Warren Buffett’s Investmentideen: Auch in Ihrem Depot umsetzbar?

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Warren Buffett’s Investmentideen: Auch in Ihrem Depot umsetzbar?

Anlässlich der Quartalsberichterstattung von Warren Buffetts Investmentfonds fragten wir uns: Gibt es langfristig erfolgreiche Investmentideen, die sowohl große Finanzinvestoren als auch Privatanleger umsetzen können? Die Antwort ist erstaunlich: Zwischen ihren eigenen Depotstrategien und dem aktiv gemanagten Portfolio von Warren Buffetts Unternehmen gibt es jede Menge Parallelen.

Der beste Einstieg in den Vergleich gelingt, wenn man sich die seit 1983 (!) geltenden Grundprinzipien bzw. Leitfäden von Warren Buffett ansieht und diese mit den Erfahrungen von Anlegern in Deutschland abgleicht. Wenn Sie die gesamten Prinzipien nachlesen möchten, dann können Sie die englische Originalfassung bei Berkshire Hathaway finden. Einige Grundprinzipien haben mit der grundlegenden Geschäftsphilosophie und partnerschaftlichen Beziehung zwischen Investoren und Anlegern zu tun, manche werden aber richtig konkret. Wir berichten Ihnen deshalb von einigen ausgewählten Prinzipien:

Prinzip 3: Langfristiger Wertzuwachs als Grundstein der Anlagestrategie

Berkshire Hathaway achtet darauf, dass der durchschnittliche jährliche Wertzuwachs nicht aus Spekulation oder Wahrnehmungsverzerrungen kommt, sondern es einen fundamentalen Grund für den Wertzuwachs gibt (im Original: „is to maximize […] average annual rate of gain in intrinsic business value on a per-share basis“). Ähnliche Ideen finden Sie in dem Teil des Depots, bei dem Sie nicht in den Gesamtmarkt über einen ETF investieren, sondern sich einzelne Aktien oder Wertpapiere heraussuchen. Unsere Artikel über die Dividendenkönige der Aktien oder auch über den Wertzuwachs insbesondere bei den Blue Chips thematisieren genau dieses langfristig gültige Prinzip mit leicht anderen Schwerpunkten.

Wenn Sie sich die Langzeit-Performance-Listen der Top-Aktien beispielsweise auf Finanzportalen wie finanzen.net oder in Ihrer Broker-App ansehen, dann finden sich meist Werte aus dem Konsumgüter-, Nahrungsmittel- oder auch Chemie-/Pharmabereich. Dies unterfüttert die These, dass die Innovationszyklen in anderen Branchen so kurz geworden sind, dass nur wenig langfristig kursstärkende Substanz verbleiben kann.

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In den nachfolgenden Prinzipien beschreibt Warren Buffett unter anderem seine Orientierung an den Substanzwerten von Unternehmen. Für Ihr eigenes Depot lässt sich dies unter anderem durch die Kennzahl des KGV und auch anhand der Buchwerte bzw. Substanzwerte umsetzen.

Prinzip 7: Keine Fremdfinanzierung für langfristige Investitionen

In vielen Artikeln über den Star-Investor wird über die Weisheit des „Orakels von Omaha“ ausführlich berichtet. Auch durch die Internet-Blase am Anfang des Jahrtausends sind das Unternehmen und seine Aktionäre vergleichsweise unbeschadet gekommen.

Beim Durchlesen der Prinzipien erstaunte uns der Hinweis auf die Verschuldungsstrategie bei Investments. Berkshire Hathaway nutzt Kredite nur sehr wenig („We use debt sparingly“), um Wertpapierinvestments zu finanzieren. Dieser Grundsatz klingt interessant, da viele Online-Broker ja auch Wertpapierkredite anbieten, damit die Anleger den Depoterfolg erhöhen können. Wahrscheinlich geht diese Betrachtungsweise davon aus, dass im (früheren) Hochzinsumfeld die Differenz zwischen der Wertpapierrendite und den Finanzierungskosten nur einige wenige Prozent betragen hat. Und damit die Risikoerhöhung durch Fremdfinanzierung in keinem angemessenen Verhältnis zu den Ertragschancen stand.

Aus dieser Sichtweise heraus ist gegen die kurzfristige Finanzierung eines Trades mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf einen Aufwärtskanal bzw. einen Kurssprung nichts einzuwenden. Die Finanzierung eines Depots bis zur Beleihungsgrenze scheint in der langfristigen Betrachtungsweise allerdings nicht vorteilhaft zu sein, besonders wenn die Großbanken-Konditionen als Berechnungsgrundlage herangezogen werden.

Das Grundprinzip der Werthaltigkeit als Depotsicherungsinstrument

In der weiteren Beschreibung der Investmentprinzipien ist ein Abschnitt „Intrinsic Value“ (Werthaltigkeit, innerer Wert) zu finden. Damit wendet sich das Unternehmen ganz gezielt dem ursprünglichen Sinn der Geldanlage und des Wertpapiermanagements zu. Es ist das Ziel, langfristig Werte zu schaffen. Abgesehen von ein paar Trading-Positionen zur Erhöhung der Gesamtrendite sollte das Depot von Anlegern auch auf diesem Grundsatz beruhen. Ansonsten ist die Gefahr vergleichsweise groß, in einen überkauften Wert zu investieren, dessen KGV bei sehr geringem Substanzwert bereits sehr ausgereizt sein könnte.

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Wenn Sie das Prinzip der Werthaltigkeit — oder auch der Abzinsung von Gewinnen — verwenden würden, dann würden Sie ähnlich wie Berkshire Hathaway eher nicht in Unternehmen mit astronomischen KGVs investieren. Ähnlich könnten Sie auch argumentieren, wenn Branchen in Mitleidenschaft durch Technologiebrüche gezogen werden: Hier werden sich die Einnahmenströme in den nächsten Jahren fast vollständig verändern, die heutigen KGV- und Dividendenzahlen lassen sich nicht auf die nächsten Jahre unverändert fortschreiben.

Umsetzung der Wertigkeitsideen in Ihrem Depot möglich

Wenn Sie die legendären Anlagestrategien von Warren Buffett auch in Ihrem Depot umsetzen möchten, dann können Sie viele Kernelemente wie die langfristige Orientierung, das Achten auf Substanzwerte und die kritische Betrachtung der Fremdfinanzierung von Investmentideen leicht modifiziert übernehmen. Nicht alle Investmentvorschläge von Warren Buffett sollten sich aber in Ihrem Depot wiederfinden, weil sie eine Übergewichtung von Investments in den USA und in Kanada zur Folge haben würden. Die Grundidee, in exzellente Unternehmen zu investieren, lässt sich aber mit äquivalenten Werten durchaus auch im europäischen oder deutschen Geldanlage-Kontext sehr gut umsetzen. Im Nahrungsmittel-Bereich sind die fünf größten Unternehmen weltweit tätig, weshalb Coca-Cola & Co. trotz Geschäftssitz in den USA über die einzelnen Einnahmequellen diversifizieren.

Angesichts der Langfristigkeit der Geldanlage sollten Sie als privater Geldanleger zusätzlich darauf achten, dass die Gebühren der Transaktionen und der Depotverwaltung so günstig sind, dass diese möglichst wenig an Rendite kosten. Bei modernen Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable Capital fallen — anders als bei Filialbanken — praktisch keine Kosten mehr an. Machen Sie den für Sie günstigsten Anbieter mit unserem Depot-Vergleich ausfindig.

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