Sind langfristig bewährte Börsenregeln oder „Kursraketen“ wahrscheinlich erfolgreich?

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Sind langfristig bewährte Börsenregeln oder „Kursraketen“ wahrscheinlich erfolgreich?

Die Idee zu diesem Beitrag entstammt diversen Internetforen, in denen sich Anleger über die nächste „Kursrakete“ austauschen und Aktien empfehlen, die eine sehr hohe Risikoposition haben. Diese „Kursraketen“ oder Aktien, die mehrere tausend Prozent Gewinn bringen sollen, kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Und haben leider viel zu oft eine Gemeinsamkeit: Es gibt zwar eine Vision, aber es ist noch nicht klar, ob diese jemals zu nachhaltigen Gewinnen führen kann. Oftmals sind nur die Gewinne vor Steuern und Zinsen positiv. Unter dem Strich stehen „rote Zahlen“, wenn Anleger den Jahresüberschuss oder Bilanzgewinn betrachten würden.

Doch wie können Sie sich als Anleger davor schützen? Unser Informationsangebot bei Diekleinanleger.com gibt Ihnen ebenso wertvolle Hinweise darauf wie die bewährten Börsenkenner und Fondsmanager des 20. Jahrhunderts. Der oftmals auch als das „Orakel von Omaha“ bezeichnete Warren Buffett kommunizierte interessante Leitlinien seiner eigenen Geldanlagestrategie, die die Anleger auch selbst umsetzen können — doch dazu später. Ein interessantes Fundament für die Geldanlage ist das Lesen der Zahlen bzw. auch Quartalsberichte der Unternehmen.

Mit dem grundlegenden Verständnis für das Zahlengerüst lässt sich die Vorteilhaftigkeit der Geldanlage schon vor der Ordererteilung bewerten. Interessante Lektüre zu diesem Themenbereich findet sich hier: Buchrezension: So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen.

Growth- und Substanzstrategien statt momentanes Kursfeuerwerk

Wenn Sie eine private Altersvorsorge aufbauen möchten oder mittelfristig einen hohen Wertzuwachs anstreben, dann stellt sich folgende Kernfrage: Welche Strategien und Unternehmenskonzepte sorgen noch in einigen Jahren für Beschäftigung, Wertzuwachs und ermöglichen die Zahlung einer Dividende? Eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group beleuchtete die Voraussetzungen für Wachstum und nennt diejenigen Branchen, bei denen mit einer guten Performance und einer weniger stetigen Aufwärtsentwicklung zu rechnen ist.

Die Studie betont — ebenso wie Star-Investoren — die Bedeutung der jeweils marktführenden Unternehmen, die einen steigenden eigenen Marktanteil mit einer Branchenaufwärtsentwicklung kombinieren. Für den Zeitraum von 2010–2014 werden als die fünf wichtigsten Branchen genannt: Mode- und Luxusartikel; Biopharma; Gebrauchsgüter/Konsumgüter (wobei hier die Abgrenzung nicht ganz eindeutig ist); Handel und Automobilzulieferer.

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Daraus lässt sich für den Anleger der Schluss ziehen, dass die oftmals in der Öffentlichkeit sehr präsenten IT-Unternehmen und Hardwarehersteller (Beispiel für den Softwarebereich SAP-Aktie, WKN 716460) zwar eine Chance für Kurswachstum präsentieren, in der Rendite aber unterhalb der klassischen Konsumgüterhersteller liegen. Dafür sind gerade bei IT-Start-ups und neuen Geschäftsmodellen die Schwankungsbreiten wesentlich größer, wie sich an der nicht mehr notierten Hegener & Glaser Aktie (ehemaliger Schachcomputerhersteller) oder auch den Kursverlusten von Oracle (WKN 871460) über verschiedene Zyklen zeigt. Für die langfristige Strategie statt schneller Kursraketen spricht die anhaltend gute Wertentwicklung von ETFs auf einen breit gestreuten Index oder aber auch von bei Morningstar gut bewerteten Investmentfonds auf den Konsumgüterbereich oder Börsenindices mit „Large Cap“-Unternehmen — also Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung.

Aus der Anlagestrategie von Warren Buffett, dem unvergessenen André Kostolany und weiteren Marktteilnehmern lassen sich folgende Merksätze oder Grundregeln für die Geldanlage herauskristallisieren:

1.) „Aktien kaufen und dann liegen lassen“

Diese Strategie bewährte sich in den 90er Jahren und dem Anfang des Jahrhunderts sehr gut. Mit dem Einzug moderner Technologien und stetiger Kursinformationen durch die Online-Broker würden wir diese Weisheit noch mit einem Punkt anreichern: Beim monatlichen Ausdruck des Depots lassen sich Werte feststellen, die sich 3 oder 6 Monate gar nicht bewegt haben. Wer einen solchen „Non-Performer“ wie beispielsweise die Halloren-Aktie (WKN A0LR5T) im Depot entdeckt, der könnte die Position glattstellen und in eine Aktie mit bewiesener Performance investieren.

