und warum wir Spekulationsblasen gar nicht entgehen können

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Was eine Spekulationsblase eigentlich ist – und warum wir Spekulationsblasen gar nicht entgehen können

Sie verbreiten Angst und Schrecken, bergen immer das Risiko des kompletten Zusammenbruchs von Märkten und werden dennoch meist erst dann deutlich erkannt, wenn die Katastrophe bereits ihren Lauf nimmt: Spekulationsblasen. Wie und warum eine Blase entsteht und warum wir Spekulationsblasen kaum entgehen können, erklären wir in diesem Beitrag auch anhand eines interessanten, anschaulichen Beispiels aus der Forschung.

Was ist eigentlich eine Spekulationsblase?

Damit es sich um eine Finanzblase handelt, müssen genau zwei Dinge zusammenkommen: ein (zu) hoher Preis eines Spekulationsobjekts (Aktien, Rohstoffe, andere Handelswerte wie etwa Immobilien auf dem Markt) und gleichzeitig hohe Umsätze bei genau diesem Basiswert. Die Preisüberhöhung kann man in diesem Fall anhand des sogenannten “inneren Wertes” eines Marktwerts festmachen – aus genau diesem Grund ist auch das “Value Investing“, das von Warren Buffett so vehement auch für Kleinanleger propagiert wird, ein hervorragender Schutz, um nicht auf eine Blase hereinzufallen und Verluste zu vermeiden.

Jede größere Blase hat dabei das Potenzial, zu einem totalen Börsencrash zu führen. Die Preise steigen aufgrund der hohen Umsätze immer weiter, und brechen dann plötzlich zusammen, was in der Folge zu einem Börsencrash führen kann. Die Finanzwirtschaft nennt das “bubble-and-crash-pattern” – also Blase-und-Zusammenbruch-Muster. Ob es sich in Einzelfällen überhaupt um eine Blase gehandelt hat, wird dabei oft diskutiert. Generell hat man sich darauf geeinigt, dass Blasen dadurch gekennzeichnet sind, dass sich Preise nicht mehr durch fundamentale, belastbare Daten in ihrer Höhe erklären lassen.

Warum kommt es überhaupt zur Bildung von Blasen?

So ganz genau kann das auch die Wissenschaft noch immer nicht beantworten. Naturgemäß gehört den Spekulationsblasen (im Englischen “bubbles”) zwar die ungeteilte Aufmerksamkeit vieler Finanzforschungsinstitute, wirklich klare und verwertbare Erklärungsansätze, wie eine Blase genau entsteht, kann aber bislang niemand machen. Vermutlich müssen für das Enstehen einer Blase mehrere Faktoren zusammenkommen – was in der Praxis aber immer wieder der Fall zu sein scheint.

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Faktoren, die sicherlich immer mit beteiligt sind, sind Herdenverhalten, begrenzte Rationalität bei vielen Marktteilnehmern, wenn es um Marktentscheidungen geht und hoch spekulatives Verhalten. In der Finanzwirtschaft häufig angeführt wird auch das sogenannte “Greater-Fool-Prinzip”: Wer einen Anlagewert für einen schon überhöhten Preis kauft, rechnet insgeheim immer damit “noch einen größeren Narren” zu finden, der einen noch höheren Preis dafür zahlen wird. Einige behaupten, Blasen entstünden schlicht aus der Gier der Marktteilnehmer als unvermeidbare menschliche Eigenschaft – eine solche starke Vereinfachung muss man allerdings höchstwahrscheinlich als zu starke Vereinfachung und als wissenschaftlich zu unpräzise betrachten.

Ein interessantes Experiment

Wesentlich an der Erforschung beteiligt sind auch die Verhaltensökonomen – das sind Wissenschaftler, die erforschen, wie sich Menschen unter bestimmten Bedingungen beim Handeln verhalten, und welche Entscheidungen sie aus welchen Gründen treffen. Schon ein einfaches Laborexperiment mit einer Gruppe von Wirtschaftsstudenten zeigt eindrücklich, wie schnell es selbst auf sehr überschaubaren Märkten mit einem einzelnen zu handelnden Wert zur Bildung von überhöhten Preisen kommen kann. Und das, obwohl die Studenten wussten, dass sie an einem Spekulationsblasen-Experiment teilnahmen. Das gleiche Experiment wurde vielfach variiert und von unterschiedlichen Institutionen durchgeführt – einige sehen dabei vor allem ungleich verteilte Informationen als ausschlaggebenden Grund für die Bildung einer Blase, andere Experimente, wo alle Studenten über alles informiert waren, sprechen allerdings wiederum dagegen. Eine gleichmäßige Verteilung von Informationen über alle Märkte hinweg lässt sich in der Praxis aber schon einmal gar nicht erreichen – und Experimente zeigen, dass auch absolute Transparenz in der Praxis nicht allein ausreicht, um Blasen zu vermeiden. Interessant ist aber der Effekt, dass die Marktteilnehmer in diesen Laborexperimenten lernfähig sind: Sie können nach mehreren Versuchen im gleichen Setting lernen, keine Blasen mehr entstehen zu lassen und rechtzeitig gegenzusteuern, wenn sie aus der Erfahrung die Anzeichen erkennen. Ob man diese “Lernfähigkeit” aber irgendwann fördern kann und verallgemeinern kann, bleibt eher fraglich.

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Blasen haben uns schon immer begleitet

Wie die Geschichte der Börsencrashs weltweit eindrucksvoll zeigt, sind Blasen schon vom Anfang an die unvermeidlichen Begleiter des Börsenhandels. Die Geschichte mit der Tulpenmanie, die in Holland finanziell unglaublichen Schaden anrichtete, fand noch lange vor der Schaffung moderner Börsen statt, nämlich 1636 – 1637. Es war aber dennoch eine klassische Blase, deren Platzen eine verheerende Katastrophe nach sich zog. Auch die Wirtschaftskrise in den 30er Jahren ist das Ergebnis einer gigantischen Blase, vielen ist die dotcom-Blase noch in teils schmerzhafter Erinnerung geblieben und auch die Wirtschaftskrise von 2008 wird mit ähnlichen Faktoren in Verbindung gebracht. Und dass es in Zukunft zu keinen Überbewertungen und ungerechtfertigten Höhenflügen von Werten kommen wird, ist bestenfalls eine fromme Hoffnung.

Immerhin haben wir schon wieder einen globalen Derivate-Markt, von vielen als eine globale Derivate-Blase bezeichnet, die sogar noch um ein Drittel größer ist als zu Beginn der letzten Finanzkrise, nämlich 710.000 Milliarden (!) Euro. Die darin enthaltenen Credit Default Swaps (CDS) betrachten viele – darunter auch Experten – als tickende Zeitbomben. Auch die recht offensichtliche Überbewertung einzelner Unternehmen (wie etwa den Mitfahrdienst “Uber”, der schon als Startup auf einen Wert von 17 Milliarden USD geschätzt wurde, und dem ein Potenzial von bis zu 200 Milliarden USD zugetraut wird) und die von Facebook bezahlten 19 Milliarden Dollar für WhatsApp bieten schon einen gewissen Anlass zur Besorgnis. Was wir aber gelernt haben, ist Krisen etwas früher zu erkennen und auch Maßnahmen für die Gegensteuerung identifizieren zu können. Fortschritte gibt es also durchaus.

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Was hilft, um nicht auch Opfer einer Blase zu werden?

Aufgrund der Gegebenheiten auf den Märkten scheint Warren Buffetts Ansatz des Value Investing immer besser als Schutz für Kleinanleger zu werden. In Verbindung mit einer möglichst langfristigen Anlageperspektive kann man immer davon ausgehen, dass sich echte und stabile innere Werte längerfristig immer behaupten können, vor allem wenn ein Management dahintersteht, das mit Krisen erfolgreich und umsichtig umgehen kann und sich dem Unternehmen aufrichtig verpflichtet fühlt. Auch negative Übertragungseffekte, die auch außerhalb der Blase befindliche Unternehmen treffen können, kann ein stabiles Unternehmen durchaus aushalten – und oft sogar gestärkt aus Krisen hervorgehen. Gerade als Kleinanleger lohnt es sich also, immer genau hinzuschauen.

Wie Studien beweisen, treffen die meisten Kleinanleger in Deutschland äußerst gute Entscheidungen – und sind sehr krisenfest aufgestellt, oft viel besser als professionelle Fondsmanager. Das kann einem immerhin Mut machen. Und die Chancen, dass wir eine neue Blase – die es unweigerlich geben wird – wieder einmal überleben, sind ja ganz gut. Immerhin haben wir das in der Vergangenheit schon bei verschiedensten Gelegenheiten geschafft. Es geht nur darum, nicht allzu viel Geld dabei zu verlieren – und dafür kann man immerhin vorsorgen.

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