2.) Konsumgüter werden jeden Tag gekauft — und verbraucht

Warren Buffetts Erfolg basiert auch auf einer Investmentstrategie, die sehr einfach klingt, beim erstmaligen Erfinden der Geldanlagestrategie aber jede Menge Nachdenken erfordert. Investments in Coca-Cola & Co. basieren auf folgenden Gedanken: Es handelt sich um starke Weltmarken, deren Ertragsbasis sich auf verschiedene Länder und Kontinente stützt und von einem lokalen Einbruch der Konjunktur damit nicht betroffen ist. Zudem weisen diese Produkte eine hohe Wiederkaufrate und geringe Kosten für Forschung und Entwicklung auf: Damit muss das investierte Eigenkapital nicht erst in einem jahrelangen Prozess bis zur Marktreife der Produkte gebunden sein, die Unternehmen können gleich Werte generieren.

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3.) Branchenverständnis soll vorhanden sein

Warren Buffett, André Kostolany und viele andere erzielten die hohe Performance der Geldanlage dadurch, dass sie mit begrenztem Risiko investierten. Insbesondere Warren Buffett betont immer, dass er nur in Werte und Branchen investiert, deren Geschäftsmodell er versteht. Wann immer der Privatkunde (oder Investor oder Kreditgeber) den werteschaffenden Prozess eines Unternehmens nicht versteht, dann lässt er die Hände davon. Wer diese Regel beherzigt, der wird von der Performancezerstörung durch kurzfristige Rücksetzer verschont bleiben: Vor dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang der 2000er-Jahre warnten KGV-Werte von oftmals jenseits von 100.

Eine ähnlich hohe Bewertung erreichte bereits damals Amazon (WKN 906866), wobei sich hier die Börsenwelt nicht unbedingt einig war: mangels kurzfristiger Gewinnperspektiven im Online-Handel diversifizierte Amazon in alles Mögliche bis hin zum stationären Handel.

4.) Bankanalysten betrachten die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das Währungsrisiko

Wer als Investor nicht nur in die Weltmarken à la Coca-Cola, Unilever und Mondelez investiert, der sollte sich gut über die einzelnen Volkswirtschaften bzw. das Währungsrisiko informieren. Dies ist sowohl anhand statistischer Daten möglich als auch über Währungsberichte. Eine leicht steigende Performance einer Aktie kann beispielsweise durch einen Verfall der Fremdwährung mehr als überkompensiert werden.

Der Neuabschluss von Handelsabkommen (beispielsweise zu einer Freihandelszone oder mit Meistbegünstigungsklauseln) kann zu einem Schub für die Teilnehmerstaaten führen. Für andere, nicht beteiligte Länder bedeutet dies: Sie können auch zeitweise oder dauerhaft abgekoppelt werden und ein niedrigeres Wachstum realisieren.

5.) Unsere eigene Erfahrung als Investor: Abwärtstrends bilden sich langsam heraus

Viel zu vielen Anlegern wurde die Performance durch Werte verwässert, die nach einer allgemein guten Bewertung langsam in einen Abwärtskanal kamen. Seien es die Versorger wie E.ON oder auch der früher als defensiv bewertete Bankensektor (wie das Beispiel der Commerzbank zeigt): In den meisten Fällen entstehen massive Kursverluste nicht über Nacht. Wenn Anleger nach neuen Höchstständen eine Stop-Loss-Order setzen, dann lassen sich in sehr vielen Fällen die Löwenanteile der Performance retten. Eine ähnliche Strategie verfolgen auch aktiv gemanagte Fonds, die einen Börsenindex nicht vollständig replizieren: Sie treffen eine Auswahl der besten Aktien eines Segments und trennen sich rechtzeitig von Underperformern oder Werten mit erheblichen Kursrücksetzern.

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Zusammengefasst kann deshalb gesagt werden, dass die seit längerem geltenden Börsenweisheiten und Ratschläge zum Aufbau eines Depots und einer Investmentstrategie weiterhin Gültigkeit haben. Im Bereich insbesondere kleinerer Unternehmen und innovativer Geschäftsmodelle ist zwar etwas Dynamik hinzugekommen. Allerdings ist es in vielen Fällen so, dass in diesem speziellen Marktsegment die Risiken die Chancen überwiegen. Deshalb sollten Sie sich von Kursraketen verabschieden. E-Mails, die mehr als 3.000 Prozent Gewinn versprechen, könnten Sie deshalb nur zu Zwecken der Schärfung Ihrer Wahrnehmung lesen. Die klassische Geldanlagestrategie in ETFs, Aktienfonds oder Einzelwerten erscheint deshalb vielversprechender als die schnelle „Kursrakete“. Um im Bild zu bleiben: Diese kann im schlimmsten Fall auch verglühen.

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